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Jüdische Wochenschau · 1963-07-19 · 2021 (19.7.1963) · p. [Seite 1]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
24 (1963)
Issue
2021 (19.7.1963)
Date
1963-07-19
Page
[Seite 1] (sequence 1)
Language
German, Spanish
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PUEYRREDON 2190 — 1’ izq. 2û Jkmjcatá JshjQ&ütci T. E. 83-2613 AÑO XXIV BUENOS AIRES, VIERNES 19 DE JULIO DE 1963 No. 2021 Die deutschen Experten New York. — Unter dem Titel ,,Deutsche von Nasser bezahlt“ veröffentlicht Sat-urday Evening Post einen Artikel, der aus der Feder des römischen Korrespondenten der New York Herald Tribüne, Sanchez de Gramont, stammt. Der Artikel beschäftigt sich in Einzelheiten mit aen Arbeiten, die von deutschen Wissenschaftlern für die ägyptische Re gierung ausgeführt werden Der Autor ist der Meinung, dass es sich etwa um 450 Deutsche handelt, die als Wissenschaftler, Ingenieure und Techniker für Nasser tätig sind, um modernste Waffen herzustellen. In dem Bericht wird unterstrichen, dass die Vergangenheit verschiedener dieser deutschen Experten ausserordentlich beunruhigend sei. Deren Tätigkeit während des letzten Krieges müsse die Aufmerksamkeit auf sich lenken. Der Autor unterstreicht, dass die Deut sehen sich davor hüten, anderen gegenüber, vor allem anderen Ausländern gegenüber irgendetwas zu sagen, was den Eindruck einer antisemitischen Einstellung verraten könnte. Einige von ihnen erklären ganz offen, dass sie deutsche Nationalisten seien und erinnern mit ihren Redensarten und Gebärden an die Zeiten des Dritten Reiches. Ihre Worte genügen, um alte Bilder in einer alarmierenden Form wiederaufstehen zu lassen... Einige der Deutschen, die in Kairo arbeiten, sind Kriegsverbrecher, was man bereits aus ihrer Identität, aus ihren Namen, die in den Zeitungen waren, zur Genüge weiss. In diesem Zusam menhang wird Johannes vcr. Leers genannt, ein bekannter Antisemit, der einmal der rechte Arm von Goebbels genannt worden ist, sowie Leopold Gleim, der frühere Gestapo-Chef in Warschau, der* ki Abwesenheit zum Tode verurteilt worden ist. Hierhin gehören auch der Ex-General der SS Oskar Dirlewanger, der an der Liquidierung des Warschauer Ghetto beteiligt gewesen ist. sowie der frühere SS-Offizier Willi Brenner, der im KZ Mauthausen Dienst getan hat. — Unter Hinweis auf die von der Regierung in Bonn unternommenen Schritte, um die weitere Arbeit ihrer Landsleute in Aegypten zu unterbinden, schreibt der Verfasser: „Wänrend die Welt noch immer an die ungeheuerlichen Verbrechen der Deutlichen, die sie an den Juden begangen haben, denkt, kenn man nicht so ohne weiteres die Idee aufnehmen, dass es wiederum Deutsche sind, die in Aegyp ten Koheten gegen den Staat Israel fabrizieren“. Schliesslich weist Sanchez de Gramont darauf hin, dass die Deutschen irgendwelche Schritte unternehmen müssten, um ihre Landsleute in Aegypten zu beeinflussen, wem sie wirklich nicht imstande sein sollten, diese Experten zurückzurufen. Man mag die Aegypter als Nationalisten und die Israe lie als Radikalisten bezeichnen, aber die Deutschen haben kein Recht, sich in die Rolle der Neutralen hineinzuspielen und dies bei einem Problem, das von ihnen selbst geschaffen worden ist. (ITA) Die schändliche Arbeit der deutschen Experten in Aegypten gewinnt an Bedau- W1E ICH ES SEHE Noch keine Zeit gehabt von JEHUDA GGTTHEIMER tung, wenn man eine weitere Information berücksichtigt, die gerade eoeben von der israelischen Regierung gegeben worden ist: Israel lenkt die Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit auf die grausamen Methoden der Kriegführung hin, die von den Aegyptern im Yemen angewandt werden. Nach den Berichten einiger Zeitungen wird der Yemen von den Aegyptern als Versuchs feld für .nicht konventionelle' Waffen wie Koheten und Gaswaffen benutzt! Inzwischen untersuchen auch Sachverständige des nordamerikanischen Statedepartment die ihnen zugeleiteten Informationen, dass die VAR Gas bei ihren krie gerischen