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Jüdische Wochenschau · 1964-10-30 · 2088 (30.10.1964) · p. [Seite 8]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
25 (1964)
Issue
2088 (30.10.1964)
Date
1964-10-30
Page
[Seite 8] (sequence 8)
Language
German, Spanish
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FRANQUEO PAGADO gco © .3 _ Concesión 908 £ B .* ô ÿ s <G TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 Afio XXV. BUENOS AIRES, VIERNES 3« I>E OCTUBRE DE 1964 N? 2088 EL EJE MPLAR Ifl _ en toda ta República PUEÏRREDON 2190 19 i*q, T. E. 83 2613 Buenos Aires Immer waren es die anderen ^«* in die weit Aus dem unübersehbaren . Material des Auschwitz Pro. zesses sei eine Verhandlung herausgegriffen. die zum j Nachdenken zwingt. Eis ist; nicht die einzige, durchaus | nicht. Der Zeuge ist ein Durchschnittsmensch, wird auch von anderen so geschil- | dert. Er heisst Anton Glaser, ist, wie ein Reporter ihn beschreibt unauffällig, bedeutungslos. nicht beängstigend dumm, nicht gescheit, nicht aufrichtig, nicht durchtrieben,... .irgendwer aus unserer Mitte“, wie eine deutsche- Zeitung meint. Aber dieser , heute 53-Jährige hat seine! Vergangenheit, war Mitglied j der NSDAP, SS, später Waf- , fen-SS kam nach Lublin, | dann, schon 1940 als Wach j posten nach Auschwitz, wo er I mindestens 15 Monate gewej sen ist. Er war bei der äu- I sseren, bei der inneren Poj stenkette und auch bei den! Arbeitskommandos. Der Zeu- I ge bemerkt: ..Och da waren , Feldarbeiten. Abbruch, Kana.! lisierung, Drainage“. ■ Daraufhin entwickelt sich folgendes Gespräch zwischen j dem Gerichtsvorsitzenden und j dem Zeugen: j „Was haben sie für eine : Aufgabe gehabt?“ j „Ich hatte die Aufgabe, i dass keiner flüchten geht “! Ob er belehrt worden sei j über das Verhalten bei Fluchtj versuch? I „Bei Fliehen sollte von der j Waffe Gebrauch gemacht j werden." i Wenn der Häftling auf Ru-1 fen nicht „hält“. j „Wie oft sollte man ihn denn anrufen? Einmal? Zwei- : öetreii-na mal?“! „Das weiss ich nicht mehr.“ j „Sollten es gezielte Schiisj se sein oder Warnschüsse?“ j „Es sollte Zielschiessen j sein.“ | Ja, der Lagerkommandant! Hdss hat Instruktionen er. j teilt, auch der Kompagniej chef hat eine Ansprache ge- 1 halten“. Wer es war- Das ■ weiss er nicht mehr.! „Wurden denn mal Hafti linge erschossen?" „Bei mir nicht.“ „Sind Häftlinge in den von JAKOB KATZ-ROGASEJS elektrischen Stacheldraht ge. laufen?“ „Bei mir nicht.“ „Ist es denn überhaupt vorgekommen?“ „Ja, ich habe mal davon gehört." „Wissen Sie was vom ,Mützenschiessen'?“ ,Ich habe davon gehört.“ „Was haben Sie denn gehört?“ „Ja, . die haben erzählt, dass sie Mützen werfen, und dann haben sie geschossen.“ „Wer hat die Mützen geworfen, wessen Mützen und wer hat geschossen?“ „Ja das weiss ich nicht. Ich war ja nicht dabei.“ Der Vorsitzende sagt es ihm, da erinnert sich der Zeuge: ja, so wurde es er. zählt. Eis ist ganz so, als meinte der Zeuge Glaser das Gerichte berichte von Schiessbuden und nicht von Häftlingen, die sich auf Befehl die Mütze vom Kopf rissen, sie wegwarfen und beim Versuch, sie wiederzuholen, abgeknallt wurden. Nochmals von vorn; er könne auch die Antwort ver. weigern: der Zeuge habe nie auf Häftlinge geschossen in Auschwitz, wisse von nichts? Der Zeuge weiss von nichts, hat nie geschossen, hat nie erlebt, dass Häftlinge „auf der Flucht“ erschossen worden sind. So. meint der Vorsitzende, er habe da ein Schreiben der Kommandantur Auschwitz, die Erschiessung von Häftlingen auf der Flucht, gerichtet an das SS- und Polizeigericht 15 in Breslau. In dem Bericht gehe es um den Tod von zwanzig Häftlingen; aufgeführt werde unter den Namen der SS-Schützen auch ein SS.Rottenführer Anton Glaser; um Einstellung des Ermittlungsverfahrens werde gebeten, da die schützen in Ausübung ihrer Dienstpflicht gehandelt hätten; unter schrieben habe der Kommandant Höss. „Können Sie sich jetzt er. innern, dass Häftlinge erschossen worden sind?