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Jüdische Wochenschau · 1964-08-07 · 2076 (7.8.1964) · p. [Seite 2]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
25 (1964)
Issue
2076 (7.8.1964)
Date
1964-08-07
Page
[Seite 2] (sequence 2)
Language
German, Spanish
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2 — Vienna, 7 de Agosto de 1964 JÜDISCHE W' OCHENSCHA Zeitenwende durch Krisen (Schluss von Seite 1) samgsprozesses nicht gerecht, von dem die gesamte europäische Gesellschaft ergriffen ist. Auffallenderweise wurden von dieser Art der Krise gerade jene nordeuropäischen Länder befallen, die Jahrhunderte hindurch gegen die „vita dulce“, um einen neuen Begriff zu benutzen, frei geblieben waren. Hat die Aussichtslosigkeit der Krise, hat eine innere seelische Verzweiflung, hat der Lebenstaumel — vergleichbar jener Stimmung des „fin de siècle'1 — diese Länder spät ei griffen? Mit dem Hinweis darauf, dass es sich um typische Nachkriegsfolgen auf ethischem oder moralischem Gebiet handeln würde, dürfte nichts gewonnen sein. Vom Deutschen Kaiserreich ist nichts mehr vorhanden. Der Glanz der Hohenzollern- Herrschaft ist vollständig verblasst. Das ambitiöse Kai. »erreich ist verschwunden. Kein Stein ist auf dem an. deren glieben. Die Weimarer Republik und vor allem der nazistische Wahn hat alles zerstört, was noch vor 50 Jahren den Heiligenschein der Unsterblichkeit trug. Zwei deutsche Rumpfstaaten »tehen sich heute — jedenfalls im Augenblick — als feindliche Brüder gegenüber Das Problem der deutschen Einheit, von der so viel wieder gesprochen wird, wird allmählich zur Kardinalfra. ge des europäischen Schicksals, auch wenn die meisten Beobachter dies jetzt noch in Abrede stellen. Langsam treten die Konturen der alten Europa.Krtse mit Deutschland im Mittelpunkt deutlicher hervor, trotz der Freundschaft mit Frankreich, trotz der Europäischen Wirtschafts-Gemeinschaft, trotz der Antithese zwischen Ost und West und trotz aller Neu. igkeiten und Neuerungen des Dr. FREY ABOGADO PUEYRREDON 2190 1? izq. nachm. 16—19 Uhr Telefon: 80-6930 REAL PEN Füllhalter REPARATUREN Spezialgeschaeft CORRIENTES 569 T. E. 49-5850 politischen Lebens im alten Kontinent. Gerade am deutschen Beispiel kann man begreifen lernen. dass trotz aller Veränderungen der letzten 50, die Welt erschütternden Jahre, die Gesetze der Nationen, nach denen sie angetreten sind, keine Wandlung erfahren haben. Die Deutschen fühlen dies selbst am besten. Der alte Militarismus in neuer Gestalt erhebt sein Haupt, obwohl er kurze Jahrzehnte dem äusseren Eindruck nach in den Hintergrund getreten war. Schon spielen wieder die alten Schlagwörter vom Wehrgeist und Nationalbewusstsein eine erhebliche Rolle. deren Auswirkungen wie , ein dumpfes Grollen im Augenblick noch von den tatsächlichen oder vermeintlichen Wohltaten des Wirtj Schaftswunders übertönt wer. : den. I Auch Frankreich hat einen j äusseren Wandlungsprozess durchgemacht. Sein Kolonialreich besteht nicht mehr. Auf sich selbst gestellt, hat es wahrscheinlich als einzige der Nationen, die am Kriegsausbruch 1914 beteiligt gewesen sind, allmählich sich selbst wiedergefunden. Mög. licherweise war es das Land, das am meisten durch die Schrecken der beiden Weltkriege gelitten hat, obwohl die äusseren Kriegsfolgen in Russland und Deutschland noch grösser gewesen sein dürften. Aber dieses Volk wurde in seinem Stolz und seinen Idealen getroffen, die sein öffentliches Leben bestimmten. Sicherlich sind für den französischen Staatsmann de Gaulle nicht allein Machtprinzipien und Streben nach neuen Einfluss.Sphären massgebend gewesen, wenn er ganz neue Wege zur Verständigung zwischen den verfeindeten Völkern des Ostens und des Westens sucht. Nur beobachtend, nicht aber wertend kann man feststellen, dass dieser de Gaulle der einzige politische Führer der Nachkriegszeit ist, der den kühnen Versuch unter, nommen hat, sich aus den Fesseln der üblichen, zur Konvention gewordenen Politik zu befreien und jenen circ-ulus vitiosus zu sprengen, der alle Völker von Krieg zu Krieg taumeln lässt. Aber diese Bemühungen stehen