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Jüdische Wochenschau · 1964-10-23 · 2087 (23.10.1964) · p. [Seite 8]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
25 (1964)
Issue
2087 (23.10.1964)
Date
1964-10-23
Page
[Seite 8] (sequence 8)
Language
German, Spanish
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FRANQUEO PAGADO Concesión 908 £ L EJEMPLAR 111 _ en toda (a República *”■ PUETRREDON 2190 1« taq. T. E. 83 2613 Buenos Aires TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 Año XXV, BUENOS AIRES, VIERNES 23 DE OCTUBRE DE 1964 N» 2087 Judenproblem am Rande Blick in die Welt von HAROLD SCHWARCZ Es gehört zum Galut- Schicksal, dass als Randerscheinung politischer Konflikte die jüdischen Gemeinschaften in den Diaspora- Ländern stets unter den ersten Opfern zu leiden haben. Wie es in früheren Jahrhunderten unter den Feudalherren Europas hiess „Schlägst du meinen Juden, so schlage ich deinen Juden1, so trifft nun infolge des Zypern- Konfliktes die Ausweisungsdrohung griechischer Staatsbürger aus der Türkei auch eine Anzahl von Juden. Etwa dreitausend türkische Juden haben die griechische Staatsbürgerschaft, obwohl die meisten von ihnen bereits in der Türkei geboren sind und nicht einmal griechisch verstehen. Sie sind zusammen „mit den anderen Griechen“ von einem Ausweisungsbefehl bedroht, der als Revan. che für die Politik der zyprischen Griechen gegenüber den zyprischen Türken erlassen wurde. Die türkische Regierung hat 12.000 griechischen Staatsbürgern, darunter etwa 3.000 Juden, mitgeteilt, dass sie die Türkei zu verlassen haben, und dass sie andernfalls ausgewiesen werden würden. Einige ..griechische Juden“ wurden bereits ausgewiesen, einigen gelang es. die Streichung ihrer Namen von der Ausweisungs - Liste durchzusetzen, die meisten aber sehen dem kritischen Termin mit Bsngen entgegen. Die Ausweisung ist mit Beschlagnahme der Vermögen verbunden; man darf nur persönliche Gegenstände und einen geringen Betrag mitnehmen. von MFIR FAERBER Ueberdies haben die türkischen Behörden gegen alle ■ griechischen Staatsbürger! sehr schwere diskriminiereni de Wirtschaftsverordnungen erlassen, von denen auch die „griechischen Juden“ betrof- I fen sind. Dies betrifft Steuern. Beschlagnahme von Gej schäften und anderen Ver- , mögenswerten sowie Einfrie- I rung von Bankkonten. Die j j meisten der von der Ausweij , sung bedrohten Juden geden- ' ken sich in Israel niederzulassen, da sie wie gesagt mit Griechenland nichts verbindet. Auf völlig anderer Linie liegt ein Beispiel für das Ju denproblem als Banderscheinung der Weltpolitik: Die Verträge Indiens über Gegenseitigkeitshilfe im Flugzeugbau — einerseits mit Aegypten und andererseits mit den USA. Die Aegypter arbeiten bekanntlich momentan in ihren riesigen Werken in Heluan am Nil intensiv an der Produktion von Uebersehall- Jagdflugzeugen „HA 300“, aus denen später auch Ueberschall-Bomber entwickelt werden sollen. Zwischen Aegypten und Indien besteht ein Gegenseitigkeits-Vertrag für Förderung von Flugzeugbau. Die Inder haben sich bereit erklärt, den Aegyptern, die sich mit den sowjetischen „MIG 21“ allein nicht begnügen, sondern ihre eigenen Flugzeuge mit Ueberschallgeschwindigkeit herstellen wollen, dazu die Motoren zu liefern. Vor einiger Zeit wandte sich Indien nach Washington mit der Bitte um technische Hilfe für seine Flugzeugindustrie. Unter Führung des nordamerikanischen Colonel Walter L. Moor jr. kam eine Delegation der USA-Luftwaffe vor einiger Zeit nach New Delhi und hat die amerikanische Mitarbeit an der indischen Produktion bereits in die Wege geleitet. Nun werden amerikanische Experten und Geldmittel den Indern ermöglichen, ihre Flugzeuge mit entsprechenden Motoren auszustatten, und die Inder werden diese Motoren nicht nur