Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 25 (1964)
- Issue
- 2046 (10.1.1964)
- Date
- 1964-01-10
- Page
- [Seite 11] (sequence 11)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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Vtenies, W de Enero de WM LA SEMANA ISRAELITA A fio XXV. — No. 2646 — 11 „JUEDISCHE DOLCHSTOSS - LEGENDE“; Der hochinteressante Bericht aus New York von Sabina Uetzmann über Hannah Arendts ..Eichmann in Jerusalem:: verdient eine wichtige Ergänzung im Hinblick auf die geschichtlichen und verwaltungsmässigen Tatsa eben, die sich aus den amtlichen Akten des Dritten Reiches und anderen in Nürnberg. Jerusalem und bei deuteeben Prozessen präsentierten Dokumenten ergeben. Danach steht fest, dass Hannah Arendt ihre These über die Mitschuld des jüdischen Volkes an dem Ausmass der Ka taßtrophe auf Voraussetzungen stützt, die grösstenteils mit den dokumentarisch bewiesenen Tatsachen über die Judenvernichtung nicht übereinstimmen. Prüft man den historischen Wahrheitsgehalt nach, so zeigt sich, dass ihr Buch voller Fehler und Entstellungen de.s historischen, juristischen und administrativen Tatbestandes ist. Grundlegende Dokumente über die „Endlösung“ sind ihr unbekannt geblieben, andere fehlerhaft ausgewertet. Wer die Dutzende von unbestreitbaren Fehlem und Entstellungen studieren will, sei auf die Ausführungen von Dr. Jacob Robinson hingewiesen. Dieser Jurist und Autor von höchstem Rang weist der Verfasserin unzählige „inaccuracis, fallacis and misjudgemente“ nach (Juli—August 1963 Ausgabe von Facts, publiziert von der Anti Defamation League der B’nai B’rith New York). Dr eh diese weitverbreitete Richtigstellung der zahlreichen Fehler in Hannah Arendts Buch sind in den Augen der auf historische Genauigkeit achtenden amerikanischen Wissenschaftler die Voraussetzungen für Hannah Arendts jüdische Dolchstossiegende zusammengebrochen. , Kriminalistisch und psychologisch ist es interecsant, \ wie sich die Verfasserin von den plumpen Verteidigungs- : ausreden Eichmanns hat bluffen lassen. Ich selbst habe , darüber schon berichtet. Wenn Hannah Arendte Buch in | Deutschland zur Veröffentlichung kommt, werden ihre An- : griffe unqualifizierbarer Art gegen Ben Gurion, den Generalstaatsanwalt Gideon Hausner, den Eichmann-Ver- , leidiger Robert Servatius, die Gesamtheit der Deutschen, i besondere auch gegen die Widerstandsbewegung. höch»:-t | unerfreuliche Diskussionen hervorrufen und das Gegen-; teil einer Verständigung bewirken. Wäre das Buch von einer als rechtsradikal bekannten Pernon geschrieben, so würde cß im Hinblick auf die laufende Beschimpfung Verstorbener, nämlich der umgekommenen Juden, zweifellos der Beschlagnahme in der Bundesrepublik anheimfallen und niemals das Tageslicht erblicken. Ist eo doch, wie Professor Gershon Scholef von der Universität Jerusalem hervorhebt, .. .. der herzlose, ja oft geradezu hämische Ton. in dem diese Sache... abgehandelt wird. Er ist auf ntvorstellbare Weise der Sache, über die Sie sprechen. unmgemeasen . ..Ich finde“ — co fährt Professor Scholem fort — „in Ihren Darlegun gen des jüdischen Verhaltens inter extremen Umständen, in denen wir beide nicht gewesen sind, kein abgewogenes Urteil, sondern ein oft ins Demagogische ausartendes overstatement.“ Darüber hinaus musß aber vom Standpunkt des Hi storikers und Verwaltungs'beamten klargestellt werden, dass das Thema ..Eichmann“ ohne Kenntnis des Verwaltungsapparateo des Dritten Reiches nicht saehgemäss behandelt werden kann. I>r. ROBERT M. W. KEMPNER Von den Juden in Russland Rio de Janeiro. — Die Hoffnung auf die Repatriierung von 800 brasilianischen Bürgern, die eich gegenwärtig in der Sowjetunion befinden und in ihrer Mehrzahl Juden sind, wurde in Brasilia von einem Vertreter des Aufrrenministeriums ausgesprochen. Der Sprecher berichtete, dafß Verhandlungen über die Rückkehr der 800 