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Jüdische Wochenschau · 1964-02-28 · 2053 (28.2.1964) · p. [Seite 8]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
25 (1964)
Issue
2053 (28.2.1964)
Date
1964-02-28
Page
[Seite 8] (sequence 8)
Language
German, Spanish
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o ¡a © 5 ii 33 r¡ i. s * ë Sä ô ïf g < U FRANQUEO PAGADO Concesión 908 TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 Año XXV. ISRAELITA BUENOS AIRES, VIERNES 28 DE FEBRERO DE 1964 No. 2053 EL EJEMPLAR j|Q . en toda la República *w ■ PUEŸRREDON 2190 1? teq. T. E. 83 2613 Buenos Aires Streiflichter aus einem Prozess (II): Keine Veranlassung zu fragen Die Befragung dos Angeklagten Mulka. der mehr als e*i Jahr hindurch der Ad. juiant des Lagerkommandanten von Auschwitz gewesen ist, führte zu weiteren Ueberraschungen. Nach Ansicht Mulkas war Auschwitz ein Schutzhaftlager. wo Staatsfeinde umerzogen wer. den sollten. E»3 sei allerdings nicht seine Aufgabe gewesen sich um die Häftlinge em kümmern. ..Wussten Sie nicht, dass dort Gaskammern waren?" Mulka, nach längerem Schweigen: ,,.Ia. aber ich hatte keine Veranlassung danach zu fragen. Ich möchte glauben. da«s e« auch keine Stelle gab. wo man hätte fragen können." ,,Der. Kommandant?“ ,.Er war eyn undurchsichtiger Mann: ich habe vermieden, ihn etwas zu fragen.“ ,.Warum haben Sie sich nicht nach Oranienburg gewendet. Sie waren doch schliesslich Gerichtsoffizier?“ Die wohl etwas rhetori. sehe Frage beantwortete der Angeklagte damit, dass er der hundertprozentigen Ueberzeugung gewesen sei. | „wenn ich diese Meldung i gemacht hätte, wäre es mein! Todesurteil gewesen.“ Mulka weiss zunächst nichts von der ..Sonderbe-; handlung“. meint, dies sei die Selektion von Häftlingen ' gewesen. Dann gibt er er- : regt auf zweite« Befragen zu: 1 ..Sonderbehandiung war Mord, worüber ich tief em- , pört war!“ ,,Warum hat man Sonder, behaudlung auf diese Befehj le geschrieben?“ Mulka antwortete, es sei eine geheime Reichssache | gewesen. ..Jedermann war mit dem Tode bedroht, der davon wusste.“ ..Woher wussten Sie davon?“ „Darauf kann ich keine Antwort geben.“ Mulka hat, wie er erklärt niemals Anweisungen zur Bildung von Exekutionskommandos gegeben, er glaubt, v«n JAKOB KATZ-ROGASEN dass solche Befehle vom; Reiehssicherheits - Hauptamt (RSHA) an die Politische; Abteilung der Geheimen Staatspolizei im Lager erj gangen sind. Drei- oder vier-; mal hat er Kenntnis gehabt vcu ankommenden Trans | porten mit jüdischen Haftj lingen. Auch wusste er,! dass man die nicht Arbeitsj fähigen zur Vergasung ausj sonderte. Woher er dies ge wusst habe? j ..Man sprach darüber. Aber ich habe niemals Dienst auf der Rampe ge- , macht.“! Er hat überhaupt nur , Preise kalkuliert und Arbeitskräft« eingeteilt und Personalien bearbeitet und den Kommandanten Höss | gelegentlich zu Empfängen begleitet. Er hat keine Kinj der im Lager gesehen, wohl! später davon gehört, aber »nie erfahren, wohin sie ge.; kommen sind; er weis« j nichts von der Vernichtung j der polnischen Intelligenz in Auschwitz; er kennt keine Stehzellen: weiss nicht« von Standgerichtsverfahren gej gen ,,Polizeihäftlinge“. Ein-; mal, ein einziges Mal. hat er ein von Himmler grün abgezeiehnetes rückläufige« Schreiben gesehen: eine Genehmigung zur Prügelstra. fe. Ja, und als das Furchtbarste empfand er, da«s inmitten dieses Lagers die Truppenbetreuung recht gut florierte, mit Theater, Kino und bunten Abenden. Ein Herr Knittel machte da«. Das gleiche Mann, der auch die Schulungsabende für die SS-Offiziere hielt. „Ja, konnte der das denn?