Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 25 (1964)
- Issue
- 2064 (15.5.1964)
- Date
- 1964-05-15
- Page
- [Seite 9] (sequence 9)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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Año XXV. No. 2764 LA SEMANA ISRAELITA Viernes, 15 de Mayo de 1964 T*} PUEYRREDON 2190 1 St ¿L íÁ i iJ Hussein Triki und die argentinischen Nazis Seit Monaten verfolgt die jüdische Ceffentlichkeit mit wachsendem Erstaunen und vorbildlicher Disziplin die Tä_ tigkeit des Delegierten der Arabischen Liga in Argentinien, des Herrn Hussein Triki, nach seinen eigenen Angaben früher Bombenwerfer gegen die französischen diplomatischen Gebäude in seinem Heimtlande Syrien und — wie bekannt — Nazi-Agent im zweiten Weltkrieg". Nicht nur dass dieser Triki hier, versorgt mit gewaltigen Geldmitteln, eine Zeitschrift „Nación Arabe“ heraus gibt, die im ordinärsten „Stiirmer“-Stil geschrieben, den Versuch macht, vor der argentinischen Oeffentlichkeit die Zionistische Organisation und die nationalen Fonds als gegegen die Interessen Argentiniens verstossend hinzustellen, hat er enge Verbindung zu nationalistischen Gruppen, wie zu den Stosstrupps der „Tacuara“ und der „Guardia Res- <SS» .»iQt 7*?ßl 0 > 4&' ¡¡¡Hi Btt Sie sind Verbrecher! hat der Juez Federal en lo Criminal y Correccional Dr. Jorge Alberto Aguirre vor wenigen Tagen entschieden und hat die Untersuchungshaft gegen die berüchtigten Mitglieder der Tacuara verfügt, die den Ueberfall auf die Policlinico Bancario und andere „Heldentaten“ verübt haben. Und so etwas wagt, gegen die jüdische Kollektivität zu hetzen. Mit diesen Verbrechern verbiin. det sich der Vertreter der sog. Arabischen Liga in Argentinien. Woher mögen wohl die Geldmittel kommen, mit de nen die Nazi-Criollos ihre Waffen kaufen? tauradora Nacionalista“ gefunden, die nun gemeinsam ei. nen Hass- und Lügenfeldzug gegen die Juden führen. Mit Flugblättern und Plakaten wurde zu einer Hetz-Versammlung aufgerufen, die auch teilweise vom TV-Kanal 11 in der Sendung „Reporter Esso“ ausgestrahlt wurde und auf der man die Nazi-Knaben mit erhobenem rechten Arm bewundern konnte. Erstaunlich in diesem Zusammenhang ist, dass eine wenige Tage vorher angekündigte Versammlung linksstehender Intellektueller kurz vor ihrem Beginn von der Polizei wegen Gefährdung der öffentlichen Ruhe verboten wurde. Ohne die Berechtigung dieses Verbotes bezweifeln zu können, fragen wir uns nur, ob die Versammlung der Nazis keine „Gefährdung der öffentlichen Ruhe und Sicherheit“ befürchten liess? Bei verschiedenen Gelegenheiten haben hohe Funktio näre der argentinischen Regierung klare Erklärungen ge. gen Rassendiskriminierung und gegen totalitäre Machenschaften abgegeben. Wir erinnern an die Stellungnahme des Herrn Präsidenten der Nation, Dr. Illia, anlässlich ei. ner dem Vorstand der DAIA gewährten Audienz, sow’ie an Aeüsserungen, die vom Vize-Präsidenten des Landes, Dr Perette, gemacht worden sind. Wir fragen uns daher, wer die Kräfte sind, die trotz der Erklärungen der führenden Männer des Landes diese Rassenhetze in aller Oeffentlichkeit dulden. * Unsere Antwort auf diese Kampagne ist einfach, klar und deutlich: die Versuche Trikis und seiner Helfer die Juden in „loyale“ und „schlechte“ Bürger zu teilen, sind zu lächerlich, um von uns beantwortet zu werden. Wir alle sind loyale Bürger dieses grossen Landes und als Juden Freunde und Miterbauer Israels, das Hunderttausenden un. serer Brüder eine Heimat gegeben hat. Israel hat durch sein wunderbares und einzigartiges Aufbauwerk