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Jüdische Wochenschau · 1963-08-02 · 2023 (2.8.1963) · p. [Seite 1]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
24 (1963)
Issue
2023 (2.8.1963)
Date
1963-08-02
Page
[Seite 1] (sequence 1)
Language
German, Spanish
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PUEYRREDON 2190 — 1? iza. /& Jemxutá J&íae¿¿¿a T. E. 832613 ANO XXIV BUENOS AIRES. VIERNES 2 DE AGOSTO DE 1963 Na. 2023 WIE ICH ES SEHE- Der grosse Schauprozess von JEHÜDA GOTTHEIMER Der Steckbrief Wer durch die Deutsche Demokratische Republik (Ostdeutschland) fährt, wird vor allem längs der Autobahn, die Berlin mit der westdeutschen Grenze verbindet, einen Steckbrief in auffallender Aufmachung sehen, der gegen den Staatssekretär Dr. Globke, die .rechte Hand“ de.s greisen Bundes kanzlers Dr. Adenauer, gerichtet ist. Der Prozess wurde bereits abgewickelt. Dr Globke wird für den Tod von sechs Millionen Juden und für die Verfolgung vieler weiterer Millionen Juden mitverantwortlich gemacht. Der Bonner Staatssekretär ist inzwischen von einem ostdeutschen Gericht in ab sentia für ochuldig befunden und verurteilt worden. Der Kampf gegen Globke ist nicht neu. Der etwas verspätet eingeleitete Prozess hat nur eine politische Bedeutung oder sollte sie wenigstens haben. Denn Globke thront noch immer in Bonn. Seine zahlreichen Geg ner in der Bundesrepublik nehmen an, dass er beim Kanzlerwechsel zurücktreten wird. Würden die Anschuldigungen nur von der Deutschen Demokratischen Republik, d. h. von den Kommunisten erhoben werden, dann wurde man die Angelegenheit — vielleicht — ohne weitere Diskussion ad acta legen können. Aber der Kampf um Globke wurde in der Bundesrepublik (Westdeutschland) bereits geführt als der kommunistische Teil ttudatt. Sftlbelm., Dfr# €teai»icrr.. u. 'OWSt. Df. $<ut# freibe im giiVrWfca 9Ut<$#bürgergefe| 15,1K 11)3», «eft* itttti ecfcul« bei beuetäen 3Mut«l «nt »er »ttftfcbcn €»re u. 15.0.1935, ©efe| »um 64uM 9« ffrbflcfuiibbeU bei bcutföeu SJolfe# §efiitibbeMI|(f<%> *.10.1935 nc6{t adcit Vuli.«33oiföc. #. ttr c»nid)lügigcn (Beferen u. Berorbnuugen. «riäut 1988. C- ^öcdid)« ©iti$$anMting, SRilnd&en n. (Berlin. XII, 287 3*. OJeb. 5,80 &JU (©tu<fart»«io&fe, ftom- »entere g, M. tKafftitficfcbaebmi» ©b, t.) Stal (irläuternngtoer! gu bett brei grunblegenben StafTe^ aefc|en mu|*at3 mofcgcbli# angefproqen iperbeit. $$tit lo»mi f$on btltaegen befonbere fBebeututig gu, toeU ble beibcB Ccrfflffct om fluftanbefommen ber Waffengefelttelitijg omtluT beltUfgt tpocen imb ba^cc gu~I$rce Auf legung in erfter Clnie berufen ltnb. $n einet auf fäbrli$en (Einleitung toirb eine fiberjeugenbe 9)egrünbitita bet itattonalfogiftiifttfdjen 9)aiieg(f«bgebung gegeben. ®ie Zbciuen „blaffe, löoif mtb Aus einer Ankuendigung des Stuckart-Globkeschen Kommentars zu * den Rassengesetzen Hitlers. Israel und der Atompakt Dementi aus Washington Washington. — In einem Communiqué stellte das State Department die Vorwürfe in Abrede, dass die USA-Regierung die antiisraelische Aktivität der Regierung des Jemen finanziert habe. Es wird behauptet, dass diese Vension jeder Grundlage entbehre. (ITA) Jerusalem. — Die Vereinigten Staaten haben bsrael aufgefordert, sich dem in der vergangenen Woche zwischen den USA, Grossbritannien und der Sowjetunion in Moskau geschlossenen Abkommen über die Einstellung von Atomversuchen im Weltraum, in der Atmosphäre und unter Wasser anzuschliessen. Der USA- Botschaftei in Israel, Walworth Barbour, konferierte mit Aussenminister Golda Meir, dir den Ministern in der Kabinettssitzung von diesem Gespräch Mitteilung machte. Sie berichtete, dass ihr Barbour offiziell eine Abschrift des Vertrages über das Verbot von Kernexperimenten überreicht