Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 24 (1963)
- Issue
- 2044 (27.12.1963)
- Date
- 1963-12-27
- Page
- [Seite 8] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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Ü , « c ' >- il < ü FRANQUEO PAGADO Concesión 908 TARIFA REDUCIDA Conces'ón 1629 SEMANA ISRAELITA i ANO XXIV BUENOS AIRES, VIERNES 27 DE DICIEMBRE DE 1963 No. 2644 81- E‘S'PL‘« IQ - en toda la República ,w* PUEYRREDON 2190 1» isq. T. E. 83 2613 Buenos Aires Gegen die Vorurteile Zwischen Damaskus und Kairo B. B. S. — Von der Wandlung der Haltung der Katholischen Kirche gegenüber ■den Juden war :Vt den letzten Wochen und Monaten häufig die Rede. Hoffnungen erwachten. die eine Sinnesänderung der Katholiken in ihren Beziehungen zu Juden voraussagien. Die schrecklichen Vorurteile. unter denen die Juden seit beinahe zweitausend Jahren durch den entechei dencen Einfluss der Kirche auf die Erziehung unserer-Umwelt gelitten haben, sojlten jetzt beseitigt werden. Ohne Zweifel beg: essen alle Teile des jüdischen Volkes die Tendenzen, die wir in führenden kirchlichen Kreisen beobachten können, und die auf eine Ueber- Windung alter Feindschaft gerichtet sind. Wir sollten urs aber davor hüten, mit einem naiven, ein wenig leichtfertigen Optimismus bisher nicht getroffene Entscheidungen der kirchlichen Autoritäten •vorwegzunehmen. Dur Sachverhalt ist kurz folgender: Den 2200 Patriarchen. Kardinalen, Bischöfen und anderen Prälaten des Vatikanischen Konzils in Rom ist ein offizielles Dokument über die Haltung der Katholiken gegenüber den Juden zugeleitet worden. Da« Schriftstück stellt den Entwurf für das vierte Kapitel des Schemas über die Einheit der Christen dar. Es wurde vom Sekretariat für die Einheit der Christen 'unter Kardinal Bea herausgegeben. ln einem vom Presseamt de« Konzils veröffentlichten Communiqué über diese« Dokument heisst es unter anderem: „Das Dokument ist völlig religiös in seinem Inhalt und verfolgt einen geistigen Zweck. Au.j einer stetig wachsenden Hochschätzung c.es heiligen Erbes der Kirche her- ■atus -w-endet - das Konzil seine Aufmerksamkeit den Juden eicht als Rasse oder Kation zu. sondern als dem auserwählten Volk de« Alten Testaments. Die klare und unzweideutige Sprache des Textes lässt das Sekretariat hoffen, dass kein anderes Motiv hineingelesen werden wird, als das der allumfassenden Liebe des verstorbenen Papstes Johannes, der selbst den Wunsch ausgesprochen bat, dass dieses Thema für das Konzilium der Väter vorbereitet werde. Qer Entwurf befasst sich zunächst mit dem “innigen Band, das die Kirche mit dem auserwählten Volk des Alten Testament« verbindet. Gemäss Gottes gütiger Beistimmung hat die Kirche ihre Wurzeln in dem Bund Gottes mit Abraham und dessen Nachkommen. Der Plan zur Erlösung cies Menschergeschlechts erfährt meinen Höhepunkt in der Erscheinung Jesu Christi, dem Sohne David« und Nachkomme. Abrahams dem Fleische nach. Durch Ihn und seine Kirche ergeht der Ruf Gottes, der sich zunächst an das auserwählte Volk richtet an die gesamte Welt. Als nächste« stellt der Entwurf fest, dass die Verantwortung für den Tod Christi die ganze sündige Menschheit trifft Um für die Sünden aller Menschen zu sühnen, opferte r.ch Gottes Sohn bereitwillig am Kreuze Die Rolle, welche die jüdischen Führer der Zeit Christi bei der Kreuzigung spielten, schliesst die Schuld der gesamten Menschheit nicht aus. Aber die persönliche Schuld jener Führer kann nicht dem ganzen jüdischen Volk jener Zeit oder unserer Tage zur Last gelegt werden. F« ist deshalb ungerecht. dieses Volk a« .Gottesmörder* zu bezeichnen oder es als von Gott .verflucht* anzusehen. In seinem Brief an die Rör.er hat der Heilige Johannes versichert, das« Gott das Volk, welches er auserwählte, nicht vevstossen hat. Das vorgelegte Dokument betont weiter. dass die Kirche niemals vergessen kann, da«s Christus, seine gebenedeite Mutter und die Apostel aus dem Stamme Abrahams geboren wurden. In