Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 25 (1964)
- Issue
- 2080 (4.9.1964)
- Date
- 1964-09-04
- Page
- [Seite 24] (sequence 24)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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FRANQUEO PAGADO Concesión 908 ËL EJE.rtPLAR lj| m en toda la República PUEVRREDON 2190 19 Izq, T. E 83 2613 Buenos Aires S-S-! TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 BUENOS AIRES, VIERNES 4 DE SEPTIEMBRE DE 1964 Año XXV, N? 2080 Hinter den Kulissen „Bonn ist heute einer der ■wichtigsten Schauplätze für die Araber in ihrem Kampf gegen Israel“ — so etwa formuherte der aussenpolitische Redakteur der „New York Times“, Seymour Friedin, unlängst seine Eindrücke über die deutsche Politik im jetzigen Moment. Nach seiner Darsteuung ist eine arabische Clique Tag und Nacht am Werk, um auf die deutsche Industrie Druck auszuiiben. Arabische Diplomaten und ¡Prop:Gar disten machen Bonner Regierungsstellen klar, da.iS die Araber sofort die so gefürchtete Anerkenung Ostdeutschlands aussprechen werden, wenn die Bonner Re. gierung gegen die deutschen Wissenschaftler in Aegypten vergeht und das geplante Gese z gs gen sie verkündet. U i dieses Gesetz ist ein ha .es Ringen von allen Seiten im Gange, und erst kürzlich erschienen Enthiillun. ger, die interessante Einzelheiten aus diesem Kampf ans Tageslicht bringen. Nach Informationen aus Jerusalem soll der Bundeskanzler Erhard Dr. Shinar die Vorlage des so lange erwarteten Ge. setzes versprochen haben. Die Befürchtung besteht jedoch, dass es sich um ein sehr „flaues“ Gesetz handeln wird, das sowohl der Form nach den von Israel geiiusserten Wünschen nachkommen wird, das jedoch keine tatsächlichen Möglichkeiten zum Einschreiten gegen die Raketenforscher bieten wird. ZWEI BRIEFE Der j.nhalt dieses Gesetzes Und die zu ergreifenden Mass. nahmen sind seit langem heftig umstritten. In Jerusalem wurde der Inhalt zweier Briefe bekannt, die der frühere Bundeskanzler Adenauer und der damalige Wissenschaf tsminister Lenz im Juni 1963 verfassten und in denen sie sich gegen zu scharfe Mass. nahmen gegen die deutschen W.scenschaftier wandten. Bundeskanzler Adenauer ha te vor einiger Zeit an den Führer der Freien Demokraten Erich MendeC der im Kabinett Erhard Vizekanzler ist) eir. Schreiben gerichtet, dessen Abschrift an den Führeder Parlamentsfraktion de- Christlich Demokvati. sehen Union Dr. von Brentano ging. In diesem Brief erklärte Dr. Adenauer, er habe j erfahren, da's Prof. Franz! Bcehm, der Mitglied der Partei Adenauers ist, eiren Ent. wurf eines Gesetzes gegen die deutschen Wissenschaftler vorbereitet. Diese' Gesetz gehe nach Meinung von Dr. Adenauer weit über die in pa amentarischen Kreisen erö1 terten Vorschläge hinaus. De Ex-Bundeskarzler forder. te Zurückziehung des Entwu' fes, da ein neues Gesetz unt^r Beteiligung von Koalitr -- -od Opposition ausgear. beit?t werden sollte. Dr. B' hm zuckte zurück, ebenso wie °r kürzlich dem Druck des Kabinetts und des westdeutschen Finanzministeriums nachgab und auf weitergehendt Wiedergutmachungs- Vorschläge verzichtete. Wenige Tage nach dem Schreiben Adenauers an Dr. Mende richtete der damalige Wissenschafts-Minister Lenz einen Brief ah einen anderen Führer der Freien Etemokraten Dr. Dehler, und Ko. pien dieses Briefes gingen an einige Bundestags-Abgeordnete, unter Urnen auch Professor Franz Boehm. In die. sem Schreiben wurden die Argumente der Bonner Regierung gegen ein „handfestes““ Gesetz zum ersten Male recht deutlich dargelegt. Die Argumente von Lenz lassen sich etwa folgendermassen zusam. menfassen: 1. Der Gesetzentwurf von Boehm schädigt die Hoffnungen der deutschen Industrie , auf Beteiligung am