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Jüdische Wochenschau · 1964-02-21 · 2052 (21.2.1964) · p. [Seite 2]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
25 (1964)
Issue
2052 (21.2.1964)
Date
1964-02-21
Page
[Seite 2] (sequence 2)
Language
German, Spanish
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2 — Viera««. 21 de Febrero de 1964 LA SEMANA ISRAELITA AS« XXV. — No. 2652 Der grosse Umschwung (Schluss von Seite 1) Der Men«seh ist eine geschlossene Einheit, selbst wenn er innerlich noch so zerrissen ist. Sein Leben bildet eine Einheit. Man kann diesen Menschen und «sein Leben nicht zerschneiden in den politischen Menßchen, in den religiösen Menschen, in den geistigen Menschen, in den Menschen, der sich um seine Existenz bemüht. VieL mehr besteht der Mensch auß allen diesen Teilen. Deswegen ist es nicht möglich zu unterstellen, dass die Konsequenzen einer Haltung.. eineis religiösen Empfindens, einer intellektuellen Erkenntnis usw. 6ich ausein. ander halten lassen würden. Der Mensch ist gerade dann erst auf dem Wege der Per. sönlichkeitßgestaltung, wenn er zu einer Harmonie zu gelangen vermag. Was vom ekizelnen Menschen gilt, muss auch für die Gemeinschaft von Bedeutung sein. Die Annäherung der Glaubensbekenntnisse. die den Päpßten — aus welchen Gründen im. mer — vorschwebt, kann sich nicht nur auf di Diskussion religiöser Streitfragen erstrecken. In Wahrheit gehen die Tendenzen in eine entgegengesetzte Richtung: trotz vorhandener Differenzierungen, die weder aufgehoben werden kennen noch sollen, wird der Weg zu einer Annäherung aller menschlichen Kräfte gesucht. Man könnte diese Be. miihungen als eine Wiederbelebung eines echten, klas- Dr. FREY ABOGADO PUEYR REDON 2190 1® izq. nachm. 16—IS IJhr Telefon: -6930 REAL PEN Füllhalter REPARATUREN Spezialgeschaeft CORRIENTES 569 T. E. 49-5850 Jaime Liebling S. A. SPERRHOELZER H O E L Z E R DIAZ VELEZ 5224 Tel.: 89 9349, 33-9305 ßischen Humanismus bezeichnen, bei dem gerade die Besonderheit einer be. stimmten Religion nicht ins Gewicht fallen soll. Dieses Prinzip nähert sich — und der Vergleich wird hier mit allen Vorbehalten gezogen — der These von der .friedlichen Koexistenz“ verschiedener, pölitischer und wirtschaftlicher Systeme, wenn man auch hierbei kein Recht hat, von einem wirtschaftlichen Humanismus zu sprechen. Aber aus den beiden Bemühungen, die einen getragen von der päpstlichen Erkenntnis über die Notwendigkeiten einer neuen Zeit und auc der Erfordernis einer neuen Orientierung, um die bestehenden Krisen überleben zu kön. nen, und die andere getragen vom kommunißtischen Russland, das im Angesicht der Atombomben erklärt, man müsse Wege für ein friedlicher, Zusammenleben finden, erwachsen möglicherweise wirklich neue Kräfte zur Einkehr und zur Umkehr, wie sie auch unße. ren eigenen Vorstellungen entsprechen würden. Der hier gezogene Vergleich zwischen zwei sich extrem gegenüberstehenden Potenzen wie der geistigen Macht der Katholischen Kirche und der materiellen Macht Russlands geschah nicht willkürlich. Im übrigen ist die Kirche weder eine ausschliesslich geistige Macht, wie die Sowjet-Union keineswegs nur eine materielle Kraft darstellt. Die .Anbeter' des Kommunismus sind im Grunde genommen und bei aller zugegebenen Unterschiedlichkeit nicht weniger .gläubig' wie die Bekenner der Kirchen. Das haben die meisten vielleicht nicht begriffen. Papst Jo. hannes XXIII. hat es vercta.iden. Deswegen war er der erste westliehe Machtfaktor. der nach einem Ausgleich. nach einem modus vivendi mit dem Kreml strebte. Er hat den Schwiegersohn Kurtschewe empfangen, wogegen manche Katholiken wetterten und worin sie eine päpstliche Verirrung erblickten. Aber die,:-e Gegner der Wirklichkeit und ihres Papstes kannten die eigene Geschichte nicht. Denn aus einem Blick in die Vergangen, heit können wir lernen, dass Johannes XXIII. durchaus nicht der erste Papst war, der den Mut hatte, au,, gewissen geschichtlichen Gegegenheiten die Konsequenzen zu ziehen. Immer dann, wenn solche Folgerungen ak. zeptiert wurden, war die Kirche eine Macht. Blieb ßie in alten Irrtümern oder Verstrickungen hängen, verlor sie ihren Einfluss. Natürlich ißt die Kirche eine