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Jüdische Wochenschau · 1964-10-02 · 2084 (2.10.1964) · p. [Seite 8]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
25 (1964)
Issue
2084 (2.10.1964)
Date
1964-10-02
Page
[Seite 8] (sequence 8)
Language
German, Spanish
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©sa £ 5 a ■R M a W U 4J < a FRANQUEO PAGADO Concesión 908 TARIFA REDUCIDA Concesión 1829 ISRAELITA Afio XXV. BUENOS AIRES, VIERNES 2 DE OCTUBRE DE 1964 No 2084 *10- EL E J EM P LA en toda ia República PUEÏRREDON 2190 19 te*. T. E. 83 2613 Bnenos Aires Bericht eines Experten nen Rede habe er dann am 30. März 1941 noch einmal zusammengefasst, wie der Vernichtungskampf geführt werden müsse. Was den Völkern des Ostens zugedacht war, fasste Himmer, wie Jacobsen weiter feststellte, in dem Satz zusammen: „Wie es den Russen, Tschechen... geht, ist mir total gleichgültig; ob sie im Wohlstand leben oder vor Hunger verrecken inter- Entstehungsgeschichte des Kommissarbefehle vom 6. Juni 1941 und die verschiedenen Anordnungen zur Exekution russischer Kriegsgefangener historisch zutreffend beurteilen. Der Chef des Wehrmachtsführungs - Stabs, General Jodl, habe am 3. März 1941 Hitlers Forderungen niedergeschrieben. Danach sollten die Befugnisse der Wehrmachtsbefehlshaber in den besetzten Ostgebie- Im Verlauf des Frankfur. ter Auschwitz-Prozesses hat der Bonner Historiker Dr. Hans-Adolf Jacobsen über nationalsozialistische Kriegsziele im Zweiten Weltkrieg referiert, insbesondere den sogenannten „Kommissarbefehl“ und andere rechtswidrige Befehle erläutert, ■ die in den besetzten Ostgebieten zur Ermordung Hunderttausender sowjetischer Kriegsgefangener und Juden führten. In einer nie veröffentlichten Rede, sagte Jacobsen, habe Goebbels, der propa. gandaminister, am 5. April 1940 vor geladenen Pressevertretern mit seltener Offenheit zugegeben, dass der Schwur auf die Legalität, den die Nationalsozialisten vor der „Machtergreifung“ leisteten, nur ein „Kunstgriff" gewesen sei, um innenpolitische Gegner zu täu. sehen, und dass der begonnene Krieg nur die Wiederholung jenar „Machtergreifung“ darstelle. Wie Jacobsen weiter ausführte. fasste Hitler den Entschluss, die Neuordnung des Kontinents im Geiste der nationalsozialistischen Ideologie mit Gewalt zu vollenden, als er sien nach dem Frankreich-Feldzug ausserstande sah, England zur Anerkennung seiner politischen und militärischen Eroberungen zu zwingen. Der seit dem Juli 1940 geplante und im Juni 1941 ausgelöste Angriff auf die Sowjetunion sei Ausdruck der Aggressionspolitik Hitlers gewesen, der den Bolschewismus habe vernichten und dabei Lebensj raum im Osten, samt den notwendigen Rohstoffen, ha-, be gewinnen wollen, um den I Krieg noch vor dem Eingreij fen der Vereinigten Staaten j beenden zu können. i _ Bereits im Jahre 1940 hat-, “ ——- fe Hitler den Spitzen des Hee-j essiert mich nur insoweit, als 1 f , . .... . res erklärt, dass Raumgewir sie als Sklaven für un_ „ . re51.. hhIltar>sche winn im Osten allein nicht sere Kultur brauchen.'- Nach : ,wel'deI?’ genüge, sondern der rusische | dem „Generalplan Ost“ soll- ... ge. * lc, e Ma5ht Jedoch Staat zerschlagen werden ten 75 Prozent der slawi- ' .m den H,anden der müsse. Nach den Worten Ja. sehen Bevölkerung nach Si- \ lPr cobsens forderte er des öftej birien ausgesiedelt werden. “ "" " ren, die Jüdisch-bolschewisti*; Dem Rest sei ein Helotensche Intelligenz“ sei zu be-; Schicksal im Stile extremer imperialistischer Kolonialpolitik bestimmt gewesen. In den entvölkerten Ostgebieten , sol>«n deutsche Vo,Ksg„p- StKÄ S pen, und als Folge einer planmässigen Rassenpolitik ferner noch Norweger, Dänen, Holländer und Schweden ange. siedelt werden. Blick in die Welt von HAROLD SCHWARGZ i In. den dänischen Parlamentswahlen konnten die Sozialdemokraten, die seit vielen Jahren an