Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 25 (1964)
- Issue
- 2074 (24.7.1964)
- Date
- 1964-07-24
- Page
- [Seite 5] (sequence 5)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
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- Wrocław 4× ep/1002369
- Budapest 2× ep/1002374
- David Kaufmann 2× ep/1000043
- Buenos Aires 1× ep/1047860
- Grudziądz 1× ep/1044643
- Guido Kisch 1× ep/1026184
- Haifa 1× ep/1047930
- Hermann Cohen 1× ep/1004894
- Hermann Vogelstein 1× ep/1013458
- Julius Guttmann 1× ep/1002777
- Leonhard Frank 1× ep/1024999
- Lothar Rothschild 1× ep/1013144
- Markus Brann 1× ep/1011647
- Robert Walser 1× ep/1025740
- Wilhelm Bacher 1× ep/1002708
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Viernes, TA de Julio de 1964 LA SEMANA ISRAELITA Año XXV. — N* 2014 — 5 ¡Bíts Breslauer Seminar Hinter den Kulissen .... i , . «««inulft V»q+ YCrnhfi/»>iPW Has Aíl. Im Jahre 1854 wurde das; jüdisch-theologische Seminar j ln Breslau nach langjähri. gen Vorbereitungen eröffnet.! Es war eine Stiftung des ' 1646 verstorbenen Kommerj zienrates Jonas Fraenckel, i der einer alten Familie von Talmudgelehrten und Rab-! Innern (.Josef Theomim- Fraenckel, David Fraenckel, usw.) entstammte und neben anderen jüdischen Einrich. tungen auch diese Anstalt mit seiner Hinterlassenschaft ins Leben rief. Seine Gründung war eine Tat, denn es war die erste moderne Stätte zur Ausbildung von Rabbinern. Alle anderen Anstalten, die ihr folgten, ob orthodox oder liberal, nahmen sich diese Stätte im äusseren Aufbau und ihrer wissenschaftlichen Zielsetzung zum Vorbild. Für alle Zweige der Gelehrsamkeit war in der Universitas Literarum, in der Universität, irgendein Lehr. Stuhl vorhanden. An den meisten Universitäten gab es Fakultäten für katholische oder protestantische Theologie. Eine Fakultät oder auch nur ein Lehrstuhl für jüdische Theologie fehlt völlig, und erst in den allerletzten Zeiten wurden Lehrstühle für jüdische Wissenschaft an einigen Universitäten errichtet. Während Juden in allen anderen Fakultäten Studie, ren und mit geringen Einschränkungen auch die meisten akademischen Berufe ausüben konnten, erhielten die Rabbiner nur die alte Ausbildung in der Jeschiwa, und die wenigen modern gebildeten Rabbiner konnten zwar an irgendeiner Universität akademische Blidung Und akademische Grade erwerben, aber ihr modernes jüdisches Wissen mussten sie durch eigene Kraft gewinnen. Die Folge war, dass die meisten von ihnen ihren Gemeinden, in denen sich besonders viele Absolventen höherer Schulen befanden, kaum etwas bieten und ihnen nicht geistige Führer sein konnten. Aus diesem Grunde war die Stiftung des Breslauer Seminars eine Tat. von Rabbiner Dr. NEUFELD zum 75jährigen Bestehen; Dubnow“ Von den 1929 herausgegebene Fest, ten Arbeiten sind schrift dient anderen Zwekken. Das 100jährige Bestehen 1954 konnte die Anstalt leider nicht mehr erleben. Sie ist wie alle jüdischen Einrichtungen und wie alles jü. dische Leben von Hitler und seinen Schergen vernichtet worden. Nunmehr hat einer der Treuesten, der auch kurze Zeit an der Anstalt dozierte, Prof. Guido Kisch, Sohn eines Schülers, nach jahrelangen Vorarbeiten eine Sammelschrift herausgegeben, die die späteren Jahre des Seminars beschreiben soll (Tübingen 1963 I. C. B. Mohr / Paul Siebeck / 442 Seiten). Die Arbeit ist von dem Herausgeber mit Liebe und mit der Korrektheit, die wir von ihm aus seiner jahr. zehntelangen Tätigkeit an deutschen Universitäten und später in den Vereinigten Staaten und besonders als Herausgeber der Historia Judaica gewohnt sind, geschrieben und auch teilweise redigiert worden. Sie enthält au. sser seiner eigenen gediegenen Einleitung einen nicht minder wertvollen Beitrag eines