Brasilianer mit den sowjetischen Behörden geführt werden und von der brasilianischen Botschaft in Moskau Betten, Lebensmittel ußw. zur Unterbringung derjenigen, die zurückkehren wollen, zur Verfügung gestellt worden sind. Wie dan Ministerium mitteilte, handelt es sich in der Hauptsache um Brasilianer, die;u der Ukraine, in Becsarabien oder in der Bukowina geboren sind, eine Zeitlang in Brasilien lebten. Kommunisten wurden und freiwillig nach Russland gingen, jedoch vom Kommunismus enttäuscht eind und heimkehren wollen. Die Russen behaupten, dase alle auf sowjetischem Boden Geborenen sowjetische Staatsbürger eeien, während Brasilien den Standpunkt vertritt, dass ihnen das Recht zusteht, nach Braßilien zurückzukehren. (ITA) ln der Leningrader Synagoge Tel Aviv. — Generalpolizeiinspektor Josef Nahmias und der damalige Kommandeur des Polizeidistrikte von Tel Aviv. Arnos Ben Gurion, besuchten nach ih rer kürzliehen-Konferenz mit der Interpol in Helsinki die Leningrader Synagoge. Ihr Beßuch war von der Sowjetbotschaft in Israel arrangiert worden. DIE FAMILIE LANDSHUT von Rabbiner Dr. NEUFELD Im Osten der ehemaligen Provinz Westpreussen, hart an der damaligen polnischen Grenze bei Mlawa, liegt die kleine Stadt Neumark. Sie gehört zu dem sogenannten Kulmer Land, das der deutsche Ritterorden bte 1466 beherrßehte, das dann 300 Jahre lang pol nisch war, bei der ersten Teilung Polens 1772 zu Preussen kam und nach dem Ersten Weltkrieg wieder polnisch wurde. Im Gebiet des deutschen Ritterordens durften kerne Juden wohnen. In der po nißchen Zeit siedelten sieb hier viele an, di« vor den Judenverfolgungen in Deutschland nach Polen geflüchtet waren und ihren Ursprung aus deutschen Gebieten nachweisen kennten. Ein Kind dieser Stadt, Stadt-Ooertierarzt Dr. Siegfried Lundshut, jetzt in~-Tivon (Israel), hat es unternommen. die Geschichte «einer Familie niederzußchreib°n, vorher aber über die Juden der Stadt Neu t mark zu berichten, die noch um die Jahrhundertwende etwa 10 Prozent der Bevölkerung ausmachten. So wie in Neumark die Juden grösstenteils um den Markt herum ihre Geschäfte hatten, war es wohl in den vielen Kleinstädten des Gebietes, in Loebau, Strasburg, Lauten’burg usw der Fall, und eo eah cs nach dem Ersten Weltkrieg in den benachbarten deutsch gebliebenen Städten Deutsch Eylau, Riesenburg Freistadt, Sturm, Christburg usw. aus. Ue.ber die geistige Haltung dieser an der Grenze wohnenden deutschen Juden berichtet Lanc’ohut. dass nur die Familie Israel arme, aus dem Osten durchwan dernde Juden auch durch | die Vordertür einliess und bewirtete. Vcn dieser Familie Israel studierte ein Sohn eis erster Jude aus Neumark Medizin „und infizierte ate erßter die Neumarker Jugend mit dem ■Zionismus. Ein Gemeinde- ISRAEL - BRIEFMARKEN KA WIEDER VBRKAEBFER — ALLE NEU AUSGA¬ BEN ZUM OFFIZIELLEM PREIS Agencia Filatélica oficial VLAMONTE $50, l/B — Buaao« AitH, IUf Arf«aiia« del Estado de Israel, WIE LIEGEN DIE FEIERTAGE IM JAHRE 5724 Chamischa Assar biSchwat Neujahr der Bäume Faßten Ester Purim Schusehan Purihi Schabbat Hagadol Erew Pessach 1. Tag Pessach 2. Tag Pessach 7. Tag Pessach 8. Tag Pessach Gedenken an den Aufstand im Warschauer Ghetto (27. Nissan) Ycm Haatzma’ut Lag BeOmer Erew Schawuot 1. Tag Schawuot Fasten Schiva assar beTamus Erew Tischa beAw Fasten Tischa beAw Erew Rosch Hascbana 5725 Mittwoch, d. 2». Januar J964 Mittwoch, den 26. Februar Donnerstag, den 27. Februar Freitag, den 28. Februar Sonnabend, den 21. März Freitag, den 27. März Sonnabend, den 28. März Sonntag, den 29. März Freitag, den 3. April Sonnabend, den 4. April Donnerstag, den 9. Aprij Freitag, den 17. April Donnerstag, den 30. April Sonnabend, den 16. Mai onnfag, den 17. Mai Sonntag, den 28. Juni Sonnabend, den 18. Juii Sonntag, den 19. Juli Sonntag, den 6. September beschluss verbot ihm deshalb, Neumark zu betreten.