Mannheim
Compact Memory

Jüdische Wochenschau · 1963-09-13 · 2029 (13.9.1963) · p. [Seite 2]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
24 (1963)
Issue
2029 (13.9.1963)
Date
1963-09-13
Page
[Seite 2] (sequence 2)
Language
German, Spanish
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/9616703-9613667-9614066--2946-9614068
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions (1 not found in this text)

2- — Viernes, 13 de Septiembre de 1963 LA SEMANA ISRAELITA A So XXIV. — No. 2629 Der gleiche Standpunkt (Schluss von Seite 1) Weise aber, wie er allen als Bruder begegnete, trug das Geprägt der Väterlichkeit Diese .Väterlichkeit eines alten, weisen, warmherzigen Familienvaters“ wirkt eich auf das alltägliche Leben aus, sie blieb nicht nur eine Idee oder Haltung, sie fand ihren Niederschlag in den Anweisungen und erst recht in den Enzykliken. Obwohl Johannes XXIII. selbst niemals zugelassen hat. einen Unterschied zwischen dieser, seiner eigenen päpstlichen Politik lind derjenigen des Papstes Pius XII. zu machen, ist dieser Kontrast evident. Der Gerechtigkeit halber muss gesagt werden, daes sich Papst Johannes mit diesem Problem als Papst nicht zu beschäftigen hatte. Aber dieser Hinweis kann w'eder die Verantwortung noch das Versagen des Papstes in der tragischen Zeit de,3 nazistischen Untergangs ändern. An dieses Thema wagt ,man‘ sich nicht gern heran. Es ist ein heikler Stoff, dessen Diskussion mit Hochhuth eicherlich einen Höhepunkt gefunden hat. aber weder in absehbarer Zeit abgeschlossen werden kann noch als erledigt zu betrachten w’äre. Wahrscheinlich wird die Auseinandersetzung erst noch beginnen. Je grösser der Abstand zu der Schreckenszeit wird, urr.eo stärker wird das menschli che Gewissen schlagen. Die Dr. FREY ABOGADO PUEYRREDON 2190 1? izq. nachm. 16—19 Uhr Neue Telef. Nr.: 80-6930 REAL PEN Füllhalter REPARATUREN Spezialgeschaeft CORRIENTES 569 T. E. 49-5850 Mitschuld am Massenmor- | den lässt k?in Gewissen zur ■ Ruhe kommen. j Der Läuterungeprozess hat , wohl kaum begonnen. Wir sind noch bei den Vorarbeiten. Das Material ist weder völlig gesichtet noch ausgewertet. Kommen wir wirklich auf jenes primitive Gottesurteil zurück, wie es die Würzburger Reaktion ge- { schildert hat: Der verewigte Papst, der sogar mit Kom-; munisten zu sprechen ge-'l wagt hat, ist durch Gottesur- | teil abgerufen worden. Und es bleibt nur ein Schritt.; dass Hitler die Geissei der Menschheit war, durch welche das ungläubig3 Judentum geschlagen wurde...; Oder war es umgekehrt: ■ die Kirche hat geschwiegen, als die Mächte der Unterwelt sich anschickien. Kultur und Zivilisation zu zertrümmern. Das ist die grosse Antithe- 1 se. i IV‘ .! Abwehrkrieg; i j Der Nationalsozialismus war kein Blitzschlag vom heiteren Himmel. Alle Kräfte und Gegenkräfte, alla-politischen Parteien, geistigen Bewegungen und Strömun- I gen in aller Welt, beeonders aber jn Deutschland hatten | lange Jahre Zeit, Entwicklung, Tendenzen, .Ideen“. Phraseologien und Parolen i des Nationalsozialismus zu beobachten und zu Studie- , ren. Mit einar grossen ’ Leichtfertigkeit sind die meisten politischen und geij ■ stigen Gegner des Nationalßozialismus über die Gefahren, dis von dieser Bewei gung drohten, über die de- ' struktiven