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Jüdische Wochenschau · 1963-09-17 · 2030 (17.9.1963) · p. [Seite 24]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
24 (1963)
Issue
2030 (17.9.1963)
Date
1963-09-17
Page
[Seite 24] (sequence 24)
Language
German, Spanish
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ta o S _ -a £ « c FRANQUEO PAGADO Concesión 908 r® C 6« W SJ t. o < TARIFA REDUCIDA Conces'oD 1629 AÑO XXIV BUENOS AIRES, MARTES 17 DE SEPTIEMBRE DE 1963 No. 2030 A ISRAELITA EL EJEMPLAR en toda la República PUEYRREDON 2190 1? izq. T. E. 83 2613 Buenos Aires Die Glückwünsche des Praesidenten und des Premiers MIT aller Aufrichtigkeit entbiete ich am Vorabend des Neuen Jahres meinen Gruss allen Einwohnern ur«?eres Landes ohne Unterschied von Herkunft oder Glauben, und allen Juden in der Welt ohne Unterschied des Landes, in dem sie ieben. Möge dieses Jahr für uns alle ein Jahr schöpferischer Arbeit sein, e.'n Jahr der Freiheit und, de« Ueberflusses, ein Jahr, in dem die trennenden .Schränker, verschwinden und, vor allem,''ein Jahr des Friedens. Möge die Gefahr der Vernichtung, die sich über der Menschheit zuisammcnzieht, verschwinden und mögen wir endlich in das ersehnte Zeitalter eintreten, das iv.se re Propheten vorausgesagt hab.m. Ich bete, dass der Tag kommen möge, an dem der Hass unserer Nachbarstaaten ui.;d ihre Drohungen sich nicht mehr gegen unser Land richten, das noch um seine ökonomische und kulturelle Entwicklung zum Wohle aller seiner Bewohner kämpft und noch seine Kinder sammelt, welche aus den Ländern des Exils heimkehren und ein freies Leben führen wollen. Mögen die arabischen Völker endlich verstehen, dass wir in unser Land zurückgekehrt sind, um es aufzubauen, und dass wir den Frieden und gegenseitiges Verständnis zwischen uns und ihren Staaten er«?ehnen. Selbst in den Tagen ernster Spannung, wenn uns nichts anderes übrigbleibt, als unser Leben und unsere Grenzen zu verteidigen, reichen wir ihnen ehrlich die Hand des Friedens mit dem steten Vergangen, uns mit ihnen offen und freimütig zu unterhalten. Gegen Ende des Jahres wurde eth , schwacher I*it:htstrahl am politischen K(oj f+ rizont sichtbar, als die Grossmächte, bis zu einem gewissen Punkt wenigstens, sich gewillt zeigten, die Gefahr zu verringern, welche der Menschheit droht, und für die internationalen Probleme die Lösung zu suchen, die nicht Vernichtung und Ausrottung bedeutet. Wir hoffen von Herzen, dass das Abkommen über das Verbot von Atomversuchen kein toter Buchstabe sein möge sondern praktische Konsequenzen haben wird, dass dieser neue Geist auch unsere Region durchdringen und auch dieser Teil der Welt sich'der Segnungen eines friedlichen und schöpferischen Lebens, frei von Feindseligkeit und Hass, erfreuen möge. Mein Gruss gilt auch allen unseren jüdischen Brüdern in der ganzen Welt, in der freien vnd in der unfreien Diaspora. Möge dieses Jahr ihnen äussere Ruhe und innere Kraft bescheren. Im Jahr, das«? sich seinem Ende zuneigt, haben wir einen schweren Schlag erlitten: das Oberhaupt des Staates verschied, mein Vorgänger, der zweite Präsident Israels, der dieses hohe Amt über zehn Jahre lang bekleidete, und die Herzen des Volkes gewann, das ihn liebte und bewunderte. Er war ein Pionier, ein Mann vornehmer Gesinnung, bescheiden und würdig der Verehrung vnd Nacheiferung. An uns ist es zu versuchen, die künftige Generation im Geiste der Persönlichkeit Jizchak Ben Zwis zu formen. Zum Schluss möchte ich auf