Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 25 (1964)
- Issue
- 2062 (2.5.1964)
- Date
- 1964-05-02
- Page
- [Seite 1] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/9616703-9614256-9614422--3301-9614423- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
JÜDISCHE UIOHnSCH PUEVRREDON 2190 — 1? iza. Ano XXV. JjxJkwvcutay^AojeJdia BUENOS AIRES, SABADO 2 DE MAYO DE 1964 I E «3 2613 No. ¿062 Werden sie entkommen? Mehrere hundert Massenmörder -werden voraussichtlich der irdischen Gerechtigkeit entkommen, weil zwanzig Jahre nach dem Kriegs ende, d. h. im Mai 1965 die sogenannte gesetzliche Ver jährungsirist in der Bundesrepublik abläuft. Par. 67 des geltenden Strafgesetzbuches bestimmt nämlich: „Die Strafverfolgung von Verbrechen verjährt, wenn sie mit dem Tode oder mit lebenslänglichem Zuchhaus bedroht sind, in zwanzig Jahren.“ Hierunter fallen die Morde, die hohe Funktionäre des Dritten Reiches am Schreib, tisch angeordnet haben, ebenso wie die Mordtaten, die von Einsatzkommandos der SS oder in den Konzentrations lagern verübt worden sind. Eine Strafverfolgung über den Mai 1965 hinaus ist nur dann möglich, wenn die Ver jährungsirist durch eine Handlung des Richters, wie z. B. durch Erlass eines Haftbefehls, unterbrochen ist Solange aber z. B. der Na. me eines SS-Offiziers oder Nazi Funktionärs in den Akten oder sonstwie noch gar nicht als belastet'aufgetaucht ist. kann natürlich kein Haftbefehl erlangt werden. Die von Dr. ROBERT M. W. KEMPNER Akten der westlichen Alliier, ten stehen den deutschen Be hörden zur Verfügung. Di 3 Ludwigsburger Zentralstella unter dem energischen Oberstaatsanwalt Dr. Erwin Schü le bemüht sich, noch während des letzten Jahres wei tere Täter zu ermitteln. Aber ihr fehlen z. B. die Dokumente aus den Archiven in Potsdam und Merseburg. Zwi sehen dem geteilten Deutschland bestehen zwar Handelsbeziehungen, aber zu einem geordneten Rechtshilfever ■ kehr über den Austausch von Nachrichten und Akten über Mörder äus der Nazizeit ist es bisher noch nicht gekommen. Die nicht entdeckten Mör der sind nicht etwa nur in Deutschland, vielfach unte.' anderem Namen, sondern oft im Ausland, z. B. in Südamerika. Sie haben noch erheb liehe Gelder hinter sich, aie aus den SS-Schätzen der Na. zizeit stammen. Die Versen düng von eingeschmolzenem Zahngold der ermordeten KZ - Insassen in privaten Päckchen war keine Selten heit. Höchst unerfreulich ist es, dass unter den zur Anklage I kommenden Personen eine! beträchtliche Anzahl von Kri- | minalbeamten sind, die bis - her aktiv im Dienst waren; j unter ihnen ist ein hoher Beamter der Ludwigshaiener! Kriminalpolizei, gegen den ' ein Mord ver fahren in Kiel I schwebt. Er soll als früherer; SS.Offizier einer Einsatzi gruppe an der Ermordung von Juden im Osten beteiligt gewesen sein. Aber auch akademische Grade werden bald als Ange klagte in Hauptverhandlungen auftreten. So wird ausser dem Auschwitz.Prozess in Frankfurt ein weiterer Schwurgerichtsprozess Ende Mai gegen den bisheriger. Rechtsanwalt Otto Hunsche und den SS Obersturmbann f¡ihrer Hermann Krumey beginnen. Beide waren zusam. men mit Eichmann in Ungarn, sie gehörten seinem Senderkommando an; ihnen sind die Beteiligung an der Deportation mehrerer Hun derttausend ungarischer Juden in die Vernichtungslager des, Ostens vorgeworfen. Beide Namen sind im Eichmann- Prozess in Jerusalem oft ge nannt worden. Hunsche war früher eine Art Justitar in WIE