Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 25 (1964)
- Issue
- 2081 (11.9.1964)
- Date
- 1964-09-11
- Page
- [Seite 1] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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JÜDISCHE uionnsQinu PÜBÏRBEDON 2190 - 1» teq. &.Jefttxuuí¿bAja&tíla I. E. 83-2612 Año XXV. BUENOS AIRES, VIERNES 11 DE SEPTIEMBRE DE 1964 No. 2081 fhts Schweigen brechen Am 25. Januar 1959 hat der damalige Papst Johannes XXIII. die Zusammenberufung eines Allgemeinen Konzils verkündet, das dann im Oktober 1962 zusammentrat. Unter den vielen Punkten, die auf der Tagesordnung standen, und mit denen sich diese Kircthentagung zu be. schattigen hatte, spielte auch die Frage der Stellung der Katholischen Kirche zu den Juden eine nicht geringe Rolle. Das bedeutete an sich durchaus kein Novum, wenn auch dieses Thema seit langen Jahrhunderten nicht mehr in seiner ganzen Problematik behandelt worden war. Da das Christentum aus dem Judentum entstanden ist, war es eigentlich selbstverständlich, das sich die er. sten Kirchenversammlungen mit den Juden eingehend beschäftigten. So hat das berühmte 1. Konzil von Nicäa die Christen aufgefordert, dahin zu wirken, ,,mit den Mördern des Herrn nichts gemeinsam zu haben“. Diese Stellungnahme mag aus der Schwäche der damaligen Kirche gegenüber den Juden zu erklären sein, aber enthält jene furchtbare Anklage, die Jahrhundert um Jahrhundert gegen die Juden geschleudert wurde, obwohl es doch gerade die Kirche war, die selbst die historische Wahrheit kannte. Offensicht, lieh konnte sie aber nicht auf jene Verleumdung verzichten, weil die Existenz der Juden der lebendige Beweis für die Unrichtigkeit mancher kirchlichen Lehren gewesen ist. Dass hierbei nicht Vermutungen, sondern Tat. Sachen ausgesprochen werden, ergibt sich aus den vielen kirchlichen Aeusserungen bis in die Zeit der Inquisition hinein, die immer wieder gebraucht worden sind. Auf den frühesten Synoden im 4. Jahrhundert der übli. chen Zeitrechnung wurden bereits eine Reihe von Massnahmen beschlossen, deren Ziel es war, Juden von Christen zu trennen, da sich die Kirche als solche gefährdet fühlte. Sonst hätte nicht das zweite Konzli von Nicäa, das im Jahre 787 vor sich ging, eine scharfe Entschliessung gegen diejenigen Christen angenommen, die nur Schein. Christen seien und heimlich den Schabbat begehen würden. Auf derselben Linie liegen die Entscheidungen spä. terer Kirchenversammlungen, die stets erneut den Verkehr mit Juden zu unterbinden versuchten. Auf den berühmten Lateran-Konzilien beschäftigten sich die versammelten Kir. chenfürsten immer wieder mit den Juden. Auf dem ersten dieser Konzilien (1179) wurde den Juden verboten, christliche Leibeigene oder Ammen zu halten, eine Beteran-Konzil für ,.Juden und Sarazenen“, das spätere ,,Ju. den und Zigeuner“, verfügt worden ist. Natürlich waren alle diese Beschlüsse mit steuerlichen Massnahmen gegen die Juden verbunden. Allerdings haben auch einige Konzile, wie das 4. Lateran.Konzil, Bestimmungen zum Schutz der Juden gegen Zwangstaufe und andere Willkürakte erlassen, was hier nicht unerwähnt bleiben darf, nachdem eine Parallele mit der nazi. stischen Terrorherrschaft gezogen wurde. Viele Erlasse auf diesen Glückwünsche des Presidenten Anlaesslich des jüdischen Neujahrsfestes richtete der Praesident Argentiniens, Dr. Ar. turo U. Illia, folgende Botschaft an die jüdi. sehe Gemeinschaft des Landes: Transmito con toda consideración y cor. dialidad mis congratulaciones a la colectivi. dad israelita con motivo de celebrar el Nuevo Año. Nuestra Constitución consagra derechos y deberes gue alcanzan a todos los ciudada. nos argentinos y extranjeros que hab’tan nuestro bendito país, afirmando respetuosa convivencia interna, y asegurando que nin. gún habitante de la Nación será obligado a hacer lo que no manda la ley, ni privado de lo que ella no prohibe. Dios guarde a ustedes. Stimmung, die ihren posthu. men Niederschlag im Paragraphen 3 des von den Nazis erlassenen Gesetzes zum Schutz des deutschen Blutes und der deutschen Ehre vom 15. 