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Jüdische Wochenschau · 1964-08-28 · 2079 (28.8.1964) · p. [Seite 8]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
25 (1964)
Issue
2079 (28.8.1964)
Date
1964-08-28
Page
[Seite 8] (sequence 8)
Language
German, Spanish
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rKANQUKO PAGADO CtMHÜII MS TARIFA REDUCIDA SEMANA ISRAELITA Ai« XXV. BU «NOS AJR*S, YIKRNKS M I>* AGOSTO DE 1M« N* S*7» EL EJE.rtPLA M teda I* República ‘ 10.- rUEYRREDON 21M |f T E. 83 2413 Bi^ih Airea Niemand will es gewesen mm Buck in die weit Vor dem Schwurgericht beim Landgericht München rollt« unter dem Vorsitz von Landgerichtsdirefctor Mannhart seit kurzem der mehrfach versehe he nt Prozess gegen den 64 Jahre alten ehemaligen SS.Otoergruppenfüh-, rer und General der Waffen- S8 Karl Wolfi ab. In dem gleichen Saal des Münchner Justizpalastes, in dem gegen SS.Obergruppenführer Sepp Dietrich und Generalfeldmarschall Schörner verhandelt wurde, wird er sich gegen schwere Beschuldigungen ' su verantworten haben. Wolff wird vorgeworfen, „durch ewei selbständige Handlun. gen, gemeinschaftlich mit anderen, mit Ueberlegung und aus niedrigen Beweggründen, heimtückisch und grausam in einem Fall wenigstens 100, im anderen wenigstens 300.000 Menschen vorsätzlich getötet eu haben.1* Seit eineinhalb Jahren ist Wolff bereits in Untersuchungshaft. Die Anklage ist ■ehr sorgfältig vorbereitet worden. Man sah Beamte der Staatsanwaltschaft unter anderem in den Archiven des V«« JAKOB KATZ-R0GASEN Münchner Instituts für Zeit, geschieht«. In einem ganz anderen Sinn, als sich jetzt zeigen Wird, war General Wolff nach dem Kriege zu einer zeitgeschichtlichen Figur geworden: ein grosser Teil der OeffentTichkeit war vermut, lieh überrascht, den Mann, der bei der Kapitulation der deutschen Truppen in Italien eine entscheidende Rolle gespielt hatte, plötzlich schwerster Verbrechen im Zu ammenhang mit der „Endlö. sung der Judenfrage“ beschuldigt zu sehen. Wer Wolff und seine berufliche Tätigkeit im Anzeigenfach kennenlernte. hatte kaum den Eindruck, es mit einer Person zu tun zu ha. ben, wie sie der Eröffnungsbeschluss schildert, und vermutlich wäre das bis heute auch so geblieben, hätte Wolff nicht plötzlich das Bedürfnis verspürt, im Frühjahr 1961 mit einem Illustriertenbericht hervorzutreten. In ihm war zu lesen, er habe von dem Befehl Himmlers an Eichmann, Millionen von Ju. Die »Protokolle der Weisen von Zion* r Washington. — Die Senatskommission für interne Sicherheit veröffentlichte ein Communiqué, in dem sie die antisemitischen „Protokolle der Weisen von Zion“ als eine Fälschung erklärt und ieststellt, dass es noch heute Leute m den Vereinigten Staaten gebe, die an „diese alte Lüge“ glauben. Der demokratische Senator Thomas J. Dodd für Con. necticut, Vizepräsident dieser SubkommLsion, und der re. publikanisehe Senator für New York, Kenneth P. Keating, der ebenfalls Mitglied der Kommission ist, hatten eine Ueberprüfung dieses Machwerks empfohlen, da immer wieder der Versuch unternommen wird, die .Protokolle“ im Namen des „Antikommunhmus“ zu gebrauchen. Das Ergebnis der Untersuchung wurde mit einstimmiger Billigung der neun Knmmissions.Mitglieder publiziert. Beide Senatoren vertraten in einer gemeinsamen Er. klärung den Standpunkt, dass das „Wiederauftauchen dieser notorischen Fälschung mit einem Versuch zu erklären sei, als den wahren , Volksfeind1* nicht, den internationalen Kommunismus sondern die „internationale Judenheit“ hm- Eustellen. so dass der Kommission Anfragen von „ernsten, aber iiregeführten Menschen“ zugegangen seien. „Es ist unmöglich, keine Besorgnis zu empfinden“, versicherten die Senatoren, „wenn man sieht, mit welchem Zynismus sich gewisse Gruppen im Namen des Antikom. munismus immer noch der .Protokolle* bedienen, um das Vorurteil und die Feindschaft zwischen den amerikanischen Bürgern zu nähren und auf diese Weise die Bemühungen eur Bekämpfung des Kommunismus abzuschwächen Nicht nur hat man diese Fälschung ausgegraben, sondern es wurden in unserem Lande auch viele ähnliche Schriften abgedruckt, die in der Sowjetunion erschienen sind und dort in einem unermüdlichen Feldzug gegen die russisenen Juden zur Verwendung gelangen.