Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 25 (1964)
- Issue
- 2089 (6.11.1964)
- Date
- 1964-11-06
- Page
- [Seite 1] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/9616703-9614256-9614706--3584-9614707- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
PUEYRREDON 2190 — 1» izq. JfaJenuiHaJsfocieüia AS« XXV. BLENO« AIRES, VIERNES 6 DE NOVIEMBRE DE 1964 SF 3089 Begegnung in i. i der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 wurden auf Befehl der nationalsozialistischen Kamarilla im gesamte Deutschen Reich die jüdischen Gotteshäuser angeziindet und niedergebrannt, die Geschäfte zertrümmert von JEHUDA GOTTHEIMER Jahren bewirkte, dass die Erinnerung verblasste zumal eine grosse Zahl derer die damals dabei waren, nicht mehr am Leben ist. Sicher, lieh sind nach diesen Geschehnissen im November und gepliindrt, tausende Ju. | 1938 von den Nazis Verbreden in Konzentrationslager | chen verübt worden, die in verschleppt und entwürdigt, : ihrer Grausamkeit und Ab jüdische Wohnungen und! scheulichkeit unvergleichbar Heime zerschlagen sowie alle entsetzlicher sind. In den Po Juden beschimpft, degradiert gehetzt, verfolgt, ausgeraubt und herumgejagt. In den Flammen, die am 9. und 10. November 1938 entzündet wurden, ist das deutsche Judentum zusammengebrochen und vernichtet worden. Von diesem Schlag haben sich die deutschen Juden als eine Jahrhunderte alte Gemeinschaft nicht mehr erholt. Wer sich nicht aus diesen Flammen retten konnte, ist in den späteren, barbarische« Verfolgungsmassnahmen elend umgekommen. Die überlebten, haben in neuen Ländern neues jüdisches leben auf gebaut. Einem alten Gesetz unserer Geschichte folgend, trugen sie der Väter Erbe in ihrem Herzen und Bewusstsein mit sieh, fühlten sie die heilige Pflicht, dem Dank für ihre eigene, wun dersame Freiheit durch die Erhaltung und Weitergabe eines unsichtbaren Erbes ei. nen lebendigen Ausdruck zu verleihen. So entstanden überall, wohin die Juden aus Deutschland ihren Fuss gesetzt haben, neue Gemeinden, oftmals in Orten, wo es bis dahin überhaupt keine Juden gegeben hat, meistens völlig unabhängig voneinander. Gerade diese besonderen Bedingungen der Fortsetzung jüdischen Lebens, auch auf dem lateinamerikanischen Kontinent, zeugt für die innere Gesetzmässigkeit, die in der jüdischen Geschichte wal fcet. — In den ersten Jahren nach diesem traurigen Ereignis der Synagogenbrände gedachten alle, für sich und in ihren Gemeinschaften dieses Tages und dieser Nacht, als eine auf Befehl entfesselte Volkswut in wenigen Stunden vernichtete, was durch jüdischen Geist, durch die Energie und den Fleiss lan ger Geschlechter aufgerichtet worden war. Von Jahr zu Jahr wurde die Zahl derer, die sich zu solchen Stunden der feierlichen Erinnerung zusammengefunden haben, kleiner, und heute sind es wohl nur noch wenige, die aus einem inneren Gefühl der Solidarität und des Schmerzes an die „Kr¡stell nacht“ zurückdenken. Der kurze Abstand von nur 26 den publiziert worden sind und wertvolles historisches Material gesammelt, sichergestellt und gesichtet haben. Die von der Stadt Heitbronn vorgelegte Arbeit von Hans Franke über „Geschichte und Schicksal der Juden in Heilbronn“ ist ein Musterbeispiel für solche Arbeiten, die aber doch nur einen kleinen Teil erfassen und das jüdische gromen des Jahres 1938 sind \ Schicksal in Deutschland einige Hunderte oder Tausen. J niciit in seiner Gesamtheit de umgekommen, bis die - UIKj nicht in einem grosse Ausführung der „Endlösung“ j ren, auch jüdischen Zusam- Millionen, sechs Millionen i menhang zeigen. Männer, Frauen und Kinder unseres Volkes dahinraffte. n. Es ist bemerkenswert und regt zum Nachdenken an Eis ist auffallend, dass eine Institution wie das Leo Back- Institut auf diesem Gebiet bisher noch keinen Versuch unternommen hat zu einer Israel und die EWG Brüssel. — Dem im Juni zwischen Israel und der Europäischen Wirtschafts- Gemeinschaft geschlossenen Abkommen muss „in naher Zukunft ein um fassender Pakt folgen, der den Anschluss Israels an die EWG beinhaltet“, wie der Präsident dieser