Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 25 (1964)
- Issue
- 2056 (20.3.1964)
- Date
- 1964-03-20
- Page
- [Seite 8] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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T—~nrnTi~ o S5 o 3 ai 3 fc S 2 i «a U u ai < O FRANQUEO PAGADO Concesión 908 TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 ISRAELITA Afio XXV. BUENOS AIRES, VIERNES 20 DE MARZO DE 1964 No. 2056 EL EJEMPLAR 1A en toda la República PÜEYRREDON 2190 1* izq. T. E. 83 2613 Buenos Aires Streiflichter aus einem Prozess (V): Tod an der schwarzen Wand Die Verhandlungen im A v»;ch witzprozess gehen weiter. Zunächst versuchen alle i ■\vachsturmbann vielleicht Angeklagten, dem Auschwitznjcht gesehen hätte.“ Broad Lager den Charakter einer [ ^at von (jen Vergasungen Erholungsstätte zu geben, j scjj0n jm Sommer 1942 wie sich der Vorsitzende | Kenntnis, das heisst zunächst ausdrüekte. Der Angeklagte nui. gerüchteweiße, Eß war Pery Broad — 1921 in Rio; ejn unbestimmtes Gerücht, de Janeiro geboren ißt in j dieses Thema wurde ja ge- Berlin aufgewachsen. 1942 heimgehalten“. Dann sieht meldet er sich freiwillig zur j er aher doch etwas: „Im Watfen-SS und wird wegen . Sommer des Jahres erfolgte ¥9tt JAKOB KATZ-ROGASEN seiner Kurzsichtigkeit im April des gleichen Jahres zur Wachtruppe deß Konzentrationslagers Auschwitz kommandiert. Die Staatsanwaltschaft nimmt an. dass er sich dort im Juni 1942 zur politlßchen Abteilung habe versetzen lassen. Sie beschuldigt ihn. insbesondere nach der Ankunft der grossen Judentransporte im Herbst 1943 bei der Selektion der zur Vergasung bestimm, ten Opfer mitgewirkt zu haben; er habe ferner zahlreiche Häftlinge während dtß Verhörs erschossen oder durch Schläge getötet und sich bei Exekutionen an der berüchtigten ,,schwarzen SFand“ der Hinrichtungsstätle im Hof der Wirtschafte,, gebäude des Stammlagers Auschwitz, vor allem nach i dem Attentat auf Heydrich. bei der Hinrichtung tschechischer Häftlinge hervorgetan : Was nach dem bisherigen : Verlauf der Vernehmung der < Angeklagten auch von Pery; Broad erwartet werden durfte, stellte sich ein: Vo.i der Ermordung der Häftlinge, von VergEßungen, hat er 1 gehört, aktiv hat er mit den j Untaten in Auschwitz nichts zu tun. Zur politischen Abtei-' lung im Lager kommt er j ohne eigenes Zutun. Der Spießs der 1. Kompanie des Waehßturmbannes sucht französisch sprechende Männer. Broad wird zunächst abgestellt und beantwortet die Anfragen des Genfer Roten Kreuzeß — die bürokratische Organisation nahm eß nicht nur mit den Gaskam. mern genau. Im August wird er endgültig zum Kommandanturstab versetzt. Nein, es war ihm nicht recht. ,,Ich hatte keine Ahnung, dass ich noch Zeuge j von entsetzlichen Dingen werden sollte, die ich beim eine Absperrung der Lagerßtraßse. Ich konnte durchs : Fenster sehen, wie eine; Vergasung vorgenommen wurde. SS.Leute mit Gasmaßken öffneten mit Hämmern einige Büchsen und schütteten den Inhalt durch die Decke des alten Krematoriums“. Auf der Verladerampe, wo die Selektionen vorgenommen wurden, will dieser Angeklagte nur gelegentlich ge. wesen sein. Er bemerkte: Die SS-Offiziere. die bei der Selektierung tätig waren, hat Broad nicht erkannt, er kann sich nicht einmal erinnern, ob ein Arzt dabeigewesen ist. Jedoch er bemerkte: ,,Die Selektierten waren vorgerückt in Rieh, tung auf das Krematorium.“ Selbst vom Fenster seiner Unterkunft aus konnte er den Zug der Todgeweihten sehen, doch schränkt er ein- ,.Ich konnte natürlich nicht feststellen, wohin der Zug ging: zum Krematorium oder zum Effektenlager“ (wo die Unglücklichen ihrer letzten Habseligkeiten beraubt worden sind). Broad gibt vor, nicht sagen zu können, wie die Selektionen ..durchgeführt“ wur- ,,Ich habe nie davon gehört.