für ihre eigenen „HP 24“-Flugzeuge hersteilen ’sondern sie auch den Aegyptern für ihre „HA 300“ zur Verfügung stellen. Noch verwickelter wird die Konstellation durch den Umstand. dass es den Amerikanern trotz ihres Entgegenkommens nicht gelungen ist, Indien von einem „Freundschaftsvertrag“ mit der sowjetischen Waffenindustrie abzuhalten. Während der indische Staatspräsident Radakrisehnan in Moskau seine Erklärung für das grosse Ideal des Weltfriedens abgab, kaufte die ihn begleitende Militärdelegation sowjetische Waffen aller Art, darunter MIG-Kampfflugzeuge, Tanks und Unterseeboote gegen günstige Kreditbedingungen. So steht Aegypten nicht nur die Fachkenntnis des aus Oesterreich stammenden internationalen Flugzeugxeperten Dr. Ferdinand Brandner und des Deutschen Messerschmidt zur Verfügung, sondern auf dem Umweg über Indien auch das amerikanische Know-How, obwohl Kairo wie auch New Delhi Grosskunden sowjetischer Waffen sind. Es ist also nicht nur Galut-Schicksal, dass Juden aus Verschachtelungen in der Weltpolitik Gefahren erwachsen können, sondern auch der Staat Israel ist vor solchen Randerscheinungen der Politik nicht sicher. Könnte nicht vielleicht doch die amerikanische Hilfe für Indien an die Bedingung geknüpft werden, dass die Inder auf die Unterstützung der ägyptischen Kriegsrüstung verzichten? Gibt es keine Möglichkeit, Washington diesbezüglich zu beeinflussen? Ras Konzil und die Jaden Toetungen am laufenden Band von HORST WINCKLER Die grossen Nachrichtenbüros geben nicht viele Meldungen über den Ablauf der Kriegsverbrecherprozesse heraus. Es ist wahr, dass solche Berichte auch in Deutschland kaum noch Beachtung finden. Trotzdem publizieren die grossen Zeitungen sehr ausführliche Berichte hierüber, j Man darf sagen, dass einige Weltblätter sich darum bemühen, nicht nur Chroniken — und mitunter sehr interesseHtfc — zu veröffentlichen, sondern ernsthaft versuchen, j eine erzieherische Wirkung mit ihren Darstellungen über I den Ablauf der Kriegsverbrecher Prozesse zu erzielen, ins- : besondere über den Auschwitz Prozess in Frankfurt. j Neben solchen Monster-Prozessen treten die vielen an- I deren Verfahren, die zur Zeit vor deutschen Gerichten an- ' hängig sind, in den Hintergrund. Mitunter ist dies bedauj erlich, denn auch in den anderen derartigen Prozessen treten furchtbare Einzelheiten zutage, die bisher unbekannt waren, dennoch aber einen guten Einblick in die abscheuj liehe Mentalität der Nazis vermitteln. | Da stehen mehrere Mitglieder der Wachmannschaft des Vernichtungslagers Treblinka vor ihren Richtern. Trej bhnka war eines jener Schreckenslager, die den Tod be- | deuteten. Nur ganz wenige junge Menschen haben diese; Hölle überlebt. Dort waren die ersten Gaskammern erprobt | worden, die nachher in einem grösseren Umfang in Ausch- ' Witz in Betrieb gesetzt worden sind. Einer der Angeklagten im Prozess gegen die Wachi mannschaft in Treblinka erklärte, er wie seine Kameraden I hätten garnicht gewusst, was Treblinka sei. Sie wären der Meinung gewesen, dort würden Geisteski anke ausgerottet , werden wie in manchen deutschen Sanatorien. Erst als die- 1 ser Angeklagte sich in Treblinka umgesehen habe, musste er feststellen, dass nicht Geisteskranke, sondern Juden dort vernichtet werden sollten. Alle diese Leute, die jetzt 1 vor Gericht stehen, hatten bereits in den sogenannten Euthanasie-Zentren Erfahrungen bei der Vernichtung von i Menschenleben sammeln können. Letztenendes war es diesen entmenschten Barbaren gleichgültig, wen sie vernichteten. Sie waren eben zum Töten am laufenden Band ab-; kommandiert, und das taten sie... Die Geisteskranken waren wohl die ersten, die durch Giftgase ermordet wurden. Diese Methode auf Massen anzuwenden, war das Werk der... deutschen Wissenschaft, die