an einem Anfang der Entwicklung; die Bewährung fehlt noch: sie kann jedoch schon an einem kommenden Mor. gen zu einer echten Veränderung der Verhältnisse hinüberleiten. Hier liegt in einer von schweren Enttäuschungen und Krisen stumpf gewordenen Welt ein Hoffnungsschimmer. Die vierte Macht, die beim Ausbruch des Ersten Welt, krieges ebenfalls in erster Linie stand, war das zaristische Russland. Dieser Staat, dieses Land, dieses Volk dürft« das beste Beispiel dafür sein, wieviel sich äusserlich seit diesen 50 Jahren ander, te, und wie ähnlich dennoch das verzweifelte, blutig-trübe Spiel der waltenden Kräfte geblieben ist. An die Stelle des zaristischen Systems trat das bolschewistische mit all den Konsequenzen, die allein schon in dieser Feststellung beinhaltet liegen. An die Stelle der einst herrschenden Schicht des Zaren und seiner Gefolgsleute ist die kom. munistische Hierarchie getreten. Die Methodik der Formen, über die Massen in Russland zu herrschen, hat sich geändert und ist doch die gleiche geblieben. Die Bezeichnung eines Stalin als „roten Zaren" ist kein Wort, spiel, sondern spiegelt einen tatsächlichen Zustand wider. Noch deutlicher wird die — man kann beinahe sagen — Gleichheit der politischen Zielstrebungen, wenn wir die Objekte der russischen Aussenpolitik analysieren wollten. Gewiss bildet die Grundlage hierfür allein schon die Identität der geographischen Bedingungen, die sich kaum geändert haben. Ein guter Teü der Machtträume der Zaren sind durch die russi. sehen Kommunisten verwirklicht worden. Die Parallelen erstrecken sich auf alle Gebiete des Lebens des russischen Volkes. Die Leibeigenschaft wurde zwar aufgehoben, mit der die Zaren das Volk in Ketten legten. Aber die neue Form der kommunistischen Planarbeit ist letztenendes nur eine neue, eine andere Form der gleichen Ausnutzung der menschlichen Arbeitskraft für den Machtkoloss Staat. Alle Eroberer sind an der Weite des russischen Raums und am russischen Winter gescheitert. Napoléon konnte noch die Reste des rauchen, den Kreml betreten, bevor er zum vernichtenden Rückzug gezwungen wurde. Hitler kam noch nicht einmal so weit. Seine preussischen Generäle führten die braunen Armeen bis tief ins russische Land, bevor ihre wohl ausgerüsteten Heere sich dort verbluteten oder erfroren. Selbst der alte West-Ost. Konflikt, der unsere Gegenwart beschattet, stellt kein Novum dar. Schon seit alten Zeiten versucht der Osten, in den Westen vorzustossen. Kulturen und Lebensvorsteilungen prallen aufeinander, deren Verschiedenartigke't im politischen Machtkampf ihren äusseren Ausdruck fin. det. Auch die amerikanische Position hat in diesem Jahrhundert kaum eine wesentliche Veränderung gefunden. Bis zu einem gewissen Grade blieb dieses heute führende westliche Land in seiner splendid isolation. Beide Kriege wurden begonnen, ohne Ausweisung gefordert Washington. _ Der Verband jüdischer Kriegsveteranen verlangte die Ausweisung des arabischen Propagandisten Dr. Mohammed Mehdi wegen Einmischung in innere Angelegenheiten der USA. Mehdi ist irakischer Bürger und reiste mit einem zeitlich begrenzten Visum in die Staaten ein. Er drohte, er würde extremistische Demonstrationen gegen den republikanischen Senator von New York, Kenneth Keating, organisieren, denn dieser habe eine proisraelische Haltung gezeigt,' um die Stimmen der Zionisten zu gewinnen. Mehdi tadelte auch den Präsidenten Johnson wegen seiner Freundschaft für Israel. In der vom Kommandanten der jüdischen Kriegs. Veteranen, Daniel N. Heller, Unterzeichneten Eingabe an die Einwanderungsbehörden heisst es: „Wir haben genug Rassenkonflikte in unserem Land, ohne dass sich auch noch ein Ausländer in unsere inneren Angelegenheiten einschaltet, um religiöse Vorurteile zu nähren". (ITA) LA SEMANA ISRAELITA Semanario — aparece los Viernes, Editado por Estrellas Editorial Ltda, Verantwortlich: Dr. Hardi Swvrsensky Pueyrredón 2190 1» izq. T. E. 83-2613 Abono-Preise; Argentinien: $ 500.