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Jüdische Wochenschau · 1963-08-18 · 2034 (18.8.1963) · p. [Seite 12]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
24 (1963)
Issue
2034 (18.8.1963)
Date
1963-08-18
Page
[Seite 12] (sequence 12)
Language
German, Spanish
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Correo Central B Argentino FRANQUEO PAGADO Concesión 908 TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 AÑO XXIV ISRAELITA BUENOS AIRES, VIERNES 18 DE OCTUBRE DE 1963 No. 2034 EL EJEMPLAR en toda la República 10.- PUEYRREDON 2190 19 |zq. T. E. 83 2613 Buenos Aires Die verschwundenen Akten Die Enthüllungen der Würzburger Nervenarztes Dr. Herterich über die Verwendung aktiver Nationalsozialisten mit einer' belasteten Vergangenheit im Justiz j dienst und anderen wichti-1 gen Positionen bei Würzburj ger Behörden beschäftigen ' schon lange die Öffentlich 1 keit (und sind hier auch wiederholt dargestellt worden). — In den letzten Wochen haben .einflussreiche Kreise“, die in vielen Ländern der alten und der neuen Welt den Gang der Gerechtigkeit in ihrer Art zu lenken bemüht sind, alle Anstrengungen unternommen, um die Wahrheit auf den Kopf zu «teilen und den be-; rüchtigten ,,Spiess umzudrehen“. von JAKOB KATZ-ROGASEN Es ist beachtenswert, mit welcher Entschlossenheit Dr. Herterich seinen Kampf; führt, der in Wirklichkeit der Kampf aller derer sein sollte, die für die Säuberung des bürgerlichen Le- , bens von schwer verdächtigten und eindeutig bela-! steten Ehemaligen eintre- ‘ teil. Die Atmesphäre der .Mörder unter uns!“ hält an, [ weil es am guten Willen wichtiger und bestimmender , Politiker, Wirtschaftler und; hoher Juristen fehlt, wenigj stens in den Spitzen der Be- ■ hörden frühere Helfershel- ’ fer Hitlers b^i seinen Unrechästalen zu eliminieren. Jetzt hat Dr. Herterich in einem Brief an den Bundestagsabgeordneten Hermann Schmitt - Vockenhausen in Bad Soden von einer von interessierter Seit« betriebenen Rehabilitierung ehemaliger Gestapo- und SD-A-nhänger gewarnt und Beispiele dafür angeführt, dass ehemalige Nationalsozialisten auch heute noch Zusammenarbeiten. Herterich teilte Schmitt-Vockenhausen mit, dass nach seinen Informationen die bisher in Würzburg aufbewahrten siebzehntausend alten Gestapoakten aus dem ,,Gau Ma nfranken“ im Hinblick auf seine (Herterichs) Aufdeckungen in Würzburg ,,in Sicherheit“ gebracht und „zwecks Sicherheitsverfilmung“ nach München abtransportiert worden seien. Es «olle derzeit überhaupt nicht feststellbar sein, wo sich die siebzehntausend Akten befänden und ob sie überhaupt noch existierten. Weiter beschuldigt Herterich in diesem Zusammenhang einen Würzburger GericlPodirektor. er sei in Wirklichkeit ein getarnter SD-3pitzel gewesen. Wie das Beispiel Wiirzburg be- Prozesse gegen Kriegsverbrecher! Wegen Beihilfe zum Mord an 85.700 Juden aus dem Ghetto der polnischen Stadt Lodz haben sich der einstige Chef der Gestapo-Leitstelle Lodz und frühere Leiter des SS-Einsatzkommandos acht, Dr. Otto Bradfisch und sein Sachbearbeiter für Juden - Angelegenheiten in Lodz, der damalige Kriminalkommissar und SS-Hauptsturmfiihrer Günter Fuchs vor dem Schwurgericht in Hannover zu verantworten. Der Prozess wird voraussichtlich sechs Wochen dauern. Ueber hundert Zeugen aus Israel und den Vereinigten Staaten «ind geladen. Nach Mitteilung des niedersächsischen Justizministeriums wirft die Anklage Fuchs Beihilfe zum Mord an 70.000 Juden des Ghettos Lodz vor, die im Vernichtungslager Kulmhof (Chel- Adenauer und Ben Gurion Bonn. — Dr. Kor.rad Adenauer, der in diesen Tagen von seinem Amt als Bundeskanzler der Deutschen Bundesrepublik zurückgetreten ist hat eine Einladung des früheren israelischen Ministerpräsidenten David Ben Gurion angenommen, den t?r in seinem Har« in Sde Boker im Negew besuchen wird, wie aus israelischen Quellen verlautet. Beide Staatsmänner haben engen persönlichen Kontakt miteinander