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Jüdische Wochenschau · 1964-09-04 · 2080 (4.9.1964) · p. [Seite 3]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
25 (1964)
Issue
2080 (4.9.1964)
Date
1964-09-04
Page
[Seite 3] (sequence 3)
Language
German, Spanish
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Viernes, 4 de Septiembre Se 1904 LA SEMANA ISRAELITA Año XXV. — No. 2080 _ % Was ein Augenzeuse berichtet Unter den vielen Augenzeugen, die vor dem Frankfurter Schwurgericht auftraten, um ihre Aussage im Auschwitz-Prozess zu ma_ chen, war der jetzt erst 31 Jahre alte Otto Dov Kulka eine besonders bemerkenswerte Erscheinung. Kulka ist heute wissenschaftlicher Assistent an der Hebräiscnen Universität zu Jerusalem. Der Zeuge war noch nicht 10 Jahr alt, als er im Herbst 1942 mit seiner Familie nach Theresienstadt ver. bracht wurde. Im September 1943 wurde er mit seiner Mutter und weiteren fünftausend Leidensgenossen nach Auschwitz deportiert. Der Vater hat ebenso wie er Auschwitz überlebt. Die Mutter und alle anderen Fami. lienangehörigen sind in diesem Schreckenslager umgebracht worden. Trotz seines kindlichen Alters haben sich die grausigen Erlebnisse tief in sein Gedächtnis eingegraben, sodass er noch imstande war, einige der Angeklagten, mit denen er in Auschwitz zu tun hatte, vor dem Gericht wiederzuerkennen. Dies ist besondres bemerkenswert, weil die Ange. klagten, damals in schmukken Uniformen, inzwischen älter und alt geworden sind und heute anders als damals aussehen. Als der Transport dieses Zeugen in Auschwitz ankam, wurden alle in ein besonderes Lager gebracht. Anfangs sei es noch einigermassen erträglich gewesen. Der Lagerführer Schwarzhuber habe sogar die jüdischen Kinder zunächst von jüdischen Lehrern unterrichten lassen. Dieser Kinderblock sei, so von JAKOB KATZ-R06ASEN berichtet der heutige Universitätsassistent, bald Zentrum des kulturellen Lagerlebens geworden. Das ist eine unheimliche Szene: Inmitten des Mor. dens, inmitten des allgemeinen Sterbens, inmitten eines furchtbaren Grauens werden auf Befehl eines SS-Kommandanten jüdische Kinder von jüdischen Lehrern unterrichtet. Und der Kinder, block wurde sehr schnell zum Menschen nicht glauben. Sie klammerten sich an die Hoffnung, dass sie als einzige im Lager nicht umgebracht würden. Debatten, ob Widerstand geleistet werden solle, endeten ohne Entschliessung. Einige Tage, bevor das gesamte Lager vergast wurde, erkrankte der damals zehnjährige Zeuge, und kam in den Krankenbau. Um die Lüge, die Insassen kämen in Mittelpunkt des „kulturellen! ein Arbeitslager, aufrechter- Lagerlefcens’’. Unsterbliche jüdische Seele, unsterbliche jüdische Sehnsucht unsterbliche jüdische Hoffnung offenbaren sich in diesen halten zu können, erklärte Schwarzhuber, die Kranken würden im Lager zurückge. lassen. Dann wurde das Lager bis auf die Kranken geschlichten Worten vom Kinj räumt und kam in den Abderblock im Familienlager aus Theresienstadt im Vernichtungslager Auschwitz. Birkenau... Das war ein Vorgang, der sogar die SS beeindruckte. Hierzu der Zeuge wörtlich: „Die SS-Männer waren beeindruckt und kamen oft. Aber dies hinderte sie nicht daran, alle Insassen nach sechs Monaten kaltblütig umzubringen.“ „Erhielten Sie einige Tage vorher Kenntnis von der ge. planten Vergasung?