Uebereinstimmung mit seinen Zielen unterlässt es das Konzilsdokument, sich mit den verschiedenen Ur«uchen de« Antisemitismus zu belassen. Es weist jedoch darauf hin, dass die heiligen Begebenheiten der Bibel und die Schilderung der Kreuzigung im besonderen nicht als Grund für eine Verfemung oder hassvolle Verfolgung der Juden herangezogen werden können. Dar Text unterstreicht, dass Prediger und Katechisten angehalten werden, niemals eine gegenteilige Auffassung zu vertreten; sie werden darüber hinaus aufgerufen, gegenseitige« Verstehen sowie Wertschätzung zu för c’.ern. Es geht daraus hervor, dass sowohl Inhalt als auch Zweck des Dokument« außschliesslich relig'üser Natur sind. Es .st weder pro-zionistisch noch anti-zionistisch, weil es diese Probleme -als politische Fragen betrachtet. Jede Verwenlung des Textes zur Untermauerung parteiischer Diskussionen mit eindeutig politischen Absichten oder zur Widerlegung der politischen Behauptungen anderer wäre vollkommen ungerechtfertigt und stünde im Gegensatz zu der Zielsetzung derer, die es entwarfen und dem Konzil unterbreiteten.“ Mit dem Inhalt dieser offiziellen Erklärung an die Teilnehmer des Konzils haoen wir uns hier nicht auseinanderzusetzen. Wenn der israelische Religionsminister dieises Dokumen als einen mutigen Schritt auf dem Wege zur Beseitigung von Vorurteilen und Missverständnissen be zeichnete, so dürfte damit noch lange nicht gesagt sein, dass die«es Dokument ausx-eichf. gegen die Juden geschleuderte, nach unserer Meinung falsche Auffassungen, Verleumdungen und Verdächtigungen mit einem Federstrich aus der Welt zu schaffen. Aber selbst diese, so vorsichtig formulierte Manifestation zur Beseitigung alten Unrechts wurde nicht angenommen. sondern bi« zur Fortsetzung des Konzils in suspenso gehalten und vertagt. Den Juden aber, die so überschäumend die jüdisch-christliche Annäherung begrüssen. «ei gesagt, dass es sich hierbei in erster Linie um ein christliche« Problem handelt. Deswegen wäre auf unserer Seite überall ävsserste Zurückhaltung geboten. BESUCH DES PAPSTES Jerusalem. — Papst Paul VI. wird bei seinem Besuch in Israel zwei Mal mit Präsident Salman Shazar zusament'-effen. Die erste Begegnung wird bei der Ankunft 'es Papstes in Meggido staitfindeu und die zweite in Jerusalem, wenn Paul VI. die Jerusalemer Neustadt verlassen wird, um nach Tcansjordanien zurückzukehren. Diese Aenderung der päpstlichen Reisepläne war der Anlass zu heftigen Protesten vonseiten der Cherut und einiger Zeitungen, die darauf hinwiesen, dass die Nichtanerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels durch den Empfang des Papstes ausserhalb dieser Stadt als Einverständnis mit dieser Tatsache aufgefasst werden könne. Wie bekannt wurde, hat der Vatikan diese Aen- | derung vorgeschlagen. Der ' Papst wird am Sonntag, den i 5. Januar in Israel weilen. , Die israelischen hohen ' Beamten, die im Vatikan : ü'ber den noch niemals da- ' gewesenen Besuch eines j Papstes im Heiligen Land! vorbereitende Besprec-hun-; gen führten, äusserten. die : vatikanischen Kreise hätten j hervorgehoben, das« der Besuch eine religiöse Pilgerfahrt darstelle und 6ie bereit seien, die Pläne innerhalb der Grenzen Israels den israelischen Vorschlägen anzupastsen. Die gleichen Beamten betonten, dass der Grund aus dem der Papst sich entschlossen habe aus Transjordanien kommend in der Nähe von Jenin israelischen Boden zu betreten, darauf zuiückzuführea sei, dass auf diese Weise Zeit erspart würde und der Papst die Möglichkeit haben werde. auf seinem Weg nach Nazareth möglichst viele der heiligen Stätten aufzu suchen. Aus Vatikankreisen verlautete rerner, dass man alle Fragen der Kontakte mit der Presse der Diskretion Israels zu überlassen gewillt sei. Die Reiseroute des Papstes dürfte nicht von I«- rael sondern wahrscheinlich vom Vatikan bekannt gegeben werden. Die Goldmedaille, die Staatspräsident Shazar dem Papst als Geschenk überreichen will, wird die Aufschrift „Dem