“ „Nein.“ Dann beginnt sich der zeuge herauszuwinden: Es waren keine zwanzig, sondern nur drei, „das war da oben, da haben sie geschossen,, links.“ „Sie nicht?“ „Nein.“ „Und deshalb hat man gegen Sie einen Tatbericht eingereicht?“ „ES waren andere.“ Also, es waren eben ande. re gewesen: Ek, der Zeuge, war nicht dabei. Stets wiederholt sich das gleiche Bild. Diese Gruppe von Zeugen, frühere SS- und Wachmann, schäften, lügt. Keiner zweifelt daran, dass diese .Zeugen' auch auf die Anklagebank gehören. Sie haben alle mitgemacht und sind alle an dem grössten Massenmord der Geschichte mitschuldig. Ob nun dieser Durchschnitts. kerl einen oder zwei oder mehr Menschen erschossen hat ist nicht entscheidend. Er hat aufgepasst, dass keiner dem Tode entrinnt. Dies wird bei seiner Darstellung vom Fahrdienst nur noch deutlicher. Diese Fahrbereitschaft beschäftigt das Gericht seit Wochen. Denn die Fahrbereitschaft unterstand der Kommandantur, und einer der Adjutanten, ein Mann namens Mulka, gehört zu den Hauptangeklagten dieses Monstre-Prozesses. Der Zeuge Glaser fuhr in Auschwitz Personenautos, mal einen Hauptfeldwebel, mal zu irgendeiner Wohnung, mal ins Kasino. Ja, er hat dazu Fahrbefehle gebraucht, Höss und der Adjutant unterschrieben sie. ,,Wurden auch Fahrbefehle von Mulka unterschrieben?“ „Das weiss ich nicht mehr.“ Der Zeuge plaudert weiter: „Den Führer vom Dienst hat er mal zur Rampe gefahren; er war nur kurz dort, hat gesehen, wie die Häftlinge entladen wurden, wie sie ihr Gepäck abgaben, sich entkleideten und ins Gas gingen. Streit hinter den Kulissen Vereinte Nationen. — Die lateinamerikanischen und arabischen Delegationen liegen in einem heftigen Streit hinter den Kulissen, der sich um das Recht Israels bewegt, einem der jüngsten Blöcke der UN als Mitglied beizutreten. Es handelt sich um eine informaje Gruppierung von 77 Staaten der der lateinamerikanische und afroasiatische Block angehören und die sich „Gruppe 77“ nennt. Sie setzt sich aus sogen, unterentwickelten Ländern zusammen, und ihre erste Versammlung im UN-Sitz sollte in dieser Woche stattfinden. Gegrün. det wurde sie vor einigen Monaten in Genf auf der Tagung des Wirtschafts- und Sozialrates der Vereinten Nationen. Damals wurde Israel trotz der lauten Proteste der arabischen Delegierten als Mitglied in den afroasiatischen Block aufgenommen und kann in die. ser Eigenschaft zum Mitglied in der „Gruppe 77“ gewählt werden. Die arabischen Repräsentanten haben gedroht, an der Sitzung nicht teilzunehmen, wenn Israel als Mitglied anerkannt wird. Die lateinamerikanischen Delegierten haben für Israels Aufnahme in die Gruppe gestimmt. Darauf begannen die arabischen Diplomaten, ihre nichtarabischen afroasiatischen und ihre latein. amerikanischen Kollegen „zu bearbeiten“. Die neue Gruppe will über die unterentwickelten Länder betreffende Fragen beraten, die später in der UN-Generalversammlung behandelt werden. Es ist jedoch bekannt dass die Teilnahme Israels an erster Stelle der Debatte figuriert. „Die Entkleidung haben Sie noch gesehen?“ „An solchen Baracken.“ Minuten später hat er nichts mehr gesehen, nur vermutet, dass sie sich entkleideten, weil „ich wusste, dass sie sich entkleiden mussten.“ — Da ist ein anderer Zeuge, der von Mitte 1940 bis zur Auflösung des Lagers, An. fang 1945, Dienst getan hat und zeitweise stellvertretender Fahrdienstleiter gewesen its, der ehemalige SS-Oberscharführer Leopold Heger. Alle Fahrbefehle, die er einzuteilen hatte, seien vom Kommandanten, meistens aber vom Adjutanten 'gekommen. Vorsitzender: „Wer war damals Adjutant?“ — Zeuge: „Ich kann mich auf die Namen nicht erinnern.