Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 25 (1964)
- Issue
- 2081 (11.9.1964)
- Date
- 1964-09-11
- Page
- [Seite 8] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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O flQ s 3 t o * t 1> -5 r®, ** a W ht 4) <o FRANQUEO PAGADO Concesión 908 TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 SEMANA Año XXV. BUENOS AIRES, VIERNES 11 DE SEPTIEMBRE DE 1964 No. 2081 10.- EL EJEMPLAR en toda la RepúbHca PUEVRREDON 2190 1« b«. T. E. 82 2012 Buenos Aires Unter staendiger Bedrohung Die permanenten Zusammenkünfte der Arabischen Liga, der arabischen Aussenminister und nunmehr bereits die Zweite Arabische Spitzenkonferenz sind alle nur dem einzigen Zweck gewidmet, die Nassersche Position zu verstärken und damit den arabischen Staaten ein politisches Gewicht zu ge. ben, das ihnen garnicht zukommt. Inzwischen ist es allen Mächten bereits klar geworden, dass hinter diesem politischen Aufwand nur die Schwäche der arabischen Na. tionen steht, die nicht in der Lage sind, zu einer wahrhaft konstruktiven Lösung der bestehenden Probleme, auch derjenigen in der arabischen Welt, beizutragen. Die innere Situation der verschiedenen Staaten, die Mitglieder der Liga sind, ist unterschiedlich, meist aber unsicher. Neben Aegypten verfolgt Algier die Politik der Publizität, der ständigen Propaganda für den grossen Ben Bella, der neben Nasser die Rolle des arabischen Heroen spielen will. In Wahrheit brodelt es ständig in Algerien. die Lage verschlechtert sich, Unruhen lösen einander ab und das Standgericht Ben Bellas fällt Todes. Schweizer Waffen für Nasser Zürich. — Der Leiter und Inhaber der Firma „Motoren, Turbinen und Pumpen“, der in der Schweiz lebende ägyptische Ingenieur H. S. Kamil, der wegen seiner Rüstungslieferungen an Aegypten in der schweizerischen Oeffentlichkeit heftig ange. griffen worden war, erklärte jetzt in Zürich vor der Presse, über 300 schweizer Firmen hätten über seine Firma Material für die Produktion des Düsenjägers HA- 300 nach Kairo geliefert. Kamü nannte die Namen von 74 Firmen, die zusammen Material im Werte von über 20 Millionen Mark bei. steuerten. Er teilte ferner mit, dass sein Unternehmen und eine ebenfalls für die ägyptische Regierung arbeitende schweizer Firma „mehrere hundert“ schweizer, deutsche, österreichische und ungarische Techniker für die ägyptische Militärflugzeugindustrie vertraglich verpflichtet habe. (AWZ) van B. B. SAMUEL urteile, tun durch die Ausrottung der Gegner den Weg zur unumschränkten Macht j des Diktators mit den Schä- ' dein seiner Feinde zu pflaj Stern. Wo Blutgerichte wüten,! ist niemals mit einer Stabili. : sierung zu rechnen. Die Reaktionen Ben Bellas : gegen seine Nachbarn sind ebenso durch Aggressivität wie durch Unsicherheit gekennzeichnet. Im Augenblick ihm lassen, dass er wie kaum ein anderer eine ganze Welt durch seine Husarenritte in Atem halten kann. Er beschäftigt eine erhebliche Anzahl von Völkern, Staatsmännern und Beamten, macht für sich in der Weltpresse Propaganda und will — mitunter sogar mit beachtlichem Erfolg — als der grosse Mann erscheinen, dem es gelingt, neben den Weltmächten die Aegypten will den Krieg Salisbury. — Sir Roy Welensky, der ehemalige Premierminister der Föderation von Nord- und Südrhode. sien, äusserte, dass die VAR Israel in den nächsten zwei Jahren anzugreifen beabsichtige. Er eröffnete in Bulawayo eine Landwirtschafts-Ausstellung und erklärte u. a.: „Ich glaube, dass Aegyptens Präsident Nasser plant, einen Block aus den nordafrikanischen und allen arabischen Ländern zu bilden, an dessen Spitze er sich stel. len will. Wenn ihm dies gelingen wird und er sein Land aufgerüstet hat, dann wird er meiner Ueberzeugung nach zum Angriff übergehen und Israel überfallen.