Kräfte, die von i ihr ausgingen, und über die i Propaganda-Slogans, die einen unheimlichen Einfluss auf die unzufriedenen Mas- I sen hatten, zur Tagesordnung hinweggegangen, bis... j; es zu spät war. Auch die ' Juden haben diese Gefahren, die ihnen droht an und die ih- (! nen zum Verhängnis werden ' c-ollten, nicht erkannt. Sie wollten nicht wahrhaben, I was ihnen von den Nazis ' vorausgesagt worden ist.! Wahrscheinlich gehört es zu den menschlichen Grundi eigenschaften, sich Illusioi nen hmzugeben und Hoff-: nungen nachzuträumen. Die Begegnung mit der Wirk lichkeit setzt Mut, Charakterstärke und Erkenntnisbelaime Liebling S. A. SPERRHOELZER HOELZER DIAZ VELEZ 5224 Tel.: 89-9349, 33-9305 UEBERSETZUNGEN Alle Sprachen — Beschaffung v. Urkunden LAURA TIIIEBERGFR DE STEINHÄUSER Traductora Pública Beigrano: Obligado 1906 6? B — Tel. 76-8797 Stadt: Suipacha 472 4? of. 413 (vormittags) reiicchaft voraus. Ein einzelner kann sich zu solchen Einsichten eher erheben als eine Gemeinschaft, die dem Individuum schon an sich und als solche das Gefühl der Geborgenheit verleiht. Parteien und Bewegungen, Religionsgemeinschaften und Juden haben nicht verstanden, dass der Nationalsozialismus einen Frontalangriff gegen die bisherige Welt unserer Vorstellungen und Ideen, gegen die Kulturen des 20. Jahrhunderts zu führen beabsichtigt. Nur einer hat das von Anfang an begriffen: die Katholische Kirche. Nur einer war wirklich vorbereitet: die Katholische Kirche. Sie brauchte nicht zu improvisieren. Sie war gerüstet, ein fester Block, bereit für einen Kampf, den sie bereits vor der Machtergreifung austrug, mitunter sogar nur b's zu diesem Tage. Aber das ist gerade das Thema der Diskussion. Ein katholischer Politiker veröffentlichte im März 1931, also zwei Jahre vor Hitlers Machtantritt, in der Zeitschrift ,,Die Arbeit“ u.a. folgendes: „Zum Lehrsy.stem der Kirche steht die gegenwärtig verkündete Ideologie der Nationalsozialisten in der Tat in einem offenen ausdrücklichen, leicht aufzeigbaren Gegensatz, und die Front der offiziellen katholischen Organe ist denn auch eindeutig: der Katholizismus steht \im offenen und erklärten Abwehrkrieg gegen den Nationalsozialismus.“ Dir Kirche hat alles genau gewusst, die Behauptungen und .Ideologien“ der Nazis genauestens analysiert und eine Widerlegung der abstrusen nazistischen Theorien durchgearbeitet, die von Anfang des „Abwehrkrieges“ an, zur Verfügung gestanden hat. Schon 1931 wusste man, dass die Nazis eine eigene „Deutsche Volkskirche“ gründen wollten, um die „deutsche Reformation“ zu beenden, die beiden in Deutschland verbreiteten Kirchen zu ' verschmelzen und den „römischen Zentralismus“ zu überwinden. Der nazistische Philosoph Alfred Rosenberg kämpfte mit seinen Worten gegen den „römischen Haruspex und den alttestamentlichen Superintendenten“. . . Es gibt eigentlich nicht eine einzige nazisti'che Theo- JAC0B LAPIDUS dipl. Mohel NEUE ADRESSE VIAMONTE 2037, 4’ B. 46-1716 und 48-2124 rie oder ..weltanschauliche**' Auffassung, die mit den Leh- | reh, Geda'nken und Vorstei-! lungen der katholischen Kiri che vereinbar sind. Der Ab-! wehrkrieg war deswegen eine natürliche selbstverständliche Reaktion. Aber reichte ' er aus? — Das allein ist die entscheidende