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Jüdische Wochenschau · 1963-12-27 · 2044 (27.12.1963) · p. [Seite 5]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
24 (1963)
Issue
2044 (27.12.1963)
Date
1963-12-27
Page
[Seite 5] (sequence 5)
Language
German, Spanish
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V«27 de Diciembre de IMS LA SEMANA ISRAELITA Año XXIV. — No. 2044 Die Zionistische Jugend farm auf den Namen von Dr. Israel Goldstein in Jerusalem - Katamon bietet auch in den Sommerfellen keinen weniger lebendig-be- 1.iiebsamen Anblick als während des Schuljahres. Der Direktor der Jugendfarm legi dar. dass ee zu den Aufgaben dietses weitläufigen, mit Grünflächen und schattigen Bäumen bepflanzten Instituts gehört, in den Sommermonaten andere Gruppen aufzunehmen, während die Schüler der Jugendfarm ausserhalb Jerusalems ihre Ferien verbringen. Die grösste Gruppe, so erzählt Seew Schickler, war eint Jugendgruppe aus den USA, bestehend aus 120 Burschen und Mädchen im Alter von 15 bis 19 Jahren. Sie kamen nicht aus eigentlich zionistischen Verbänden, sondern aus der Jugendabteilung der Bene Brit Logen einerseits und NFTY (Nationale Föderation der Tempel Jugend) andererseits, der Jugendbewegung der Reform gemeinden. Die zweite Gruppe von 60 Jugendlichen im Alter von 13 bis 19 Jahren stammte aus Frankreich. Es handel- 1e sich hier um Söhne und Töchter stark assimilierter Familien, die während ihrer Jerusalemer Ferienwochen erste Einführungen in das Judentum erhielten, natürlich im Sinne einer zionistischen Jugenderziehung. Der Elternrat „Wa’ad Hahorim“ aus Tel Aviv hat eine Gruppe von 80 Sabres zwischen 10 und 15 Jahren auf die Jerusalemer Jugendfarm entsandt, und so kommen die „Kinder Israelis“ mH den „Kindern Judas“ aus aller Welt hier in lebendigen Kontakt. Zu den Sabres gehören sozusagen ehrenhalber auch die 40 Zöglinge der Jugend- Alija, die ständig in der Jugendfarm leben. Diese Jugendlichen ' sind zwar meist er st zwei und drei Jahre im Lande, aber sie sprechen natürlich bereits Iwrit und empfinden sich gegenüber den Feriengästen als die Hausherren und Gastgeber. Waschechte Kinder des Landes aber sind auch die 25 jungen arabischen Chri- «sleo und Moslems, Jungens und Mädchen aus Tarshicha, die zum Glück gut Englisch epxechen, sodass sie sich mühelos auch mit den 16 Gästen aus Zypern, jungen aus Deutschland Mer.e-chen der griechischen; und türkischen Gemeinschaft ' dieser Nachbar-Insel, veri ständigen können, während i andererseits orientalisch jüdische Jugend mit den jungen israelischen Arabern in ihrer . Muttersprache sprechen kann und dies auch begeistert tut. Das absolute Novum aber war zum ersten Male eine Gruppe von 40 jüdischen Jugendlichen 15—18-Jährige) au.3 der deutschen Bundesrepublik. Stammten die anderen Jugendlichen aus der Diaspora oft aus grossen, woblorganisierten und jüdisch aktiven Gemeinden, so kam diese Jugend eher aus einem jüdischen „Inseldasein“. Den Kern der Gruppe bildeten 13 Mitglieder der Z.J.D. (Zionistische Jugend in Deutschland), die sich hebräisch als „Hanoar Haziooi de - Germanija“ deklariert. Hinter diesem schönen, klangvollen Namen stehen ganze 300 (dreihundert) Jugendliche im ganzen Gebiet der Bundesrepublik und in Berlin, gemäss den Angaben der Jugendlichen selbst. Hinzukommen noch weiter^ 27 Jugendliche aus den Landesverbänden und Gemeinden mit ihren Jugendzentren, die nicht