Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 25 (1964)
- Issue
- 2052 (21.2.1964)
- Date
- 1964-02-21
- Page
- [Seite 8] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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mm vv'is FRANQUEO PAGADO Concesión 908 lAftlFA REDUCIDA Conces on 1629 Año XXV. ISRAELITA BUENOS AIRES, VIERNES 21 DE FEBRERO DE 1964 No. 2952 EL EJE.tlPLAK en Joda la República PUEYRREDON 2190 1? laq. T. E. 83 2613 Buenos Aires STREIFLICHTER AUS EINEM PROZESS: Der Adjutant wusste nichts T>er ehemalige KZ.Adjutaiy Karl Luciwig Robert jViiGka, ehemaliger SS-ObersUtrmtfhrer und Adjutant des Kommandeurs des Konzen'tratic* slagers Auschwitz et klarte bei seiner Verneh. rnung: Er habe nichts gesehen und nichts befohlen. Im übrigen habe er sich davor gehütet. Fragen über die ihm zu Gehör gekommenen Tötungen von Gefangenen und deren Rechtmässigkeit zu steilen, denn er habe ..Verantwortungsgefühl gegenüber seiner Familie und vor sich Gelbst"* gehabt . . Mulka ist 1942 nach Auschwitz gekommen. Zunächst i l er Chef der 1. Kompir.ie de:-Wachstui mbannes, dann ..vertretungsweise, erinnerungsmöglich'' von Mitte; April an Adjutant das Kom- ' mandanter. Höss gewesen. Hö r, wurde von den Polen ver vielen Jahren gerichtet, ln seinem Amt als Adjutant wurde Mulka seinerzeit bestätigt. Er hatte diesen Posten mehr a's eit Jahr in. ik*. Dann wurde er wegen : defeitistischer Aeu «erungen verhaftet. Er gibt bereitwil- 1 ic über die Lagereinriehtungen Auskunft, bleibt aber dabei, dass er nichts gesehen-liabe, was in den Barak. ken oder im eigentlichen Lager vor 'sich ging. Trotz dieser genauen Lagerbeschreibung bleibt Mul-; ka dabei, dass er nichts davon wisse, was sich im Lager abgespielt hat. Er sagt: ,.F« mag unglaubwürdig erscheinen. Herr Vorsitzender, ich habe dieses Schutzhaftlager nie betreten!” Auf Vorhalten des Richters meint er. die Sorge um das Lager sei die Aufgabe das 1.; Schutzhaftlagerführers gej wc-en. Der Vorsitzende. I Landgerichtsdirektor Hofmeier. will wissen, ob Mulka 1 als Stellverrteter des Lager-! kommand; r.ten kein Interesse gehabt habe, zu erfahren, ' ob die Gefangenen men- I sehen würdig untergebracht geveeen «eien. ..Ich habe darüber keine Klagen gei hört!“! .AVer sollte sich denn und bei wem beklagen?“ j Mulka schweigt konsei quent, den Blick zu Boden | gerichtet. ..Wussten Sie etwas von I diesen grauen Gebäuden da'' auf der Karte?” i ..Nein!“ 1 ,.Sie wussten nicht, denn dies die Wirtschaftsgebäude; waren?“ j ..Nein!“ j ..Wussten Sie auch nicht. .,1 dass dort zwei Galgen standen?“ Nein: er wüste nicht, dass dort Menschen aufgehängt worden s ud im Hof der Wirtschaftsgebäude. Der Angeklagte weiss wenig. so gibt er weiterhin vor. Nur vom Fenster seine« Dienstzimmers aus sieht er gelegentlich aufs Lager. Zwei Fenster öffnen sich, dorthin, ein anderes zum Flu?« Sola. Die Unterkünfte der Häftlinge sind aus Stein, das hat Mulka bei gelentlichen Blicken aus dem Fenster erkannt. Ja. und d;nn v«n JAKOB KATZ ROGASEN waren da noch das Führerheim, die Schule, Wohnhäu- , ser, die Unterkünfte der Wachmannschaften. Mulka hat alles aufgezeichnet: ,,Ich habe es nach bester Erinnerung getan, um dem Hohen Gericht eine Anschauung zu vermitteln.“ Anschauung worüber? Wie das Lager aussah, ist bekannt; wie darin gelebt und gestorben werden musste, weithin auch. Welches aber war die Tätigkeit dieses Angeklagten,- des stellvertretenden Lagerkommandanten? Hess selbst schreibt. es sei ihm alles zuwider gewesen, er habe es ändern wollen, auch mter den Umständen gelitten. Mulka, natürlich hat auch er gelitten, weiss nichts über Einzelheiten, Massenmorde, nichts über einzelne Mordtaten, hat nie Zyklon B angefordert, nie Lastwagen zum Transport von Men,! sehen oder Gas bereitstellen la.sen, nie von Erschiessungen an der schwarzen Wand gehört, vor der xdie ermor- I cet wurden, die d'ie Gaskammern nicht ruhig und ohne ' Aufhebens betraten. Mulka hat nur den Widerschein der Feueröfen am nächtlii chen HirnmeT gesehen, und auc-h das nur sehr spät. | ,,Was hatten Sie denn für eine Aufgabe?