die Anerkennung der Welt gefunden. Wenn die arabischen Staaten den Krieg gegen Israel auf die Galut ausdehnen wollen, werden sie sich einer geschlossenen Front jüdischer Bürger gegenübersehen. Und wir rechnen mit der Unterstützung aller demokratischen Kräfte Argentiniens, die wissen müssen, dass der Hass-Feldzug gegen uns Juden nur den Beginn des Kampfes gegen die demokratischen Einrichtungen des Landes bedeutet. Hitler hat seinen Krieg gegen die Welt mit dem Kampf gegen die Juden begonnen — daran zu denken ist die Pflicht aller freiheitlich eingestellten Kräfte! X. H. G. Unsere Antwort: Solidaritaet mit Israel durch Einheitskampagne und Zionistische Organisation | Josef Fraenkel: Dubnow, i Herzl and Achad Ha’am, 1 Ararat Publishing Society,; London. j Josef Fraenkel ist eeit lani gern bereite als fletesiger Forscher der zionistischen Geschichte bekannt. Es gibt | kaum ein Gebiet zionistischer Aktivitäten, insbceon- , dere in der HerzLPeriod-e, I das von ihm in der einen oder' anderen seiner Arbeiten nicht behandelt worden W'äre. Alle* diese Arbeiten durchweht eine enthusiastische Liebe für daß Thema und gründliche Kenntnis der Quellen, welche'vielfach von Fraenkel Gelber aus Archiven und anderen Dokumenten-Sammlungen ans Tageslicht gebracht wurden. Sein letztes Werk bildet keine Aufnahme. Es wurde ihm aus Anlaso seines 60. Geburtstages vom Jüdischen Weltkongress in Anerkennung seiner unermüdlichen literarischen Tätigkeit und seiner Verdienste um den JWK präsentiert. Die Studie besteht aus drei Teilen. Im ersten Teil schildert Fraenkel den Einfluss, | den die Erscheinung von Dubnows „Geschichte“ in : deutscher Uebersetzung auf I die jüdischen Studenten Mitteleuropas außü'bte, unter | denen er einer war, und wie das Studium dieser Gej schichte ein integraler Be.! standteil der zionistischen Erziehung wurde und sowohl | zur Stärkung deß jüdischen j Bewusstseins als auch zu ernsten Diskussionen über das Wesen und die Zukunft des Judentums führte. An dieser Stelle bemerkt Fratnkel mit Recht, dass, im -Gegemsatz zur üblichen Annah. me, Zionisten in jenen Jahren nicht engherzig und Partei . eingeschachtelt waren, i sondern, nehmen Boehms I „Zionistischer Geschichte“ auch dae Werk deo anti- ■ oder Nicht-Zionisten Dubnow I studierten. Sie suchten die j Wahrheit. | Der weitere Teil des Fraen. ■ kel-Buehes enthält eine Analyse der Dubnowsehen Beschreibung de c Zionismus und der zionistischen Tätigkeit, wie sie im zehnten Band der „Geschichte“ dar. gestellt wird. Fraenkel teilt dieße Analyse in zwei Gruppen: die eine behandelt den politischen Zionismus, in dessen \Mittelpunkt Herzl steht, und die zweite die Op. ponenten des politischen Zionismus, vor allem Dubnow selber, und Achad Haam. Fraenkel hat unter die politischen Zionisten auch diejenigen eingereiht, die vor Herzl tätig waren und die Schaffung eines Judenstaatee mit politischen Mitteln im Auge hatten, wie z. B. Mordeehai Immanuel, Mo. seß Hess und Leon Pinsker. Dubnow verwarf sie alle. Insbesondere der letztere, ein russischer Landsmann, wurde a!