“ meinte der Vorsit. zende. „Nun“, sagt der Angeklagte ..er war ein ] da«s täglich 250 Häftlinge! nackt in die Gaskammer geeines der berüchtigten Kon.; Stieben und dort umgebracht zentrationslager seiner Zeit.! wurden. Auch das aus Häft- Die Anklage wirft Mulka! Jln§en bestehende Leichenunter anderem vor, er habe! Kommando werde regelmä. als Leiter der Fahrbereiti ssl§ nach einigeti Wochen «chaft des Lagers auch , ur^T® ~r?.c^', . Fahrbefehle ausgeschrieben! Natürlich hielt der Vorsitum da« für die Vergasuni zende dem Angeklagten vor, gen benötigte Zyklon B nach i y'rol}fr f,r das a^ß wusste. alis^hu/it? 7ii fpQno»\rM’i'jz* \ Mulka bleibt dabei* er habe I da« ,,alles nur von aussen ¡festgestellt“... Niemals sei i er im Häftlingslager gewe- und habe an sie gerichtete, i se”- in der Kommandantur eini Man muss zugeben, dass Auschwitz zu transportieren. Mulka behauptete jedoch. er sei nie Leiter der Fahrbereitschaft gewesen i laufende Fernschreiben le.! diglich weitergegeben.! „Auch wenn darüber Ma-! terial für die Judenumsied- ' lung angefordert wurde?“, wollte Landgerichtsdirektor; Hofmeyer wissen.;,Wussten ' Si£. was Material für Judeni Umsiedlung bedeutete?“ —! I „Mord!" war die Antwort j! Mulkas, der auf die weitere ■ , Frage, warum er darti die! I Fernschreiben nicht in den I i Papierkorb geworfen habe, j j erklärte, er wäre dann we. j gen Verrats und Untreue ' „auf der Flucht erschossen“ : worden.! Bei seiner weiteren Befra-! gung gab Mulka zu, dass er 1 einmal der Frau eines Ju-; gen gegenüber während seiner Adjutantenzeit in Ausch witz über das dortige furchtbare Gesehen in aller Offenheit berichtet habe, da er ihr „sein mit Abscheu gediese Aussage und das gesamte Verhalten dieses Angeklagten ausserordentlich bedenklich sind. Der Adjutant des Lagerkommandanten von Auschwitz, unter dessen Befehl Millionen Menschen umgebracht worden sind, will das Lager nicht betreten haben. Er behauptet, er sei niemals in diesem Lager gewesen! Nicht allein diese Darstellung ist herausfordernd. Solches zu glauben und hinzunehmen, wird einem Gericht, wird der Oeffentlichkeit zugemutet. Mit dieser Methode der Verteidigung wird das auf rechtsstaatlichem Denken beruhende Verfahren ad ab-, surdum geführt. Diese Men-" sehen. die jeder Norm rechhsstaatlichen Denkens und Rechtes Hohn gesprochen haben, zeigen jetzt vor ihren Richtern, dass sie in Wahrheit ausserhalb jeder fülltes Herz“ habe ausschüt. i Rechtsordnung — selbst heuten wollen. Er hatte dieser j te noch — stehen. Frau unter anderem erzählt, I (Wird fortgesetzt) Blick in die Welt von HAROLD SCHWARCZ \ Der italienische Präsident Antonio Segni besuchte Pari«, wo er mit Charles de Gaulle wichtige Besprechungen führte die sich auch mit der Frage der Verständigung zwischen Frankreich und China-beschäftigten. — Jugoslawien klagte die Verewigten Staaten an. sieh in die Angelegenheiten anderer Länder einzumischen, nachdem die»USA die Wirtschaftshilfe zugunsten derjenigen Staaten ^einstellen, wollen, die Handel mit Kuba betreiben. — Auf Wunsch des Vizepräsidenten von Gabon intervenierten französische Truppen gegen eine Revolution, durch welche Präsident Leon M’Ba abgesetzt worderf war, der inzwischen wieder seinen Präsidententhro*-i ein. nehmen konnte. — In Bogota wurde die Verhaftung des früheren Diktators Rojas PiniHa angeordnet, weil er die ihm untersagte politische Tätigkeit wieder aufgenommen hatte. — Bs in die letzten Tage halten die blutigen Zusammenstöße auf der Insel Cypern an, obwohl Präsident Makarios sich energisch um einen Ausgleich der Inter, tissen bemühte. — Der regierende Bürgermeister von Berlin Wttly Brandt wurde zum Chef der Sozialdemokratischen Parlei in Deutschland gewählt. Er folgt dem kürzlich verstorbenen Erich Ollenhauer in diesem Amte. — Trotz entgegengesetzter Nachrichten halten die schweren Kmäpfe zwischen somalischen und äthiopischen Truppen an. Man vermutet, dass auswärtige Mächte die Gegensätze schüren. — Zentraijava, das einen Teil der indonesischen Republik bildet, ist von schwerem Hunger bedroht. Es zeigt sich einmal mehr, dass die Diktatoren, die sich in andere Angelegenheiten mischen wie Sokarno. »rieht in der Lage sind, die Probleme ihres eigenen Landes zu iösen.