Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 25 (1964)
- Issue
- 2045 (2.1.1964)
- Date
- 1964-01-02
- Page
- [Seite 8] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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o cû © 5 ç £ z fc 2 r§ M S mNQDCO PAGADO Concesión 90S IARIEA REDUCIDA Conces'ÓD 1629 ISRAELITA Año XXV. BUENOS AIRES, VIERNES 3 DE ENERO DE 1964 No. 2045 HL EJE«PL»« IQ . en toda la República ,w* PUEYRREDON 2190 I» txq. T. E 83 2613 Buenos Aires Vieles schon wieder vergessen Blick in die Welt Vor einigen Wochen kan, e« beim Mordpro7.es*; gegen zwei besonders grausame ü.'.r .• >m he£i -gen. Szenen. Der \-erireter Vier -Nebenkläger. ein bekannter Reclunanwalt aus Hannover griff seinen Koüegen scharf an. der die Mörder verteidigte. Nun-gehört es einmal zu einem Rechtsstaat, dass auch, der feehwerste Verbrecher flSh" Recht hat,, sich verteidige.» zu dürfen. Niemals sollten at>er in Deuterhland tätige Anwälte sich bei Kriegsverbrechern dazu hinreissen lassen, die Ungeheuerlichkeit der begangenen Untaten zu übersehen oder auch nur einen Augenblick ausser Betracht zu lannen. Auch in einer Demokratie hat die Redefreiheit ihre Grenzen, besonders in einer solchen Demokratie, in der ■ von Amtswegen — wie im Fall der Zeitschrift ..Der Spiegel“ — gewisse demokratische (Grundrechte ohne; grosse* Aufheben entfach ausser Kraft gesetzt werden können. - In dem Mordprozess. <Rninzwischen mit einem Urteil gegen den Angeklagten geendet hat schilderte ein Zeuge, wie der eine der Angeklagten zu wüten pflegte. ,.F. hat uns mit »einen Händen in den Waggon getsro sseti. der uns nach Auschwitz brach««. Frau und Kind ton HURST WiNCKLER und meine ganze Familie sind vergast worden." Als der Zeuge es dann als ein Unrecht bezeichnete, das» er alles noch einmal erzählen müsse, wurde er vom Verteidiger unterbrochen. Nun einmal gut zugehört: Der deutsche Rechtsanwalt sagte, er müsse im Namen der Menschenrechte seinen Mandanten davor schützen, schon vor einer Verurteilung als schuldig bezeichnet zu werden. Auch ein Rechtsanwalt, der die traurige Pflicht erfüllen mu»s. einen Mörder zu verteidigen, muss doch so viel Anstandsgetiihl be sitzen, um zu wimen. was er sagen darf und wais nicht. Im Namen der Menschen-! rechte aber irgendetwas für .einen Kriegsverbrecher zu verlangen, der für den Tod tausender Menschen verant- . wörtlich ist und «selbst ge- ’ mordet hat. das klingt nich; nur nach Herausforderung, j das i is t eine üble -Provoka- . tion. gegen die Freut ge- | macht werden muss. Man : hätte erwarten dürfen, dass diese, herausfordernde Bei jOeVkuug des -Juwwudigeri» efneöR-üge ffntT irden VÖt**fK zenden zur Folge gehabt ha ben würde. Das aber war nicht der Fall. Dagegen bemerkte der Anwalt der Ne benkläger: ..Jeder im Saal ist tief beeindruckt. Nur Sie besitzen nicht den Anstand, die Erregung des Zeugen zu respektieren.“ — Gewiss ist es nicht falsch, von Fehlen des Anstandes zu sprechen. Aber damit allein ist die Situation nicht gekennzeichnet. Man wird dutch solche ausfallenden Bemerkungen an die Zeiten der gelenkten Justiz erinnert, in denen die Juden vogelfrei waren. Damale durfte alles gesagt werden, was den Nazis passte, um ihre dunklen Ziele zu verfolgen. Sie hatten verstanden, dass die Zerstörung jeden gefunden "Rechtsgefühls die Voraussetzung für die Durchset zung ihrer verbrecherischen Absichten gewesen ist. Ihre .Kunst' bestand einfach darin, die Tatsachen in ihr Gegenteil umzudrehen. die Rechtsbeugung und da«; Un recht zu verherrlichen, sowie die Leidenschaften zu entfachen, um Richter und Anwälte zu Instrumenten ihrer ..gelenkten Justiz*^ zu machen. Das war vor »dnigen Jahren!”Es ist bekartrft. ctiTss die Reinigung der Justiz trotz entgegengesetzter Beteuerungen immer