ß „Gefahr für alle unsere Hoffnungen auf zivile Gleichheit und kultureller Erneuerung im Europäischen Geiste“ abgelehnt. Dubqow W'ar etwas milder in seiner Behandlung der Chowewe Zion-Bewegung, die eine direkte Folge der Pinskerschen Initiative war. Er erwärmte eich jedoch niemals für die kleinkolonisatorische Tätigkeit dieser Bewegung in Palästina, weil er glaubte, dass daraus niemalß ein jüdisches autonomes Land erstehen könne. Herzl, die zentrale Figur von OSKAR K. RABINOWiCZ; des polittechen Zionismus, j fand eine kühle Aufnahme durch Dubnow, der den poli- I tischen Zionismus alß „eine Idee ohne Aussicht auf Erfüllung“ ansah. Fraenkel zeigt in dienern Zusammenhang, dass Dubnow in seiner negativen Einstellung zum politischen Zionismus sehr ßtark von Achad Ha’am be- , einflusst war. In dienern Teil | (Seiten 17—25) analysiert Fraenkel Punkt für Punkt! Dubnows Einwände gegen i Herzl una gegen den politischen Zionismus und stellt! ihnen überzeugend Argu-; mente entgegen, die auf seiner grossen Vertrautheit mit den Tatsachen basieren. Fraenkel ist besonders über, zeugend, wenn -r, in seiner riickßchauenden Behandlung die Resultate der Herzischen Bemühungen mit den Prophezeiungen von Dubnow (und eo ipso auch von Achad j Ha’am) über das Scheitern des Zionismuß vergleicht. I Dies bringt unß zum drit- ■ ten Teil der Fraenkelschen Studie. Im Gegensatz zum politischen Zionismus hat Dubnow nicht an die Notwendigkeit oder die Möglichkeit eines Juder.staatc-s in Palästina geglaubt. Er stimmte mit dem Zionismus überein, dass die Juden eine Nation bilden, glaubte jedoch, dasß sie mit genügender kultureller Autonomie in der Diaspora existieren könnten. Er wurde deshalb ein Verfechter nationaler jü. dtecher Minderheiten-Rechte und begrüsste, z. B wie Josef Fraenkel ausführt, die Schaffung deß Jüdischen Weltkongresses (1932) als „den glorreichen Moment, in dem der Grundstein für die Organisierung des Volkes gelegt wurde“. Sein Traum von der nationalen jüäißchen Autonomie in der Diaspora fand durch eeine Ermordung durch die Nazis ein tragisches Ende. Zehn Jahre vorher hatte er das Privileg, in dem Epilog zu seiner grosoen Geschichte, die zioni. otischen Leistungen in Palästina zu loben; aber auch damals glaubte er nicht an das Kommen eines Judenßtaates, sondern erwartete, dass sich dort nur ein Zen. trum kultureller Tätigkeit entwickeln würde, wie es eben Achad Ha’am voraucge,sehen hatte. Fraenkel bemerkt an dieser Stelle mit tiefem Bedauern, dass keiner dieser beiden Männer am Leben geblieben war, als der Staat Israel geschaf. fen wurde, der den Triumph deß zionistischen Gedankens über die Konzeption der beiden darstellt. Dubnows Behandlung von Achad Ha’am war auf eine tiefe persönliche Freundschaft gegründet, die ihn jedoch nicht hinderte die ideologischen Unterschiede klar zu ziehen. Fraenkel erinnert uns daran, dass dieser Unterschied am deutlic-hsten aus dem Eßsay n Achad Ha’am „Knechtschaft in Freiheit“ hervorgeht, worin der Autor zu dem Schluss kam, dass die Zukunft des Diaspora-Judentums sieb durch äussere Freiheit und innere Sklaverei auszeichr.en werde, unc aus Dubnovß Antwort, der in tseinem Essay „Freiheit in Knechtschaft“ die Zukunft des Diaspora-Judentum,; in dem Kampf für , Freiheiterblickte. Auf der Grundlage dieser beiden I Konzeptionen waren sie ver-! schiedener Meinungen und blieben es bis zum Ende I Dubnow entwickelte seine; Theorie der nationalen Autonomie in der Diaspora, i und Achad Ha’am focht für die Idee, daßs geistige Freii heit nur in Palästina als kulturelleß Zentrum möglich sei. Obwohl Dubnow mit I der - Palästina - Folgerung Achad Ha’ams nicht Ubereinstimmte, hat er jedoch im Achad Ha’amismus eine Alternative zum politißehen Zionismus erblickt, zumal, wie cß Dubnow formulierte, „Palästina nur für die Schaffung eines kleinen kulturel- I len Zentrums geeignet ist“. Deshalb könnte es nicht zum politischen Staat führen, wie ihn die Zionisten; verlangen, und deßhalb wür- I de die Annahme der Ideen Achad Ha’ams nicht im | Gegensatz zu Dubnows eigener Konzeption