ICH ES SEHE: Grundrechte der Menschen Eichmanns Judenreferat IV B 4 beim Reichssicherheitshauptamt in Berlin In Frankfurt wird ausserd;m vor einem anderen Schwur, gericht ein sogenanntes kleines Auschwitz Verfahren gegen die SS-Leute Wilhelm Burger aus Dachau und Josef Erbach aus Hof stattfinden. Eines der wichtigsten Verfahren wird in Berlin vorbereitet, nämlich gegen ehema lige Mitglieder des Reic'ns. sicherheitshauptamtes. Dessen erster Chef, Reinhard Heydrich, war in Prag von tschechischen Patrioten erschossen worden. Sein Nachfolger, Ernst Kaltenbrunner wurde in Nürnberg gehängt. Gestapo-Miiller < Heinreh ist unauffindbar. Aber es gibt noch Dutzende von Angehörigen d’eses Amtes, die niemals der Arm der Gerechtigkeit erreicht hat. Bedauerlich ist es, dass in manchen wichtigen Fällen eine Hauptverhandlung noch nicht stattgefunden hat So ist das Verfahren gegen den Vortragenden ^egations: at Horst Wagner vom ehemali. gen Auswärtigen Amt, de-’ sich gegen eine 100.000.— DM-Kaution auf freiem Fuss befindet, noch nicht we'.tergekommen. Ebensowenig hat man gehört, dass der „Juden berater" Gustav Richter der auf die rumänische Regierung wegen der Endlösung der Judenfrage zu drücken hatte, beim Landgericht in Frankenthal schon zur Verantwortung gezogen wurde. Im Schulz der Demokratie Dr W — Seit längerer Zeit treibt hier ein Deieg'er. ter der Arabischen Liga sein Unwesen. Dieser Mann na mens Hussein Triki, der seine Sporen als Agent in der nitleristischen Aeia verdient hat, müsste jetzt eigentlich Ar. gentinien verlassen, wo er lisher ungestört gegen die Juden und den Zionismus und vor allem gegen Israel hetzen konnte. Aus einem nicht wesentlichen Anlass wurde zu Ehren Trikis ein Essen veranstaltet, über das in verschiedenen Tageszeitungen berichtet worden ist. j Was in Argentinien unter dem Schutz und dem Decx- 1 mante. der Demokratie an Hetz- und Schundliteratur erscheinen darf, weiss jeder. Die Verantwortung hierfür trägt aber nicht die Regierung allein, sondern jeder Bürger, der j — ebenfalls im Schutz der Demokratie —• das Recht hat, : auf die Unmöglichkeit dieser publizistischen Situation hin. zuweisen. Man lese nur einmal die in dieser Bundeshaupt- ' Stadt erscheinend Zeitschrift „Naciön Arabe“, die in Stil, i Inha-t und dem eingeschlagenen Ton ihrer Informationell ■ an manche Vorläufer erinnert. Unter dem Schutz demoj kiatischer Freiheit werden dort die unsinnigsten Behaup-; tungen gegen ,die Zionisten' aufgestelit, die für alle Fehl, j entwicklungen in der Welt, und vor allem in Argentinien, , die Verantwortung haben sollen.! Triki selbst soll bei dem zu seinen Einen veranstalteten Bankett gesagt haben: „Als ich meine Seh’acht, gegen | den Zionismus in diesem Land begann, wusste ich, dass ich '■ einem argentinischen Empfinden Ausdruck gab“. Für die | ungünstigen Wirtschaftsverhältnisse in Argentinien macht ' Herr Triki kurzweg den Staat Israel verantwortlich. Auen | hier folgten die üblichen Verleumdungen und Verdächtigungen. Die Dollarmillionen würden aus Argentinien nach j Tel Aviv strömen... und andere derartige Torheiten. Aber es sassei immerhin argentinische Parlamentarier und (Ka i tastrophen.) Politiker unter Trikis Zuhörerschaft und : klatschten Beifall, während der arabische Wanderredner j das Loblied der Tacuara sang, derselben Tacuara. deren I staatsfeindliches Treiben soeben von der argentinischen | Polizei entlarvt worden ist... i All das geschieht