schwerfällige, langsam sich orientierende, in mancher Hinsicht reaktionäre Institution, die am Alten festhält, dem Neuen skeptisch gegenübertritt und die mit äussercter Vorsicht ihr Prestige und internationales Ansehen einsetzt. Als ein Organismus uui generiß hat die Kirche im Laufe ihrer langen Geschichte manche neu. en Erkenntnisse abgelehnt, die sie als Irrtum oder gar Ketzerei verworfen hat. Im letzten Augenblick hat siees dann mit einer nicht immer überzeugenden Eleganz verstanden, ihren Dogmenechatz mit den Errungenschaften der Wissenschaft in Einklang zu bringen. Aehn. liche Vorgänge spielten sich auch auf politischem, soziologem und ökonomischem Gebiet ab. Nehmen wir ais Beispiel das Phänomen der Französischen Revolution, jener Empörung de$ dritten Standes, des Bürgertums, gegen die beiden bis dahin ausschliesslich die Macht ausübenden Stände, Adel und Priesterschaft oder anders ausgedrückt: Thron und Altar. Die ganze Wucht der Revolution war gegen diese Zweiheit gerichtet. die biß zu diesem Augenblick die Völker Europas beherrschte. Jahrzehnte hindurch hielt die Kirche an der Legitim i. tat der Ansprüche fest, die von den hinter der Parole ,,Thron und Altar“ stehenden Mächten vertreten worden sind. Die Kirche stand auf der Seite der französischen Royalisten und aller ihnen gleich gerichteten Kräfte. Revolution und Bürgertum wurden abgelehnt. Die kirchliche Politik kooperierte mit her Vergangenheit und ignorierte mit den Neuerungen der Revolution die Realität des Jahrhunderts. A'ß die Kirche mit den republikanischen ..Bourgeois“ zu verhandeln begann, fühlten sich die um den ,.Thron“ gescharten Feudalherren selbstverständlich verraten. Die Enzyklika ..Mirari vos“ kündigte diesen Umechwung an. Papst Leo XIII. 1878 biß 1903) meinte zur royalistischen Bewegung: ..Ich identifiziere mich nicht mit einer Leiche, ausser mit der Jesu Christi“... Damit war die Umorientierung der ¡Küche erfolgt. Die Kooperation mit dem Bürgertum wurde eine Selbstverständlichkeit, die ßie aber vordem niemals geweßen ist. Katholische Theoretiker analysierten die ersten, noch vorsichtigen Schritte des Papstes Johannes XXIII. Sie kannten die Geschichte des Papsttums und der Politik, sich allmählich den historischen Gegebenheiten anzu. pafßen. um ,,sich nicht mit einer Leiche zu identifizieren“. Die Kirche hatte die Entwicklung seit den beiden Weltkriege aufmerksam be. obachtet. Sie musste sich wieder einmal mit völlig neuen Tatsachen konfrontieren. Russland, das kom. munistißche Russland, war. zumindest die zweite Weltmacht, und China... die dritte. Man musste erkennen, dass der Versuch der Eliminierung dieser beiefen Länder aüsßichtslcß ist. Seit 1917 wartete die bürgerliche Welt auf den Zusammenbruch des kommunistischen Regimes. Es war aber nicht zusammengebrochen. Bald 47 Jahre regieren die Kommunisten im ehemaligen Zarenreich. Man konnte ferner feßt. stellen, dass der ursprünglich. für den Kommunismus typische Kampf gegen die Religionen und Kirchen an Schärfe verloren hatte. Der polnfeche Ideologe des Kom. munismuß Schaff schrieb, dass „das Christentum in der Todesfrage und in der des letzten Lebenssinnec beseere Lösungen bereit hat als der dialektische Materialismus“. Die Ruseen griffen Schaff an. aber duldeten ihn. Die katholischen Experten meinen, ..dass die zweite Sowjet - Generation keinen Hass gegen die Kirche hegt“. Wie man einige Jahrzehnte zuvor die Folgen der Französischen Revolution zur Kenntnis nahm, zeigte sich Johannes XXIII. ge. willt. einer wiederum neuen Weltlage Rechnung zu tragen.' Man formulierte vorsichtig diese erneute Wendung: ..Auch den Feudal. ’ herren des 19. Jahrhundertr, 1 wurde von Rom natürlich i nicht sofort ein offizieller! Totei ßchein ausgestellt. Man arbeitete aber nicht nur j mehr mit der rechten feudalen Hand. — sondern auch mit der linken, der bürgerlichen. — Wieder ist es klar, darß Johannes XXIII. nun nicht mehr nur mit der rechten, der bürgerlichen, sondern auch mit der linken, der proletarischen Hand zu arbeiten begonnen hat“... Trotz der Opposition einflussreicher katholißcher Kreise, vor allem in Frankj reich und Deutschland, wur-! de der einmal eingeschlage. . ne Weg konsequent weiter I bsßchritten. ' Die Gegner-!