9. 1935 gefunden hat: „Juden dürfen weibliche Staats, angehörige deutschen oder artverwandten Blutes unter 45 Jahren in ihrem Haushalt nicht beschäftigen“. Ohne Zweifel haben die Nazis, die selbst erbitterte Feinde der Katholischen Kirche gewesen sind, viele Bestimmungen gegen die Juden aus der kirchlichen Praxis entliehen. Hierher gehört auch die besondere Kennzeichnung der Juden durch Kleidung (Ju. denstern), die auf dem 4. La¬ Warnung an die Araber Tel Aviv. — Israels Generalstabschef, General Jiz. ohak Rabin, erklärte, falls Transjordanien sich Aegypten zu einem gemeinsamen Militärkommando anschliessen sollte, so werde Israel die notwendigen Massnahmen ergreifen, um sich vor dieser „ernsten Gefahr“ zu schützen. Die Warnung war die zweite, die von Israel erging, nachdem kürzlich ein Annäherung Transjordaniens an Aegypten erfolgt ist. Das erste Mal hatte Ministetpräsident Levi Eshkol die Transjordanier gewarnt, sich in ein ,,Abenteuer“ einzulassen, da Israel die Ereignisse wachsam verfolge. Kürzlich wurde bekannt, dass Trans, jordanien ein neues Projekt ausarbeitet, um den Zufluss des Jarmuk-Flusses in den Jordan zu beschränken. General Rabin sprach seine an die Regierung in Am man gerichtete Mahnung in der Zeitschrift des Israeli, sehen Heeres „Bamachane‘‘ aus. Er schrieb, dass ,.der ägyptische Einfluss in Transjordanien eine alarmierende Situation in diesem Lande geschaffen hat“. Er fügte hinzu, solange Transjordanien sich nicht „auf die eine oder andere Weise In eine ägyptische Basis verwandelt“, für Israel keine Gefahr drohe, doch ein gemeinsames Militärkommando würde eine “schwere Be drohung“ bedeuten. Gleichzeitig warnte Rabin Syrien, dass Israel den Provokationen oder Versuchen, „vollendete Tatsachen“ zu schaffen, nicht untätig Zusehen werde. Er erklärte, ,.wir werden die Mittel und Wege finden, unsere Rechte zu wahren, selbst wenn wir hierzu zu den Waffen greifen müssten“. (ITA) Kirchenversammlungen richteten sich gegen die starken wirtschaftlichen Positionen die von Juden eingenommen worden sind. Das Zinsverbot für die Christen sollte die Juden anprangern, denn ih. nen war es ausdrücklich erlaubt, Geld gegen Zinsen zu verleihen. Es ist eine Tatsache, dass auch die Christen trotz dieser päpstlichen Anordnung die grössten Zins, und Darlehensgeschäfte gemacht haben, wobei man nur auf die italienischen Lombarde und Banken zu verweisen braucht. Unter dem Makel, Zinswucher zu betreiben, wurden jedoch die Juden durch derartige Beschlüsse ausserhalb der Gesellschaft gestellt: „Je entschiedener die Christen kraft der Gebote ihrer Religion i»on der Zinserhebung bei Gelddarle. hen Abstand nehmen, — so heisst es in einem der Kanons, — um so eifriger geben sich mit derartigen Geschäften die ungläubigen Ju. den ab, um in küi-zester Frist christliches Hab und Gut zu verschlingen.. In diesem einen Satz finden wir eine Mehrzahl von Verleumdungen und haltlosen Beschuldigungen, zugleich aber die Brandmar. kung der „Ungläubigkeit“, obwohl gerade in diesen Zeitaltern die Juden bereit waren, ihres Glaubens willens den Scheiterhaufen zu besteigen. Selbstverständlich vergass das Konzil nicht, eine Sondersteuer auf alle jüdische Vermögen zu legen, um mit jüdischem Geld den ungeheuren Bedarf der kleinen und der grossen Fürsten zu decken. Zweifellos war aber die besondere Kennzeichnung der Juden auf der vierten Late, ransynode durch den mächtigsten aller Päpste, Innozenz III., eine Massnahme von grösster Tragweite. Die Markierung bestimmter Menschengruppen aber ist keine kirchliche Erfindung, sondern geht auf einige fanatische muselmanische Kalifen zu. rück, die Juden und Christen auf diese Weise von der mohammedanischen Bevölkerung zu isolieren und zu separieren versuchten. Die vom Konzil gewählte Begründung erinnert an die späteren Ras. sengesetze (Blutschutzgesetz) der Nazis. Durch diese Massnahmen sollte verhindert werden, dass .,die Christen irrtümlicherweise mit jü. dischen oder sarazenischen (mohammedanischen) Frauen