Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 25 (1964)
- Issue
- 2052 (21.2.1964)
- Date
- 1964-02-21
- Page
- [Seite 7] (sequence 7)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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Año XXV. — No. 2052 — 7 LA SEMANA ISRAELITA Viernes, 21 de Febrero de 1964 Theodor 'rUWrfS': PUEYRREDON 2190 1 St ♦ * T. E. 83-2G13 Heinrich Graetz an Moses Hess Nachrichten aus Israel Der italienische Verleger Feltrinelli in Mailand hat dem Kreiße jüdischer Forscher und Leser eine angenehme Ueberraschuttg bereite! indem er 46 bisher un. bekannte Briefe des Historiker«; Heinrich Graetz, die erst vof kurzem aufgefunden wurden, im wissenschaftlichen Jahrbuch sei. nes Verlages der Oeffentlichkeit zugänglich machte {Herausgegeben von Edmund Silberner. — Annali dell’Istituto Giangiacomo Feltrinelli, Milano). Felix Weltsch hat hierauf in seiner Arbeit Rom und Jerusalem — Nach 100 Jahren — im Bulletin des Leo Baeck- Instituts. Nr. 20, 1962 hingewießen. Die Originale ~ bis auf vier Stücke — befinden sich im Institut für Marxismus-Leninismus in Moßkau und erstrecken sich auiUdie Dauer von 11 Jahren/(1861 bis 1972). } Die Mailänder Veröffentlichung bekräftigt die durch die neueren Forschungen auf dem Gebiet der 'Vorgeschichte des Zionismus, fectgestellte interessante che, dass trotz der heftigen Kämpfe um die religiöse Reform, die den nationalen Beistand des Judentums gefährdete. niemals die Hoffnung auf die staatlich« Renaissance des jüdischen Volkes ganz versiegte. Selbst Persönlichkeiten wie Moses Mendelssohn und Gabriel Riesser vermochten ihr Interesse für Judenetaatsprojekte, die auch im deutschen Judentum auftauchten, nicht zu unterdrücken. Die jüdisch-nationale Gesinnung des Historikers Graetz, die sich in allen seinen Werken kundgab und im Gegensatz zu der Einstellung der offiziellen Kreise und der Mehrheit des deutschen Judentums seiner Zeit stand, war offenbar. Man wusßte auch, dass Graetz mit Mcrses Hess persönlich bekannt wurde. Aber erst aus den neu entdeckten Briefen ersehen wir, wie die Bekanntschaft zur Freundschaft gedieh und wieweit der grcßse Historiker mit den zionistischen Ideen seinee Freundes übereinstimmte. Hess’ ,,Rom und Jerusalem’ hat beide Männer zusammengebracht. Im Herbst 1861 verbrachte Graetz e'nige Tage in Leipzig, wo im Hauße des dortigen Rabbiners Dr. A. M. Goldschmidt drei Abende hintereinander das Manuskript deß Hessschen Buches gemeinsam gelegen wurde, daß auf Graetz einen ungeheuren Eindruck machte. Kaum nach Breslau zurückgekehrt, schrieb an den ihm persön. lieh unbekannten Hesc: „Noch ganz voll von Eindrücken und dem Gedankennachhall, welche die Lektüre Ihres Buches in mir wach, gerufen hat, setze ich mich hin, an Sie zu schreiben... Ich mag Ihnen nicht sagen, wie mächtig Form und Inhalt Ihre« Buches lhich so wie die übrigen Zuhörer ergriffen haben; es würde wie ein fades Compliment klingen ... Ihr Buch muss ein neues Ferment in den faulen Zuständen werden; das ist meine Ueberzeugung“. Graetz liess es aber nicht bei einer platonischen Er. klärung bewenden. Als Hess grcßse Schwierigkeiten batte, einen Verleger zu finden. von Dr. YOMTOV LUDWIG DATO tat er alles, um das Buch bei einem Verlag unterzubringen. Hess kam auf Einladung von Graetz im Frühjahr 1862 nach Breslau, wo er drei Monate blieb und wo eine tiefempfundene Freundschaft zwischen den beiden Männern entstand. Hier hatte Hess den ursprünglichen Titel seines Werkes „Wiedergeburt Israels“ nach einer eingehenden Beratung mit Graetz in „Rom und Jerusalem“ geändert. „Erinnern Sie eich“ — schrieb Graetz an Hess vier Jahre später —, „wie wir über den Titel des Buches getüftelt haben“. Durch die Bemühungen Graetz’ gelang es, daß Buch Mitte Juni 1862 bei Eduard Wengler in Leipzig erscheinen zu lassen. Hgsß