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Jüdische Wochenschau · 1963-12-13 · 2042 (13.12.1963) · p. [Seite 8]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
24 (1963)
Issue
2042 (13.12.1963)
Date
1963-12-13
Page
[Seite 8] (sequence 8)
Language
German, Spanish
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eg 9 o _s FRANQUEO PAGADO Concesión 906 TARIFA REDUCIDA Loe ces'on 15ÎI ISRAELITA ASO XXIV BUENOS AIRES, VIERNES 13 DE DICIEMBRE DE 1963 No. 2042 EL EJEMPLAR en teda la Repfiblic PUEÏRREDON 2190 1« Izq. T. E. S3 2613 Buenos Aires Endlich: Globke in Pension Kurz vor dem Rücktritt dej Bundeskanzlers Adenau-! er, dessen Rechte Hand er , war, ging Dr. Hans Globke. nach zehnjähriger Tätigkeit als Staatssekretär im Bundeskanzleramt. in Pension. Er liess sich pensionieren, weil er das Alter von 65 Jahren erreicht hatte, nicht aber etwa gezwungen durch den Druck der Opposition; oder die Abneigung einer grossen Zahl «einer eigenen i Parteifreunde gegen seine Person. Es hielt sich jahre- . lang in Bonn das Gerücht. '■ dass Globke, von den steten Angriffen gegen ihn zermürbt und berzleidend. von seinem Posten zu einem frü1 heran Zei;pv~-kt •' zurr.dttreten werde. Ob dieses Ge- , riieht. von ihm selbst ausge- ' streut worden ist. um die Kritiker zum Schweigen zu , bringen, vermag man nicht festzustellen. Tatsache ist aber. da«s sich der Bundeskanzler stets vor Globke stellte, ganz gleich, wie schwer die Angriffe gegen Globke waren, und woher sie kamen. Adenauer brauchte Globke. Darüber ist kein Zweifel. Er war der treueste Diener seines Herrn. Mit den Jahren wurde Globke auch der berühmte«te Be amte der Bundesregierung. Berühmter als mancher Minister der Aera Adenauer. Dieser Ruhm war äides zweifelhafter Natur. Er verdiente ihn sich durch seinen Kommentar zu den Nürn berger Rassegesetzen im Dritten Reich, dem er im Innenministerium bis zum bitteren Ende diente. Zwar hat es iin Dritten Reich manchen Zwang gegeben. Doch konnte ganz sicher niemand gezwungen werden, einen Kommentar zu einem der unglaublichsten Gesetze der Weltgeschichte zu verfassen. Tatsächlich haben ja die Nürnberger Gesetze die ideologische Grundlage für die Morde an den Juden gelegt. Allerdings ist es bekannt, d*:«>s Herr Globke von Natur kein Held ist. Er berichtete vor nicht allzulanger 7/eit einer staune.iden Oeffent lichkeit. dass er sich dem Eid auf den Führer entzog, indem er sich während der Eidabnahme in einer Nische verkroch. Um nun seinen Kommentar zu den Nürnberger Rassengesetzen zu begründen, versuchte er. der Welt weißzumachen dass er ihn schrieb, um den Verfolgten zu helfen. Wenn man nun noch chung zur bung kennt, so ist kaum begreiflich, dass sich ein from mer Katholik, wie es Globke zu sein vor gibt, ein Gebiet aussuchte, das ihn fortwährend nötigte, sich mit den schmutzigsten Angelegenheiten. Auslegungen und Deutungen der Sexualität auseinanderzusetzen. Es sei denn, er tat es aus voller Ueberzeugung. Natürlich hat es vom In und Ausland auch Beschuldigungen anderer Natur gegen Globkes Tätigkeit in der Nazizeit gegeben. Weder das Kanzleramt noch Globke selbst haben es in den meisten Fällen für nötig gefunden, auf diese Anschuldigungen einzugehen. Für Dr. Adenauer war Globke der fieissigste und verech wiegendste Beamte und Handlanger. Darum Das neue Budget Jerusalem. — Da« Kabinett approbierte einen Budget - Vorschlag von 3.200.000.000 IL für 1964/65. der dem Kabinett in zwei Wochen unterbreitet werden soll. Das neue Projekt ist um 500 Millionen IL höher als das gegenwärtige Budget und sieht zusätzliche Ausgaben für Erziehung, Wohnbau. Verteidigung, Gesundheit und Volks Wohlfahrt vor. (ITA) wie gross auch der Einfluss Globkes auf die eigentliche brauchte er ihn Ueberdies Politik der Bundesregierung-| gewesen ist. Wie weit Herr; umgab sich Adenauer gern mit Persönlichkeiten, die nicht aufmucken