Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 25 (1964)
- Issue
- 2054 (6.3.1964)
- Date
- 1964-03-06
- Page
- [Seite 8] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/9616703-9614256-9614342--3228-9614350- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
o fifi ss _ FRANQUEO PAGADO Concesión 908 fc 5 2 5 £8 < o TARIFA REDUCIDA Conces-'ón 1629 Año XXV. ISRAELITA BUENOS AIRES, VIERNES 6 DE MARZO DE 1904 No. 2054 _ EL EJEMPLA en toda la República " 10.- PUETRREDON 2190 19 izq. T. E. 83 2613 Buenos Aires Streiflichter aus einem Prozess (IÍI): Auch er wusste nichts Auch die Zeugenaussage des Adjutanten Höcker des späteren Lagerkommandan. ten- Baer folgt der gleichen Linie, die sein Vorgänger Robert Mulka bei seiner Vernehmung eingeschlagen hat. Er bestreitet einfach alles. Er habe nichts gewusst. obwohl er der Adjutant des Lagerkommandan-! ten gewesen ist. Der frühe-! re Lagerkommandant Höss, j dessen autobiographische j Aufzeichnungen wir besitj zen, — (sie sind vom Insti- I tut für Zeitgeschichte her. i ausgegeben worden und in der Deutschen Verlagsau- stalt, Stuttgart, 1958 erschie- ' nen) —, ist von den Polen 1 hingerichtet worden. Der spätere Lagerkommandant ■ Baer. dessen Adjutant der Angeklagte Höcker -gewesen ist, wurde nach einer sensa- ' çtioneilen Suche durch die . Frankfurter: Staatsanwalt-! Schaft gefunden; er ist aber j Ai Untersuchungsgefängnis gestorben, sodess Höcker von dieser Seite keine Bêlaj stung zu erwarten hat. j Seine Antworten unterscheiden sich im Prinzip nicht von denen, die Mulka gegeben hat. Aber der Kreis! schlosst sich doch allmäh-! lieh um diese Ausreden, die die Adjutanten der Lager, kommandanten benutzten. Das zeigt die Vernehmung. Immerhin war Höcker, der 1944 nach Auschwitz kam, SS - Obersturmführer. Der Adjutant und Hauptsturmführer Zoller zeigt dem Neu. en die ..Oertliehkeiten“. Die Aufgaben des Adjutanten ,.waren klar. Ich kam ja aus dem Lager Lublin'“. Höss war im Dierstzimmer zugegen und fragte den neuen Adjutanten: ,So, Höcker. Sie sind hier nach Auschwitz versetzt. Wissen Sie auch, auf wessen Veranlassung?“ von JAKOB KATZ-ROGASEN res Los haben, hier in Auschwitz.‘ Ich fragte: Warum? Und er antwortete: ,Das werden Sie am eigenen Lei'be spüren“.“ Der Angeklagte entwickelte die Struktur des Befehlsaufbaus im KZ Auschwitz, und bemerkte vorab, dass er nie Befehle irgendeiner Art erteilte. Natürlich nicht! Jedes Lager hatte einen eigenen Lagerkommandanten, eigene Adjutanten, eigene Wachsturmbanne sozusagen eine geschlossene innere Verwaltung, so 6agt Höcker, Auschwitz I, das Stammlager Auschwitz II, das Vernichtungslager Birsef Kramer war für Birkenau, der Hauptsturmführer Schwarz für Monowitz zuständig, so ist es zu hören; Standortarzt war der Dr. Wirz. „Wem unterstand der dem?“ „Ja. der war wohl dem Standartenführer Nolling in Oranienburg unterstellt. Genau weiss ich da,s nicht.“ „Und von wem bekam er seine Anweisungen, zum Beispiel im Fall einer bevorstehenden Ankunft eines Häftlingstransportes und der damit verbundenen Seleki tim?