Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 24 (1963)
- Issue
- 2044 (27.12.1963)
- Date
- 1963-12-27
- Page
- [Seite 7] (sequence 7)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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Vierne«, 27 de Diciembre de 1963 LA SEMANA ISRAELITA Año XXIV. No. 20-14 — 7 Ein Rabbiner und seine Nachkommen Das Gewissen des Senats In War-endorf. unweii Miin- | sl«r in VV.. gab o; einmal | eine ansehnliche jüdische I Gemeinde. Ihre Mitglioderzah] verminderte sich wie j überall in den . denlnchtn! Kleingemeinden allmählich. j Kurz vor Ausbruch des Driti ten Reiches zählte sie nur noch 41 Juden unter rund i 8.000 Einwohnern. Ein paar i verwitterte Grabsteine in! der Nähe des ehemaligen Stadtgrabens, unter Strauch werk verborgen und schwer entzifferbare Inschriften tra- | gend. sagen dem Vorüber-! gehenden, sofern cr über- I haupt die Steine wahrnimmt, | da;e sich hier einmal ein j jüdischer Friedhof befand, f Bei dem Eigentümef des ) Geländes erschien vor ein ■ paar Jahren ein Herr der 1 sich als Freiherr von Bros I eensdorf voretellte und dar-! um bat. zu dem verborgen | liegenden Winkel hingeführt |?u w^rden. Er vermutete, es i sei hier daß Grab seines Ur- I umrgrossvaters, des einsti-! gen Landrabbiners Michael Meyer Breslau. In der Tat ergab es sich später wie zutreffend die Vermutung gewesen. An Hand einer Darstellung der genealogiscimmi Zusammenhänge ¡rwisehen Ernst von Bressensdorf und dem Landrabbiner wurde dann im Emsboten“ em längerer Aufsatz veröffentlicht, der einen nicht unbedeutenden Beitrag zur jüoischen FamilieDgeschieh- 1« darstellt. Er diente mir neben den wissenschaftlichen Werken Zur Geschichte der Hofjuden als Unterlage zu der folgenden Plauderei: Michael Meyer Breslau (auch Breslauer) lebte von 1711 big 1789, Als junger ' TaJmudgelehrter kam er aus ' seiner Geburtsstadt Breslau nach Hildesheim. Dort residierte als Landrabbiner und Kammeragent des Fürst bi- 1 schofs Clemens August von j Köln. Herschel Oppenhei- 1 mer aus der berühmten Wie ■ ner Familie. Clemens Au-| gust war zugleich Kurfürst und Bischof von Münster i! W., Paderborn und Hildes- ' heim. Die Genuss- und Ver *eh wendungssucht dieses hohen geistlichen und weltlichen Würdenträger« war grenzenlos, und seine Hofhf!Ä-'iaren sehr damit beschäftigt, seine Geldbe durfnjsse zu befriedigen. Herschd Oppenheimers Sekretär war Michael M. Breslau und wurde dessen Nachfolger, zugleich das Amt als Vorsteher der jüdivon Dr S. BRAUN sehen Gemeinde zu Hildesheim übernehmend. Er avancierte bald zum Hoffaktor ,n Münster und wurde dort zum Landesrabbiner gewählt. Der Bischof gestattete nicht, dass er seinen Wohn- und Amtssitz in Münster nahm, sonoern wies ihm Warendorf hierzu an. Von hier aus leitete er die Judenschaft, zog Steuern und Abgaben ein um sie in die bischöfliche Kasse abzuführcu und amtierte zugleich als Richter für die inneren jüdischen Angelegenheiten. Rabbi Breelau war mit der Tochter seines Amtsvoreängers als Vorsteher in Hildesheim verheiratet Der Ehe entsprossen vier Söhne und zwei Töchter Von weittragender wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Bedeutung wurde der zweite Sohn Loeb Michael. Er durchlief nach des Vater« Tod eine glanzvolle Karriere, was ihm durch Uebertritt zum Katholizismus erleichtert wurde. Die letzte Station dieses Gossunternehmero aus dem westfälischen Städtchen Warendorf war München. Dort bezog er ein prächtige; Haus und liebte es, vierspännig auszufahren. Sein Reichtum, den er im Dienste des Kaisers von Oesterreich und de,; Kurfürsten von Bayern erworben, gestattete eß ihm, das riesige Oedland