unsichtbar hinter diesen Angeklagten auf der Anklagebank sitzt. Rom. — Aus autorisierten Quellen verlautete, dass möglicherweise eine vierte Sitzung des Oekumenischen Konzils notwendig sein wird, um über die viel debattierte Erklärung über die Juden zu beraten. Diese Situation ergab sich nach einer Erörterung der Prozeduren, die der Entwurf durchlaufen muss, bevor er den 2.500 Prälaten zur Abstimmung vorgelegt werden kann. Die Frage erhob sich mit dem Entschluss der liberalen Bischöfe, eine klare Erklärung zu fordern, welche die Juden der Vergangenheit und Gegenwart von der Anklage des Gottesmordes freispricht und den durch die Lehren der Kirche begründeten Antisemitismus eliminiert. Es hiess, dass Kardinal j Agostin Bea, der in seiner i Eigenschaft als Leiter des! Sekretariats für christliche I Einheit die erste energische I Fassung der Deklaration über | die Juden ausarbeitete, sich : nicht ernstlich der Absicht I widersefczt, den Entwurf in I die Doktrin „De Ecclesia“ an- \ zugliedern. Dagegen besteht j er darauf, dass die endgülti- I ge Fassung vor der Abstim- I mung m Händen seines Se | kret’riats liegen müsse. Die- | ser Position schloss sich der j gemässigte Kardinal Döpfner | aus München an. | Wenn sich dieser Standpunkt durchsetzt, so würde dies bedeuten, dass die Erklärung schwerlich während der jetzigen Konzilstagung zur Abstimmung gelangen könn te. Die meisten Beobachter glauben jedoch, dass eine schnelle Abstimmung über die Frage der Juden das beste Mittel wäre, um ein energisches Dokument durchzusetzen. PRESSESTIMMEN Tel Aviv. — Die Zeitung der Religiös-Nationalen Partei, „Hatzofe“, die für gewöhnlich die Meinung des israelischen Oberrabbinats vertritt, schreibt, dass die Bemühungen der konservativen Geistlichen, die Erklärung des Konzils über die Juden zu verwässern, dem Ansehen der Kirche schaden. In einem Leitartikel heisst es: „Das jüdische Volk braucht keine Deklaration über die Juden und keinen Freispruch von der Beschuldigung, dass die Juden den Begründer der katholischen Religion gekreuzigt hätten sondern es ist die katholische Kirche, die eine solche Erklärung braucht... Der Erfolg der Elemente in der kirchlichen Hierarchie, die die Drohungen einiger arabischen Staatsmänner mehr fürchten als die Grundsätze ihrer Religion und die Gebote des Schöpfers, der Ehrenhaftigkeit, Gerechtigkeit und Liebe zur Menschheit verlangt, können nur dazu dienen, die Achtung vor der katholischen Kirche in den Augen eines jeden aufgeklärten Menschen herabzumindern.“ eine Richtigstellung St. Louis. — Die Episkopal- Kirche gab bekannt, dass eine Erklärung ihrer Bischöfe, dass die Juden von der Schuld an der Kreuzigung Christi „freigesprochen“ werden müssen, unrichtig übermittelt worden sei, da es sich in Wirklichkeit darum handele, dass „die Juden überhaupt keine Schuld trifft“. Die Bischöfe hätten vielmehr zum Ausdruck gebracht, dass „ein Freispruch unmöglich sei, weil die Juden als Volk keine Schuld haben sondern als Juden in ihrer Eigenschaft als Menschen ebenso wie alle Menschen die Verantwortung für den Tod Christi tragen.“ Die Proklamation der Bischöfe erging auf der Gene- Auf dem Vatikanischen Konzil traten erneut Differenzen auf. Einige Teilnehmer verlangten die alsbaldige Beendigung der Verhandlungen. _ General Charles de Gaulle, der Präsident der Französischen Republik, hat inzwischen seinen Südamerikabesuch abgeschlossen. Er wurde vor seiner Rückkehr nach Frankreich in Brasilien gefeiert. — Eddie Cuntor, der bekannte Filmschauspieler, starb im Alter von 70 Jahren. Cantor hatte sieh häufig Wohltätigkeitsveranstaltungen — insbesondere für die Jugendalija — zur Verfügung gestellt. — Ein neues russisches Raumschiff hat grosse Aufmerksamkeit hervorgerufen, das mit drei Mann besetzt war und seine