Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 25 (1964)
- Issue
- 2089 (6.11.1964)
- Date
- 1964-11-06
- Page
- [Seite 12] (sequence 12)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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°aa Sâ-s es* ô ï a < O FBANQIHSO PAGADO Concesión 908 TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 Año XXV. BUENOS AIRES, VIERNES 6 DE NOVIEMBRE DE 1964 N» 208» * 10.- EL EJEMPLA en toda la República PUEVRREDON 2190 1« l*q. T. R. M 2813 Ráenos Aires Die Organisation der Feiglinge professor Dr. vialon Je länger sich der Auschwitz Prozess hinzieht desto trüber wird das Bild, das die Angeklagten von sieh selbst und ihrer einstigen Herrschaft -entwerfen. Ais sie noch die äussere Macht dazu hatten auf wehrlose Gefangene einzuschlagen oder sie grausam zu Tode zu quälen, hilflose Frauen und Kinder ln die Gaskammern zu treiben oder ihnen Phenolspritzen zu geben, da taten sie es mit fein geputzten Sporenstiefeln und einem unglaublichen Hochmut, durch wel cihen sie ihre Verworfenheit und ihren Satanismus schlecht verbargen. Heute suchen sie jede Möglichkeit sich der Verantwortung zu entziehen. Entweder behaupten sie nichts zu wissen, jedenfalls selbst nichts Strafbares getan zu haben, oder sie beschuldigen andere. Das ist die grosse ,Kunst“ ihrer Verteidigung, von ihren Rec.htsbeiständen ganz offensichtlich suggeriert, obwohl doch auch diese nach dem Gesetz verpflichtet sind an i der Wahrheitsfindung Anteil zu nehmen. Den folgenden Bericht eines Augenzeugen sollen nur diejenigen lesen, die starke Nerven haben. Dies ist in Auschwitz, einem von Deutschen eingerichteten, von ihnen bewachten und verwalteten KZ unter Mirwirkung von Deutschen geschehen: „Ich sehe mein ganzes Leben Stark immer Stark, wo ich stehe — furchtbar!“ Mit diesem Aufschrei unterbricht der 42 Jahre alte Prager Beamte Fillp Müller plötzlich die Schilderung seiner furchtbaren Erlebnisse als Angehöriger des Sonderkommandos in Auschwitz. Er ist einer der wenigen Ueberlebenden des Sonderkommandos das im al teil Krematorium des Stammlagers die Leichen der Opfer ausziehen und verbrennen musste. von JAKOB KATZ-ROGASEN führte sie Aumeier durch das | Lagertor zu dem ausserhalb befindlichen alten Kremato- 1 rium und übergab sie dort „Vor den Ventilatoren standen dicht gedrängt die Leichen. Sie waren im Stehen gestorben. Eine Mutter hielt dem ehemaligen Angehörigen ' noch ihr Kind an der Brust. der Lagergestapo und heutigen Angeklagten Hans Stark. „Stark öffnete, schlug uns gleich mit der Peitsche und schrie: .Herein, ihr Schweinehunde.“ Es war ein Sams US A-WAFFEN FÜR ARABER Washington. — Der Kommandant des Natio. nalverbandes jüdischer Kriegsveteranen Ralph Ploisky, teilte mit, dass in Washington Verhandlungen über die Lieferung ultra moderner Waffen an Transjordanien und Saudi Arabien im Gange sind. Seiner Aussage nach besitzt seine Organisation .sichere vertrauliche Informationen“, dass sich der Stabschef der sauditischen Luftwaffe Generalmajor Abdulla Al Muttak, in den Vereinigten Staaten aufhält, um über den Kauf von Bombenflugzeugen mit Ueberschallgeschwindigkeit zu verhandeln, „über deren Eignung zu Angriffszwek. ken wohl kein Zweifel bestehen kann.“ (ITA) Müller war am 13. April 1942 — aus rassischen Grün den, wie er sagte — nach Auschwitz verschleppt worden. Er wurde dem Buna- Kommando zugeteilt, das damals im Block 11 des Stammlagers untergebracht war. Als ihn nach einigen Tagen eines Nachts zusammen mit einem französischen Häftling der Durst zu einem auf dem Hof stehenden Fass mit Tee trieb, wurden die beiden vom Lagerführer Aumeier er. tappt, der ihnen die Köpfe so lange in dem Fass untertauchte bis sie glaubten ertrinken zu müssen. Dann tagnachmittag. Wir kamen an einen Ofen, an dem einige Häftlinge arbeiteten. Da lagen Leichen. Ich war damals zwanzig Jahre alt und hatte noch keine Leichen gesehen. Ich blieb stehen. Stark schlug uns wieder und schrie, wir sollten die Lei. chen ausziehen. Es waren etwa siebenhundert Männer, Kinder und Frauen, w'ie Pakete. Rechts lagen noch etwa hundert Lei chen mit dem Streifen SU — Sowjetunion und geöffnete Koffer. Brot war darin und Kleider. ,Los los, die Leichen ausziehen“, schrie Stark. Es war eine schreckliche Arbeit. Die Leichen waren steif, wenn wir die Kleider zerrissen, schlug uns Stark wieder.