habe. Wie inzwischen verlautete, wird Israel seinen Anschluss an den Pakt von Moskau in der nächsten Sitzung des Kabinetts einstimmig beschliessen. Auch Grossbritannien hat Israel aufgrund des Artikels 3 des Vertrages offiziell durch seinen Botschafter ensueht seinen Anschluss Zu erklären. Dieser Artikel gestattet es anderen Läni dei n sich dem Abkommen | anzuschliessen. Es wird vorausgesetzt, dass Israels Haltung nicht von der Einstellung Aegyptens zu dieser j Frage abhängig gemacht wird. i Ministerpräsident Levi Esh-1 koi begrüsste den Atomj pakt, den er als einen „positiven Schritt zur Lockerung der internationalen! Spannungen“’ bezeichnete. In | nkderpräsident seiner an führende jüdische Persönlichkeiten aus Chikago gerichteten Rede gab Eshkol auch der Hoffnung Ausdruck, dass die in Mockau vollzogene Wendung nunmehr günstige Folgen für die Lage der russischen Juden mit sich bringen möge, so dass man diesen in baldiger Zukunft erlauben würde, sich mit ihren Angehörigen in Israel zu vereinigen ind an sozialen Werken zu beteiligen. MOSKAU UND MITTELOST Stockholm. — Der in der vorigen Woche zwischen den Vereinigten Staaten, Grossbritannien und Sowjetrussland in Moskau über das Verbot von Atomversuchen abgeschlossene Pakt ist „an sich nicht ausreichend, um die Lage im Mittelosten zu beeinflussen“, erklärte der israelische Vizeministerpräsident Abba Eban. Er fügte hinzu, dass „spätere Ereig niroe zwar eine positivere Wirkung auf die Situation haben könnten, aber in jedem Falle würde die Verringerung der internationalen Spannung sich auf den Mittelostraum günstig auswtrkoi.“ Eban gab seine Erklärung einem ITA-Korrespondenten, als er in Stockholm eintraf, um an einer Konferenz vop Wissenschaftlern teilzunehmen. deren Gegenstand der Beitrag der Wissenschaft zum Wohle der Menschheit dent des Wissenschaftlichen Weizmann-Instituts in Re chowot. Seine erste offizielle Fühlungnahme in der schwedischen Hauptstadt war eine Unterredung mit dem schwedischen Premierminister Tage Erlander, die sich auf die internationale Lage bezog. (ITA) OFFIZIELLE ANKUENDIGUNG Jerusalem. — Die israelische Regierung kündigte offiziell den bevorstehenden Anschluss an den Atompakt an. Dieser Beschluss wurde den Botschaftern der USA, Grossbritannieos und Sowjetrusslands mitgeteilt, die zu einer Besprechung mit Aussenminister Golda Meir eingeladen wurden. Das offizielle Communique besagt, dass „die Regierung IsraeV; den am 25. Juli in Moskau geschlossenen Dreierpakt begrüsst. Israel hat in der Vergangenheit systematisch alle Bemühungen zum Verbot von Atomversuchen unterstützt. Die Regierung betrachtet dieses Abkommen als einen wichtigen Schritt zur Lockerung der internationalen Span nungen und gibt der Hoffnung Ausdruck, dass der Pakt von neu:n konkreten Massnahmen zur Erreichung einer allgemeinen und völligen Abrüstung gefolgt sein wird. Die Regierung kündigt ihre Absicht an, diesen Ver- , . Tv. ,. „ ----- i tra8 zu unterzeichnen, soist. Der israelische Vizenu-1 bald er zur Unterschrift vorist Präsi-; gelegt wird.“ (ITA) Deutschlands noch gleichgültig zuschaute. Die Anklagen gegen Ade nauers Schützling Globke sind all die Jahre hindurch, die er als die graue Eminenz in Bonn gilt, nicht zum Schweigen gebracht worden. Zwar hat man von Regierungsseite unter dem Druck der öffentlichen Meinung Ermittlungen angestellt, die aber ergebnislos ebci so wie einige Gerichtsverfahren beendet wurden. Es sei ihm nichts vorzuwerfen. An dieser Stelle wurden in den letzten Jahren wiederholt zum Fall Globke Stellung genommen. Wir vertraten immer eine Auffassung, die von der offiziellen Version vollkommen abwich, ohne dass wir uns auf kommunistißches Material hätten berufen müssen. Die Kommunisten haben