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Jüdische Wochenschau · 1964-04-03 · 2058 (3.4.1964) · p. [Seite 5]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
25 (1964)
Issue
2058 (3.4.1964)
Date
1964-04-03
Page
[Seite 5] (sequence 5)
Language
German, Spanish
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Viernes, 3 .e Abril de 1964 LA SEMANA ISRAELITA Año XXV. — No. 2058 — 5 Während der Beginn des< Pessach-Festes im Zeichen* des Exodue sieht, ißt der letzte siebte Tag des Pessach-Festes, dem Wunder am Sehilfmeer gewidmet. Man liest in den Synagogen die Erzählung vom Untergang der Aegypter im Schilfmeer und dem Jubelgesang der Befreiten Zweites Buch Mcees, 13. 27 — 15 , 26. In dieser Erzählung ist zusammengefasst, was man als die beiden heterogenen Elemente dcß Glaubens bezeichnen kann: Angst und Freude. Ur.cer Text vermerkt (Ex. 14, 10 ff.): „Als Pharao nahte, erhoben die Kinder Israels ihre Augen und siehe, Mizrajm zog hinter ihnen her. und die Kinder Israel fürchteten sich sehr und schrien zum Herrn. Und eie sprachen zu Moses: wohl aus Mangel an Gräbern in Mizraim hast du uns weggeholt, um in der Wüßte zu sterben? Was hast du uns angetan, dass du uns aus Mizraim geführt hast... Und Moses sprach zum Volke: fürchtet nichts... Der Herr wird für auch streiten und ihr sollt stille sein.“ Hier ißt sehr realistisch die tiefe Angst des Volkes vor der militärischen Uebermacht des Feindes gekenn. zeichnet. Man hat oft die ANGST Betrachtung zum UND FREUDE letzten Tage des Pessach-Festes Frage aufgeworfen, ob der Auszug aus Aegypten historisch glaubhaft eei, da Parallelberichte in ägyptischen Quellen völlig fehlen. Rabbi Jakob J. Petuchowski hat in diesem Zusammenhang eine psychologische Begründung gegeben, die mir einleuchtend scheint. Er hat darauf hingewiesen, dase andere Völker an den Ursprung ihrer Geschichte Heroen und Halbgötter setzen. Im Falle Israels aber spricht die Ueberlieferung von einem aussergewöhnlich unrühmlichen Zustand, von einem Sklaven . Dasein, das sich wohl kein Volk außgedacht haben kann, da es ja keineswegs zu seiner Verherrlichung beiträgt. Und in diesem Sinne könnte man hin. zufügen, dass das Verhalten des Volkes angesichts der heranrückenden Aegypter ebenfalls das Zeichen der historischen Wahrheit trägt, denn welches Volk würde denn in der Sage eich selbst als so wenig heldenhaft charakterisieren? INDUSTRIAS YUVENA S. A Fábrica de calzado y zapatillas 8 í ANDONAEGUI 1270 Buenos Aires T. E. : 51.4810 AUTO - REPARATUR - WERKSTATT „BEÑO” BEÑO HUTSCHNECKER Avda. CONSTITUYENTES 4902 (Ecke Monroe) > T. E. 51 - 2205 I JUAN JULIUSBURG MALERARBEITEN 73-1148 BLANCO ENCALADA 1646 von SCHALOM BEN-CHOR1N Man muss allerdings andererseits hier klar erkennen, dass die bibl'ßche Ge. schichtßschreibung es nicht auf die Verherrlichung des Volkes seiner Führer abgesehen hat, sondern theozentrisch ist und gerade an der Schwäche des Menschen die Stärke Gottcß demonstrieren will. Der Mensch in der Angßt ist dem Eingriff Gottes geöffnet. Aus dieser Sicht heraus konnte Soren Kierkegaard erklären: ,,Je tiefer er sich ängstigt, umso grösser ist der Menßch“. Die Angst ist ein entscheidendes Kriterium der menschlichen Existenz. Auf ihre letzte Wurzel zurückgeführt ist eie immer Todesangst, denn in jeder Gefahr ißt der Tod keimhaft beschlossen. In diesem Sinne sagte Franz Rosenzweig: „Alleß Sterbliche lebt in der Angst des Todes, jede neue Geburt mehrt die Angßt um einen neuen Grund, denn sie mehrt das Sterbliche.