“ „Hatten die Leichen Wunden?“ „Ja!“ „Waren sie erschossen w r den?“ „Nein, sie waren vergast.“ Müller fährt mit seinem schaurigen Bericht fort und schildert eine Gaskammer nach einem Massenmord: Auf dem Boden lagen grüne Kristalle. Es roch ein bisschen nach Mandeln. Wir mussten die Leichen ausziehen. Dann kam Stark und trieb uns, die Oefen zu entschlacken. Wir waren sieben Häftlinge bei dem Sonder kommando. Als wir ankamen, waren zwei Oefen in Betrieb; später sechs.“ Müller nennt alle Angehörigen des Sonderkommandos beim Namen und beschreibt, wie sie die Leichen zu je drei in die Verbrennungsöfen auf einem Karren, der auf Schienen lief schieben mussten. Dann schildert er, dass gleich am ersten Tag die Ventilato. ren durch die grosse Hitze verbrannten und sie sich vergeblich abmühten, das Feuer mit Wasser zu löschen. Als drei seiner Kameraden vor Erschöpfung zusammenbrachen, zog Stark seinen Revolver und erschoss sie, sagt der Zeuge. Daher mussten die vier Ueberlebenden des Sonderkommandos die noch nicht verbrannten Leichen auf einen Lastwagen verladen und ausserhalb des Lagers in einen mit Wasser gefüllten Graben werfen. Anschliessend wurde das Sonderkommando in einer Zelle des Arrestbunkers eingesperrt. Als Ersatz für die drei Erschossenen brachte der Blockführer am nächsten Morgen drei französische Häftlinge in die Zelle. In der folgenden Nacht mussten sie die in den Wassergraben geworfenen laichen wieder herausziehen. Wieder war es nach den Worten des Zeugen der Angeklagte Stark der sie dabei antrieb. „Wir konnten die Leichen kaum herausziehen, denn sie gingen in Stücke, Arme rissen aus. Zwei der Franzosen konnten nicht mehr. ,Was ist los, ihr Moritze?“ schrie Stark. Ich sah sie schon kaputt. Stark zog seine Pistole und erschoss sie.“ Wieder in die Zelle 13 des Blocks zurückgebracht, schrie am folgenden Abend jemand im Hof: „FischeLKommando ‘raustreten!“ So nannte Stark das Kommando nach dem Vorarbeiter. „Er holte uns wieder in Verlaengerung der Verjaehrung Brüssel. — Ein Gesetz, das die Verlängerung der Verjährung von Todesstrafen vorsieht, welche von belgischen Gerichten gegen wegen Kriegsverbrechen verurteilte Personen verhängt worden sind, wurde dem Parlament durch das Justizministerium vorgelegt. Das Gesetz dehnt das Recht zur Vollstreckung der Höchststrafe „wegen Vergehen oder versuchten Vergehens gegen die Staatssicherheit zwischen dem 9. Mai 1940 und dem 8. Mai 1945“ bis zum Jahre 1975 aus. In den Begründungen des Ministeriums heisst es: „Die furchtbaren Verbrechen, die während des zweiten Weltkrieges begangen wurden, können wegen ihrer Schwere und wegen der grossen Zahl von Opfern, die sie verursacht haben, nicht vergessen werden“; „Ferner geht aus dem Verhalten der Hauptverbrecher im Exil hervor dass sie keine Reue gezeigt haben. Daher kann ihnen ’keine Straffreiheit gewährt werden.