Mannheim
Compact Memory

Jüdische Wochenschau · 1963-12-27 · 2044 (27.12.1963) · p. [Seite 1]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
24 (1963)
Issue
2044 (27.12.1963)
Date
1963-12-27
Page
[Seite 1] (sequence 1)
Language
German, Spanish
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/9616703-9613667-9614245--3124-9614246
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

PUEYRREOON 2190 — 1? izq. JüxJkm&naJsh&j&liia T. E. 832613 ANO XXIV BUENOS AIRES, VIERNES 27 DE DICIEMBRE DE 1963 No. 2044 Beginn des Auschwitz-Prozesses Di* nüchternen Tatsachen sind bekannt: sie seien kurz wiederholt. Der Auschwitz- Prozess ist einer der grössten deutschen Nachkriegs- Prozesse . Er wird gegen 22 Angeklagte geführt, darunter höbe ehemalige SS-Führer. Lagerärzte und sonstige politische und Lagerbeamte. Der letzte Kommandant des KZ Auschwitz, der nach einer sensationellen Suche in der Nähe von Ham-! bürg als Waldarbeiter ge- | fangen genommen werden; konnte Richard Bär, ist | nicht mehr am Leben. Elf! von JAKOB KATZ-ROGASEN die Diskussion über die oder sie erschossen die Genicht bewältigte deutsche — aber auch über die von uns nicht bewältigte eigene — Vergangenheit, die Sorge und der Schmerz über das Schicksal von Millionen Juden werden auch in Jahrzehnten nicht verstummen, weil das aufgerüttelte Gewiesen nicht zur Ruhe gelangen kann. Deswegen sind alle Kritiken, von w'eleher Seite sie auch kommen, selbst so wohl gemeinte, wie die jüdischen Zeitungen ¿oll- Angek.ogte werderf der Miti ten hierüber nicht so viel täterschait im Mord, die restlicher! .nur“ der Beihilfe beschuldigt. Vor dem Beginn der Verhandlungen befanden sich eine ganze Reihe von Angeklagten wieder auf freiem Fuss (!) gegen Stellung einer Kaution oder aus gesundheitlichen Gründen. Unter ihnen befanden sich auch solche, cie der Mittäterschaft en millionenfachem Mord argeklagt sind. Eine Erklärung für dieses grosszügig« Verhalten, SS-Leute, die unter dem Verdacht ste schreiben, völlig fehl am Platze. Die Thematik unseres Lebens können wir nicht allein bestimmen. Der Auschwitz-Prozess hat in allen Ländern grosses Interesse ausgelcst. Welche Wirkungen und Folgen er haben wird, ob er noch einmal dazu beiträgt, das Gewissen des deutschen Volkes und der Menschheit aufzurütteln, um aus den Schrecknissen und Verirrungen der Vergangenheit für eine neue Zukunft endlich etwas zu DER ERSTE VERHANDLUNGSTAG hen. an der Liquidation von j lernen, bleibt abzuwarten. — Millionen mitgewirkt zu haben, -aider Aufrechterhaltung des Haftbefehls auf freien Fuss zu setzen, dürf- I Frankfurt am Main. — te es wohl nicht geben. i der 68jährige ehemalige Ad- , Die h ankfurter Staatsan- | jufant aus Auschwitz. Ro-! waltscnaft hat mehrere Jah- > bert Muike, W'ar den Tränen 1 re zur Sammlung des Mate- - Kahe, als er den Richtern , nais für den Prozessge gej die Geschichte seines De- ' braucht, oer mit grosser j jæng erzählte. Der angese- I fangenen vor der schwarzen Mauer zwischen den Blökken 10 und 11 in den Jahren 1941 bis 1945.' Bisher bekannte sich nur ein einziger — der 57jähriöe Wilhelm Boger — mit fanatischer Begeisterung z’u dem Regime, dem er 16 Jahre hindurch gedient hatte. Er W'arf sich in die Brust, wurde aggressiv, und als Staatsanwalt Hofmeyer ihn fragte, ob er im Jahre 1922 in die Hitlerjugend eingetreten sei, ant-; vvortete er mit einem 6tol- | zen „Ja“ und fügte hinzu:; ,,Meine Parteinummer war | eine der niedrigsten. Ich hat-; te die Nummer 2779.