“ „Da hat es wohl generelle Wo sind Bormann und Mengele! Frankfurt am Main. — Dr. Fritz Bauer, der Staatsanwalt des Landes Heißen, hat die Suche nach Hitlers Stellvertreter, Martin Bormar.n, in der ganzen Welt angeordnet, nachdem ihm mitgeteilt wurde, daso Bormann am Leben ist. Dr. B: uer erhielt diese Information von Werner Naumann, der mit Sicherheit behauptet, Bormann sei nicht von den Russen getötet worden, a’s er versuchte, aus dem unterirdischen Bunker Hitlers zu entkommen. Bonn. — Ein Sprecher deß Ausseuministeriums erklärte, dass der heutige Aufenthalt des KZ.Arztes Mengele, der sein Unwesen in Auschwitz trieb, den Behörden unbekannt sei. „Die Regierung Paraguays hat uns mitgeteilt, drßs er eich nicht in diesem Land aufhält“, fügte er hinzu. Auf die Frage, wo sich Mengele befindet, entgegnete er: „Wir wissen es nicht, aber wir suchen ihn.“ Mengele hat kürzlich durch seine Frau bei zwei deutschen Universitäten, die ihm seinen Doktortitel entzogen haben, Proteßt erhoben. (ITA) kenau; Monowitz das Arbeitslager. In den Lagern I und II befanden sich allein arbeitsfähige Häftlinge, die in den Rvstungsbetrieben beschäftigt waren, wie im Buna.Werk der IG-Farben. im Lager Monowitz auch. Birkenau war das Auffang- — „Nein“. — „Das hat der lager, jenes Lager, wo sich Sturmbannführer Weis« ge-.¿auf der Verladerampe mit einem Fingerschnicken das Schicksal der Unglücklichen entschied. macht!“ Höcker muss aber nun doch etwas ausholen. denn so bekannt ist der Herr Weiss heute natürlich auch nicht mehr, als dass der Vorsitzende nun Verständnis Anweisungen gegeben. Ich kannte sie nicht.“ Ein Staatsanwalt lächelte. Der ehemalige Adjutant Höcker gibt an. dass er vornehmlich mit der Ueberwa. chung des allgemeinen Schriftverkehr» beschäftigt war und mit der personellen Betreuung des Kommandanturstabes der Wachtruppe. ..loh bekam Weisungen in jedem Fall vom Kommandanten. Eine Befehlsgewalt becass ich nicht, noch nicht mal wie ein Kompaniechef.“ Der Vorsitzende Hofmeier sitzt wiederum vor einem ■ Nichts, was die Frage der Verantwortung oder der Teilverantwortung angeht. „Die Transportankündigungen, wer bekam die denn?“ „Sämtliche Transporte gingen beim Lager Birkenau! ein.“ | „Wer wurde benachrich- 1 tigt?“; „Das Fernschreiben, nehi me ich au, ging bei der . Fernschreibstelle ein und! wurde mit einer Ordonnanz j gleich zum Lage II (Birkenau) geschickt. Ich bekam keine Nachricht davon.“ „Haben Sie denn überhaupt nicht gemerkt, wenn ein Transport eintraf?“ | „Doch, ich hörte davon.! Aber wir bekamen über- I haupt keine Nachricht. Di-; rekt jedenfalls nicht.“ „Wer hat entschieden, wo die Leute aufgenommen wurden?“ „Das wird ja wohl in Oranienburg bestimmt worden sein.“ j '„Kamen denn niemals i Häftlinge ins Lager I zu Ihj nen?“ | „Das Stammla^er I rekrutierte sich aus dem Lager II.“ „Sie haben nichts anderes getan als Häftlinge aus dem Lager II übernommen?“ „Herr Vorsitzender, ich hatte direkt mit den Häfti lingen nichts zu tun. Der j Adjutant hatte grundsätzlich mit den Häftlingen nichts zu tun.“ mm Zu Beginn des Auschwitz-Prczesscs machte das Präsi dmm der Vereinigungen der Verfolgten des Naziregime (VVN> darauf aufmerksam, dass „viele der Nutzniessei des Massenmordes von Auschwitz heut^ wieder führende Positionen in der Industrie innehaben wie Diplominge nieur Faust, der 1941 als Vertreter der IG Farben von de: SS 3000 Auschwitz-Häftlinge anforderte und heute bera tender Bauingenieur ur.d technischer Mitarbeiter der „Ks ram-Chemie, Siershan/Westerwald ist.