berichtete glückstrahlend Bsefi^^rache lau seinem-, Freunde Joseph Hirßch Dtfnner, dem neu ernannten Rektor des Rabbinerseminars in Amsterdarh: vj,Von der beifälligen Auxwahrtne meiner -Schritt, in den hiesigen Kreisen können Sie ßich kaum eine Vorstellung machen, wenigstens sind meine Erwartungen bei weitem übertroffen. Mir hat der Himmel wunderbar beigeetanden, diese wirklich schwierige Aufgabe zu lösen“. Das Buch fand auch einen lebhaften Widerhall in der Presse, verkaufte sich aber schlecht. Ein Jahr nach der Veröffentlichung waren kaum 160 Exemplare abgesetzt. „Es liegt nicht am Buche, sondern vielleicht an der Neuheit des Gedankerß“ — schrieb Graetz an Hess. „Es hat sich erst i Bahn zu brechen. Verzweifeln wir nicht.“ Der Misserfolg des Buches konnte Graetz in seiner Haltung nicht wankend machen. Vier Jahre später, a’ß Hess daran ging. „Rom und Jerusalem“ in französischer §£ mache erscheinen zu lasset, war Graetz übe rav,; erfreut. ,-J)ie Hoffnung, die ich daran geknüpft, muss sich noch realißieren“ — schreibt er. Und tatsächlich lässt er die Hoffnung nicht sinken. Noch im Jahre 1868 heisst eß in einem Briefe: „Ihr oder unser ,Rom und Jerusalem’ reift doch seiner Verwirklichung entgegen“. Er identifiziert sich so weit mit den zionistischen Ideen des Buchse, dacs er es gewhßenmassen als ein ge. meinames Werk betrachtet. Das Band der Freundschaft zwischen den beiden Männern wurde noch fecter dadurch geknüpft, dass Hess es unternahm, den dritten Band der „Geschichte der Juden“ von Graetz, die Geschichte vom Tode Juda Makkabis bis zum Untergänge des judäischen Staates, ins Französische zu übersetzen, wobei es ßeine Aufgabe war. das Buch für das französische Publikum umzuarbeiten. Die Briefe sind überaus aufschlussreich und lassen die Period,e vor hundert Jahren lebendig vor uns erscheinen. Edmund Silberner hat die Herausgabe sehr gewissenhaft besorgt. Seine Erklärungen deuten auf eingehende archivalische Forßchungen hin. wobei die zeitgencßsische Presse und Literatur in reichem Masse herangezogen wurde. LANDWIRTSCHAFTLICHE PRODUKTION Der Wert der gesamten Produktion Israels im Jahre 5723 belief sich auf 1.118 Millionen IL, also um 17 Prozent mehr als im Vorjahr. WASSERFUND Bei einer Bohrung, welche die Gesellschaft Mekorot in der Nähe eines Kibbuz im Jerusalemer Korridor vornahm, sties-s man auf eine neue Wasserquelle. WASSERLEITUNG Anfang November wurde eine Wasserleitung von Röhren im Durchmesser von 12 Zoll von Chazor nach Safed fertiggestellt. Sie ist 2.600 Meter lang und wird Safed weitere, für die Entwicklung der Stadt benötigte Wasßermengen zuführen. Die Rohre zu legen war wegen des grossen Gefälls sehr schwierig und kompliziert, beträgt doch der Höhenunterschied zwischen der . Leitung übergab man sie I fler Gesellschaft Mekorot I zum Anschluss an ihr regio. i nales Leitungsnetz und zur j Inbetriebnahme. ENTWICKLUNGS- STAEDTCHEN Etwa 3.000 alteingesessene Bewohner des Landes, die einen produktiven Beruf ausüben, ließsen sich für die Ansiedlung in den Entwicklungsstädtchen regL strieren. Mit ihren Familienmitgliedern stellen sie die stattliche Anzahl von 9.000 Menschen dar. Bis jetzt haben sich bereite 1400 Familien die zusammen über 4.000 Seelen zählen, an ihre neuen Bestimmungsorte begeben. In dieser Zahl sind die 220 Familien, welche sich in Arad niedergelassen haben, nicht inbegriffen. KARMIEL Ende Oktober wurde der Bau ven 350 Wohneinheiten und öffentlichen Gebäuden Die Hauptstadt des Negew Pumpstation von Chazor in Karmiel in Angriff genommen. Mehr als 400 Familien haben sieb zur Niederlassung in diesem Entwicklungsstädtchen in Galiläa gemeldet, darunter viele Handwerker, die sich dort Werkstätten eröffnen wollen. und der Stadt Safed nicht weniger als 500 Meter. Nach Fertigßtellung der Beer Schewa war 1948 nur eine