— Auf den türkischen Präsidenten Jsmet Inonö wurde ein Attentat verübt, da« fehlschlug. Der Prätsident 79 Jahre alt. — Von Seiten des Vatikans wird milgeteilt, dass der Heilige Stuhl rassische Diskriminierungen in jeder Form verurteile. — Die Balzan-Stiftung;, die zur Ehrung des Gedächtnisses des italienischen Journalisten Eugenio Balzan geschaffen'worden ist, sprach ihren Friedentspreis 1963 den Vereinten Nationer. zu, — Die Organisation der amerikanischen Staaten be. schuldigte Kuba, Angriffshandlungen gegen Venezuela vorgenommen zu haben. — Frage der Mentalitaet Gemeinsame Hilfs-Aktion von HORST WINCKLER und ist zur Zeit, wero ich! Spiegel , . ner letzten Ausgaben einen richtig unterrichtet bin. Studiendirektor irgendwo und für «eine Lehrtätigkeit offensichtlich ja wohl geeignet.“ I Sonst weiss er wenig von j Auochwitz. der Angeklagte 1 Mulka. vormals stellvertre- | tender Lagerkommandant I ausführlichen Bericht über Bayern veröffentlicht, der einen ausserordentlichen Rückhall gefunden hat. Hunderte von Zuschriften sind dem Spiegel zugegangen, Zustimmungen und Proteste in allen Tonarten. Da kann I man lesen: „Es steht ausser j Zweifel, dass der Verfasser des Artikels eine Sau i«t und der verantwortliche Chefredakteur eine Dreck- Vereinte Nationen. — Der Vorschlag, in dem Entwurf : sau...“ Den Höhepunkt aber einer Konvention über die Verpönung aller Arten von j dürfte die folgende Zulassischer Deskriminierung, die gegenwärtig das Thema schrift bilden: einer Debatte in der UN-Kommfcsion für Menschenrechj lhr ArtikeI ül>sr ßavern te bildet, aucn den Schutz ethnischer Gruppen zu berück. I läo( F Bo sichtigen, wurde vom Präsidenten der Bne Brit. Lgbel; den a“s. Es wird Zeit, dass i ur«er geliebter Franz.Josef Gegen rassische Diskriminierung Katz, unterbreitet. Katz präsentierte seinen Vorschlag sowohl im Namen, der Bne Brit wie auch namens des Board of Deputie« der englischen Judetibeit. die beide in dem Koordinatiöns Ausschuss jüdischer ' Organisationen vertreten sind, welcher beratenden Status vor der Kommission besitzt. Der Vorschlag -bringt klar zum Ausdruck, das« er die Ausdehnung der durch die Konvention gewährleisteten Rechte auf die sowjetische Judenheit bezweckt, ohne jedoch die Sowjetunion namentlich zu erwähnen. Mit dem Hinweis, dar« der augenblicklich zur Diskussion stehen, de Entwurf nicht auf „das Recht ethnischer Gruppen zur Ausübung erzieherischer Aktivitäten, einschliesslich die Unterhaltung von Schulen und den Unterricht ihrer eigenen Sprache" beinhaltet, wird auf die Unterdrückung der kulturellen Betätigung in jiddischer und hebräischer Sprache in Russland Bezug genommen. Das Schriftstück, das indirekt die Sowjetunion betrifft, betont ..die Notwendigkeit des Schutzes gegen die traurigen Erfahrungen der Gegenwart, in der eine ethnische Gruppe in einer au« vielen Nationen gebildeten Ge. fcellschaft der kulturellen Ausdrucksmittel 'beraubt wird, wozu der Gebrauch eigener Erziehungsanstalt'.'«) und ihrer eigenen Sprache zu rechnen ist.“ (ITA) Strauss Bundeskanzler wird, damit Ihr Sau-PreuBsen ausgerottet werdet. Ich schlage vor, alle Preussen bis einschliesslich Hannover in der Nordsee zu ertränken, die westlich Hannover wohnenden Stink - Preussen in der Hochöfen de« Ruhrgebiets zu verbrennen und die in Westberlin ansässigen Ober.sau-Preussen den Rus. sen zu übergeben. Wenn Ihr Tränentiere Mut habt, daryi druckt diesen Wur.isch aller Bayern in Euer Ketzerblatt.