Donau- Moos bei Neuburg (noch heute als solches auf den modernen Landkarten angegeben) vom Staat zu kaufen, um es trockenzulegen und zur Torfgewinnung geeignet zu machen. Die politfeehen Unruhen der Zeit, insbesondere die Napo leonischen Kriege, brachten es mit sich, dass der Finanzmann seinen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen konnte. Er versuchte zu retten, was zu retten war, und trat in Unterhandlungen mit dem Eigentümer zweier pommeißcher Rittergüter ein; sie sollten als Tausch Objekte für das Oedland dienen, und es wurde ein Kaufvertrag entworfen. Indes bestand ein ungeschriebenes Gesetz, wonach nur Adlige Besitzer der Ritter guter sein durften. Der Kurfürst von Bayern lehnte vorerst ab. da« erbetene Adelspradikat zu verleihen Dafür über gewann Breslau die Gunst des Kaisers Franz, der ihm die gewünschte Nobilisierung gewährte. Er ward als Ritter Breosiau von Bresßendorf in den erblichen Reichsadelsstand erhoben. Unter diesem hochklingenden Namen lebte er noch bis 1805. Dreimal war er verheiratet; zuerst mit einer Tochter des Hoffakfors Berend (Hannover;, dann mit der Witwe des Bankier,; Jakob Kaskel, Ahnherrn de?; Gründers der Dresdner Bank, uid zuletzt mit einer Nichte Henriette Jacobi. mit der er sich in München katholisch trauen liess. Ihr zweitgeborenes Kind Felix wurde Ahnherr sämtlicher Nachkommen des Landrabbinero in deutschen Landen. Er sowohl als auch die Enke] erhielten eine militari sehe Erziehung und wurden hohe Offiziere und Teilnehmer an den Kriegen der Zeit. Einer unter ihnen namens Adolar wurde General und Kriegsminister in Bayern. Sein Bruder Erwin war Mitbegründer und zeitweise Präsident des Deutschen Flottenvereins. Erwins Sohn gleichen Namen,; wurde Inhaber eines angesehenen geographischen Verlages in Leipzig, den nach . seinem Tod Ernst von Bressendorf übernahm, eben jener Nachfahre des Landrabbiners, dessen Bericht die Veranla,:-- ßung zu meinem Artikel gab. Doch wenden wir uns noch kurz zu zwei anderen Söh nen Michael M. Breslaus; David, der ihm im Amt folgte, sowie dessen Bruder Arabische Familien Jerusalem. — Israel hat arabischen Eltern, die in Nachbarländern leben, die Erlaubnis erteilt, sich mit ihren in Israel wohnenden Kindern zu vereinigen, wie Innenminister Mosche Shapiro bekannt gab. — (ITA) ISRAEL - BRIEFMARKEN AK WIEDERVERKAEUFER — ALLE NEU AUSGA¬ BEN ZUM OFFIZIELLEN PREIS Agencia Filatélica oficial VIAMONTE SM, I/B — Bu«a»c Air««, ArftukH del Estado de Israel, WIE LIEGEN DIE FEIERTAGE IM JAHRE 5724 Chamiseha Assar biSchwat Neujahr der Bäume Faßten Ester Purim Scfauschan Purim Schabbat Hagadol Erew Pessach 1. Tag Pessach 2. Tag Pessach 7. Tag Pessach 8. Tag Pessach Gedenken an den Aufstand im Warschauer Ghetto (27. Nissan) Ycm Haatzma'ut Lag BeOmer Erew Schawuot 1. Tag Schawuot Fasten Schiv« assar beTamus Erew Tiseha beAw Fasten Tiscfaa beAw Erew Rosch Hascbana 5725 Mittwoch, d. 29. Januar 1964 Mittwoch, den 26. Februar Donnenstag, den 27. Februar Freitag, den 28. Februar Sonnabend, den 21. März Freitag, den 27. März Sonnabend, den 28. März Sonntag, den 29. März Freitag, den 3. April Sonnabend, den 4. April Donnerstag, den 9. April Freitag, den 17. April Donnerstag, den 30. April Sonnabend, den 16. Mai Sonntag, den 17. Mai Sonntag, den 28. Juni Sonnabend, den 18. Juli Sonntag, den 19. Juli Sonntag, den 6. September Kinderderf in Israel Stuttgart. — Der Christliche Hilfsbund, der im württembergischen Maisenbach seinen Sitz hat, will 27 Männer und neun Frauen nach Israel schicken, die im Kibbuz Gevat Zeil in der Nähe von Haifa beim Bau eines Kinderaorfes helfen sollen. Die freiwilligen Helfer tragen