Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 24 (1963)
- Issue
- 2041 (6.12.1963)
- Date
- 1963-12-06
- Page
- [Seite 12] (sequence 12)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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Correo Central ft Argentino ■‘Sa.^QUIíO PAGADO Concesión 908 TARIFA REDUCIDA Conces'ón 1629 año xxiv BUENOS AIRES, VIERNES 6 DE DICIEMBRE DE 1963 No. 2041 EL EJEMPLAR 1A en toda la República PUEVRREDON 2190 19 Uq. T. E. 83 2613 Buenos Aires Die „Neue Brüderlichkeit” Das siebenköpfige Sekretariat ist gewählt, die 51 Mitglieder zählende Leitung kann zusammentreten. Eine neue politische Bewegung ist in Israel entstanden, und sie ist die enste, die nicht auf den Grundlagen der politischen Vergangenheit Europas basiert. Bei den Munizipalwahlen in Aschdot trat diese Partei unlängst zum ersten Male als geschlossene Gruppe vor die Oeffentlichkeit. „Ochwa“ — Brüderlichkeit, nennt sich die neue Partei. Zwei Hauptaspekte fallen auf: ,,Achwa“ ist die Partei der afro asiatischen Bürger Israels und eine Partei der „Jungen“. Ihre Parolen sind keineswegs überzeugend und erschütternd. Derartige Phrasen hat man im Lande Israel nicht selten sehen und in allen möglichen Varianten zu hören bekommen. „Wahre Ver- I Schmelzung der Stämme Israels, Gleichheit der Rechte und Pflichten aller Bürger in allen Belangen, Schaffung der Ebenbürtigkeit aller Volksschichten . i Bildung und Ausbildung, politische Vertretung auch jener Bürger die bisher zurückgesetzt waren“. Alle Parteien in Israel haben solche Phrasen schon gebraucht, nicht.selten haben W'Viije ‘Schlagworte sogar dazu geführt, dass der eine oder andere Vertreter der Schichten, die sich nun in „Achwa“ zusammenfinden, einen Platz in der führenden Reihe der einen und der anderen traditionellen Partei Israels erhielten. Die neue Bewegung aber entstand nicht so zufällig und auch nicht so plötzlich, wie andere ähnliche politische Gruppen der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg. Seit mehr als zehn Jahren präsentierten sich solche Listen schon oftmals zu den Gemeindewahlen. Sie appellieren an die Gemeinsamkeit des Ursprungs vor der Einwanderung, an Familien-; und Stammessinn, Empfindungen also, die gerade bei ■ ihren Anhängern stark ausgeprägt sind, ausgeprägter jedenfalls als bei den anderen Landsmannschaften. ' Und ihr Repräsentant ist immer eine Figur, die im i Ursprungslande ein „Volkstribun“ gewesen wäre. So saissen sie im Saale des Bet Haesrach in Ramat Gan auf der Tribüne, die Führer der neuen politischen Bewegung, die sich an diesem Abend vorstellte: jeder einzelne" war durch seine eigene Kraft und die Traditicusfreudigkeit und Anhänglichkeit seiner Sippengenossen Mitglied eines Stadt¬ oder Ortsrates geworden Einzelne unter ihnen allerdings machten vorher den Umweg über eine der traditionellen Parteien; es blieb aber nur ein Umweg, denn sie hielten es in dieser alteuropäischen Parteiendisziplin garnicht aus. Der 33jährige Mosche Schabtai Stadtrat in Bne Brak der 30jährige Uri Muchtar, Stadtrat von Petach Tikwa, der 30jährige Naim Sechaik, Stadtrat in Herzlia, der 32 jährige Abraham Awiosar, Stadtrat von Ramat Gan (und Mitglied der Koalition, die diese viertgrösste Stadt des Landes regiert), der auch die Grindpngsversammlung der „Achwa“ leitete. Robert Cajim aus Aschdod sah man ebenso . wie David Chacham, den i Mapai-Rebellen aus Beer Schewa. Begrüesungs worte sprach auch Jehuda Ejni, ■ Stadtrat in Rechowot. 