Erdumkreisungen — wie vorgesehen — abschliessen konnte. — Die englische Königin wurde bei ihrem Besuch in Kanada mit grosser Herzlichkeit gefeiert. _ Der kubanische Präsident Osvaldo Dorticvs machte in Algier Station, wo er von Ben Bella gefeiert wurde. „Das Volk Algiers wird immer auf ihrer Seite sein und die Kubaner in ihrem Kampf unterstützen“, sagte Ben Bella. — Michael Smolen, ein amerikanischer Offizier und Mitglied der Militärmission in Venezuela, war von Kommunisten geraubt, ist aber inzwischen wieder auf freien Fuss gesetzt worden. — Papst Paul VI. gab seine Absicht bekannt, nach Indien zuu reisen, um dort am Eucharistischen Kongress teilnehmen zu können. Der genaue Termin ist noch nicht bekannt gegeben worden. — Dr. Martin Luther King erhielt den Nobelpreis für den Frieden, in Anerkennung seines Kampfes um die bürgerlichen Rechte der amerikanischen Neger. Dr. King ist der dritte Farbige, dem der Nobelpreis für den Frieden zugesprochen wird. — Einzelheiten über nazistische Verbrechen gaben Angeklagte vor einem deutschen Gericht bekannt, die als Experten bei der Vergasung von Geisteskranken nach Treblinka geschickt worden waren. — Die Weltsensation der vergangenen Woche war die Amtsenthebung Krutschews. Noch ist es nicht sicher, welchen Weg der Weltkommunismus beschreiten wird. — Bei den Wahlen in Grossbritannien siegte nach lang« Herrschaft der Konservativen -wieder die Arbeiterpartei unter ihrem neuen Führer Harold Wilson. — Das rote China konnte seine erste Atombombe explodieren lassen. — Die türkische Regierung soll die Absicht haben, mehr als viertausend Griechen auszuweisen. — ESHK0L UND ERHARD Bonn. — Aus offiziellen Quellen stammt die Verlautung, dass der deutsche Bundeskanzler Erhard und der israelische Ministerpräsident Levi Eshkol im Januar auf neutralem Boden Zusammentreffen werden. Als Ort der Zusammenkunft wird Paris genannt. Es wird das erste Gespräch sein, das die beiden Staatsmänner miteinander führen. Zu den Themen, über die verhandelt werden soll, gehören die Aufnahme diploralkonvention dieser Kirche und lautete, dass „nach der christlichen Lehre die ganze Menschheit die Verantwortung für die Kreuzigung Christi teilt und die Juden keine besondere Schuld auf sich geladen haben, weder heute noch in der Vergangenheit. In der offiziellen Erklärung der Episkopal-Kirehe heisst es ferner: „Unter den jüdischen Führern gewann der Eindruck die Oberhand, es sei anmassend und beeidigend, dass die Christen die Juden von einem Verbrechen ,freisprechen1 wollen, an dem sie unschuldig sind. Die B? schüfe gehen mit dieser Position einig.“ (ITA) matischer Beziehungen zwischen beiden Ländern, die Arbeit der deutschen Wissenschaftler, die in Aegypten an der Entwicklung fortgeschrittener Waffen tätig sind, und der für den kommenden 8. Mai vorgesehene Ablauf des Gesetzes für die Bestrafung der nazistischen Kriegsverbrecher. Die Arbeit der deutschen Wissenschaftler für Nassers Rüstungsprogramm dürfte der heikelste Punkt sein, da die Bonner Regierung bisher die Linie verfolgt hat, ihr Bedauern auszusprechen, dass sie nicht über die gesetzlichen Mittel zur Aenderung dieses Zustandes verfügt. Bundeskanzler Eirhard hat jetzt im Bundestag erklärt, seine Regierung werde „alles tun, um die Arbeit der deutschen Wissenschaftler in Aegypten zu unterbinden“. „Ich verstehe die Aufregung Israels und seine Gefühle der Bitterkeit“, so hat er versichert, „und ich bedaure, dass deutsche Wissenschaftler in Aegypten arbeiten.“ Er fügte hinzu, dass die deutsch - israelischen Beziehungen leider durch die nazistische Vergangenheit sehr schwer belastet seien. (ITA) Impreso en la Imprenta POLIGLOTA —■ Rivadavia 831 Registro de la Propiedad Intelectual N*> 826.205

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