Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 25 (1964)
- Issue
- 2068 (12.6.1964)
- Date
- 1964-06-12
- Page
- [Seite 1] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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PUEYRREDON 2190 — 1* izq. JûxJèmjcata^Xs/Uieliia T E. S 3 2 6 1 3 AB« XXV. BUENOS AIRES, VIERNES 12 OE JUNIO DE 1964 No. 2068 Die historische Wahrheit Die zahlreichen Kriegsver- ( brechei prozesse, die in den letzten Jahren aürollten und deren Durchführung noch bevorsteht, dienen nicht allein der Aburteilung der Schuldigen und der Wiederherstellung des Rechtes und der Menschenwürde. Sie haben neben einer gewiss auch vorhandenen erzieherischen Bedeutung den Zweck, künftige Generationen vor einem hemmungslosen Fanatismus zu warnen. Auf eine ihrer ,Nebenwirkungen* müssen wir aber im folgenden näher eingehen und besonders aufmerksam machen: Diese Prozesse dienen auch der Aufgabe, inmitten einer aufgewühlten und unruhigen Welt der historischen Wahrheit zu dienen und Tatsachen festzuhalten, die nur allzu leicht und allzu schnell der Vergessenheit anheim fallen können oder durch interessierte Kreise entstellt werden. Dass derartige Bemühungen bereits angestrengt wurden, steht ausser Frage. Es konnte nicht angenommen werden, dass Millionen begeisterte Anhänger des Nationalsozialismus plötzlich nach dem elenden Zusammenburch des Dritten Reiches ihre Gesinnung wechseln und ihren alten Ideen untreu werden würden. Nur diejenigen, die das sehen wollen, was ihnen gefällt, konnten sich der Illusion hingeben, dass der ,Spuk* des Dritten Reiches mit seinem Unter, gang vorbeigegangen wäre. Dabei müssen wir zugeben, dass überraschend viele ehemalige Nazis bereit waren, sich von ihrer eigenen Vergangenheit zu distanzieren, entweder weil sie deren Fehler zugaben, — was wohl die Minderheit war — oder weil sie einfach ,von allem* genug hatten, was mit Politik zu tun hatte. Sie hatten genug, weil sie endlich ihre Ruhe und ihren Wohlstand suchten und ihn auch schliesslich im Rahmen des sogenannten Wirtschaftswunders gefunden haben. Wie das Bild des deutschen Durchschnittsmenschen heute aussehen würde, wenn sich die Wirtschaftslage auch nur normalisieren sollte, also wenn anstelle des jetzigen überhöhten Lebensstandards die ökonomischen Lebensbedingungen auch nur auf die in den Siegerstaaten herrschenden (etwa in England) herabsinken würden, das bliebe abzuwarten. Dass die auch in den Jahren nach dem Kriege noch aktiven Ehemaligen ständig den Versuch machen, eine Art Ehrenrettung des Nazismus zu betreiben, kann nicht überraschen. Nur dass sie heute nicht laut ihre Ansichten kundtun können, sondern andere Kanäle suchen, um zu ihrem Ziel zu gelangen, vermittelt der Oeffentlichkeit den Eindruck, dass nennenswerte Bestrebungen in dieser Hinsicht nicht vorliegen. Trotzdem beinahe 25 Jalire seit dem Ende des Krieges vergangen sind, blieben dessen Auswirkungen noch frisch in der Erinnerung aller, die ihn miterlebt und durchgemacht haben. Aus diesem Grunde setzte die Ak. tion der Ehemaligen niemals direkt an, sondern versuchte, zunächst über Nebenwege Ihre Absichten wie die Entlastung des Nationalsozialis. mus zu erreichen. Dies konnte nicht immer leicht sein. Aber schwer war es schon deswegen nicht, weil eine von JEHUDA GOTTHEIMER ganze Reihe von Mitschuld!