Körperschaft, Jean Duvieu. sart, erklärte. Er äusser te dies bei seiner Rückkehr aus Israel, das er als Chef einer Delegation des Europa Parlaments besucht hat. (ITA) aus welchen Gründen wohl i Gesamtdarstellung zu gelan. bisher noch nicht der Ver-! gen, obwohl doch Mittel zu such unternommen worden ist, eine zusammenhängende Geschichte der Naziverfol gungen gegen die Juden in Deutschland und vor allem eine historische Monographie über die Vorgänge am 10 November 1938 zu schreiben. Wohl sind Publikationen über die Vorgeschichte die Machtergreifung und die ver schiedenen Vorgänge während der Nazizeit bis zum völligen Zusammenbruch im Mai 1945 in einer solchen Fülle erschienen, dass es kaum mehr möglich ist, diese Vielfalt der Produktion zu überblicken. Wissenschaftliche Zeitschriften erforschen die Einzelheiten dieser Zeitgeschichte, umfangreiche Werke über den Nazismus und seine Träger, über den Mordfeldzug gegen die Juden und die kriegerischen Unternehmungen des Dritten Reiches sowie Studien über die Herrschaft des Hakenkreuzes in allen ihren Aspekten sind zu grossen Bibliotheken herangewaehsen. Wir haben gründliche Untersuchungen über die Technik der Mordmaschine, über die Konzentrationslager über einzelne Vernichtungsstätten, über die nazistische „Kunst, Presse Funk, Malerei, Literatur“ usw., oder besser gesagt über das, was die Nazis mit diesen Worten bezeich i neten. Bedeutende jüdische | Schriftsteller, Historiker Fori scher haben sich an dieser j Stoffsammlung und -Sichtung beteiligt. Aber die Ge-! schichte des Unterganges der i europäischen oder der deut I sehen Juden ist noch nicht im Zusammenhang geschrieben worden. Eine gründliche I Arbeit über die Kristallnacht! fehlt. | ln den ersten Jahren nach j diesem Geschehen meinte man, dass die Wunden wohl noch zu frisch wären um schon mit dem erforderlichen Abstand Geschichte darstellen zu können. Nachdem aber viele Erlebn isberichte und Romane, auch von Juden, über diese Zeit geschrieben worden sind, wirkt dieses Argument nicht mehr überzeugend. In den letzten Monaten sind einige, sehr interessante Einzelabhandlungen über die Geschichte der Juden in einigen deutschen Städten herausgegeben worden, die — als ein Akt moralischer Wiedergutmachung gedacht — von deutschen Historikern im Aufträge von städtischen oder kommunalen Verbänsolcher Forschung zur Verfüfiigung gestellt sind, eine wichtige Voraussetzung fiir jede wissenschaftliche Arbeit. In seinen ausgezeichneten Publikationen beschäftigt sich dieses Institut, das doch berufen ist, „das Erbe des deutschen Judentums“ zu wahren und künftigen jüdischen Geschlechtern weiterzugeben, mit vielen Einzelfragen. Da werden Studien über den Weg von Max Brod oder die Berliner Friihexpressionisten, Arbeiten über den „Anteil der Juden an der städtischen Selbstverwaltung im Vormärz- 1 liehen Deutschland“, über den „Berliner Wissenschaftsj zirkel“ (1816—17) oder über i „Jüdische Mediziner der Kö. | nigsberger Universität vor | fünfzig Jahren“ zum Abdruck gebracht. 1 Gelegentlich hat man auct einzelne Aufsätze über The Kein Dementi aus Bonn New York. _ Wie der Korrespondent der „Times“ aus Bonn rmtfceilt, hat die deutsche Bundesregierung ,es abgelehnt, die küizlichen Infoimationen über eine verstärkte deutsche Militärhilfe für Israel zu bejahen oder zu verneinen“. Die Nachricht besagt, dass die Deutschen Israel die se Hilfe zu leisten beschlossen haben, um die Besorgnis der Israelis über die Anwesenheit deutscher Wissenschaftler m Aegypten zu zerstreuen. Obzw r inzwischen einige dieser Leute Stellungen angenommen haben, die ihnen deutsche Finnen anboten, so sind noch immer mehrere Hundert Experten aus Europa und vor allem aus Westdeutschland in Kairo mit der Entwicklung von Raketengeschossen beschäftigt. Karl Günther von Haase, hat in seiner Eigenschaft als Chef der westdeutschen Presse erklärt, d ss er keine Auskunft über die deutsche militärische Hilfe für Is. rael geben könne, solange nicht eine parlamentarische Sonderkommission über die Sachlage unterrichtet worden sei. Die Lsrael durch Westdeutschland