noch Nachrichten aus aller Welt Friedensfühlerschon 1943? Schon 1943 hat der oberste SS - Führer Heinrich Himmler versucht, mit der britischen Regierung in Kontakt zu kommen. Diese Tatsache ist in dem Buch ..Auswärtige Beziehungen der USA“ enthalten, dessen erster Band au» dem Jahre 1943 soeben vom amerikanischen Aussen miiisterium veröffentlicht wurde. Am 26. Dezember 1943 informierte der amerikanische Botschafter in Moskau, Harriman. das amerikanische Aussen ministerium über ei ne Unterhaltung mit seinem britischen Kollegen in Moskau. der Harriman von Kontakt wünschen Himmlers unterrichtete. Danach hat die schwedische Regierung Ixwi don über Gespräche eines schwedischen Geschäftsmannes mit Himmler und einem Beamten dt» deutschen Auswärtigen Amtes ki Kenntni«; gesetzt. In dieser Unterredung soll Himmler seine Bereitschaft angedeutet hallen, einen Offizier und einen Parteifunk tionäi nach Grossbritanuieu zu entsenden um Aufklärung über die Bedeutung der britiiicheu Forderung nach bedingungsloser Kapitulation“ zu erhalten. Der britische Botschafter wurde dar aufhin von »einer Regierung beauftragt, die Billigung Moskaus für die Antwort an Himmler einzuholen, dass der Ausdruck ..bedingungslose Kapitulation“ keiner Definition bedürfe. Mit den Friedensfühlern der deutschen Verbündeten gegen Ende des zweiten IV '‘kriege.-; beschäläigl sieh ein hrnunderc.s Kapitel in den hivbaiid de.; amerikanischen Aussenministeiiums. Besonders Rumänien i.nd Ungarn haben im Jahre 1943 mehrfach versucht, über diplomatische Mittelsmänner den Alliierten ihre Kapitulation anzubieten. — (AW'Z) Sicherheitsmassnahmen Tel Aviv. — Personal de» italienischen und1 vatikanischen Sicherheitsdienstes befindet sich bereit» in Israel seit dem 26. Dezember, um die Vorbereitungen für den 1 Besuch des Pap»tes Paul; VI. zu überwachen, der am ■ i 5. Januar in Israel eint.ref-! fen wird. Die Regierung teilte mit.; dass ihr Pressebüro alles vorbereitet habe, um Film ■ aufnahmen und Fotc» an! bestimmten Punkten Israels von der Rei»e des Papstes j zu machen. Ausserdem wer- : den die entsprechenden Massnahmen getroffen, damit der Papist von Lud nach Europa zurückfahren kann., Besondere fototelegrafi- | sehe Dispositionen »ind für Tel Aviv getroffen worden. '■ Dr. Prinz erhebt Anklage New York. — Das nordamerikani.sche Informationsbüro bestritt offiziell, dass aus einem Dokumentenfilm über den Präsidenten Johnson eine Szene herausgeschnitten worden sei. die einen Rabbiner gezeigt hat. Das Dementi kennte aber die Gemüter nicht beruhigen. Aller ('iin» hatte man auch ursprünglich mitgeteilt, dass das genannte Informationsbüro für die Version, die nach dem Mittleren Osten gehen »ollte. eine Szene aus dem Film herausgeschnitten habe, in welcher ein Rabbiner im Zusammnhang mit. der politischen Tätigkeit Johnsons erschien. Auf dieee Weise wollte man Protesten in arabischen Iündern Vorbeugen. Der Vizepräsident des Nachrichtenbüros. Donals Wilson, erklärt?, es , halte keine Zensur von unserer Sei te gegeben, ebenso wenig ist er zutreffend, dass, eine 'S/en-e aus dem Film ausgelassen worden“ sei. Im übrigen sei die Verteilung des Films in den arabischen Ländern von sekundärer Bedeutung. Auch in früheren Dokumenten Filmen »eien Szenen gezeigt worden, bei denen Juden auftraten Demgegenüber hielt Rabbiner Dr. Joachim Prinz, der Präsident des Jüdisch-Amerikamuchen Kongresses, die Beschuldigungen gegen das offizielle Nachrichtenbüro aufrecht, lörmeil verboten zu haben. ..das Gesicht eines Rabbir.ei». eine Synagoge oder irgendei'.en Kultgegeni.tand, der mit de*- .jüdischen Religion zu tun hat. zu zeigen." Diese Anwel* iing rei gegeben worden, weil man Angst gehabt habe, irgendwelche Gerühie der Araber zu verletze». Das offizielle Nachrichtenbüro