Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 24 (1963)
- Issue
- 2040 (29.11.1963)
- Date
- 1963-11-29
- Page
- [Seite 3] (sequence 3)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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f Viernes, 29 de Noviembre de 1963 LA SK MANA ISRAELITA Año XXIV. — N? 2940 — 3 annover Schon jetzt überschattet der Auschwitz-Prozess, dessen Beginn auf den 20. Dezember angesetzt wurde, — möglicher ..’-eise muss man jedoch mit einer Verlegung des Termins recii’.en, — al le vorangegangenen und alle laufenden Kriegsver'orecher-Prozti re. Dennoch sollte die Oeffentlichkeit. auch die jüdische Ozfientlichkeit in der Welt, ihre Aufmerksamkeit einem Prozess zuwenden, der seit einigen Wochen in Hannover läuft. Dort s eh?n der Chef der Gestapo-Leitstelle Lodz und Leiter des Einsatz-Kommandos 8. O.to BradLoch, und nein ..Sachbearbeiter für Judenangelegenheiten“, der Kriminalkommissar und SS- Hauptsturmführer Günter Fuchs vor ihren Richtern. Hier werden die Mordtaten und die Zustande in Chelmno nochmals aufgerollt, die bereits mit anderen Angeklagten und vor anderen Richtern ein Bild des Schrekkens und der Verrohung nazistischer Mordhelden geliefert haben. Die Angeklagten täuschen den Eindruck vor, als hätten sie sich niemals gekannt. Der eine, Herr Badfisch, macht einen unbeweglichen Eindruck, als ob all; das, was dort verhandelt wird, ihn pich'o angeht; der j andere, Fuchs, weißshaarig, , macht einen nervösen Einj druck. Der Zuhörerraum ist; stets überfüllt, im Gegensatz zu manchen anderen KV-Prozessen vor deutschen l Gerichten. j Um auch den Zweiflern klarzumachen, was hinter i den Worten und Begriffen I KZ, Gaswagen, Endlösung . der Judenfrage eteht, seien j nur drei Zeugenaussagen zitiert, die zunächst die Welt der Mörder illustrieren. Von diesen Beteiligten erfährt man selten etwas von der Welt der Opfer. Sie sind auch heute noch zu einem grossen Teil :’n alten Gedankengängen verstrickt. Da wurde ein Kurt Möbius vorgeführt, der bereit im Bon ner Kulmhofprozess zu acht Jahren Zuchthaus in erster Instanz verurteilt worden ist. Der Zeuge wurde jetzt über seine Funktionen in der Mordmaschine befragt ind erwiderte: „Ich muss- Abschaffung von Visen Tel Aviv. — Zwischen Israel und Italien und den Benelux Ländern sind Verhandlungen über gegenseitige Abschaffung von Einreisevisen im Gange. Anspruchsvolle Herren sollten ihre Kleidung bei CARLTON kaufen! Dort legt man Wert auf Qualität, innen und au ssen. Bei einem CARLi TON-Anzug sind alle Details berücksichtigt. * Grossauswahl in Fertig-Kleidung und Stoffen für feinste Mass* kieidung, Bei CARLTON r‘ Kunde Koenig. von JAKOB KATZ-ROGASEN te die jüdischen Menschen. | die in Kulmhof ankamen, be- | lügen . . “ Er erzählte ihnen, sie würden jetzt gebadet I und dann im Lastkraftwa- gen in ein anderes Lager j gebracht werden. I Der Vorsitzende fragte den Zeugen, wie lange die Tü- I tu.ngsn gedauert haben. Die Antwort: „Ich weiss es , nicht“. Dann auf eine weite- re Frage fügte er hinzu: 1 „Ich habe Schreie aus dem! Wagen gehört. Im Jahre 1943 und später wusste jeder , in der Umgebung, was in Kulmhof vor eich ging“. —! Dam erscheint ein anderer