“ Der Zeuge schildert, wie es die SS verstand, aufkommende Zweifel zu zerstreuen, indem Lagerführer Schwarzhuber den Insassen des Familienlagers einredete, sie kämen in ein Arbeitslager. Obwohl eine Häftlingsschreiberin, Katharina Schlesinger, die Familien gewarnt und davon informiert hatte, dass der Transportbefehl „Sonderbehandlung“ Vergasung heisse, wollten es die Ihr ISRAEL- Spezialist Juan F. Holler BRIEFMARKEN Av. L. N. ALEM 336 (gegenüber der Hauptpost) M 244 E. T AYL AN AGENCIA DE PASAIES AEREOS. MARITIMOS Y TURISMO Viamonte 311 - Tel. 32.2366 _ Buenos Aires M 219 FABRICA ROPA DE CUERO GAMUZADO CABRA Y NAPA SACOS 7/8 . TRAJES K. Zimmerspifz J U N I N T. E. 47.3762 - 3 2 2 - Bs. As. M 136 HELVETIA Cía. Suiza de Segures contra Incendios AGENTES GENERALES PARA LA REPUBLICA ARGENTINA SINMONDS & Cía. S.R.L. RECONQUISTA 359/05 X. E. 40-0776 . 46-0885 M 193 schnitt A, die Quarantäne. Kulka erinnert sich noch genau an diesen Märztag des Jahres 1944, da man ihn ge. gen Abend zusammen mit zwei anderen Kranken doch aus dem Krankenbau holte und in den Kinderblock des Quarantänelagers brachte. Auf dem Weg dorthin sah er, wie die Lastwagen vorfuhren und der Blockälteste Bondi den Menschen auf tschechisch zurief, sie sollten die Wagen nicht besteigen. Eh' wurde von einigen Kapos aus anderen Lagerabschnitten mit Knüppeln erschlagen. „Einer davon war Bednarek. Ich habe seinen Namen später erfahren. Einer der SS-Männer war Baretzki. Die sich im’ Scheinwerfer, licht der Lastwagen abspielende Szene war gespenstig. Aus den Blöcken ertönte Gesang. Die Kapos schrien: Aufhören! Die Menschen sangen weiter hebräische und tschechische Lieder/' Noch am gleichen Abend war Kulka in den Krankenblock des „Familienlagers“ zurückgeschickt worden, weil sich die jüdischen Lehrer mit Erfolg den SS-Männern gegenüber darauf berufen hatten, dass laut Anweisung des Lagerführers Schwarzhuber alle kranken Kinder im Lager Zurückbleiben sollten. Alle anderen wurden auf Umwegen in die Krematorien gefahren und vergast. „Die Lastwagen fuhren nicht in Richtung der Kremato. rien. Deshalb glaubten wir, dass sie nicht in den Tod führen! Unter den Ermordeten waren alle meine Kameraden, meine Mutter und ihre Familie.“ Kulka kam wieder in den Kinderblock des Familienlagers. „Obwohl einige hundert Kinder fehlten, blieb alles beim alten. Obwohl man wusste, dass nach sechs Mo. naten auch der zweite Transport umgebracht werden würde, wurden die Kinder weiter erzogen. Wir lernten die Geschichte des jüdischen Volkes. Ich weiss nicht, ob es eine Heldentat war, dass unsere Lehrer noch die Kraft fanden, die Kinder im Geiste Gottes zu erziehen. Wir wussten, dass der zweite Transport nur noch drei Monate Zeit hatte. Dann waren die sechs Monate vorbei.“ Sie wussten also, dass sie noch drei Monate Zeit natten, aber sie lehrten und lernten die Geschichte ihres Volkes. Sie wussten nicht,, dass sie inmitten der allgemeinen Vernichtung und Zerstörung jenes alte Erbe ihres Volkes, Lehren und Lernen, weiterführten und damit einen wunderbaren Beweis für den Lebenswillen ablegten der unser Volk selbst diese Zeit des Nieder, ganges und der Verzweiflung hat überleben lassen. Auch vor der zweiten Massenvergasung mussten die Menschen nach der Schilderung des Zeugen vordatitrte Karten schreiben, damit ihre Angehörigen zu Hause glau. ben sollten, sie seien noch am Leben, wenn die Meldung über den zweiten Massenmord in der Heimat eintreffe. Kulka liest eine der damals geschriebenen Kar. ten vor, auf der ein Vater schrieb, er sei gesund, aber sie sollten öfters seinen Sohn in Strasnice besuchen. „Das war ein deutlicher Hinweis. Strasnice ist der jüdische Friedhof von Prag, auf dem auch Kafka begraben liegt.