Papste Paul VI. von Salman Shazar, Präsident de« Staates Israel — Jerusalem, Stadt des Friedens“ und das hebräische Datum des Tages tragen. OBERRABBINER NISSIM Jerusalem. — Oberrabbiner NTssim wird an den Die Position Transjordaniens ist nach Meinung des Königs Hussein und seiner Minister heute noch mehr bedroht al« früher. In den letzten Jahren stand ihm in Nasser ein bitterer Feind gegenüber, aber fast alle i anderen arabischen Staaten : 1 wandten sich gegen die Politik der Drohungen, die von Kairo ausgäig. Die unabhän- : gige syrische Regierung der letzten Jahre war eine der wichtigsten Rückversicherungen für Husseins Staat und trug wesentlich zur Milj : derune des Drucks auf sein Land bei. j { < ’ Seit der März-Revolution ' in Damaskus hat sieh jedoch die Situation zu Ungunsten Transjordaniens geändert. Die Baath-Fiihrer liegen zwar im Zwist mit Nasser, ' aber sie betrachten Syrien und Irak al« „befreite Staaten“, während Trar.sjorda- 1 nien von ihnen als reaktio! I näres Land angesehen wird, I das erst noch befreit werden 1 muss. In dieser Beziehung unterscheidet sich die Beurteilung des Regime« von : Amman durch Damaskus j nicht von der in Kairo üblichen Einschätzung, j Tn der gleichen Zeit haben sich die Gegensätze noch 1 verschärft. Syrien und Irak waren die Träger der neuen Palästina - Pläne, die von Transjordanien sämtlich hef- I! tig abgelehnt wurden. Der „Vertreter der palästinensi- «chen Araber“ in der Liga Achmed Shukairy, der gern i Feierlichkeiten zur Begrü- «sung des Papstes nicht teil-! nehmen, wie das Büro des ' Rabbiners mitteilte. Der , Oberraboiner beabsichtigt weder, nach Meggido zu gehen, wo Paul VI. bei «einer . Ankunft in Israel erwartet wird, noch sich zur-yerabschiediu.g des Papstes an das Mandelbaumtor zu begeben. Obwohl «ich das rabbinische Büro weiterer Kommentare enthielt, so wurde doch „u verstehen gegeben, dass Rabbiner Nissim sich nur dann bereitfinden würde, zu den offiziellen Veranstaltungen zu erscheinen, wenn dieser Austausch von Höflichkeiten auf Gegenseitigkeit beruhen würde, d. h. wenn der Papst in sein Pro-; gramm einen Besuch beim Oberrabbinat in Jerusalem einschuessen würde. In seiner jährlichen Weih-; nachts-Botßchaft hatte der Papst erklärt, dass seine bevorstehende Pilgerreise nach dem Heiligen Land einen ,rein religiösen Zweck* ’ trägt u.id er nicht nur die Chrißte'' sondern auch alle : diejenigen begrüssen werde, die „nicht im Schosse Christi ruhen“ und seine „guten i Vorsätze sich auf alle Völker der Erde, die nahen und; die fernen, erstrecken“. Der Papst -agte wörtlich: „Wir | werden alle herzlich begriis«en, gleich welchen Uri sprungs. die wir auf unse-! rem Wege treffen, im beson- | deren die Vertreter der; Obrigkeit, das Volk, die Pil- | ger und die Touristen, je- ' doch ohne uns auf unserer j kurzen Pilgerfahrt aufzuhal- . ten und ohne zu gestatten, I dass w.T von dem rein rei ligiösen Zweck unserer Rei- | se abgetenkt werden. In uni s-erem Herzen wird niemand vergeben sein.“ bei allen arabischen Staaten angesehen und beliebt «ein I wollte, strebte nach Eini- 1 gung auch mit Transjordanien und stattete kürzlich Amman einen Verstand! | gungsbesuch ab. Da die“ transjordanische Regierung; jedoch nichts von Wieder- 1 herstellung des alten Palä- . «tina und noch weniger etwas von Verzicht auf den j Bezirk Nablus und auf die Jerusalemer Altstadt wissen will, blieben seine Bespre- : chungen ohne Ergebnis. 