gepflegt. obwohl zwischen ihren beiden Ländern keine diplomatischen Beziehungen bestehen. (ITA) no) vergast wurden. Bradfisch wird der Beihilfe zum Mord an 15.700 Juden au« i dem gleichen Ghetto in dem I gleichen Vernichtungslager beschuldigt. Gegen Fuchs erhebt die Anklage ausserdem den Vorwurf, er habe 46 Juden eigenhändig erschossen, die sich der Ueberfiihrung in das Vernichtungslager Kulmhof widersetzten. Beide Angeklagte sind «eit | etwa drei. Jahren in Haft Fuchs war bis dahin Verwaltungsangestellter im nieder- 1 sächsischen Vertriebenenministerium. Bradfisch ist wegen seiner Tätigkeit als Eincatzkommandeur in dr Sowjetunion — wegen Beihilfe zum Mord an 15.000 Juden — im Juli 1961 in Straubing zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt worden und verbüsst diese Strafe zur Zeit in Süddeutschland. Er war vor seiner Verhaftung Versichcrungskaufmann. Bei der Staatsanwaltschaft in Wiesbaden laufen» gegenwärtig zwölf Ermittlungsverfahren wegen Nazi-Verbrechen in Pclen, der Sowjetunim und in Oesterreich. Wie Oberstaatsanwalt Dr. Schumacher mitteilt, sollen die Beschuldigten Beihilfe zum Mord an 75 000 Menschen geleistet haben. Die meisten Opfer seien polnische und russische Juden gewesen. Das umfangreichste Ermittlungsverfahren. der sogenannte Lublin - Komplex, richtet sich gegen acht ehe malige SS-Angehörige, die 1942—43 in und bei der polnischen Stadt Lublin an der Liquidierung von 67.000 Juden beteiligt gewesen sein sollen. « ' weise, so schreibt Herterich, j sei es leicht, eine ganze Be- I hörde ausschliesslich mit ehemaligen Naz;« zu besetzen, die formell als unbelastet erscheinen. | Inzwischen hat Herterich einen Brief von Staatssekrej tär Lahr vom Auswärtigen! Amt in Bonn erhalten in dem das Amt ei’.e Prüfung! der Vorwürfe ankündigt die | Herterich dem Bayerischen 1 Innenministerium im Fall! Schiedermair gemacht hat. Herterich hatte vor kurzem in einem Schreiben an das | Auswärtige Amt den Ver-! dacht geäussert, dass das Auswärtige Amt und die di-; plomatische Vertretung der Bundesrepublik in Oslo miss-! braucht worden seien. I Nach Meinung Herterichs; lag das Urteil in Wahrheit | seit 1949 in Miinch?n vor. : Man habe dort über die Vergangenheit Schiedermairs 1 Bescheid gewusst und ihn dennoch zum Gerichtspräsidenten befördert.' Mit der Urteilsanforderung über das Auswärtige Amt vor einigen Monaten habe sich das Bayerische Innenministerium nur ein Alibi beschaffen wollen. Staatssekretär Lahr teilte Herterich mit, dass er das Innenministerium in München um eine Stellungnahme ersucht habe. Dr. Herterich erklärte, dass er gegen die Einstweilige Verfügung des Oberlandesgerich's Bamberg, nach der ihm die Wiederholung von neun Behauptungen über Schiedermair verboten worden war, Verfassungsbe- , schwerde beim Bayerischen Verfassungsgerichtshof entlegen werde. Aus der Begründung der Einstweiligen Verfügung gehe hervor, dass das Gericht die Beleidigungsatßicht Herterichs vor allem darin gesehen habe, dass er, Herterich, das Schiedermair - Material der Presse übergeben habe. Das Verbot der Verbreitung der Nachrichten über den Gerichts - Präsidenten Schiedermair ist eine recht zweifelhafte Waffe im Kampf um die Wahrheit, Anstatt die Wahrheit selbst zu erforschen. um entweder die Unrichtigkeit der Behauptungen des Dr. Herterich festzustellen und ihn wegen Verleumdung zu verurteilen, oder aber die Konsequenzen aus der Richtigkeit der von Herterich erhobenen Beschuldigungen zu ziehen, wird zunächst einmal der Versuch unternommen, die Wahrheit zu unterdrücken. Wie sollte man sonst solche Einstweilige Verfügungen verstehen? Die Absicht der Justizbehörden, die offensichtlich alles tun, um einen der Ihren zu schützen, tritt mit dem Hinweis auf die Presse noch deutlicher zutage. Dass Herterich alle seine Vorwürfe gegen Würzburger Richter der Presse und dimit der Oeffentlichkeit zu übergeben wagte, hierin liegt — nach Meinung der anderen — seine wesentliche