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Jüdische Wochenschau · 1964-03-13 · 2055 (13.3.1964) · p. [Seite 4]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
25 (1964)
Issue
2055 (13.3.1964)
Date
1964-03-13
Page
[Seite 4] (sequence 4)
Language
German, Spanish
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Tfrni««, 13 de Marso de 1964 LA SEMANA Afio XXV. — No. 2*55 BEKENNTNIS ZUM JUDENTUM Abschied von Dr. Alfred Wiener Als der Schriftsteller Josej* Kîssel kürzlich in die im Jahre 1635 durch den Kardinal Richelieu gegründete Académie Française aufgenommen wurde, war es nichtdas erste Mal, dass ein Jude als Mitglied in diese berühmte Institution gewählt wordtn ist Aber Joseph Kessel ist der erste Jude, der siel\ in seiner Antrittsrede zum Judentum bekannte und als Sohn dee jüdischen Märtyrmvolke* vorstellte. Um Mitglied dieser exklusiven literariscl>;n Vereinigung zu werden, muss der Kandidat aussergewoanlithe Verdienste als Schriftsteller, Dichter. Dramatiker oder Historiker erworben haben. Die Mitglieder der Académie Française werden die ..Unsterblichen" genannt, denn ihre Namen ziehen für immer in die französische Literatur ein. und ihre Zahl beträgt immer vierzig. Nur das Ableben eines Mitglieds der Akademie ist der Anlass für eine Sonderkommission, einen Nachfolger zu wählen. Als Joseph Kessel jetât gewählt wurde, musste er die mit der Wahl verbundenen traditionellen Gepflogenheiten erfüllen. Er musste sich einen grünen Frack mit- Tr-sssen aus goldenen Lorbeerblättern anziehen, einen napoleonischen Zweispitz aufsetzen und ein goldenes. mit Platin besetztes Schwert umhängen. Schon bei der Beschaffung dieser Ausstattung kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Joseph Kessel und der Kommission, denn Kessel wollte auf keinen Fall den Zweispitz tragen, da dieser zu seiner kleinen Gestalt nicht passe. Ein Freundeskreis v-c-rhalf dem neuen Akademiker durch Aufbringung eines . Fonds, die recht kostspielige Ausstaffierung anzuschaffen. I Das übliche Schwert, das i die ,,Unsterblichen“ tragen,; hat zwei Sterne, die die I östliche und westliche Hemij , Sphäre symbolisieren. Kessel bestand darauf, dass er auf seinem Schwert auch einen Magen David haben wolle. Jeder neu? Akademiker, der im Falle des Ablebens eines der Mitglieder der Académie Française gewählt wird, muss in seiner Antrittsrede die Persönlichkeit seines Vorgängers würdigen, , dessen Stelle er einnimmt. Kess;! sprach also über seinen Vorgänger, einen Grat fen aus dem französischen I Hochadel, aus dessen Fai mille Monarchen, Prinzen und allerhöchste Würdenträger hervorgegangen sind. Diese Gelegenheit benutzte! er. um eine Parallele zu ziehen, wie sie noch nie im Saal der ehrwürdigen Akademie vernommen wurde. Er erklärte, dass er selbst ' nur ein armer Jude aus Osteuropa sei, ein Repräsentant der sechs Millionen Märtyrer des jüdischen Volkes, Trotzdem sei er jetzt zu einer der höchsten 1 Auszeichnungen gelangt, die j Frankrech zu vergeben habe, 1 und dies konnte nur in I einem Lande geschehen, in ' dem es keine Diskriminierung gibt, weil es ein Land sei. in dem wirkliche Freii heit und Gleichheit herrscht, i Als Kessel dies sagte, 1 erhob sich einer der vierzig! „Unsterblichen”, der Nobel-! preisträger François Mauriac, und begann zu applau- | dieren, und dieser Beifall steigerte sich zu