Aktionen im Yemen benutzen. Eil Sprecher des Weissen Hauses, der hierüber befragt wurde erklärte, er könne noch nichts sagen, bie Einzelheiten vorliegen. Vielleicht könnte die Oef fentlichkeit dann auch gelegentlich erfahren, was nicht nur deutsche Wissenschaftler in Kairo, sondern ägyptische Truppen im Yemen zu suchen haben. Neue Zeiten Wir leben in einer Epo che, in der eich die Situationen ständig ändern. Das politische Panorama wechselt mit einer imgeahnten Geschwindigkeit. Neue Konstel laticuen werden geschaffen, neue Bündnisse eingegangen, neue Perspektiven eröffnet. Mit wenigen Ausnahmen, von denen man hier absehen soll, hätte niemand geglaubt, dass derartige Veränderungen in einer so kurzen Zeitspanne eintreten könnten, wie sie sich tatsächlich nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelt haben Hierbei haben zahlreiche Faktoren mitgewirkt. Aber trotz aller logischen' Erklärungen, die man nachträglich findet, bleibt es überraschend, wie sich die wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse in den letzten 18 Jahren gewandelt haben Au« der Fülle der Beispiele sei die Position herausgegriffen, die von der west deutschen Bundesrepublik heute eingenommen wird. Als Deutschland im Jahre 1945 zertrümmert am Boden lag, hielten die meisten ei- I nen Wiederaufstieg für aus- ' geschlossen, jedenfalls nicht in gezählten Jahren. Und doch haben die politische« und die wirtschaftlichen Strömungen, die das Nachkriegsleben beherrschten und ihm ihren Stempel auf drückten, zu einem völligen Aufbau der Bundesrepublik und zum Wiederanstieg der deutschen Macht geführt. Trotz aller Argumente, die es hierfür gibt, bleiben das ökonomische wie da« politische „Wunder“ bestehen. Auch die jüdische Position gegenüber dem neuen Deutschland, jedenfalls gegenüber der (westdeutschen) Bundesrepublik, hat sich in einem schnellen Tempo geändert. Als Dr. Goldmann das Problem einer Annähe tmg an die Bundesrepublik in die Debatte warf, waren die Widerstände ausserordentlich scharf. Auch die führenden Männer Israels wehrten sich gegen den Gedanken, Beziehungen mit der Bonner Regierung in irgendeiner Form aufzunehmen. Die Erinnerung an die Haltung der aus Spanien vertriebenen Juden und die Schrecken der nazistischen Verbrechen lebten fest verwurzelt im jüdischen Ge- KEINE WAFFEN FÜR SÜDAFRIKA — Eine belgische Waffenfabrik hat die Lizenz. die ,,Usis“, die von einem Israeli erfundenen und in Israel hergestellten Schnellfeuerwaffen zu produzieren. Die südafrikanische Regierung wollte diese Waffen von der belgischen Febrik kaufen, wogegen seitens Israels bereits zweimal vetiert wurde, sodass die Aufträge nicht ausgeführt werden konnten. Israel wur.scht nicht, dass Südafrika diese Waffen erhält, solangp di* dortige Regierung an ihrer rassistische« Unterdruckungspolitik festhält. Patrick Duncan, der Sprecher des Panafrikani sehen Kongresses bei den UN, lobte das Verhalten der israelischen Regierung in der zuständigen UN-Kommission und gab seiner Genugtuung Ausdruck dass die „sehr guten“ Usis nicht an die Südafrikaner geliefert werden dürfen, solange die Regierung an ihrer Rassenpolitik festhält. I cchichts- und Gegenwartsba- I wusstsein. Die von Nachum Goldmann gegebene Initiative fand allgemeine Ablehnung und löste Empörung aus. Als dann der damalige Au ssenminister Sharett nach Luxemburg ging, um die Reparaticnsverträge zu unterzeichnen, trat er schweigend dem westdeutschen Kanzler, Konrad Adenauer, gegenüber. Worte wurden nicht gewechselt. Schweigend wurde unterschrieben schweigend ging man mit einer kurzen Verbeugung wieder auseinander. Inzwi sehen sind nur wenige Jahre vorübergegangen, aber man spricht ganz offen von der Möglichkeit, diplomatische Beziehungen aufzunehmen, die eigentlich nur ei nen bereits seit längerer Zeit bestehenden Zustand sanktionieren oder normalisieren würden. Deutsche Generäle kommandieren die europäischen Ileere. Deutsche Diplomaten stehen an der Spitze der Europa Union. Die Bundesrepublik ist nicht der wichtigste« der Amerikaner auch mit dem „Erzfeind“ verbunden. nur einer Alliierten sondern deutschen Frankreich eng Die Deutschen Wer kennt Dr. W. Hagen? Dr. Wilhelm Hagen, während der Nazi-Beset zung Polen« Leiter des Warschauer Gesundheitsamtes, ersche.nt in Joseph Wulfs Buch „Das Dritte Reich und' seine Vollstrecker“ als mitver antwortlich für die Nazi- Massenmorde. Er hat wegen dieser Feststellung gerichtlich gegen den Autor Klage erhoben, und Joseph Wulf (Berlin- Charlotten bürg, Giesebrechtstr. 