ausgesprochen zionistischen Charakter tragen. Die jungen Juden und Jüdinnen aus Deutschland machen einen frischen und freien Eindruck, sie akklimatisieren sich sehr rasch an die Sabra-Jugend und sind weniger von ihr zu unterscheiden als etwa die amerikanisch-jüdischen Jugendlichen. Berlin, Düsseldorf, Wanne- Eickel (jüdischer Unterricht in Gelsenkirchen', München, Straubing, Frankfurt waren vertreten, dort ist auch die Zentrale der „Zionistischen Jugend in Deutschland“. Aber selbst aus Orten wie Garmisch Partenkirchen ist ein besonders grosser und kräftiger Junge erschienen, der einzige junge Jude weit und breit in seiner schönen Hochgebirgsumgebung, der erstaunliche jüdische Kenntnisse an den Tag legte. Er liest und eignet sieh — in deutscher Sprache — jüdisches Wissen an. von SCHALOM BETS CHORiN Tradition verpflichtet! CARLTON-Kleidung ist Kleidung guten Stils, sie ist meisterhaft gearbeitet und nicht teurer als gewoehnliche Kleidung! In Fertigkleidung die gesamte Linie, wie: ANZUEGE aus: Terylene, Dracön, Alpaca, Tropical. Kammgarn, Leinen. HOSEN aus: Terylene, Tropical, Acrocel, Leinen, Poplin. SAKKOS aus: Leinen. Tropical. Fibrana. Weisse Sakkos und Smokings, Cardigans, Regenmantel, Freizeitkleidung — Blazer. Oberhemden: van Heusen, Non Plus, Perfekta Lew. Buschhemden — Schlafanzüge (Kurze und lange Hosen). Krawatten (importiert) — Socken. UND WENN SIE MASSKLEIDUNG WUENSCHEN, ERST RECHT ZU CARLTON! Ständige Passformkontrolle Anfertigung aus mitgebrachten Stoffen Auch Junioren kaufen gerne bei CARLTON! .Praktisch denken, von CARLTON schenken! Individuelle persönliche Bedienung! Fachgeschaeft fuer Herrenbekleidung 1 Carlton f ERNST KOPPEL MAIPU 982 T. E. 31-7845 Die Jugend- und Hechaluz- Abteilung der Zionistischen Organisation hatte mich aufgefordert, an zwei Vormittagen zu dieser Jugend zu sprechen. Es war dies meine erste Begegnung mit jü- | discher Jugend äuß Deutschj land seit Jahrzehnten, seit ich eelbst in der jüdischen Jugendbewegung Deutsch- I lands aktiv war. Lang, lang 1 ist‘s her. Zu deutscher Jugend —; evangelischer und katholii scher, — vorwiegend Stu-! denten, hatte ich in den letzten Jahren oft und oft gesprochen: über Israel und über Judentum. Aber jüdische Jugend bekommt man in Deutschland nur selten zu Gesicht; nur selten bekommt man so eine Gruppe in den Griff. Das kann am besten in ... Jerusalem geschehen; denn diese Jugendlichen sind in ihren Heimatsgemeindtn meist zu vereinzelt, um wirkliche grössere Veranstaltungen durchführen zu können. Hier trifft man sich, denn alle jüdischen Wege führen nach... Jerusalem. Zunächst ist es für uneereir.en ein ungewohntes Ge fühl, zu jüdischer Jugend deutsch zu sprechen und von ihr sogar in jenem Neudeutsch. das uns oft weniger geläufig ist, angeredet zu werden. Aber schon nach Minuten war der Kontakt da. Es hagelte Fragen und Antworten. Diese Jugend bemüht sich um jüdisches Wissen und um jüdische Erkenntnis, schreibt sich fleissig Literaturhinweise auf; kennt, was man in einem Lande kennen kann, wo es an jüdischen Jugendleitern mangelt. , , Beispiel: ich frage nach modernen hebräischen Dichtern. Ein Name ist bekannt: Bialik. Aber damit „hat es eich“ auch. Tschernichowsky iet schon eine unbekannte Grösse, von S. J. Agnon hat man nichts gehört. Hier wäre viel nachzuholen, zumal ja manches von diesen Klassikern unserer neueren Literatur in deutscher Uebersetzung vorliegt, heute freilich nur schwer zugänglich ist. Geschichte des Zionismus? Ich verweise auf das klassische zweibändige Werk von Adolf Böhm: „Die Zionistische Bewegung“. Ein aufgeweckter Junge aus Düsseldorf macht den Zwischenruf: „Nicht zu haben!