Zeuge, der heute noch Gendarmerie - Wachtmeister i ist. Damals in Kulmhof war er .Rottwachtmeister'. Er : machte Absp-enur.gsdienst und schaufelte, wie viele andere. Er musste alte Gräber; ausheben und die Leichen i heravtsholen, aV, die Nazis die Spuren ihrer Verbrechen vor den heranrückenden russischen Truppen vertuschen wollten. Dieser Zeuge, namens Walter Nonnen, hat auch den Gaswagen gesehen, Er war dabei, als der Gaswagen geöffnet wurde. Leichenklumpen seien auß dem Wagen heraußgezerrt worden. Es waren auch K'nder dabei, sagt der Zeuge. Vorsitzender: „Wie war das denn, als Sie dahin kamen und mit denen sprachen, die Ihr Vorkommando waren?“ 'Zeuge Nonnen: „Die Kameraden, die schon da waren, lobten das Kommando — sie hätten dort sehr gut verdient!“ Vorsitzender: „Wie, war das alles? Aber da wurden doch Menschen umgebracht? Lobten Sie das Lager auch?“ Der Zeuge: „Nun, wir bekamen Tagegeld. ..“ Die Täter und Mittäter, die Handlanger und Schaufler, sie alle bekamen Tagegeld. Während die Zulage an der Front eine Mark betragen hat, wurden hier „an der Schlachtband des industriellen Serienmordes“ täglich bis zu 13 RM Zulagen gezahlt. .. Und für all diese Verbrechen wird immer wieder Generalamnestie verlangt .. I Schließlich erscheint unter anderen weiteren Zeugen der frühere Oberst der! Schutzpolizei Hannover, Ottomar Rose. Er habe von ' einem Hauptmann Maass im März 1942 von den Vergasungen in Chelmno erfahren. Maass sei es gelungen, | unter Vortäuschvng einer ' Krankheit von dort versetzt zu werden. Ihn, den Rcre, 1 habe interessiert, was in Chelmo wirklich vorgeht. So | habe er sich von dem La- 1 gerleiter Lange eines Tages : mitnehmen lassen und sei I nach Chelmno gekommen. Mit La:g» sei er hinter dem 1 Gr.cwagen vom .Schloss' ins Waldlager gefahren. Der Gaswagen hielt an. Der Zeuge gibt felgende Schilderung: j „Ich sah. wie der Gaswagenfahrer einen Hebel umlegte, und dann hörte ich Schreie aus dem Wageninnere, furchtbare Schreie. Es ist ein Irrtum zu glauben, dass die Abgase die Juden gleich töteten. Man denkt das. weil man we:rt3,; dass Menschen in der Garage bei laufendem Motor um- : gefallen sind und tot waren. ' Aber hier war das anders. Ich hörte das Schreien, Wimmern, Jammern und es er- : starb nicht. Ich sah nach der Uhr. Nach zehn Minuten schrien die Merochen I immer noch. j „Nach zwanzig Minuten endlich wurden die Türen I geöffnet. Es war ein Anblick, den ich nie vergessen werde: eine Frau hatte zwei! kleine Kinder auf dem Arm. Sie war tot, aber die Kinder lebten. Und dann. Herr Vor- I sitzender, geschah etwas ' Entsetzliches. Euer der SS- I Männer trat hervor und; schoss erot dem einen, dann 1 dem anderen Kind in den Kopf. Das vergisst man | nicht, auch nicht nach zwanzig Jahren.