12) bittet Aerzte, Krankenschwestern und andere, die Hagen gekannt haben, ihm ihre Erfahrungen mit Hagen mitzuteilen. jubeln nicht nur dem französischen Präsidenten De Gaulle zu. der Reden in deutscher Sprache hält, ccndern auch Kennedy, dem die Berliner einen Empfang bereitet haben, wie selten einem Staatsmann. Das alles sind nur äussere Zeichen und Symptome für den Strukturwandel des internationalen Lebens. II. Rehabilitiert Bis es zur Unterzeichnung der Reparationsgccctzc kam, wurde nicht nur von jüdischen Stellen mit der deutschen Regierung darüber verhandelt, dass etwas Grundlegendes geschehe« müsse, um wenigstens in materieller Hinsicht die ungeheuren Verbrechen gegen die Juden, die in den Jahren des Dritten Reiches begangen worden sind, in irgendeiner Form zu sühnen und die Schäden wiedergutzumachen. Gewiss waren sieh alle darin einig, dass es letztlich eine Wiedergutmachung für das, was geschehen war. nicht geben kann. Obwohl man den guten Willen führender deutscher Kreise nicht bestreiten soll, materielle Entschädigungen zu leisten, bedurfte es doch eines starken »nd deutlichen Druckes der alliierten Regierungen. vor allem der nordamerikanischen, um das Luxemburger Vertragswerk abzuschliesse«. Wie noch erinnerlich sein dürfte, wurden die in Den Haag geführten Verhandlungen unterbrochen, weil man sich nicht einigen konnte, mit andere« Worten, weil die Deutschen die Wiedergutmachung und Entschädigung nur in einem sehr begrenzten Umfang zu zahlen bereit gewesen sind. Aber dank der Intervention der Westmächte und der festen Haltung der Sozialdemokratie wurden die Hindernisse schliesslich überbrückt. Die Deutschen haben damals verstanden, dass diese Zahlungen nicht nur ein Opfer für sie sind, also nicht Wieder Grabschaendungen Bisher unbekannte Täter haben vor kurzem den jüdischen Friedhof in Gross Gerau (Hessen) geschändet. Es wurden insgesamt 37 Grabsteine umgeworfen und teilweise zerstört. Für Hinweise, die zur Ergreifung der Täter führen, hat die Dr.rmstädter Oberstatsanwaitschaft eine Belohnung von 1000 Mark ausgesetzt. Wann endlich werden die Behörden die erforderlichen Schritte einleiten, um derartige Friedhcfschändungen zu verhüten? Wann werde« die notwendigen Erhebungen angestellt. um einmal klarzustellen, aus welchen Gründen immer wieder jüdische Friedhöfe Opfer verbrecherischer Anschläge werden? Jedenfalls ist es auffallend, dass die Bundesrepublik, ein Staat ebne Juden und ohne Antisemitismu.s (?), dasjenige Land in der Welt ist, wo die mei sten Anschläge auf die Toten der jüdischen Friedhöfe Vorkommen. WAHRES GESICHT DER WAFFEN-SS von HORST WiNCKLER Zwei Bücher des ehemali- : Wertorf ist bereits am 10. gen SS-Obersturmbannfüh I Mai von der Bundesprüfstelrers und Mussolini-Befreiers le in die Liste für jugendge- Otto Skorzeny, die im Ringfährdende Schriften aufgeverlag Helmut Cramer, Nie; nommen worden, derpleis (Reg.-Bez. Köln), erschienen sind, wurden auf Beschluss des Amtegerichts Köln im ganzen Bundesgebiet mit der Begründung beschlagnahmt, ihr Inhalt sei staatsgefährdend. Die Bücher haben den Titel „Lebe gefährlich, Kriegsberichte der Waffen-SS“ und „Wir kämpften — wir verloren, Kriegsberichte der Waffen- SS“. Ein im selben Verlag erschienenes Buch von Günter Wertof, „Standarten-Oberjunker Norman. Kriegsberichte der Waffen-SS“, wurde ebenfalls beschlagnahmt. Wie die Kölner Justizpresseetelle mitteilte, ist der grösst« Teil der Auflagen der beschlagnahmten Bücher noch beim Verlag si chergestellt worden. Der