Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 24 (1963)
- Issue
- 2017 (21.6.1963)
- Date
- 1963-06-21
- Page
- [Seite 1] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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JÜDISCHE UIOM) PUEYRREDON 2190 — 1’ teahx Je*nxiH>a 2&ux£¿¿ta T E. 83-2013 ASO XXIV BUENOS AIRES, VIERNES 21 DE JUNIO DE 1963 No. 2017 Regierungskrise in Israel Jerusalem. — Ministerpräsident Ben Gurion hat zur Ueberraschung des ganzen Landes nach Beendigung der regelmässig stattfindenden Kabinettssitzung erklärt, dass er ,aus persönlichen Gründen“ von seinem Posten zurücktrete. Nach dieser Ankündigung unterbreitete er seinen Rücktritt formell dem Staatspräsidenten Salman Shazar. Der dramatische Rücktritt Ben Gurionß überraschte setbst die Minister. Nachdem Ben Gurion den Vorsitz bei der Sitzung geführt und über seine Fühlungnahme mit verschiedenen Staatschefs Bericht erstattet hatte, machte er seine Ankündigung. wobei er sein Bedauern ausdrückte, dass sein Rücktritt automatisch den Fall des ganzen Kabinetts nach sich ziehen würde. Dies, so versicherte er, sei nicht seine Absicht gewesen. Er gab der Hoffnung Ausdruck dass seine Kollegen im Laufe der Woche im Rahmen der heutigen Koalition BEN GURION ZURUECKGETRETEN ein neues Kabinett bilden würden. „Die Gründe für meinen Rücktritt sind meine Sache“, äusserte er zu den Ministern, als diese ihn mit Fragen bestürmten. Als Ben Gurion dem Präsidenten Shazar sein Rücktnttßgesuch überreichte, soll er, wie es hiess, angeregt haben, dass er Levi Eshkol, den heutigen Finanzminister, als würdigen Nachfolger betrachte. Man nimmt an, dass de-- 60jährige Levi Eshkol mit der Bildung der neuen Regierung betraut werden dürfte. Ben Gurion betonte, daos sein Rücktritt unwiderruflich sei. Gleichzeitig sandte er ein Rücktritts-Schreiben an den Präsidenten der Knesset, Kadisch Luz, in dem er ihn benachrichtigte dass er auch in seiner Eigenschaft als Abgeordneter zurücktrete. Eine diesbezüg. liehe offiziehe Ankündigung sollte am folgenden Tage in der Knesset erfolgen. Hierauf wird Präsident Shazar die Parteiführer zu Besprechungen einladen. Die Nachricht vom Rücktritt Ben Gurions schlug wie ein Blitz aus heiterem Himmel ein. Anscheinend wussten selbst die Führer der Map-ii nichts von der Ab. sicht des Ministerpräsidenten. Ben Gurion, der auch Verteidigungs-Minister war, kündigte seinen Rücktritt’ in einem Augenblick an. da der Vizeminister für Verteidigung Schimon Peres, zusammen mit Zwi Tsur. dem Generalstabschef der Israel- Armee, und Ezer Weizmann, dem Chef der israelischen Luftstreitkräfte, eich in Paris befand. Man erwartete, dass Peres sofort zurückkehren würde. ERKLAERUNG LEVI ESHKOLS Jerusalem — Finanzminister Levi Eshkol, den Ben WIE ICH ES SEHE Ein Mann machte Geschichte uon JEHUDA GQTTHEMER Dass es Männer gibt, die Geschichte machen, werden selbst die entschiedensten Anhänger des Historischen Materialismus nicht bestreiten können. Der verstorbene Papst Johannes XXIII. ist ein überzeugendes Beispiel für die Richtigkeit dieser These. Sein Tod ist aus vielen Gründen ein schwerer Verlust nicht nur für die Gläubigen der Katholischen Kirche sondern für die ganze Menschheit. Mit grosser Energie hat sich dieser Papst für die friedliche Zukunft aller Völker eingesetzt. Sein Bestreben, einen Ausgleich zwischen den feindlichen Welten zu finden, ist bemerkenswert. Man konnte mit grosser Genugtuung mit hoher Erwartung seine verschiedenen Bemühungen ver folgen, Gegensätze auszugleichen und die feindlichen Menschenbrüder einander näher zu bringen. In seinen grossen Enzyklika hat er zunächst versucht, die so cialen Gegensätze auszugleichen, die heute das schwer *te Hindernis auf dem Wege der Zusammenarbeit bilden. Papst Johannes XXIII. hat bewiesen, dass der gute Willen die entscheidende und bewegende Kraft i-st. selbst die schwersten Gegner zu einer gemeinsamen Ent Schliessung zu bringen und damit neue Möglichkeiten zu schäften, die krassen Unterschiede auszugleichen. In seiner letzten grossen Friedensdokumentation, der Enzyklika „Frieden auf Erden“ hat er zu einer allgemeinen Versöhnung der ent gegengesetzten Standpunkte aufgerufen und den Weg aufweisen wollen, dass es auch andere Methoden und Mittel für zivilisierte Völker gibt, zu Lösungen dringender Menschheitsfragen zu gelangen als den Krieg. Dabei hat der Papst sich nicht gescheut, mit althergebrachten Gewohnheiten und sogenannten Traditionen zu brechen. Er hat den Schwiegersohn des russischen Ministerpräsidenten Krutschew empfangen, der allgemein als der böse Mann in der westlichen Welt gilt. Damit hatte der Papst bewiesen, dass derartige Gespräche möglich 6ind, die vielleicht einen gangbaren Weg zur Befriedung der Erde bieten. Ohne diese Begegnung in