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Jüdische Wochenschau · 1964-08-21 · 2078 (21.8.1964) · p. [Seite 8]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
25 (1964)
Issue
2078 (21.8.1964)
Date
1964-08-21
Page
[Seite 8] (sequence 8)
Language
German, Spanish
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o cs © 3 4jS : fc ° 2 c9 to o W k. «e u FKANQUKOPAGADO Concesión 908 TARIFA REDUCIDA Conces?ón 1629 EL EJEMPLAR en toda la República 10.- Año XXV. BUENOS AIRES, VIERNES 21 DE AGOSTO DE 1964 N* 2078 PUEÏRREDON 2190 1« tzq. T E 83 2613 Buenos Aires Der zweite Warschauer Aufstand Der Aufstand im Warschau, er Ghetto wird symbolhaft als das grosse Heldei epos des jüdischen Widerstandes gegen die Nazi-Barbarei von der Geschichte gewürdigt werden. Es ist eine Tatsache, dass es solche Erhebungen gegen die nazistische Ueber. macht auch in anderen Schreckenslagern, u. a. auch in Treblinka, gegeben hat. Menschenwürde und Lebenswille — und sicherlich auch Verzweiflung über eine aussichtslose Situation — waren die Triebkräfte der unterdrückten, ausgehungerten und versklavten Juden, sich ihren Peinigern zu widerset. zen. Etwa ein Jahr später als der Ghetto-Aufstand gab es in Warschau einen polnischen Aufstand gegen die deutsche Besatzungsmacht, bei dem mehr als 60.000 Polen ihr Leben auf grausamste Weise verloren. Der 20. Wiederkehr dieses Geschehens wurde jetzt vielerorts gedacht. In Warschau selbst versammelten sich aus diesem Anlass tausende Vetera. nen des polnischen Widerstandes gegen Hitler, um der Toten zu gedenken, die von den an Zahl und Bewaffnung weit überlegenen SS-Truppen dahingemordet worden sind. In allen Kirchen Polens wurden Messen für diese Toten gelesen, alle Zeitungen wid. meten lange Artikel die;em Geschehen, nicht ohne dass auch historische Kontrovervon B. B. SAMUEL sen erörtert worden sind. Die Grausamkeit der deutschen Truppen ist ausser Diskussion, denn deutsche Ge- ■ schichtsforscher haben selbst die Einzelheiten der gegebe. nen Anweisungen und der 1 durchgeführten Aktionen fettgestellt.! Am 2. August 1944 hatte Hitler den Befehl erteilt, Warschau dem Erdboden gleichzumachen. Der Befehl sollte in seiner ganzen Härte und Brutalität zur Durch- ' fiihrung gelangen. Das alte Warschau mit seinen schönen! Bauten aus vergangenen! Jahrhunderten wurde zer. stört. Zwei Monate hindurch ■ leisteten d e Polen Widerstand. Einzelheiten kann jej der Interessierte dem Buch des deutschen Historikers j Hanns von Krannhals „Der Warschauer Aufstand 1944“ entnehmen. Dieser sehr ausführlichen Studie ist ein Wort vorange- : setzt, das zum Nachdenken zwingt: „Hier — und nirgend, wo anders — begann der ' .Kalte Krieg“ zwischen Ost und West“. Die heut ge Po- , lemik besteht in den gegenseitigen Beschuldigungen, wer die hitleristischen Massaker I zugelassen habe: Sfa'in, der seine Truppen zurückhielt, j obwohl sie auf dem Vor. 1 marsch gegen Warschau waren, bis die Deutschen eine genügende Zahl Polen erschlagen hatten, oder die Westmächte, die um jeden Preis die Eroberung der Stadt durch die Russen verhindern wollten und deswegen die Po. len durch die polnische Exilsregierung in London ermunterten, einen militärisch aussichtslosen Aufstand zu beginnen. Die Debatte erinnert an die von jüdischer Seite des öf. teren erhobenen Vorwürfe, die Polen hätten den Ghetto. Aufstand nicht unterstützt und die Juden teilnahmslos ihiem Schicksal, dem siche- ■ reu Untergang, überlassen. Antworten auf solche Fra. I gen zu geben, ist gewiss sehr schwer. Dass viele Menschen, leben hätten gerettet werden können, wenn die antinazistischen Alliierten in manchen Fragen anders gehandelt ha. be würden, dürfte nicht zweifelhaft sein. Die Betrachtungen und Diskussionen verla. gern aber nicht die Schuldfrage und entlasten in keiner Weise die deutschen verantwortlichen Stellen, die in der Ausrottung weiter Bevölke. rungsschiehten eine Voraussetzung für