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Jüdische Wochenschau · 1963-07-05 · 2019 (5.7.1963) · p. [Seite 5]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
24 (1963)
Issue
2019 (5.7.1963)
Date
1963-07-05
Page
[Seite 5] (sequence 5)
Language
German, Spanish
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Viernes, 5 de Julio de 1963 L A SEMANA ISRAELITA A no XXIV. No. 2019 Staatsanwaelte kaempfen ums Reckt ™**«* £^ (7. Fortsetzung) i jj Sw.; — Die Staatsanwaltschaft hat im neuen Deutschland eine entschei «lende Funktion bei der Wie. derherstelfung des Rechtis zu erfüllen. Staatsanwalte sind es, die den Kampf gegen die Kriegsverbrecher mit einer Entschiedenheit aufgenommen haben, die bemerkenswert ist. Ohne Zweifel ist hier eine besonders schwierige und nicht angenehme Aufgabe zu erfüllen, denn die öffentliche Meinung tendiert aus verschiedenen Gründen nach der Seite des Vergessens und des Verschweigens. Kriegs Verbrecher aufzüstöbern, ihnen den Prozess zu machen, eie zur Verantwortung zu ziehen und aus diesen und anderen Gründen in der jüngsten Vergangenheit zu forschen, ist wenig populär. Der Kreis der ehemals Beteiligten ist trotz aller Se" genteiligen Beteuerungen so erschreckend gross, dass niemand beim Beginn einer Untersuchung weiss, wer alles belastet und vor den Richter gebracht werden muss. Natürlich wollen alle vergessen. Theoretisch will man damit noch nicht verzeihen Wenn man aber vergisst — und es ist leicht zu vergessen, was einem nicht selbst geschah, — dann wird auch verziehen. Und es ist leicht, Verbrechen zu verzeihen, die an anderen begangen wurden. Man ist sich weitgehend klar. Darüber, dass die Problematik mit irgendwel chen Revanche, oder Rachegelüsten nichts zu tun hat. Die ernste Betreibung der Kriegsverbrecherprozesse ist ein — beinahe ausschliesslich — deutsches Problem. Ohne die Sühne dieser Untaten wird das Rechtsbewusstsein nicht wiederhergestellt werden können. Die These kann nicht oft genug ausgedrückt und unterstrichen werden. Die Staateanwäte, die sich mit dieser breiten Materie beschäftigen, wissen um den tieferen Sinn ihrer schweren Mission. Sie erfüllen eine undankbare, unpopuläre, aberwahrhaft der Gerech tigkeit dienende Funktion. Man muss zugeben, dass sie mit einem grossen Eifer und im Bewusstsein der wirkli- ERLEBNISSE UND ERKENNTNISSE EINER REISE im Selbstgespräch mit sei nen imaginären Gegnern ereiferte. die Probleme der betroffenen Jugend schilderte, die Konfl’kte, die von der belasteten Vergangenheit in die Gegenwart hineinragen. Dr. Bauer wetterte gegen die Ewig Gestrigen, die nicht gelernt ha-oen und die nichts lernen wollen. Er sprudelt, er spricht nicht. Er äussert sich ebenso zu den politischen Tagesfragen wie zu künstlerischen oder lite rarischen Kontroversen, zitiert Klassiker, Vorklassiker und Moderne und blickt erstaunt auf, wenn der Ge sprächspartner Antworten gibt oder Bemerkungen ein wirft, die Sachkunde verraten. Dieser Dr. Bauer ist ge. wiss kein leichter und be quemer Generalstaatsanwalt, er ist ein wahrer Hüter des Rechts, der den Ver. such unternimmt, mit allen seinen ihm zu Gebote ste henden, nicht geringen Mög lichkeiten das geschändete Antlitz der Justiz von den schrecklichen Schlacken einer düsteren Vergangenheit zu säubern... Die Empörung über diesen Mann, der den Glanz einer weit über den Durch schnitt hinausragenden Persönlichkeit ausstrahlt, war gerade in diesen Tagen, als wir uns unterhielten besonders gross gewesen. Die Bauerschen Gegner waren auf den Plan getreten. Ge genstand der Angriffe bildete ein Interview, das Dr. Bauer in Kopenhagen einem Journalisten gewährt hatte. In der ihm eigenen offenen und klaren Art hatte Bauer erklärt: „Wenn Hitler heute in Deutschland erscheinen würde, dann würde er vom deutschen Volk nicht abgelehnt werden. Ich glaube nicht, dass die junge deutsche Demokratie stark genug ist, ihn abzuweisen.