habe sich aut' diesem Wege zutn Komplizen einer arabischen Vor «chwörung gemach' deren Ziel es i»L d»e Jm-rn in N rdamsrika in ihre n'e: ' '”en Lande zu Bürgern zweite* Klasse zu degradieren. — nicht gelungen i»). Noch schwerer als ehemalige Be * teiligte auszuschalten, ist die Ueberwindung jener Gedankengänge, die Jahre hindurch eingehämmert worden sind, und deren Reste w’ir immer noch begegnen. Oftmals wird eine kritische Bemerkung gemacht, aus welchem Grunde e» \ noch notwendig sei, Krieg*; j verbrecherpro/.esse so viele i Jahre nach der Beseitigung i des nationalsozialistischen I System» durchzuführen. Es j :»t notwendig, ja. es wäre . unbedingt erforderlich, die- 1 sen Prozessen eine weit gröj ssere Publizität einzuräuj men. als sie heute besitzen.; Manche grossen Zeitungen ' beugen sich allzu gern dem; vermeintlichen Willen .ihrer \ Leser, die ..«schon genug da-; von“ haben. Sie haben gei nug! Auf diese billige Wei- se machen sie sich nur : nachträglich zu Mitschuld! | gen. weil sie der Wahrheitsj findung zuwiderarbeiten und! aus Gründen der Bequem- ’ iichkeit gleichzeitig neuem 1 Unrecht Vomebub leisten. Nur so «sind Fehlleistungen j wie diese möglich und denk , bar. dass man-im Namen . der Menschliubkejtj tyc1 Men- I schenrechte für!die " 4>r1sienurid ekelhaftesten MÖf>„ der reklamier! und rekla- | mieten darf, ohne das» man j zur Ordnung gerufen wird.! wahrscheinlich aber auch i für Jerusalem und N’aza reth. Es werden besondere Kabinen für Radio- und TV- Spreeher in Nazareth, möglicherweise auch am Ufer! de» Tiberias-Sees eingerichtet werden. iITA* j Anklage gegen Syrer Jerusalem. — Premiermi- | nister Levi Eshkol erklärte, 1 Israel werde die grösste ■ Aufmerksamkeit der Welt; auf die Grau»amkeiten hin- 1 lenken, die von den Syrern an israelischen Gefangenen in syrischen Kerkern begangen worden sind. Israel wird keine Anstrengungen scheu en, um die Befreiung der I noch gefangen gehaltenen Israelis zu erreichen. , Eshkol klagte Syrien der j Barberei an, w'eil die eirige- 1 kerkerten Gefangenen Mi»»- handlungen unterzogen werden. So sehr sich die Knes! set darüber gefreut habe. * dass 11 israelische Bürger, I die gefangen waren, befreit worden sind, so sehr habe; »ich diese Freude mit tie- ■ fein Schmerz und Schrecken! gemischt, denn 8 von den 11 | befreiten Personen trugen : Kennzeichen an ihrem Körj per und an ihrer Seele von ■ den schrecklichen Grausamj keifen tind unbeschreiblichen Leiden, deren- Opfer sie gewesen sind. Alle 11 Befreiten mussten in Kranken- | häusern interniert werden. <ITA) Von der Polizei aufgeloest Hamburg. — Die hamburger Polizei hat vor kurzem eine Veranstaltung der ..Deutschen Nationalzeitung und Soldatenzeitung“ aufge löst. Die rund 500 Teilnehmer der Veranstaltung verlie.ssen nur unter Protest und linier Ab-iir.J'n der er .leu i>tiv‘p'v.' d »!'• ,th-j iandliedes den Saal. tAWZl j von HAROLD SCHWAR6Z Nikita Krutschew bot dem brasilianische«* Präsidenlen Jouo Goulart we Agen en de technische Hilfe-an. i>ve Runen sind bereit, ein groases hydroelektrisches Werk nahe c’er brasilianisch paraguayischen Grenz« zu errichten. — ln Perú wurde durch den Präsidenten Fernando Beiaunde Terry ein vom Kcngress genehmigtes Gesetz' gegen jede Form rassischer Diskriminierung verkündet und!n Kraft gesetzt. — In dem keinen Staat Zypern kam es zu heftigen Zusammenstössen zwischen Griechen und Türken, die sogar in einem Angriff auf den Palast des Präsidenten Makarios gipfelten. Die Unruhe hält an, — Glum En-Lai, der Ministerpräsident Chinas, bet*nt« bei seiner zweiten Zusammenkunft mit dem algerischen Präsidenten Ben Bella sein Interesse, dem General De Gaulle zu begegnen In seinen bisherigen Ansprachen, die Chou En-Lai in Aegypten und Algier gehalten hat. machte