“ Darauf erzählte er, dass er „Glück hatte“ und fliehen konnte, als er 1946 mit einem Transport nazistischer Kriegsverbrecher nach Polen verfrachtet wurde. Er kehrte m seine Dorf in der Nähe von Stuttgart zurück und lebte dort ohne Papiel re. „Ich brauchte keinen Ausweis. Alle kannten mich : und wussten, was ich getan; hatte. Die Polizei wusste es j und auch der Bürgermei- I tster. Niemand wäre auf den Gedanken gekommen, mich den Polen oder den ßesatzungsbehörden auszuliefern. Schliesslich sind wir .Deutsche“ solidarisch und nicht wie andere Völker“, schloss er. Austausch von Gefangenen Jerusalem. — Israel wird Massnahmen ergreifen, um die Riickkabe weiterer 8 Israelis durchzusetzen die in Syrien gefangen gehalten werden, nachdem es jetzt zu einem Gefangenenaustausch zwischen Syrien und Israel kam. als die Regierung von Damaskus 11 Israelis gegen i8 in Israel gefangene Syrer freiliess. Wie die israelischen Gefrngnien berichteten, ist einer der Israelis von den Syrern hingerichtet worden, während ein zweiter im Gefängnis Selbstmord beging. Einer der Freigelassenen berichtete, dass sie vou den syrischen Gefängnisbeamten brutal behandelt worden seien. Israel hat sich an die UN-Beboachter mit dem Ersuchen gewandt, die Berichte der befreiten Israels über die Behandlung in den syrischen Gefängnissen nachzuprüfeii und festzustellen, ob noch weitere israelische Bürger in Syrien eingekerkert sind, deren Freilassung vor den UN-Behcirden ln New York betrieben werden soll. Inzwischen hat Israel das Internationale Rote Kreuz gebeten, die Zustände in den syrischen Gefängnissen zu untersuchen, in denen die Israelis gefoltert wurden. t u,ll £ atN cus.<!.. £5HKQL. DOSV. Zu den deutsch-israelischen Beziehungen: Prof. Erhard: Entschuldigen Sie> ich habe beide Haende voll... WIE ICH ES SEHE' Gründlichkeit vorbereitet worden ist. Der erste Band der Anklage stellt eine Arbeit von grossem historischen Wert dar, sodass zu hoffen bleibt, dass diese Studie v ie man diese Untersuchungen und Betrachtungen bezeichnen muss, der Forschung zugänglich gemacht werden wird. Die Ermittlungen erstreckten sich zunächst auf die genaue Lage des Lagers mit all seinen Nebenlagern und Stätten*'der vielen Verbre¬! Irene hamburger Geschäftsmann weinte nicht etwa über die Million unschuldiger Leben, die in Auschwitz bestialisch ausgerottet wurden, sondern er vergeeß bittere Tränen, als er davon sprach, wie er aus Auschwitz kommend nach Hamburg gerade zu der Zeit zurückgekehrt sei, als britische Bombenflugzeuge die Stadt in Trümmer legten. Dieser Angriff, so berichtete er mit gebrochener Stirn- Die Juden in Russland von JEHUDA GOTTHEIMER . , . , , .... me, habe 70.000 deutschen I Frauen und Kinder getötet. ,lch habe bei den Rettungste teuflische System, die Organisation des Lagers in allen seinen Teilen, die Arbeit. die Selektion, die Vergasung und die sonstigen Mordstatten. Mehr als vier Millionen Menschen sind in diesem Lage um gebracht worden, davon mehr als zweieinhalb Millionen Juden ... — Rund 250 Zeugen werden verhört werden. Der Prozess wird viele Monate dauern. Mar. nimmt an. dass nur die Nürnberger Prozesse grösseres Ausmass als dieser h'- tten. Dei .Auschwitz - Prozess wird nk-JP der letzte Kriegsverbreche:-Prozess sein, der in Deutschland zur Durchführung gelange»! wird. Natürlich wurde vor dem Beginn dieser wie anderer Prozesse cim über diskutiert, ob es richtig, vernünftig, zweckmassig oder sonst etwas sein w ürde, auch heute noch — so viele Jahre später — diesen Prozess “ins Rollen zu bringen Die Frage wird nicht von Deutschen gestellt, che es überdrüssig sind, sich wegen der Vorkommnisse in diesem Lager wie in anderen Ausrottungs- Stätten der Nazis schämen müssen. Die Frage stellen auch Juden, die nicht an das Leid ihrer Nächsten erinneri