“ ,.Haben Sie gewusst, dass die Mitglieder des Sonder, kommandos Zeppelin (eine russische Einheit, die in Auschwitz ermordet wurde) liquidiert worden ist?“ ,,Ich habe nie davon gehört.“ Es ist leicht, zu erkennen, der Angeklagte Broad ist offensichtlich trotz eifrigen Bemühens im Konzentrationslager Auschwitz nicht hinter die Dinge gekommen. Zuvor hatte der Angeklagte Dylewski beendet, was er am fünften Verhand. lungstag zur Entlastung vor- 1 zutragen wusßte. Auch er! hat — als Ermittlungßbeamter in der Politischen Abteilung eingesetzt — nie etwas angeordnet: „Das war immer der Grabner.“ Ge. schossen hat er nicht. Die Außsage eines Zeugen ist unwahr. Blutspuren im Zimches Mal hat auch der Grabner gesagt, das verantworte ich, ich bin dazu ermächtigt!“ „Was wissen Sie von Erschiessungen an der Schwarzen Wand?“ „Die einzelnen zur Exe. kution bestimmten Häftlinge mußsten sich im Waechraum ausziehen. Sie wurden von einem Häftlingsaufseher des Blockes 11 gebracht.“ „Wie hiess der?“ „Jakob. Er führte sie auch zur Schwarzen Wand, einzeln.“ „Er führte je einen Delinquenten zur Schwarzen Wand?“ „Ja.“ „Wo standen Sie?“ „Ich stand in der Nähe deß Waschraumes. Ich habe die Erschiessungen gesehen.“ „Wer hielt den Delinquenten?“ „Der ,Jakob*.“ „Wie stand der Delin- Verhandlungen mit der EWG BriißSel. — Bei ihrem dreitägigen Aufenthalt in Brüssel nahm Israels Aussen minister Golda Meir auch Gelegenheit, mit dem Präsidenten des Exekutiveomites der Europäischen Wirtßchafts-Gemeir.ßchaft zu konferieret^ In e.ner Pressekonferenz bezeichnete sie die geführte Unterhaltung als von „Freundschaft und Verständnis für Ißrael“ getragen. Sie wies darauf hin, daßs das an Israel ergangene Angebot von Tarifermässigungen für v-ttr. schiedene israelische Produkte, das die sechs EWG-Eänc’.er gemacht halben, „einen bedeutenden Schritt vorwäriß“ bedeutet. Auch bei diesem Preeseempfang betonte Frau Meir, dass Israel ,,in jedem Augenblick bereit sei, mit einer Vertretung der arabischen Staaten oder mit einzelne* arabischen Regierungen über alle möglichen Differenze« und exizelne Fragen von gemeinsamem Intereßse zu verhandeln“. Ein von der Zionistischen Föderation in Antwerpen veranstalteter Empfang glich einem wahre»! Massenmeeting. In den Räumen des Club Dru traf Frau Meir mit den Repräsentantinnen aller belgischen Frauenorganisationen zutsammen. Premierminister Lefevre erschien a* dr Spitze hoher Würdenträger, die der Einladung zu eirem Frühßtück gefolgt waren, das Israel-Botschafter Amiel Nachar zu Ehren Golda Meirs_gab und dem auca der Päpstliche Nuntius Monsignore Oddi beiwohnte. GOLDA MEIR WIEDER IN ISRAEL Tel Aviv. — Frau Golda Meir ist nunmehr von ihrer längeren Europareise zurückgekehrt, die eie benutzte, um mit den dortigen Staatsmännern über die Beziehungen Israels zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft za verhandeln. Bei ihrer Rückkehr erklärtes sie, die Forderungen Ißraels seien zwar noch nicht erfüllt, doch es stehe zu hoffen, dass die Verhandlungen zu einem günstigen Abschiuss führen dürften. (ITA) mer, nachdem er Häftlinge I vernommen hat, gab es i nicht, die Aussagen des Zeu-! gen sind unwahr. Die Bej fehle hielt er für recht. , massig: „Ich war noch ein i ßehr junger Mensch und konnte einen Richter nicht von einem Staaüsanwalt unterscheiden. Wenn der Befehl von oben kam. war er für mich rechtmäßsig Man. „Mit dem Geßicht zur , » Wand.“ „Wie wurde er erschossen?