der Regierung sind, ihre Stimmenzahl halten, jedoch haben ihre Koalitionspartner Stimmen eingebüsst. — Die Debatte auf dem Oekumenischen Konzil umfasste zahlreiche Themen allgemeinen und religiösen Charakters, vor allem auch die umstrittene Frage der religiösen Freiheit. — D«: Besuch des Präsidenten De Gaulle in den verschiedenen südamerikanischen Staaten bewies die grossen Sympathien, die Frankreich in Lateinamerika geniesst. _ Zum- Präsidenten des Libanon wurde der Journalist und Rechtsanwalt Charles Helou gewählt. Zum ersten Mal seit 1946 ging eine Wahl im Libanon friedlich aus. — Bei den atlantischen Flottenmanövern der alliierten Streitkräfte wurden russische Schiffe bemerkt, die offensichtlich den Verlauf der Manöver ,beobachtenwollten, — In Ostberlin verstarb Ministerpräsident Otto Grotewohl, offizieller Chef der Regierung der Deutschen Demokratischen Republik, deren Präsident der bekannte Kornmunistenführer Walter Ullbricht ist. Dem Verstorbenen wurde vorgeworfen, die Sozialistische Partei den Kommunisten in die Hände gespielt zu haben. — Die kleine Insel Malta erhielt ihre Selbständigkeit; bei den Feierlichkeiten kam es zu unliebsamen Zwischenfällen. I politische Kommissare, wenn Hernán giles Zuago, früherer Präsident Boliviens, wurl sie im Kampf oder Widerde nach einet angeblichen Erhebung, die sofort niedergestand ergriffen wurden, soschlagen wurde, nach Paraguay deportiert. _ fort zu erschiessen seien; al. Zwischen Russland und Zypern soll ein Abkommen ab- 1 le politischen Kommissare, geschlossen werden, aufgrund dessen die Sowjets an ¿ie Inselrepublik Waffen liefern werden. — Paraguayische Stellen leugnen die Behauptungen über den Aufenthalt des Kriegsverbrechers Mengele in diesem Lande. — richtsbarkeit im Operationsgebiet schärfer reagiert haben dürften. Nach Vermutung General Haiders, erklärte Jacobsen, habe Feldmarschall Keitel auf ein Wort Hitlers hin den Anstoss zur Ausarbeitung der Richtlinien über die Behandlung politischer Hoheitsträger gegeben, die nach Entwürfen von General Eugen Müller dann schriftlich fixiert worden seien. Danach sollten im Armeegebiet die politischen Hoheitsträger und Kommissare sofort erschossen werden, die erst in den Gefangenen - Sammelstellen festgestellten „spätestens in den Durchgangslagern“; soweit sie nicht der Roten Armee angehörten, sollten sie den Einsatzkommandos der Sicherheitspolizei übergeben werden. Dieser erste Entwurf zum sogenannten Kommissarbe. fehl sei in einzelnen Kommandostellen des Heeres jedoch auf Ablehnung gestossen. Man habe Mittel und Wege besprochen, wie man einen derartigen Befehl umgehen könnte. Schliesslich seien vom Oberkommando der Wehrmacht am 6. Juni 1941 die ..Richtlinien für die Behandlung politischer Kom. missare“, der sogenannte Kommissarbefehl, erlassen worden. Dieser Befehl durfte schriftlich nur den Oberbefehlshabern der Armeen und den Luftflottenchefs zugeleitet werden. Er besagte, dass seitigen und im „grossrussi. sehen Bereich brutalste Gewalt“ anzuwenden. Diese Aufgabe sei so schwierig, „dass man sie nicht dem Heer zumuten könne“. Deshalb habe Hitler in den besetzten Ostgebieten keine Militärbefehls, haber gewünscht, sondern die Einrichtung von politischen Verwaltungen verlangt. In einer vor den Generälen aller Wehrmachtsteile gehaltemit alle ,-Bolschewistenhäuptlinge und -kommisare“ sofort unschädlich gemacht werden, könnten, seien neben der Geheimen Feldpolizei auch Organe des Reichsführers SS Nur vor diesem skizzierten politischen Hintergrund, sagte Jacobsen, Hessen sich die Mengele flüchtete wieder Bonn. — Josef Mengele, der überall gesuchte KZr Arzt aus Auschwitz, konnte erst vor kurzem ganz knapp seiner Festnahme durch Geheimagenten in Paraguay entkommen, so berichtet die hamburger Zeitschrift „Der Spiegel“. Wie es heisst, umzingelten 13 bewaffnete Agenten das einem belgischen