die Erfüllung ihrer Machtansprüche erblickten; „Dialog“ in Israel Blick in die Welt von HAROLD SCHWARCZ Die Kämpfe auf der heiss umstrittenen Insel Cypern haben in den letzten Tagen so ernste Formen angenommen, dass die Gefahr eines Krieges zwischen Griechenland und der Türkei in greifbare Nähe gerückt war. — Für den zweiten internationalen Konfliktsherd Vietnam wurde ebenfalls noch keine zufriedenstellende Lösung ge funden. Amerikaner und Chinesen mobilisieren. — Auch die Syrer provozierten neue Grenzzwischenfälle an den Ufern des Tiberias-Sees, die von den Israelis zu. rückgeschlagen wurden. Levi Eshkol erliess eine deutliche Warnung. — Papst Paul VI. fand harte Worte gegen die kommum. stische Weltgefahr in seiner ersten Enzyklika, die in der vergangenen Woche der We 1 töf“cntlichkeit übergeben wurde. — Der Präsident des italienischen Senats, Cesare Merzagora, übernahm die interimistische Präsidentschaft. — Der frühere amerikanische Präsident Herbert Hoover wurde 90 Jahre alt. — Die Intervention des Roten China im Kongo wurde durch neue Untersuchungsergebnisse immer deutlicher. — Präsident Lyndon Johnson erhob schwere Beschuldigungen gegen den republikanischen Präsidentschaftskandidaten Goldwater, die Friedensbemühungen zu stören. — Die Unsicherheit der Lage in Brasilien wurde durch schwere Zusammenstösse in San Paolo erneut offenbart, bei denen es 10 Tote gegeben hat. — Grosse Getreidehäufe für das nächste Jahr wurden von den Russen bei westlichen Nationen abgeschlossen. Die chilenische Republik hat in Erfüllung der interamerikanischen Kanzler-Konferenz die Beziehungen zu Kuba abgebrochen, obwohl Chile gegen die Sanktionen gestimmt hat. Dieser Beschluss rief in Chile starke Kritik hervor. — In La Paz (Bolivien) kam es zu lebhaften Demonstrationen gegen die Regierung, die von der Polizei unterdrückt wurden. — Dr. Herbert Moses, seit 30 Jahren Präsident der brasilianischen Presse-Vereinigung, hat sich von seinem Amt zurückgezogen. — General De Gaulle verlangte die Einstellung jeder Art auswärtiger Interventionen im früheren Indochina (Vietnam, Nord und Süd), Cypern und im Kongo. Dies sei die Voraussetzung für die Herstellung eines Friedens in die. fen Ländern. — Der USA-Staatssekretär Dean Rusk erklärte, das Rote (China sei eine Bedrohung des Weltfriedens. — Die Möglichkeiten eines neuen Kanalbaus zwischen Atlantik und Pazfiik werden zur Zeit in Washington geprüft. — i Jerusalem. — Israels Au. sseuminister Golda Meir machte den Führern der | USA.Judenheit den Vorwurf, dass sie unter der jüdischen Jugend Amerikas den Gedanken erwecken, dass die nordamerikanischen Juden nicht nach Israel auswandern werden. „Wenn man den Juden in Amerika immer wieder predigt, dass sie nicht nach Israel kommen werden“, sag. te Frau Meir in ihrer Rede auf dem jährlich vom Amerikanischen Jüdischen Kongress in Israel veranstalteten „Dialog“, „dann wird die junge Generation schliesslich daran glauben.“ | Ueber 700 Teilnehmer wur- :! den bei der Eröffnungssit. zung des „Dialogs" im Auditorium der Hebräischen Uni. versität gezählt. Golda Meir bcz:g sich in ihren Worten i auf die Ausführungen von 1 Dr. Joachim Prinz, de; Präsidenten des Amerikanischen Jüdischen Kongresses, der ge. üussert hatte, seiner Meinung nach werde die Einwanderung von USA-Juden nach Israel gering sein. „Eine der grössten Tragödien des heutigen jüdischen Lebens“, führte Frau Meir [• aus, „ist der Schiffbruch, den Israels Bemühungen, die Ju. den aus der freien Welt zur Einwanderung zu bew'egen, erlitten haben.