Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 24 (1963)
- Issue
- 2037 (8.11.1963)
- Date
- 1963-11-08
- Page
- [Seite 1] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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DAS GESCHAH VOR 25 JAHREN JÜDISCHE mono FUEYRREDON 2190 — t* 4e«. AäoXXIV. — BUENOS AIRES, VIERNES 8 DE NOVIEMBRE DE 1963 — N’2037 WIE ¡CH ES SEHE' Die November-Ereignisse von JEHUDA GOTTHEIMER i. Vor 25 Jahren 25 ouiire eiad verstrichen, seit die Nazis zu ihrem grossen und vernichtenden Schlag gegen das deutsche Judentum ausholtcn. Für uns, die wir dabei waren, bedeutete dies den Untergang der Welt, unserer Welt.Viele Einzelheiten mögen selbst von denen vergessen worden sein, die miterlebten, als die Brandfackel in ur,<:ere Gotteshäuser geschleudert worden ist. Aus diesem Grunde wurde hier kurz noch einmal die Vorgeschichte 6kizziert, wie es zu dieser Brandnacht gekommen ist. In den beiden voraufgegangenen Artikeln „Der Marsch ins Unglück“ und „Vorbereitungen zum Pogrom“ wurde die teuflische Systematik geschildert, mit der die Nazis zu Werk gegangen sind. Wir alle w’csen, dasts diese Kristallnacht, dass die Zerschlagung des verhältnismässig kleinen deutschen Judentums nur ein grausames Vorspiel für ein weit schrecklicheres Geschehen gewesen .'«t, an desen Ende sechs Millionen tote, ermordete, vergaste, ausgehungerte Juden lagen, Männer, Frauen, Kinder, ein Drittel unseres Volkes. Wir alle w'ssen auch, dass die Menschheit in diesen letzten 25 Jahren von gewaltigen EreignVsen erschüttert worden ist, die weit über den Schmerz und das Erleben einer kleinen Gruppe hinausreichen, wie »sie von den ehemaligen deutschen Juden gebildet wird. Aber dieses .kleine' Geschehen, jene vom deutschen Volk in der Kristallnacht begangenen Verbrechen, waren die Voraussetzungen für die späteren Ereignisse. Die Flammen, die unsere Synagogen verzehrten, sie sollten auf alle Gotteshäuser übergreifen und alle Kontinente ln Brand setzen. Das ist der greroe historische Zusammenhang, in dem die Begebenheiten der Kristallnacht stehen. II. Der Vorwand Die Nazis brauchten nicht lange nach eV.em Vorwand zu suchen, ihre von langer Hand und sehr sorgfältig vorbereiteten Verbrechen zu begehen. In den Vormittagsstunden c'es 7. November 1938 eischien ein junger Mersch in den Räumen der Deutschen Botschaft in Paris und verlangte den Botschafter zu sprechen. Er wurde zu einem Gesandtschaftsrat namero vom Rath geführt. Oh e ein Wort zu sprechen, schoss der Unbekannte den deutschen Beamten nieder. Der Täter wurde sofort verhaftet. Es war Herschel Grynszpan, ein erst 17 - Jähriger, in Deutschland geboren, Sohn polnischer Juden, die wenige Tage zuvor von den Nazis aus Hannover über die polnische Grenze abgeschoben worden warm. Die Motive Grynszpans sind niemals ganz geklärt worden, für den geschichtlichen Ablauf der EreignVise, die hierdurch ausgelöst wurden, auch nicht interessant. Die Nazis nahmen die Tatsache, dass ein Jude einen deutschen Beamten im Ausland er echoroen hatte, zum Anlass, diejenigen Gewalt- und Terrormassnahmen auszuführen, die Jahre hindurch vorbereitet worden waren. Es ist gleichgültig, ob Grynszpan ein Werkzeug eines nazi'tischen agent provocateur gewesen ist oder nicht. Es ist durchaus möglich. Zwei Jahre später fiel Grynszpm in die Hände der Nazis. Goebbels, der in der Kristallnacht die Führung innehatte, bereitete einen Schauprozess vor, um Grvrozpan aburteilen zu lasoen. Plötzlich wurden die Vorbereitungen abgestoppt. Grynszpan verschwand, er war ohne jeden Prozess umgebracht worden. Wahrscheinlich aber hat Grynszpan keine anderen Motive gehabt, als «eine verletzte Ehre als Me roch und seine Würde als Jude zu verteidigen Dass er einen Unschuldigen erschossen hat, war sicher ein Fehler, Die Reaktion der Naz:s auf die Tat einro Siebzehnjährigen bleibt eine Schande für alle Zcjlan. III. 0 Gott, es drangen Voelker in dein Erbe, entweihten deinen heilgen Tempel, Jerusehalaim machten sie zu Trümmerhaufen. Sie gaben deiner Knechte Leib Zum Frass dem Vogelvolk des Himmels, Das Fleisch deiner Frommen Der Erde Getier; Wie Wasser gossen sie ihr Blut Rings um Jerusehalaim, und keiner begrub. Wir wurden Schmach bei unsern Xachbarn, Zum Hohn und Spott für die um uns. (Aro: Psalm 79; mm Ml!