-schaft gegen diese Annäherung Roms an Moskau trug einen rein politischen Charakter. wie auch die päpstlichen Entschlüsse einer ,,Arbeit mit der linken Hand“ ihren rein politischen Hintergrund hatten. Die füh. j renden Politiker der westlichen Demokratien befürchteten — natürlich mit Recht | — eine Stärkung der kommunißtischen Länder, sobald i sie beim Vatikan hoffähig | geworden sind. Dien musste I seine Rückwirkungen nicht; allein;.uf die katholischen I Bevölkerungen der Ostländer haben, sondern auch auf dies Katholiken im Westen. U. a. wird das Problem der | Zweiteilung Deutschlands dadurch entschärft, wenn | der Papst die Kommunisten; als Verhandlungspartner an- , sieht. Ende November 1962 mel- | dete die Katholische Presse-! Agentur in Wien: ,,Der Va. | tikan ist im Prinzip geneigt, j mit der Sowjet-Regierung ■ diplomatische Beziehungen i anzuknüpfen“. — Diese Melj düng war eine Sensation. Mit I der Aufnahme solcher Beziehungen wäre gewiss der Weltfrieden noch nicht gesichert. Aber ein weiterer Schritt zur friedlichen Koexistenz oder für einen mo. dus vivendi w'äre getan. Im Jahre 1790 hatte Papst Pius VI. feierlich die Erklärung der Menschenrechte verurteilt. Rund 100 Jahre hindurch war die Kirche dieser Linie der Ablehnung der Französischen Revolution gefolgt. Mehr alß 40 Jahre war der Kommunismus von der Kirche verdammt. Jetzt wird eine Möglichkeit gesucht, auch die Tatsache, dass es grosse und einflussreiche kommunißtische Mächte gibt, in das Konzept der Kirche einzube. I ziehen. Im Lichte der eigei nen kirchlichen Geschichte i während der letzten knapp 200 Jahre ist in diesem Haltungswechsel ein tiefgehen- I der politischer Umschwung i zu betrachten. Wahrßchein. | lieh hätte Frankreich daß \ rote Chine nicht anerkannt, wenn diesem Ereignis nicht | die neue Orientierung der | Katholischen Kirche voraus- | gegangen wäre. i Wir erleben also im der- ] zeitigen Stadium der Entj Wicklung eine viel weitgehendere Umstellung der in-! ternationalen Kräfte, als! dies auf den ersten Augenj blick der Fall zu sein | ßcheint. Frankreichs ,Husai renritt“ in den asiatischen; Osten entspringt ebenso we- ' nig einem leeren Zufall wie LA SEMANA ISRAELITA Semanario — aparece los Viernes. Editado por Estrellas Editorial Ltda. Verantwortlich: Dr. Hardi Swarsensky Pueyrredón 2190 1? izq. T. E. 83-2613 Abono Preise: Argentinien: $ 100.— pro Quartal Ausl. $ 600,— jährl. die Wendung, die der Vati, kan seit längerer Zeit vorgenommen hat, Neue Entwicklungen schaffen naturgemäss neue Realitäten. Das mag eine Binsenwahrheit eein. Aber manche Wahrheit braucht lange, um verstanden und ins politische Kalkül gezogen zu werden. Um beim Beispiel der beiden Hände zu bleiben, die dem Menschen gegeben wurden, so ist es nicht das erste Mal, dat?ß die Kirche ihre Hände nach verschiedenen Seiten ausstreckt, um aus einer Isolierung herauszukommen und irgendwann doch den Anschluss an eine neue Zeit, an neue Fakten und neue Gegebenheiten zu finden. Dies kann ßogar geßchehen, ohne sich selbst oder auch nur Bruchstücke der eigenen Ueberzeugung aufzugeben. Die Kirche kann es sich erlauben, mitunter zu spät zu kommen. Sie ist mächtig. Andere müssen darauf bedacht eein. ihre beiden Hände zu gebrauchen, rechtzeitig und in der Bereitschaft. mit Mut und Bedacht ihre eigene Position den neuen Konstellationen anzupas. sen, ohne sich untreu zu werden. In dieser Lage sind auch wir. Dr. BERNARDO GOLDSTEIN MEDICO Cardiología — Hospital Fernándoz Radio X — Durchleuchtung — Electrocardiogram me IM FEBRUAR VERREIST Vertreter: Dr. SANGUINETTI — T. E. 76 2406 Dr. HERSZKOWICZ 70 4484 y 701-3223 PR0PIEDADES FRANKENBERG S. R. L. jerät Sie kostenlos und inverbindlich beim Kauf oder Verkauf von GESCHAEFTEN WOHNUNGEN HAEUSERN VIRREY DEL PINO 2262 T. E. 73-7887 JUDITH SCHENKOLEWSKI KULTUSSTICKEREIEN Schabbosdeckec - TaUifibeutel - Käppchen - Maz zot-Taschen - Hand und Maschinenstickerei von Bett- und Tischwäsche Dr. P. L RIVERA 2585 (fr. Bebedero) T. E. 73-9155 JACOB LAPIDUS dipl. Mohel NEUE ADRESSE VIAMONTE 2037, 4» B. 46-1716 und 48 2124 Dr. J. P. Kroll Bieber INNERE MEDIZIN u. RHEUMATISMUS Arzt am Hosp. 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