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Jüdische Wochenschau · 1964-01-17 · 2047 (17.1.1964) · p. [Seite 8]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
25 (1964)
Issue
2047 (17.1.1964)
Date
1964-01-17
Page
[Seite 8] (sequence 8)
Language
German, Spanish
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i I o ac c .5 _ c < O FRANQUEO PAGADO Concesión 908 TARIFA REDUCIDA Concesión 1829 Año XXV. BUENOS AIRES, VIERNES 17 DE ENERO DE 1964 No. 2047 EL EJEMPLAR1A en toda la República PUEYRREDON 2190 19 tzq. T. E. 83 2613 Buenos Aires So waren und sind sie emma/ Wiss€nschaftu,MlAmtsaerzle Im grössten Kriegsverbrecher-Prozess gegen die Mörder von Auschwitz gab es bereits in den wenigen Verhandlungstage« eine reichliche Anzahl von Ueberraschungen. Einer der Hauptangeklagten, ein heute 68jähriger Mann namens Robert Mulka, der einst eine Art Vizekommandant des Lagers gewesen ist, kam auf die .gute Idee', einfach alles abzustreiten. Er wusste nichts. Er hatte offensichtlich keine Ahnung davon, was in dem Lager vorgeht, j in dem Millionen Menschen i den Tod fanden, was unbestritten ist: .Millionen. Aber dieser Mulka blieb dabei, dass er nichts andevon JAKOB KATZ-ROGASEN sehen, wi^.die Menschen im Lager lebten, ob sie gut untergebracht seien und ausreichendes Essen haben würden. Der ehemalige SS- Mann erwiderte, ihm seien oiema',3 Klagen bekannt geworden. In diesem Stil entwickelte sich die Vernehmung. Schliesslich bemerk te der Angeklagte, er sei der Auffassung gewesen, in Auschwitz werden die Feinde des Staates einer erneubegreifen, der stets von den meisten Kriegsverbrechern auch vorgetragen worden ist. dass sie ja nicht aus eigener Initiative handelten, daßs sie einem Befehl gefolgt seien, den sie für verbindlich anisahen, oder dass sie gezwungen waren, die von ihnen geforderten Taten zu vollbringen, auch wenn sie selbst diese nicht gewollt, sondern gar verabscheut hätten. Auf dieser ten Erziehung unterworfen...! Skala der Entschuldigungen Schliesslich musste dieser | Mulka zugeben, dass er doch j davon gewusst habe, dass j dfft Menschen in Auschwitz j ermorcjçt werden, wenn er : res als ein unschuldiger Zu-'*'"SeHiSL-inatürlich — auch schauer gewesen sei, der nicht:Lifemit zu tun gehabt vor allem ■ ihm? j»uen; weder eine Gas- Verbrechen^fWtbfT "genom-gesehen noch bei men nabe. Als Mulka di^Se^der Ausrottung der Gefange- Erklärung abgab, konnte nen mitgewirkt hat. man ein ironisches Lächeln ■ Aus der Haltung der Mitbei allen seinen Mitange- 1 angeklagten bei der Verneharbeiteten die Mehrheit, um der gerechten Strafe zu entgehen. Gewiss sind die meisten deutschen Gerichte, die sich mit der Ahndung der Kriegsverbrechen beschäftigten, davon ausgegängen, dass in all diesen Fällen kein echter Befehlsnotstand Vorgelegen habe, zumal das Verbrecherische ihrer Handlungen, die Ermordung von j Kindern, Frauen und Wehr- | losen, allen Tätern ohne wei- : teres hätte bewusst gewesen sein müssen.! Vielleicht will dieser Mul- ■ ka schlauer gewesen als die anderen sein. Aber diese! .Bauernschlauheit' wird ihm, , wie wir annehmen, nicht | viel helfen. Offensichtlich ’ denkt er, Leugnen ist besser | als sich auf ein Risiko einzulassen. Wenn er bestreitet, überhaupt dabei gewesen zu sein, braucht er sich . nicht auf die Frage des Vor- , liegens von Befehlsnotstand ( einzulassen. Die Rechnung ■ wird kaum aufgehen. Der I Versuch des Mulka zeigt nur; die Verworfenheit und Feigj heit jener, die einst in ih | ren schmucken Uniformen | einherstolzierten und mit 1 ihren Peitschen auf Wehrloj se einhieben, heute aber um , ihr kümmerliches Dasein zittern. So waren und so 1 sind die Nazis: feige. klagten beobachten. Aber dieser Mulka hatte die Stirn mit seinen Behauptungen wederzugehen und zu erklämung dieses Verbrechern konnte man ohne weiteres auf seine