“ — Vorsitzender: „Kennen Sie den Namen Mulka?“ — Zeuge: „Ja.“ — Vorsitzender: „Hat auch er unterschrieben?“ — Zeuge: „Ja, wenn der Kommandant nicht da war.“ Der Vorsitzende will wis. sen, ob es Fahrten für die Gaskammern gab. „Dafür I gab es keine schriftliche Befehle.“ — „Gab es mündliche?“ — „Ja.“ — „Von wem?“ „Vom Kommandanten oder vom Adjutanten.“ Damit wurde zum ersten Mal die direkte Verbindung von der Fahrbereitschaft, die für den Transport des Giftgases und den Transport der Häftlinge in die Krematorien zuständig war, zum Adjutanten, also zu den Angeklagten Mulka und Höcker, bestätigt. Eine Verbindung, die beide Angeklagte bisher energisch bestritten hatten. Ob der Zeuge nun auch mündliche Fahrbefehle von Mulka erhalten habe? Dar. über macht er unsichere Angaben. Vorsitzender: „Nun frage ich Sie, ob unter den Adjutanten, die Ihnen den Befehl gegeben haben, auch einmal Mulka war?“ „Muss doch wohl denn ohne Befehl ging kein Wagen raus!“ Der Zeuge bestreitet, an der Rampe gewesen zu sein, doch gibt es im Gegensatz zu einigen anderen ehemaligen SS-Männern zu, von den Selektionen un<j Vergasungen gewusst zu haben. Der Vorsitzende will vom Angeklagten Mulka wisen, ob er einen Fahrbefehl nach Dessau ausgestellt habe. In Dessau wurde das Giftgas Zyklon B produziert. Mulka: „Mir ist nur ein einziger Vor. gang bekannt, bei dem ich einen Fahrbefehl nach Dessau zur Abholung von Desinfektionsmitteln ausgestellt habe.“ Vorsitzender in den Akten blätternd: „Da hab ich aber mehrere hier. Ist das Ihre Unterschrift? Sie können sich ja davon überzeugen.“ Mulka eilt zum Richtertisch. „Was heisst hier auf dem Fahrbefehl Material für die Judenumsiedlung? Was haben Sie darunter verstanden?“ fragt der Vorsitzen, de. Erst nach verlegener Pause antwortet Mulka: „Na ja, Zyklon B.“ Vorsitzender: „Sehen Sie, Sie haben bisher immer den Standpunkt vertreten dass Sie mit den Vergasungen nichts zu tun hatten. So ist es doch nicht. Sie haben doch hier einiges unterschrieben.“ Soweit geht die Dreistigkeit der Angeklagten. Selbst der Adjutant des Lagerkommandanten leugnet die Mord-, taten, von denen er nichts gewusst haben will, jedenfalls an denen er nicht beteiligt war. Erst als er seine eigene Unterschrift unter den Mord, befehlen wiedersieht, muss er zugeben, den Befehl zur Beschaffung des Zyklon B für die Gasöfen von Auschwitz gegeben zu haben. Besuch Golda Meirs Dakar. — Israels Aussenminister Golda Meir wird Ende dieses Monats zu einem privaten Besuch in Dakar erwartet. Sie wird vorher in Lusaka und Lagos gewesen sein, wo sie an den Feiern zur Unabhängigkeit Nordrhodesiens teilnimmt. Von Dakar aus wird Frau Meir nach Südamerika reisen. von HAROLB SCHWARCI Das Oekumenische Konzil wird vom Papst zu einer 4. Sitzungsperiode einberufen werden, wie offiziell mitgeteilt worden ist. Gegenstand der Verhandlungen soll das .Doku, ment über die moderne Welt' sein. —. Der chilenische Präsident, Eduardo Ehei, hat in sein Kabinett auch einige Unabhängige und Spezialisten aufgenommen. — General de Gaulle stellte der Organisation des Gemeinsamen Europäischen Marktes ein Ultimatum zur Festsetzung der Getreidepreise. Diese Initiative de Gaulles hat ein starkes Echo hervorgerufen. — Die Absetzung Krutschews wurde auch weiterhin in al. len Teilen der Erde, besonders in den kommunistischen Ländern, lebhaft debattiert. Von vielen Seiten wurden Proteste gegen das Vorgehen der Partei gegen ihren einstigen Führer erhoben. — Der jüngste unabhängige Staat Afrikas ist das ehemalige britische Protektorat Nordrhodesien, das nunmehr den Namen Republik Zambia trägt.. Es ist das neunte selbständig gewordene Land, das früher unter britischer Kontrolle stand. Zambia will dem British Commonwealth beitreten _ Die New Yorker Weltausstellung ist in die zweite