einer Ovation für den Redner, wie sie unter der Kuppel des Saales wohl noch nie gehört worden ist. Es ist Sitte, dass die Rede eines neuen Mitglieds vom Präsidenten der Akademie beantwortet wird. Dieses Amt bekleidet heute Samson François, der in ¿einer Entgegnung mit grossem Takt auf den merkwürdigen Lebensweg Kessels hinwies und betonte, dass sein Vorredner es bescheiden unterlassen hab?. von einer Episode seines Lehens zu sprechen. Hier unterstrich der Präsident, dass Kessel zusammen mit seinem Neffen, der auch Schriftsteller ist, im zweiten Weltkrieg der französischen Résistance angehörte und sieh an den Kämpfen der Partisanen gegen die nazistischen Eindringlinge aktiv beteiligt hat. Obwohl er auf Kessels Bekenntnis zum Judentum nicht näher einging, so bat er doch am Schluss seiner Ausführungen die Anwesenden. Kessels Schwert zu betrachten, auf dem neben den zwei symbolischen Sternen ein ..in tausend funkelnden Lichtern leuchten der Magen David ‘ prangte. Joseph Kessel wurde in Argentinien als Sohn von . aus Sibérien eingewanderten Eltern geboren. von Dr. ALFRED HIRSCHBERG Philologe, Man liest die kurze Nachi war Philologe. Zeitungsricht vom Ableben Dr. Al-! mann. Propagandist. Mit fred Wieners, und eine tiefe i ihm gewann die innere und Traurigkeit erfüllt die See-; äussere Propagandarbeit des le. Ein Stück de« eigenen! CV einen neuen Aufschwung. Lebern; ist zu Ende. 44 Jahre I A5l3 wiener Deutschland ziehen an einem vorüber, . verliess in der Gewissheit, gute Jahre, schwere Jahre, (jaSS (jj<> Nazizeit bald vor- Zeiten der Gewissheit und j sein würde, aber dass Zeiten des Zweifelns. 44 Jah- ' es wjehtig sei, aue allen nur re lang war Alfred Wiener . erreichbaren Quellen Mate- Lehrer. Chef, Mitarbeiter, , rjai f(jr {jie Geschichte zuaber immer Freund. ‘ «ammenzutragen, damit die cs ist zu früh und der ( Menschheit durch die Kennt- Sehmerz zu tief, um Distanz j nis dessen, was geschehen, zu einer objektiven Würdigung eines Mannce zu finden, der es verstanden hat,! Loyalitäten in seinen Mitarbeitern zu erwecken. Es ist ■ die Minute der ersten Trau, j er. der Versuch, den Schock I zu überwinden, den die Nachricht ausgelöst, und in dem Bemühen, das Bild deis Toten andern sichtbar zu machen, ein wenig die Starrheit zu leben, die die eigene Seele erfüllt. t Kein Besuch in England; ohne ein Zusammentreffen mit Wiener. Der Schüler Paul Nathans, der Soldat i des Deutseh-Asien-Korps des Ersten Weltkrieges als der er Palästina kennen lernte, Abscheu vor einer Wiederholung gewänne, rief er 1934 die jüdische Informations, zentrale in Amßterdam ins Leben, die später, nach der Besetzung Hollands durch die Nazis, 1940 nach London verlegt und 1946 zur Wiener Library wurde. Dieses Informationszentrum spielte in der Propaganda der Alliierten in London und in New York, wo Wiener während des Kriege« einige Jahre verbrachte, eine Rolle, welche von den Regierungen beider Länder wiederholt anerkannt worden ist. die für ihre, moralieche Kriegsführung unzählige Male Material aus trat als zweiter Syndikus so. j dem Archiv der Wiener LL fort nach Kriegsende in den CV ein. um Ludwig Holländer zur Seite zu stehen. Er Pius XII. und die Juden Ueber diese« Thema haben I säcker. den deutschen Botben wir schon berichtet. Mit schafter beim Vatikan, die Rücksicht auf die Wichtig. 