Mitschuld schliessen. Denn die angeklagten ren. er habe niemals seinen \ SS Leute sind Komplizen; Fuss in den Teil des Lagers sie alle haben... gemeinsam gesetzt, wo sich die riesigen _ und mit vielen hundert Anlagen der Garskammern . anderen Verbrechern die ihbefanden. in denen Millionen | rer Strafe^jgfeer entgangen Frauen, Männer und Kinder sind, — clie furchtbarsten einen quaivollen Tod fanden. | Schandtaten der Weltge- Dass Mulka damit niemals etwas zu tun hatte, wurde von seinen Mitangeklagten und früheren Kameraden mit Lächeln und Summen aufgenommen. Mulka wusste einfach garnich'.s, auch nicht von.jenen Massener; schiereungen, die von di SS oder unter deren Leitung und Kontrolle in und f>ei Auschwitz durchgeführt worden sind. Mulka selbst meinte, es würde zwar unglaubwürdig oder unglaublich klingen, dennoch „bin ich niemals ins Hauptlager gegangen“. Bei dieser Bemerkung verlor der Vorsitzende seine Ruhe. Dag war nun doch zu viel. Der Vorsitzende fragte, ob er denn kein Interesse daran gehabt habe, einmal zu schichte begangen oder bei ihrer Durchführung in irgendeiner Form mitgewirkt. Aber sie sind nicht nur in gegenseitigem Verhältnis Komplizen; sie sind Mitwisser, sie könnten Zeugen sein,;rji*-denn sie kennen eich alle un- «3Sh< tereiiander und haben nicht '.vergessen, was sie alle gemeinsam und was jeder von ihnen getan hat. — Die abstossende feige Haltung. diesesWulka, ' in dessen ifa«#,*'‘<eriilmal auch die Entscheidung übetf -Leben oder Sterben von v.ielen Menschen gelegen hatt wirft die Frage auf, wie es'überhaupt möglich ist, das: geklagte noch nicht eil Blick in die Welt von HAROLD SCHWARCZ _____ polnischer Vorschlag, der von den Russistlklanziert,"zumindest aber unterstützt worden ist, verlang? eine atomwaffenfreie Zone für Mitteleuropa. Wie weit ein solcher Plan mit den amerikanischen Vorstellungen im Einklang steht, blei'bt abzuwarten. — Wenige Tage vor dem Besuch des Chinesen Chou En- Lai in Ghana wurden in der Hauptstadt dieses Landes, Accra, ein Attentat auf den ghanesischen Präsidenten Kwame Nkrumah verübt, das grosses Aufsehen erregt hat. Das Attentat blieb ohne Folgen. — Jetzt meinte der kubanische Diktator Fidel Castro, dass er mit dem ermordeten USA-Präsidenten Kennedy zu einem Einvernehmen hätte gelangen können. — Nach Moskau kehrte Nikita Krutschew zurück, nachdem er bei seinem Besuch in Warschau die Einzelheiten eines gegen den Westen gerichteten Feldzugs für den Friede« mit seinem polnischen Satelliten besprochen hatte- Die" Bahamas-Inseln erhielten ihre völlige Unabhängigkeit von der englischen Krone. Auf dieser Inselgruppe, die dem nordamerikanischen Kontinent und der kubanischen Küste vorgelagert ist, leben 170.000 Menschen, die nun ihr eigenes Parlament vomÄ, Mitgliedern und 011 W.: — In der bekannten amerikanischen Woehen- | zeitung „Aufbau“ erschien in der Beilage ,Die Wiedergut- | maehung' ein interessanter Artikel über das Thema: Hie Wissenschaft — hie Amtsärzte. Unter Hinweis auf verschiedene allgemein bekannte Tatsachen wird hervorgehoben, dass die amerikanische Wissenschaft die Frag® der psychiatrischen Nachwirkungen politischer Verfolgungszustände von vorneherein in dem richtigen Verhältnis von Ursachen und Folgen erfasste, während sich die deutsche Wissenschaft erst langsam zu solchen Erkenntnissen durcharbeiten musste. Die Gründe dieser wissenschaftlichen ,Spätfolge' seien in politischen Vorurteilen, in sozialen Launen und in der Verbindung mit dem Entschädigungsprogramm zu suchen. Der Spuk der Rassentheorie habe noch Jahre nach dem Kriege ebenfalls als Spätfolge des Nazismus die deutsche Verfolgungsschaden-Medizin nachträglich beeinflusst. Ebenso habe die meist schematische Uebertragung ärztlicher Erkenntnisse auf dem Gebiete der Unfall- und Versicherungsmedizin, auf die Verfolgungstatbestände lange