“ Das beweist, dass er sich bemüht hat. Er hat leider recht. Das Werk Böhms, eines der Opfer Eichmanns, ist in Deutschland höchstens noch in Bibliotheken einzusehen. So empfehle ich — typisch für die heutige Situation — das Buch des jungen evangelischen Theologen Michael Krupp „Vergesse ich dein Jerusalem — Von der Zionssehnsucht zu Israels Wiedergeburt“, das 1962 in Metzingen, Württemberg, erschienen ist. Ein christlicher junger Autor, der ein Jahr in Israel gelebt hat, bietet jüdischer Jugend in Deutschland das einzige greifbare Buch zur Geschichte des Zionismus! Von den zionistischen Klassikern empfehle ich Moses Hess, dessen Schriften soeben in Deutschland mit Unterstützung der Stadt Köln bei Joseph Melzer neu herausgekommen sind. Sodann verweise ich natürlich auf Leon Pinskers „Autoemanzipation“ und endlich auf Theodor Herzl« „Der Judenstaat“. „Wann und wo ist Moses Hess geboren?“, frage ich. Man rät so ungefähr das richtige Datum: 1812. Aber wo? Ein Junge sagt: „In Pokn“. Ich widerspreche: .Nein in eurer unmittelha- : ren Umgebung, in Bonn, der | Bundeshauptstadt.“ Da erhebt sich ein gewissenhaftes Mädchen und korrigiert mich: „Zeitweilige" Bundeshauptstadt. .. “ Man hört die Stimme des deutschen Lehrers aus den Worten der jüdischen Schülerin. . , ,. „Wer ist Jude?“, diskutieren wir sodann. Verschiedene Antworten kommen: von der halachischen „Wer vcn einer jüdischen Mutter geboren ist“, die ein orthodoxes Mädchen gibt, bis zu der poetischen „Wer zur Schar derer gehört, die im Anruf der Erwählung zum Volke wurde.“ Das sagt (wörtlich) ein Junge aus Frankfurt, der seinen Martin Buber auswendig kann. „Jüdische Kommunisten können nicht als Juden gelten“, erklärt apodiktisch ein Junge aus Wanne - Eickel. (Der Einfluss der Umwelt ist hier sonnenklar.) Ich polemisiere nicht, frage lieber, ob die anderen auch dieser Ansicht sind. Ein Mädchen bemerkt realistisch: „Wenn sich jüdische Kommunisten auch nicht als Juden fühlen, ihre Genossen sehen sie doch als Juden an; das war schon immer so.“ Ich habe nichts hinzuzufügen. Wir reden von der Bibel. Die Bibelkenntnisse sind mittelmässig. Man kenn^dureh aus biblische Geschichte. Wir gehen die Vergangenheit unseres Volkes durch, von Abraham, dem ersten Zionisten, über Jizchak. den ersten „Sabra“, zu Jakob, dem ersten „Jored“, der das Land der Verheißung wieder verlässt... Moses, Josua, Richter, Könige, Reichsgründung, Reichsteilung. Babylonisches Exil, Rückkehr unter Esra, Nehemia, Serubabel — alles bekannt. Die Propheten weniger, die Psalmen kaum. Was ist der Grund? Man ,hat‘ biblische Geschichte, aber man liest nicht Tenach, — alles, „wie gehabt“, wie in unserer eigenen Jugend. Es kann keine Rede davon sein, biblische Texte hebräisch mit diesen Schülern zu lesen, aber man sollte es deutsch versuchen. Welche Uebersetzung wird benutzt? Ich kann keine klare Antwort bekommen, während mir christliche Jugendliche aus Deutschland hier meist sagten: wir lesen lieber die Zürcher Bibel oder die Menge-Bibel, da der Lutker- Text so antiquiert wirkt. Man müsste eine jüdische Volksbibel in die Hand dieser jüdischen Jugendlichen deutscher Muttersprache geben, ehe sie genügend Hebräisch können. Ich empfehle Zunz und Tur-Sir.ai; noch nicht Buber, der für dieses Alter sprachlich zu kompliziert ist. Warum ist die Bibel die Grundlage unserer Kultur und unseres Lebern in Israel? Ein Junge sagt: „Weil hier Gott redet“. Ich nehme die Antwort an. gebe aber zu bedenken, dass die hebräische Bibel auch für die NichtrdBgiösen unter uns im Zentrum steht. Warum? .Weil hier die Gesetze stehen, nach denen sich nie Menschen richten eollen.