“ Und über den Antisemitismus äusserte er sich: „Heute können sie keinen Deutschen dazu bringen, seine aufrichtige Ansicht über Ju den au'szusprechen. Unter der Oberfläche wartet ein glühender Antisemitismus obwohl in Deutschland kein Judenproblem besteht. Der Einfluss der Juden im Geschäfts- und Kulturleben ist Notwendigkeit an Ihre Arbeit herangehen. Wie un angenehm diese Tätigkeit sein kann, beweist der Fall des Generalstaatsanwaltes Dr. Fritz Bauer, der seihst ein Verfolgter ist. Unzwei felhaft ist Dr. Bauer eine aussergewöhnliche Persönlichkeit, ein Mann von umfassendem Wissen und selten gesehener Zivilcourage. Eine Unterhaltung mit ihm ist nicht einfach. Obwohl er vor dem Gespräch versicherte. er habe nur wenige Minuten Zeit, sprach er beinahe zwei Stunden, erglühte er, als er v^n seinen Aufga. ben, seiner Mission, seinen Problemen und Schwierigkeiten berichtete, als er sich Hass ist noch der gleiche. Ob Bauer alle diese Be. merkungen in der vorliegen den Form gemacht hat. oder ob sie journalistisch ein wenig gefärbt worden sind, ist nicht entscheidend. Jedenfalls haben die politischen Gegner Bauers diesen Augenblick zu benutzen ver sucht, um ihn abzuschiessen“, was allerdings nicht | gelungen ist. Aber dass man j einem Mann, der die Wahr - j heit ausspricht, überhaupt j Schwierigweiten bereitet, stimmt bedenklich. Denn die freie Rede und das freie Wort sind Tugenden einer wahren Demokratie. Gewiss hat Bauer viele Gegner, er ist unbestechlich in seinem Urteil und haarßeharf in seinem Denken. Immerhin war er es, der ein Straf ver fahren gegen Globke einge leitet hatte. Immerhin erklärte Bauer vor Göttinger Professoren und Studenten, dass es ein Widerstandsrecht nicht nur im Unrechts. Staat, sondern auch im rechtsgefährdeten Staat gebe. Dr. Bauer hat ee übrigens auch verstanden, sich mi| ausgezeichneten Mitarbeitern zu umgeben, die wahre Spezialisten im Kampf gegen die nationalsozialistischen Verbrechen sind. In diesem Zusammenhang sei en nur Männer wie der Oberstaatsanwalt Krüger und der Erete Staatsanwalt Dr. Grossmann erwähnt, mit dem Gelegenheit zu einer sehr ausführlichen und umfassenden Besprechung gegeben war. Die hessische Staatsanwaltschaft mit Sitz in Frankfurt am Main hat bereits eine greese Anzahl von Prozessen gegen Naziverbrecher vorbereitet und ist heute noch mit ausserge. wohnlich umfangreichen Ar beiten beschäftigt Hier wird der grösste Prozess eingeleitet. der bisher üoerhaupt zur Abwicklung kam, der Ausch witz-Prozees dessen Ankla ge mehr als 600 Seiten umfassen wird. 75 Bände mit einer grossen Zahl von Beiaktenbänden sind bereits ge sammelt, gesichtet, zusammengestellt, überprüft und fertig gestellt worden. Die Staatsanwälte Kugler und Vogel beßchäftigen sich ausschliesslich mit diesem traurigen Komplex. Die von ihnen und ihren Mitarbeitern angestellten Ermittlungen sind wissenschaftliche Arbei ten allerersten Ranges. Der erste Teil, der mir gezeigt wurde, beschäftigt eich nur mit der Vorgeschichte von Auschwitz, der Struktur des Lagers und der dortigen Verwaltung Ohne zu übertreiben. darf man sagen, dass wenigstens dieser Teil der staatsanwaltßchaftlichen Vorarbeiten ein historisches Werk von bleibender Bedeu tung geworden ist, das allen Forschern zugänglich ge. macht werden sollte. Hier haben wir ein wirkliches Lehrbuch über die damalige Zeit erhalten, ohne jede positive oder negative Färbung, wie es wirklich war, so ßchrecklieh wie es war. Als sich dann an einem der folgenden Tage die Ge legenheit bot, die „Zentralstelle der Vorermittlungen gegen nationalsozialistische Gewalttaten“ in Ludwigsburg zu besuchen und mit dem sehr sachkundigen und sympathischen Leiter dießes Amtes, dem Oberstaatsanwalt Schuele lange zu spre chen. formte sieh das Bild über die wirklich hervorra. genden Leistungen, die von der Staatsanwaltschaft auf diesem Gebiet — wenn auch ein wenig isoliert — geleißtet wird. — Stuttgart ist eine freundliche Stadt, auch im Winter. Es ist allein schon durch Schiller tief mit der klassischen Kultur verbunden Wie nahe liegt die Schiller- Geburtsstadt, wie idyllisch und doch auch wie ernüchternd modernisiert. Aber Schiller war ein Rebell. Geist lässt sich eben nicht in Fesseln legen. Geist stiebt nach Freiheit. Ein wenig von diesem Geist ist der Stadt Stuttgart zu Nationales Jüdisches Theater , Im schönen Theatersaal i der Seholem Alechem-Schule fand der Beginn der Sai- | son mit der Inszenierung des , Dramas „Ketten“ von dem | S«ng,t verstorbenen Dichter j S^LSSSSJ“ r oiv.tik .statt Hessen Anden i riaupiaarsreiier. aeae «je ben verständnislos zusieht, oder die brutalen Wärter, die mit der Peitsche in der Hand die rebellische Unzu friedenheit unterdrücken wollen. In diesem Milieu gibt es kejie Frauen. Es gibt keine Leiwik statt, dessen Anden ken mit der Aufführung seines Werkes geehrt werden m spüren. Der Menschenschlag ist auch ein wenig ander., alß anderwärts. Von Stuttgart ist es garnicht weit nach Ludwigsburg. Prak tisch ist dieser frühere Her zogensitz nur ein Vorort Ich dachte, die Zentralstelle sei in einigen der schönen Räume des früheren fürstlichen Schlosses untergebracht. Umso überraschter war ich, als ich erfuhr, dass diese Zentralstelle, die im merhin internationalen Rang besitzt und auch zur Festigung der deutschen Demokratie beigetragen hat, im... Gefängnis untergebracht ist. Meine gewandte und sachkundige Begleiterin den Weg; so folgte ich ihr ins Gefängnis, wo wir allerdings sehr nett und mit allen Ehren begrüsst wurden. Man wartete bereits auf mich. Oberstaatsanwalt Schuele war eigens erschienen. um mit mir zu spre chen, obwohl er sonst an diesem Vormittag an einer anderen Dienststelle zu sein pflegt. Sicherlich war die Besprechung auch über Ge. bühr lang. Denn ich wollte sehr vieles wissen. Ueber alle Fragen und viele Einzelheiten wurde mir in der bereitwilligsten Form Auskunft erteilt. Nach einer allgemeinen Erklärung und Einführung in die Arbeitstechnik und die speziellen Aufgaben die ser erst 1958 geschaffenen Dienststelle lernte ich jedes der zahlreichen Sachgebiete und ihre wichtigsten Referenten kennen, die ich hier nicht namentlich aufführen kann. Es waren junge Menschen, die mit einer selten gesehenen Aufgeschlossenheit und mitunter verbissen an ihre Aufgabe heran schritten, immer aber entschlossen, selbst alles zu tun, um diese ungeheuerliche Schande der Lager, der Ghetti. der Ausrottungszentren zu sühnen. Das Karten material, das doi’t gesamsoll. Das Ensemble dieser überaus aktiven Gruppe setzt sich aus einer Reihe theaterbegeisterter junger | Menschen zusammen, die i mit ihrem Können bereits l weit über den Rahmen nicht! professioneller Schauspieler hinausragen und unter der , zielsicheren Hand des Regis. seurs Jacques Arndt das Lei ben und eeelische Ringen von Häftlingen in den zari stischen Gefängnissen Sibi-! riens darstellen, welche un j ter menschenunwürdigen l Verhältnissen doch noch i Menschen und vor allem hilfsbereite Kameraden blei ben wollen. Der Dichter Leiwik versucht, die einzelnen Gefangenen individuell zu skizzie. ren und iiberläßst es den Künstlern, diese Charaktere echt und menschlich zu zeichnen. Durch geschickte Lichteffekte teilt der Regis seur die Szenen auf und versteht die Aufmerksamkeit des Zuschauers noch intensiver aut die einzelnen Darsteller zu lenken, seien es die politischen Gefangekannte nen, die noch glauben, durch tiefsinnige Dispute ihre ver zweifelte Lage klären zu können, oder die Spieler, die ihr zerlumptes Bettzeug aneinander verspielen, der .Alte, lebenslängich verurteilt, stalt ist stark ausgeprägt und ausgefeilt. Die einzelnen Szenen wirken nicht nur durch das ausgewogene Zu. sammenspiel, sondern auch durch die künstlerischen Dekorationen und Kostüme. ■ , Platzmangel verbietet es, auf di-2 