Beschlagnahme - Beschluss geht davon aus, dass in den Büchern das Führerprinzip de« NS-Staates und die Auslese-Prinzipien der SS als vorbildlich hingestellf werde«. In keiner Weise werde von den im Zeichen der SS begangenen Verbrechen Abstand genommen. Auch setzten sich die Autoren unter Verherrlichung der NSDAP für eine „Bewegung“ anstelle des parla mentarischen Parteler.staates ein. Da« Buch von Günter Die Ermittlungen wegen der Verbreitung dieser Schriften dauern noch an. Diese Bücher, von Mitgliedern der Wafien-SS geschrieben. die der Verherrlichung dieser Truppe und des Regimes gelten, auf dessen Sumpfboden allein r.ie bestehen kor.nten, zeigen einmal mehr das wahre Gesicht dieser SS-Deute. Die zahlreichen Bemühungen, aus der Waffen-SS eine 1 harmlose militärische Ein- I heit zu machen sind von vielen Seiten unterstützt worden. Sonst wäre es nicht I zu erklären, dar« immer I wieder die Treffen der Waf- I fen-SS von städtischen und | Landesbehörden genehmigt werde«. Die Tarnung dieser Gruppe steht mit dem von ihr zur Schau gestellten heldischen' Verhalten in einem nicht verständlichen Widerspruch. Es ist an der Zeit, mit dieser Irreführung der Oeffentlichkeit Schluss zu machen. Jedenfalls dürften die führenden und die verMitworilichen Persönlichkeiten in der Bundesrepublik wissen, was die Waffen-SS v/irklich gewesen ist. Sonst könnten sie dies urschwer nicht nur aus den Veröffentlichungen erfahren, die soeben beschlagnahmt worden sind. Kritik an der Sowjetunion Pittsburg. — Eine Gruppe katholischer protestantischer und jüdischer Geistlicher, Erzieher und Poli iker in Pennsylvanien übte am sowjetischen A«tisemitismus Kritik und forderte die russische Regierung auf, mit ihrer offiziellen Politik der Unterdrückung der jüdischen Bür. ger Schluss zu machen. In einem Telegramm an den russischen Botschafter in Washingt-cn, das in einem energischen Ton gehalten ist, wird darauf hingewiesen, dass zwar die Mehrheit der Religionsgemeinschaften nicht unterdrückt würden, dass man aber den drei Millionen Jude« der Sowjetunion noch nicht einmal die geringsten Rechte zur Ausübung ihres Kultus einräume. Ers wird auf verschiedene antijüdische Massnahmen im einzelnen hingewiesen, so auf die willkürliche Beseitigung von Vorsitzenden jüdischer Sy«agogengemeinden in sechs russischen Städten, auf die Verurteilung von leitenden jüdischen Persönlichkeiten in Moskau und Leningrad unter der faderscheinigen Begründung, sie hätten mit Personen aus dem Ausland Fühlung genommen, auf die Schliessung vieler jüdischer Gotteshäuser im Lance usw. Vor allem sei es den Juden verwehrt, eine zentrale jüdische Organisation zu schaffen und mit jüdischen Ge meiiLschaften ausserhalb Russlands in Vertr.nciung zu treten. Schliesslich wird die Herstellung der jüdischen Rech, te gefordert. Unter anderen religiösen Führern wurde de« Telegramm unterzeichnet vom: Erzbischof Benjain, dem Bi schof William G. Connarc, Bischof John Whrigt, Rev. John Baiz, Rev. Lester Bumpus, Rev. James B. Cayce, Rev. Edward Cahill, Rev. Robert Kinchelce. Rev. N. Moor. (ITA) nur auf der Passivseite erscheinen würden, sondern dass sie hiermit ihr Enttreebillet in das internationale Leben zu bezahlen haben. Wenn die Juden, die Opfer der grausamsten Verfolgungen gewesen sind, sogar bereit sein würden, mit den Deutschen zu verhandeln, dann bestand, so dachte man wohl mit Riecht, für die anderen Völker keine Veranlassung, das neue Deutsch land abzulehnen. Hier war der Beweis, dass Bonn nichts mit dem Dritten Reich zu tun haf dass ein grundlegender Gesinnungswechsel vor sich gegangen ist, so dass man an der demokratische« Haltung der neuen Republik keine Zweifel hegen aürfe. Sicherlich werden es viele bestreiten, aber die Tatsache besteht: die Juden haben entscheidend zur Rehabilitierung der westdeutschen Republik beigetragen. Der von den Deutschen hierfür an Israel, das jüdische Volk und die Individualgeschädigte« bezahlte Betrag (Schluss auf Seita 2)

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