Zeit hindurch zu einer völlig verfehlten Beurteilung der durch die Verfolgung bedingten Leiden geführt. Hier sind nur einige wenige Gesichtspunkte aufgezeigt, die in einer übergrossen Anzahl von Fällen zu einer absoluten Fehlbeurteilung durch die praktizierenden Aerzte (Amtsärzte) und die sogenannten Vertrauensärzte der Entschädigungsämter im Ausland geführt haben. Unzweifelhaft ißt die Durchforschung der Zusammenhänge zwischen der Verfolgung und den psychischen Spätschäden in die Hände der Medizinalbürokratie gefallen, worauf ebenfalls in dem hier zitierten Artikel hingewiesen wird. Demgegenüber hat ein glänzender Gelehrter in einer deutschen Fachzeitschrift folgendes festgestellt: „Gerade in der Beurteilung der Auswirkungen extremer I Verfolgung (KZ Haft) auf den Gesundheitszustand des! Ueberlebenden hat sich im Laufe der Jahre gezeigt, dass : die üblichen Masstäbe und Grundlagen der medizini-; sehen Beurteilung unzureichend und sogar falsch gewe- sen sind“. — | Deswegen dürfte die längst erhobene Forderung der; Wiederaufrollung' aller abgelehnter Gesundheitsschäden | md die erneute Untersuchung der Verfolgten durch ge- I eignete Aerzte, die nicht nur das Vertrauen der Aemter, I sondern auch das der Verfolgten gemessen, mehr als ' geboten sein. Leider aber haben bei der Behandlung dieser Probleme hinter den wissenschaftlichen Argumentationen sehr häufig sehr reale Ueberlegungen gesteckt, die von den Aerzten verlangten, auch die fiskalischen Gesichtspunkte dieses Problems nicht unberücksichtigt zu lassen. So sagten jedenfalls diese Aerzte.. Von der Kairoer Konferenz einen aus 15 Personen bestehenden Sw aben werden. Bitschaft des USA-Praesidenten Washington. — Die Aufhebung der diskriminatorischen Schranken gegen die Einwanderer in die Vereinigten Staaten wurde von Präsident Lyndon John-', sen in seiner Botschaft über den Stand der USA ge-', fordert. Dies bedeutet, dass der Präsident das Gesetz befürwortet, welches eine Aenderung des bestehenden „Quoten-Systems“ vorsieht. Johnson führte zu dieser Frage aus: „Wir müssen auch das Gesetz atschaffen, das diskriminatorische Schranken gegen jene aufrichtet, die in unser Land kommen wollen, im besonderen diejenigen, die wertvolle Kenntnisse und Berufe besitzen und jene, die sich mit ihren Familien vereinigen wollen. Wenn Menschen mit Vorrang behandelt werden sollen, so müssen wir als eine Nation, die von Einwanderern aus allen Ländern gebildet wurde, diejenigen, die um Aufnahme ersuchen, fragen, .Was kannst du für unser Land tun?', aber wir dürfen nicht die Frage stellen, ,In weichem Land hast du geboren?'.” (ITA) GESETZESAENDERUNG VERLANGT Washington. — Senator Abraham Ribicoff (Connecticut) forderte vor dem Subcomite für Einwanderung nd Einbürgerung eine Reform der Immigrationsgesetze. Er nannte das seit 1924 angewandte Quoten-System „ein Muster für Diskriminierung, das unser Bild in der ganzen Welt verunstaltet“. Er verlangte die Abschaffung der alten Gesetze zugunsten eines Systems, das die Zulassung von Personen beschleunigt, die über beseudere Fähigkeiten verfügen, welche der amerikanischen Wirtschaft zugute kommen können, sowie derjenigen, die sich mit ihren Familien zu vereinigen wünschen. Seine Forderung wurde von Senator Hart (Michigan) unterstützt. (ITA) den Mut aufbringen, zifih-'l Als Christoph Kolumbus Amerika gntdeéïÊte, entdeckte re« Taten zu stehen. Jtan «er in Wirklichkeit die zur Bahama^ruÿbe gehörende Inkönnte noch den Einwknd ¡^el San Salvador^Xheute Watling genannt). — Zu einem Konflikt zwischen den Alliierten führte die Bereitschaft Grossbritarniens, eine grosse Anzahl von Autobussen an Kuba zu verkaufen. — \ General Charles de Gaulle feierte sein fünfjähriges Ajhtsjubiläum als Präsident Frankreichs. — Eier indische Ministerpräsident Nehru hat seine Tätigkeit auf ärztlichen Rat