“ Eine weitere Antwort erfolgt nicht, also: nur ein re ligiöser und ein ethischer Gesichtspunkt. Hier wird der Unterschied zwischen der israelischen Jugend und der jüdischen Jugend aus Deutschland blitzartig klar. Ich versuche darzulegen, dass die Bibel in Israel für Fromme und Freie gleichermassen gilt, nämlich als Quelle unserer Geschichte, unserer Sprache, unserer Landeskunde und Archäologie, unseres Daseinsverständnisses als Volk der Bibel im Lande der Bibel. Dieser Zugang ist neu, wird fleissig mitgeschrieben. Hier kann und muss jüdische Jugend aus Deutschland zusätzliche neue Aspekte gewinnen, aber auch Israels Jugend kar.n, könnte von dieser Galut - Jugend manches lernen. Mit welchem Herzenstakt erklärt man, dass bei allen gemeinsamen Aktionen alle Vorschriften der Religion streng eingehalten werden! Wenn man auch zuhause nicht kascher isst, auf Fahrt, im Lager wird nur kascher abgekocht, und die Jungens haben sogar ein Käppchen bei der Mahlzeit auf, und am Schabbat hält man gemeinsam Gottesdienst ab. Gerade weil diese jüdische Jugend zahlenmässig so gering ist, muss sie gemeinsame Formen finden, die allen jüdischen Jugendlichen die Beteiligung au Fahrten, Lagern, Heimabenden ermöglicht. Auch die Jugendfarm in Jerusalem versucht ähnliche Prinzipien zur Geltung zu bringen. Obwohl sie nicht zum religiösen Sektor der Jugend-Alija gehört, wird die Küche strikt kascher geführt, werden am Freitag- Abend Lichter entzündet und es wird ein Kiddusch gemacht; sodann findet eine Vorlesung aus dem Wochen- 1 absch*iitt in hebräischer und . englischer Sprache (wäh- I rend der Ferien mit Rück-! sicht auf die Sommergäste) statt; hebräische Lieder und | Volkstänze schliessen sieh dem gemeinsamen Abendesi sen an. Aber leider unter-! bleibt hier ein gemeinsamer Jugendgottesdienst. Man will! den Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit gehen, , die verschiedenen Synago- 1 gen Jerusalems kenn.enzulemen. Das ist praktisch j aber kaum möglich, da die Jugendfarm in Kattamon zu weit ausserhalb der Stadt 1 liegt. j Am Abend des zweiten , Tages meiner Begegnung mit jüdischer Jugend aus Deutschland hatte ich noch eine ergänzende Begegnung mit deutscher Jugend in Is- . rael: Schülern und Schülerinnen der Prima und Ober-! prima der Albert Schweiti zer-UNESCO Schule aus Hofgeismar, nahe der schweij zer Grenze. Diese Gruppe hatte sieh zwei Jahre auf . den Besuch in Israel vorbe-! reitet und machte hier ge-! meinsam mit israelischer Jugend eine grosse Fahrt! durchs Land. Das Erstaun- : liehe war für mich, dass ich I die Sabras und die jungen Deutschen nicht auseinan- 1 derhalten konnte. Die beson-! ders Blonden waren oft jun- | ge Hebräer, und dunkelhäu- I tige Mädchen erwiesen sich als aus Hofgeismar stammend. Es war wie ein Seminar zur Widerlegung einst tödlicher Basseutheorien. NEUEROEFFHUNG: KOFFER - REISETASCHEN BRIEFTASCHEN - HANDSCHUHE K. 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