10.000 Mitglieder behaupten, die Gründung von „Achwa“ zu repräsentieren. Disziplin kannten sie zwei- | fellos in höherem Masse, als die Mehrheit der euro- , päischen Mitglieder der traditionellen Parteien: Es wäre kaum möglich gewesen, eoviele hundert Merkchen einer anderen politischen Gruppe des Landes still und geordnet-in einem stickigen, heissen Saal ausharren zu sehen, wie die Anhänger der „Aclnva“ bei der Gründungsversammlung ihrer Partei im Bet Haesraeh in Ramat Gan. Die überwältigende Mehrheit der Repräsentanten der neuen Partei besteht aus jungen Menschen im Alter bis zu 35 Jahren. In den Breitengraden. aus denen diese Manschen stammen, übernimmt man bereits in jüngeren Jahren die grosse Verantwortung der Familiengründung, vnd so wirken die Männer meistens älter als sie sind. Dennoch beseelt sie jugendlicher Geist; Enthusiasmus beflügelt ihre politischen Ambitionen. Sie hatten weder etwas mit den Ideologien noch mit den Persönlichkeiten der traditionellen Parteien den Landes anzufangen gewußt. Sie üben eine gewaltige Anziehungskraft auf junge, ehrgeizige Menschen aus. Der Zustrom, de* ihre Partei aus den Reihen der traditionellen Gruppen haben wird, mag nicht allzu gross sein, aber all jene begabten jungen Menschen afro asiatischen Ursprungs, die längere Zeit vergeblich darauf gewartet haben, in die Führung ihrer Parteien hinein- 1 gelasse ) zu werden, werden fast zwangsläufig zu „Achwa“ übergehen. 1 Ihr politisches Kredo ist sehr einfaclr. Sie wollen die ■i Macht für sich. Alles andere wird sich nachher finden. Sie repräsentiere., in dieser , Richtung fast exakt die poj litische Ideologie, die sich j zur Zeit in den Ländern ausbreitet, aus denen sie nach ' ’ Israel kamen. Man kann überhaupt feststellen, dass! sie durchaus in die Zone pausen, in welcher Israel geographisch liegt. Recht gleichgültig ist es, ob sie bereits im ersten Ansturm Erfolg haben werden. Die grossen finanziellen Einisatzkräfte sind vorläufig noch auf der anderen Seite, bei den traditionellen Parteien. Dass „Achwa“ aber eine Gefahr für das politische Leben des Landes, so wie wir es bisher gekannt hatten, bildet, wird kaum jemand bestreiten können, der es mit sic!; selbst und den Landesproblemen ehrlich meint. \ „Sobald wir uns konsSlij diert haben werden, sollen! sich die Tore unserer Gemeinschaft für unsere asch- | kenasißchen Brüder öffnen“,; erklärten die Repräsentanten bei ihrer Griindungsverßammlung. Der Konsolidierungsprozess wird aber noch eine lange Zeit in Anspruch nehmen, sie ziehen ja, zumindest während der ersten Stadien ihrer politißchen Entwicklung, ihre Kraft und ihre Stimmen aus ihrer Gegnerschaft zu den Aschkenasim, also jenen Volksgruppen, die aus Ost-, Mittel¬ und Westeuropa kommen. Darin liegt ihre weitere Kraft. Sie sind die erste politische Gruppe des Landeß, ■ die nicht auf der Grundlage 1 des „für etwas“, sondern j . auß dem Kampfe gegen das! Bestehende heraus geboren , wurde. Sie kämpft nicht et- J wa gegen eine Partei und ‘ 1 deren Herrschaft, sie kämpft i gegen die bestehende Ord- | nung im Staate schlechthin. Das mag uns moralisch und i politisch verwerflich erschei-! i nen; es repräsentiert aber; nicht nur einen beträchtli- 1; chen Teil der bürgerlichen i Mentalität von heute, eeni , dern — und das ist viel be- 1 i deutsamer — die Mehrheit;! der israelischen Mentalität ■ von morgen. 1 Denn morgen werden die; Tore der „Achwa“ wirklich für die „aschkenasischen Brüder“ offen ßtehen. Sie kann mit dem Generationenwechsel im Lande nur gewinnen. Ihre fast völlig ideologische Antlitzlosigkeit wird der jüngeren Generation in Ißrael recht gut gej fallen, denn auch sie, die; Sabra-Jugend aus aschkenasisehem Milieu hat im Grunde den ..Parteienkram“ satt. Blick in die Welt von HAROLD SCHWARC2 Der venezolanische Präsident Römule Bentancourt denmzierte Angriffsabsichten Kubas und verlangte von der Konferenz der amerikanischen Außsenniinister die Beseitigung Fidel Castros. — Die MorgenzeiMing ,',The Washington Post“ unter- , strich die Tatsache, dass auch nicht ein einziger Präsident eines lateinamerikanischen Staates die Notwendigkeit empfunden habe, persönlich zu den Beisetzungsfeierlichkeiten für Kennedy zu erscheinen. Die Zeitung be-; merkt, die Beziehungen zwischen Nord- und Südamerika . werden sich weiter abkühle«. — Der stellvertretende Premierminister der Sowjetunii on. Anastas Mikoyan, hat