in Verkehr treten, die Juden und Sarazenen aber mit Christinnen. Damit nun fürderhin im Falle eines so frevelhaften Verkehrs kein Irrtum (als Entschuldigungsgrund) vorgeschützt werden könne, verordnen wir .eine besondere Kleidung, durch die sich Juden wie Sarazenen von der Umwelt unter, scheiden müssen. Und dann heisst es: .umso mehr als dies ihnen vom Gesetze Mo. ses‘ vorgeschrieben ist“. Ein kühner Römer soll einmal dem Papst Innozenz III. offen ins Gesicht gesagt haben: „Du redest göttliche Worte, vollbringst aber teuflische Werke“. Ebenso erlo. gen wie die Unterstellung, das jüdische Gesetz würde den Juden eine Sondertracht vorschreiben, ist die Behauptung, dass durch die neue Verfügung der ,,auf Irrtum“ beruhenden Geschlechtsgemeinschaft zwischen Juden und Christen vorgebeugt werden solle. Denn die Misch, ehen waren sowohl nach jüdischem wie nach kirchlichem Gesetz untersagt und sind es auch noch heute. Die Wahrheit ist vielmehr, dass durch die Sondertracht die Juden als solche gekennzeichnet werden sollten; man wollte sie zu Parias der Ge. Seilschaft stempeln und ihnen das Zeichen der Ausgestossenheit aus der Gemeinschaft auf die Stirn driik. ken. Auch mit der Frage der Zwangstaufen haben sich die Konzile beschäftigt, mit dem (Schluss auf Seite 2) Es gibt keine Unterschiede Dr. W.: — Als neuer Direktor de ,.Delegation der Lüg» der Arabischen Staaten“ in Buenos Aires Aires stellte sich nach dem Weggang Trilcis nunmehr General Bsam Helmy El Masry auf einer Pressekonferenz vor. Der General, dessen arabische Ausführungen übersetzt wurden, gab einen kurzen geschichtlichen Ueberblick über die Entstehung der Arabischen Liga und ihre Ziele, als deren wichtigst.se er die arabische Unabhängigkeit kennzeichnete. Man sollte also annehmen, dass die Liga inzwischen aufgelöst worden wäre, da ja die meisten oder alle arabischen Staaten ihr« Unabhängigkeit erreicht haben. Der neue Liga-Direktor sprach sodann über die kulturellen Bande, die zwischen den einzelnen Araberländern bestehen und versuchte auch noch auf anderen Wegen von seinen eigentlichen Aufgaben und Zielen abzulenken, die ihm sicherlich obliegen, nachdem er bei anderer Gelegenheit bereits erklärt hatte, er werde Trikis Arbeit fortsetzen. General El Masry wandte sich — wie nicht anders zu erwarten — recht scharf gegen jede rassische Diskriminierung. Gerade die Beseitigung solcher Benachteiligungen sei ein Programmpunkt im Freiheitskampf der Araber gegen den Kolonialismus gewesen. Aber dieser Kolonialismus und der Imperialismus versuchen Schranken zwischen den Araberiändern zu errichten und hierzu benutzen sie, so sagte der General, den internationalen Zionismus, der Unruhe hervorriefe und lügenhafte Behauptungen über di« Arabische Liga verbreiten würde. Er bestritt die angeblichen Behauptungen — wer hat sie aufgestellt? —, dass die Araber Nazis seien. Aber er fügte nicht hinzu, was er mit solchen Ablenkungen eigentlich sagen oder richtig steilen wollte. General El Masry bestritt jede Tendenz der Herabsetzung oder Benachteiligung von Juden in arabischen Ländern. Die Juden seien in den arabischen Staaten gleichberechtigte Bürger. Sie hätten völlige religiöse Freiheit. Nur Zionisten dürften sie nicht sein. Schliesslich erklärt« der Liga-Repräsentant, dass die argentinischen Zionisten auch für den internationalen Kolonialismus arbeiten würden. Aber vor den argentini. ___ _ sehen Juden müsse man, wie vor jeder Religion, Respekt haben; nur Zionisten dürften die Juden nicht sein. Im übrigen war es das altJieue Lied, das von der Arabischen Liga angestimmt wird. Wenn auch die Ausführungen des neuen Direktors der Liga weit ruhiger als die Trikis waren, — vielleicht war das nur ein Präludium? —, so bleiben doch die gleichen Bedenken vorhanden, die gegen solche Interventionen ei. ner ausländischen Repräsentanz sprechen. Die Arabische Liga hat wohl keine eigene politische Aufgabe in der internationalen Weltpolitik mehr. Sie hat keinen anerkannten internationalen Sta. tus. Man weiss also nicht recht, welche