“ Die Subkommission schliesst ihr Communiqué mit dem Hinweis, dass „diejenigen, die mit diesem dummen und plumpen Pamphlet hausieren, das amerikanische Volk irre, führen wollen und den Kampf gegen die kommunistische Bedrohung abzulenken wünschen.“ Sie gibt ihrer Ueberzeu. gung Ausdruck, dass die „Verbreiter der .Protokolle* ein antiamerikanisches Vorurteil schüren, um Hass und Uneinigkeit unter dem Volk Amerikas zu entflammen. Unter dem Deckmantel der Lüge, dass sie den Kommunismus bekämpfen wollen, hetzen sie ebenso wie die Kommunisten eine Klasse gegen die andere, eine Religion gegen die andere auf und unterh-öhlen so das amerikanische System“ Die Ermittlungen der Subkommission haben ergeben, dass die „Protokolle“ zwar verschiedentlich als Fälschung entlarvt wurden, doch weiterhin von skrupellosen Individuen veroreitet, und von denen, die nicht denken, als Tat. sache angenommen werden. Allerdings seien sie nur eines der falschen Dokumente, die heute auf dem Markt erscheinen, um den Mythus von der „internationalen jüdi. sehen Verschwörung“ zu belegen. Der Untersuchungs-Bericht ist im wesentlichen eine Sammlung von getrennten Analysen, die kompetente Fachleute in verschiedenen Ländern über den Ursprung und die Zirkulation der „Protokolle“ vorgenommen haben, darunter Richard Helms, Zweiter Direktor des USA.Spionage- •bwehr-Büros, R. P. Pierre Charles, Theologieprofessor der Jesuiten-Universität in Louvaine (Belgien), Prof. John P. Ourtiss von der Columbia-Universität und Dr. Hugo Va. lenttu von der schwedischen Universität Upsala. (ITA) den systematisch auszurotten, nichts gewusst. Erst im März 1945, bei seihen Verhandlungen mit den Alliierten in der Schweiz, habe er davon gehört. . Und nun begann das Rad der Justiz sich zu drehen. Bis dahin nämlich hatte Wolff als einer der „ganz anderen“ SS-Fiihrer, als Beispiel für ei. he nachahmen; werte Haltung gegolten. Als höchster SS- und Polizeiführer in Italien hatte Wolff im Frühjahr 1945 Verbindung mit dem damaligen Europa.Beauftragten und späteren Chef des amerikanischen Geheimdienstes, Alan Dulles, aufgenommen. Seine Verhandlungen, die ihn selbstverständlich den Kopf hätten kosten können, führten zur frühzeitigen Kapitulation der deutschen Truppen in Italien. Die Amerikaner vergassen das nicht. Wolif fehlte unter den Angeklagten vor dem internationalen Militärtribunal. Die Rolle, die er als Zeuge in Nürnberg spielte, wurde von manchen der früheren SS- Führer nicht gebilligt. Heute will die deutsche Ju. stiz nachholen, was nach Ansicht der Staatsanwaltschaft damals versäumt wurde. Sie vertritt den Standpunkt, Wolff habe sich „als engster Mitarbeiter Himrrflers,“, nämlich als Chef des persönlichen Stabes Reichsführer SS und als Verbindungsoffizier des Reichsführers SS zum Führer, im bewussten und gewollten Zusammenwirken mit dem für die Mordaktion Ve: antwortlichen durch in. formative, beratende, reprä. sentative und gestaltende Mitarbeit an der „Endlösung der Judenfrage“ beteiligt. Die Anklagebehürde reiht ihn nach Lage der Dinge in die Reihe der Repräsentanten der Führungsspitze des nationalsozialistischen Regimes ein. In dieser Eigenschaft habe er im August 1941 mit Hitler in Minsk die Einsatzgruppe B unter SS- Brigadefiihrer Nebe und das unter dem Befehl des SS. Antisemitische Zeitschrift London. — Eine neue spasic.he Zeitschrift, die Hitler als einen „humanen und ge. schickten“ Politiker lobt, behauptet, die Ermordung von sechs Millionen Juden sei eine „Fabel“, und macht die Juden und Demokraten für den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges verantwortlich. Die Zeitschrift hei st „Juan Perez“ und wird in Barcelona gedruckt, wie ein Kabel aus Madrid mitteilte. Auf der Titelseite einer der letzten Nmmern prangte ein grosses Bild Hitlers. Auch das Andenken Mussolinis wird verteidigt, und es heisst, dass „beide Regime sehr viel Gutes hatten“. Die erhaltenen Informatio. nen besagen, dass die ausländischen Diplomaten von dem Erscheinen des „Juan Peerz“ überrascht seien, well alle Publikationen in Spanien, mit Ausnahme der Druckschriften der Kirche, unter strenger staatlicher Kontrolle wehen. (ITA) [ Hauptsturmführers und Re- [ gierungsrates Dr. Bradfisch stehende Einsatzkommando 8 besucht. Nebe wurde 1945 als Verschwörer gegen Hitler vom Volksgerichshof zum Tode verurteilt und hingerichtet, Bradfisch im Juli 1961 von einem Münchner Schwur, gericht wegen Beihilfe an der Ermordung von 15.000 Juden zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt. Zusammen mit Himmler habe Wolff, so heis;t es in dem Eröffnungsbeschluss, damals an der Erschiessung von mindestens hundert fast ausschliesslich jüdischen Landesbewohnern teilgenommen. Dadurch habe er Offiziere und Manncschaften des Ein. satzkommandos in ihrem Willen zur gehorsamen Ausführung der Erschiessungen be. stärkt. In der zweiten Hälfte des Jahres 1942 soll Wolff bei dem damaligen Staatssekretär im Reichsverkehrsministerium, Dr. Ganzenmüller, auf die Bereitstellung um. fangreichen Transportmaterials zur Deportation Hunderttausender von Juden aus dem besetzten Polen in die Vernichtungslager Treblinka, Belzec und Sobibor hingewirkt haben. Damit habe Wolff jene Mordaktion im Generalgouvernement gesi. ehert und gefördert, in deren Rahmen allein in einer geschlossenen Aktion vom 22. Juli bis Anfang September 1942 aus dem Warschauer Ghetto mindestens 300.000 Juden ins Vernichtungslager Treblinka transportiert und befehlsgemäss getötet worden seien. Wolff bestritt in den er. sten Verhandlungstagen sein Wissen um diese Vorgänge und seine Verantwortlichkeit. Damit gab er als einer der höchsten SS-F*unktionäre ein sehr schlechtes Beispiel. Viele Tausende Juden aus Deutschland sind ebenfalls in den „Transporten1* nach Minsk geschafft worden, wo sie in grausamster Form getötet worden sind. Hierüber gibt es einen .privaten* Be. rieht eines deutschen Soldaten, der dabei war. Wenn dieser .gemeine Soldat*, der kei. nen Rang und Titel hatte, hiervon weiss, dürfte es ausserhalb jeden Zweifels stehen, dass auch ein Wolff, Vertrauensmann Himmlers, genau informiert war. Der Prozess droht zur Farce zu werden, wenn das Gericht nicht schärfsten? gegen die „Leugnungstaktik“ der Nazis einschreitet. Gebete für russische Juden New York. — Der erste Tag Rosch Haschana wur. de als besonderer Gebettag für das Los der russischen Juden erklärt. Diese Initiative geht von dem newyorker Rabbiner, rat aus, dessen Präsident, Rabbi Max Schenk, auch die Repräsentanten ande. rer Religionen aufforderte, „ihre Stimme zuir, Protest gegen die in der Sowjetunion geübte Diskriminierung gegen die Juden und das Judentum su erheben.*' (ITA) v«n HAROLD SCHWARCZ Die Kämpfe im Kongo halten mit grosser Grausamkeit an. Die Regierung meidet Erfolge, aber die Aufständischen, offensichtlich von Rotchina unterstützt, leisten weiter Wütigen Widerstand. — Der Ministei Präsident von Laos, Souvanna Phouma, führte Friedensverhandlungen mit seinem Bruder, dem Führer der roten Opposition. Alle Beteiligten gehören der fürstlichen Familie an. Die französischen Regierung stellte das Chateau de la Celle für diese Besprechungen zur Verfügung. — Die bolivianische Regierung hat die Beziehungen zu Kuba abgebrochen. — Die Vereinten Nationen verstärkten ihre Anstrengungen, den Flieden auf der Insel Cypern herzustellen. — Pal miro Togliatti, Jahrzehnte hindurch Führer der italienischen Kommunisten, ist in Yalta gestorben. Kruüschew ehrte den Toten, dessen sterbliche Reste nach Italien über, führt worden sind. — Aus Vietnam werden neue Erfolge der