konnten, weil sie Dreck am Stecken hatten. Dafür gibt es ausser Globke noch ei.ie Reihe vor. anderen Beispielen. Man denke an den ehemaligen Vizekanzler Blücher und seine Amouren. an den ehemaligen Verteidigen gs-Min'st er Strauss und seine Affären, an den ehemaligen Vertriebenen-Minister Oberländer und seine braune Weste. Der autokratische alte Mann Die Flüchtlings-Frage Jerusalem. — Am Schluss einer Knesset Debatte über das Problem der arabischen Flüchtlinge wurde eile Resolution angenommen, die die Erklärung Aussenministers Golda Meir bestätigt, dass Israel keine Verhandlungen über die Flüchtlinge \ eäi. in denen jede dieser die Rechtspre- , wusste nur zu gu^ <jass er Rassengesetzge von di£tien Herren nur Treue zu erwarten hatte. Tatsächlich aber reichte Globkes Einfluss weit. Es ist bekannt, dass er altes gut „filterte“ was dem Kanzler zukommen sollte’ und dass er die Personen, die dem Kanzler nahekamen, ebenso Runter die Lupe nahm. Ueberdies hat er alle Staatssekretäre der Bundesregierung unter seiner Fuchtel gehabt. Keiner von ihnen konnte es wagen, sich mit Globke anzulegen, denn sein „langer“ Arm war sprichwörtlich. Globkes Einfluss reichte also weit in alle Bundesministerien hinein. Bedenkt man das hohe Alter des Bundeskinzlers, so braucht man nicht lange zu fragen, dass die Regierung keine Verhandlungen „über die Frage der Flüchtlinge aufgrund den Paragraphen 11 der UN-Resolution vom Jahre 1948” führen werde. Cherut, Liberale und Agudas Israel brachten Anträge Globke eine echte Demokratisierung in Deutschland verhindert hat, vermag man nur zu erraten. Wann man dann noch weiss, dass er im Kanzleramt für den Gehlen-Dienst. einen der drei Sicherheitsdienste der Bundesrepublik, verantwortlich war, in dem die kürzlich wegen Spionage für die Russen verurteilten ehemalige» SS-Offiziere Felfe und Clemens ihr Unwesen trieben, dann kann man verstehen, dass jeder anständige Deutsche und jeder Verbündete der Bundesi’epublik dankbar dafür ist. dass dieser Globke endlich geht. Während man annehmen muss, dass der Kanzler auch als Pensionär noch „in Politik machen“ wird, ist zu hoffen, dass Herr Globke. der eich am Genfer See ein Haus a’e Ruhesitz baute, endlich nichf mehr als lebender Hinweis für den nazistischen Einfluss in der Bundesrepublik in Born herum geistern wird. Für die Aera Erhard ist dies ein Pluspukt, aussen- und innenpolitisch gesehen. Herrn Globke aber ist zu wünschen, dass er nun. da er aus der aktiven Politik ac«geschied-n ist, auch mit seinem Gewissen ins reine komme. Blick in die Welt von HAROLD SCHWARCZ Im braslhanischeB Senat kam e« zu einer Schiesserei zwischen zwei Mitgliedern dieses .Hohe» Hauses“. Der Senator José Cairala wurde von seinem Widersacher erschossen. — Dem chr istlich demokratischen Politiker Aldo Moro gelang die Bildung einer neuen italienischen Regierung, nachdem sich die Verhandlungen viele Wochen ergebnislos hingezogen hatten. — Krutschew lobte die pazifistischen Erklärungen des reuen amerikanischen Präsidenten Lyndon Johnson, nicht ohne gleichzeitig schwere Drohungen gegen die Amerikaner auszustossen. — Der amerikanische Plan .einer mit Nuklearwaffen ausgerüsteten gemeinsamen Flotte des Westens wurde ven Franzosen und Engländern abgelehnt. — Die ostdeutsche Regierung teilte mit, dass Westberliner innerhalb einer bestimmten Zeit zu Weihnachten die trennende Mauer zwischen Osten und Westen in Berlin passieroi dürfen, erstmalig seit 196t, a’*s die Maue,- errichtet wurde. — Der Ertrag der argentinischen Getreide-Ernte wird das Vorjahr um etwa 25 Prozent übersteigen. — Der Gouverneur von Texas, John B. Conally, der beim Attentat auf Kennedy schwer verletzt wurde, ist inzwischen aus dem Krankenhaus entlassen worden. Die Untersuchung des Mordes an Kennedy hat dagegen keine Fortschritte gemacht. — Wie aus Wien gemeldet wird, gestattet die Tschechoslowakei