Frage. — V. Hochland-Artikel Im Februarheft 1961, also vor mehr als zwei Jahren, veröffentlichte die katholische Zeitschrift „Hochland“ einen Artikel von Ernst- Wolfgang Böckenförde über die Haltung des deutschen Katholizismus im Jahre der nationalsozialistischen Machtergreifung. In seiner kritischen Betrachung hatte | Böckenförde. Assistent für : öffentliches Recht an der : Universität Münster, darauf! verwiesen, dass die Führer des deutschen Katholizismus , ihre Gläubigen in der entscheidenden Stunde zur Bejahung und Unterstützung i des NS-Staates angehalten oder aufgefordert hätten. Durch den Abschluss de« | Reichskonkordates zwischen Hitler und dem Vatikan haben die Katholiken — gewollt oder nicht — daran mitgewirkt, die nationalso- , ziaiistische Herrschaft in Deutschland zu stabilisieren. 1 Nun sind dieße Behaupj tungen nicht erst von Bökkenförde aufgestellt worden, j Wohl aber haben seine Darstellungen in einer angesehenen katholischen Zeitung , einen grossen Widerhall — I oder besser gesagt, starke Proteßte — in Deutschland [ ausgelöst. Die Folge der Vorwürfe, die gegen den Autor erhoben wurden, war | die Herausgabe eines Werkes. das Dokumente aus der; Zeit von 1930 bis 1935 zur Frage der Haltung der Katholischen Kirche zum Nationalsozialismus publizierte. Damit wurde die Diskussion aus der Sphäre des Sen- ■ trments auf das Gebiet der! Tatsachen geführt.! Weitere Einzelheiten sind | nicht aufzuführen. Es kann! der Hinweis auf dieses Werk ( genügen (erschienen Nymj phenburger Verlagßbuch- 1 handlung, 1963). — Der Autor des Buches „Katholische Kirche und Nationalsozialismus“ ist Hans Müller, das . Vorwort schrieb der Berliner I Professor Kurt Sontheimer.! VI. Begriissungen In ideologischen Fragen I gibt ec keine Konzessionen.; Niemand weiss das besser als die Kirche. Seit Jahrtausenden hat sie nach diesem Prinzip gehandelt. Aber mit Hitler wurde dennoch praktiert, woran schon deswegen ein Zweifel nicht möglich i ist, weil ein Konkordat abgeschlossen wurde, und dies, obwohl sich führende deutsche katholische Politiker in der richtigen Erkenntnis der Inkonsequenz dieser Haltung vnd der verheerenden Wirkungen , dieses Vorgehens entschieden hiergegen ausgesprochen hatten. — Aber gerade in den intellektuellen Kreisen, die hätten verßtehen können, welchen Kampf Hitler begonnen hatte, war man nur alli zu schnell bereit, dem ,Füh-! rer und Kanzler,“ Treue zu geloben. Nicht genug damit: i Der CV, Cartellverband der l Katholischen Deutschen Studenten-Verbindungen schuf | am 8. Oktober 1933 neue Satzungen, wo es heisst, . dass dieser CV „ein Bund deutscher Studenten katholischen Bekenntnisses zur Erziehung seiner Mitglieder im! Sinne der nationalsozialistischen Weltanschauung“ sei. | Nur noch ein Dokument sei erwähnt. Erzbischof. Gröbers aus Karlsruhe erklärte: | „Ich glaube auch, weder vor ' ihnen noch vor dem deutschen Volke ein Geheimnis! zu verraten, wenn ich Sage dass ich mich restlos hinter die neue Regierung und das neue Reich stelle.