Kommunisten gemeldet. Die Amerikaner verstärkten die Abwehrmassnahmen. — Der Kampf zwischen Indonesien und Malasien nimmt immer schärfere Formen an. Indonesiens Präsident Sukar. no erklärte, er werde nicht ruhen, bis Malasien von der Landkarte verschwunden ist. — Die 53. Konferenz der Interparlamentarischen Union, an der auch argentinische Parlamentarier teilnehmen, wurde von Delegierten aus 66 Ländern beschickt. — Die Sowjetunion machte einen neuen, aber nicht durchführbaren Vorschlag für die Abrüstung, der Zweifel am gu. ten Willen der Russen aufkommen liess, dass sie ernsthaft an der Lösung dieses zentralen politischen Problems interessiert seien. — Aus Dankbarkeit für die amerikanische Hilfe wurde im chilenischen Erdbebengebiet eine Ortschaft auf den Namen Illinois benannt. — Zu neuen Grenzzwischenfällen kam es zwischen Haiti und der Dominikanischen Republik. Die Lage ist gespannt Die türkische Regierung drehte den Russen, sie werde in einem Konfliktsfall die Meerenge de? Bosporus sperren Der amerikanische Präsidentschaftskandidat Goldwater musste seine Reiseroute ändern, weil er vor einem gegen ihn gerichteten Attentat gewarnt worden war. — Die USA zeigten sich wegen des wachsenden Handels zwischen Japan und Kuba besorgt. Guillermo León Valencia, Präsident Kolumbiens, schlug eine Konferenz der amerikanischen Präsidenten vor. — Gedenkfeiern in Paris Vor nunmehr 22 Jahre erlebte das Pariser Judentum den schwärzesten Tag seiner Märtyrerjahre der Beset. zungszeit. Ganze Henkerkolonnen hatte die in der französischen Hauptstadt residie. rende Gestapo in Bewegung gesetzt, um die gigantischste Razzia auf Juden zu entfesseln, die man in dieser traurigen EpDche erlebt hat. Auf den Strassen, in den Häu. sern, selbst in den Syna.gogen begann eine Treibjagd auf die Juden, die sich noch die ganze Nacht fortsetzte. Zehntausende wurden wie Schlacht. Vieh im Velodrome d’hivei zusammengepfercht, wo sie, ohne die primitivsten sanitären Bedingungen, schreckliche Tage und Nächte der Verzweiflung durchlitten. Aber das war erst der Anfang ih_ res Leidensweges, an dessen 1 Ende der qualvolle Tod in den Konzentrationslagern des Ostens stand. Diesem Tage der Trauer waren zwei Gedenkfeiern gewidmet, die in Paris stattgefun- 1 den haben. Der „Vel‘ d'hiver“ steht nicht mehr, und so wurden an dem Gebäude, das an sei. ner Stelle errichtet wurde. Blumensträusse und Kränze niedergelegt. Diese Stunde der Erinnerung, zu der vor allem die wenigen Ueberlebenden dieses tragischen Tages mit zahlreichen Menschen der jungen Generation gekommen waren, war vom : Verband der ehemaligen De. portierten veianstaltet wor den. Eine zweite Gedenkfeiei fand am Mahnmal des unbe kannten jüdischen Märtyrer: statt. Hier sprachen der Prä sident der Unabhängigen Organisation der ehemaligen jü disehen Deportierten, Sturtze der Ehrenpräsident einer an deren jüdischen Deportier ten. und Internierten-Orga nisation, Weinberg, der einei der Davongekommenen voi Auschwdtz ist, der Präsiden des pariser Gemeinderates Legaret, und der Vertrete: des Ministeriums für die ehe maligen Frontsoldaten, Raby In erregenden Worten be schworen die Redner die ESr innerung dieser dramatischer Stunden, die unvergessen al ewige Mahnung späteren Ge nerationen vor Augen stehei werden. „Wir sind alle hier“ s< schloss Legaret. der Präsi dent des pariser Gemeinde rates, seine Ansprache, „un dafür zu zeugen, dass die Un zähligen, die nicht zurück kamen, nicht umsonst gestor ben sind.“ Während die Gar de Républicaine von Pari das „Aux morts“ intonierte das der Erinnerung der au dem Felde der Ehre gefalle nen Kämpfer gewidmet ist häuften sich vor dem Mahn mal zahllose Blumensträu sse, die von jüdischen un« christlichen Organisationei niedergelegt wurden. Kurt Kaiswr-Bliith Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 831 Registra de le Propiedad Intelectual No. 735 104

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