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Jüdische Wochenschau · 1964-09-04 · 2080 (4.9.1964) · p. [Seite 19]

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Viernes, 4 de Septiembre de 1964 LA SEMANA ISRAELITA Año XXV. — No. 2080 — 19 Theodor Herzl Sigo, del Estero 454, IX, o!. 36 * * * T.E.38-5! Wien - Koeln - Berlin - Kopenhagen - London Abschied von Great Russell Street i. WIEN Als die Zionistische Organisation (1897) gegründet wurde, lag das Zentrum der zionistischen Tätigkeit in Wien, wo Theodor Herzl, Präsident der Z.O., und die Mitglieder der Exekutive (da. mais genannt: Engeres Actions-Comité) L. Kahn, O. Kokesch J. Kremenetsky, Oskar Marmorek und M. T. Schnirer gewirkt hatten. Zuerst in der Rembrandtstrasse Nr. 11 und nach dem zwei, ten Zionistenkongress (1898) in der Türkenstrasse Nr. 9 befand sich das Zentralbüro der Z.O. Aus aller Welt kamen Anfragen, die gewöhnlich Herzl selber beantwortet hatte. Er benutzte keine Schreibmaschine und seine Briefe ersetzten Radiosendungen, die den Zionismus verbreiteten. Der erste offizielle Gene. ral-Sekretär war Mathias Acher (Nathan Birnbaum), der aber nach kurzer Zeit aus der Z.O. austrat. Im Zentralbüro waren als Sekretäre beschäftigt: A. H. Reich, I. Schalit, M. Berkowicz (für Hebräisch und Jiddisch). In der Türkenstrasse war auch das Hauptquartier des Jüdischen Nationalfonds unter der Leitung von Kremenetzky. In der Rembrandtstrasse und dann in der Türken, strasse arbeiteten die Redakteure der offiziellen Zeitung „Die Welt“, so S. R. Landau, dann I. Schalit, S. Werner, E. Rosenberger, B. Feiwel, J. Uprimy und Martin Butoer. Der Administrator war A. Pollak. ■ Im Wiener Zentralbüro wurde der Grundstein für die Balfour-Deklaration und für die Errichtung des Staates Israel gelegt. II. KOELN — BERLIN — KOPENHAGEN Nach dem Tode Herzls wurde David Wolffsohn aus Köln im Jahre 1909 zum Präsidenten der Z.O. gewählt. Kurz darauf wurde das Zentralbüro nach Köln, Karolingerring, verlegt, dann auch „Die Welt“ und der J. NJ. Die neue Exekutive bestand aus fünf Personen und ein jeder wohnte in einer anderen Stadt: Greenberg (London), J. Kann (Haag), J. Bernstein-Kohan (Odes, sa), Alexander Marmorek (■Paris) und M. Ussischkin (Jekaterinoslaw). Trotzdem gelang es Wolffsohn die Z.O. zu stärken. Vom Jahre 1907 setzte sich die Exekutive zusammen aus: Wolffsohn, Kann und Warburg. Nachum Sokolow war der General-Sekretär und später übernahm das Sekretariat S. Hoofien. Ferner waren im Büro unter anderen beschäftigt: A. Robinson (Sekretär von Wolffsohn, M. Rosen, blueth, J. Berger und I. Cohen (englische Korrespondenz). Redakteure der Wochenzeitung „Die Welt“ waren: J. Klatzkin, dann So. kolow, Feiwel, J. Loewy und A. Coralnik. An der Spitze des J.NF. stand M. I. Bodenheimer, mit N. Gross und S. Kaplansky als Sekretäre. Im von JOSEF FRAENKEL J.NF. waren etwa 40 Perso- I nen angestellt. Im Jahre 1911 wurde O. I Warburg aus Berlin Präsident der Z.O. und in der Exekutive waren: A. Hantke, V. Jacobsohn ,S. Lewin und Sokolow. Seit 1913 auch J. Tschlenow. Die zionistische Beamtenschaft ging von Köln nach Berlin. Im Zen. tralbüro, in der Sächsische Strasse Nr. 8 arbeiteten etwa 30 Personen K. Blumenfeld war Sekretär und A. Avadio war der Privat-Sekretär von Warburg. Die Redaktion von „Die Welt“ übernahm M. Zobel, bald darauf R. Lichtheim. Der J. N. F. blieb in Köln. Bald nach Ausbruch des; Ersten Weltkrieges wurde, : um die Neutralität der ZO. zu wahren, ein Büro in Ko- | penhagen unter der Leitung! von L. Motzkin eröffnet. M.; Rosenblueth, S. Bernstein | und andere aus Berlin über. siedelten ins neutrale Däne- , mark. Offiziell