gewährte militärische Hilfe, die lange Zeit hindurch geheim gehalten wurde, wird schon seit mindestens sechs Jahren geleistet. Israelische Elitetruppen sind in Deutschland ausgebildet und militärische Ausrüstungen für sih'itzungs weise 50 Millionen Dollar sind nach Israel geliefert worden. Die Meldung, die von den grossen europäischen Zeitungen abgedruckt wurde, ist anscheinend von der Bon ner Regierung lanziert worden. In Wirklichkeit ist das Geheimnis um diese Hilfe schon seit längerer Zeit aus Quellen innerhalb und ausserhalb der Regierung durchgesickert. (ITA) men und Ereignisse während der nazistischen Epoche, z. : B. über das jüdische Schul-! wesen, veröffentlicht, und , j jetzt wird ein Buch von Her- ' ' bert Freeden über das Jiidi i sehe Theater in der Hitler- ■ zeit erscheinen. Aber eine i Darstellung der Begebenhei Neue Chancen für Kriegsverbrecher Dr. W.: — In allen Fragen, die mit der von den Deutschen — und wahrscheinlich auch von anderen Völkern — nicht überwundenen traurigen Vergangenheit der nazistischen Epoche in irgendeinem Zusammenhang stehen, haben es die bundesdeut sehen Behörden auffallend eilig, durch Ausschluss- und andere Fristen einen schnellen und gründlichen Schlusstrich unter diesen Zeitabschnitt zu setzen. Die Motive die zu solcher überraschenden Haltung Anlass geben, sind unterschiedlicher Art. Die Begründungen für diese Einstellung der bonner Amtssteilen und die Kommentare, die Dritte hierfür abgeben, sind ebenfalls durchaus nicht einheitlich, son. dern von der politischen Auffassung und dem allgemeinen Standort des Urteilenden abhängig. Die erste Frage, die sich uns — und jedem Kritiker — stellt, der den Umfang- und die Grausamkeit der von den Nazis begangenen Schandtaten ermisst, dürfte überhaupt die sein: Kann es für die Fahndung und Ahndung dieser Verbrechen überhaupt eine Frist geben, nach deren Verstreichen die Uebeltäter nicht mehr zur Verantwortung gezogen werden können Die Belgier haben bereits diese Frage eindeutig beantwortet: Nein. Trotz aller Bemühungen, eine eindeu. tige Stellungnahme der deutschen Regie rung zu dieser Frage herbeizuf(ihren, um zu verhindern, dass nach dem 9. Mai 1965 Naziverbrechen nicht mehr verfolgt werden können sind bisher glatt gescheitert. Wenn uns auch noch einige Monate von diesem Termin trennen, wäre es doch an der Zeit, dass die Regierung der Bundesrepublik Stellung beziehen würde. Wir haben keine Veranlassung, innerdeutsche Diskussionen in unsere Betrach, tungen miteinzubeziehen. Dass die ostdeut, sehe Regierung die 20-Jahresfrist für Mordtaten während des nazistischen Regimes aufgehoben hat, mag ein Argument für die westdeutschen Kommentatoren sein, von ihrer eigenen Regierung das Gleiche zu verlangen, um hinter den Bemünungen der Ostdeutschen zur Ueberwindung der gemeinsamen deutschen Vergangenheit nicht zurückzustehen. Gewiss würden Verbrecher wie Meneeie oder Bormann nicht unter die Amnestie fallen, weil ihre Verbrechen bereits vor dem Fristabiauf bekannt geworden sind auch zu behördlichen Schritten wie werden konnten sind in den Wirren des; Unterganges des Dritten Reiches unterge- : taucht, führen heute noch fremde Namen und nehmen mitunter beachtlich hohe Positionen in der Bundesrepublik ein. Wie i der tschechische Innenminister kürzlich mitteilen konnte, wurden neue Dokumente gefunden, die bisher nicht oder nicht umfassend ausgewertet werden konnten. Eis ist wohl nicht möglich, dass Menschen, die. eine so schwere Schuld wie Mord oder Beihilfe zum Mord auf sich geladen haben nur deswegen ungeschoren bleiben sollen, weil das belastende Material erst jetzt ans Tageslicht gekommen ist. Der Einwand, eine solche Frist sei im Interesse der Rechtssicherheit ratsam, kann nicht überzeugen. Sollen diese Mör. der oder ihre Helfershelfer nur deswegen frei blieben, weil angeblich die .Rechtssicherheit* gefährdet ist, wenn man nicht „endlich“ den berühmten Strich unter die Vergangenheit zieht? — Mit dem gleichen oder noch stärkerem Recht kann man erklären, dass die Rechtssicherheit nur dann wiederhergestellt werden kann wenn