in Zukunft Fremdenverkahr au« dem Osten. Für die Grenzüberschreitung wird beim Vorliege»! gültiger Visen keine Schwierigkeit bestehen. — Nordamerikanische Obersten waren i.i letzter Zeit häufig die Zielscheibe terroristischer Gewaltaktionen. In Caracas wurde der amerikanische Obenst Chenault, der von Terroristen verschleppt worden war, befreit, in Laos wurde Oberst Leuang ermordet. — Das Kabinett in Bolivien ist en pleno zurückgetreten. Präsident Lyndon Johnson übergab dem deutschen Bundeskanzler Prof. Ehrhard eii Geschenk, mit dem Kennedy den neuen Chef der Bonner Regierung zu ehren gedachte. — Raul Leoni wurde aufgrund demokratischer inzwischen jedoch heftig kritisierter Wahlen in Ve»iezuela zum neuen Präsidenten dieses von inneren Unruhen erschütterten Landes gewählt. — Der Ministerpräsident des amerikanischen Satellitenstaates ,Nationales China“ ist zurückgetreten. — Auch der türkische Ministerpräsident Ismeth Inonu hat seinen Rücktritt erklärt, bleibt aber bis zum Amtsantritt des Nachfolgers auf Wunsch des Präsidenten Kemal Gursel weiter im Amt. — Die Bundesrepublik Deutschland Unterzeichnete einen Vertrag mit Paraguay, aufgrund dessen dieser südamerikanjsche Staat eine umfangreiche wirtschaftliche Hilfe von Deutschland erhalten wird. — Winston Churchill, von aller Welt gefeiert, beging seinen 89. Geburtstag. — führen wird, welche sich auf einen Teil der UN Resolution beziehen würden, in dem die Repatriierung oder Entschädigung der Flüchtlinge durch Israel vorgeschlagen wird. Die gesamte Opposition stimmte dagegen, wobei jede Partei ihren eigenen Vorschlag unterbreitete, aber keine der Fraktionen verfügte über die nötigen Stimmen. Die Debatte bewegte sich um den Beschluss der Sonderkom mission der UN- Generalversammlung vom 20. November, der von den Vereinigten Staaten befürwortet und von Israel ab gelehnt wurde. Dieser Be- Parteien mit anderen Worten hervorhob. dass die einzige Lösung dieses Problems die Wiederansiedlung der Flüchtlinge in den ara bischen Ländern sei, wobei sie «ich auf erien diesbezüglichen Knesset-Beschluss aus dem Jahre. 1981 bezogen. Die Mapam schlug vor. Israel solle sich bereit erklären, eine gewisse Zahl von Flüchtlinge, über die man sich einig werden solle, aufzunehmen, während die Kommunisten verlangten, „das Recht der Flüchtlinge auf die Rückkehr nach Israel” müsse gewahrt bleiben. In ihrer Antwort auf die vorgebrachten Kritiken be- Auschwitz-Prozess beginnt früher Schluss bezog sich auf eine UN-Resolution vom Jahre! stritt Frau Meir dass die 1948 über die Repatriierung Abstimmung in der Politi oder Entschädigung der Flüchtlinge, ohne eine dritte Alternative, d. h. ihre Eingliederung in ihre heutb gen Wohnländer zu berücksichtigen. Der gleiche Beschluss wurde am 3. Dezember von der Generalver Sammlung mit 82 gegen 1 Stimme, die Israels, angenommen. In ihren Ausführungen erklärte Golda Meir eingangs. Neue Flugzeuge Tel Aviv. — Die Luffahrtlinie für den israelischen Innenverkehr „Arkia“ hat für die Routen nach Elat und in den Galil zwei neue 60 Pas sagiere fassende Handiey Page Herald Turbo-Prop Maschinen gekauft. m «chen Sonderkommission der UN als eine Niederlage für die israelische Aussenpolitik betrachtet werden müsse. Ebenso wies sie eine Beschuldigung der Cherut zurück. dass die Regierung Der grosse Auschwitz Prozess wird schon am 20. Dezember dieses Jahres beglti- ■ nen. wie der Frankfurter Landgerichtspräsident Dr. Greiff bekanntgab. Der Prozess findet vor einem Geschworenengericht; statt. Der Vorsitzende des Gerichtes wird Senatspräsident Forester sein. Da zahlreiche Preusekorrespondenten aus dem Aus- : land erwartet werden und : das Interesse der Oeffentlichkeit für dieses Verfahi ren sehr gross »st, wird der i Prozess vielleicht doch noch in einem grösseren Raume als in dem nur etwa 100 Zuhörer fassenden Schwurge- . richtssaal des