in der Sonne demokratischer Frei- | heit. Die Behörden wissen doch, dass es sich beim Auftiei ten Trikis und seiner Hinterleute gegen eine antiargentini | sehe, g!gen die Regierung gerichtete Aktion handelt. Warum gschieht nichts? ER KONNTE ENTFLIEHEN v«n HORST WiNCKLER von JEHUDA G0TTHEIMER In unserer aufgewühlten \ Zeit ist es mitunter nicht leicht zu erkennen, ob es die Leidenschaften der Menschen oder ihre Ideen sind, die mit einander um Macht, um die Vorherrschaft, um Einfluss oder die Schätze unseres Pia. treten ringen. Sicherlich spielen diese beiden Komponenten häufig eine gewichtige Rolle. Die Ereignisse überstürzen sich jedoch meistens mit einer solchen Geschwindigkeit, dass kaum die notwendige Atempause bleibt, um über das Geschehen und die Entwicklung nachzudenken. Der Manu der Wissenschaft ist häufig gewöhnt in seinem stillen Kämmerlein über Dinge nachzudenken, die andere kaum interessieren. Man hat zum Beispiel von Karl Marx gesagt, sei", respektables Gedankengebäude sei das Werk eines weltfremden Stubengelehrten. Vielleicht sind dort auch lan. ge Ausführungen entha'ten, die nicht den Realitäten seiner oder keiner Etpoche entsprachen. Und doch dürfte kaum ein Mann mit seinen Ideen einen solchen Einfluss auf die Entwicklung und die Geschichte der letzten hundert Jahre gehabt haben, wie er. (Sein Hauptwerk “Das Kapital“ ist 1867 erschienen). Wenn man von der Problematik der .Weltfremdheit gewisser Gedankengänge ausgehen will, so steht man sogleich vor einer der vielen entscheidenden Fragen oder vor der Grundproblematik überhaupt, mit der sich un sere Welt auch jetzt noch auseinandersetzt: vor der Frage nämlich, woher die Kräfte kommen, und welche Kräfte es sind, die Völker wie Menschen bewegen. Hier begegnen wir den neiden GrUudthesen, die letzten Endes zur Spaltung in zwei Blöcke oder in zwei We’ten geführt haben: die idealisti sehe Geschichtsauffassung und der historische Materialismus. Sind es die Menschen mit den ihnen gegebenen Möglichkeiten, mit ihrer Intelligenz, ihrem Fleiss, ihrer Energie und ihren Hilfsquellen, die Geschichte machen oder sind es die Umstände, die geographischen oder (und) wirtschaftlichen Gege benheiten, die den Menschen veranlassen, ihn treiben oder bewegen, innerhalb der ma. teriellen Voraussetzungen, der ihm objektiv gesetzten Grenzen und der sich aus diesen tatsächlichen Grundlagen ergebenden Chancen den Lauf der Geschichte abzuwickeln. Natürlich ist es in diesem Rahmen nicht möglich, In halt und Wesen dieser beiden Weltanschauungen in ihren Einzelheiten und Nuancierungen zur Darstellung zu bringen. Aus diesen Ueberzeugungen, die oftmals mit religiöser Inbrunst von bei den Seiten vertreten werden, erwachsen sehr viele Er kenntnisse, und ergibt sich eine Fülle von Konsequenzen, um hier nur einige zu nennen: die Einstellung zur religiösen Frage, die Einschätzung des Staates^als Machtfaktor, die Bewertung der Rolle, die der Familie im modernen Leben zukommt, die Bedeutung des menschlichen Willens als der bewegenden Kiaft, die über die Gesellschaft und deren Position wie Entwicklung zu bestimmen hat, mit anderen Worten das alte Problem der Freiheit oder Gebundenheit des menschlichen Willens. Die Philosophen sprechen von Indeterminismus und meinen die Lehre, dass das menschliche Handeln und Wollen nicht (oder nicht restlos) durch Ursachen bestimmt sind, sondern dass es eine freie Willensentscheidung gibt,‘und von Determinismus, von