die wichtige Lehre hinweisen, die unsi; das vergangene Jahr erteilt hat: der Frieden innerhalb unserem Volkes ist eine unerlässliche Bedingung, wenn wir den Frieden für unser Volk wünschen. ZU Beginn des Neuen Jahres gilt mein Gruss im Namen des Staates Israel und seiner Regierung allen jüdischen Brüdern auf dieser Erde. Als erstes möchte ich den Gruss David Ben Gurions übermitteln, der das Steuer der Regierung aus der Hand gegeben hat. Während der Zeit seines Kampfes für die Wiederherstellung der Unabhängigkeit und die Gründung Israel«? hat David Ben Gurion ein glorreiches Kapitel der Geschichte Israels geschrieben und sich „ die Dankbarkeit des jüdi- - sehen Volkes erworben. ,L Jubel begleitet meinen Gruss, denn im verflossenen Jahr haben wir wieder Massen von Einwanderern aufgenommen. Wir haben uns bemüht, die Verschmelzung der Zerstreuten zu erleichtern, dem Aufbau des Landes und der Verankerung seiner Wirtschaft zu dienen. Wir haben erzieherische, wissenschaftliche und kulturelle Institutionen gefördert Wir waren beistrebt, die noch bestehende Ungleichheit zwischen alten und neuen Bürgern zu verringern. Wir haben weiter unser Leben nach dem demokratischen Prinzip der Gerechtigkeit ausgerichtet, damit jeder Bürger und jeder Jude Stolz und jeder Mensch Achtung empfinden kann. All dies taten wir in enger Zusammenarbeit mit unseren Brüdern in der Zerstreuung und mit ihrer grosszügigen materiellen und moralischen Hilfe. Wir werden alle«? tun, was in unserer Macht liegt, damit diese Zusammenarbeit fortbestehen und erweitert werden kann.;,-'Sfugleich mit der Einwanderung aus E£ndern, in denen Unterdrückupng und Armut herrscht, brauchen und wünschen wir die Ankunft von Brüdern und Schwestern aus freien und blühenden Ländern, me Kenntnisse und Opferwillen besitzen sowie bereit sind, an der Konsolidierung des Staates Israel und der Verwirklichung des Traumes von Generationen mitzuarbeiten. Das Volk i(on Israel vertraut darauf, dass ein jeder Jude sein Bestes tun wird, um seine Bande zum Staat Israel enger zu gestalten, sich tiefer im Erbe unserer s VätiT zu verwurzeln und sei- ■ ne Kenntnisse der hebräischen Sprache zu verbessern. . Mit Vergnügen betone ich an dieser Stelle, dass im vergangenen Jahr die freundschaftlichen Beziehungen sich noch mehr gefestigt haben, die Israel mit den Völkern der Welt verknüpfen, welche unsere Politik des Friedens unterstützen. Wir schätzen die Hilfe, die wir von befreundeten Völkern -und Menschen guten Willen; erhalten haben. Dieses Jahr brachte auch eine Besserung der Beziehungen zwischen den Grossmächten. Es ist dies der erste Schritt. Wir vertrauen auf eine weitere Entwicklung in dieser Richtung, die eine Lockerung der Spannungen in der ganzen Welt und in unserer von Konflikten erschütterten Region mit sich-bringen dürfte. Ich möchte noch zum Schluss das Andenken des zweiten Präsidenten Israels Jizchak Ben Zwi ehren. Sein Tod bedeutet einen unersetzlichen Verlust für Israel und das ganze jüdische Volk. Ich bitte um ein Jahr des Friedens und des Gedeihen«?, der Stärkung und der fruchtbaren Arbeit für unser gemeinsames Werk! lljiliiipHl ÄiffllllS j’jrlHüU - j «.; Kein jüdischer Widerstand?