blieb das | Hauptquartier der Z.O. in Berlin, aber durch das Koi penhagener Büro wurde die i zionistische Tätigkeit in beiden Lagern — in den Ländern der Entente und der Mittelmächte — ermöglicht Das Hauptquartier des J. N. F. wurde dagegen nach dem Haag unter der Leitung von Nehemia de Lieme verlegt. „Die Welt“ stellte ihr Erscheinen ein. Seit 1908 wurde eine hebräische Ausgabe „Haolam“ („Die Welt“) in Köln herausgegeben, dann in Wilna und schliesslich in Odessa, bis zum Jahre 1914. Im Kopenhagener Büro wurden jüdische Nachrichten gesammelt für ein Bulletin in vier Sprachen (Deutsch, Jiddisch, Englisch und Französisch), welches den jüdischen Zeitungen in aller Welt zugestellt wurde. Ausserdem erschien eine jid. dische Zeitung „Di Folks- Stimme“, redigiert von S. Bernstein. m. LONDON Sokolow und Tschlenow weilten während des Weltkrieges in London. Sie kamen nach England als Mitglieder der zionistischen Eixe, kutive, um hier eine politische Tätigkeit gemeinsam mit Chaim Weizmann zu entfalten. Am 8. Februar 1917, einen Tag nach der historischen Sitzung im Hause von Chacham M. Gaster zwischen Sir Mark Sykes mit Weizmann und anderen, schickten S. Tolkowski, Leon Simon, I. M. Sieff, H. Sa. eher, S. Marks, S. Landman und A. M. Hyamson ein Memorandum an Sokolow und beantragten die Errichtung eines „Büros mit einem Sekretariat und einem Archiv“. ETst im August 1917, einige Monate vor der Balfour_Deklaration, wurde in Piccadilly Nr. 175 ein „Zionist Organisation, London Bureau“ unter der Leitung von S. Marks mit S. Landman als „Secretary and Solicitor“ eröffnet. Offiziell blieb Warburg Präsident der Z.O. mit sei. nem Hauptquartier in Berlin. Erst im Juli 1920 wurden Weizmann von der Zionistischen Konferenz in Lon. don zum Präsidenten der Z. O. und Sokolow zum Vorsit. zenden der Exekutive gewählt, wodurch London der Sitz des zionistischen Zentralbüros wurde. Aus dem „London Bureau“ wurde nun das „Central Office“ in Great Russell Street Nr. 77. Der J.N.F. wurde von dem Haag nach Jerusalem unter der Leitung von Ussischkin verlegt. Von den 26 Beam. ten übersiedelten 14 nach Erez Israel. Der XII. Ziomstenkongress in Karlsbad (1921) wählte wieder Weizmann und Sokolow, wie auch eine Exekuti¬ , damals Mitglied der Exeku- I tive war, geleistet. G. Halpern war für das Terasury Department verantwortlich. Die Mitglieder der Exekutive V. Jacobson, dann A. Hantke, und im Jahre 1921 I R. Lichtheim waren für das i Organisation und Adimini. | stration Department verant- : wörtlich. V. Jabotinsky übernahm auch das Immigration j und Publicity Department. Das Organisation Depart- : ment mit L. Lauterbach als j Sekretär stand unter der : Leitung der Mitglieder der Exekutive von M. Soloweit- | schik, hierauf von L. Lipsky, F. Rosenblueth, und dann : von B. Locker. Schliesslich | wurde auch dieses Departi ment nach Jerusalem ge- SEKRETARIAT SANTIAGO DEL ESTER0 454 ■ 9. St. - Of. 36 TELEFON 38.5816 SPRECHSTUNDE. nur nach vorheriger telefonischer Anmeldung, jeden MITTWOCH von 18 bis 20 Uhr. Nachrichten aus Israel BERATUNG für Eltern, die ihre Kinder nach Israel in die Schule geben wollen. Desgleichen für Jugendliche, die in Israel ihre Ausbildung vervollstaendigen wollen oder Interesse haben, das Land kennenzulernen. Um tdef. Anmeldung im Sekretariat wird gebeten. ve, bestehend aus 14 Persoj nen, wovon 6 Mitglieder für | Palästina zur Vertretung der! Z.O. und zur Verwaltung der 1 dortigen Geschäfte bestimmt : wurden. Als Hauptsitz der Exekutive wurde vom Kon gress London bezeichnet. Great Russell Street (G.R. S. ) beginnt in Tottenham Court Road, hat ihre Fortsetzung in Bloomsbury