“ Unser Bild zeig Oberingenieur Faust von den IG Farben, der SS.Reichs führer Himmler die Produktionsanlagen seines Betriebes im KZ Auschwitz erklärt. 'Das Foto ist dem Buch „Der gelbe Stern“ entnommen das im Riitten Loening-Verlag Hamburg^ercchien., Zweiter Prozess gegen Doering (Wird fortgesetzt) „Wem unterstand der gesamte Lagerbereich Ausehwitz? Dem Kommandanten Baer?“ voll zu nicken vermöchte.! , "Ja' aber Höcker erzählt, der Sturm-! der Kommandant Stadtortal. bannführer habe sich vor! tester war' Er hatte sozusa‘ Tausende von Häftlingen gestellt. die ihm menschliches Verhalten auch bescheinigt hä'tten. „Ich wollj te damit zum Ai'ßdruck brinj gen. Herr Vorsitzender, dass ich aus solcher Schule ge¬ Seit jeher Unruhestifter gen die Verbindung einzelner Wehrmachtsteile zu koordinieren. Bei Luftangrif. fen und so.“ , Zu solchen Behauptungen! versteigt sich der Angeklag- 1 te, und dicts angesichts der . kommen bin. Höss sagte I Aufzeichnungen von Hößs! dann: .Sie werden ein schwe- I Der Hauptsturmführer Joj A uswüchse des Boykotts Jerusalem. — Die arabischen Länder haben beschlossen, der VI. USA-Flotte nicht die Erlaubnis zur Benutzung ihrer Häfen zu erteilen, wie die Zeitung „Al Jihad“. die inf transjordanischen Sektor erscheint, berichtete. Nach dieser Meldung haben die einzelnen arabischen Regierungen Beratungen untereinander gepflegt und diesen Beschluss gefasst, um ihrer Unzufriedenheit mit den Sympathie-Erklärungen fTir Israel Ausdruck zu geben, die von nordamerikanischen Führern und im besonderen vom Präsidenten Lyndon Johnson auf der kürelichen Tagung des Weizmann-Instituts in New York abgegeben worden sind. Bisher konnte eine Bestätigung dieser Nachricht aus offiziellen transjordanischen Quellen noch nicht erhalten werden. HTA) Paris. — In jüdischen Kreisen wurd-e die kürzlich« Nachricht mit Interesse zur Kenntnis genommen, dass der in Buenos Aires ansässige Delegierte der Liga der Arabischen Staaten, Hussein Triki, beschuldigt wurde, für den in letzter Zeit in Argen, tinien entfesselten antisemitischen Terror verantwortlich zu sein. Wie aus dießen Kreisen verlautet, ist bekamt, dass Triki vor dem Zweiten Weltkrieg Mitglied des tunesischen Geheimbundes Neo- Deßtour war. Nachdem die Nazis Tunesien betsetzten, trat dieser Verein aus seinem Versteck hervor und agitierte öffentlich mit Zustimmung der Besatzungßbehörden. A',3 nach dem Sieg bei Alamein der Vormaißch der Alliierten begann, so heisst es aus diesen Quellen, floh Triki mit seinen Leuten in von den Nazis besetztes Gebiet, um von dort aus gegen die Alliierten Propagan. da zu treiben. Er nahm auch in Berlin und Paris an der Gründung eines „Magreb“ genannten Büros teil. das Nordafrikaner leiteten, die in der Kriegsindustrj-a. der Achsenmächte tätig wa-‘ ren. Die Organisation Trikis kollaborierte aktiv mit arabischen Kreisen, welche mit dem Nazismus und im' be. sonderen mit Amin el Husseini, dem Ex-Mufti von Jerusalem. sympathisierten, der während des Krieges in Berlin lebte und ein enger Freund Hitlers war. (ITA) Alarm in Sao Paulo Sao Paulo. — Die Sicherheitspolizei