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Jüdische Wochenschau · 1964-07-10 · 2072 (10.7.1964) · p. [Seite 8]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
25 (1964)
Issue
2072 (10.7.1964)
Date
1964-07-10
Page
[Seite 8] (sequence 8)
Language
German, Spanish
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fas g fi _ FRANQUEO PAGADO Concesión 908 £ e ¡¡ i «1¿ <5 Sg TARIFA REDUCIDA Concesión 1829 Año XXV. BUENOS AIRES, VIERNES I« DE JULIO DE 1964 No. 2072 EL EJEMPLAR en toda ta BeylMica 10 PUBYRREDON 2190 V fcq. T. 8. 83 2813 Bueno« Aires EIN ZEUGE WURDE GEFRAGT Schon hat man sich an das Bild des Auschwitz-Prozesses I gewöhnt. Da sitzt der Zeuge | Dr. Gtowacki, vor mehr als! zwanzig Jahren Leirhen trä. j •ger. unterwegs auf den La-; gerstrassen des Konzentrationslagers, mit der Bahre oder mit dem Rollstuhl; es 1 kam darauf an, wie gross die Zahl derer war, die da „anj fiel'* im täglichen Vernicht.! teingsgeschäft. Da sitzt er | nun, der Zeuge, nicht mehr j im gestreiften Häftlingskleid und soll berichten, möglichst genau, mit Zahlen, Einzelheiten. Namen. Seitab sitzen die Angeklagten, keiner kann mehr mit dem Finger winken, keiner die Worte der Geschundenen abwürgen, alle angemasste Macht ist abge. fallen von ihnen; wenn sie zu reden beginnen, ist Auschwitz nichts als das Höllenwerk von irgendwelchen anderen. Ihre Antwort ist „Nein“ und: „Das war nicht so“ und: „Da muss sich der Zeuge irren.“ Der Zeuge -Beschuldigt den Angeklagten Klehr, allein mindestens sechzehntausend Menschen „abgespritzt“ zu haben. Der Angeklagte versucht die Behauptung zu entkräften. Der Zeuge: „Mindestens zehntausend hat er selbst getötet.“ „Hat er täglich getötet?“, fragt der Vorsitzende. „Ja, in der Zeit, in der ich von JAKOB KATZ-ROGASEN in der Voruntersuchung noch nicht erwähnt hat. Der Zeuge antwortet: „Heu. te, nachdem ich die Gesichter dieser Mörder wiedergesehen habe, kann ich mehr sagen. Ich sehe sie wieder in ihrer Uniform. Ich kann sie mir ganz genau vorstellen bei ihrer Tätigkeit.“ Dr. Glowacki spricht von den „Abspritzungen". Die bei den täglichen Krankmeldungen Ausgesuchten gingen in Block 20: „Dort war ein Raum, hinter einem Vorhang. Dort wurden sie abgespritzt. Es war der letzte Raum vom Eingang aus. Gegenüber war der Waschraum. Diese Menschen, die von Kehr getötet wurden, wurden dann sofort in den Waschraum gebracht und dort auf geschichtet.“ Der Zeuge erinnert sich, dass manche dieser Menschen noch lebten. Lin Fall ist ihm besonders im Gedächtnis. „Es war ein grosser, star. ker, gut gebauter Mann, der sich im Waschraum hinsetzte, obwohl er gerade eine Injektion ins Herz bekommen hatte. In dem Waschraum stand ein Kessel und neben dem Kessel eine Bank. Ich erinnere mich noch, dass dieser eine mit der tödlichen In. Klehr pflegte jedesmal in den Waschraum zu gehen und zu prüfen, wie die Leiehen aussahen.“ Glowacki hat ihn auch während seiner Arbeit gesehen, „wenn er abspritzte“. „Gleich neben dem Eingang stand ein kleines Tischchen, darauf waren das Phenol und eine Spritze. Daneben stand ein Stuhl, und auf diesen Stuhl sestzte sich das Opfer.“ Oft kam es vor, dass die Opfer laut schrieen. Klehr wusste Rat. Er liess den De. linquenten die linke Hand, bei erhobenem angewinkelten Arm, auf den Mund leöort war, hat er täglich ge- : jektion mit grosser Mühe sich tötet.