“ „Ich bin nicht kompetent genug, um den Ausgang dieses Konflikts vorauszusagen“, fuhr Sir Roy fort, „aber es wird ein blutiger Kampf sein.“ Eifügte hinzu, er nehme nicht an, dass ein Krieg im Mittelosten zu einem Atomkrieg führen würde. (ITA) ist zwar Ruhe eingetreten, aber niemand kann Voraussagen, ob dies eine endgültige Entscheidung bedeutet. Die Gegensätze zwischen den arabischen Staaten Nordafrikas sind keineswegs überwunden. In derselben Situation befinden sich die nahöstlichen Araberländer. Obwohl Nasser nach aussen die Fiktion einer Vereinigten Arabischen Republik (VAR) aufrecht erhält, lehnen die Syrer es energisch ab, dem ägypti. sehen Diktator irgendeinen grösseren Einfluss einzuräumen. Alle syrischen Baath- Regierungen, deren Existenz ebenfalls auf tönernen Füssen steht, befinden sich in einem natürlichen Gegensatz zu Nasser, da dieser im Verfolg einer panarabischen Idee alle anderen Belange und Interessen der einzelnen Arabervölker zurückdrägen möchte. — Uebrigens hat auch der Yemen, der eigentlich“ zur VAR gehören sollte, bisher wenig Interesse an einem engeren Zusammenschluss mit Aegypten gezeigt. Selbst wenn Nasser garnichts verstehen würde, so müssen auch seine Gegner Die syrische Diplomatie Damaskus. — Syrien plant die Errichtung von 17 neuen diplomatischen Vertretungen in Lateinamerika, Afrika und Asien, wie die Presse von Damaskus meldete. Die Zeitungen berichten, dass die syrische Regierung schon die Zustimmung einer gewissen Zahl afri. kanischer Staten zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen erhalten hat. Ihr Vorhaben, diplomatische Vertretungenbesonders in Afrika zu unterhalten, begründet die Regierung Syriens mit dem Wunsch, „die Bande mit den unabhängigen Staaten und befreiten Völkern nicht angeschlossener Länder enger zu gestalten, um das friedliche Zusammenleben in der Welt zu fördern und auf diese Weise die imperialistischen Ziele Israels auf dem afrikanischen Kontinent zu entlarven“. Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 831 Registro de la Propiedad Intelectual No. 735 104 I entscheidende politische Rolle zu spielen. Das alles ist aber keine Realität. Abdel Nasser ist kein Tito und kein Enver Hodscha, schrieb jüngst eine deutsche (stark rechts orientierte) wissenschaftlich . politische Zeitschrift. Er sei kein Kemal Atatürk, weü er keine echten Reformen zuwege gebracht habe — und dies trotz der gewaltigen Propaganda, die er mit dem Assuan-Projekt macht. Nasser, so heisst es dort, sei auch kein Harun al Raschid, der sein Volk weise und mild regiert und sich nachts unter die Armen mischen würde, um ihre Nöte kennen zu lernen. Sein Umgang mit dem Volk beschränke sich im wesentlichen nur auf öffentliche Schaustellungen bei Festlichkeiten und Konferenzen. Nasser sei kein Saladin und kein Ibn Saud, der die Arabische Halbinsel mit Feuer und Schwert erobert habe und jenes grosse Reich schuf, das noch heute seinen Namen trägt. Nach all diesen Vergleichen kommt der deutsche Autor zu der Feststellung: „Mitt keinem der grossen arabischen Propheten, Krieger, Herrscher und Denker ist Nasser vergleichbar, und — an ihnen gemessen — bleibt seine Persönlichkeit merk, würdig farblos und unbestimmt. Deshalb weiss man so wenig von seinem Privatleben, Deshalb ist es auch im Grunde so uninteressant“... Nassers Komplex ist Israel. Er kann wahrscheinlich die Niederlage nicht verwinden, die ihm persönlich durch Israels Sieg beigebracht worden war, bereits beim ersten Ueberfall und dann später in den Tagen des Sinai.Peldzuges. Nasser hat auch gelernt, welche Möglichkeiten ihm der Hass gegen Israel für seine persönlichen politischen Ziele