Phase ihrer Abwicklung getreten. In den sechs Monaten seit ihrer Eröffnung wurde die Weltausstellung von mehr als 25 Millionen Personen besucht. — Erzbischof Makarios, der Präsident Zyperns, erklärte sich für die .Enosis', d. h. für die Vereinigung Zyperns mit Griechenland. — Dem Philosophen Jean P. Sartre, dem Begründer des .Existenzialismus', wurde der Nobelpreis für Literatur ver. liehen, dessen Annahme er jedoch verweigerte. — General Nguyen Khanh, Premier von Südvietnam, ist mit seinem Kabinett zurückgetreten, um einer Zivilregierung Platz zu machen. — Die neue britische Regierung teilte die Reise ihres Handelsministers nach Peking mit, wo er eine Ausstellung eröffnen soll. — USA-F-xpräsident Herbert Clark Hoover verstarb im Alter von 90 Jahren. Hoover war der unmittelbare Vorgän. ger Roosevelts; seine Präsidentschaft erstreckte sich von 1929 bis 1932. — Papst Paul VI. kanonisierte 22 afrikanische Märtyrer und begrüsste das schwarze Afrika als „neues Vaterland Christi und die Erde der Evangelien“. — Appell an Johnson und Goldwater . Vereinte Nationen. — Präsident Johnson und sein republikanischer Gegenkandidat Senator Barry Goldwa. ter erhielten eine Mitteilung, in der es heisst, dass ihre kiirzlichen Versprechen, die Integrität Israels zu garantieren, „den nationalen Zielen von 13 arabischen Staaten mit einer Bevölkerung von 100 Millionen Arabern in einem Raum vom Atlantischen Ozean bis zum Arabischen Golf“ zuwiderlaufen. Johnson und Goldwater erhielten ein fast gleichlautendes Schreiben in diesem Sinne. Die Briefe tragen die Unterschrift von Issa Nachleh und Omar Asouni, die sich „ständige Repräsentanten der palästinensischen arabL sehen Delegation“ titulieren. Diese „Delegation“ ist der Arabischen Liga angeschlossen, ohne bei den UN offiziell akkreditiert zu sein. Beide Schreiben beziehen sich auf jüngst der Konvention der Zionistischen Organisation Nordamerikas vom Präsidenten und republikanischen Präsidentschaftskandidaten gemachte Verspre- \ chen. Präsident Johnson hat. j te erklärt, dass „die territoriale Unverletztlichkeit aller! "Länder im Mittelosten als \ massgebender F’aktor für eii nen dauerhaften Frieden ge- \ währleistet werden muss“, j Goldwater hatte der ZOA I versichert, dass „wir die Integrität aller Mittelost.Staa-! ten unterstützen und glau-; ben, dass unsere wirtschaftliche und militärische Hilfe der Aufrechterhaltung der Stabilität in diesem Raum 1 , und der Verhinderung einer Störung des Gleichgewichts 1 der Rüstungen dienen solle“.! In beiden Schreiben wird auf die Resolution hingewiesen,! durch die 13 arabische Staaten auf der Spitzenkonferenz! in Alexandrien ihre Ver-; pflichtung zur „Befreiung Palästinas vom zionistischen | Kolonialismus“ anerkannt haben. Lyndon Johnson wird in dem an ihn gerichteten Schreiben aufgefordert, „das moralische Niveau der Prä- : sidentschaftswahlen zu wahren und dem zionistischen! Druck zu widerstehen“. Senator Goldwater wird vorge. worfen, den Versuch unternommen zu haben, „den Präsidenten im Ringen um die | sogen, jüdischen Stimmen und die Unterstützung der Zionisten noch zu übertreffen“. Ferner wird Goldwater | als „wahrscheinlicher zu- ' künftiger Präsident“ darüber | zu entscheiden ersucht, ob es im Interesse seines Landes liege, „den gerechten nationalen Zielen der arabischen Welt oder den unberechtigten und aggresiven Ansprüchen der Zionisten“ seine Unterstützung zu leihen. Witferstandskaempfer auf Marken Bonn. — Anlässlich der Wiederkehr des 20. Jahrestages des Attentats auf Hitler gab die Bundesrepublik eine Serie mit acht Gedenkmarken mit den Bildnissen der Widerstandskämpfer heraus. Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 831 Registro de la Propiedad Intelectual N? 826.205

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