* Dem Verteidiger Dr. Göll, ner fällt auf, dass der Zeuge jetzt vor Gericht zum erstenmal einen bestimmten Vorfall schildert, den er bisher aufrichtete. Ei stützte sich mit der Hand auf Kessel und Bank und setzte sich dann. Und dann kam Klehr hinzu und gab ihm die zweite Herzspritze und tötete ihn völlig. Blick in die Welt von HAROLD SCHWARCZ Moise Tschombe, der ,Held‘ von Katanga, ist in den Kongo zurückgekehrt. Präsident Kasavubu beauftragte ihn mit der Bildung einer neuen Regierung. — Heftige Kritik übte Moskau an den Amerikanern, denen die Russen die Beschiessung von chinesischen Streitkräften in Laos zum Vorwurf machten. — General De Gaulle besuchte den deutschen Minister. Präsidenten Ludwig Ehrhard, den er für eine deutsch-französische Union im Zuge seiner Unabhängigkeitspolitik für Europa zu gewinnen suchte. De Gaulle bemüht sich um den Ausschluss des amerikanisch-britischen Elinflusses, stiess aber bei Erhard auf Schwierigkeiten. — Aufsehen erregte die Flucht einer Schwester Castros nach Mexiko, die dort anticastristisohe Reden gehalten hat. i mlt Phenol-Injektionen ge- ESHK0L-IN0NU Paris. — Während seines Aufenthaltes in Paris logierte der israelische Premierminister Levi Esh. kol im Hotel „Bristol“. Dort ist auch der türkische Premier Ismet Inonu abgestiegen. Die beiden Staatsmänner begegneten sich und eine angeregte Unterhaltung war die Folge. EShkol bezeichne te die Konferenz nachträglich als eine „Aussprache zwischen Staatschefs benachbarter Länder, die zufällig auch Hotelnachbarn wurden“... (ITA) ' gen, bekam so gleichzeitig das Herz frei „und konnte ungehindert spritzen“. „Nachdem das Opfer dann nach der Spritze auf den Boden gesunken war, kamen die Leichenträger und brachten die Leiche in den Wasch, raum. Oft blieben beide Türen geöffn'et, so dass ich ganz genau sehen konnte, was er tat. Eir hatte hohe Stiefel an, trug einen weissen Kittel mit hochgekrempelten Aermeln Manchmal hatte er eine Gummischürze um.“ Gegenwärtig sei Ihm auch, $o sagt der Zeuge, dass Klehr zwei EYauen durch Injektionen in die Armvene getötet habe, was er durch das offene Fenster der Baracke von draussen habe beobachten können, und dass der Angeklagte Weihnachten 1942 eigenmächtig selektiert und Man zweifelt an der Bedeutung dieser Demonstration und zeigt Zurückhaltung bei der politischen Bewertung dieser Episode. — Vor den Vereinten Nationen legte Haiti eine Beschwer, de gegen die Dominikanische Republik ein, die eine subversive Bewegung gegen Haiti eingeleitet und finanziert haben soll. — Die Rassenkarrpfe in den USA nehmen immer schärfere Formen an, obwohl sich die Regierung um eine Lösung aufrichtig bemüht. — Bei seinem Besuch in Norwegen gab Nikita Krutschew gemeinsam mit der norwegischen Regierung eine Erklärung ab, in der man sich zu der Möglichkeit friedlicher Koexi. stenz bekennt. — Zum 20. Jahrestag der Befreiung Polens finden Beratungen in Warschau zwischen Krutschew und anderen kommunistischen Führern statt, um die schwere Krise zwischen Peking und Moskau zu besprechen und eine Entscheidung herbeizuführen. — General George Grivas, der griechische Partisanenfüh. rer auf Opern, sprach sich für die Vereinigung der Insel mit Griechenland aus und stellte sich damit in Gegensatz zum cypriotischen Ministerpräsidenten Erzbischof Makarios. — Heinrich Liibke wurde zum Präsidenten der Bundesrepublik wiedergewählt. — Aus Algerien wird eine militärische Erhebung gegen Ben Bella gemeldet. Die Nachrichten sind vollkommen un. klar. — Der nordamerikanische Justizminister Robert F. Kennedy, der in Polen zu Besuch weilte, forderte die polnische mordet habe. Der Vorsitzende: „Der Angeklagte Klehr behauptet, das sei unmöglich, zu dieser Zeit sei er überhaupt nicht dagewesen.“ Der Zeuge: „Ich kann mich mit Bestimmtheit erinnern.“ Der Angeklagte habe häufig allein selektiert, ohne Arzt, und die Ausgesuchten auch selbst getötet. Insgesamt habe er achtzehn, bis zwanzigtausend Menschen auf dem Gewissen. „Welche Zahl können Sie angeben, die sich bestimmt nur auf die eigenmächtigen Selektionen des Angeklagten bezieht?“ „Er hat mit voller Bestimmtheit mehr als zehntausend ausgesucht und getötet.