“ wird er ge- , fragt, und es ist zu hören,! dass er zunächst die söge, nannte Ehrenkompanie führte (es hat nie etwas Besonde. , res vorgekommeu); und Eh. renkompanie hiesst sie. weil j ihre Mitglieder bei festlichen Anlässen und Beerdij gungen — von SS-Leuten. versteht sich — zu paradieren hatten. Trauerparaden im 1 Angesicht eines tausendfachen Mordes! Als Adjutant; ist Mulka, wie er sagt, für die Personalien der Wachmannschaften, für Beförderungen, für Wirtschaftsfragen zuständig. Auch ist er vorübergehend Gerichtsoffizier, hat sich in diesem Amt aber lediglich mit den Todesursachen „auf dei Flucht erschossener Häftlini gen“ zu beschäftigen. Und das auch nur zweimal. Die Führung eines Exekutionskommandes lehnt er ab. j Wie es denn komme, will da§ Gericht wissen, dass I Hiss ausgerechnet den weichsten und unzuverlässig- 1 sten SS-Offizier zum Stelli Vertreter mache. J | „Ich kann darauf keine 1 Antwort geben." Was er denn getan ha'be, als ihm in Unterhaltungen zu Ohren gekommen sei, dass einiges in Auschwitz I nicht mit rechten Dingen zu- ( gehe? „Ich sagte gar nicht«.! Ich war vorsichtig!“ [ „Wem wurde gemeldet, wenn hundert Leute zu Tode gekommen waren, zum Beispiel?“ „Ich weiss es nicht! Vielleicht der Politischen Abteilung.“ „Sie waren doch der Adjutant des Chefs. Also sein rechte« Ohr. Hat er niemals über diese Dinge mit Ihnen gesprochen?“ „Niemals. Ich war» pffenbar nicht sein rechtes Ohr!“ Mulka hat niemals den Ausdruck „Hasenjagd“ gehört; er hat, niemals davon gehört, da?« Häftlingen die Mützen.vom Kopf geschlagen wurden und dass, als sie liefen, sie auszuheben, die Schüsse fielen, durch die sie auf der Flucht umkamen; nie davon, dass sie zum Stacheldraht getrieben und kurz davor ebenfalls zusammengeschossen wurden. „Ich erinnere mich an keine besonderen Vorkommnisse. (Wird fortgesetzt) i Aus geheimen Aufzeichnungen London. — Der verstorbene Papst Johannes XXIII. führte ein geheimes Tagebuch, in dem er unter anderen Dingen von dem Zwiespalt berichtet, in dem «ich Papst PiusDCII. über die Frage befand, ob er seine Stimme gegen die Judenverfolgungen Hitlers erheben sollte. Papst Johannes XXIII. war zu jener Zeit Erzbischof Roncalli. Im Jahre 1943 trat er den Aufzeichnungen zufolge als Vermittler für den Grossrsrbbiner Erez Israels, den verstorbenen Rabbi Isaac Halevi Herzog, auf. Dieser hatte durch Erzbischof Rcncalli an Papst Pius XII. die Bitte gerichtet^ sich gegen den Antisemitismus Hitlers zu wenden. Pius XII. beschlcss jedoch, wie es in . dem Tagebuch heisst, sehr zu «einem Bedauern. Rabbi Herzog nicht im Vatikan zu empfangen, noch zu intervenieren. Erzbischof Roncalli traf später heimlich mit Rabbi Herzog in Kairo zusammen und richtete hierauf Schreiben an die katholischen Führer in ganz Europa, in denen er diese aufforderte, die Juden in den Klöstern ind bei katholischen Familien zu verbergen. Auf diese Weise konnten tausende jüdisch^ Leben gerettet werden. Das Tagebuch Johannes’ XXIII. befindet sich im Besitz von Monsignore Loris Capevilla, eines vatikanischen Würdenträgers, welcher der Testamentsvollstrecker des verstorbenen Papstesäst. Nach Angaben der Zeitung ..Souday “Epress“' wünscht er, daV Tagebuch Johannes’ XXIII. „nicht zü , seinen Lebzeiten“ zü veröffentlichen, (ITA) ' * i (3-_-1-- Heyde richtet sich selbst Belgischer Koenig in Israel Tel Aviv. — König Baudouin und