“ Sie bezog sich auf die Erklärung ihres Vorredners, dass man der Wirklichkeit Rechnung tragen müsse und nicht auf eine Massene’nwanderung aus Eine Weltkonferenz , 1 Tel Aviv. — Dr. Nachum Goldmann, der Präsident der Zionistischen Weitorganisa-! tion, machte den Vorschlag! die israelische Regierung x>l. 1 le eine Weltkonferenz jüdischer Führer einberufen. Er begründete diese Anregung mit dem Hinweis auf die mangelnde Einheitlichkeit in der Führung der verschiede, nen jüdischen Organisationen, die als Folge der Ver- , nichtung der europäischen Juden durch die Nazis zu betrachten sei. (ITA)! „Stimme Arabiens“ | London. — In Aden wohnen noch 450 Juden. Sie sind wieder Gegenstand einer hef.! tigen Kampagne durch eine Radiostation, die sich als die 1 | „Stimme .Arabiens“ bezeichnet. Man glaubt, das; die , | Station von Aegypten aus ge-; ' leitet wird. den USA vertrauen dürfe. Was sie jedoch nicht verstehen könne, sie die „instirikti. ve Ablehnung, die sich bei je. der Erwähnung der Alija bemerkbar macht.“ Dr. Prinz versicherte Golda Meir, dass ihre Vorwürfe ihn zutiefst deprimiert hät. ten, denn er betrachte es als grösste Tragödie in seinem Leben, dass er in die Vereinigten Staaten und nicht nach Is ael gekommen sei. Frau Meir wandte sich auch gegen eine andere, von Dr. Prinz gemachte Aeusserung über den Stand der religiösen Bedingungen in Is_ rael, die er der jüdischen „Harmonie“ in Amerika gegenüberstellte, und fragte Ihn: „Würde vielleicht der Lubawitscher Rebbe eine Ehe anerkennen, die nicht vor einem Rabbiner vollzogen worden ist?“ USA-RABBINER POLEMISIEREN Ein heftiger Wortwechsel entbrannte auf der zweiten Sitzung des „Dialogs“ über die Position der drei Zweige des USA-Judentums zwischen isi aelischen und amerikani. sehen Vertretern der orthodoxen, konservativen und Reform-Bewegung. Der israelische Armee _ Oberrabbiner Schlomo Goren erklärte, Israel könne den Amerikanern nicht gestatten, ihre Diffe. renzen nach hier zu importieren. Er bezeichnet« die verschiedenen religiösen Tendenzen in Amerika eher als trennende den als verbindende Kräfte im jüdischen Le. ben. „Die Bibel kann nicht aus New York kommen, noch das Wort Gottes aus Cincinnati“, wie er es formlierte. Die Worte Gorens gaben Anlass zu erregten Kritiken. Prof. Gerson Cohn von der Columbia Universität entgegnete auf Hebräisch, da's die Mehrheit der amerikanischen Juden nicht orthodox sein könne oder wolle, nicht nur, weil sie eine „bequeme“ Religion suchen. Er warf Goren vor, das Problem der Assimi. lation in Amerika zu übertreiben. Dre Amerikaner Will Maslow behauptete, die Orthodoxie besitze ein Monopol in Israel und verlangte eine aufmerksame Behandlung der Frage der Glaubensfreiheit. Rabb. Emanuel Rack, man von der Jeschiwa-Universität bestritt die Verpflichtung Israels, alle Juden „mit all dem geistigen Bai. last, den sie mit sich führen“, aufzunehmen. PAPST PAUL VI. AN DIE JUDEN Rom. — Papst Paul VI. forderte das jüdische Volk auf, „das die Religion bekennt, die wir das Alte Testament nennen“, gemeinsam mit der Katholischen Kirche das Gespräch über die gemeinsamen Ideale aufzunehmen. In der ersten Enzyklika seit seiner vor 13 Monaten erfolgten Uebernahme der Papstwürde richtete Paul VI. ei. ne ähnliche Einladung an die Musulmanen und die Anhänger der grosse afroasiatischen Religionen. Er erwährte jedoch die Juden im besonderen und betonte in seinem Appell zur „Förderung und Verteidigung der gemeinsamen Ideale“, dass er sich an die Juden wende.! In seinen Worten an die Bischöfe erklärte der Papst: „Wenn wir Euch unser Herz öffnen, so glauben wir, dies nicht nur aiien Gläub'gen der Kirche Gottes gegenüber zu tun, sondern wir öffnen es besonders denjenigen, die un. sere Stimme jenseits der Herde Christi erreichen kann.