Aufbau ' der Entwicklungsländer. ' 2. Es geht nicht an, Atomi Bonn unterichtet, und das israelische Aussenmiiiisterium begnügte sich mit den Versprechungen auf Vorlage des Gesetzes. Dieses kam jedoch nicht, und Aussenminister Golda Meir äusserte inzwischen ihren Unmut über das Nicht.Einhalten von Versprechungen, die allem Anschein nach in ziemlich deutlicher Form gegeben worden waren. die ROLLE GLOBKES Informationen aus Jerusalem wurden erst vor kurzem noch durch Enthüllungen unterstützt, die der Londoner „Jewish Chronlcle“ veröffentlichte. Nach der Darstellung die. Erziehung zur Toleranz Melbourne. — Die Erziehungsbehörden von New South Wales erliessen ein neues Programm für die Gemeindeschulen, in dem keine Religion im besonderen erwähnt sondern hervorgehoben wird, dass ein „anstän. diges Leben“ mehr wert sei als irgendein Dogma. Das neue Programm gilt mit sofortiger Wirkung anstelle des Plans vom Jahre 1959, das von der Heiligen Schrift mit der klaren Tendenz sprach, das Christentum zu betonen mit dem Hinweis, dass dieses Dogma „unserer australianischen Lebensweise Sinn und Zweck gibt“. Man erwartet, dass das neue Programm Anlass zu Kontroversen zwischen gewissen Priestern und kirchli chen Würdenträgern bieten dürfte. Mitglieder der jüdischen Gemeinden und der Gesellschaft für Menschen, rechte hatten gegen das alte Programm Widersprach erhoben. „Ehe öffentliche Erziehung kann heute nicht mehr eine einzige Religion als Grundlage für den ethischen Unterricht haben“, heisst es in dem neuen Programm „Wir können nicht mehr das Christentum oder das Judentum lehren, aber wir können häufig auf die Lehre dieser beiden Religionen hinweisen, ebenso wie wir die Religionen erwähnen müssen, denen unsere asiati. sehen Nachbarn anhängen. Durch einen solchen Unterricht können wir zur Toleranz gegenüber allen Religionen erziehen.“ (ITA) brennstoff und Maschinen, die mit diesem Brennstoff betrieben werden, generell als „Kriegsgeräte“ zu bezeichnen. Eine so weitgehende Verbots-Fassung würde für Deutschland sehr negative Folgen haben. 3. Lenz lehnt den Vorschlag von Prof. Boehm ab, die Betätigung deutscher Wissenschaftler ausserhalb Deutschlands auf NATO-Län. der zu begrenzen. Dies würde gerade Entwicklungsländern mit geringem Industrie. Potential treffen und deutsche Wissenschaftler von der Mitarbeit in neutralen Staaten ausschliessen. 4. Der Gesetzentwurf von Prof. Boehm würde sich gegen die wissenschaftliche Forschung Deutschlands auswirken und würde Deutschland Nachteile und Verluste eir.tragen, die in keinem Verhältnis zu den Zieler, stehen, die Prof. Boehm mit seinem Gesetzentwurf erreichen woll. te. Es folgte eine Besprechung von Regierung-,Vertretern mit den Initiatoren des Gesetzes, und der Entwurf wurde begraben. Die Bonner Regierung versprach zugleich Vorlage eines neuen Gesetzes, das einerseits wirksame Mass. nahmen gegen die Forscher in Aegypten enthalten, andererseits auf die von Lenz geäusserten Bedenken Rücksicht nehmen sollte. Kreise der Regierung Is. raels wurden anscheinend über die Erörterungen in ses Blattes war es auch der frühere Bundeskanzler Dr. Adenauer, der wirksame Massnahmen gegen die deutschen Wissenschaftler in Aegypten verhinderte. Im Frühjahr 1962 hatten israelische Stellen laufend Informationen über die Tätigkeit der deutschen Raketenforscher in Nassers Staat erhalten. Nach einigen Ueberlegungen erklärte sich Ben Gurion da. mit einverstanden, dass man das Bonner Verteidigurgsmi. nisterium schriftlich in informeller Weise auf diese be. sorgniserregende Erscheinung hinweisen solle. Im Verteidigungsministerium residierte damals noch Franz Josef Strauss, auf den die israelischen Informationen grossen Eiindruck