der Begrenzung des menschlichen Willens, die in Marxens historischem Materialismus ihren Niederschlag gefunden hat. Den Juden, denen immer nachgesagt wird, „sie seien Erklaenmgen Levi Eshkols Tel Aviv. — Premierminister Devi Eshkol gab kürz, lieh allen arabischen Staaten, die dem „nasseristischen Umsturz unterworfen sind“ die Versicherung, dass sie mit Israel rechnen könnten. Israel würde ihnen behilf lieh sein, die Ruhe und den Frieden in ihrem Gebiet wiederherzustellen. Er versprach, alle Mittel anwenden zu wollen, um jene Faktoren zu vereinen, die dem Fortschritt zum Wohle der Gesamtbevölkerung ’ienen. Eshkol sprach in der Eröffnungssitzung der Histadruth, des israelischen Gewerkschafts-Verbandes. Er wies darauf hin, dass die Politik Nassers unverändert aarauf hinziele, Israel zu bedrohen und andere arabisch* Staaten anzugreifen. Diese Bedrohungen, erklärte er, fühlten lediglich dazu, Israel zu einer Politik der stän riigen Bereitschaft zu zwingen und zur Rüstung und Aufrechterhaltung einer Macht, die imstande sein soll, jeden Versuch eines Angriffs im Keim zu ersticken. — (ITA) Kommunisten“ — eine der beliebtesten Parolen unserer Feinde — wurde schon in ur alten Zeiten die Lehre von der menschlichen Willensfreiheit gebracht, die sie dann als erstes unter den Völkern verkündeten. Von jedem einzelnen ^Menschen ist es abhängig und jedem ist es gegeben, das Rechte zu tun. Demgegenüber steht das kom. munistische Manifest mit seinem Determinismus, mit seiner komplizierten Lehre von den Ursachen und Bedingun gen, den objektiven Gegeben, heiten, der Ueberbetonung der materiellen Kräfte, die in Wahrheit den Menschen zum Werkzeug all dieser Faktoren und nicht mehr zum Schicksalsgestalter machen. In dieser Auseinandersetzung,,der Ideen mag sich der Mensch in theoretische Spekulationen verloren haben, die —wie so oft auch auf anderen Gebieten des menschlichen Glaubens, Denkens, Fiihlens und Wollens zu Frontenbildungen führte, die in Wh'klichkeit und in Wahrheit überhaupt nicht vorhanden sind. Weder dürfte es richtig sein und den Realitäten des menschlichen Könnens wie den naturgegebenen Wirk lichkeiten entsprechen, die eine oder die andere Welt- und Lebensauffassung in ih rer Unbedingtheit als These und Antithese gegenüberzustellen. Marx als Hegelianer fasste alle Phänomene unserer Existenz in diesem, von Hegel geprägten Entweder Oder auf, ohne jenen, den tatsächlichen Verhältnissen entsprechenden Spielraum des Sowohl als Auch anzuerkennen. Mit anderen Worten dürfte es verfehlt sein, die Alternative zu stellen und sich nun zwangsmässig zu der einen oder anderen Theo rie zu lekennen. Wir brauchen nicht von der, in unserem jüdischen Gedankengut verankerten Willensfreiheit | Die Nachricht von der Flucht des früheren SS-Offi- I ziers Hans Walter Zech. Nenntwich aus dem Brauni Schweiger Gefängnis über-; raschte die Oefientlichkeit, :! a,.er berührte sie nicht sonderlich. Dieser Zech .Nenntj wich war ein hoch qua- , , lifizierter Kriegsverbrecher 1 schlimmster Sorte. Nachdem man ihm dabei half, aus seij | nem Kerker zu entfliehen, [ ■■ hat er sich in einem „Privat, j I Flugzeug“ in die Schweiz be j geben. Auch dieser Kriegsj Verbrecher wird sich wahr- |! scheinlich nach Aegypten! | oder in irgendeinen südame. | rikanischen Staat begeben, i um sein weiteres Dasein un- \ ter einem falschen Namen, * 1 I sicherlich unangefochten und , , von seinen zalreichen Ge- I sinnnungsgenossen