“ (ITA) ,, Führungskrise“ bei Nazis London. — In der sogenannten Nationalsozialistischen Bewegung Grossbritanniens ist eine Führungskrise ausgebrochen. Die beiden Anführer der ehemalige Lehrer Colin Jordan und sein Stellvertreter John Tyndall, haben sich gegenseitig aus der „Partei“ ausgeschlossen. Zuerst hatte Jordan die britische Presse benachrichtigt, dass er Tyndall entlassen habe. Darauf behauptete Tyndall, es sei genau umgekehrt — Colin Jordan sei „wegen Pflichtvernachlässigung und unwürdigen Verhaltens in der Oeffentlichkeit“ auf Beschluss des „Stabes“ der Bewegung aus der Partei ausgeschlossen worden. (AWZ) den Hof des Krematoriums. ES kamen noch zwei Slowaken hinzu; nun waren wir wieder sieben, stark stellte uns an die Wand und sagte: ,Mit niemand sprechen, sonst werdet ihr erschossen.“ Die Hoftore wurden geöffnet, und 350 jüdische Frauen, Männer und Kinder kamen herein. Grabner war da und andere SS-Offiziere und Un. teroffiziere. Stark rief: ,Los alle ausziehen!”• Müller berichtet weiter, dass die Menschen nicht wussten, wo sie waren, und nicht ahnten, was ihnen bevorstand. „Aber sie spürten, es ist nicht gut. Sie schauten sich an, was wird nun? Sie ziehen sich ganz langsam aus. Stark schlägt mit zwei anderen SS- Männern mit der Peitsche auf sie ein. Die kleinen Kinder gehen zu ihren Eltern, aber sie weinen nicht. Dann gehen sie in eine kleine Stube — hindurch — in die Gaskammer. Sie war nicht so gross, wie später in Birkenau und hatte kein Fenster. Tiire zu und Stark rief: ,Die Klamotten einsammeln.“ Die Hoftore gingen dann wieder auf und 350 neue Menschen kommen. Wieder geht es so, wie beim erstenmal.“ „Sie flehen, Herr Kommandant, ich habe nichts gemacht — Sarah, stehen Sarah, stehen“, schreit Stark und schiesst die Flauen in die F*üsse. Die anderen müssen zusehen. Das kann man nicht schildern, und schiesst sie tot. Einmal habe Stark einen Bibelforscher „zwei Stunden lang gemartert, bis er ihn erschoss.“ Müller sah bei der zweiten Vergasung Stark anschliessend mit der Gasmaske und leeren Zyklon-B-Büchsen vom Dach des Krematoriums stei. gen. „Dann hörten wir husten, die Menschen schrien, schlugen gegen die Tiire, immer langsamer, langsamer, langsamer, langsamer... “ Nach der Vergasung musste das Sonderkommando „alle Klamotten“ wieder ein. sammeln und das darin gefundene Geld , Gold und Schmuckstücke in eine grosse Kiste werfen, aus der sich Stark und andere SS-Männer die Taschen füllten. Müller erklärte, dass 1942 jede Woche dreimal im alten Krematorium die Menschen vergast wurden. Während seiner sechswöchigen Zugehörigkeit zum Sonderkommando habe Stark zehn- bis elftausend Menschen in das Krematorium getrieben und selbst vergast. Einmal habe sich ein kleiner Mann unter den Kleidern versteckt und sei von Stark entdeckt worden. „Israel komm her rief Stark, stellte ihn an die Der Staatssekretär im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit, Professor Dr. Friedrich Karl Vialon, gehört zu jener Gruppe höchster Bundesbeamter, die mit einer bedeutsamen NS-Vergangenheit aufwarten können. Wenn Viaion heute darüber angesprocheu wird, kann er sich meistens an nichts erinnern. Vorwürfen begegnet er mit dem Argument, er sei als früherer Leiter der Abteilung Finanzen beim Rigaer „Reichskommissariat Ostland“ (oberster Chef war der in Nürnberg hingerichtete Kriegsverbrecher Rosenberg) nur „Haushaitsexperte“ gewesen. Seine Aufgabe habe darin bestanden, dafür eu sorgen, dass das Vermögen ermordeter Juden „nicht in unrechte Hände geriet“. Dazu gehörten auch die den Toten ausgebrochenen Goldzähne (Amtsdeutsch Viaions aus dem Jahre 1943: „Anfallende Edelmetalle”). Pech für den Herrn Staatssekretär — der in Bonn auf eine langjährige Karriere unter dem früheren Minister Schaffer, dann im Bundeskanzleramt unter Adenauer und Globke und heute unter Minister Scheel zurückblicken kann —, dass eine Reihe aufschlussreicher Schriftstücke aus dem „Reichskommissariat“ erhalten blieb, die seine Unterschrift tragen. Darunter befindet sich folgende Anweisung, die Vialon am 31. Juli 1943 Unterzeichnete: Betr.: Zusammenfassung der Juden in Konzentrationslagern. Geheim-Tgb. Nr. 280. Der Reichsführer Ss hat unter dem 20. Juni 1943 ungeordnet, dass alle im Gebiet Ostland noch in Ghettis vorhandenen Juden in Konzentrationslagern zusammenzufassen sind... So wird z. B. ein kleiner Teil des bisherigen Rigaer Ghettos voraussichtlich zu einem Konaentrationsla. ger umgestaltet... Die Leitung dieses zu errichtenden KL’s soll nach meinem Wunsch vom Generalkommissar Riga übernommen werden.