machten. Strauss gab die Angele, genheit, die ja hochpolitisch war, sofort an den Bundeskanzler weiter. Zu seiner grössten Ueberraschung äusserte sich jedoch der Kanzler nicht zu dem israelL sehen Schreiben. Strauss versuchte bei anderen zuständigen Ministerien wie dem Aufsenministerium, dem Innen, kehrsministerium (dem die Raketen-Spezialisten unterministtrium und dem Verstanden) nähere Informatio, nen zu bekommen. „Er stiess auf eine Mauer des Schweigens“ — heisst es in der Dar.. Stellung des „Jewish Chronicle“. Erst Ende September, über acht Wochen, nachdem Strauss seine Anfrage an Dr. Adenauer gerichtet hatte, kam die Antwort aus dem Bundeskanzleramt. Dr. Ade. nauer nahm nicht etwa zum Inhalt des israelischen Schreibens Stellung, sondern, Strauss bekam mit einem ganz kurzen Brief von Dr. Globke das ursprüngliche Schreiben zurück, aber der Brief trug Adenauers eigenhändigen Vermerk: „Streng geheim halten.“ Prof. Erhard soll kürzlich behauptet haben, dass nur zwei deutsche Wissenschaft, ler in Aegypten tätig sind. „Jewish Observer“ verweist auf die Informationen, die im Prozess gegen die beiden Schweizer enthüllt wurden, die wegen Spionage angeklagt waren. In Zürich wurde deutlich, welchen Umfang die Mitarbeit der Deutschen in Aegypten angenommen hat, und Israel erwartet, dass nach diesen Enthüllungen die Bonner Regierung mit ihren Versprechungen endlich Ernst macht und gegen die deutschen Forscher vorgeht, die eine unerträgliche Belastung der Beziehungen Israel— Bonn darstellen. Blick in die Welt von HAROLD SCHWARCZ Papst Paul VI. erinnerte an den Ausbruch des 1. Weltkrieges vor 50 Jahren und appellierte an die Welt, endlich den Frieden herzustellen. Zwei Weltkriege haben die Menschen nicht eines Besseren belehrt sagte der Papst — Neue Kämpfe werden aus aem Kongo gemeldet. Flugzeuge der Regierung griffen wiederholt die Rebellen an. — Die amerikanischen Demokraten wählten den jetzigen Präsidenten Lyndon B. Johnson zum Präsidentschaffcskao. didaten. Als Vizepräsidenten stellten sie den Senator Hubert H. Humphrey auf. — Zu neuen schweren Zwischenfällen kam es in Süd- Vietnam, nachdem zuvor der Präsident Nguyen Khanh zum Rücktritt gezwungen worden war. — Der Besuch des russischen Vizepräsidenten Leonid Brezhnev im vatikanischen Museum rief allgemeine Aufmerksamkeit hervor. — Expräsident Joao Goulart rief von seinem Asyl in Mon. tevideo das Volk Brasiliens zur Verteidigung seiner bürgerlichen Rechte und Freiheiten auf. — Zur Lösung der anhaltenden Zypern-Krise wird, wie man erwartet, der Papst als Schlichter auftreten. — Nikita Krutschew richtete bei seinem Besuch in Prag einen neuen schweren Angriff gegen das Rote China. — Die Regierung Uruguays erklärte, der frühere Präsident Brasiliens, J. Goulart, habe das ihm gewährte AsyL recht missbraucht. — Die Vereinigten Staaten Nordamerikas wollen dem Kongo weitere Hilfeleistungen verweigern und versicherten, es sei an der Zeit, dass die Afrikaner ihre Probleme selbst lösen. — Der Präsident Zyperns, Bischof Makarios, hielt eine Konferenz mit Nasser in Alexandrien ab. — Zur Feststellung der Rechte Argentiniens auf die Isias Malvinas wurde von den UN eine Untersuchungskommission eingesetzt. — Schwere Unruhen, die durch Neger verursacht sein so!, len, werden aus Philadelphia gemeldet. — In der türkischen Hauptstadt Ankara wurden Fensterscheiben der griechischen Botschaft bei einer Demonstration gegen die Haltung Griechenlands in der Zypernfrage eingeschlagen. — Missbrauch der Freiheit von SEM FRANKENSTEIN Vor wenigen Tagen fand die Konvention der Demokratischen Partei in Nordamerika statt, deren Hauptaufgabe die Aufstellung der neuen Präsidentschaftskan. didaten gewesen ist. Der jetzige