Königin F. biola von Belgien trafen im Flughafen von Lud an Bord ei. nes Flugzeuges der belgischen Luftwaffe ein. Das Flugzeug kam £i« Transjordanien, nachdem es erst über dr« Meer hinausgeflogen war, weil die Transjordanier Einwand gegen einen direkten Flug nach Israel erhoben hatten. Der König und sein Gefolge. die zwei Tage in Israel bleiben, beabsichtigten. Israel durch das Mandelbaum-Tor zu betreten, nahmen jedoch Atstand hiervon, als die Transjordanier auch hier Schwierigkeiten machten. Präsident Salman Shazar empfing die Gäste im Flughafen, wo eine Ehrenkompagnie Aufstellung genommen hatte. Der belgische König fuhr im Auto des Präsidenten nach Jerusalem, während die Königin in einem anderen Auto mit Frau Shazar führ. Mitglieder des Jugendcrchestei« des Dorfes Ben Shemen, das diesen Namen zu Ehren der Gross. mutter des Königs, Königin Elisabeth trägt, hatten Königin Fabiola im Flughafen mit Blumen begrüsst. Das Gefolge des Königs, das aus seinen persönlichen Adjutanten, Dolmetschern, Sekretären und Pressemitgliedern besteht, fuhr in einem Konvoy von 18 Autos. Bei ihrer Ankunft in Jerusalem wurde das Königspaar von Bürgermeister Isch Shalom empfangen. Die Wagen durchfuhren die geschmückten Strassen bis zum Zionsberg. Dort besuchten sie die Abendmahls-Kirche und entzündeten sechs Kerzen in der Märtyrergrufc I zum Andenken an die 6 Millionen Juden, die während : j des Zweiten Weltkrieges von den Nazis ermordet wurden.! I Präsident Shazar gab ein ¡ Essen für die königlichen 1 . Gaste, dem auch Minister. i Präsident Levi Eshkol, ver- { ■ schiedene Mitglieder des j Kabinetts, Kncsset-Abgecrd- : I nete und Richter des Ober. , sten Gerichtshofes beiwohn-! ' ten.! | Hierauf besuchten der König und die Königin das Ge- I bäude der Hebräischen Uni.! I versität und besichtigten die Toten-Meer-Rollen, die ihnen I Prof. Jigal Jadin. ehemali-! ger Generalstabschef der , , Israel-Armee, der heute den I Lehrstuhl für Archäologie j an der Universität innehat, | erklärte. Prof. Jadin beglsi-; tete dann das Königspaar j nach Haifa, wo sie von Biir- , germeister Abba Chuschai empfangen wurden. I Neue Koalition? Tel Aviv. — Die Möglichkeiten für den Eintritt der Mapam in die Regierung erschienen geringer, nachdem Premierminister Levi Eshkol mit den Führern dieser Partei verhandelt hatte. Wie cs heisst, erklärten sich die Vertreter der Mapam wenig befriedigt von den Angeboten die von der Mapai für die Bildung einer neuen Koalition gemacht worden sind. — (ITA; Frankfurt am Main. — Dr. Werner Heyde, der unter dem Decknamen Dr. Sa. wade lebte und am 18. Februar in Limburg wegen der; Ermordung von 100.000 Geisteskranken während des | Zweiten Weltkrieges dem Gericht vorgefjihrt werden sollte, hat Selbstmord verübt. Er hängte sich in sei. ner Zelle im Gefängnis von Butzbach auf, in dem er seit August 1961 in Haft sass. j Heyde ist der dritte Kriegsverbrecher, der im Laufe Von anderthab Wochen kurz vor 4er Eröffnung seines Prozesses den Tod durch eigene Hand geübt hat. Nur wenige Tage zuvor wurde! der Selbstmord von Ewald düng von 15.000 Kranken abgeurteilt werden, denen im Laufe der sogen. Aktion T-4 in den Jahren zwischen 1939 frnd 1941 das Leben genommen wurde. Diese verbrecherische Aktion wurde von Hitler am 1. September 1939 angepj^jwet. Der „Führer“ gab den betreffenden Befehl in einem vertraulichen Schreiben an den SS-General Bouhler, den ,,Reichsleiter“ des Aussenministeriums. Darin hiess es. dass er „für unheilbar Geisteskranke den Gnadentod“ wünsche. Dieser Befehl war der Anfang einer „Jagd auf Verrück, te“, die zwei Jahre lang durchgeftihrt wurde. Die Bilanz der Aktion T-4 Peters gemeldet, der zuletzt : ergab 100.000 Tote. Ueber für die Sicherheit