jeder Schuldige — unabhängig von Fristen_zur (-den als römische Legionäre ten, die zum Untergang des deutschen Judentums gefülirt haben, ist noch nicht erschienen. Hierauf wird nicht hingewiesen. um eine — sicherlich berechtig be — Kritik zu üben sondern nur deswegen, um die Abstellung eines offen, sichtlichen Mangels anzuregen. Denn heute üesteht hieran keineswegs nur ein wissenschaftliches Interesse. Die mannigfaltigen Entlastungsversuche zugunsten der Nazis, die nach pseudo-wissenschaitlicnen Methoden ge. startet werden, sollten genügenden Anlass geben um die Wahrheit iestzuha-Hen und jede Gesellichtsklitterung alter und neuer Nazis, seien diese nun Deutsche oder Nichtdeutsche, zu vereiteln. Auch die Angriffe, die von der jüdischen Soziologin I Hanna Arendt gegen die ,.jü-! dische Führung“ lanziert worden sind und in der Be. 1 hauptung einer jüdischen Mitschuld am Untergang gipfelten, sollten eine klare,; umfassende Widerlegung fin- : den nachdem sie bereits j durch einige „private“ Stel- : lungnahmen ad absurdum ge- I führt worden sind die aber I unter allgemeinen Gesichts, punkten nicht ausreichen dürften. IH. Die Geschichte der Juden in Deutschland erstreckt sich .wahrscheinlich* über beinahe zweitausend Jahre. Dass Ju- und Einleitung von Ermittlungsverfahren oder Haftbefehlen geführt haben. Es gibt aber noch sehr viele Verbrecher, deren ruchlose Taten bisher nicht bekannt geworden sind. Die deutschen Staatsanwaltschaften entdekken noch täglich neue Verbrechen und finden auch neueTäter, die bisher im Verborge nen bleiben konnten, obwohl sie mitunter an der Ermordung vieler Tausender mit., gewirkt haben. Eine grosse Zahl solcher Verbrecher, die bisher nicht identifiziert Verantwortung gezogen werden wird. Oder haben die Deutschen etwas zu vertuschen, haben sie bestimmte Menschen oder Gruppen zu schonen? Die deutsche Frist-Politik muss solche Eindrücke im Ausland hervor, rufen. Bei dieser, bisherigen, Einstellung der deutschen Regierungsstellen muss die über eilte Fristsetzung für die Anmeldung von Entschädigungs-, Wiedergutmachungs- und Rückerstattungsansprüchen grosses Misstrauen erwecken. Mit welchem Recht hat man diese gegen das Grundgesetz versto. ssende .Sonderbehandlung* der den Opfern der Nazis zustehenden schon im Bürgerlichen Gesetzbuch verankerten Ansprüche auf Schadenersatz eingeengt? Hier soll nicht im einzelnen dargestellt werden, zu welchen grotesken, gegen jedes rechtliche Prinzip verstossenden Folgerungen diese Ausschlussfristen geführt haben, durch welche — um nur ein Beispiel zu nennen, — diejenigen Nazi-Opfer schlechter gestellt werden, die erst nach dem 1. Oktober 1953 die Möglichkeit gehabt haben, aus einem kommunistischen Land in die Freiheit zu gelangen. Niemand kann sich bei aller Objektivität dem Eindruck verschliessen, dass hier mit zweierlei Mass gemessen wird. Die Begünstigung der Naziverbrecher gegenüber ihren Opfern ist allein schon durch dieses Jonglieren mit den Fristen offensichtlich Die deutsche Regierung würde gut daran tun, ihren eigenen Standpunkt in der Fri sten Frage einer Revision zu unterziehen und sich dabei von keinem anderen Gesichtspunkt leiten zu lassen, als dem Recht zum Siege za verhelfen und der Gerechtigkeit Genüge zu tun. am Rhein stationiert waren, ist erwiesen. Ein Satz aus dem Codex Theodosianus belegt die Anwesenheit von Juden für das Jahr 321 in Köln. Mit Sicherheit haben Juden zur Zeit der fränkischen Kaiser in Deutschland (Schluss auf Seite 2) BEN BELLA DROHT WIEDER Paris. — Der Präsident Algeriens, Achmed Ben Bella, erbot sich erneut .seinen arabischen Brii dern“ in einem Krieg gegen Israel seine Truppen zur Verfügung zu stellen Er sprach auf einer Veranstaltung, die anlässlich des 10. Jahrestages des Beginns der Revolution gegen Frankreich statt, fand, und versicherte seinen Zuhörern, „dass im Bedarfsfall das algerische Heer gegen Israel aufmar schieren wird, um Palästina zu befreien.“ Ben Bella fügte hinzu, seine Soldaten würden auch gegen Moische Tschombe zu Felde zie hen, „dessen Regime 1500 Israelis verteidigen helfen“. (ITA)