jüngeren Schülers, des Rabbiners Lothar Rothschild in St. Gallen, über das Seminar von 1904—1938. Dazwischen stehen alte Abhandlungen der verstorbenen Dozenten über die ältere Geschichte und die Idee der Lehranstalt, sowie Werke der bedeutendsten Dozenten und Hörer des Seminars. Von diesen seien genant: Albeck, Brann, Hermann Cohen, El. bogen, Frankl, Guedemann, Grunwald (Wien), Heinemann, Kober, Rabin, Urbach. Leo Baeck hatte noch an seinem Lebensende die Absicht, einen Beitrag zu lie. fern; es ist uns nicht mehr vergönnt gewesen. Auffallend ist, dass der bedeutendste Historiker, Graetz, nicht vertreten ist. (Und Baruch Kurzweil hat vor zwei Jahren erklärt, dass Graetz der bedeutendste jüdische Histori. erwähnnur die von Albeck, Grunwald und Urbach zum ersten Mal veröffentlicht, die letztere auf Hebräisch. Es folgt dann die Geschieh, te einer Zeitschrift, die zwar nicht organisch mit dem Rabbinerseminar zusammenhängt, aber doch in all den Jahrzehnten in engstem Zu. sammenhang mit ihm stand, der Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums. In allen 83 Jahren, also in drei Generationen, ist sie in Breslau herausgegeben und von Dozenten des Seminars, Frankl und Graetz, dann von Brann zusammen mit dem früh verstorbenen David Kaufmann und schliesslich von Heine, mann redigiert worden. In gediegener Art hat ein jüngerer Schüler, Kurt Wilhelm, Oberabbiner von Schweden, diese repräsentative Zeitschrift beschrieben. Das Register der letzten acht Jahrgänge ist von einem äl. teren Schüler, dem Münchner Rabbiner, Leo Baerwald herausgegeben worden, nach, dem schon vorher die ersten 75 Jahrgänge von Rabbiner A. B. Posner 1938 registriert worden sind. Soweit, so gut. Bis hier ist dieses Buch ein Monument und eine Zierde. Es kann aber nicht mit Milde übersehen und verschwiegen werden, dass das anschliessende Verzeichnis der Hörer eine schlechte Ar. beit ist. Sie sind, ebenso wie die Dozenten, nach dem Vorbild des ersten Bandes mit ihrer Biographie und ihren Materials nicht leicht war da die Hörer, soweit sie leben, in alle Welt zerstreut sind. Man kann auch gewiss nicht Sterbedaten der leider so vielen Opfer der Konzentrationslager angeben. Aber bei denen, die einen einigermassen geraden Weg gehen konnten, die heute noch er. reichbar sind, oder deren Angehörige zu befragen sind, hätte man mit etwas mehr Anstrengung und Gewissenhaftigkeit korrekte Arbeit leisten können. Eine grosse Zahl der älteren Hörer, di« im ersten Band stehen, sind willkürlich weggelassen worden, während andere ihrer ■ Altersgenossen erwähnt wer. den. In vielen Fällen sind die Geburts- und Sterbedaten und die Stätten der Wirkung falsch angegeben. Die Bibliographie, die schliesslich als | wertvollstes Material später ' hätte verwertet werden kön- I nen, wird bei den bedeutend. | sten Hörern mit dem Hini weis darauf abgetan, dass sie! in anderen früheren Zusam-; menstell ungen erschienen ist.! Daher begnügt man sich bei ' so bedeutenden Hörern, wie; Baeck oder Elbogen, mit ei- . nigen wenigen Zeilen, wäh. i rend man anderen bedeuten- | den oder weniger bedeutenj den Hörern mit ihren Schrif- , ten, vielleicht sogar mit Zei. i tungsartikeln eine halbe oder fast eine ganze Seite einräumt. Es werden falsche I Vornamen angegeben, und einmal ist dem Verfasser das; Missgeschick passiert, dass er durch falschen Vornamen aus einem Rabbinerkandida-! ten eine Hörerin gemacht . hat. j Immerhin seien einige ' sachliche Schlüsse aus diesem Verzeichnis gezogen, wo. Washington. — Wie verlautet, hat Krutschew das An. 1 gebot gemacht, die westdeutschen Militärs und Techniker | in Aegypten durch Russen zu ersetzen. Dies soll Nasser abgelehnt haben. . I Die Nachricht stammt aus offiziellen Quellen. Gleichzeitig wurde enthüllt, dass Nasser den Versuch unternimmt, ' zu Staatsvisiten nach Bonn und Paris eingeladen zu wer- I den, um die erfolgreichen Besuche Eshkols in Washington und Paris wettzumachen. 