“ Rosenzweig meinte: „Aber die Philosophie leugnet diese Angßt der Erde“. Wir könnten heute dieses Eingangswort zum „Stern der Erlösung“ nicht mehr untenschreiben, denn seit dem Tode Rosenzweigs (1929) ist eine Philosophie zur Geltung gelangt, die von der Angst ausgeht, ohne sie zu überwinden: der Existentialismuß. Im Existentialismus iet die Angst das Motorische, ja sie ist es eigent. lieh, die das Wesen des Menschen bestimmt. Wenn Descarteß behaupten konnte: „cogito, ergo sum“ -(Ich denke, also bin ich), sagt der Existentialismen: Ich ängstige mich, also bin ich. In unserer biblischen Erzählung überwindet nicht die Philosophie die Angst, sondern der Glaube, wobei hier der Glaube, die Emuna, ganz im Sinne des schlechthinnigen Vertrauens verstanden wird. In der Antwort de.s Mosen an das Volk: „Der Herr wird für euch streiten, und ihr sollt stille sein“. Man hat diese Haltung Politik aus dem Glauben genannt. Wie ßchwer eine solche Haltung in der konkreten Situation der tödlichen Gefahr i>st, bedarf keiner Erklärung. Auf die Angst folgt die Freude. Sie findet in unse. rem Text ihren klassischen Ausdruck in dem Liede der Befreiten am Schilfmeer und in dem wohl noch älteren kurzen Mirjamß-Lied. Der von der Angst befreite Mensch bricht in den Jubelgesang aus. In unübersehbarer Dialektik werden hier Angßt und Freude einander konfrontiert als die beiden Grundformen der menschlichen Lebenshaltung. Die ausgeglichene gleiehßam unbewegte Haltung zwischen Angst und Freude, die von Spinoza als die zu erstrebende Haltung des Menoehen gepriesen wird, weist nicht das Klima des Glaubens auf. Der Glaube entfaltet sich in der Angst und erblüht in der Freude. Er bedeutet aber endlich die Ueberwindung der Angst durch eine Freude, die tief innerlich ist und vom augenblicklichen An. laos absehend den Keim zur Angst erstickt. In der soeben erschienenen Neuausgabe der Werke Richard Beer-Hofmanns geht Martin Buber in einem Geleitwort auf dießeß Thema ein und zitiert einen Vers Beer.Hofmänns: „Raum, wie Zeit; Geopinst, Gespenster, Die die Sinne um dich woben! ‘ Wenn cb gelingt, Raum I imd Zeit so zu relativieren, j dann ist der Angst der Stai chel entzogen. Buber bej merkt hierzu erklärend. „Tod und Leben seien, so wird uns gesagt, nur Kerker, die w’ir uns selbßt gemauert haben: wir ßollen sie brechen und ins Freie treten, wo uns klare Luft umschauert. Hier wird von der klaren, aber von aller Erdenwärme entfernenden Ahnung der Ewigkeit gesprochen — der Ewigkeit des Urgrundes, dem Zeit und Raum entstammen. Diese beiden erw'eißen sich ja. wenn w7ir sie als letzthinnige Wirklichkeit zu meinen versuchen, als biß zur Absurdität unvorstellbar, gleichviel ob wir sie als endlich oder als unendlich vorzußtellen unter, nehmen: nur als von der zeit- und raumlosen Ewigkeit getragen sind sie faßsbar. Wer die Ewigkeit so in sein Leben hineinnehmen kann, der hat den Tod und damit die Angst überwunden. Aber wrer kann daß? In einer der erschütterndsten Verhandlungsphanen des Auschwitz-Prozesses in Frankfurt hat ein Zeuge auf die unterschiedliche Haltung der Zigeuner und der Juden in diesem Todeßlager hingewiesen. Die Zigeuner haben sich bis zuletzt gewehrt und sind in dem aussichtslosen Ringen mit ihren Peinigern untergegangen. Die Juden, ßo führte der Zeuge aus, gingen in Auschwitz singend in den Tod. Ueberlebende haben uns berichtet, was sie gesungen haben: „Ani ma’- amin bebiat haMaschiach“. (Ich glaube an das Kommen des Mtßsias, und wenn er auch zögert, so harre ich doch «ein