die britische Regierung aufgefordert, eie möge eine neue Initiative zur Verbesserung der Beziehungen zwischen der Sowjet-Union und den USA ergreifen. Wie diplomatische Kreiße meinen, befürchtet Krutschew das Wiederauluackern des kalten Krieges. _; Eine Studentendemonstration in Paris artete in eine richtige Strassenschlacht aus. als ungefähr 5.000 Polhsißten versuchten, die Ordnung wiederherzustellen und dabei auf den Widerstand vc« mehr als 10.000 Studenten und Jugendlicher stiessen. — Aus dem ständig unruhigen Venezuela werden Waffentransporte aus Kuba gemeldet, die für die revolutionären Kräfte bestimmt seien. — Ungefähr zweitausend politische Gefangene wurden vom jugoslawischen Diktator Tito aus den Gefängnissen entlassen. Offensichtlich wurde Milovan Djillas, Vizepräsident des Landet; und einet engster Mitarbeiter Titos nicht befreit. — Wie der Berliner Bürgermeister Alberts mitteilte, würden ca. 20 jüdische Familien jeden Monat 'nach Berlin zurückkehren. Der Bürgermeister bat alle Amtsstellen, diesen Rückwanderern zu helfen. — Der amerikanische Präsident Lyndon Johnson erklärte, er werde die Politik seines Vorgängers Kennedy fortsetzen. — In Berlin, wo Kennedy kurz vor seinem Tode mit grossem Enthusiasmus empfangen worden v'ar, fand wenige Stunden nach Bekanntwerden der Nachricht über die Ermordung des novdamerikanischen Präsiden en ein Fackelzug zum Zeichen der Trauer statt, der „von niemandem befohlen“ war. wie deutsche Berichterstatter ■betonten. — Um ein deutsches Gesetz ISRAELIS IN LIBERIA Es ist eine Tatsache, dass das Gesetz, welches die Mitarbeit deutscher Wissenschaftler und Techniker an militärißchen Projekten in Aegypten verhindern soll, nicht mehr während der; Amtszeit Adenauers verabschiedet wurde. ■ Die Vorbere.tungsarbeiten 1 für das Gesetz scheinen eine kritische Phase erreicht zu haben. Wie aus informierten Kreißen in Bonn zu erfahren war, hat die interministerielle Kommission, die sich aus den Vertretern des Aussen-, Wirtschafts-, Innen-, Justiz- und Entwick-; lungsministeriumß zusammersetzt, trotz mehrmaliger Sitzungen keine Einigung über die Formulierung eines solchen Gesetzes erreicht. Der Grund dafür sind wachsende Zweifel gegen die bisher vorgeschlagenen Massnahmen. Eß sind dieselben Bedenken, die auch die Gesetzesvorlage der Abgeordneten Böhm, Jahn und Dehler zu Fall brachten. Diese Abgeordneten der drei im Bundestag vertretenen Parteien hatten es sich zur Aufgabe gemacht, die Entscheidung deß Kabinetts vom 27. März, Wege und Möglichkeiten zur Verhinderung der Mitarbeit Deutscher an militärißchen Projekten in Spannungsgebieten z suchen, in die Tat umzusetzen. * Drei Monate lang versuchten sie, ihr« Kollej gen von der Nützlichkeit ih- ■ rer Vorschläge zu überzeuj gen. Diese Vorschläge sahen vor, dass die Arbeit an ABC- Waffen und Raketen im Ausland von eine- Genehmigung dee Auswärtigen Amtes abhängig sein sollte. Wer sich dieser Massnahme entzog, sollte bestraft werden können. Diejenigen, die bereite an Raketenprojekten arbeiteten, sollten innerhalb vc« sechs Monaten um eine solche Erlaubnis einkommen. Im Falle der Nichtbefolgung dieser Anordnung sollten die Betroffenen, sobald sie den Bode« der Bundesrepublik betraten, belangt werden können. eines Gesetzes gegen die Mitarbeit Deutscher in Spannungsgebieten zu beauftragen. Daraufhin wurde der interministerielle Ausschuss gegründet. Es lag auf der Hand, dasß dieser Ausschuss die gleichen Massnahmen ir.