ihre Reisekosten selbst. Der Chrigtliche Hilfebund, der von dem aus Maisenbach stammenden Missionar Friedrich Nothacker geleitet wird, hat sich schon durch die Gründung eines Hauses der Bruderliebe in Naharia einen guten Namen gemacht, ln diesem Haus können bedürftige jüdische NS-Opft-r kostenlos einen zweiwöchigen Erholungsaufenthalt verbringen. (AWZ) Berlinski-Strasse in Lodz Wien. — Der Stadtrat von Lodz hat die Umbenennung der Pfefferstrasse in Berlinski-Strasse beschlossen, um auf diese Weise einen der berühmtesten Kämpfer des Warschauer Ghetto. Hirsch Berlinski, zu ehren, der in Lodz geboren wurde. (ITA) Filmfestival ven Deativille Tel Aviv. — . Israel war mit drei Filmen am ersten Festival der Filme iibeT Flugwesen und Raumschifffahrt vertreten. Die israeli sehen Streifen hiessen .,Höbe, 40.000 Fuss“. „Die Fallschirmspringer“ und ,,Der Weg in die Lüfte“. Israel blieben dem Judentum treu. Die Nachkommen Israels dagegen traten zum Christentum über. Israel hat das Verdier.st. sich der wertvollen Bibliothek des böhmischen Landrabbiners und Finanzmannes David Oppenheimer angenommen zu haben, die über Hannover nach Hamburg gelangte und dort von Israel zu katalogisieren begonnen wurde. Die viele tausend Bände und wertvolle Handschriften umfassende Sammlung ging 1829 in den Besitz der Oxford-Universität über (Bodleiana). Erst hier unternahm es Moritz Steinschneider, sie m dem „Catalogus Librorum Hebraeorum“ mit mustergültiger Akribie zu ordnen. Israels Sohn Meyer Israel gehörte zu den Mitbegründern der Hamburger Relormgemeinde Neuer Israelitischer Tempelverband (1817). Die Nachkommen eines weiteren Sohnes Michael Meyers, des Hirsch Breslau, lebten nicht mehr im Bereich der Finanzen oder des Soldatentums, sondern ergriffen akademische Berufe oder wirkten in der Welt der Kunst. Uns zeitlich nahe sind die Namen Harry und Ernst Bresslau. Harry war ein Historiker von Rang is Strassburg, seine Tochter Helene die Gattin Albert Schweitzers. Ernst lehrte und forschte ebenfalls in Strassburg als Zoologe. Beide sind — soweit mir bekannt — nicht aus dem Judentum ausgeschieden. Die Nationalsozialisten entzogen der Gattin Schweitzers die Staatsbürgerschaft. Zum Abschluss sei ein Sohn Hirechs erwähnt, der sich gleich dem Vater Heinrich nannte. Er wurde Mediziner und nahm am Feldzug Napoleons I. gegen Russland teil. Nach der Taufe wurde er Universitäts - Professor in München und Leibarzt König Ludwigs I-, der ihm den persönlichen Adel verlieh. Ein Zweig der Nachkommen des Landrabbiners von Münster fasste Fuss in Dänemark und weist die Namen bedeutender Kaufleute, Lehrer, Pfarrer. Arbeiter und Seefischer auf, während die in Süddcutschland sich verwurzelnde Linie urwüchsige und zünftige Gebirgsbauern hervorbrachte, die es sich gewiss nicht träumen liessen, einen Rabbi als Ahnherrn zu haben. ron MILTOM FRIEDMAN Wisinngton. — Herbert Lehmen wird in Washington als „Gewiesen des Senats“ fortlebm. Er verabscheute jede Art von traditionsbedingteu Kompromissen. Seine Auflassung von der Gesetzgebung für die Menschenrechte erhob sich über jegliche Partei-Interessen und er pflegte zu sagen I dass ..das Ziel der Gleichheit unter den Menschen niemals ausgehandelt werden kann“. Die Freimütigkeit, mit der er die „Reaktion innerhalb beider Parteien“ anzugreifen pflegte, brachte es mit sich, dass er den Kampf anführte, obwohl er schon zu den ältesten Senatoren zahlte Die Leidenschaft, dte er hierbei an den Tag legte, schien wenig zu dem würdigen und freundlichen Herrn zu passen. Er war ei ner der ersten, der seine Stimme gegen die Schnüffeleien des verstorbenen Senator» McCarthy erhob, von