Place (wo Nr. 2 die Poale Zion ihr Büro hat), welcher in Southampton Row (wo Nr. 65 der J.NF. für England und Irland seine Lokale hat) en det. G.R.S. existiert seit 1670, war bewohnt „vom Adel und den Vornehmen“ und die Häuser Nr 75, 76 und 77, die dem Duke of Bedford gehörten, wurden im 18. Jahrhundert errichtet. Ursprünglich hatten sie die Nummern 83, 84 und 85. Als man mit dem Bau des gegenwärtigen Gebäudes des Britischen Museums begonnen hatte, wurden diese auf die Nummern 75, 76 und 77 umbenannt. Nr. 77 war einst das Stadthaus der Bischöfe von Chichester. Später wohn, ten hier die Architekten Lewis Cubitt, der „co-designer of King Cross Station“, und T. H. Wyatt, Präsident des „Royal Institute of British Architects“. G.R.S ist auch heute noch voll mit Verlagsanstalten und Buchhandlun. gen. Hier wohnen Intellektuelle, Artisten und Studen ten. Wenn man — so erzählt man sich in zionistischen Kreisen — einen Polizisten fragt: „Wo ist das Büro der Z.O.?“, so antwortet er: „Das erste Gebäude nach dem Britischen Museum“. Wenn man sich aber erkundigt, wo das Britische Muse, um ist, so erhält man die Antwort: „Das erste Gebäude vor dem Büro der Z.O.“ Die wichtigste Arbeit wurda fm Political Department, geleitet von Weizmann, Sokolow und Jabotinsky, der . bracht. In London blieb nur | noch das Political Depart- I ment unter Brodetsky, Lok-! ker und Shragai. L. Stein re- ■ signierte als Sekretär Ende , 1929 und dieses Amt über-! nahm dann L. B. Namier, | später A. Lurie und schliesslich J. Linton, der auch für | das „Central Office“ verant-; wörtlich war. Während des Zweiten Weltkrieges wurde ein Press und Propaganda Department eröffnet, wo M. Pearlman, Abba Eban und M. Rosetti tätig waren, in dieser Zeit der Gefahren wirkten im Political Department mit: Blanche Dugdale, S. Marks (Lord Marks of Broughton), H. Sacher und I. M. Sieff. Seit 1949 leitet S Levenberg das London Büro als Vertreter der Exekutive der Jewish Agency. IV. GREAT RUSSELL STREET Vom Jahre 1920 bis 1948 war Great Russell Street Nr. 77 das zionistische Downing Street Nr. 10. Nach jeder Attacke gegen den Zionismus und gegen ein jüdisches Palästina — und Attacken kamen fast ohne Unterbrechung — war G.R.S. in Be. wegung. Alle Arbeitskräfte wurden eingesetzt. Die Mitglieder der Exekutive, unterstützt von der Beamtenschaft, stellten sich entgegen. White Papers, Berichte von Commissionen, Debatten im House of Commons, Einwanderungs _ Beschränkungen, Unruhen in Palästina, Ernest Bevin — alle diese Kämpfe wurden in London ausgetragen. Wenn G.R.S. an das jüdische Volk appelliert hatte, so hörte man die jüdische Stimme in allen Ländern. Der Höhepunkt des jüdischen Widerstandes bildete der 8. Juli 1946. An die. sem Tage marschierten die Zionisten durch die Strassen Londons und versammelten sich in Trafalgar Square. Junge Mädchen und Burschen waren Bannerträger WACHSTUM EINER STADT | Das Stadtgebiet von Petach I Tikwa wurde durch Zuweisung von 17.000 Dunam Bo. I den erweitert. STEIGERUNG j DER PRODUKTION j Auf einigen Anbauflächen I in der Bet Schean_Ebene wurde in diesem Jahr eine Re- | kordernte von Baumwolle er- I zielt. Der Ertrag der neuen amerikanischen Sorte Delta Fine belief sich auf über 500 kg pro Dunam, aus denen dann 180 Kilogramm Fasern gewonnen werden konnten, gegenüber einem Durch, schnittsertrag von 105 Kilogramm. ERWEITERUNG DER ANBAUFLAECHE Dank der Regen, die dieses Jahr im Süden des Landes und im Negew niedergingen, konnte die Wintersaat-Anbaufläche beträchtlich ver. grössert werden. Man plant I und die Parole lautete ,.Let | 1 my people go!