1 besagten, da«s er ..Kardinal keit dieser Diskuesion veröf- I Pacelli angesichts seiner fentlichen wir die nächste- | nazifeindlichen Haltung bei ANLAESSLICH DES 150. JAHRESTAGES SEIT DEM JUDENEDIKT VOM 10. JUNI 1813, dem Beginn der Emanzipation des bayerischen Judentums, erschien soeben im Dr. Olzog-Verlag (vorm. Isar Verlag) München und Wien das Werk von: STEFAN SCHWARZ: Juden in Bayern im Wandei der Zeiten mit einem Vorwort des bayerischen Ministerpräsiden, ten ALFONS GOPPEL. Es ist ein Buch, welches die Geschichte der Juden in Bayern aufgrund bis jetzt unveröffentlichten Aktesmaterials schildert. Namhafte Professoren und Historiker schreiben nach Ueberprüfung des Manuskripts: „Schwarz kann Anspruch darauf erheben, die erste erschöpfende Gestaltung des Judenedikts geschaffen zu haben“. — „Das Buch verdient ein Standardwerk zur Geschichte der Juden in Bayern zu werden.“ „Das Werk ist nicht nur lesenswert, sondern auch zum Nachdenken anrbgend.“ „Das Werk verdient die weiteste Verbreitung.“ LÜACH - (KALENDER) Freitag, den 13. März 29. Adar Sonnabend, den 14. März 1. Nissan Parschat WAYIKRA 3 B.M. I 1 — V 26 Paiechat HaCHODESCH 2. B. M. XII 1 — 20 Haftara Yecheskel XLV 16 — XLVI 18 Schabbat ROSCH CHODESCH NISSAN Sonntag, de« 15. März 2. Nissan Montag, den 16. März 3. Nissan Dienstag, den 17. März 4. Nissan Mittwoch, den 18. März 5. Nissan Donnerstag, den 19. März 6. Nissan Freitag, den 20. März 7. Nissan Sonnabend den 21. März 8. Nissan Parschat TZAW 3. B. M. XV 1 — VIII 36 Haftara Maleachi III 11 — 24 SCHABBAT HAGADOL Sonntag, den 22, März 9. Nissan Montag, den 23. März 10 .Nis«an Dienstag, den 24. März 11. Nissan Mittwoch, den 25. März 12. Nissan Donnerstag, den 26. März 13. Niißan BEDIKAT CHAMETT Freitag, den 27. März 14. Nissan 1. SEDER-ABEND Sonnabend, den 28. März 15. Nissan 1. TAG PESSACH Scnntag den 29. März 16. Nissan '2. Tag PESSACH — 1. Tag im Omer hende Meldung. (D. Red.) * Rom. — Die obige Frage wurde auf einer Konferenz behandelt, an der Juden und katholische Laienführer teilnahmen. Ak geladene Redner traten Monsignore Alberto Giovanetti vom Sekretariat des Vatikanstaates, Prof. Mario Toscana. Direktor der Forschungs- und Dokumentation« - Abteilung Jjchkeit des italienischen Auseenmij nisteriums, und Raphael ' Cantoni vom Jüdischen Weltkongi-ess, ehemaliger Präsident des Verbände« italienischer jüdischer Gemeinden, auf. Monsignore Giovanetti be. j zog sich auf die Polemiken! die das Drama „Der Stell-; Vertreter“ ausgelöst hat. Er stellte fest, daes man niej mandem das Recht abspre- : chen könne, an einer historischen Persönlichkeit wie : Pius XII. Kritik zu üben. : Aber, so fügte er hinzu, die-! ses Drama schmähe den; Papst, denn es gäbe keine j politischen Gründe für die I Haltung an, die er eingenom. men habe. Er berief sich auf den Widerstand des Vatikans gegen die Nazilehren und wies auf die Enzyklika de« Papstes „Mit brennender Sorge“ hin, auf die die Nazis empört reagierten, weil sie „die ganze Welt gegen den Nazismus“ beeinflusse. Hierbei betonte der Redner auch die antinazisti. sche Aktivität des Papstes. Prof. Tcecana schlug vor, das Sekretariat des Vatikans solle weitere Dokumente aus «einem Archiv veröffentlichen, um aufgrund dieser Dokumente beweisen zu können, dass die projüdische Haltung Italien« während des Krieges dem Einfluss des Vatikan« gehorchte. Er zitierte