Schuld. Dass hierin zugleich ein neues Attentat gegen die Pressefreiheit zu erblicken ist, dürfte kaum geleugnet werden. —! Nur wenige frühere SS-Leute von HORST WINCKLER! Das Bundesministerium in Bonn hat vor kurzer Zeit i zu Veröffentlichungen über die Beschäftigung ven ehemaj ligen Angehörigen des SD (nazistischer „Sicherheits- I dienst“), der SS und der Gestapo im Bundesamt für Ver- I fassungssehutz Stellung genommen und den Vorwurf zurückgewiesen, dass eine „grössere Anzahl“ dieses Personenkreisen in diesem Amt tätig wäre. Immerhin sah sich dr« Innenministerium veranlasst, in seinen weiteren Verlautbarungen zu erklären, dass dieser Perscnenkreis weniger als 2 Prozent des Gesamtpersonalbestandes des Verfassungsschutzamtes ausmachen würde. Dort heisst es u. a.: ,,Nur wenige Angehörige des Amtes, die bis 1945 Beamte der Kriminalpolizei waren, hatten als solche sogenannte Angleichungsdienstgrade bei der SS....“ Anschliessend gibt de« Amt auch die Gründe an, die für eine Einstellung dieser Personen, die Mitglieder der SS oder ähnlicher Formationen waren, im einzelnen massgebend gewesen sind. Allein die Zugehörigkeit zu bestimmten NS-Organisationen könne noch nicht ein Verschulden darstellcn. Bewerber mit fachlicher Vorbildung und Erfahrung seien ausnahmsweise insoweit eingestellt worden, als andere Kräfte, die den schwierigen Aufgaben des Verfassungsschutzes genügt hätten, nicht zur Verfügung standen .. Trotz dieser Erklärt ng des Ministeriums bleibt die ganze Angelegenheit höchst peinlich. Denn einer der j Saehberater hat der Presse bereits damit gedroht, dass j die Veröffentlichung gewisser Namen als Landesverrat! angesehen werden müsse. Das bedeutet nichts anderes a’s eine völlig unzulässige Beschränkung der Pressefreiheit, worin — nicht zuletzt auch nach der Spiegel-Affäre — ein erster Schritt in der Zerstörung demokratischer Rechte und Einrichtungen zu erblicken ist. Im übrigen wurde auch der angegebene Prozentsatz in Zweifel gestellt, da unter die Beamten des Verfassungsschutzes vom Ministerium auch Angestellte und Arbeiter gerechnet wurden, während der Anteil der ehemaligen SS- Leute. unter ihnen mindestens zwei SS-Hauptsturmführer, bei richtiger Berechnung mindestens 10 Prozent ausmachen würde. Hauptsturmführer der SS aber dürften immer reichlich belastet seil, zumal — wie in einem der vorliegenden Fälle, — der entsprechende Beamte nach dem Krieg seinen Namen geändert hatte und untergetaucht war. Heute ist er Oberregierungsrat. Wie muss es um einen Verfassungsschutz der Demokratie bestellt sein, der sich ehemaliger aktiver Nazis bedient, die ihre Sporen, Ster-! ne, Titel und Ri nge nur dann erhalten und sich verdient j haben können, wenn sic entschiedene und tätige Gegner ' der Demokratie gewesen sind. Burma rückt nach links Registro de la Propiedad Intelectual No. 735 104 Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Riva Ja via 831 „Was, nach Burma wollen! Sie? Wenn ich Sie wäre, j würde ich nicht fahren. Sie; wissen doch, dass Sie damit j rechnen müssen, verhaftet : zu werden“. Solche Sätze! bekommt heutzutage ein westlicher Journalist zu hö- \ ren, wenn er den Plan einer; Fahrt in das Land Ne Wins; offenbart. Tatsächlich wandelt In Burma — aber das | ist alte Tradition und nicht ‘ erst eine Erfindung des neu-! en Regimes — gelegentlich ein einheimischer Journalist, j der allzu scharf vom Leder; gezogen hat, für kurze Zeit ins Gefängnis, und kürzlich | wurde auch, unter beträchtj lieber Erregfung der Indi | sehen Zeitungen, ein indischer Journalist für ein paar Tage festgesetzt. : Ein Burma Reisender . muss sich daher heute — ausserhalb Burmas — auf ein gewisses Mass Hysterie ‘ rüsten. Sie hat im übrigen; einige Gründe. Westliche ' Korrespondenten sind im 1 Lande nicht mehr willkomj men, und selbst Europäer.; die seit langem in Burma ansässig sind. | Aber der Fremde, der auf i dem modernen, sauberen Flughafen in Rangun ankommt und