ordnete den Schutz aller jüdischen Gebäude in Sao Paulo, einschliesslich des israelischen Konsulats an, da es in den letzten Tagen veischiedentlich zu antisemitischen Ausschreitungen gekommen war. Die polizeilichen Behörden sagten zu, alle Macs, nahmen zu verfügen, um eine Wiederholung der Vorfälle zu verhindern und die Attentäter dringfest zu machen. (ITA) Vor dem Bonner Schwur- ' gericht begann vor kurzem , der zweite Prozess gegen den i ehemaligen SS-Obersturm- 1 führer und Leiter der Krkr.i- ' nalpolizei in Sfogburg, Wil- I heim Döring (4®). Als Trapj penführer beim Binsatakom-! mando 8 der Einsatzgruppe; B im rückwärtigen Heeres- | gebiet der Ostfront soll Oering von 1941 bis 1942 an der Exekution von 669 Juden und mehreren sowjetischen Kindern in Borissow, Roslawl und in Schumjatschi \ beteiligt gewesen sein. Döring war im November 1962 von dem Bonner Schwurgericht zu sechs Jahren Zuchthaus wegen Beihilfe zum Massenmord verurteilt worden. Der Bundesgerichtshof hatte sfeinem Revisionsantrag entsprochen und das Verfahren an das j Bonner Schwurgericht zurückverwiesen. I 1941 wurde Döring dem j Einsatzkomrrando 8 unter j SS-Standartenführer Otto j Bradfisch zugeteilt. Er war , zunächst als Kt|fier zwischen Warschau\ünd Sr.olensk eingesetzt. Im Herbst 1941 erhielt er das Truppenkommando. Döring gab jetzt die Teilnahme an zwei Exekutionen im November 1941 in Roslawl und im Januar 1942 in Borissow zu, bei denen etwa 150 jüdische Bürger erschossen wurden. „Ich habe nicht selber mitgeschoesen. Meine Leute haben die Ersehiessung vorgenommen“, sagte der Angeklagte. Er gestand jedoch ein, gelegentlich auf exekutierte Juden geschossen zu haben. Düring will aktiv lediglich an Partisanenkä mieden beteiligt gewesen sein. Dabei hat er nach schien Angaben drei oder vier Menschen durch Genickschüsse getötet. Die ErschiesSurig von 16 sowjetische»' geisteskranken Kindern uid ihrem 14jährigen Betreuer in Sohumjatschi bestritt Döring energisch. Er sei erst nach der Tötung nach Schumjatschi gekommen. Bei früheren Vernebr ungen hatte siHi Döring allerdings weniger deutlich von diesen Verbrechen distanziert. „Mir war klar dass Unrecht geschah. Tjim Juden hatten nichts getan und hatten das gleiche Recht auf Leben wie wir”, sagte Döring. Der Angeklagte betonte, er sei durch den Führer - befehl, alle Gegner des Nationalsozialismus ^in Russland auszurotten, in schwere Gewissenskonflikte geraten. Er habe damals beschlossen, sich möglichst passiv zu verhalten. Eine Befehlsverweigerung wäre aber glatter Selbstmord gewesen. F3lls man sle^ geweigert hätte, an den Erschiessungen teilzunehmei}, würde man nur die Wahf zwischen Tod und Konzentrationslager gehabt haben. Jeder Rassenhass habe ihrn ferngelegen, sagte Döring. „Ich habe Gemeinschaftsabende mit meiner Truppe veranstaltet. Dabei wurde russische Volksmusik gespielt. Ausserdem hatte ich eine Leibwache von zehn Tartaren, die ständig .um mich waren.” Das 13 f er- Sehlussgeseti Bonn. — Das 131er-Schlussgesetz parslerte kürzlich im ernten Durchgang den Bundesrat. Dieses Gesetz soll angebliche Härten in der bisherigen Regelung beseitigen. Registro de la Propiedad Intelectual No. 735 104 Impreso en la Imprenta POLÍGLOTA — Rivadavia 831