\B\ick in die Welt l (Schluss von Seite 1) den Sieger — und bis Stalingrad war Deutschland in dieser Position — ist eine schlichte Unmöglichkeit. Der Sieger, der alle militärischen Schlüsselstellungen in der Hand hat, braucht fürwahr die Revolte einer Minderheit, die keir.e Basen hat, keine Waffenreserven, keine Lebensmittel, nicht zu fürchten, weil der angewandte Terror jede Entschlusskraft und jeden Kampfgeist brechen würde, die aus der Verzweiflung hervorgehen mögen. In Biaiystok haben 1941 dreizehnhundert jung? Juden sich entschlossen, die Wachen zu überwältigen. Mit den wenigen erbeuteten Gewehren flüchteten sie in den nächsten Wald, in dem sie bald verloren waren, weil sie nirg nds durchbrechen, noch sich ernähren konnten. Die meisten von ihnen kehrten nach Wochen ausgehungert nach Biaiystok zurück und stellten sich. ES FEHLTE AN HILFE Die Rebellion ev.er Minderheitengruppe ist nur denkbar, wenn sich die Umwelt ihr gegenüber freundlich und helfend verhält Es gab in Holland, in Dänemark. Belgien, Frankreich viele Einheimische, die den Juden Berstend leisteten. Sie waren mit ihnen, weil sie in ihrer Mehrheit Gegner der Besatzungsmacht: waren In Amsterdam brach 1941 ein Generalstreik aus, ate man junge Juden deportieren wollte; aber die deutsche Besatzungsmacht, die auf ihrer Seite den Faktor Zeit : hatte, machte dem Wider- : stand ein Ei.di, und die , Voraussetzungen für H:lfeleistung waren damit nicht mehr oder nur noch in ge- 1 ringem Masse gegeben. Wer die Geschichte des War- | schauer Ghetto-Aufstandes studiert, wird daraus lernen, dass die polnische Unler- I grundbewegung den Juden in ihrem heroischen Kampf j nur sehr wenige Waffen zur | Verfügung stellte und ihre Aktionen nicht mit denen der Juden koordinierte. I Ich will zugeben, dass die Welt craussen sicherlich mehr hätte tun können, um i Juden zu retten, als sie getan hat; aber es hiess-e festl stehende geschichtliche Tatsachen verfälschen, wollte man das Fehlen wünschensi werter Proteste oder nicht : geöffnete Grenzschlagbäume für die Tragödij der Juden | verantwortlich machen. Weder sind die Opfer schuldig an dem, was ihnen geschah, I noch tragen die Länder und Institutionen, die nicht alles taten, was im Lichte heuti- | ger Erkenntnisse hätte geschehen mi'«:sen, die Hauptverantwohtung. Ich will weder Lord Moyne, der zu Joel Brand in Kairo 1944 sagte: „Was soll ich mit einer Million Juden tun?“, lossprechen, noch mich an der Hochhuth-Debatte beteiligen, sondern die Notwendigkeit ■ betonen, Verantwortlichkeit ' und Schuld,/kfar festzulcgen. Es darf "nicht vergessen werden, dass der Vermchtung«?krieg der Nazis gegen die Juden gegenüber dem Krieg gegen andere Volksstämme Vorrang hatte. Das geht aus Tausenden von Do- ] kumenten hervor. Diese Tat- I sache erzeugte bei den Völkern der unterdrückten Länder die illusionäre Vorstellung, dass ihnen das! Schlimmste erspart bleiben könnte, da es ja gegen die Juden gehe. Die Nationalsozialisten profitierten von | dem System der Vernichtung in Etappen. Natürlich blieb dieser Verniehtungs-! fsldzug nicht auf Juden bej «schränkt, sondern das ,,Divi-! de et impera“ fand seine I blutige, infernalische Anwendung.! DIE LEHREN DER GE¬ SCHICHTE VERSTEHEN Es« widerspricht den Tatsachen, zu sagen, dass Juden keinen Widerstand geleistet haben, wiewohl es wahr ist (was die Zahl von sechs Millionen getöteter Juden beweist), dass dieser Widerstand, so heroisch und beispielgebend er war, nicht allzu viel genutzt hat. Dieser Widerstand i«?t nicht nur durch den Aufstand im Warschauer Ghetto gekennzeichnet, er hat vielmehr auch in Wilna, Biaiystok, Treblinka stattgefunden, ebenso in! Hunderten von individuellen l Akten, ganz zu schweigen j von dem tapferen Versuch j ven Juden und Nichtjuden, im passiven Widerstand den