ihrerseits eins Fülle von Dokumenten veröffentlicht, die ein trübes Licht auf den Staatssekretär in Bonn fal len lassen. Man wird wohl kaum behaupten können, dass dieses Material einseitig ausgewählt sei. An der Echtheit der gegen Dr. Glob ke sprechenden Dokumente ist nicht zu zweifeln. Schliesslich hat die westdeutsche Republik bei anderen Gelegenheiten derart! ges urkundliches Material bei Verurteilung von Kriegsverbrechern benutzt, so u. a. im Hec«3-er-Prozess. der erst kürzlich in Koblenz beendet worden ist. Der Vorsitzende des Koblenzer Schwurgerichts stellte sogar amtlich die Echtheit dieser Urkunden fest und dankte den ostdeutschen Behörden in einer zwar zurückhaltenden, aber doch unverkennbaren Form für ihre Mitarbeit bei der Wahrheitsfindung... Nur die gegen Globke vorliegenden Beweismittel für se'ne Mitwirkung bei der Verfolgung der Juden sollen nicht stimmen? — Das ist wirklich auffallend. Im übrigen wurde Globke auch in westdeutschen Blättern und von verschiedenen westdeutschen Journalisten, Politikern und Bürgern ohne be sonderen Titel als einer der grössten „Schreibtisch-Mörder" bezeichnet, die eine grössere Verantwortung tragen und auf die eine schwerere Schuld fallen würde als auf die Henkersknechte und Befehlsempfänger, die an der Ausrottung der Juden mit eigener Hand mitgewirkt haben. Was sagt man in der Bundesrepublik über Globke? Lassen wir zunächst andere sprechen, bevor wir selbst nochmals Stellung nehmen. II. Arabische Gegenrevolution van B. B. SAMUEL Der ägyptische General Naguib hatte den König gestürzt. Die Aegypter erklärten, jedenfalls nach eien offiziellen Quellen, dass ein korruptes System beseitigt worden wäre. Der junge Oberst Nasser revoltierte gegen Naguib, der in der Ungewissheit verschwand. Nasser war der schmucke und forsche Mann, der den Massen gefiel, ziynal er patriotische Reden hielt und dem Volk alles versprach. Nasser war aber noch mehr als dies: er war e:n äusserst geschickter und wahrscheinlich auch gescheiter Politiker, der es verstand, sich mit Talent auf der internationalen Bühne zu bewegen. Nasser wurde Favorit: der Aegypter, der Araber, der Amerikaner. der Russen und der Neutralen. Immer dann, wenn er in einer Art Auto-Hypnose seine Bedeutung und reichlich zweifelhaften Erfolge überschätzte, wurde er aus seinem Begewterungstaumel durch harte Realitäten gerissen: im israelischen Befreiungskrieg, im Sinai-Feldzug, beim Zusammenbruch der 1. VAR und nicht weniger heute, wo er sich in hoch fliegendem Plänen darum bemüht, in einem neuen Spurt zum Herrn aller arabischen Länder zu werden. Nassers We» wird immer steiler und schwieriger, obwohl er in der^groseen internationalen Politik, jedenfalls gegenüber den Weltmächten, auf Erfolge hinweisen kam. Die Schwierigkeiten gehen von Israel aus, das den anderen arabischen Ländern gezeigt hat. dass Nasser nicht unwiderstehlich ist, sondern geschlagen werden kann. Dieoe Lehre haben Israels Nachbarn trotz ihrer Feindschaft zum jüdischen Staat verstanden und praktiziert, einige sogar mit Erfolg, wie die Baat-Partei in Syrien oder die heutigen irakischen Machthaber. Die Baat-Partei sucht neue Wege; sie ißt aktiv. Sie ist auch mächtig, denn sie hat schon drei kurz aufeinander folgende Revolten niedergeschlagen, an denen Einheiten der syrischen Armee beteiligt waren. Die Trennung von Nasser dürfte endgültig sein, solange der Baat an der Macht blei'bt. Mit offenem Visier treten eich die beiden Gruppen gegenüber, die gestern noch die VAR Nr. 2 proklamieren wollten und die heute den präsumptiven VAR-Chef offen beschimpfen... Plötzlich hat auch die Baat-Partei bemerkt, dass man nicht alles zu machen braucht, was Nasser will. Nach bekanntem Rezept wollen nun die Gegner des