Funktionen sie in oder erst recht welche Funktionen sie ausseshalb der arabischen Länder jetzt noch ausüben könnte. Sämtliche arabischen Staaten sind hier diplomatisch vertreten. Diese diplomatischen Vertretungen dürften wohl in der Lage sein, die Interessen ihrer und der ihnen befreundeten Länder wahrzunehmen. Wozu also noch diese Arabi. sehe Liga? Bisher hat niemand behauptet, dass diese Liga ein lokaler Verband ist. Jahrzehnte haben Juden und Araber in Argentinien und anderen lateinamerikanischen Ländern harmonisch zusam. mengelebt, ohne dass es die geringsten Konfliktsstoffe ge¬ Lebt Gestapo-Müller? von HORST WINCKLER Dass der Gestapo.Chef Heinrich Müller gestorben oder umgekommen sein solle, wurde bisher von allen Fachleuten bezweifelt, die sich mit der Suche nach diesem Kriegsverbrecher grössten Formats beschäftigt haben. Bekanntlich war dieser Müller der unmittelbare Vorgesetzte des hingerichteten Obersturmbannführers der SS, Adolf Eichmann. Die Nachricht, Müller solle sich in Albanien aufhal. ten, erhielt sich hartnäckig. Daraufhin hat sich der Landesverband Schleswig-Holstein der Organisation demokratischer Widerstandskämpfer und Verfolgter an Walter Ulbricht gewandt und unter anderem geschrieben: „Der seit über 18 Jahren gesuchte Heinrich Müller befindet sich seit 1956 in Albanien. Er lebte dort unter dem Namen Abedin Bekir Nakoschir in Tirana in einer Seiten, strasse ohne Namen, die vom Boulevard Neues Albanien abzweigt, und ist Hauptmann der albanischen Sicherheitspolizei. Wir bitten Sie daher, sehr geehrter Herr Staatsvorsitzender, weltanschauliche Gegensätze zwischen Ihnen und uns zurückzustellen und die Volksrepublik Albanien zu ersuchen, den deutschen Staatsangehörigen Heinrich Müller an die DDR auszuliefem und Müller seiner Verbrechen anzuklagen... “ Dieses Schreiben trägt das Datum des 15. Januar 1964. Bis heute wurde keine Antwort gegeben. — Ob den kommunistischen Behörden in Ostdeutschland die Identität des Abedin Bekir Nakoschir-Müller bekannt ist, bleibe dahingestellt. Jedenfalls hätte man eine Antwort auf eine so konkrete Mitteilung erwarten dürfen. geben hat. Diese von der Liga, den Herren Triki, El Masry und anderen gemachten und geschaffenen, gezüchteten und organisierten Differenzen bestehen in Wahrheit und Wirklichkeit nicht. Deswegen sind auch alle Ausführungen und die Suche nach Argumenten im Grunde genommen wenig interessant. Ob die Herren Triki usw. für oder gegen rassische Diskriminierungen sind, mag dahingestellt bleiben, wie die Frage der Araberländer zu diesem Problem hier auch nicht diskutiert werden soll. Merkwürdig ist, dass El Masry plötzlich entscheiden will, ob ein Jude Zionist sein darf oder nicht. Er soll sich um seine Sachen kümmern. Die absurden Thesen über Kolonialismus und Imperialismus interessieren in diesem Zusammenhang wenig. Im übrigen waren es die Zionisten, die der arabischen Welt gezeigt haben, wie man Kolonialismus und Imperia. lismus abschüttelt... Die Arabische Liga hat in anderen als arabischen Ländern sicherlich nichts zu suchen. Dass sie gewisse unzufriedene Elemente in Lateinamerika zu lenken und für ihre Zwecke vorzuspannen sich bemüht, zeigt erst recht, wer eigentlich Unruhe und Unfrieden zwischen der Be. völkerung dieser Länder hervorruft. ES wäre an der Zeit, mit dem Spuk der Arabischen Liga Schluss zu machen. GOTTESDIENSTE IN MOSKAU Moskau. — Zwei Kantoren und Chöre sollten bei den Gottesdiensten an den Hohen Feiertagen in Moskau in der Grossen Synagoge singen, wie Oberrabbiner Jehuda Leib Lewin ankündigbe. Dies meldete die Nachrichtenagentur .Novosti“, die ferner berichtete, dass Rab. W Lewin die folgende Erklärung abgegeben hat: „Mit der Hilfe des Allmächtigen wird uns das neue Jahr neues Glück bescheren. Am wichtigsten ist die Wahrung des Weltfriedens. Das Volk meines Landes arbeitet für dieses Ziel. Wie der grosse Prophet Jesajas kündete, ist es .unsere neilige Pflicht, unsere Kräfte im Namen des Gu. ten und des Glücks auf Erden zu vereinen. Möge Frieden in der Welt herrschen’.“ (ITA)