bietet. Unter dieser primitiven Zauberformel des antiisraelischen Kampfes konnte er nunmehr schon seit bei. "nahe zwei Jahrzehnten die bunteste Gesellschaft unter einem recht breiten Hut vereinen, von den Marokkanern, den Yemeniten, Syrern und Libanesen bis zum grössten Rivalen Irak und mächtigsten Kapitalisten Kuweit. Auf dieses Zaubermittel wird Nasser nicht Verizcht leisten, da es in Wirklichkeit seine einzige Waffe ist, die er überhaupt in Händen hält. Die einheitliche arabische Haltung ist in dieser Beziehung nicht verständlich. Denn einige der arabischen Länder, die mit Israel in Kontakt stehen, wären durchaus geneigt, sich zu verständigen, wenn es nur die feindlichen Brüder, vor allem Nasser, gestatten würden. Man braucht nur an Transjordanien und Libanon zu denken, die gemeinsame Grenzen mit Israel haben. Für diese beiden Araberländer wäre ein Ausgleich mit Israel ein wesentlicher Schritt für die eigene Stabilisierung und Vorwärtsentwicklung. Für Israel würde eine solche Vereinbarung eine gewaltige Entlastung bedeuten, denn damit würde ein grosser Teil der heute für Verteidigungszwecke erforderlichen Ausgaben wegfallen. Durch Nassers spekulative Politik ist Israel gezwungen, unter ständiger Bedrohung zu leben. Die Beseitigung dieser Gefahren kann nur durch eine radikale Wandlung im arabischen Lager geschehen. Hierfür sind aber heute kaum Ansatzpunkte vorhanden. Blick in die Welt von HAROLD SCHWARCZ Die Nordamerikaner schossen eine Rakete in den Welt* raum, die ein fliegedes Laboratorium ist und ausschliesslich Forschungszwecken dient. Das Ergebnis dieses Experiments wird mit Ungeduld erwartet. — Divisionsgeneral Nguyen Khanh hat in Süd-Vietnam erneut die Regierungsbildung übernommen, nachdem er kurze Zeit zuvor zurückgetreten war. — Bei den chilenischen Präsiden tschaftswahlen siegte der christlich-demokratische Kandidat EDUARDO FREI mit grossem Vorsprung. — Moisés Tschombé, der Ministerpräsident Kongos, trat mit Haile Selassie, dem Kaiser Aethiopiens (Abessiniens) in Verbindung, um eine gemeinsame Aktion zur Befriedung einzuleiten. Tschombé erbat die HUfe des greisen Kaisers. — Beinahe täglich wurde über neue Komplotte berichtet, deren Ziel es sei, den amerikanischen Präsidenten Johnson zu ermorden. — Der Kommunisten-Chef Krutsohew wird demnächst einen Besuch in der westdeutschen Hauptstadt Bonn abstatten. Die Nachricht hierüber war eine Sensation .— Minister Robert Kennedy übergab dem Präsidenten der USA seinen Rücktritt vom Amt des Generalprokurators der Nation, nachdem er von der Demokratischen Par. tei zum Senator für New York vorgeschlagen worden ist. — Maiasien wandte sich an die UN und meldete neue Angriffshandlungen Indonesiens. Der Sicherheitsrat wird sich mit dieser Frage beschäftigen müssen. — Aus Algier wird die Hinrichtung des früheren Obersten Mohamed Chaabini gemeldet, des obersten Militärkommandanten, der einmal der Vertrauensmann Ben Bellas gewesen ist und ihm zur Macht verholfen hat. — Der türkische Präsident Inonii sprach über die Zypern- Krise und machte auf die grosse Gefahr eines Krieges zwischen der Türkei und Griechenland aufmerksam. — Auf einer Versammlung der Arabischen Liga in Kairo traten nicht unbeträchtliche Gegensätze auf, da sich verschiedene Länder, vor allem Syrien und Saudi Arabien gegen das sogenannte Palüstina-Befreiungscomité wandten. Das Zentralorgan der Kommunisten Russlands, die Prawda, wandte sich mit unerhörter Schärfe gegen Rot- China wegen gewisser territorialer Forderungen der Chi. nesen; es wird von der Kriegsgefahr zwischen diesen beiden Ländern gesprochen. — Gelegentliche neue Zusammenstöße mit Negern werden aus den USA gemeldet. Die Spannung hat jedoch etwas nachgelassen. — Die