zu werden wünschen, weil dies ihre Ruhe stören könnte. Man soll sich nichts vormachec. Die Öehaue über iie nazistischen'VtfriHVCften, arbeiten alles; getan, was ’ mir möglich war“, fügte er j hinzu. ' Die 22 Angeklagten sind Männer, die einen soliden | Eindruck machen und alle . der gutsituierten Bürgeri klasse angehören. Sie sind ' liebenswürdig und sehen ihr i Lebensziel darin, ihren Kin- | dein eine gute Zukunft zu sichern Aber sie alle arbeij teten auf dem Bahnsteig in Birkenau und nahmen die j Opfer in Empfang, oder sie! schleuderten Giftgas in die Gaskammern in Auschwitz, i Untersuchung abgeschlossen Amsterdam. — Das von der niederländischen Justiz eingeleitete Ermittlungsverfahren gegen den früheren SS Führer Erich Rajakovic ist abgeschlossen worden. Die Untersuchung sollt« die Tätigkeit von Rajakovic in den Niederlanden aufhellen wo er während des Krieges im Auftrag Adolf Eichmanns wirkte. Ihm wird vor allem zur Last gelegt, Tausende niederländischer Juden deutschen Vernichtungslagern ausgeliefert zu haben. Das in mühsamer Kleinarbeit gesammelte Beweismaterial soll auf diplomatischem Weg der österreichischen Justiz zur Verfügung gestellt worden. — tAWZ) . Die Geschichte der Juden I in Russland ist eine Gej schichte langer Leiden. In den Memoiren Weizmanns kann man hierüber manj dies Interessante nachlesen. Als die Revolutionen über I das Zarenreich hinwegbrausten, erwachte in den Herzen beinahe aller Juden die | Hoffnung auf Befreiung aus! einer Situation unvorstellba- I rer Skl-verei. die den Status der Leibeigenschaft mit geringen-Variationen in das 20. Janrhundert getragen hatte. Die Menschewiken und später die Bolschewisten erschienen als die Befreier. Die Ernüchterung kam später. Aber das alte Joch wurde und blieb zerbrocheu. Wenn man will, kann man an dieser Stelle eine historische Parallele ziehen, die — wie jeder Vergleich — gewiss mit dem gehörigen Verstand gezogen und betrachtet werden muss. Als die Macht der Nazis langsam zusammenbrach, und sich die deutschen Truppen aus Ost und West auf ihr eigenes Gebiet zurückzogen, erschienen die roten Armeen für die überlebenden Juden in den Konzentrations- und Arbeitslagern, in den Wäldern und sonstigen Verstekken als Befreier. Sie waren es auch. Wie damals haben die Kommunisten unsere Peiniger beseitigt. Das soll niemals vergessen und muss immer betont werden, wenn wir uns mit dem Problem der russischen Juden unter der sowjetischen Herrschaft beschäftigen. So viele Aehnlichkeiten im nazifaschistischen wie im kommunistischen System enthalten sein mögen, die russischen Machthaber haben cie physische Vernichtung des jüdischen Volkes zu keinem Zeitpunkt als einen Programmpunkt angesehen. für den der.gesamte Staatsapparat arbeiten musste. Wir brauchen uns auch nicht mit denen auseinanderzus.itzen, die jeden als Kommunisten verdächtigen, der nichi nach dem primitiven Rezept einer billigen SchvBarz Weiss-Malerei verfährt und nun alles verdammt, was von kommunistischer Seite kommt. Das sind übrigens meistens gerade diejenigen, die Wasser predigen und Wein trinken diejenigen, die gegen die Sowjets wettern, aber mit ihnen die besten Geschäfte machen. Wenn wir uns mit der Frage der Lage der Juden in Russland auseinandersetzen, dann geschieht Chinesen und Aegypter London. — Rotchinas Preir.’trminister Chou-en Lai versprach in Kairo den arabischen Staaten seine Unterstützung bei ihren Bemühungen, „die Rechte der palästinensischen Flüchtlinge zur Rückkehr nach Israel zu unterstützen, wie aus hier eingelaufenen Meldungen ergeht. Da»; Veisprechen ist in einem gemeinsamen Communiqué enthalten, das Chou-en Lai