1 Angesichts de« Druck«, der von Damaskus und Bagi dad ausgeht, setzen die | transjordanischen Politiker! planmätsig Nachrichten! über Mastsnahmen zur Mii- ' derung der politischen Isolierung;'n die Welt. Von ihnen stammten die Mel- I düngen über eine angebli--^ che Annäherung Na«sers an Transjordanien, um eine „Gegenfronf gegen den Baath zu schaffen. | Die Transjordanier produzieren „Entlastungsmeli düngen“ auch an der weltpolitischen Front. Hussein möchtegern die Vorwürfe der Nationalisten in seinem; Lande entkräften, dass er ausschliesslich von den USA und England abhängig sei, und möchte zeigen, dass er bei vielen Staaten Gehör ' findet. Immer wieder lässt er verbreiten, dass Trans-! jordanien von Frankreich nicht nur Wirtschaftshilfe, sondern auch Flugzeuge und Waffen erhalten wird. Die neuen diplomatischen Beziehungen zu Russland werden auch ins Feld geführt, und Hussein liess „drohen“ er ' werde Moskau um Waffen! bitten, wenn der Westen i nicht seine Armee neu aus- - rüsten und modern-'sieren 1 W'erde. Hinter djesen „Drohungen“ steht auch die Verärgerung über die USA, weil Washington das Regime Salal unterstützte. Der Beobachter sieht also auf allen Gebieten verzweifelte Versuche der transjordanisehen Ausserfpolitik. die sieh von der einseitigen Bindung an die USA und Grossbritannien befreien, die aussenpolitische Isolierung überwinden und mehr Manövrierfähigkeit auf der Bühne des Mittleren Osten« erhalten möchte. Bishei hat diese Politik keine besonderen Erfolge zu verzeichnen. Von Kairo ging immer scharfer Druck auf Amman aus; auch die Baath- Staaten sind gefährlich. Die grösste Gefahr droht Amman jedoch von den neuea Palästina-Plänen der Arabischen Liga, die besonders von Bagdad und Damaskus getragen werden. Husseins Ministerpräsident hat zwar die Militärunion der Baath Staaten begrüsst, weil „sie sich gegen Israel richtet“, aber dieses Lob wird Transjordaniens Lage nicht verbessern. Nasser wird sich den Palästina Plänen der Baath-Länder, die im Namen der Liga betrieben werden, nicht widersetzen — und dann wird es eine für Hussein unangenehme Frontstellung geben: Auf der einen Seite stehen fast alle Staaten der Arabischen Li ga, die die „Wiederbelebung Palästinas“ fordern, auf der anderen bleibt Transjordanien allein, das die annektierten Gebiete nicht herausgeben will. Diese Frontstellung wird die Gefahren für Transjordanien noch erhöhen und Hussein grosse Sor1 gen bereiten. Blick in die Welt von HABOLD SCHWARCZ Wie der belgische Aussenministei Paul Henri Spaak mitteilte, konnte die Europäische Wirtschaftsvereinigung die bestehenden Schwierigkeiten über brücken und für die c iskutierten Probleme Zwischenlösungen bringen. — Der amerikanische Präsident Lyndon Johnson erklärte auf einer Pressekonferenz, das? sich die USA der Notwendigkeit einer umfangreichen Hilfeleistung an die lateinamerikanischen Länder bewusst seien. — 400 afrikanische Studenten veranstalteten eine lange Demonstration in Moskau, um gegen die Diskriminierung durch sowjetische Behörden zu protestieren. — Wie aus Damaskus gemeldet wurde, wird der Pa* triarch der griechisch-orthodoxen Kirche, Athenagroras, rach Israel reisen, um dort dem Papst Paul VI. zu begegnen. — Der nordamerikanische Aussenniinister Dean Rusk konferierte mit dem britischen Ministerpräsidenten Sir Home und dem Acssenminister Butler in London, um die Richtlinien einer gemeinsamen amerikanisch-englischen Politik gegenüber Russland festzulegen. — Der Chef der Deutschen Sozialdemokratischen Partei, Erich Ollenhauer, ist einem längeren Leiden erlegen. Jahre hindurch war Ollenhauer als Nachfolger Schumachers an der Spitze der SPD zugleich Führer der Opposition. der mit Leidenschaft für dar Recht eintrat, insbesondere auch für die Wiedergutmachung der an den Juden begangenen Verbrechen. — Der «panische Diktator Franco hat, wie Le Figaro in Paris berichtete, erklärt dass Spanien niemals wieder eine Republik sein werde, nach Meinung vieler eine reichlich provokatorische Stellungnahme für einen amerikanischen Alliierten. — Die Berliner Mauer öffnete sich für die Westberliner iür einige Tage, um ihre ostberliner Verwandten oder Bekannten zu besuchen. Die Tatsache al« solche wurde in allen politischen Kreisen viel beachtet und debattiert. Der rote Chinese Chou En-Lai beendete seine Gespräche mit Nasser in Kairo. Chou En-Lai ist inzwischen nach Algier weitergereist. Registro de la Propledad Inteleetual No. 735 104 Inrpreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 881 , li«!,««#»■