-J dr-" -bj: j SYNAGOGE BERLIN ORANIENBURGERSTRASSE Meldung über zerstoerte Synagogen SA DER NSDAP BRIGADE 50 (STARKENBURG) ABTEILUNG BR. B. NR. 4309 An SA-Gruppe Kurpfalz Mannheim Darmstadt, dea 11. November 1938 Aufgehetzte Brandstifter Die Veröffentlichungen in der von Goebbels geleiteten Presse «teilten die Tat des Grynszprn in einen „grösseren“ Zusammenhang. Natürlich war nicht Grynszpan der Täter, er war nur das Organ des Weltjudentum«, das die volle Verantwortung für die Tat zu tragen habe. Man merkte aber bereits aus den Veröffentlichungen vom 8. November, dros Goebbels' Trauer um den jungen Gesandtschaftsrat, der zu diesem Zeitpunkt übrigens noch lebte, keine echte war, sondern ein unverhohlener Jubei darüber, jetzt den Vorwand für den grossen Coup erhalten zu haben, jenen mördeiischen Schlag, den man gegen das gesamte deutsche Judentum geplant hatte. Für die Tat eines einzelnen wurde eine Groamtheit verantwortlich gemacht, eine Gemeinschaft, die sehr viel darum gegeben hätte, wenn man diese Tat hätte ungeschehen machen können. Auch Ja« wusste Goebbels. Natürlich hatte er «Schluss auf Seite 2) Am 10. 11. 1938 3 Uhr erreicht mich folgender Befehl: „Auf Befehl des Gruppenführers sind sofort innerhalb der Brigade 50 sämtliche jüdische Synagogen zu sprengen oder in Brand zu setzen. Nebenhäijser, die von arischer Bevölkerung bewohnt weiden, dürfen nicht beschäd'gt werden. Die- Aktion ist in Zioil auszuführen. Meutereien oder Plünderungen sind zu unterbinden. Vollzugsmeldung bis 8.30 Uhr an Brigadeführer oder Dienststelle.“ Die Standartenführer wurden von mir sofort alarmiert und genauestens instruiert, und mit dem Vollzug sofort begonnen. loh melde hiermit, es wurden zerstört im Bereich der Standarte 115 1. Synagoge in Darmstadt, Bleichstr. 2. Synagoge in Darmstadt, Fuchs«tr. 3. Synagoge in Heppenheim 4. Synagoge in Grälenhausen 5. Synagoge in Griesheim 6. Synagoge in Pfungstadt 7. Synagoge in Eberstadt Standarte 145 1. Synagoge in Beroheim 2. Synagoge in Lorsch in Hessen 3. Sysagoge in Heppenheim 4. Synagoge in Birkenau 5. Gebethaus in AVsbach 6. Versammlungsraum in Alsbach 7. Synagoge in Rimbach « ...t. durch Brand zerstört durch Brand zerstört Innonraum und Einrichtung zertrümmert Innenraum und Einrichtung zertrümmert Innenraum und Einrichtung zertrümmert Innenraum und Einrichtung zertrümmert durch Brand zerstört durch Brand zerstört durch Brand zerstört durch Brand und Sprengung zerstört durch Brand zerstört durch Brand zerstört durch Brand zerstört Inneneinrichtung vollständig zenstört i Der Führer der Brigade 50 (Starkeuburg) Lucker, Brigadeföhner US-Stoss truppe für den Orient Washington. — Verteidigungsminister Mae-Namara übertrug einem Armee- und Luftflottenkommando die Verantwortung für die Aufrecliterhaltung der Ruhe in Mittelost, Südasien .und einem grossen Töil des ifrikanischen Kontinents. Diese Verfügung zählt mit der offiziellen Geneh migung des Präsidenten Kennedy. Da« neue Kommando, das dem General Paul Adams untersteht, hat die Aufgabe, „alle nordamerikanischen Verteidigungs - Massnahmen im Mittleren Osten, Südasien, einschliesslich Indien und Pakistan, und in Afrika zu ergreiftn“. Die Aufstellung dieser Stcsstruppe. durch die bisher geteilte Verantwortlichkeiten vereinheitlicht werden, folgte einem sorgfältigen Studium über die Art und Weise, in der man möglichen Konflikten Im Orient wirksamer begegnen könne. (ITA)