“ „Hat er sie selbst getötet oder vielleicht doch durch ei. nen anderen, einen Häftling, töten lassen?“ „Nein, er tötete eigenhändig.“ Auch der Angeklagte Scher er auch ,ein ganz anderer Mensch als Klehr gewesen ist. Nicht so sadistisch und kein Menschenhasser. Er war ruhiger, netter in seiner Art, Mensohen zu behandeln. Ich kann mioh an keinen Fall erinnern, dass Scherpe jemals einen Pfleger geschlagen oder getreten hätte wie Klehr.“ Aber der Zeuge hat gesehen wie Scherpe „persönlich in Block 20 Injektionen durch, geführt hat....“ „Es geschah bei der Tötung von Kindern aus der Gegend von Zamosc. Eis waren so viele Kinder, dass man sie zwischen den Baracken sammelte. Ebn Teil der Kinder wurde hineingeführt in den Raum von Block 20, wo Scherpe sie tötete, ein anderer Teil spielte noch draussen. Eis waren mehr als hun. dert.“ Er erinnerte sich dieses Falles so genau, weil Scherpe plötzlich eine Pause gemacht habe. „Wir haben gedacht, dass sein Gewissen zu ihm gesprochen hat und er deshalb das Töten der Kinder abbrechen musste. Ich kann mich ganz genau erinnern, dass er nicht mehr weitergetötet hat. Er ist weggegangen, irgendwohin. Wir haben ihn dann nicht mehr gesehen. Die weitere Tötung übernahm Hantl. Hantl beende, te das Töten der Kinder.“ Dann wurde nocheinmal die Zeugin Dunja Wasserstrom vor die Richter gerufen. Landgerichtsdirektor Hofmeyer will nochmals Ge wissheit. Hat Boger wirklich ein Kind an den Füssen gepackt und mit dem Kopf an die Barackenwand geschmettert? Die Aussage passe so gar nicht in das bisherige Bild des Angeklagten, obwohl er bei seinen Vernehmungen ja nichts zu wünschen übrig gelassen habe. „Entspricht das, was Sie uns gesagt haben, der reinen Wahrheit?“ „Ich schwöre es.“ E5s entspricht der reinen Wahrheit, was diese Mörder getan haben. Kinder von ih. rem Spiel in den Tod geschickt. mit Phenolspritzen, mit Schlägen auf den Kopf oder auf andere bestialische Weise.... Das ist die Wahrheit. Regierung auf, sich für die Einigung Ekiropas einzusetzen, pe wird stark belastet, wenn Friedhofsschaendung Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat beim Innenministerium des Landes Nordrhein-Westfalen ernste Vorstellungen wegen der kürz, liehen Schändung des geschlossenen jüdischen Friedhofes in Köln erhoben. Zahlreiche Grabsteine wurden umgeworfen und einige zerbrochen. In einer Unterredung hat der Vertreter des Zentralrates auf den verheerenden Eindruck hingewiesen, den solche Ereignisse in der Oeffentlichkeit auslösen. Die Behörden haben zuge. sagt, alle Vorkehrungen zu treffen, um. ähnliche Zwischenfälle zu verhüten. Die Behörden haben den vollen Ersatz des Schadens zugesagt. Die Wiederherstellungsarbsiten sind fast abge sohl os. sen. Rol-China und die Araber New York. — Der Korrespondent des „Herald TYP bune“ berichtete aus London, dass Rot-China in Asien, Afrika und Lateinamerika eine Totalkampagne gegen Israel begonnen habe. Propaganda, psychologischer Krieg und Ueberredung von Person zu Person in höchsten Kreisen Werden von den chinesischen Kommunisten pla'nmässig betrieben. Sie steuern ihr Ziel so vehement an, dass mehrere ara. bische Nationen die westlichen Mächte darauf aufmerksam machten. Allem Anschein nach beabsichtigt Rot- Ctima die erfolgreichen israelischen Projekte zur tech. nischen Ausbildung unterentwickelter Länder zu torpedieren. Gleichzeitig betont es seine Freundschaft zu den arabischen Ländern und will diesen klarmachen, dass es ihre Interessen besser verteidigt als Sowjetrussland. Auch den unterentwickelten Ländern bietet Rot-China Schutz und EYeundschaft an. Gleichzeitig damit wird auch das „neokolonialistische“ Thema in die Debatte geworfen und die nordamerikanischen Juden werden als Werkzeug der imperia. listischen Politik