dem Lehman behauptete, er und seine Anhänger seien „Inquisitoren, die einen jeden verdächtigen, der der Unfehlbarkeit McCarthys beugt“. Sein unerschrockenes Auftreten gegen McCsrihy —— -dessen schmutziges Spiel die meisten Senatoren einschüchterte und zum Schweigen brachte — zeigte die politische Integrität Lehmans. Als McCarthy, der damals a* , dem Gipfel seiner Macht stand, in einer Brandrede vor dem Senat verschiedene hohe Beamte der Regierung sowjetische Spione nannte und ihre Namen von einem Schriftstück ab las, machte Lehman den Einwand, dass der Senator diese aus dem Zusammenhang herausgerissen hatte und forderte ihn auf, das vollständige Dokument zu verlesen Nach einem heftigen Wortwechsel bot Mc¬ Carthy schliesslich Lehman an, ihm das Dokument ge jegentlieh auszuhändigen. Lehman jedoch streckte seine Hand aus, um es in Empr?nJuZU nehmen, was Mc¬ Carthy verweigerte, worauf die die Szene wortlos beobachtet hatten m Beifall für Lehman ausbrachen. Bei einer anderen Gelegenheit erhob McCarthy gegen Lehman den Vorwurf die postalische Gebührenfreiheit zu m.r.sbrauch n, die ihm als Senator zustand Hierbei bezog sich McCartny im besonderen auf die Verteilung emer R"- de in cer Lehman sowohl McCarthy wie auch McCarran <=cnarf angegriffen hatte. McCarthy versagte es sich auch nicht, gleichzeitig zu erwähnen, dass Lehman ,einer der reichsten Senatoren“ sei, und freigebig den Verdacht zu äussem,. dass Lehman Verbindungen zum Kommunismus unterhalte. Lehman entgegrete, er habe keinen Anlass, sich dafür; u entschuldigen, dass er da.- allen Senatoren gewahrte Privileg der unentgeltlichen Postbeförderung in Anspruch genommen habe, und er fügte hinzu: ,.!ch werde «egen die McCarthy- Bewegung kämpfen, solang« ich die Kraft dazu habe, ohne dass ich mich hierbei beeinflussen Isrise“. In den darauffolgenden Tagen häuften sich die Brief« an den Senator bergeweise auf seinem Schreibtisch. Sie enthielten Bankanweisungen, Dollarscheine, selbst Briefmarken, denn die Leute hatten fälschlicherweise verstanden, dass McCarthy ihm die Portofreiheit entzogen hatte, und wollten ihm helfen. Lehmans Vater, Mayer Lehman, der aus Deutschland anegewandert war, hatte sich in Montgomery in Alabama niedergelassen und betrieb dort als angesehener Bürger dieser Stadt e‘n Baumwollgeschäft. Im Bürgerkrieg übernahm er auf Ersuchen des Gouverneurs von Alabama die Fürsorge für die Soldaten, die in die Gefangenschaft der nordstaatlichen Truppen geraten waren, um ihr Los zu erleichtern. Später verzog Mayer Lehman nach New York, wo er die Baumwollbörse dieser Stadt und ein Bankhaus gründete. Sein Sohn rat in dieses Unternehmen ein, und erst später wandte er sich der Politik zu, um sich bald als Vertreter liberaler Ideen einen Namen zu machen. Herbert Lehman starb einen Tag bevor er im Weißsen Haus aus den Händen des Präsidenten Johnson den Freiheitspreis empfangen sollte. Jetzt wurde ihm diese Auszeichnung pest mortem verliehen. _ .. APPELL der Einheitskampagne: Da die Einheitskampagne 1963 am 31. Dezember zum : Abschluss gelangt, bitten wir : 1. ) Alle diejenigen, die ihre Beisteuerungen noch nicht vollzogen haben, dieses nun sofort zu tun. \ 2. ) Oie Quotenzahlungen — wenn irgend moeglieh — bis zu diesem Datum zu beenden. 3. ) Die, die bisher nur gezeichnet, aber noch nicht \ gezahlt haben, ihre UeberWeisungen sofort vor« zunehmen. COMITÉ CENTROEUROPEO DE LA § CAMPANA UNIDA PRO ISRAEL \ Sarmicnte 2376, 3er. p. — T. E. 47-3820 \ 5? - '»liHiiiiiuiiiiiiiiiiititiiiiiiiiiiiiiiiuniiiiiuiuiiHttutuiiiiiuitiiutiimiiiiiiiuiiiimiiimHimiHfi 020001025323485323235323532301000101020101010001532353235323232348230000