SS-Mann gehörende Hotel, in dem Mengele abgestiegen war. Doch Mengele war von einem Deutschen gewarnt worden und entging durch den Sprung aus einem Fenster seinen Verfolgern. Das Hotel soll zwischen Encarnación und Asunción in Paraguay liegen, wie die Zeitschrift angibt. Weiter informiert „Der Spiegel“, dass Mengele gerade einen Monat vorher in Asunción eingetroffen war. Einer der Agenten, die ihm auf die Spur gekommen waren, sei mit einem Kopfschuss tot auf der Grenze zwischen Paraguay und Brasilien aufgefunden worden. — (ITA) Fragen ausgeschaltet werden. Jacobsen legte weiter dar, dass der Generalquartiermeister des Heeres, General Wagner, dem Chef der Sicherheitspolizei, Obergruppenführer Heydrich, weitgehende Zugeständnisse gemacht und schliesslich den SS-Einsatzgruppen freie Hand gegeben habe. Die Sonderkommandos. die in eigener Verantwortung handeln konnten und ihre Weisungen vom Chef der Sicherheitspolizei und SD erhielten, seien zu Exekutivmassnahmen gegenüber der Zivilbevölkerung ermächtigt worden. Nach den vorliegenden Unterlagen habe sich General Haider von diesen Ideen distanziert, aber insgesamt sei der beabsichtigte oder eingeleitete Protest der Oberbefehlshaber der Heeresgruppen noch nicht hinreichend geklärt. Dagegen könne als sicher angesehen werden, dass die Truppenführer gegen die vorgesehenen Einschränkungen der Kriegsgedie sich keiner feindlichen Haltung schuldig gemacht hätten, sollten zunächst unbehelligt bleiben. Jacobsen erklärte, gewisse Zeugnisse deuteten darauf hin, dass der Kommissarbefehl von einigen Truppenteilen befolgt worden sei, einige ihn zu umgehen versuchten und andere ihn ignoriert hät- Als das Oberkomando der Wehrmacht auf Drängen der Fronttruppen am 23. September 1941 um eine Lockerung des Kommissarbefehls gebeten habe, sei dies von Hitler abgelehnt worden. Erst die Erfahrungen des Winterfeldzuges und das Scheitern des Blitzfeldzuges gegen die Sowjetunion hätten Hitler am 6. Mai 1942 zu dem Befehl bewogen, sowjetische Kommissare und Politruks „zunächst Versuchs, weise“ am Leben zu lassen. Im ganzen gesehen habe diese traditionswidrige Kriegführung im Heer keineswegs Beifall gefunden. Auch Hitler habe dies mit Erbitterung einsehen müssen und erklärt, das Oberkommando des Heeres wolle aus dem Soldatenberuf möglichst einen Pasto. renstand machen. Wenn er seine SS nicht hätte, wäre vieles unterblieben. Im letzten Abschnitt seines Referats kam Jacobsen zu dem Schluss, dass zweifellos ein Teil der russischen Verlustbilanz des Zweiten Weltkrieges als Opfer allgemeiner Kriegsumstände — wie Hunger, Seuchen und Entkräftung — zu betrachten, ein grosser Teil aber auf die na tionalsozialistische Rassen- und Vernichtung.-politik zurückzuführen sei. Grundlage j Gegen die Politik Moskaus Tel Aviv. — Israel beabsichtigt, gegen das gemeinsame sowjetisch-ägyptische Communiqué zu protestieren, das in Moskau nach dem Besuch des ägyptischen Ministerpräsidenten Ali Sabry herausgegeben worden ist, wie die israelische Presse schrieb. In diesem Communiqué verspricht die Sowjetunion, die arabische Position in der Frage des Jordanwassers sowie die auf der Spitzenkonferenz in Alexandrien von den Arabern gefassten Beschlüsse zu uijeerstützen. Der israelische Protest wird auf den Widerspruch hinweisen, der zwischen dem sowjetischen Vorschlag, bei der Lösung territorialer Konflikte auf Gewalt zu verzichten, und der jetzigen Zusage der Sowjets besteht, den Arabern zu helfen, die erklärt haben, dass der arabisch-israelische Streit nur durch Gweait beigelegt werden kann. Die gesamte israelische Presse, einschliesslich die Blätter der Linken, verurteilen energisch die von der Sowjetunion im Mittelosten verfolgt Politik, für die Behandlung der russischen Kriegsgefangenen seien neben dem Kommissarbe. fehl und verschiedenen Richtlinien des Oberkommandos der Wehrmacht