Frankfurter; Justizgebäudes stattfinden. J Ursprünglich wollte man I den Prozess in dem Frank furter Bürgerhaus führen die Knesset-Resolution vom ■ -welches sich im Bau befint _ I — 1 fUÎ1 o/snl/vlxl vin ■ . _ . . Jahre 1961 verletzt habe. Sie vertrat den Standpunkt, das? der kürzliche UN-Beschlus« „kein Unglück für Israel“ sei, und verwies auf ähnli che Resolutionen, die zur Erfüllung des Paragraphen 11 schon früher angenommen wurden, ohne dass jemand det, aber der Bau kann bis 20. Dezember nicht fertigge- •stellt werden. Die Verhandlungen sollen durch das Fernsehen in andere Säle übertragen wer den, damit alle Pressevertreter dem Prozess folgen irgendein Resultat hiervon i können, erwarte. In diesem Zufiammenhang wiederholte sie nochmals, dass „Israel aufgrund dieses Paragraphen mit niemandem Verhandlungen einzuleiten gewillt sei“. Für dieses Jahr sind zwei Verhandlungstermine angesetzt worden: Der 20. und 30. Dezember. 250 Zeugen aus vielen Ländern der Welt werden in diesem Pro- * zess aussagen, der Abscheulichkeiten an den Tag bringen wird, die nur von dem Eichmannprozess überschat- : tet werden dürften. Elf Hauptangeklagte «tehen vor Gericht. Die -übrigen 12 Angeklagten werden nur der Mithilfe zum Mord angeklagt. WER STEHT VOR j GERICHT?! Die beiden ehemaligen Adjutanten des letzten Auschwitz - Kommandanten, Richard Bär, die ehemaligen SS - Hauptsturm- und SS- Obersturmfiihrer Robert Mulka (68) und Karl Hökker (61), die unter Aufrechterhaltung des Haftbefehls inzwischen wieder auf freien Fuss gesetzt worden sind. Weiter sind gegen Aufenthaltsbeschränkungen und Kautionen oder wegen Krankheit zehn Angeklagte wieder auf freien Fu?s gesetzt worden: die ehemaligen Angehörigen der politischen La- 1 gerabteilung. der SS-Oberscharf ührer Klaus Dylewski (47' der SS-Rottenführer Pery Broad (42), der SS-Un terscharführer Johann Schoi bert (401. sowie der SS-Unterscharführer Heinrich Bi-! schoff (591 und SS-Rotten- . fiihrer Arthur Breitwieser I (53», der ehemalige Lageri arzt und SS-Obersturmfüli I rer Dr. Franz Lucus (52), der Lagerarzt und ehemalige SS-Hauptsturmführer Dr. Willi Frank (60), der Lagerarzt und ehemalige SS Unterscharführer Dr. .Willi Schatz (58), der Arrestaufseher Bruno Schlage (60) und der SS-Oberscharführer Gerhard Neubert (54). Noch in Untersuchungshaft befinden sich dagegen der ehemalige SS-Oberscharführer und Ermittlungsbeamte der Politischen Abtei- ' sturmfiihrer Franz Hofmann (57), der SS-Unterscharfiihrer Oswald Kaduk (57), der : SS-Rottenführer Stefan Ba- , retzki (47), der ehemalige ' Lager - Apotheker und SS- Sturm bannführer Dr. Viktor | Capesius (56). der SS-Ober- | Scharführer Josef Klehr; (59), der SS-Oberscharfüh i rer Herbert Scherpe (58), L der SS - Unterscharführer! Hans Nierzwicki (58). der I SS-Unterscharführer Emil j Mantel (60), der SS Ober- | Scharführer Har« Stark i (42), sowie der einzige mitangeklagte Jläftling des i Konzentrationslagers. der lung Wilhelm Boger (56), j 56 Jahre alte Bloekälteste der ehemalige SS-Haupti Emil Bednarek. Meldepflicht für die Juden Iraks London. — Das irakische Kabinett nahm ein Gesetz an, durch das die im Lande lebenden Juden auf gefordert werden, sich innerhalb der nächsten zehn Tage beim Ministerium für Reisen und Nationalitäten zu melden, um ihre irakische Staatsangehörigkeit zu bewahren. Das im Staatsanzeiger veröffentlichte Gesetz besagt, dass das Ministerium an die Juden Karten ausgeben wird, die ihre irakische Nationalität bestätigen. Bei Erhalt dieser Karten missen die Juden Na men und Adresse angeben. Diejenigen, denen die Karten nicht ausge händigt werden, müssen damit rechnen, dass ihr Eigentum konfisziert und ihnen die Staatsangehörigkeit aberkannt wird. (ITA) Registro de la Propiedad Intelectual No. 735 104 Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 831

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