- heit und Rechtsmässigkeit gen sich in den neuen Staats, anparat in verschiedenen Funktionen hinüber retten konnten. Gewiss durfte man in den ersten Nachkriegsjahren nicht ohne weiteres davon sprechen, dass die neuen deutschen Zentral, und Landesregierungen leichtfertig oder gewissenlos handelten, wenn sie nicht sofort zu einer Reinigung ihres grossen Beamtenstabes, vor allem in der Justiz, übergegangen sind, weil es einfach zu viele geeines konkreten Vorgehens { der Alliierten erschüttert. Tatsächlich übergab man dann die Verfolgung der NS- Verbrechen der deutschen Gerichtsbarkeit. Dass man. che Urteile dadurch schärfer ausfielen als bei den Nürnberger Gerichten, ändert nichts daran, dass hier ein fundamentaler Wechsel in der Beurteilung des Geschehenen vorgenommen worden ist. Das klassische Beispiel für die härtere Beurteilung und Bestrafung durch ein Israels Friedens-Programm New York. — Im Klub der ausländischen Presse in New York sprach Levi EShkol von einem Friedenspro. gramm, das in gemeinsamer Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten und mit Sowjetrussland durchgeführt werden müsste, um die Spannung im Mittleren Orient zu mildern. Dieses Programm müsste drei Punkte umfassen und zwar: 1. ) Die im Grundgesetz der UN enthaltenen Verfii. gungen über die friedliche Lösung von Streitfragen müssten im Mittleren Orient ebenso zur Anwendung gelangen wie anderswo. 2. ) Die Weltöffentlichkeit müsste die direkten Verhandlungen zwischen den arabischen Staaten und Israel fördern. Es müssten Mittel und Wege zur Erhaltung der territorialen Integrität und der politischen Unabhängigkeit aller Nationen des Mittleren Orients gefunden werden. 3. ) Das Wettrüsten lm Mittleren Orient müsste systematisch bis zur völligen Einstellung abgebaut werden. Die internationalen Staatsmänner müssten den Ländern dieses Gebiets jede nur mögliche Hilfe für Aufbau und wirtschaftliche Entwicklung gewähren, statt Aufrüstungsprogramme zu finanzieren. Eshkol gab der Ueberzeugung Ausdruck, dass ein solches Programm eine gute Grundlage für die Entwicklung dieser Länder bieten und solcherart zum Wohl des ganzen Nahen Orients dienen würde. Doch bis es so weit käme, benötige man eine Militärmacht, um den Krieg zu verhindern. Eshkol wies darauf hin, dass Länder wie die RAU, die erklären, dass ein Krieg gegen Israel unvermeidlich sei, aus Osteuropa zu äusserst leichten Bedingungen grosse Mengen von Waffen und militärischen Ausrüstungen bester Qualität erhalten Diese Länder ermutigen dadurch die Aufrüstung im Mittleren Orient nur noch mehr. Sie waren die ersten, die Düsenflugzeuge, Raketenschiffe, Unterseeboote und Schwere Panzer einführten. Nach solchen Vorbereitungen war es klar, dass Israel seine Verteidigungsposition verstärkte. Auch bei einem Bankett, das der KKL für den israelischen Premier veranstaltete, sprach Levi Eshkol von den Friedensbestrebungen Israels. In einer Aera des Friedens, sagte er, würde man die Atomenergie für industrielle Zwecke und für die Entsalzung des Meer. Wassers verwenden. „Wir in Israel gedenken jedenfalls alles zu tun, um diesem Atomzeitalter positive Resultate abzuringen.“ (ITA) falls diese Autoren diese Bezeichnung verdienen. Es ist bekann, dass die Nazis viele Helfershelfer in nicht, deutschen Kreisen gehabt haben, zumal einige ihrer führenden Leute Ausländer oder im Ausland geborene Menschen waren, wie Hess (Aegypten), Darre (Argentinien), Rosenberg (Baltikum). Im übrigen ist die Rolle der Fünften Kolonne noch in frischer Erinnerung, deren Führer meistens nicht Deutschstämmige, sondern von den Nazis gewonnene ,,Quislinge“ gewesen sind. (Das Wort „Quislinge“ stammt vom Namen des Chefs der Fünften Kolonne in Norwegen). — Das psychologische Moment, dass ein Engländer oder Amerikaner heute mit der Auffassung hervortritt, an dem furchtbaren Kriege und seinen .Nebenerscheinungen* trage nicht Hitler, (Schluss auf Seite 2) Problem: Wiedergutmachung Dr. W.: — Immer wieder berichten die jüdischen Zeitungen in aller Welt, vor