und der ägyptische Diktator Gamal Abdel Nasser bei Beendigung des siebentägigen Staatsbesuches des chinesischen Gastes veröffentlichten. Als Gegenleistung für diese Hilfe veisprach Nasser, dass sei» Land sich für die Bestrebungen der rotchinesischen Regierung einsetzen werde, die die Rückeroberung von Formosa zum Ziel haben (ITA) dies auf einer anderen Ebe ne als auf derjenigen politischer Tagesfragen mit ihren wechselnden Notwendigkeiten oder im Rahmen wirtschaftlicher Machtpositionen. Unser Ziel ist nicht eine Einflussnahme im Weltgeschehen, sondern die Rettung euer Juder.heit, die seit Jahrzehnten vom lebendigen und blühenden Stamm ihres /olkes abgeschnitten wurde. Unsere Ziele sind die Re ilisierung der Forderung nach politischer Gleichberecht;gung der russischen Juden und die Anerkennung seitens c.er russischen Regierung dass die Menschenrechte ¿.uch auf die russische Judenheit angewandt werden sollen. In diesen Grenzen sind unsere Kritiken und Forderungen zu verstehen. Wir wollen unterstreichen, dass wohl k&ine andere Lebensauffassung oder Weltanschauung in einem so starken Gegensatz zu dem kommunistischen Weltbild steht wie die jüdische. Auf die scharfen Gegensätzlichkeiten soll an dieser Stelle nicht näher eingegangen werden, weil dies in diesem 'Zusammenhang nicht Gegenstand unserer Betrachtungen sein kam. Selbstverständlich müssen wir uns dieser Tatsache bewusst sein, jni viele Entwicklungen zu verstehen, die direkte Folgen dieser Meinungsverseh:edenheiten sind. Der j Hinweis dass eine Reihe i der kommunistischen Ideoj logen Juden gewesen sind,! hat nur für die eingefleischten Antisemiten einen propagandistischen Wert, mR der Sache selbst aber nichts zu tun. Diese, von jüdischer. Eltern .Rammenden Ideologen des Kommunismus wie Neuer Kommandant der UNEF Vereinte Nationen. — Der brasilianische General Otswaldo de Araujo Motto wurde als Nachfolger des indischen Generals P. S. Gyani zum Befehlshaber der UN-Truppen (UNEF) ernannt, wie der Generalsekretär der Vereinten Nationen, U Thsnt, ankündigte. Die UNEF-Einheiten sind bekanntlich an der israelischen Grenze in Gaza und in Sharm el Scheik am Golf von Akaba stationiert. (ITA) strich zwischen ihrer jüdischen Vergangenheit, soweit sie überhaupt eine hatten, vnd ihrer kommunistischen Eixistenz gezogen (wie ebenfalls z. B. Marx). — In den nachstehenden Betrachtungen führen wir keine Polemik mit der Aussenwelt, sondern versuchen lediglich. uns selbst Klarheit in einer Frage zu verschaffen, die für die Zukunft unseres Volkes von sehr grosser Bedeutung ist. Denn die in der Freiheit lebenden Jude« haben die Verpflichtung, den Kampf um die Zukunft aller Judenheiten als ihren eigenen Lebenskampf anzusehen, die auch heute noch der fundamentalen Menschenrechte beraubt sind, i. B. des Rechtes der Freizügigkeit der Wiedervereinigung auseinandergerissener Familien. des Selbstb-stimmungs - Rechtes der Völker und kultureller SelbstgesiaUung. Diesen Kampf führt das jüdische Volk, vor allem durch den Jüdischen Weltkongress, seit vielen Jahrzehnte«. Zu einer Zeit, wo die sowjeti sehe Regierung in vielen anderen Fragen zu einer versöhnlieneren Einstellung gegenüber der westlichen Welt genekgt ist, muss der. Ver such verstärkt werden, aueh eine Lockerung in der Situation desowjetischen Juden etwa Karl Marx waren viel- I|erheizuîühi en, um wenigleicht Juden ihrer Abstammung nach, hatten aber mit dem Judentum nichts zu tun. Die meisten haben ei neu scharfen Trennuttgsetens einen ersten Schritt auf diesem Wege zu unternehmen Wir ‘ird uns darüber (Schluss auf Seite 2) im

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.