der nationa. , len Autonomie in der Dia- : spora stehen. Das kleine Zentrum würde eben in Pa-; lästina sein und die jüdi.! echen Massen in kultureller; Autonomie in der Diaspora; leben. Auf dieser Grundlage 1 fanden ßomit Dubnow und Achad Ha’am einen gemein- 5 samon Nenner gegen den politischen Zionismus von Herzl. Nach der Darlegung dießer Abfassungen analysiert : Fraenkel die wichtigsten Einwände dieser Opponen. tsn gegen den poLtisenen Zionismus und unterbreitet seine Widerlegungen mit Hilfe seiner gresson Kenntnis des historischen Hintergrandes und der Literatur. In d eser Analyse weist Fraenkel überall dort, wo eß notwendig ist, auf den Unterschied deß Tones der Kritik zwischen Dubnow und Achad Ha’am. Der erstere erscheint ir. diesem Teil als ein sympathischer Kritiker, der. obwohl von der Rieh, tigkeit «einer These iiberi zeugt, dennoch den Stand- ' punkt der historischen Dißtanz zu Herzl und zum po. i litischen Zionismus e:n- ’ nimmt, obwohl er sie ver- , wirft. Achad Ha’am hinge-! gen zeigt sich alß Pessimist, als Skeptiker, als ein nega. j tiver Kritiker all dessen, was nicht von ihm nerstamrnt, ein bitterer Mann, | der eß nicht verzeihen konn-; te, dass die Mitglieder sei- | nee geheimen Ordens Bene | Mosche sich dem politischen; Zionismus anschlossen. Er; ßcheint, wie es einmal Leon : Simon. Achad Ha’r.nv? treu.! er Schüler in der Fraenkel- I sehen Zitierung charakteri- I siert hat, „aus Eifersucht zur Opposition“ zu Herzl ge-! kommen zu sein, die ihn | dann nicht mehr verlicßß,; Allerdings, diese Charakte. | risierung ergibt sich nicht; aus Dubnows Werken; eie j ißt das Resultat einer Amai-; gamierung von Dubnows; Ablehnung der Ideen Achad I Ha’ams und deo politischen 1 'Zionismus, dessen treuer j und begeisterter Anhänger i Fraenkel ißt. Nachrichten aus Israel MANDELN Etwa 20.000 Dunam sind heute in Israel mit einbiß sechsjährigen Mandelbäumen bepflanzt; hiervon befinden sich 17.000 im Negew, 2.000 in Galiläa und der Rest — 1.000 Dunam — im Zentrum des Landes. Die Pflanzung von Mandelbäumen wird fortgesetzt, und es ist anzunehmen, daßs die bestehende Anbaufläche um weitere 10.000 Dunam. also um 50 Prozent, vergr’cssert werden wird. EINWANDERUNG UND EINORDNUNG In den letzten Jahren ist ein deutlicher Anstieg der Einwanderung aus den eoge. nannten Ländern des Wohlstandes zu verzeichnen. In diesem Jahr wird die Zahl der Einwanderer aus den USA etwa 2.000 und aus Grcßsbritannieu etwa 800 betragen. Die Eiwanderung aus Argentinien wird die Zahl von 5.300 (gegenüber | 1.160 im Vorjahre) errei | chen. Auß Uruguay werder I 700 Juden eingewandert seit: und aus Chile 300. 70 Prozent der diesjähri! gen argentinischen Einwan; derer sind jünger als 35 Jah I re. Die Mehrzahl dieser Ein; Wanderer sind Handwerker | Gewerbetreibende oder An 1 gehörige der freien Berufe j 27 Prozent haben sich berei erklärt, Kibbuzim beizutre I ten, und weitere 17,5 Pro j 7.ent wollen Hebräisch in Ar beilß.Ulpanim — in denei der Sprachunterricht mi Arbeit im Kibbuz verbündet ist — erlernen. 75 Prozen dieser Einwanderer sind ir j Argentinien geboren.! 24.000 WOHNUNGEN | Im Budgetjahr 1963—196'; wurden im ganzen Landl i insgesamt 24.000 Wohnein! heiten erbaut, hiervon 10 00<; für Neueinwanderer. Zui! Zeit baut man 1.000 Wohn | einheiten im Zuge der fort j schreitenden Liquidierung der Maabarot. Die THEODOR HERZL GESELLSCHAFT veranstaltet am MITTWOCH» den 27. Mai, um 21 Uhr gemeinsam mit BET ISRAEL in den Raeumen des Gemeindehauses in der Cramer 2070 einen Ausspracheabend Zur Lage der Juden in Lateinamerika /