Einzelleistungen der zahlreichen Akteure einzugehen, aber der Ernst und die Sauberkeit, mit der diese Aufführung vorbereitet wur. de, verdienen als Gesamtleistung gelobt zu werden. Das Publikum dankte diesem Studio, das als einziges jüdisches Theater in Bue. nos Aires spielt und sich trotz aller Schwierigkeiten behaupten kann, mit starkem Applaus. TEATRO COLON Sábado 6 a las 21 hs.: 5ta. fuñe. sáb. noct.: “Sanson y Dalila“, ópera de Saint- Saëns, con Cvejic, Vickers, Mattielle, Feiler De Narké. Dir. orq.: Pierre Dervaux. Reg.: Louis Erlo. Dir. coro: Tulio Boni. Coreogr.: V. Sulich. Esc. y veßt.: J. Janoir. Orq., Coro y Cpo. de Baile est. del T. Colón. Lunes 8a las 21.30 hs.:' 6ta. func. ab. noct. 8 conciertos orq. Filarm. de Bs. Aires. Dir.: Rafael Frühbeck de Burgos. Sol.: Ivonne Loriod. . melt und zu einem grossen Teil nach den gefundenen Berichten, Skizzen oder Aussagen zusammengestelR wird, bildet allein schon eine gewaltige Fundgrube der Erkenntnis von unschätzba rem Wert. Die verschiedenen Strassenzüge der Ghetti sind mit allen Einzelheiten verzeichnet die „Aktionen“, die in progressiver Form durchgeführt wurden und weiter nichts als furcht, bare Blutbäder und Massenmorde waren, sind in differierenden Farbtönen mar kiert usw. Dieses wie alles andere Material, was dort gesam melt, zusammengesucht, beschafft, vorbereitet und dann an die verschiedenen Staatsanwaltschaften zur Durch führung der Prozesse weitergeleitet wird, ist eine im nonierende Leistung. Mit be sondei-em Stolz berichtet Oberstaatsanwalt Schuele, dass von seiner Amtsstelle wichtigstes Material nach Jerusalem zum Eichmann- Prozess geschickt worden sei, dass man inzwischen weiteres belastendes Material geeammelt habe usw. Ueberhaupt hat in diesen Fachkreieen der Eichmann. Prozess nicht nur durch die Objektivität der Richter, sondern vor allem durch den genialen Vortrag des israelischen Generalstaatsanwal, tes Hausner einen tiefen Eindruck hinterlassen. Im Ludwigsburger Gefängniß ist nicht nur irgendeine Staatsanwaltschaft untergebracht. Dort sitzt das Gewissen des deutschen Volkes. Schade nur dass man das Gewissen ins Gefängnis verwiesen hat. Dieser Amtsstelle gebührt ein Ehrenplatz, auch wegen der grossen wisenschaftlichen und historischen Lei. stungen, die dort vollbracht werden. Der Triumph dießes Gewissens oder sein Scheitern wird mit Sicherheit über die deutsche Zukunft tiefgehender entscheiden als ganze Armeen. (wird fortgesetzt) Kein Protest Saudi Arabiens Washington. — Das State Department teilte mit. daßs ein Jet-Geschwader an diesem Wochenende in Saudiarabien eintreffen wird, um gemeinsam mit sauditischen Piloten die Luftverteidigung zu übernehmen. Es wurde hinzugefügt, dass auch Juden dem nord amerikanischen Personal angehören und das State Department nicht gewillt sei. der bisherigen sauditischen Forderung nach Ausschluss der Juden aus USA- Mannschaften stattzugeben, obwohl Saudi Arabien sein Einwanderungsverbot für einzelne Juden nicht aufge hoben hat. „Unsere Politik, keine Diskrimination zwischen amerikanischen Bürgern aus Gründen der Rasse, Religion oder Farbe zuzulassen, ißt unerschütterlich“, unterstrich der Sprecher des State Department Greenfield. „Unsere Bemühungen zielen darauf hin. in un serem eigenen Land und im Ausland die Anerkennung und Aufnahme dieses Prinzips durchzusetzen.“ Ueber die Entsendung des Gcßchwaders, das aus 600 Soldaten besteht, äusserte Greenfield, ,,es sei keinerlei Schwierigkeit für den zeitweiligen Aufenthalt in Saudi Arab:n entstanden.“ (ITA) EL GRAN TEATRO OPERA PRESENTA OTRA NOTA ARTISTICA 1963 ESPECTACULAR CONJUNTO DE DANZAS V CANCIONES DE ISRAEL, ACLAMADO EN TODO El MUNDO) SENSACIONAL 0EBUT LUNES a GKN TEATRO LOCALIDADES EN VENTA IÏP w // \: -Jt HORARIOS: DOS FUNCIONES DIARIAS o los 20.15 y 22.90 DOMINGO „ 19 21 30 * DE JULIO .. 19 2ij

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