Tschechoslowakei erklärte nach einem Krutschew- Besuch ihr völliges Uebereinstimmen mit der russischen Politik. — 3 Millionen Einwohner bis 1968 Entgegen den statistischen Berechnungen der letzten Jahre, die der Ansicht waren, dass bis zum Jahre 1970 in Israel drei Millionen Einwohner leben werden, kommt man nun zu der Ueberzeugung, dass die DreLMillionen-Grenze bereits zwei Jahre früher, also 1968, überschritten werden wird. Die Experten gaben auch zu. gleich der Meinung Ausdruck, dass Israel imstande sei, noch weitere fünf bis sechs Millionen Einwanderer aufzunehmen, das heisSt, eine Bevölkerung von etwa acht Millionen Menschen im Lande zu ernähren. 4,2 Millionen Quadratmeter Fläche wurde im Jahre 1963 in Israel bebaut. Der dazu notwendige Kostenauf. wand betrug 1,2 Millionen IL, und es ist kaum anzunehmen, dass die Baufläche in diesem Jahre geringer sein wird. Diese ausserordentliche Bautätigkeit ist notwendig, um allen Einwohnern Wohnungen zu ver. schaffen und zugleich auch den Geschäfts- und Büroraum zu finden, den das Land braucht. Von der bebauten Gesamtfläche waren im Jahre 1963 etwa drei Viertel für Wohnraum be. stimmt. Die Bevölkerungsvermehrung in Israel bewegt sich zur Zeit um die fünf Prozent jährlich, das bedeutet heute ungefähr eine jährliche Vermehrung von mehr als 100.0000 Seelen. Dieses Verhältnis hat sich in den letz, ten Jahren erhalten und führt logischerweise dazu, dass die zahlenmässige Vermehrung von Jahr zu Jahr grösser wird. Wir erinnern uns noch an die Zeit, da britische Experten der Ueberzeugung Ausdruck gaben, dass das damalige Erez Is. rael diesseits des Jordan nur noch weitere 100.000 Menschen aufnehmen könne und damit seine Fassungskraft erschöpft sei. Die Briten nahmen diese Fassungskraft mit rund einer Million Menschen an. Heute leben in demselben Gebiet,. in Israel und West, jordanien, mehr als drei Millionen Menschen. Experten sind der Anseiht, dass diese Zahl sich ohne grössere Schwierigkeiten auf über zehn Millionen steigern lässt. Die technologischen Emm. gensehaften unserer Epoche haben uns bewiesen, dass alle statistischen Voraussagen auf längere Zeit völlig unzulänglich sind. Die zuständigen Stellen im Lartde weisen darauf hin, dass man allerdings nicht nur in der Beschaffung des Wohnraumes die Hauptauf. gäbe für die Einordnung der immer wachsenden Bevölkerungszahl zu sehen hat. Man muss auch zugleich die notwendigen Arbeitsplätze schaf. fen, um den Menschen die Möglichkeit zu geben, sich und ihre Familien zu erhalten und die Wirtschaft de* Landes organisch, gemeinsam mit dem Anwachsen der Bevölkerung, zu entwickeln. Dieser Aufgabe hat man sich jetzt nur in beschränktem Masse, in gewissen Zonen in der wünschenswerten Form unterzogen. Nicht selten wurde in Entwicklungsorten für Wohnbau gesorgt, aber die dorthin übersiedelten FamL lien mussten den Ort nach einer bestimmten Zeit wieder verlassen, da die Ernährer nicht die Arbeit fanden, die zu ihrer Existenz notwendig ist. Daher ist die technische Möglichkeit der Anwesenheit von so und soviel Millionen Menschen in einem bestimmten Gebiet noch keine Garantie dafür, dass sie dort wirklich leben können, und daran sollten die zuständL gen Stellen immer denken. Gerade jetzt, da wir zu der Ueberzeugung kommen, dass die Vermehrung der Bevölkerung weit schneller vor sich geht, als die Israelis je kalkuliert hatten, muss die Planung viel weiter gehen, als sie bisher gegangen ist. Durch ein wahres Ineinandergreifen aller hierfür verantwortlichen Faktoren könnte man dazu gelangen, in weiteren vier Jahren nicht nur die Grenze der drei Millto. nen Einwohner zu überschreiten, sondern auch für all diese Bürger des Landes die ausreichende Lebensgrundlage geschaffen zu haben.