er auch nicht eine Bemerkung über den russisch chinesischen Konf’ikf, sondern lobte die sozialistische Revolution und verurteilte den Imperialismus. — Die Verstaatlichung der Betriebe von öffentlichem Interesse macht in Brasilien erhebliche Fortschritte. s<vsollen 'etzt alle Elektrizitätswerke vom Staat übernommen werden, detssen Kampf um sozialen Frieden vom Präsidenten Goulart als ,,christlich und demokratisch“ bezeichnet worden ist. — In Hot Springs (Arkarnsas) wurde von den Gegnern rassischer Gleichberechtigung die grosse baptistische Kirche angezündet, die vorwiegend von Schwarze» besucht wird, nachdem sich der Reverend James Ronald Rice an den Pi äsidenten der USA gewandt und gegen die Diskriminiert ng der schwarzen Bevölkerung in Hotel* und öffentlichen Badeanstalten protestiert hatte. — Eine besondere Note erhält der Kampf gegen rassistische Diskriminierungen, nachdem vcu Protesten, schwarzer Sttid« nten in Moskau berichtet worden ist Trotz beruhigender Erkiai äugen de.;-Bofochafters von Ghana in Russland, bleibt die Tatsache einer Demonstration afrikanischer Studenten auf dem Roter; Platz in Moskau bestehen — In München wurde der ehemalige kieler Gestapo-Chef, Fritz Schmidt, verhaftet. — In Mexiko findet zur Zeit eine Ausstellung rotchhie- »»eher Industrie-Produkte statt. Noch deutlicher kann der wachsende Einfluss der kommunistischen Staaten auf Lateinamerika nicht demonstriert werden. — Der deutsche Bundeskanzler Ludwig Erhard reiste in die Vceinigten Staaten, um längere Besprechungen mit dem Präsidenten Johnoon zu pflegen. Wie man annimmt, wurden interne Probleme des Gemeinsamen Marktes erörtert. — Verschiedene Delegierte der Orthodoxen Kirche begaben sich nach Rem. um mit' dem Vatikan wegen der Begegnung des Erzbischofs ATtenagoras mit dem Papst zu verhandeln. — USA-Politik im Mittelosten Washington. — lm ersten öffentlichen Communiqué über die Mittelostpolitik seit der Amtsübernahme de* Präsidenten Lyndon Johnson, erklärte da«; Weisse Haus, dass d’e noch kürzlich von dem verstorbenen Präsidenten John Kennedy geäusserte Auffassung über die Kontinuität de«- USA-Hiife für die VAR gewahrt bleiben würde. Mver Feldman, der Sonderberater des Weissen Hause». schrieb an Neal Heller, den Kommandanten der Jüdischen Kriegsveteranen, und erinnerte an Ktnnedys Erklänmg im Zusammenhang mit der vom Parlament angenommenen neuen Abänderung über eine Verkürzung der Ausland;hitfe. Heller hatte sich am 15. November in dienet1 Angelegenheit schriftlich an Kennedy gewandt. Di« Abänderung legt dem Präsidenten nahe, die USA- Hilfe für Staaten wie z. B. die VAR. die die Aggression betreiben oder vorbereiten. zu_kürzen oder im gegenteiligen Fall ausdrücklich im Parlament die Erklärung ab zugeben, dass die Abgeordneten der Ansicht seien, diese Völker würden die Fortsetzung der Auslandshilfe verdienen. Feldman erinnert in »einem Schreiben daran, dass Kennedy hervorgehoben hatte. ..diese Abänderung wäre eine schwere Einschränkung unserer Flexibilität in unseren Beziehungen mit der VAR" und ..Kennedy habe betont, dass wi" bei der Erfüllung unserer Verantwortlichkeiten die Tatsache berücksichtigen mütssen. da«ss die Welt in ständigem Wandel begriffen ist. Gesetzliche Hindernisse könnten dem Präsidenten seäie Flexibilität nehmen, um diesem Wandel gerecht zu weiden und die Wirksamkeit ruhiger diplomatischer Bemühungen zur kowstri'ktivem Einflussnahme auf die Ereignisse behindern“. Im weiteren schreibt Feldman: ,,Präsident John .-on hat die Kontinuitä der amerikanischen Aussenpolitik sowohl der amerikanischen Oeffentlichkeit wie auch de« ausländischen Regierungen in klaren Worten dargelegt.“ (ITAi Registro de la Propiedad Intelectual No 135 104 Impreso en la Imprenta PüLlGLl^A — Hivadav;a 831