allem auch in Israel, über die Verhandlungen und Diskussionen, die wegen der erwarteten Schmssgesetzgebung sowohl für Entschädigung wie für Rückerstattung geführt werden. Alle deutschen Zusagen, zu einem bestimmten Zeitpunkt diese Schlussgesetze zu beraten und zu publizieren, sind bisher nicht eingehalten worden. Im nächsten Monat soll es nun so weit sein, dass zunächst das Schlussgesetz für die Rückerstattung Gesetzeskraft erlangen soll. Auch dann, wenn man von jüdischer Seite bereit sein sollte, viel Verständnis für die angeblichen Schwierigkeiten zu haben, die sich dem Abschluss der verschiedenen Forderungen entgegenstellen, geht diese Politik über das erträgliche Mass von Geduld hinaus, die hier von den Berechtigten verlangt wird. Schliesslich handelt es sich bei dem überwiegend grossen Teil der Opfer der nationalsozialistischen Verfolgungen um Menschen, die durch ihr Leiden und durch die äusseren Umstände bedingt, sich in schweren wirtschaftlichen Verhältnissen befinden, also auf die Wiedergutmachung in der einen oder anderen Form (Rückerstattung oder Entschädigung) dringend angewie. sen sind. Umso weniger kann man das Verhalten der westdeutschen Regierung begreifen, die für diese Vorgänge in erster Linie oder allein die Verantwortung trägt. Denn die deutsche Regierung versucht, das Problem durch ihren Finanzminister ausschliesslich nach fiskalischen Gesichtspunkten zu lösen. Wiedergutmachung aber ist durchaus keine Finanzfrage. Wir werden nicht müde werden hervorzuheben, dass für uns die Wiedergutmachung nichts weiter als die Wiederherstellung des von Nazi-Deutschland geschändeten Rechts ist. Das sollte eine deutsche demokratische Regierung in erster Linie selbst niemals vergessen!, zumal sie überall in der Welt, wo sie mit Eiklärungen hervortritt, diesen demokratischen Charakter des angeblich neuen Deutschlands unterstreicht Behauptungen allein, aber genügen nicht; die Taten müssen in etwa mit den Worten übereimtimmen. Vielleicht sollte man den deut. sehen Bundeskanzler in Washington an die ursprünglichen Versprechungen erinnern, die von einem armen Deutschland in Erkenntnis seiner Verpflichtungen abgegeben worden sind, von einem reichen Deutschland aber nicht erfüllt werden. Die Wiederherstellung des Rechts auf allen Gebieten bleibt aber die Voraussetzung für die Errichtung einer freien Welt. a ¿vy-tri-. wesen sind, die kompromit. tiert und belastet waren. Für so viele ehemalige Nazis war kein Eisatz vorhanden. Deswegen war es auf der anderen Seite zu früh, von einem neuen Deutschland zu spre- 1 chen, das sich von den gewal. tigen Schlacken seiner eigej nen Vergangenheit befreit habe. Einer der ersten Versuche, I der Beurteilung und Kritik der politischen und militari-! sehen Vorgänge in der Epoche des Dritten Reiches ei. nen anderen Sinn zu geben. deutsches Gericht gegenüber einem Internationalen Tribunal bildet der Fall des frühe, ren Reichsbankpräsidenten und Reichswirtschaftsministers Dr. Hjalmar Schacht, der erst kürzlich durch seine Reisen in verschiedene südamerikanische Länder als Wirtschaftsexperte Aufsehen erregt hat. Während Schacht vor dem grossen Nürnberger Gericht freigesproe'nen wurde, weil man ihm .nichts nachweisen* konnte, wurde exanschliessend von deutschen Richtern mit einer empfindwaren die Bemühungen der I liehen Strafe belegt, wobei Bundesregierung, die Gerichtsbarkeit der Internationalen Gericheshöfe in Nürnberg zu benden und das Recht der Siegerstaaten zu bezwei. fein, über die Besiegten zu Gericht zu sitzen. Dass sich hierbei nicht nur Ehemalige aus naheliegenden Gründen für eine Prinzipänderung einsetzten, sondern Adenauer selbst, der gewiss niemals Sympathie