jeglichen Tages, dass er komme.) Hier haben wir noch einmal den Gesang, der hier zwar nicht die Angst abgelöst hat, sondern sie vielleicht übertönt. Ein Vertrauen, das offenbar durch nichts zu erßehüttern w7ar. Dieser Gesang war grösoer als der Gecang am Schilfmeer. Die Ahnen sangen. als der Grund ihrer Angst auf dem Grunds des Meeres versank. Die Enkel sangen, als keine Rettung mehr zu erwarten war. Ein bekannter Midrrcch lässt bekanntlich die Engel vor Gottes Thron angesichts des Untergangs der Aegypter ebenfalls in ein Jubellied außbrechcn, gleich dem irdischen Gesang der Kinder Israel. Gott weist sie zurecht ..Meine Geschöpfe versinken im Meere und ihr wollt singen?“ Der Lobgesang der Geopferten in Auschwitz ist aber auch noch über dem Gesang der Engel, denn hier ist es die Liebe zu Gott, das Ver. trauen auf seine Verheissung, das in diesem unbegreiflichen Gesang alle Angst überwindet. Diese Erkenntnis hat Richard Beer. Ilofmann in seinem Jaakcbs Traum gesprochen, indem er seinen Jaakob von Gott sagen lässt: „Ich lieb ihn, wie Er ist, graueam und gnädig“. Und zu diesem Worte des Dichters bemerkt Buber in seiner Deutung: „Das ißt die im Nachfahren eingeborene Botschaft der Ahnen, auf die zu .horchen1 die stets erneute Ueberwindung des Todes in seiner bedrohlichsten Gestalt, der dcß Volkstodes, bedeutet.“ Drßs diese Ueberwindung nicht nur in der Aktion, sondern auch im Stillesein erfolgen kann, hat uns die Erfahrung der letzten Jahrzehnte wieder gelehrt. Literarische Notizen Bei Ihren Reisen überall hin IST IHNEN BEHILFLICH BETTY DRESEL COS’JLICH PASAJES Y Avda. Córdoba 379 TURISMO SRL 32-8461-65 Bitte um vorherige Anmeldung 54-3175 Weltausstellung des jüdischen Widerstandes 16 Länder, unter ihnen die Sowjetunion, Polen und Jugoslawien, haben eine Einladung des jiidißchen Dokumentationszentrums in Paris zur Teilnahme an einer Internationalen Ausstellung des jüdischen Widerstandeß angenommen. Für die Bar-Ilan- Universität Tausende von wertvollen Büchern, darunter hebräische Inkunabeln und Manuskripte aus der Bibliothek von Walter Nathan Williams aus England wurden der Bar - Ilan - Univensität ge. "lA ro*tsr4 Akl&kl RIAS Dt V schenkt. Unter den Gegen- : ständen befindet sich eine j Sefer Tora, die jüdische j Gemeindeführer dem Zar! Nicolas II. geschenkt ha- '■ ben. W. N. Williams über. I gab der Universität zusätz. lieh 100 000 israelische Pfund für die Kosten der Unterbringung der ganzen Sammlung als eine Einheit. Williame gab küzlich 6 Millionen israelische Pfund für Jeschiwot in Israel. Ruf nach Syrakus Prof. Schlomo Simons vom Historischen Institut der Universität Tel Aviv wurde vom Nationalmuseum Siracuea eingeladen, die Zusammenhänge eines jüdischen Friedhofß am Hafen von Syrakus mit dem früheren Bestehen einer jüdischen Gemeinde zu erforschen. ALFREDO STERN Departamentos — Büros — Haeuser — Fabriken Unverbindliche Kostenvoranschläge für jede Arbeit T.E. 76-7281 y 76-9088 Virrey del Pino 2639 DEPOSITO: V. de la Plaza 1779! J. P. LANDSBERG ¡ VERSICHERUNGEN JEDER ART \ Bme. MITRE 430 V. Of. 550 T.E.: 30-1474 jj Volvió el Mayor Exito Teatral de 1962-63 EL DECIMO HOMBRE de PADDY CHAYEFSKY con la dirección de OSCAR FESSLER POR UN MES SOLAMENTE TEATRO SAN TELM0 3; CHACABUCO 960 — T.E.: 33-2804 y 30 7643 Todos los días a las 22 hs. (excepto Lunes). Sábados, Domingos y feria- \ dos a las 18 hs. y 22 hs. Localidad, en venta con 5 días de anticipación. \ •»WVtVyVVW%V»WWWV»WVV*VWWV

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