“ j Natürlich wusste der Erzbischof von den Mörden des : neuen Reiches, den Konzen- | trationslagern und den Verfolgungen gegen Ändernden-; kende. Das aber nahm er of- | fensichtlich mit in Kauf. Er redete weiter: „Wir wissen.! was das neue Reich erstrebt.! Es hat einen Vertrag geschlossen mit dem Heiligen | Stuhl, der nicht auf dem Pa- | I pier steht, sondern lebendi- [ ges katholißches deutsches j! Volksleben werden soll. Eine ' | der ersten Kundgebungen; des Führers war eine ehrist i j liehe. Er hat seine Hand er- 1 hoben gegen alle diejenigen.! die gegen das Kreuz stür- 1 men“... ( Wenn man zu lesen ver- I LA SEMANA ISRAELITA Semanario — aparece los Viernes. Editado por Estrellas Editorial Ltda. Verantwortlich: Dr. Hardi Swarsensky Puerredón 2190. 1? izq. T. E. 83-2613 Abono Preise: Argentinien: $ 100.— pro Quartal Ausl. Í 600.— jährl. steht, wurden dadurch auch die ersten antijüdischen Massnahmen das antisemitisch^ Programm und 1 die Verfolgung aller anderen gedeckt, die der Kirche aus irgendwelchen Gründen nicht genehm waren. Das fragliche Dokument wurde auf S. 207 des zitierten Buches abgedruckt, wo es jeder nachlesen kann. Die Tragoedie Die Sturmflut des Faschißmus, das Dritte Reich und das Anwachsen der kommunistische Macht als Folge der hitleristischen Politik sind durch das unsichere Verhalten der Katholischen Kirche gefördert worden, gewiss ungewollt, aber vorauszusehen. Wenn wenigstens jetzt Erkenntnisse aus Fehlern und. einer verhängnisvollen Haltung gezogen werden würden, könnten eich neue Perspektiven für die Zukunft eröffnen. Dr. J. P. Kroll Bieber INNERE MEDIZIN u. RHEUMATISMUS Arzt am IIosp. Pirovano Mo.,Mitt.,Frei., 15-20 Uhr 3 de Febrero 2030 78-0266 Privat 52 7734 Dr. BERNARDO GOLDSTEIN MEDICO Cardiología — Hospital Fernández Radio X — Durchleuchtung — Electrocardiogram me CUBA 2141 — T. E. 73-8782 u. 73-8817 * Consultas: Montags bis Freitag: 15—18 Uhr Sonnabend: 14—16 Uhr PR0PIEDADES FRANKENBERG S. R. L. x*rät Sie kostenlos- und jnverbindlich beim Kauf oder Verkauf von GESCHAEFTEN WOHNUNGEN HAEUSERN VIRREY DEL PINO 2262 T. E. 73-7887 JUDITH SCHENKOLEWSKI KULTUSSTICKEREIEN Schabbosdecken - Tailißbeutel - Käppchen - Maz zot-Taschen - Hand- und Masch’nenstickerei von Bett- und Tischwäsche Dr. P. I. RIVERA 2585 (fr. Bebedero) T. E. 73-9155 MOHEL N. PLAKSIN Superi 2719 T. E. 76-6784 u. 76-2312 Dr. B. Schwär« ZAHNARZT ESTOMBA 2283 - 52-8214 RAYOS X PARADENTOSE TELEF. VORANMELDUNG VARICES- -ULCERAS DE LA PIERNA — ARTERIOSCLEROSIS Dr. SAUL UMANSKY Sarmiento 3116 T. E. 87-1362 . VON DER STUDIENREISE ZURUECK Sprechstunden nach telef. Vereinbarung Confitería NIZA Servicios de lunch de categoría SALON DE FIESTAS ECHEVERRIA 3296, esq. CONDE 76-0286 73-1049 BERNARDO STERN Ausführung saemtlicher MALERARBEITEN HELGUERA 1915 T. E. 58-4052 Dr. BENJAMIN LIPNIZKY ZAHNARZT ROENTGENSTR AHLEN — ZAHNZIEHEN — BE¬ HANDLUNG MIT GASBETAEUBUNG — REGU¬ LIERUNG DER ZAHNSTELLUNG Sprechstunden: Dienstag — Donnerstag — Sonnabend nach vorheriger Ve-einbarung. JOSE HERNANDEZ 2518. T.E. 76-8673 u. 73-0500 Psychologische Beratung HABEN SIE EIN PROBLEM? TRAGEN SIE AN EINER SEELISCHEN LAST? Dann wenden Sie sich an Livia Neumann Verlangen Sie Sprechstunde: 32-0684 zwischen 9 und 11 Uhr Dr. L. KLEIN - Médico Magen- und Darmkrankheiten Roentgen-Untersnchungen , SPRECHSTUNDEN: Montag. Dienstag, Mittwosh u- Freitag ven 15—19 Uhr Es wird gebeten, sich vorher telefonisch anzumelden. SANTA FE 1391 T. E. 44 9493 u. 44-1542

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.