“ „Mit einem Gewehr, ins Genick. Dann waren Häftlinge da, die ihn zur Seite trugen.“ „Die Erßchossenen wur. den also aufgeschichtet?“ „Das weißs ich nicht mehr, Konferenzen in Brüssel „Haben Sie gewusst, dass Transporte insgesamt ver. gast wurden?“ „Ich habe nichts davon gehört und nichts davon gesehen.“ „Haben sie davon gehört, dass ganze Barakken vergast wurden?“ „Ich habe von Selektionen innerhalb des Lagern nie gehört.“ „Haben Sie davon gehört, drßs dem Leiter der politischen Abteilung Häftlinge zur Liquidation übergeben wurden, die dann ,abgespritzt* worden sind?“ Br:ßsel. — Die Konferenz jüdischer Organisationen (COJO) trat in Brüsßel zusammen und erwog die Berichte, die über die in der jüdischen wie auch nichtjüdischen Oeffentlichkeit wachsende Besorgnis vorliegend welche in der ganzen Welt über die Lage der Juden in der Sowjetunion herrscht. Die Delegierten nahmen die Vorschläge zur Kenntnis, die men ergreifen werden. Im weiteren gelangten Berichte der jüdischen Wohlfahrtsverbände über die Sendungen von Mazzot zur Verlesung, die dieße Institutionen an die russischen Juden auf den Weg bringen. JUEDISCHE ERZIEHUNG Ein aus 50 Personen gebildeter Rat für jüdische Erziehung wird im kommenvon den zehn der Konferenz j den Augußt in Genf zusam. angehöreuden Organisatio- ■ mentreten um uberd nen unterbreitet wurden, derung und Richtlinien der um das Schicksal der sowjef dI*C-^“te®™eS?ften' wie ' tischen Jndenheit ertrt.li-! Gebiete» .« J** ich habe die Erschiessungen im Gedächtnis, aber nicht die Einzelheiten.“ Auch Dylewski verfügt nur über ein partieließ Gedächtnis. Er hat veranlasst, aber nicht angeordnet, die Fälle, in denen er zu ermitteln hatte, waren klar: Es war eindeutig Flucht, und darauf stand der Tod. Viel mehr weiss er nicht: dass Häftlinge bei Wasßer und Brot gehalten wurden? Gar. nichts zu essen bekamen? Verhungert ßind? „Das weiss ich nicht.“ Ein Jude, wegen des Tauschea von einem Paar Schuh gegen ein Stück Brot zum Tode verurteilt, die Meldung ist von Dylewski unterzeichnet: „Ich kann mich im einzelnen nicht erinnern.“ „Wann hatten Sie Absperrdienst auf der Rampe?“ „Das weiss ich nicht, ich habe kein Gedächtnis.“ „Wag wissen Sie von Son- Myer Feldman reist nach Israel Washington. — Wie daß Weisse Haus mitteilt, wird der Sonderberater des Präsidenten, Myer Feldman, am 1. April für eine Woche nach Israel reißen, um dort bei den Vorbereitungen zu dem bevorstehenden Besuch des Ministerpräsidenten Levi Eshkol.in Washington, der fiir den Monat Juni geplant ist, behilflich zu sein. (ITA) Woche der Brüderlichkeit Köln. — Ueber 4.500 Pensonen wohnten der Zeremonie beim Abschluss der Woche der Brüderlichkeit und der Ausstellung jüdischer Dokumente bei. Bei die. ser Feier, die im grossen Saal des Kongreßses stattfand, waren die Hauptredner Dr. Ernt Simen von der Hebräischen Universität in Jerusalem, Kardinal Augustin Bea vom Vatikan und der lutheranißche Bischof Dr. Wilhelm Stählin. Kardinal Bea wies auf das ökumenißche Dokument hin, welches die Beziehungen der Christen zu den Juden behandelt und auf ausdrücklichen Wunsch des Papstes Johannes XXIII. abgefaßst wurde. Um die hitorische Bedeutung dießes Dokuments zu verstehen, so führte der Kardinal aus. müsse man die „lange und traurige Geschichte der jüdißch-christlichen Beziehungen bedenken, die auch den Faktor Antisemitismus einsc.iliessen“. Die Vertagung der Abstimmung über dieses Dokument solle man nicht als eine Gelegenheit unterschätzen, die zahlreichen Konzilsvätern geboten wurde, um sich näher mit diesen Fragen vertraut zu machen. Kardinal Bea bemerkte, eß wäre nicht angebracht und auch unklur, wenn