“ , Heute will der damalige Regierungsdirektor natürlich nichts von der Ermordung der Juden gewusst haben. Zu den vielen belastenden Schriftstücken, die seine Unter, schrift tragen, erklärt er: „Ich selbst könnte weder behaupten dass die Dokumente gefälscht sind noch mich überhaupt zu ihrem Beweiswert äussern“. Ja, Herr Viaion, der auch Honorarprofessor an der Universität Saarbriikken ist, betrachtet sich sogar als eine Art Wohltäter der Juden und selbstverständlich als Gegner des Naziregimes, der sich bedauerlicherweise der Sprache des Nazis bedienen musste, „um überhaupt etwas für die Juden tun zu können“. In einem von ihm Unterzeichneten Schriftstück vom 15. Juni 1943 sieht das z. B. so aus: „Ich bitte, soweit es noch nicht geschehen sein sollte, nunmehr mit allein Nach, druck die Einziehung der jüdischen und herrenlosen Vermögenswerte zu betreiben.“ Alle Proteste haben in Bonn bis heute nichts gefruchtet, Vialon blieb als Staatssekretär im Amt. Keine Staatsanwaltschaft leitete bisher ein Ermittlungsverfahren ein, um die Verwürfe zu klären. In der letzten Zeit haben die Berliner Landesverbände des Liberalen und des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS) die Entlassung Viaions aus dem Staatsdienst verlangt. Die jüngste Delegiertentagung des SDs bekräftigte diese Forderung erneut wobei in der entsprechenden Entschliessung festgestellt wurde: „En Staat, in dem Leute wie er führende Positionen einnehmen, kann sich nicht als Erbe des Widerstandes bezeichnen.“ HOR<ST WINCKLBR Wand und schoss ihm zunächst in das eine und dann in das andere Bein. Dann setzte Stark den unschuldigen Menschen auf einen Koffer und schiesst ihn tot.“ Dieses grausame Morden hat stark an vielen F’rauen verübt, wenn die SS-Offiziere nicht den Vergasungen bei- 1 wohnten. loh will zeigen, was Stark war. Er nimmt zwei Flauen — Sarah an die Wand — holt sein Gewehr, zielt auf die Frauen... — Der vorstehende Bericht dieser Zeugenaussage ist wörtlich aus der Frankfurter Allgemeinen Zeitung übernommen. Handel mit Ecuador Jerusalem. — Die israelische Schiffahrts-Gesellschaft Sommerfine und die Regierung von Quito sind gewillt, gemeinsam eine Schiffahrtslinie zu betreiben, die vier Schiffe für den Transport von Obst stellen wird. Im Prinzip sollen die Schiffe gechartert werden. Zwei von ihnen werden unter israelischer, die anderen zwei unter ekuatorianischer Flagge fahren. (ITA) Paul VI. und die Juden Rom. — Papst Paul VI. soll beabsichtigen, die Erklärung der Katholischen Kirche über ihre Beziehungen mit den Juden in einem Dokument zu veröffentlichen, das von den übrigen Doktrinen, die dem Oekumenischen Konzil zur Beratung vorliegen, getrennt ist. Dies soll nach dem Urteil vatikanischer Kreise den Zweck haben, die Bedeutung des Dokuments zu unterstreichen. Man nimmt an, dass die neue Deklaration vor Beendigung des Konzils am 21. November bekannt gegeben werden dürfte. Der neue Entwurf soll klar aussprechen, dass das jüdische Volk als solches von der Anklage des Gottesmordes freigesprochen wird. Um die muselmanischen Bischöfe zu besänftigen, die sich einer solchen Erklärung widersetzen, wird die neue Version den Umstand betonen, dass die Katholische Kirche keine politischen Ziele verfolgt sondern nur den blinden Antisemitismus verurteilt. (ITA) Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 831 Registro de la Propiedad Intelectual N*> 826.205