kleine Wüßtenstadt mit einigen Strassen, Militärbaracken, einer Polizeifestung und einer Handvoll Wohnhäuschen für englische Offiziere. Der Reßt bestand in primitiven Lehmhütten. Da gab es einige arabische Restaurants und Cafe,;, aus denen der Geruch gebratenen Hammelfleißehes drang. Die Einwohnerziffer war 3000, bestehend aus Beduinen mit ihren Kamelen, schönen Araberpferden und kleinen Eseln, die lässig über die ungepflasterten Stransen zogen, ein vergessener Ort im britischen Commonwealth, mitten in der weiten, staubigen Wüste. Als ich Beer Schewa wiedersah, war es von der ¡israelischen Armee beßetzt, die sonnigen, staubigen Strassen waren voll lachender, lärmender Soldaten mit ihren „Jeeps“. Obgleich ich nicht anders aussah als andere Soldaten, sammelte eich immer eine Menge Menschen um mich, denn an meinem Aermel hatte ich ein Abzeichen mit dem Wort „Militärkorrespondent“. Das hatten sie noch nie gesehen. In der Moschee warteten einige hundert mürrischer Kriegßgefangener auf ihre Ueberführung in ein Lager. Ein Soldat, der nur unga. risch und jiddisch konnte, war bereit, mich herumzuführen. Es war ein kleiner* blonder Bureche mit einem breiten Gesicht, der wie ein Russe aussah. Er führte mich auf die Spitze des Minaretts, wo ich einen Blick über die ganze Stadt biß weit in die gelbe Wüste hatte. Er streckte seine Hand auo’und sagte: „Sehen Sie diese Stadt! Ich kann mir denken, wie sie morgen, in ein paar Jahren aussieht. Es wird eine grofße Stadt sein, in der ec sich leben lässt. Der Ort hat eine Zukunft. Wen« der Krieg vorbei ist. möchte ich von MALKAH RAYMIST zurückkommen — und eine Eisfabrik hier eröffnen!“ Ich habe den kleinen Soldaten niemals wiedergesehen, aber ich denke an ihn, wenn ich in Beer Schewa bin. Die Stadt hat sich seit damals ausserordentlich ent. wickelt, was man am beeten zahlenmässig darstellt. Der Traum einer Eisfabrik ißt längst überholt. Beer Schewa stand von 1948 bis 1950 unter Militärverwaltung, und es war nur wenigen Zivilsten gestattet, sich dort anzusiedeln. Anfang 1950 wurde es eine eelb. ständige Stadt mit nur 2.000 Einwohnern. Der Einwandererstrom wurde nach Beer Schewa gelenkt, und am Ende desselben Jahres hatte es bereite 8.000 Einwohner — meist Leute aus den europäischen Lagern Heutzutage zählt die Stadt 57 000 Bewohner, ven denen allein 9.000 sich im Jahre 1963 dort niederliessen. Das einstige Stadtzentrum ist heute die „Altstadt“: die Mccchee, die Polizeistation, der Offiziersklub (eir.ct das Amt des Mititärgouvernuers) und eine Hauptstrasse mit Läden und Cafés. Die meisten Lehmhütten wurden abgerissen, und nun etehen an ihrer Stelle moderne Steinhäuser. Die ausgedehnten Wohnviertel mit Einkaufszentren, Banken, Kinos, Hotels und Parks haben den kleinen Kern der Altstadt längst überholt. 90 Prozent der Einwohner wohnen in Dauer Wohnungen. Autobusse laufen von einem Stadtteil zum anderen, und Eukalyptus- und Kiefernwäldchen sorgen für gesun. de Luft und dienen als Schutz gegen die Sandstürme. Obgleich es keine ausgesprochene Industriestadt ist beherbergt Beer Schewa bereite einige grosse Fabriken und etwa 80 Kleinbetriebe. Das grösste Unternehmen ist „Harsa“ (Keramische Werke). das das ganze Land mit Porzellaiigeräten versieht, die meist auc dem cl.vheimißchen Kaolin hergestellt sind. Die Textilindustrie von „Chorley“, ein von südamerikanischen Juden ins Leben gerufenes Unternehmen, kombinieren eine Spinnerei, Weberei und Fertigproduktion. Die chemische Fabrik „Machteßchim“ verarbeitet Produkt« des Toten Meeres, und hochmoderne Kornmühlen beliefern den ganzen Süden Ißraels. Da gibt «s Unternehmen für Baumaterialien: Fliesen, Ziegel, Stein usw. Kleinere Unternehmen fabrizieren Seile aus der im Negew angepflanzten Sisalfaser, Zigaretten. Süßsigkeiten, Möbel, Bekleidung usw. Auch grosse