“ Im vierten und ietzten Kaoitel des 15.000 Worte enthaltenden Dokuments spricht der Papst von der Notwendigkeit eines Gespräches über die Beziehungen zwischen der Katholischen Kirche ur d den nichtchristlichen Religio, nen. Er weist darauf hin, dass um die Katholische Kirche ( ein breiter Kreis läuft, der von den Katholiken nicht weit; entfernt ist. Dieser Kreis, so hebt er hervor, „besteht aus i den Mens.chen, die einen höchsten Gott verehren, den auch . wir anbeten. Wir beziehen uns auf die Söhne des jüdischen Volkes, die unsere liebevolle Achtung verdienen, und die die Religion bekennen, welche wir die des Alten Testaments i nennen. H:er stehen auch jene, die einen monotheistischen Gottesgiauben haben, vor allem die Musulmanen, denen wir unsere Bewunderung schulden für all das, was an ihrer Anbetung Gottes wahrhaft und gut ist, und ebenso die Anhänger der grossen afroasiatischen Religionen. , „Natürlich können wir diese verschiedenen Formen! der Religion nicht teilen, und ebenso wen'g können wir vor der Tatsache die Augen verschliessen, dass eine jede 1 dieser Religioren sich auf ihre Weise gleichwertig betrachtet und ihre Anhänger dazu auffordern könnte, die vollendete und makellose Form n cht zu enthüllen, in der Gott 1 ihr zu erkennen gegeben hat, auf welche Art er verstanden, geliebt und verehrt zu sein wünscht. Die Redlichkeit zwirigs uns auch, offen unsere Ueberzeugung zu erklären, dass es nur eine wahre Religion, nämlich die des Christentums gibt. Wir hegen die Hoffnung, dass alle, die Goct su-! chen und anbeten, zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen mögen. „Trotzdem erkennen wir die moralischen und geistigen . Werte der verschiedenen nichtchristlichen Religionen an und achten sie, und wir wünschen, gemeinsam mit ihnen auf dem Wege der Förderung und Verteidigung der ge. ' meinsamen Ideale der religiösen Freiheit, der menschlichen Brüderlichkeit, der edlen Kultur, der sozialen Wohlfahrt und der malaiischen Ordnung voranzuschreiten. Wir sind; von unserer Seite bereit, über diese gemeinsamen Ideale in ein Gespräch einzutreten, und wir würden nicht zögern, | die Initiative dort zu ergreifen, wo unser Angebot in ge- | genseitiger Achtung gut auf genommen werden würde.“ Mit dem Hinweis auf die Notwendigkeit eines Dialogs j zwischen der Katholischen Kirche und den nichtchrLstli- ' chen Religionen und der Versicherung, dass die Kirche „diese Rolle beute mit erneutem Eifer“ auf sich nehmen muss, beruft sich der Papst auf die Propheten des Alten Testaments Jeremias und Salmos indem er sagt: „Wir müssen den Herrn um das grosse und hehre Geschenk i des Wortes bitten“ und „unsere Worte so gestalten, dass sie an allen Enden de-- Erde gehört werden“. Die Kirche, so erklärt Papst Paul VI., „mu-s stets bereit sein, mit ai. | len Menschen guten Willens, innerhalb und ausserhalb ihrer eigenen Sphäre ein Zwiegespräch zu führen“. (ITA) Kein jüdischer Abgeordneter | Sydney. — Bei den letzten Parlamentswahlen in Australien verlor D. Einfeld, der seit I 1961 als Labourabgeordneter von Sydney dem Repräsen- : tantenhaus angehört hatte, 1 seinen Sitz. Vier weitere jü- , dische Kandidaten waren I ebenfalls erfolglos. Neue Bahnlinie! Kürzlich begannen die Bauarbeiten für die 40 km langen Bahnlinie Beer-Schewa—Dimona; der Bau soll in etwa 17 Monaten beendet sein. Jugendtreffen Wien. — Sieben jüdische i Jugendklubs mit einer Mit. I gliedschafi von 600 Jugendli. ' chen nahmen an einem Ju- | gendtreffen in Kattowiee! teil. Das Treffen der Repräsentanten der Klubs fand mit dem Ziel statt, jüdisches Wis. sen unter den jungen Menschen zu fördern. Arbeitsunfaelle Der Arbeitsminister gab unlängst bekannt, dass sich im Budget-Jahr 1962—1963 65.000 Arbeitsunfälle ereigneten, das entspricht einer Rate von 102,7 Unfällen auf je 1000 Arbeiter verglichen mit 99,8 per 1000 Arbeiter im vor. hergehenden Jahr. Leuchttürme Das Verkehrsministerium beschloss nunmehr die Er. richtung von Leuchttürmen in den Häfen EHat und Ashdod. Der arabische Druck London. — Der Ministerpräsident von Nord- Nigeria, der von einem dreitägigen Besuch in. Trans jordanien zurückkehrte, hat erklärt, dass seine Regierung „die is. raelische Infiltration in sein Land nicht gestatten wird“. Diese Meldung wurde von Amman verbreitet. (ITA) Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 831 Registro de la Propiedad Intelectual No. 735 104

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