die Einsatzbefehle des Chefs der Sicherheitspolizei und des SD gewesen, die im Einverständnis beider Dienststellen ausgear. beitet wurden. So habe Heydrich auf Grund einer Vereinbarung mit General Reinecke vom Oberkommando der Wehrmacht seinen Einsatzbefehl Nummer 8 erlassen. Nach diesem Befehl hatten Kommandos des Chefs der Sicherheitspolizei und des SD in 1 den besetzten Ostgebieten al.j le „politisch untragbaren | Elemente“ unter den Kriegs-! gefangenen und Zivilpersonen auszusondern und über ihr j Los weisungsgemäss zu ent-! scheiden. Jedoch sollten Exej kutionen, über die die Chefs j der Einsatzgruppen in eige-! ner Verantwortung entschei. den konnten, weder in den Lagern, noch in unmittelbarer Nähe, sondern heimlich vorgenommen werden. Die Sondergruppe A habe am 15. Oktober 1941 gemeldet, sie habe bisher 125.000 Juden und fünftausned „andere“ liquidiert, die Einsatzgruppe B habe bis zum 14. September 1941 von 45.000 Opfern berichtet, die Einsatz, gruppe C von 75.000 und 5.000 „anderen“ (meist Kommissaren und anderen Funktionären), das Einsatzkommando D bis zum 12. Dezember 1941 die Liquidation von 55.000 Menschen bekanntgegeben. Zehntausend Gefan. j gene nichtjüdischer Herkunft ■ hätten nur deshalb den Tod j gefunden, weil einzelnen Veri nehmungskommandos bereits j bestimmte _ missliebige Gej sichtsziige genügt hätten, ihr J Urteil zu fällen. Eine grosse ■! Zahl von Kriegsgefangenen sei ausserdem auf endloosen! | Nazis in Chile ' verurtelt 1 Santiago de Chile. — Zwei! ehemalige Parteifunktionäre der NSDAP wurden zu 20 j Tagen Gefängnis verurteilt, i weil sie im Januar 1958 zu j Ueberfällen auf jüdische Ge- I schäfte gehetzt hatten, nach- | dem die von ihnen eingelei- : tete Appellation keinen Erfolg hatte. Die zweite In- I stanz bestätigte das gegen | Franz Pfeiffer und Luis Lazaro Maluenda ergangene Urteil. (ITA) Transporten erschossen worden, darunter diejenigen, die vor Erschöpfung nicht weiter konnten. Die meisten der in die Konzentrationslager „entlassenen“ Kriegsgefangenen seien dort liquidiert worden. In einem am 1. Mai 1944 vom Amt für Kriegs ge fange, nenwesen im Oberkommando der Wehrmacht verfassten f Bericht werde die Zahl der | in Gefangenschaft''geratenen , Rotarmisten mit 5.165.381 angegeben. Hiervon seien fast j zwei Millionen als „Abgän-! ge“ Und „Todesfälle“ registriert worden, ferner seien 280.000 Soldaten und Offiztere auf geführt, die im Durchgangslager umgekommen oder | verschwunden seien. Dann I seien noch 1.030.157 Gefangene als auf der Flucht erschossen oder als an die- Sicherheitsdienste übergeben, also liquidiert oder in die KZ verbracht, verzeichnet worden. Jacobsen meinte, diese Gesamtbilanz von über 3.3 Mil-' lionen Todesopfern dürfte eher als zu niedrig denn als zu hoch angesehen werden, da bis 1945 vermutlich 5.7 Millionen russische Soldaten in Gefangenschaft geraten seien, von denen nur über eine Million in den Lagern überlebt hätten. (FAZ) 15 Jahre Gefaengnis München. — Der ehemalige SS-General und Vertrauensmann Himmlers, Karl Wolff, ist wegen Beihilfe an der Ermordung von 300.000 Juden zu fünfzehn Jahren Gefängnis verurteilt worden. Ferner wurde der jetzt 64jährige Angeklagte für 10 Jahre seiner bürgerlichen Rechte für verlustig erklärt. Das Verfahren dauert« lt Wochen. Der Staatsanwalt hatte lebenslängliches Zuchthaus beantragt. Wolff spielte eine führende Rolle bei der Ausrottung von 300.000 russischen und polnischen Juden durch die Nazis. Besonders rührig half er bei der Organisierung der Eisenbahntransporte in das Todeslager Treblinka. Der Staatsanwalt nannte Wolff den „Anführer der SS- Banden, die Polen durchstreiften, um Juden zu fangen und zu töten“. Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Hivadavia 831 Registro de la Propiedad Intelectual N1? 826.205

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