“. Der Platz} war angefüllt mit Zehntaui j senden. Nach den Reden des , ' Protestes gegen Ernest Bevin! : und gegen die Verhaftung! von Mitgliedern der Exeku- ■ } tive wurde eine Resolution j 1 in Downing Street Nr. 10 überreicht. auch eine Erweiterung der Anbaufläche von Sommergetreide. Zum ersten Mal nach einigen Jahren wurde wieder, um im Süden und im Negew auf weiten Flächen Getreide angebaut.! INDUSTRIE IN ENT¬ WICKLUNG SGEBIETEN i In Entwicklungsgebieten werden dieses Jahre vier neue Betriebe allein in der Kera- : mikbranche eröffnet nämlich in Elat, Mizpe Ramón, Nes Ziona und Machanc Jisrael. In Entwirkiungsgebieten, ein. } schliesslich Jerusalem, sind : jetzt 1.500 Arbeiter in der! Diamantenindustrie beschäf. j tigt. DREI NEUE SIEDLUNGEN Die Behörde für landwirt. sehaftliche Planung hat die Anlage von drei neuen Siedlungspunkten in der Arawa — der Steppe an der Südwestgrenze des Staates — bestätigt. Dadurch wird ein eingehendes Studium der Bedingungen von landwirtschaftlichen Siedlungen, die in diesem Landstrich erforder lieh sind, ermöglicht. Zur Zeit gibt es im Arawa-Gebietfünf bewohnte Orte: Ein Ge. di, Neot Hakikar, Ein Jahaw, Jotwata und Echalot. In der Geschichte des Zio. nismus wird man selten einen Namen eines Beamten finden — was sie geleistet haben, wird der Exekutive gutgeschrieben. So ist es bei jeder Regierung und so auch bei der Exekutive. Die Beamten sind die „namenlosen“ Träger des Zionismus. Fast alle Mitglieder der Jerusalemer Exekutive des Jahres 1948 wurden Minister des Staates Israel. Auch Beamte der Z.O. wurden im diplomatischen Korps aufge. nommen. Sie hatten das diplomatische und politische ABC in der Zionistischen Organisation und auf Zionistenkongressen gelernt. Das „Central Office“ in Great Rüssel Street Nr. 77 war auch eine politische Akademie. Einige der Mitarbeiter wurden dann Botschafter, wie z. B. Abba Eban, G. Avner, W. Eytan, J. Linton und A. Lurie. Bald werden die Häuser Nr. 75, 76 und 77 niedergerissen werden, um Platz für das British Museum zu machen. In der Türkenstrasse Nr. 9 ging man daran, einen Traum zu verwirklichen. Es war ein harter Weg der Opfer, der leiden, des starken Willens, der endlosen Arbeit, der Hoffnung, der Sammlung der jüdischen Kräfte und des heroischen Kampfes des Yischuv — bis endlich der Traum Herzls verwirklicht wurde. Und in der Realisierung des Traumes war Great Russell Street Nr 77 ein Partner, ein würdiger Partner. Mm Gottesdienst Der Wunsch, den von der i THG für die Hohen Feierta- 1. ge verpflichteten Kantor, Herrn Ing. Idilio Gordon kennenzulernen, veranlasste mich, einer Chorprobe beizu wohnen. Aus der Unterhaltung mit Herrn Gordon, dessen vornehme, verbindliche Art sofort Sympathie erweckte, er. fuhr ich, dass schon seine Vorfahren sich dem liturgischen Gesang widmeten. Trotz seines Berufs als Zivilingenieur ist er bestrebt, durch tägliche Uebungen seine angenehme Tenorstimme auf der notwendigen Höhe zu halten, was ihm er. möglichte, ähnliche Verpflichtungen in verschiedenen Ländern unseres Kontinents, auch in den USA, einzugehen. Wie die Vorfahren von Herrn Gordon — er selbst ist in Argentinien geboren — stammen auch die beiden Solisten unseres Chores, die Herren Desiderio Dani und Hermann Tambor, aus Ungarn. Beide Herren, die unsere Beter von früheren Jahren in angenehmer Erinnerung haben dürften, haben konservatorische Ausbildung in Mailand resp. Fiume ge. nossen und haben eine lange Karriere in Konzertsälen und Opern hinter sich. Ich verliess die Probe in der Ueberzeugung, dass d>e Andachten an den Jomim Nauroim uns eine echte Feiertagsstimmung vermitteln werden. R. W.

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