1 Nasser soll geäussert haben, dass er es vorziehe, deut- 1 sehe Fachleute zu beschäftigen und das Material für seine : Rüstungspläne in Westdeutschland zu kaufen, obwohl er! hierfür Devisen ausgehen muss. . Diese Tatsachen sickerten in Washington und in Bonn I durch, nachdem ägyptische Funktionäre mit grosser Befriedigung die Ablehnung eines Vorschlags kommentierten,; den Senator Keating von New York zum Programm der 1 republikanischen Konvention gemacht hatte. Keating wollj te, die republikanische Partei solle ihre „Besorgnis über die i Aktivitäten ehemaliger nazistischer Wissenschaftler bei der i Entwicklung neuer Terrorwaffen für Nasser“ zum Ausdruck bringen. Inzwischen hat man erfahren, dass Westdeutschland nickt etwa die Rückkehr der Wissenschaftler aus Aegypten veranlasst sondern taktisch erlaubt hat, die deut.! sehe Zusammenarbeit mit den ägyptischen Kriegsindustrien : noch zu erweitern. ' Nasser kauft Teile für Raketen und Jets in Westdeutsch-; land. Hohe deutsche Beamte haben diesen Zustand dem State Department gegenüber mit der Behauptung gerecht- , fertigt, dass Nasser auf diese Weise sich von seiner Abhän.! gigkeit von Moskau „befreit“ habe. Die Deutschen konstruie. ’ ren daraus die Folgerung, dass dies im Interesse Israels liege, denn so sei der Westen imstande, einen beschwichtigenden Einfluss auszuüben. Die israelischen Einwände wurden! von Bonn höflich zur Kenntnis genommen, in Wirklich.! keit jedoch ignoriert. Nässere Ablehnung des aus Moskau ergangenen Angebots wird von Bonn einer wachsenden „Abkühlung“ der russisch-ägyptischen Beziehungen zugesehrieben. Es heisst ' auch, dies sei im Grunde Nassers Antwort an Krutser.ew, der die Bemühungen des ägyptischen Diktators kritisierte,; alle Staatsmänner der arabischen Weit, einschliesslich die dem Sozialismus feindlich gesinnten Feudalherren, zu ei. nen. (ITA) Schriften registriert worden.! freilich bemerkt werden Ein jüngerer Hörer, Alfred ■ muss, dass auch der Rezen- Jospe, früher Rabbiner in das Opfer falscher An- Schneidemiihl und Berlin, 1 5aben geworden sein könn. jetzt Direktor der B ne Brit.! te> obwohl er den ersten Hillel-Stiitung in Washing. i Band und andere Werke zum ton, hat diese Arbeit ohne Vergleich herangezogen hat. die nötige Gewissenhaftigkeit ausgeführt. Sie sollte, wie es in der Einleitung heisst, nach dem WUlen des Herausgebers ein unentbehr- Es ist ein schönes Zeichen, nicht nur der Anhänglichkeit, sondern auch des Wertes der Anstalt, dass in vielen Fällen Väter und Kin. liches biographisches und bi.! der auf der Anstalt studier- Als das Seminar 50 Jahre! ker aller Zeiten gewesen sei). Auf Graetz bezieht sich nur bestand, wurde von Markus Brann eine vorbildliche Festschrift herausgegeben, die noch heute Wert hat. Die bliographisches werden, ist es nicht geworden. eine Studie von Ernst Cohn j später einmal und eine frühere Arbeit von Elbogen: „Von Graetz bis DEINE SPARKASSE DEIN HOBBY STAMPS CENTER Allenby Rd. TEL AVIV P. O B. 4444 Hilfsmittel aber leider Denn wer diese Arbeit zu irgendwelchen Gedenkfeiern benutzen will, wird das Opfer von Lücken, Fehlern und Verwechslungen, die Seite um Seite häufig zu finden sind, während im Gegensatz dazu das Verzeichnis im ersten Band noch heute, nach bald 60 Jahren, ein zuverläs. siger Führer ist. Man muss zwar verstehen, dass die Beschaffung des ten; das ist u. a. der Fall in den Familien Appel, Baeck, Baerwald, Elbogen, Fabian, Finkeischerer, Golinski, Guttmann, Jakob, Laubheimer. Lewkowitz, Perles, Ruelf, Schlesinger (St. Gallen und Buenos Aires), Schüftan, Steckelmacher. In der Familie Vogelstein sind es sogar drei Generationen: Heine, mann Vogelstein (Stettin), Hermann Vogelstein (Königsberg und Breslau), und Max Vogelstein (Koblenz). In anderen Fällen besuchten IU A N JULIUSBURG MALERARBEITEN 73-1148 BLANCO ENCALADA 1646 AUTO - REPARATUR - WERKSTATT „BENO" BENO HUTSCHMECKER Avda. CONSTITUYENTES 4902 (Ecke Monroe) T. E. 51 - 2905 Kindler-T aschenbücher IN DEN LETZTEN WOCHEN SIND DIE FOLGENDEN BAENDE ERSCHIENEN: Nr. 36: HORST MOENNICH: Chronik einer weetpreussiscüen Familie Nr. 37: C. WRIGHT MILLS: Politik und Verantwortung (Eine Analyse) Nr, 36: ROBERT WALSER: Jakob von Gunten, Roman Nr. 30/40: ALFRED KANTOROWIOZ: Tagebuch, Band I Nr. 41: PAER LAGERKVIST: Gast bei der Wirklichlichkeit (Roman) Nr. 42/43: HERMANN WEIBER, Konflikte im Weltkommunismus (Eine Dokumentation zur Krise Moskau-Peking) Nr. 44/45: WILHELM v. SCHRAMM, Aufstand der Generale (Der 20. Juli in Paris) Nr. 46: MARQUIS DE SADE: Verbrechen der Liebe (Ausgewählte Erzählungen) Nr. 47: LEONHARD FRANK: Bruder und Schwester (Roman) Nr. 48: Nach dem Tau weiter, Neueste Russische Erzäh. lungen. Es kosten: Ekifachband DM 2.50 Doppelband DM 3,80, Dreifachband DM 4,80. Bestellungen durch alle Buchhandlungen Kindler Verlag G.m.b.H., München die Söhne das Berliner Rab binerseminar (Bassfreund) j oder die Berliner Hochschu- : le (Eschelbacher, Salzber. . ger). Manche Hörer wechselten die verschiedenen An- ( stalten. Aus religiösen Grün. : den gingen Elppstein und Wreschner an das Rabbineri seminar, umgekehrt kamen vom Rabbinerseminar Bril- : ling, Chone, Glueck, Hirsch- Sachs nach Breslau. Appel, David und Wiener gingen an die Berliner Hochschule. Soweit ich sehen kann, ist | der älteste Hörer Meyer Loe.; wenmeyer, geboren 1823, Rab-! biner in Frankfurt a Oder und Graudenz, der sich auch j nach unveröffentlichten Ak-; ten um das Rabbinat Eibing . beworben hat. Anscheinend ist ein einziger Hörer im ersten Weltkrieg gefallen: i Alfred Zweig. Dagegen sind rer Opfer von Hitler gewor.! den, nach der Aufzählung 27 s| Absolventen des Seminars - unverhältnismässig viel Hö- und 5, die ihr Studium in Budapest beendet hatten.; Unter den Opfern ist die ganze Familie Finkeischerer, 1 der Vater Israel mit beiden Söhnen Bruno und Herbert, ' ferner so bekannte Rabbiner! wie Reinhold Lewin (Köi Hebung; von Schiffen Haifa. — Eine amsterdämer Firma hat den Auftrag erhalten, sechs Schiffe im Hafen von Haifa zu heben. Darunter befindet sich der Dampfer „Patria“, der mit 1.771 Flüchtlingen, die nach Mauritius hätten deportiert werden sollen, am 25. November 1940 im Hafen explodier, te. nigsberg und Breslau), Julius Lewkowitz (Berlin) und Ernst Steckelmacher (Ludwigshafen). Einige Hörer wurden Dozenten an anderen Anstalten: Eppenstein und Wrechner am Rabbiner, seminar, Albeok, Baeck, Julius Guttmann, Maybaum, Wiener an der Hochschule, Elbogen zunächst am Kollegio Rabbinico in Florenz, nachher an der Hochschule, Adolf Schwarz in Wien, David Kaufmann und Wilhelm Bacher in Budapest, mehrere Hörer an amerikanischen Hochschulen; auch Baeck war nach seiner Befreiung aus Theresienstadt Dozent am Hebrew Union College in Cincinatti. Die Hörer des Seminars waren zumeist im Sinn sei. ner Gründer Vertreter einer gemässigten traditionellen Richtung, aber manche wurden streng orthodox, andere amerikanische Reformrabbiner. Das Buch ist mit einigen Abbü düngen des Seminars in seiner früheren und heutigen Gestalt und mit den Bildern des Gründers und mehrerer Dozenten ausge. schmückt. Es wäre ein schönes Erinerungswerk gewesen, hätte es nicht diesen Abschluss, der mehr ist als eia Schönheitsfehler. 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