hochgestellter politischer Person. die Verurteilung der Kranken zum Gnadentod ent. lichkeiten Westdeutschlands ¡ schieden Dr. Heyde und Protest aus Belgien Brüssel. — In der belgischen Kammer richtete kürzlich der christlicfcooziale Abgeordnete Tindemans einen Appell an Aussenminlster Spaak, 'sich bei den führenden Sowjetpersönlichkeiten und inhbesonders bei Krutschew dafür einzu-set. zen, dar« das Los der jüdischen Bevölkerung verbessert werde. Katholiken und Antisemitismus Washington. — Rev. Philip M. Hanna, HilfsbijChof von Washington, erklärte bei einer Veranstaltung in der jüdischen Gemeinde „Adat Israel , ei^hoffe, da.« das Oekumenische Konzil die Diskission des Kapitels über die Juden fortsetzen werde. Er erwarte, so fuhr, te er aus. öass die kommende Tagung des Koizils die Erklärung abgeben werde, dar« „die Katholische Kirche das Erbe des jüdischen Volkes, des' abserwahlten Volkes Gottes, Übernomen hat“. Bischof Hanna fuhr fort, seiner Ansicht nach sei eine E-klärtng über die religiöse Freiheit wünschenswert, da sie den reaktionären Strömungen in der Welt einen Damm entgegensetzen würde. Er berichtete, dass die amerikanischen Bischöfe dicoe Massnahme bei den Konzilssitzungen unterstützt haben. Allerdings bestritt er, dass der Antisemitismus, wie ihn die Nazis predigten, von cten Lehren der Kirche inspiriert worden sei. Was in Wirklichkeit not täte so fügte ,ei hinzu, sei die Befreiung der Menschen von den Vorurteilen, die ihnen der Antisemitismus eingeimpft hat. (ITA) verantwortlich war und unter der Anklage stand, an den Judenausrottungen in Südrussland beteiligt gewesen zu sein. Und eine Woche vorher ging die Nachricht durch die Presse, dass Friedrich Tillmann, welcher sich ebenso wie Heyde vor dem Limhurger Gericht verant. Worten sollte, den Tod fand, als er au« dem achten Stock eines Hochhauses in Köln stürzte. Alle Anzeichen deuten darauf hin. dass es sich auch in diesem Fall um Selbstmord handelte, wenn auch die polizeiliche Untersuchung dieses Geschehens noch nicht abgeschlossen ist. Ein anderer der Angeklagten, der in dem Prozess ge. gen Heyde und Tillmann erscheinen sollte, der Rechtsanwalt Bernhard Bohne, ist im vergangenen August al!ß Westdeutschland nach Südamerika geflüchtet. Somit bleibt nur noch ein Ange. klagter in diesem Euthanasie-Prozess übrig, nämlich Hans Hafelmann, welcher das Amt eines diensthabenden Chef« der NSDAP im Aussenministerium bekleidete und dem vorgeworfen wird, an dem Gnadentod von 3.000 Ge'steskranken beteiligt gewesen zu sein. Bohne sollte für seine Mittäterschaft an der Ermor- Prof. Nitsche. Letzterer wurde 1947 im Dresdener Prozess verurteilt und hinge- | richtet. Hevde dagegen gelang es. sich bei Kri-egsen. de nach Schleswig-Jtoistein 1 zu flüchten, und dort lebte er in Flensburg unter dem falschen Namen Dr. Sawade, bis er 1961 verhaftet : wurde. Zugleich mit. der Aktion I T.4 starteten die Nazis eine andere Operation unter dem Namen 14-F-13, in der den Aerzten in den KZ-Lagern Befehl erteilt wurde, die an. geblich „Verrückten“ auszusuehen, die zumeist nichfc anderes als politisch Unerwünschte waren. Einer diej ser Aerzte rühmte sich in seinen Aufzeichnungen, er sei stolz, dass er ..an einemeinzigen Tag 180 Geisteskranke gefunden“ habe. Diese „Kranken“ «tarben in den Gaskammern. Die von Hitler befohlenen „Euthanasie“.. - Verfahren mussten eingestellt werden, da die öffentliche Meinung starke Beunruhigung zeigte und weil sich des weiteren Kardinal Graf von Galen, den man den „Löwen von Münster“ nannte und der als Gegner de« Nazi-Regimes hervor trat,, von der Kanzel gegen diese Morde wandte. -W Registro de la Propiedad Intelectual No. 735 104 Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 831