“ Diese Bemerkung ist sachlich übertrieben, denn keine Kehilla hatte das Recht, jemandem das Betreten einer Stadt oder auch nur einer Synagoge zu verbieten. Aber für den Geißt diccer 300prozentigen Ueberpatricten ist diese Haltung bezeichnend. - Der Verfasser erzählt nun im einzelnen von seiner Familie, die vor 1880 in Strasburg (Westpreussen) wohnte und sich Hirsch-Lar>d*> hueter nannte, weil sie auc Landshut in Bayern stammte. Sie hotte zwei Söhne, Joseph und Salomon. Die gleichfalls genannten Töchter MaiVine und Etty sind in Wirklichkeit Töchter von Josef Hirsch. Josef Hinsch ging um 1840 nach Alaska und Kalifornien, kehrte aber 1845 nach Strasburg mit dem anglisierten Namen Harrte zurück. Sein Bruder Salomon Hirsch versuchte, dem Beispiel seines älteren Bruder« folgend, 1845 sein Glück in Kalifornien, kam nach 4 Jahren nach Deutschland zurück und nahm den Namen Landshut an. Es kam nicht selten vor, das« zwei Brüder verschiedene Namen führten: z. B. hie Erklaerang Jeknsens Auetir. (USA). — Präsident Lyndon Johnson sprach bei der Einweihung einer neuen konservativen Synagoge und unterßtrich die Notwendigkeit eines brüderlichen Einvernehmens zwischen allen Amerikanern. Im Verlauf se’ner Ansprache hob -er die grosse Verantwortung hervor, die heute auf ihm laste und die gemeinsame Pflicht aller, im Geiste der Brüderlichkeit zusammerizuarbeiten. Es ißt gut und vernünftig, die Kirche vom Staat zu trennen, aber die Menschen der Regierung dürfen sich nicht von der Religion entfernen. Er gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass alle Menschen guten Willen« den Hass überwinden werden und für das gegenseitige Verständnis eintreten. In allen seinen Möglichkeiten werde er als Präsident das Vertrauen zu rechtfertigen suchen, das alle Menschen guten Willens zu ihm haben. (ITA) EUGENE SPIRO: DIE PROPHETEN ISRAELS. — Der Prophet Zefania, Spross einer edlen Jerusalem er Familie, klagt die Dekadenz seiner eigenen Klasse an: „Auch ihr Silber, auch ihr Gold wird sie nicht retten koennen am Tage des Grimmes des Ewigen!“... ssen in Wrcnke die Söhne von Avigdor Jeremias Mo- I ritz Viktor und Isidor Jere’ j mias. Salomon Landshut übersiedelte von Strasburg nach dem nahegelegenen Neomark und hatte dort eine grosse Familie mit neun Kindern. Sein Enkelsohn Siegfried Landshut berichj tet über sechs Generatioj nen seiner Familie, die! jetzt Lebenden sind über j die ganze Welt verstreut 35 : leben in Israel, den Namen i Lanctehut tragen noch 23. Neun Familienmitglieder sind durch die Nazis ermordet worden, im Verhältnis zur Dezimierung des jüdischen Volkes ist die Familie noc.i gnädig weggekom men. Wie überall finden sich auch hier Mischehen, aber in geringem Umfang. Die Familienmitglieder waren und sind im wesentlichen Kleinbürger. Auffallend wenige säid Grcßskaufleute oder Akademiker. Der Verfasser hat seine Arbeit als Material dem Leo Baeck- Institut übergeben und die Kenner der Geschichte der Neumarker Juden gebeten, ihm zu verzeihen, wenn manches fehlt oder nicht ganz richtig berichtet ist. Auf diese Verzeihung hat er Anspruch, soweit e« sich \ um die allgemeine Geschieh f te, uni die Neumarker Ju-1 den und die engere Familie! Lanctehut handelt, denn nieman kann bei aller Mühe! und allem guten Willen alle Einzelheiten bis in die neue ■ ste ZeH hinein ohne Lücke I und ohne Fehler darstellen. : Was aber auf den Seiten 3 i und 4 über den Bruder von Salomon Landshut, Josef Harris, geschrieben ißt, so muss daß noch einmal geschrieben werden, denn diese Seiten strotzen von Ver weehslungen, Lücken, Fehlern. Und dabei wäre es doch gerade ki Israel ein Leichtes gewesen, auch diesen Teil zu bearbeiten. JUEDISCHE WOCHENSCHAU in Montevideo/Uruguay Einzelnamnter 1.50 $ urig. Jahresabono 65.— $ arag. LUFTPOST VERSAND DURCH „PLUNA" ANZEIGEN-ANNAHME Librería Neulaender RIO BRANCO 1231 Tel. 83887 Distribaidar: KIOSK TUREK CONSTITUYENTES 1757 TeL 42 640