Präsident, Lyndon Johnson ist — wie erwartet — als Gegenkandidat gegen Goldwater, den Repräsentanten der Republikaner, proklamiert worden. Johnson ist ein „aufgerückter“* Präsident, denn er hat dieses Amt übernommen, als Kennedy ermordet worden war. In der amerikanischen Geschichte gibt es aus der neueren Zeit eine Parallele, dass ein ursprünglicher Vizepräsident durch Tod des Präsidenten auf dessen Platz gelangte, im Wahlkampf dann gewählt bzw. wiedergewählt wurde, nämlich Harry Truman. Bei diesen Konventionen geht es oft nach europäischem Geschmack .merkwürdig“ zu. Die äusseren For. men entsprechen nicht immer den Vorstellungen, die man sich mit einer so ernsten Angelegenheit wie die Nominierung eines Präsidentschafts . Kandidaten macht. Die meisten kennen diese Festlichkeiten mit ihrem „Drum und dran“ aus den Filmaufnahmen, die in allen Lichtspieltheatern gezeigt werden. Auf dieser Konvention jedoch gab es noch eine andere Note. Vor dem Gebäude der Konvention zogen acht junge Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 831 Registro de la Propiedad Intelectual No. 735 104 Leute in brauner Uniform mit Hakenkreuzbinden auf, die dort demonstrieren woll. ten. Sie trugen Plakate mit sich herum; auf einem dieser Plakate war zu lesen, dass der Präsident Johnson ein Verräter sei... Wütend wurden diese Nazi-Demonstranten vom Publikum an. gegriffen und verhauen. Erst die herbeigerufene Polizei „befreite“ die nazistischen Heldenjünglinge aus ihrer unbequemen Lage. Wie später die Polizei mitteilte, sei diesem Zwischenfall keine Bedeutung beizumessen. Dies mag sogar zutreffen, aber dennoch erscheint es ratsam, über derartige Vorgänge nicht einfach zur Tagesordnung überzugehen. Das war nicht die erste nazistische Kundgebung und Aktion, die von dieser Grup. pe durchgeführt wurden. Der Häuptling dieser Partei nat sogar den Versuch unternommen, in südamerikanischen Ländern Propaganda zu machen und seine Ideen zu exportieren. Wie weit ihm das gelungen ist, mag dahingestellt bleiben. Dass die Amerikaner diesen posthumen Nazispuk dulden, ist eine Fahrlässigkeit, die eines Tages bedauert werden könn. te. Es ist zwar nicht zu befürchten, dass die amerikanische Nazipartei Erfolge ha. ben könnte. Immerhin ist die öffentliche Zurschaustellung ehemaliger nazistischer Embleme eine Belästigung und... eine Schande Die freie und anständige Welt verbindet mit der nazistischen Uniform und dem Hakenkreuz das Schreckens regime Hitlers, die Grausam- Zypern und Israel Jerusalem. — Das Kabinett bestätigte die Politik Israels in der Zypernkrise neutral zu bleiben, nachdem Aussenminister Golda Meir über die La. ge Bericht erstattet hatte. Wie man glaubt, gelangte bei dieser Sitzung auch die Gestaltung der künftigen Beziehungen mit Zypern zur Sprache, da nach dem Besuch des Erzbischofs Makarios in Aegypten verlautete, Nasser habe ihn veranlassen wollen, seine Beziehungen mit Israel abzubrechen. Frau Meir nahm auch Gelegenheit, das Kabinett zu informieren, dass die arabische Kampagne gegen Israels Jordan-Projekt gescheitert ist und die Schritte, welche die Araber in 60 Hauptstädten unternahmen, zu keL nem Ergebnis führten. — (ITA) Mauthausen-Mtiseumi Wen. — Der österreichische Ministerrat beschloss kürzlich auf Anregung des Internationalen Mauthausen. Comités, ein Museum in Mauthausen zu errichten. — keiten und Massenmorde, die von seinen Schergen in diesem Zeichen begangen worden sind, und die betrübliche Dekadenz, die von der braunen „Bewegung“ systematisch vorbereitet und in weitem Umfang erreicht worden ist. Tausende Amerikaner sind gefallen, um das Hakenkreuz zu zerbrechen, das man heute ungestraft in den USA zeigen kann. Das dürfte zu Bedenken Anlass