ägyptischen Diktators Nassers Pläne ohne ihn realisieren. Da Nasser wie der Fuchs in der bekannten Fabel erkiärt, er sei es. der die Arabische Föderation nicht wünsche — weil ihm die Trauben zu hoch hängen, und er sie kurzerhand als sauer bezeichnet, — versuchen Syrien und Irak ohne Aegypten ihre Kräfte zu vereinigen. Sicherlich wird auch die.se Bemühung scheitern, weil es allen arabischen Ländern bisher an der erforderlichen Ijolitischen Reite fehlt, um ihre Vorhaben ernst einzuleiten und ein gegebenes Wort zu halten. Auch innerhalb Aegyptens sollen oppositionelle Kräfte gegen Nasser an Einfluss gewinnen. Man muss dic.se Entwicklung abwarten, da es noch verfrüht wäre, irgendeine Meinung hierzu zu äussern. Aus allen Nachrichten, die aus der arabischen Welt in den Westen gelangen, kann man entnehmen, das.s die .Gegenrevolution“ an Eitifluss gewinnt. Nassers Nimbus verblasst. Seine Intervention im Yemen hat die Stimmung unter den Arabern Umschlagen lassen. Allein der Verdacht, Giftgase im Yemen gegen arabische .Brudervölker“ anzuwenden, genügt, um Empörung zu schaffen. Umso auffälliger ist die amerikanische Haltung, dieses ausweichende Jonglieren mit Redensarten und die angeblichen Untersuchungen über die Vorgänge im Yemen, eine Haltung, die nur das letzte Vertrauen cer kleineren Völker zur amerikanischen Politik erschüttern kann. Jedenfalls dürfte e.r immer klarer werden, dass Nassers Position überhaupt nur noch von den Amerikanern gehalten wird. Ohne die Hilfe Washingtons wäre er längst gefallen. Blinkfüer In einem offenen Brief an Bundestags - Präsident Ger slenmaier, den die Hamburger Woehenzeitung „Blink- Hier“ veröffentlichte, forderte Max Rademacher erneut die Entlassung von Staatssekretär Globke. In dem offenen Brief heisst es u. a.: „Herr Dr. Globke hat einen Kommentar zu den Nürnberger Gesetzen ge schrieben, von dem er behauptet, er habe in vielen Fällen zu milderen Auslegungen geführt. Angesichts der laufenden Prozesse. die. nebenbei bemerkt, reichlich spät kommen, halte ich eine solche Auslegung für glatten Hohn... Innerhalb der bundesrepublikanischen Grenzen versteht man offenbar immer noch nicht, worum es bei den Angriffen auf ehemalige Grössen des Tausendjährigen Reiches geht .. Wir haben geglaubt, dass Takt und Scham diejenigen, die im Tausendjährigen Reich exponierte Stellungen einnahmen, bei ihrem zukünftigen Verhalten eine entsprechende Rolle spielen würden. Wir hab:n uns, wie wir siebzehn Jahre danach zugeben müssen sehr geirrt! Ob diese meine wiederholte Stellungnahme gegenüber Herrn Staatssekretär Globke etwas nützt, brauche ich gar nicht erst ernsthaft in Erwägung zu ziehen . “ Wie verlautet, hat die Staatsanwaltschaft Hamburg gegen den Herausgeber des „Blinkfüer“, Ernst Aust, Anklage wegen Staatsgefährdungerhoben. Nach Mitteilung der Justizpreßsestelle umfasst die Anklageschrift 263 Seiten. Die Zeitung, die gegenwärtig in einer Gesamtauflage von run-d 48.000 Exemplaren erscheint, wurde 1962 auf Initiative des inzwischen verstorbenen Vizepräsidenten des Deutschen Fischerei Verbandes, Heinrich Knoop, a'.i Nachricatenblatt für die Kiistenbevölk-rrung gegründet. In den letzten Jahren waren auf richterlichen Beschluss wiederholt Ausgaben der Zeitung beschlagnahmt worden. In einem vielbeachteten Rechtsgutachten stellte der bekannte Stuttgarter Presserechtler Dr. Löffler fest, dass die verschiedenen Beehlagr.ahmungen der Zeitung unzulässig waren. „Dieses Verfahren bedeutet einen sonw.>- ren rechtswidrigen Eingriff in die nach Artikel 5 des Grundgesetzes geschützte öffentliche Institution dir Presse“, betonte Dr. Löffler in renem Gutachten. Auf einer Pressekonferenz (Schluss auf Seit? 2>

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