Verfolgten das Leben zu retten. Ich habe diese Taten in meinem Buch „Die unb:«?ungenen Helden“ aufgezeichnet. Es ist bedauerlich, dass in Deutschland die geschichtlichen Lehren aus den Jahren 1933 bis 1945 nicht überall voll verstanden werden. In einer angesehenen deutschen Zeitung las ich zu meinem Erstaunen einen Artikel mit dem Titel „Vergeltung ohne Ende“, in dem gegen moralische, juristische und materielle Wiedergutmachung Front gemacht wird. Der Verfasser versteigt sich dazu, von einer „geschäftstüchtigen Vergangenheitsbewältigung“ zu sprechen; es werde zuviel Wiedergutmachung gefordert, und gemachte Entschädigungsleistungen seien in „Dunkel gehüllt“. Er spricht von einer „Entartung des Entschädigungsrechts zur erblichen Kollektivstrafe“. Diese giftige Philippika in einem angesehenen deutschen Blatt ist die Konsequenz des Versuchs, die jüngste Ge«schich te umzuschreiben, Fakten zu verfälschen und aus den gewonnenen Erfahrungen falsche Schlüsse zu ziehen. Ich bin dafür, dass wir alle Aspekte der Vergangenheit analysieren und stu- I dieren, aber dieses Unternehmen darf weder das Anj denken der Opfer verun- I glimpfen noch die Opfer für | ihre Leiden verantwortlich machen. Nassers neuer Atomreaktor London. — Der ägyptische Schatz- und Planungsminister Keissuni hat den Bau eines neuen Atomreaktors bekanntgegeben. Ein Termin für den Baubeginn wurde noch nicht genannt. Seit 1961 ist bereits ein Atomreaktor in Inschass in Unterägypten in Betrieb. — von HAROLD SCHWARCZ Die Regierung und Kirchen in Kolumbien wiesen gleichzeitig darauf hin, dass die Unruhen im Lande auf fremde Einflüsse zurückzuführen seien. — Der Innenminister von Ost-Katanga beschuldigte das Heer des Kongo, Zivilpersonen getötet zu haben. — Der jugoslawische Diktator Tito steht augenblicklich hoch im Kurs. Nach Einladungen, die er aus Brasilien und den USA erhalten haben soll, wurde er jetzt von Polen zu einem Staatsbesuch aufgefordert. — Mit grc«?sen Ehren wurde der frühere französische Ministerpräsident Robert Schum an in Metz beigesetzt. Schuman ist der Schöpfer der Europa-Gemeinschaft. — Der katholische Erzbischof von Saigon, Ngo Dinh Thuc, ein Bruder des Präsidenten von Vietnam, erklärte in Rom, dass die buddhistischen Mönche, die eich selbst verbrannten, Opfer der buddhistischen Führer und nicht der Regierung von Vietnam seien. — In Algier wurde ein Volksentscheid über die Verfassung des Landes durchgeführt, der nach bewährtem Mu- «ster dem Diktator Ben Bella eine überwältigende Majorität brachte. — Fidel Castro kündigte in einer Rede den bevorstehenden Besuch Krutsthews auf Kuba an. — In Mexiko trat der 13. Philosophen Kongress zusammen, der erste in Amerika. Aus 28 Ländern waren 500 Delegierte erschienen. — Der UN-Generalsekretiir U Thant bezeichnete die Lage in Südvietnam a)«s ¡chaotisch. — Der in Holland tagende Internationale Sozialistenkongress verurteilte mit Scharfen Worten das „tyrannische Regime“ des General .Alfredo Stroessner in Paraguay. — Erstmalig in der ¿eschichte der UN hat Grossbritannien bei einer Abstimmung eines Antrages der afro-asiatischen Staaten von seinem Veto-Recht Gebrauch gemacht. — Der französische Präsident Charles de Gaulle empfing König Hussein von- Trans Jordanien, dem er erklärte, Frankreich wünsche wieder engere Beziehungen zum Mittleren Osten. Registro de la Propiedad Intelectual No. 735 104 Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 831

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