“ — I Dann wurden jüöißche Zeugen verhört. Einer von! ihnen, der heute in Kanada lebt, beschuldigte Fuchs. : ein älteres Ehepaar ermor-! det zu haben. Fuchs sei um ■ die beiden herumgegangen und habe sie gefühllce mit ‘ Genickschüssen getötet. Das | Ehepaar habe sich fest an den Händen gehalten, aY; es auf der Erde kniete. Nach den Aussagen des Zeugen,; der dama’ß der jüdischen | Ordnungspolizei im Ghetto ¡. angehörte, sollte das alte , Ehepaar zur Vergasung ab-! transportiert werden. In sei-; ner Todesangst habe es zu-! sammen mit einer Gruppe Leidensgenoi :;en den Sam- ] melpunkt im Ghetto Lodz 1 eigenmächtig verlassen. Der Zeuge beteuerte, er erkenn» Fuchs einwandfrei als den Täter wieder. Der Angeklag- I te versichertedagegen, er 1 könne sich weder an diesen Fall noch überhaupt an ei- ' nen Maßsenausbruch erinnern.; Ein anderer Zeuge, der 54 Jahre alte Mcßze S. aus Is-; rael. bezichtigte Fuchs, an | dem Tod seiner Mutter und [ seiner beiden kleinen Söhne j schuldig zu sein. „Du Mörder, was hast du mit meinen Kindern ge- | macht? Gib mir meine Kin- ■ der wieder!“ Diese Worte , schrie die 51jährige Zeugin i Ida W. aiv. Paris dem Angeklagten Günther Fuchs zu. i Dann brach eie zusammen. Justizbeamte trugen sie auß | dem Saal. Die Frau hatte | zuvor berichtet. Fuchs habe j ihr 1942 ihre drei und vier! Jahre alten Kinder aus den Armen gerissen. „Die Kinder haben sich an mich geklammert und gerufen: .Mut- , ti, larß uns nicht allein'.“ I berichtete die Zeugin unter Tränen. Sie sei dann hinter | den Kindern, die mit alten | Leuten abtransportiert wurden, hergelaufen, bis Fuchs LA SEMANA ISRAELITA BIS EM AN ARIO INDEPENDIENTE 8*. Aire* — PUEYRREDON 2196, 1* — T. E. 83-261 29. November 1963 13. lUslew 5724 sie mit einem Schuss ins Bein auf der Strasse niedergestreckt habe. Aber die Angeklagten wirsen von nichts. Eine (schreckliche Mentalität der Verantwortungslosigkeit und Gleichgültigkeit breitet sich aus. Die sich ständig wiederholenden Anträge auf General amnestie für solche Verbrechen sind überhaupt nur a“ß •solcher Gesinnung zu verstehen. Aber auch die Einstellung mancher „Wiedergutmachungsbeamter“ wird erst aiß dieser negativen Perspektive begreiflich. Wenn diese arme Frau, der man die beiden Kinder entrissen liac, und die von einem der vielen Mörder, deren Schar nicht übersehbar ist, in der» Fuss geschosstn wurde, jetzt Gesundheißschaden geltend macht, dann muss isie beweisen. dass dieser Fuchs geßcho-isen hat (!)... Im Angesicht dieser ungeheuerlichen Schandtaten wird selbst eine gutgemeinte Wiedergutmachung zur Farce .. Aber von Gutwilligkeit der Behörden kann heute nur noch selten die Rede sein. — Der hannoveranische Prozess ist noch nicht abgeßchlossen. Er bietet im übrigen nur einen kleinen Ausschnitt des schrecklichen Geschehens, dem sechs Millionen Juden zum Opfer fielen. Arabische Eindringlings erschossen ' Tel Aviv. — Vier arabij sehe Eindringlinge wurden; unlängst am Gaza-Streifen ' von israelischen Grenzwachen erschossen. Ein Sprecher der 'israelischen Arme« gab bekannt, dßs bei den Toici: ein Maschinenge- ' wehr mit Munition gefunden wurde. (AVTZl naca JANUAR und FEBRUAR ein;cM'essiich TUtcLs und Vtrpfi. gung. Auskünfte: Reisebüro GLCBllS ALS1NA 1418 — Bs. Aires Tel. 38-5369 _ 1447 37-3112 ■#OCH 13 .-DAUKOnOJ N I ECKS “ÖDtRWU a UEBERWEISÜNGEN IN D-MARK ODER DOLLAR Bevor Sie wechseln erfragen Sie unsere Pre:" Man spricht Deutsch 34/. MA»T|Ím2S%" ft Ernst Koppel Maipü 982 Tel. 31-7845 50 Meter Plaza San Martin mit vielen Verbindungen und Parkmögliehkeit. Teppichhaus - M. 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