er in diesem Augenblick eine Erklärung über dieses Dokument abgeben würde. — (ITA) eher zu gestalten. Den Delegierten lag ein Exemplar des von T. Tychko verfassten Buches „Judentum ohne Schminke“ zur Einsichtnahme vor. daß von der ukrainischen Akademie der Wissenschaften in Kiew heraußgegeben worden ist, und sie stellten mit „tiefem Erschrecken“ fest, dass der Text und die dazu gehörigen Karikaturen „von starrer Intoleranz und bösartigen Vorurteilen zeugen und offensichtlich eine Verletzung der Strafgesetze der Sowjetrepublik Ukraine bedeuten, die derartige Aufreizungen zu nationalem und religiösem Hass unter Strafe stellen. Die Konferenz gab der Hoffnung Ausdruck, daßS aufgrund der Bestimmungen des ukrainischen und sowjetischen Gesetze»; und angesichts der wiederholten Versicherungen, da«;s die Behörden den Antismitismiß nicht tolerieren werden, die verantwortlichen Stellen die mit diesen Gesetzen in Ein klang stehende« Ma-ssnah- Aus Schusses beschlossen hat. Die Exekutive wird von Dr. Nachum Goldmann, Präsident des Jüdischen Weltkongresses, Mosche Sharett, Vorsitzender der Exekutive der Jewish Agency, Label Katz. Präsident der Bne Brit, und Sir Barnett Jänner, Präsident des Board of Deputies der englischen Judenheit, gebildet. Die geplante Tagung wird j die zweite Phase eines langfristigen Programme darstellen. das eine internationale Grundlage für die jüdische Erziehung schaffen soll. Dieser Beschluss wur. I de vor 20 Monaten in Jérusalem gefrßst als die Delej gierten von 34 Ländern dort eine Welt-Erziehungskonfe renz abhielten. Die neue Institution wird von der Konferenz jüdischer Organisatio. nen überwacht werden und für sämtliche Erziehungsfragen in allen Zentren der Welt zuständig sein. In die Leitmg wurde Dr. Simon Greenberg. Vizedekan des Theologischen Seminar»? von Amerika, und zum Schatzmeister Philip Lown, Präsident des nordamerikani. sehen Verbandes für jüdische Erziehung, gewählt. Die Führung des Erziehungsrates wird zu gleichen Teilen Gemeindeführern und professionellen Erziehern obliegen. Nordamerika wird 15 und Israel 8 Mitgliedern besitzen, während die übrigen Delegierten proportioneil von England, Kanada, Australien, Südafrika und europäischen und südameri-: kanischen Ländern gestellt j werden. (ITA) derzuteilungen? Gab es Schnaps, Zigaretten?“ „Ich kann mich nicht erinnern.“ „Wie gingen die Selektionen vor sich?“ „Ich kann mich nicht er. innern.“ „Haben Sie aus eigener Machtvollkommenheit die Prügelstrafe verhängt?“ „Ich kann mich nicht erinnern. Jedenfalls habe ich die Unrechtmäsßigkeit der Behandlungen auch in Block 11 nicht erkannt.“ „Was waren das für Menschen auf der Rampe? Man. ner, Frauen und Kinder?“ „Ich weiss nicht, ob auch Kinder dabei waren.“ So antworten die Angeklagten. Der Prozess enthüllt die ganze Schande eines auf Feigheit und Verl®, genheit aufgebauten Regimes, dessen Bannerträger klägliche Figuren sind. (wird fortgesetzt) Mazzot für die russischen Juden Washington. — Da»? State Department hat die USA-Botschaft in Moskau ersucht, über die Frage der Belieferung der russischen Juden mit Mazzot zu infor. mieren wie Senator Kenneth Keating im Senat mitteilte. keating gab der Hoffnung Ausdruck, das« die Nachforschungen der amerikanischen Beamten „Aufklärung über dieses Problem geben und dazu beitragen dürften, die harten und willkürlichen Einschränkungen erheblich zu erleichtern.“ Die USA-Botschaft in Moskau wurde gebeten, „die heutige Politik der Sowjetbehörden in dieser Angelegenheit zu erkunden“. (ITA) Registro de la Propiedad Intelectual No. 736 104 Impreso en la Impronta POLIGLOTA — Rivadavia 831