dokumentarische Un. terlagen, um seine Angaben zu untermauern, dass der Vatikan im Jahre 1940 die italienische Regierung er- «ucht hat, bei Hitlerdeutschland zugunsten von Geistlichen zu intervenieren, die in das KZ Mauthausen geschickt worden waren, ein Bemühen, das erfolglos blieb. Er verlas auch Instruktionen Hitlers an Weiz. seiner Wahl zum Papst Glückwünsche, jedoch nicht allzu herzliche, au«sprechen solle“. Raphael Cantoni würdigte die Anstrengungen de« katholischen Klerus, während der Besetzung Italiens durch die Nazis Juden zu retten. Dies sei, so hob er hervor, auf Veranlaesung Piu«‘ XII. geschehen, der die Geistaufgefordert hatte, brary empfingen. Bei der Vorbereitung für den Nürnberger Prozess und des Eichmann-Prozesses spielte die Library eine grosse Rolle, um nur die zwei bekanntesten Fälle zu erwähnen. Die Standardbüeher über die Nazi-Epoche beruhen auf Studien in der Lbirary, und „zu helfen, zu verstecken j und zu retten“. Er sagte, I die Art der von der Kirche , geleisteten Hilfe habe klar . bewiesen, dass dies keine : vereinzelten Aktionen wa-; ren. Er «chlc«s seine Rede; mit der Aufforderung zu gemeinsamer Arbeit für den Fortschritt ohne Berücksichtigung der religiösen Verschiedenheiten. Die Ausführungen Cantonis wurden von der Versammlung warm applaudiert. (ITA) die Anerkennungen in den Vorworten würden viele Seiten füllen. Wiener blieb, «o unerbitt. lieh er den Nazismus bekämpfte und ihn auszurotten sich bemühte, wo er in der Nachkriegszeit auch auftrat, der deutschen Kultur verbunden. Seine Hoffnung lag in der neuen deutschen Jugend, zu der er oft sprach und von der er erwartete, dass sie einer Wiederholung der dunklen deutschen Jahre entschlossen Widerstand entgegensetzen würde. Der verstorbene Bundespräsident Theodor Heuss, Freund Alfred Wieners noch au« der Weimarer Zeit her. überreichte ihm bei Gelegenheit eines Besuches der Library in Anerkennung seiner Bemühungen um Verständigung das Grosskreuz des Verdienstorden« der deutschen Bundesrepublik. Wir hoffen, dass die Zukunft der Wiener Library durch den Tod ihres Schöpfer« und Direktors nicht gefährdet ist. Diese einzigartige Sammlung von Material und Büchern ist eine Geschichtsquelle ersten Ranges. Im Laufe von 20 Jahren hat sich ein Mitarbeiterkreis gebildet, dessen Kenntnis des jüdischen Problems unersetzlich ist, unter ihnen der geßchäftsführende Direktor C. C. Aronsfeld, der Direktor der Forschungeah. teilung. Dr. Eva Reichmann- Jungmann, und die Bibliothekarin Ilse R. Wolff, deren Kataloge zur jüdischen Geschichte jedem Forscher und Publizisten unentbehrlich sind. Die Wiener Library verdiente, zu einem historischen Institut erklärt und als «olches Teil einer historischen Fakultät einer Universität zu werden. Das wäre die beste Ehrung, die diesem Manne zuteil werden könnte, der au« bescheidensten Verhältnissen sich emporgearbeitet hat und dessen Name zu einem Symbol geworden ist. ESTUDIO JURIDICO INTERNACIONAL Dr. Hardi Swarsensky ASUNTOS EUROPEOS EXCLUSIVAMENTE ★ BIS ANFANG APRIL VERREIST BUER0STUNDEN: DIENSTAG, MITTWOCH und FREITAG von 16—IS Unr T. E.: 83 - 2613 Dr. Günter Frey ASUNTOS ARGENTINOS Y SUDAMERICANOS Erbschaftssachen - Vertraege - Ver waltun gen - Miets-, Zivil- und Handelssachen. T. E.: 80 - 6930 ★ PUEYRRED0N 2190 ooq. Av. LAS MERAS

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