“ — Natürlich hat der Schreiber dieser Zeilen nicht den Mut gehabt, seinen vollen Nameti bekannt zu geben. Aber das ist nur ein weite- Das bekannte deutsche ] res Symptom bekannter Stüdienrat 1 Nadhric^ten ' Magazin ’Der! Feigheiten aller solcher i hatte in einer seij Maulhelden, die sich der typischen nazltstischen Phra- »seologie auch heute noch bedienen. Die Verbrennung von Menschen in Oefen ist diesen Leuten ebenso geläufig wie die Ausrottung von vermeintlichen oder tatsäch. liehen politischen Gegnern. An sich mag diese Kontrover«e. die sich ans der Spiegel-Reportage ergeben hat, kaum für die Deutschen in. teressant sein. Aber wo Hass blüht in deutschen Landen, da wird immer wieder der alte und der gleiche Jargon gesprochen, der mit dem Zusammenbruch des braunen Regimes keineisfsjlls überwunden wurde. Diese Mentalität stellt eine Bedrohung und Gefährdung des friedlichen Zusammenlebens unter Menschen und Völkern dar, da der glimmende Has« gegen die anderen (in diesem Fall heute gegen die ,Preus«en‘, gestern war es der Hass gegen die Juden) in offene Feindseligkeiten Umschlagen kann, wie wir es alle erlebt haben. Gewiss soll man nicht übertreiben. Diese wie andere Spiegel. Zuschriften mögen nicht unbedingt wesentlich oder kennzeichnend für die Lage sein, man soll hieraus keine verallgemeinernden Schlüsse ziehen, aber einfach unbeachtet lassen, sollte mau sie ebenfalls nicht, darin «ie zeigen eine nicht untypische Mentalität. Washington. — Protestanten, Katholiken 'und Juden haben «ich zu einer gemeinsamen Kampagne für die Verbesserung der Lage der armen Leute in Washington zusammengeßchlossen. Zu diesem Zweck bildeten sie eine Kommistsion, in der alle Glaubensbekenntnisse vertreten sind und d£Ten Ziel es ist. die öffentliche und «taatliche Unterstützung für die Befriedigung von „sechs kritiischen Bedürfnissen“ im Distrikt von Columbia zu erlangen. Die Repräsentanten der drei Religionen stellten fest, dass die heutigen Wohlfahrte.Prqgramme „absolut unangemessen“ seien. Die «echs kritischen Punkte sind: erstens der Einschluss des Distrikts von Columbia in das nationale Hilfsprogramm für Kinder arbeitsloser Eltern, zweitens eine 25prozentige Erhöhung der vom Staat gezahlten Unter. Stützungen, drittens die Errichtung städtischer Zentren für Kinder mittelloser Mütter, viertens die Erhöhung der Sozialfürsorger für zerrüttete Familien, fünftens eine „drastische Verringerung“ der vom Wohlfahrts. min;«terium beschäftigten Prüfer. Sechstens wird vor. geschlagen, die Zuwendungen an Familien, die arme Kinder adaptiert haben, von 50 auf 75 Dollar zu erhöhen. Moskau hilft Aegypten Washington. — Die Sowjetunion schloss ein Abkommen mit Aegypten über die Zusammenarbeit bei Atom, experimenten, wie Radio Moskau in seiner Sendung in arabischer Sprache bekanntgab. Nach Mitteilungen des moskauer Senders wild die USSR im Rahmen dieses Vertrages, der in Kairo unterfertigt w'urde, den Aegyp. tern bei ihren wissenschaftlichen Forschungen im Atominstitut von Inshas technischen Beistand leisten. Die Sowjetunion wird russische Wissenschaftler und Techniker nach Inshas entsenden, damit diese ihren ägyptischen Kollegen „ihre Kenntnisse und Erfahrungen“ zur Verfügung stellen. Der Rundfunksprecher hob hervor, dass das Atominstitut in Inshas mit Sowjet- Hilfe errichtet wurde, und fügte hinzu, dass „Russland auch anderen Ländern im Mittelosten, so z. B. Afghanistan, bei der Anwendung der Kernenergie zu friedlichen Zwecken Hilfe leistet“. (ITA) Registro de la Propiedad Intelectual No. 735 104 Imoreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 831

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