freundlich und; zuvorkommend behandelt wird, der auf den Strassen und in den Läden nicht ei- < nen einzigen feindseligen I Bück einfängt und kein; feindseliges Wort hört, der! sich in den burmesischen j ragodcci so unbehindert bewegen darf wie in keiner christlichen Kirche, keiner Moschee und keinem Tempel, erkennt sehr bald, dass er es hier nicht mit einem burmesischen Charakterzug zu tun hat, sondern mit einem Eingeständnis des Systems, dass es sich unsicher fühlt. Das neue Burma hat nämlich zuviel auf die Schultern der Militärs geladen., die heute das Land verwalten, und so möchte man die Irrtümer und Fehlleistungen lieber nicht der öffentlichen Begutachtung aussetzen. ZU VIELE EXPERIMENTE Tatsächlich hat Burma sich in Experimente ge stürzt, die zunächst e'i.en tüchtigeren, ausgebildeteren Staatsapparat voraussstzen als Burma ihn besitzt. Zum Schaden des internationalen Kredits des Landes hat Burma seine Banken verstaatlicht; der Aussenhandel der Reis- und Holzhandel (die beiden letzteren die bedeutendsten Exportzweige Bur mas) sind gleichfalls voll verstaatlicht worden, nach- ¡ dem sie schon zuvor zu gressen Anteilen verstaatlicht waren. Der Bauer darf; seinen Reis nicht mehr auf dem Markt verkaufen sondern muss ihn an dui Staat abliefern. /1 Ausland viel Bewunderung Alles das setzt eine geölte, [ fand. Natürlich waren auefc 'beweglichere Bürokratie vor- ( diese Reformen sozialistisch, aus, die Burma nicht kennt,! aber Burma ist immer ein und statt dessen sind — ge-; sozialistisches Land gewewiss gultwillige — Offiziere, sen. so sehr, dass es niein Stellungen gekommen, 1 denen sie nach ihrer Vorbil- 1 düng e’nfach nicht gewachsen sein können. Die gleichen Offiziere aber fehlen jetzt in den Aufstandsgebieten, die daher heute, paradoxerweise, ungebärd.ger sind als zu den Zeiten des zivilen Regimes. Das alles hat zu einer beträchthchen Unzufriedenheit geführt. „Fragen Sie alle Menschen, die Sie treffen — vielleicht einer oder zwei von tausend werden zufrieden sein. Die anderen sV.d es nicht, die Bauern nicht, die Kaufleute nicht, die Studenten nicht und die Beamten nicht“. Mehr als einmal haben wir in Rangin diese Aufforderung gehört. GEWANDELTER MANN Das Phänomen des heutigen Burmas besteht nun nicht darin, dass sich ein „System“ geändert hat, sondern darin, das sich ein einziger Mann. von einer Regierungsperiode zur anderen, grundsätzlich gewandelt hat. Als der Regierungschef U Nu. nach Verschlsiss der letzten parlamentarischen Mittel, 1958 den Generalstabschef Ne Win, bat, die Regierung zu übernehmen, da begann e‘«e Reform, die innerhalb Burmas wie im; mals eine politische Partei j rechts von der „Antifasehii stischen Volksliga“, der Parj tei U Nus, gegeben hat. I Doch — und darin liegt | der Wandel Burmas — der I Ne Win des Jahres 1963 äst j ein anderer als der Ne Win ' des Jahres 1958. Die Refor- I men sind extremer gewor- | den, sie werden offensicht-; lieh nicht mehr von der Veri r.unft, sondern vcu einer i Ideologie bestimmt, und die bislang in dem heiteren fröhlichen Burma immer willkommenen Fremden sind auf einmal verdächtig, i Der Grund für diesen Wandel liegt darin, dass Ne Wii seinen bisherigen liberalen Beratern, ebenfalls! zwei Offizieren, dem Briga- | dier Aung Cyi und dem | Obersten Maung Maung den '• Laufpass gegeben und sie! durch Berater ersetzt hat. die sehr viel weiter links I stehen. Den einen von ib’.en ■ nennt man bezeichnenderj weise den „Roten General“, 1 der andere war der burme-; sische Vertrauensmarai der : sowjetischen Botschaft in Rangun. Dieser Ruck nach links, dessen Hintergründe! immer noch nicht recht aufgehellt sind, macht Burma j noch nicht kommunistisch; davon kann keine Red« sein. Aber langsam entsteht, von | Ne Wins neuen Beratern i entworfen, im Lande eine j auf kommunistischem Vor- ' bild basierende Struktur, die auf die Dauer gefährlich werden könnte. . ,

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