bezeichnet. Eines der Israelfeindlichen Gerüchte, das in Afrika verbreitet wird, ist, dass die nordamt rikanischen Juden die israelische Infiltration in die unterentwickelten Gebiete vorbereiten. ROt-China und seine Gewährsleute nehmen keinen Anstoss daran, nationalistische Extremisten für ihre Zwecke einzuspannen und sogar Nazi-Pamphlete in Anspruch zu nehmen, um die judenfeindlichen Vorurteile noch mehr anzufachen. (ITA) Nachrichten aus aller Welt „Argentinischer Tag“ Tel Aviv. — Auf der internationalen Mustermesse in Tel Aviv fand ein „Tag der Republik Argentiniens“ statt, an dem der E*inanzminister Sapir, Richter des Obersten Gerichtshofes, hochgestellte israelische Staatsbeamte, prominente Mitglieder des kulturellen und wirtschaftlL chen Lebens, sowie die argentinische Handelsdelegation und Pressevertreter teilnahmen. Nach Abspielen der Nationalhymnen beider Länder sprachen Finanzminister Sa. pir und der argentinische Botschafter Castells. Finanzminister Sapir erklärte, dass die Tatsache, dass Argenti. nien zum ersten Mal auf einer kommerziellen Ausstellung in Israel vertreten sei, den Auftakt zur Verstärkung der wechselseitigen Handelsbeziehungen gebe. Unter den 20 argentinischen Aussteller. Firmen befanden sich auch vier offizielle Vertretungen: die „Junta Nacional de Carnes“, die .Dirección Nacional de Turismo“, die „Dirección Nacional de Cultura“ und die „Junta Nacional de Algodón“. (ITA) Antisemitismus in Algerien Paris. — Einer der wenigen Juden, die an den Kämpfen für die algerische Unabhängigkeit aktiv teilgenom. men haben, Marcel Levy, wurde zu fünf Jahren Gefängnis und empfindlichen Geldstrafe verurteilt, weil er „öffentliche Fonds veruntreut und seine Befugnisse überschritten“ habe. Die „schwerwiegenden“ Beschuldigungen des algeri. sehen Gerichts gegen Levy bestehen darin, dass er sich Augengläser und ein Tonbandgerät auf Kosten seiner Behörde reparieren liess Uebrigens wurde das Urteil auf Grund eines Gesetzes gefällt, das erst nach der Verhaftung Levys in Kraft getreten war. Die grosse französische Zeitnug „Ls Monde“ bemerkt zu dem Vorfall: „Nach diesem Gerichtsurteil werden nur wenige Ausländer für eine Regierung arbeiten wollen, die Gefängnisstrafen für angebliche unbewiesene Vergehen verhängen lässt.“ (ITA) Angriffe gegen das Judentum London. — In einem Hirtenbrief richtete das Oberhaupt der koptischen Kirche Aegyptens, Patriarch Kyrillos VT., scharfe theologische Angriffe gegen das Judentum. In einer in den koptischen Kirchen Aegyptens, des Su. dans und Aethiopiens verlesenen Botschaft erklärte der Patriarch, die Juden des Alten Testaments hätten Jesus als Gottessohn abgelehnt und seine Kreuzigung verschuldet. Die ägyptischen Kopten hatten Beobachter zum Vati, kanischen Konzil nach Rom entsandt und politische Bedenken gegen das „vielte Kapitel des ökumenischen Schemas geltend gemacht, des. sen Entwurf eine Befreiung der Juden von der Schuld am Kreuzestod Christi ausspricht. Patriarch Kyrillos rühmt in seiner Botschaft den Staatspräsidenten Nasser als Instrument der arabischen Wiedergeburt. In Aegypten leben etwa zwei Millionen orthodoxe Kopten. (AWZ) Neue Waffen Kairo. — Bei den Man5. vern, die die Aegypter kürzlich durchführten, sollen neue Waffentypen verwendet worden sein. Die ägyptische Presse, die diese Nach, rieht veröffentlichte, gab keine näheren Details an. In den ägyptischen Fabriken wird gegenwärtig ein neues Raketenflugzeug hergestellt. „Kahira 300, das an Schnelligkeit alles bisher Dagewesene übertreffen soll. — (ITA) REDAKTIONS-SCHLUSS dieser Ausgabe: MITTWOCH, den 8. Juli, 19 Uhr. Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 831 Registro de la Propiedad Intelectual No. 735.104

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