ß Auge fasste, die von der interfraktionellen Kommission vorgeschlagen worden waren. Dagegen wurden nun die folgenden Bedenken vorgebracht: Es würde im Gegensatz zur Verfassung stehen, wenn man das Recht den Bürgers, auf freie Entschei- Di-e israelische Botßchaft, die Schule und die Wohnungen der in Liberia lebenden Israelis befinden sich im gleichen Viertel in Monro- Diese Gesetzesvorlage wur- ■ dung über seinen Aufentde schliesslich von den Frak tionen der Christlich Demokratischen Union und den Freien Demokraten zurückgewießen. Obgleich ihre Vertreter im jiterfraktionellen Ausschuss Freunde Israels sind, schloss sich die Mehrheit der beiden Fraktionen den Ansichten des ..uswärtigen Amtes an, dass die arabischen Länder durch ein! derartiges Gesetz beleidigt würden. Die Christlichen Demokraten wurden dabei von politische« Bedenken geleitet, die Freien Demokraten von wirtschaftlichen, da diese Partei von der deutschen Industrie getragen wird, die auf ihre arabischen Geschäfte bedacht ist. 1 Als die erarbeitete Gesetzesvorlage abgelehnt worden | war, beschloß der Bundestag, der sich darüber im; klaren war, dass die Welt 1 von ihm eine Aktion in dießer Angelege«heit erwartet.! die Regierung zur Vorlage haltsort und ßeine Tätigkeit, beschränkte. Aber selbst, wenn man solch eine Regelung annehme« könnte, fehlte ihr doch die praktische Durchführbarkeit. Denn es wäre fast unmöglich, mit Sicherheit festzustellen, was ein Beitrag für ein militärisches Projekt cei. Ein deutscher Wissenschaftler könnte im übrigen ohne weiteres ohn« Erlaubnis des Auswärtigen Amtes über einen anderen europäischen Staat in die arabischen Gebiete einresen. Und schliesslich könnte ein Wissenschaftler die Staatsangehörigkeit des Landes annehmen, für das er arbeitete, um so einer Bestrafung in' Deutschland zu entgehen. Die interministerielle Kommission fand eß besonders schwierig, im Falle der Atomforschung zu entschei- : den, was für friedliche und was für militärische Zwek- . ke gedacht äst und damit alj! so nicht in deutschen Interessen geßchehe. Aber abgesehen von allen bisher geäusserten Bedenken, wird der Bundestag dennoch nicht in der Lage sein, ein Gesetz gegen die Arbeit Deutscher an militärißchen Projekten in Spannungsgebieten zu umgehen. Die interministerielle Kommission wird zu einem Ergebnis kommen müssen. Sie kann entweder ein Gesetz vorlegen, das in seiner praktischen Anwendung Schwächen aufweist, aber dennoch von moralischem Wert ißt, oder sie kann neue Vorschläge erarbeiten, wie z- B. dass sie diesen Wissenschaftlern gut dotierte Posten in Deutschland anbietet oder in; einem neutralen Entwickvia. In Liberia gibt es 70 Fa- . milien aus Israel mit zusammen über 200 Personen. Der durchßchnittliche Aufenthalt dauert zwei Jahre, manchmal auch etwas länger. 32 Familien gehören zu den Baufirmen Meier, die zusammen Bauten im Werte von zehn Millionen Dollar ausführen. Es handelt sich um das Dukor Palace Hotel, das Präsidentschaftsgebäude, de« Palast der Freimaurerloge und um eine Bank. 20 Familien machen die Experten aus, nämlich für Landwirtschaft, für Jugendbewegung. Dann sind hier noch israelische Hochschuldozenten und eilige Aerzte. Die Botschat und einige andere Unternehmungen umfassen zusammen etwa zehn Familien. Finanzielle Vorteile sind es nicht, welche diese jungen israelischen Familien bewegen, in Krankenhäusern zu arbeiten, auf die Baugerüste zu steigen lungsland, für das sie dann , die zuständigen Kosten trägt. | und als Experten Dienst zu Diese Massnahmen mögen tun die Herren Pilz und Goercke kaum dazu veranlassen, Aegypten zu verlassen. Aber sie mögen jungen Wissenschaftlern klar machen, dass sie neben der wissenschaftlichen auch noch eine politische Verantwortung haben. So kommt es also darauf hinaus, dass der Bundestag in erster Linie an die moralische Seite dieses Gesetzes denkt, und je eher das geschieht, desto besser für die Deutschen. I Hier entstand die erste i Mütterberatungsstelle und Säuglingsstation Liberias, die Augenklinik wurde von Israelis gegründet und steht auch Patienten anderer Länder zur Verfügung. Eine Anzahl junger Leute aus Libe ria haben in Israel ihre Ausbildung erhalten, und sie sind es, welche für eine freundschaftliche Stimmung und für gute Beziehungen zur einheimischen Bevölkerung eorgen. Registro de la Propiedad Intelectual No. 735 104 Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 831