— pro Jahr Ausl. $ 800,— jährl. dass sich die Nordamerika.; ner an ihrem Beginn beteij i ligt hätten. Beide Kriege \ wurden gegen Deutschland i , entschieden, weil die Nord-! j amerikaner später zum Ein- , i tritt gezwungen worden sind.! i Nach beiden Kriegen haben 1 i die USA Europa wieder auf.! gebaut, bevor sie sich wieder | aus den Wirren zurückzogen i oder ausgeschaltet worden sind. Und wenn wir heute | einmal versuchen, mitten in I einer Entwicklung die Ten- : denzen zu werten, die viel-! leicht jetzt nur in ihren An-! satzpunkten erkennbar sind, : t wird man beobachten kön. j 1 nen, wie sich dieser Prozess , der Eliminierung des amerii j kanischen Einflusses in Europa oder aus Europa immer stärker abhebt. i I Jedenfalls ist Europa allmählich wieder in den Mittel, punkt des Weltgeschehens getreten. Kriege sind nach europäischer Vision nur dann wirklich Kriege in der Sicht der grossen europäischen (Industrie) Staaten, wenn die Europäer unmittelbar beteiligt sind. Dass ringsherum die Welt in einer Kriegskrise steht, bleibt solange bedeu. tungslos — in der Kritik der europäischen Länder jedenfalls —, bis sie unmittelbar in dieses Geschehen einzugreifen gezwungen werden. Der Erste Weltkrieg brachte die Verwirklichung natio. naler Träume vieler europäischer und auch einiger au ssereuropäischer Länder. Die Wilsonsche Parole vom Selbstbestimmungsrecht der Völker hatte eine zündende Wirkung. Die alte österreichische Monarchie fiel auseinander. Neue Staaten entstanden, auch im Orient. Der zweite Krieg setzte dieses Freiheit», streben der Nationen fort. Die letzte Phase dieser Entwicklung ist nationale Atomisierung des afrikanischen Kontinents. Mehr als einhundert unabhängige Staaten bilden die Völkerfamilie der Vereinten Nationen, die selbst auch ein Beispiel dafür bilden, dass zwischen dem alten Genfer Völkerbund und den UN keine prinzipiellen Unterschiede in ihrer Problematik bestehen. Der Grundsatz des Selbstbestimmungsrechtes der Völker kann aber selbst durch die zahlreichen Staatengründungen nicht darüber hin. wegtäuschen, dass diese .Unabhängigkeit' durch die verschiedenen Blockbildungen wieder zu einem guten Teil aufgehoben worden ist. Anstelle der nationalen Zerstük. kelung der Staaten, wie sie in Afrika besonders stark in Erscheinung tritt, traten grössere politisch und wirtschaftlich gebunden Einheiten. Aus selbständigen und autonomen, national unab. hängigen Staaten wurden .Satelliten'. Dass es diese Struktur der abhängigen Kleinstaaten oder kleineren Staaten nicht nur im Osten gibt, wie sie jeder Mensch im Westen anerkennen wird, mag umstritten sein, wird aber deutlich, wenn man sich die traurige Rolle vergegenwärtigt, die heute Kuba spielt. Der Begriff der „zwei Welten", Ost und West, ist durchaus kein zufälliger, sondern spiegelt die grössere Einheit inmitten der staatlichen Zersplitterung wider. Niemand wird den An. spruch darauf erheben können, allein in der Lage zu sein, das richtige Bild zu entwerfen, das die Lage unserer Menschheit nach den letzten 50 Jahren zeichnet. Im Rahmen eines Zeitungsartikels ist dies gewiss völlig unmög. lieh. Wenn diese Zeilen zum Nachdenken anregen, ist ihre Aufgabe erfüllt. Einige Aspekte der Entwicklung des Lebens der Juden während dieser Zeit aufzuzeigen, bleibt einem späte, ren Aufsatz Vorbehalten. Gesucht wird Siegfried Stepler, geb. 1. 8. 1904, Sohn des Sejnwel Hirsch Stepler und der Julie geb. Steinberg, evtl. Adresse der Kinder oder Gattin. — Mitteilungen unter Chiffre 3014 an die Adm. der Semana Israelita. Dr. BERNARDO GOLDSTEIN MEDICO Cardiología — Hospital Fernández ELECTRORADIOGRAMME CUBA 2141 — T. E. T3-8782 u. 73-6317 Consultas: Montag bis Freitag: 15—18 Uhr Sonnabend: 14—16 Uhr PR0PIEDADES FRANKENBERG S. R. L. jerät Sie kostenlos und inverbindlich beim Kauf oder Verkauf von GESCHAEFTEN WOHNUNGEN HAEUSERN VIRREY DEL PINO 2262 T. E. 73-7887 JUDITH SCHENKOLEWSKI KULTUSSTICKEREIEN Schabbosdecken - TaUißbeutel - Käppchen Maz zot-Taschen - Hand und Maschinenstickerei von Bett- und Tischwäsche Dr. P. L RIVERA 2585 (fr. Bebedero) T. E. 73-9155 MOHEL N. PLAKSIN Superi 2719 T. E. 76-6784 u. 76-2312 Dr. J. P. Kroll Bieber INNERE MEDIZIN u. 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