unterbrochen. — Im Parlament der Deutschen Bundesrepublik erklärte Finanzminister Dahlgrün, dass annähernd ein Drittel dès gesamten Staatshaushalts für Verteidigungszwecke vorgesehen sei, nämlich 20 600 Millionen DMark. — In algerischen Städten kam es erneut zu Kundgebungen gegen die Regierung Ben Bella, die mit schweren Gewaltmassnahmen die Demonstrationen unterdrückte. ( Ein Brief an den Papst I New York. — Wie die new- 1 yorker Zeitung „Chelsea | News“ berichtet, wandte! sich kürzlich der zum Ju-! dentum konvertierte Japa j ner Prof. Abraham S. Kot-! suji an Papst Paul VI. in eii nem Schreiben, in welchem er ihn bittet, die letzten Ueberreste antisemitischer Tendenzen in den christlichen Gebeten aiwzumerzen. Der japanische Proselyt, welcher einer uralten Priesterfamilie der Shinto-Religion entstammt, wurde im Sommer 1960 in New York als Rabbiner anerkannt. Er hatte sich schon jahrelang vor seinem Uebertritt zum jüdischen Glauben in die Fundamente des Judentums vertieft. In seinem Brief an Papist Paul VI. bemerkt Prof. Kotsuji. er habe ursprünglich. an’ den früheren Papst Johannes XXIII. appellieren wollen. Das Schreiben erwähnt auch die spanische inquisition, die vom Heiligei Stuhl gefördert wurde, und den durch Christen begangenen Massenmord an sechs Millionen Juden in Europa während des Zweiten Weltkrieges. (Schluss von Seite 1) | Plan vorgesehen ist.“ Der. Ministerpräsident machte ’ diese Erklärung in einem Interview mit der Zeitung „Jediot Achronot“. Er gab der Erwartung Ausdruck,! dass die in Kairo versammelten arabischen Staats- , männer logisch denken und j keine abenteuerlichen Be i Schlüsse fassen würden. Er erinnerte daran, dass der Johnston-Plan für die Verteilung der Jordanwasser zwi- | sehen Israel und den arabi-; sehen Nachbarländern durch j Verhandlungen mit allen inj teressierten Regierungen | aufgestellt wurde. Hierbei ■ wies er auf die Tatsache hin, j dass die Vereinigten Staaten ' Transjordanien gresse Sum. ' men zur Verfügung gestellt haben, damit es sein Projekt zur Umleitung des Jarmuk, eines Nebenflusses des Jor- . dan, realisieren könne und | hierdurch Israel schon viel j Wasser entzogen worden sei.! . Er bemerkte, dass der Lauf , des Jarmukflusses umgeleij tet sein würde, Sobald die i Trarsjordanier ihren Plan i durchgeführt hätten. Auch I Syrien, so fügte er hinzu, ‘ entnehme dem Jordan Was- 1 ser, um die Böden am östli. ' chen Uter des Flusses zu be-! wässern. j Auf die Frage, was Israel tun werde, wenn sieh die arabischen Länder anschik- 1 ken sollten, den Versuch zu einer Einmischung in Israels Plan zu unternehmen, ■ entgegnete Eshkol, dass Israel Gegenmascnahmen ergreifen würde. Er hoffe jedoch, Israel werde nicht zu solchen äussersten Mitteln gezwungen werden. Am dritten Tag der arabischen Konferenz herrschte unter den Sachverständigen die Meinung vor, dass kaum eine militärische Aktion be. schlossen werden dürfte. Man erwartete dagegen für die nächsten Stunden die Veröffentlichung einer Art von Communiqué. Es wurde im weiteren hervorgehoben, dass die arabischen Führer mehr damit beschäftigt seien, ihre internen Streitigkeiten zu regeln als zu einem Abkommen über die Wasser des Jordan zu gelangen. Einige Beobachter vertraten die Ansicht, dass die ständig von inneren Unruhen er. schüttertei.i arabischen Staaten des notwendigen Zusammenhalts für eine militärische Aktion entbehren, so dass ein gemeinsames krie ger«ches Unternehmen praktisch unmöglich sei. (ITA) Anleihe aus England London. — Eine der grössten Gewerkschaften dei Welt, die „British Transport and General Workers Union“ hat der Histadrut ein« Anleihe in Höhe von 150.090 Pfund zwecks Investierung im Wirtschaftssektor def Histadrut zur Verfügung ge stellt. Registro de la Propiedad Intelectual No. 735

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