Tischlereien, Garagen, Reparaturwerkstätten usw. sind vorhanden. Es herrscht keine Arbeitslosigkeit in Beer Schewa* Neue Fabriken tauchen auf, und die beßtehenden Unternehmen vergrößern sich. Die Bautätigkeit geht ln einem selbst für Israel ungeheuren Tempo vor sich. Ganze Stadtteil« erstehen innerhalb weniger Monate auf dem Wüstenboden an der Peripherie und fügen sich in die Stadt ein. Das Verkehrs, netz dehnt sich ständig weiter aus. Da gibt es ein Krankenhaus für den ganzen Negew, das Hospital der Arbeitergewerkschaft, die Klinik der Antituberkulos« - Liga und ein Krankenhaus für Beduinen. Beer Schewa beßitzt 25 Grundschulen mit insgesamt 350 Klassen, und zwei höhere Schulen ’ Im ganzen besuchen 17.000 Kinder den Unterricht. Als Hauptstadt des Negew ist Beer Schewa das Verwaltungs- und Handelszentrum des ganzen Südens. Ein Strasoennetz verbindet es mit den umliegenden Kibbuzim, Oelquellen, Steinbrüchen. den Pottaschwerken vom Toten Meer, der Stadt Arad, sowie mit Dimona und Elat. Die Eisenbahn und weitere Landstrasßen verbinden es mit dem nördlichen Teil des Landes. Wenn die Eißenbahn nach Elat gebaut se:n wird, soll Beer Schewa ein wichtiger Knotenpunkt und teilweiser Ersatz für den Verlust dec Suez-Kanal für die israelische Schiffahrt werden. Beer Schewa besitzt zwei Luxushotelß, das „Sohar“ und den „Wüstengasthof“, die dem anspruchsvollen Gast aUe modernen Bequemlichkeiten bieten. Die Herberge der Jewish Agency nahe dem Ulpan (hebräi. sehe Kurse) nimmt 115 Familien auf, meistens Neueinwanderer mit intelektuel, len Berufen, die entweder Hebräißch lernen oder Dauerwohnungen suchen. Das Hias-Haus, eine luxuriöse Herberge, ist für Wissenschaftler gedacht, die meistens im Negew-Institut für Wüstenforschung arbeiten — eines der wenigen Institute seiner Art in der Welt KIRIAT SCHMONE Der Abschluss der Erdaribeiten und der Beginn des eigentlichen Baus des „Textil Kombinaten“ von Kiriat Schmone, in welchem im ersten Stadium nicht weniger als 18 Millionen IL investiert werden sollen, stellen in der Geschichte von Kiriat Schmone einen Wendepunkt dar. da sie eine grosse Erweiterung der Kapazität der Einordnung für Neueinwanderer bedeuten. Die Weberei soll zu Beginn 300 und im Endstadium 1000 Arbeiter beßchäftigen. In der Stadt wurde auch mit dem Bau von 100 weiteren Wohneinheiten begonnen. VON BEER SCHEWA NACH DIMONA Das Verkehrsministerium hat beschlossen, den Bau der Bahnlinie von Beer Schewa nach Dimcna zu beginnen. Es handelt sich um eine Strecke von 36 Kilometern. deren Konstruktion 9 Millionen IL kosten wird. Später will man dann die Linie um eine weitere Teilstrecke von 34 km nach Oron mit einem Kcßtenaufwand von 12 Millionen IL verlängern. Jabotinsky-Haus ...... . Ißraels Präsident Salman Hier besteht wenig von ln. j shazar schloss sich mit eiteresse für die Touristen,i die selten länger als ekle Nacht über in Beer Schewa weilen, um den Beduinenmarkt, das Museum und einige Nachtlokale zu besuchen. Die Intellektuellen der Stadt (etwa 1000 Angehörige freier Berufe, und ihre Zahl wächst zusehends) beklagen sich über den Mangel an Abwechslung, denn Konzert. und Theateraufführungen sind selten, aber für einfacheren Leute bietet Beer Schewa mehr; Jugendklubs, Kulturklubs, Sport, Vorträge, Kurse in Hebräisch und Allgemeinwissen, und sogar Vorträge der Hebräischen Universität. ner persönlichen Spende dem Vorhaben an, in Tel Aviv ein Jabotinsky.Haus zu errichten. Shazaiß Adjutant, Oberst Carmel, übergab dem Comité der Förderer des „Jabotinsky-Haußes“ einen eigenhändig vom Staatspräsidenten firmierten Scheck. Neue Frachter Haifa. — El Jam, die israelische Frachtechiff. Gesellschaft, kündigte an, dass sie zwei Schiffe von 40.000 Tonnen für Warentransporte in Auftrag gegeben hat. Die Frachter werden im Laufe von zwei Jahren ge- » liefert werde*, (ITA)