gefeiert,; fristen zu dürfen. I Wie war das möglich, wird ■ man fragen. Die Staatsanwaltschaft in Frankfurt, die; | garnicht für Braunschweig! zuständig sein dürfte, hat j seit langer Zeit dank ihres 1 aussergewöhnlich tüchtigen t und erfahrenen Leiters eine ' Art Zentralstelle gebildet, um j der oder den noch im Ge.! heimen arbeitenden sS-Orgai nisationen auf die Spuren zu I kommen. Bitte beachten sie: 1 i im Jahre 1964, beinahe ge. ' nau 19 Jahre nach dem , schändlichen deutschen Zu 1 sammenbruch, besteht noch; ein oder sind gar mehrere Geheimbünde der früheren , SS am Werk! ' Was haben die bundesdeuti sehen Behörden, die Minister und Parlamentarier, soweit ‘ sie selbst keine ehemaligen und damit nicht von der Ver | antwortlichkeit jedes Men- ' sehen für sein Tun abwei j chen, wenn wir erkennen, - dass es selbstverständlich! auch andere dezidierende Faktoren gibt, die jedem Wilj len natürliche Schranken auferlegen. j Vielleicht sind wir nicht . mehr weit von einer Zeit enti I fernt, in der die zentrifugale und zentripetale Kraft dieser i sich unvereinbar gegenü *r stehenden Weltanschauunj gen nachlassen wird, und die Menschen erkennen, dass d*e , | Wahrheit nicht auf der einen; Seite allein liegen kann Die I i Kraft ist zentrifugal, weil sie , die Blöcke schuf und damit I | die Einheit des Menschenge. , t schlechtes sprengte, und sie (Schluss auf Seite 2) i Nazis waren, getan, um mit der nazistischen Verfilzung aller Amtsstellen Schluss zu machen? — Das ist keine polemische Frage, sondern ein reales Promblem, dessen Fol. gen täglic., und allerorts feststellbar sind. — Kriegsverbrecher Zech- Nenntwich ist eigentlich zweimal glücklich seinem Verhängnis entkommen. Bk wurde für Beihilfe zum Mora an 5.200 Juden zu vier Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Das bedeutet mit anderen Worten: Für jede Beihilfe zum Mord, die dieser Verbrecher geleistet hat. erhielt er knappe 7 Stunden, jawohl noch nicht einmal ganze sie eu Stunden Freiheitsentzug. Das ist die bundesdeutsche Justiz auf diesem Gebiet wie auf anderen Gebieten, die mit der Ueberwindung der nicht bewältigten Vergangenheit in Zusammenhang stehen. Diese Art Justiz wirkte wieder einmal demoralisierend. Für Beihilfe zum mehr als fünftausendfachen Mord wird eine Gefängnisstrafe von vier Jahren verhängt. Der Staatsanwalt halte auf lebenslängliches Zuchthaus plädiert, eigentlich selbstverständlich bei der Schwere der begangenen Verbrechen von unvorstellbarer Grausamkeit. Hat man sich die Akten der Richter eigentlich gründlich angesehen bevor man ihnen die Behandlung dieses Falles übergeben hat? Nachdem Zech-N. glücklich seinen Richtern entgangen ist, oder mit Hilfe dieser Richter eine unbedeutende Strafe erhielt, machte ihm ein alter Kameradc aus dem nazistischen Arbeitsdienst das Gefängnistor auf, zufällig stand ein Privatflugzeug bereit und zufällig entkam der Herr Kriegsverbrecher. Der Frankfurter Staatsanwalt weiss, dass es eine SS. Geheimorganisation gibt, oder er vermutet deren Eixistenz, aber nirgends geschieht etwas, um eine Flucht der Kriegsverbrecher zu verhüten. Dagegen geschieht al. les, um sie zu ermöglichen. Ausserdem dürfte es merk, würdig genug sein, dass es noch immer verschiedene SS- Vereinigungen gibt, die tretz aller Proteste nicht aufgelöst werden und die sogar die Erlaubnis zu nationalen Konfe renzen und öffentlichen Zusammenkünften erhalten! — Nach kll dem, wras geschan...