“ Bevor Anfang Juli 1944 das Familienlager zum zweiten Mal liquidiert wurde, trafen die Insassen Widerstandsvorbereitungen und bastel. ten Sprengkörper. Doch abermals verstanden es die SS- Leute, die Menshcen zu täuschen und in ihnen Hoffr.un. gen zu wecken. Auch diesmal kam es nicht zu dem vorbereiteten Widerstand. Die SS erklärte wiederum, die Menschen kämen in ein Arbeitslager, und sie suchte zum Beweis arbeitsfähige Männer aus, die sie vor den Augen der übrigen'Insassen auch wirklich in ein Arbeitslager schickte. „Ich bat Dr. Mengele, mich einer dieser Arbeitsgruppen zuzuteilen, aber er gab mir nur einige Fusstritte.“ Dennoch gab der damals erst elf Jahre alte Junge nicht auf. Ek schmuggelte sich zweimal in eine Gruppe jugendlicher, die für arbeitsfähig angesehen wurden und zum Lagertor hinausmarschieren durften. Das erste Mal wurde der Junge am Lagertor aus der Gruppe geholt und wieder zurückgeschickt. Auch beim zweiten Mal griff ihn der am Tor stehende SS-Ober, scharfiihrer Buntrock heraus und fragte ihn, wie alt LA SEMANA ISRAELITA SEMANARIO INDEPENDIENTE Bs. Aires — PUÉYREDON 2190, 1? izq. — T. E. 83-2613 4. September 1964 27. EluI 5724 er sei. Als sich der Junge ein Jahr älter machte, sagte Buntrock ihm die Lüge auf den Kopf zu. Ob der SS- Mann dann eine menschliche Regung verspürte oder ob ihm weitere Scherereien un. gelegen waren — Kulka weiss es nicht. Eir hörte, wie der Mann plötzlich sagte: „Hau ab!“ Da war er gerettet Mit den anderen Jugendlichen kam er ins Stammlager, während die Zurückgebliebenen vergast wurden. Im Stammlager eingetroffen, erkannte der Junge zu seinem Schrecken in dem neuen Blockältesten den Mann, der bei der ersten j Vergasung den Blockältesten : Bondi erschlagen hatte: den , jetzigen Angeklagten Bedna-; rek. Aber Bednarek behandelte I die Kinder „verhältnismä. ' ssig gut“, und „gab ihnen nur ab und zu Schläge“. ' Doch die jüdischen Kinder j mussten unter Bednarek antisemitische Lieder lernen und singen: „Wo das Judeni blut vom Messer tropft“ Das war die SS, die in den . Ghetti, Zwangsarbeit*- und i Konzentrationslagern wütej te: Mörder und Sadisten, ■ Zyniker und vertierte Men- | sehen, die ihre Genugtuung ■ dabei fanden, unschuldige j Frauen, Kinder und Männer j zu quälen und zu erdros. | sein. Zweimal fällt der Namen Mengele, einer der grössten Verbrecher, der noch immer Strafanzeige gegen ehemaligen SS-riihrer Ludwigsburg. — Strafanzeige wegen in Italien begangener Krisgsverbrecnea ist gegen den ehemaligen SS-Standartenführer Josvchim Peiper erstattet wor. den. Der in Stuttgart wohnende Peiper soll für den Tod von 146 Zivilisten am 15. September 1943 in Boves (südlich Turin) verantwortlich sein. Nach einer Meldung der italienischen Nach, richtenagentur Ansa wurde die Anzeige von dem ehemaligen Partisanen Dr. Ettore Gerbino aus Cunei erstattet. (AWZ) Beunruhigung in Belgien Brüssel. — Jüdische KreL se in Belgien äussern sich in zunehmendem Masse beunruhigt über antisemitische Tendenzen in der Sowjet-' union. Eine jüdische Delegation hat kürzlich dem belgischen Ministerpräsidenten Lefevre in Brüssel ein Me. morandum über die Lage ihrer Glaubensgenossen in der Sowjetunion überreif''’* — (AWZ) nicht gefasst wurde. Wo ist er? Wer versteckt ihn? Wer hat Interesse daran, einen Mörder seiner Strafe zu ent. ziiehen? lanar naiD n3»5 BANK HAPOALIM B. M. INDUSTRIAL & BAI (Israel - Latin America) Lttl INCOB A (investment & Trust Co. Ltd.) AMP AL American Israel Corporation OFICINA DE REPRESENTACION CORRIENTES M45 — Piso 6o. — Of. 68 T. E. 35 . 8336 . 8586 BUENOS AIRES M 213 Saluda-cordialmente a la colectividad'judía de la Argentina con motivo del nuevo año 5725 y expresa su deseo de contar a Usted como huéspedxd_e uno de sus modernos “jets”, en los que será siempre bienvenido y'agasajado. illifAI 61*16* OI ÍS*At| 0<‘C¡9tf‘>eo'9 ^sd’Am4si¿o. piASONAl ÍUUQ A. «OCA 450 . I» . Tal. 30-374//8318’ ■ m. POCH PHÍWKORS)

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