fürs Dritte Reich gehabt hat, zeigt, wie ernsthaft diese Tendenzen gewertet werden müssen. Immerhin wurde damit das Vertrauen in die Rechtssicherdie Höhe der zuerkannten Strafe weniger wichtig als die Tatsache eines Schuldspruches gewesen ist. In der letzten Zeit musste man von einigen Publikationen Kenntnis nehmen, deren ausgesprochener Zweck die Entlastung der Nazis und ihres .Führers* ist. Dabei geht man insofern nicht ungeschickt zu Werke, als man nicht Deutschen die Aufga. ben überlässt, die blutige Vergangenheit zu verharmlosen und die Verantwortlichkeit zu verlagern, sondern niehtdeutschen Historikern, KAMPF UM ZYPERN: Wenn zwei sieh streiten. Eshkol in Fort ßliss Fort Bliss. — Im Verteidi- ■ gungszentrum der Luftwaffe der USA wurde Levi Eshkol von hohen Militärs empfangen. In diesem Zentrum wer- 1 den gegenwärtig israelische Militärtechniker ausgebildet, die später das erste israelische Bataillon für fex-ngelei-; tete Raketen bilden sollen. Es fand ein Lunch und ein Parademarsch zu Euren Esh. kols statt und dann unterhielt sich der israelische Pre- ' mier mit den israelischen Offizieren, deren Zahl fast 100 beträgt. Sie werden nach ih. rer Rückkehr in Israel als Instruktoren für die Bedienung der Hawk-Raketen fungieren. Die Israelis spracheix sehr lobend über die hervor. | ragende Zusammenarbeit der nordamerikanischen Mili- 1 tärs mit ihrer Gruppe. I Der Kommandant des Zentrums, Generalmajor Tom , Strayton, hatte Eshkol zum; Lunch geladen; dieser wurde mit 21 Salutschüssen be- | grüsst und anschliessend de. 1 filierten die Truppen, unter; denen sich auch die Israelii sehen Soldaten befanden, vorbei. | Vor dem Besuch in Fort Bliss hatte Eshkol auf Aura-' ten des Präsidenten Johnson ' die Anlage zur Entsalzung des Wassers in Freeport, Te. j xas, besichtigt.! New York-In einer Kon- ' ferenz, die auch durch Tele- 1 Vision aufgenommen wurde, : erklärte Levi Eishkol auf dies, j bezügliche Fragen, dass er Krutschews in Aegypten ge- 1 machte Erklärungen nicht | als „grünes Licht** für die ' Araber betrachte, Israel nun j ruhig angx-eifen zu können.! Krutschew habe einen Vieh!' milderen Ton angeschlagen, als bei früheren Gelegenheiten, und in Aegypten nur; ein einziges Mal von Israel als von „einer imperiallsti. ' sehen Macht“ gesprochen. ] „Ich halte es für eine gu- I te Idee“, sezte der Premier fort, „dass Russland und die : Vereinigten Staaten den is- ' raeliseh.arabischen Konflikt Handels-Boykott Jerusalem. — Auch die deutsche Firma „Grundig“ beugte sich der arabischen Pression: auf die Drohung, boykottiert zu werden, zog sie es vor, Israel als Geschäftspartner zu opfern. Die Firma gab allen ihren Agenten, die bisher Fernsehapparate, Plattenspieler, Tonband, gerate und Radios nach Israel verkauft haben, den Auftrag, ihre kommerziellen Verbindungen mit diesem Land abzubrechen. — (ITA) bern. Ein Grund für diesen Optimismus sei unter anderem der hohe Preis der militärischen Ausrüstungen. Elin anderer Grund sei das ständige Problem Nassers, den Lebensstandard seines Landes zu heben: dieses Problem werden in den kommenden Jahren noch akuter werbei allen, auf. Verminderung ■ den-. Es?äbe auch in den der internationalen Spannunarabischen Ländern, genau gen hinzielenden Verhandlungen sich vor Augen halten, doch befürchte ich, dass die Zeit für solche Verhandlungen noch nicht gekom- . men ist.“ Er sei dennoch optimistisch und hoffe auf einen Frieden zwischen Israel und den Ara.1 w*ie in Israel, junge Menschen, Studenten und gebildete Leute, die bex-eits an der ganzen Angelegenheit zweifelten. „Ich bin davon überzeugt“, sagte Eshkol. „dass es in ien arabischen Ländern Friedenslager gibt.** (ITA)