ihren realpolitischen Werten zu überschätzen, war sie dennoch ein Anfang. Es war Neue Anleihen für Israel Tel Aviv. — Die Regierung der Vereinigten Staaten gewährte Israel eine Anleihe in Höhe von 2.400.000 Dollar. Dieser Betrag soll als Beihilfe zum Bau einer Installation für den Transport von Meerwasser dienen, aus dem in den dafür bestimmten Anlagen Trinkwasser gewonnen werden soll. Ferner wird Israel eine Anleihe von 4 400.000 Dol lar für die Erweiterung seiner Kupterprodukticn erhalten. Die Installation von Maschinen zur Umwandlung von Meerwasser in Trinkwasser soll gleichzeitig einer Steigerung der Erzeugung von elektrischem Strom für den Hafen veti Elat im Golf von Akaba dienen. Die Förderung von Kupfer geschieht in den ebenfalls in der Nähe von Elat gelegenen Werken von Timna, wo schon König Salomon dieses Metall gewann, welches er beim Bau des Tempels in Jerusalem ver wandte. das erste Mal. dass ein Kommunist den Papst aufgesucht hat und von ihm empfangen worden ist. Es war vielleicht nur eine Geste, aber eine solche zum Frieden, die ausserdem nicht einseitig war, sondern von beiden feindlichen Lagern gezeigt worden ist.- Warum soll man einen solchen, bis dahin aussergewöhnlichen Schritt, der vom Papst wie vom Kreml unternommen worden ist, nicht als einen Hoffnungsstrahl werten? Das? dieser Papst auch den Mut hatte, mit anderen alten Traditionen wie der Judenteindschaft zu brechen, ist oft genug hervorgehoben worden. Er ist es als erster Papst gewesen, der die Blutschuld-Anklage der Katholischen Kirche korrigiert hat, jene Verdächtigung, die Juden hätten Christus getötet, die beinahe zwei Jahrtausende hindurch der Ausgangspunkt für den Juden hass und für die schwersten Judenverfolgungen gewesen ist. Der Papst hat es mit der Rektifizierung und Ueberprüfuug der kirchlichen Standpunkte gegenüber den Juden sehr err.st gemeint. Hierfür legt das von ihm zusammengerufene Zweite Vatikanische Konzil ein bered tes Zeugnis ab. Es bleibt nur zu hoffen dass sein Nachfolger die gleiche Linie verfolgt und das begonnene Werk zum Abschluss bringt. Die Entfernung antijüdischer Texststellen aus verschiedenen Gebeten, so das Gebet für die „perfiden Juden“, ist noch ein Beweis mehr für die Gesinnung und die tatkräftige Verwirkli chung neuer der Zeit angepasster Ideen, die von diesem Papst vertreten «"Orden sind. Dieses Wirken des Pap etes hat — obwohl er doch ein Einzelner ohne grosse weltliche Macht gewesen ist, — die internationale Politik stark beeinflusst. Es ist Guricn bei dem Rücktritt von seinen Remtern als seinen Nachfolger empfahl, erklärte dass sofort eine neue Regierung gebildet werden müsse, denn „der Augen blick sei nicht danach angetan, in lange Verhandlungen über eine Erweiterung der heutigen Koalition einzutreten“ Die Mapai wird bemüht sein, die heutige Zu sammerßctzung des Kabinetts beizubehalten, obwohl einige Aendsrungen notweni dig sein dürften Man glaubt \ nicht, dass Eshkol weiter i Finanzminister bleibt, falls i er Ministerpräsident wird.! Als möglicher Nachfolger j Eshkols im Finanzmintete- 1 rium wird Pinchas Sapir, 1 der jetzige Handels- und Industricmlnis'er genannt, in l welchem Falle ein anderes Mitglied der Mapai den Posten Sapirs übernehmen würde. Es besteht die Tendenz, den künftigen Premierminister von der Inanspruchnah me alß Verteidigungsminister zu befreien, damit er sich ganz der politischen Leitung der Regierung widmen kann. Die Ernennung eines Verte.digungs - Ministers bietet jedoch einige Schwierigkeiten. Obwohl der Israel und Westdeutschland London. — Ein Mitglied dej Bundestages bestätigte. dass israelische Soldaten in Westdeutschland im Gebrauch moderner Waffen ausgehildet werdm, wie hier aus Bonn gemeldet wurde. Hans Merten, Sozialdemokrat und Präsident der Vei’teidigungskommission des Bundestage«-;, erklärte in einem Interview mit der „Neue Ruhr-Zeitung“, dass „wir hier in Deutschland israelische Soldaten, besonders im Gebrauch moderner Waffen,- ausbildcn“. Er fügte hinzu, dass dies schon ßeit mehreren Jahren geschehe bemerkte jedoch einschränkend, dass Westdeutschland weder Ausrüstun gen noch Waffen an Israel liefere. In der vergangenen Woche machte die Regierung von Bonn Enthüllungen über deutsche Militarhilfe für dfro-asiatische Länder, wobei allerdings erklärt wur. de, dass dre Kabinett über militärische Hilfe für Israel nicht diskutiert habe. Der „Sunday Observer“ führte als mögliche Erklärung für diesen anscheinenden Widerspruch die Tatsache an, dass bis vor wenigen Wochen vielen deutschen Ministern da« militärische Hilfsprcgramm unbekannt gewesen sei. Das Abkommen über die Ausbildung Israelischer Soldaten in Deutschland datiert offensichtlich aus der Zeit vor dem Besuch de,3 Exministers Franz Joseph Strauss :u Israel. Auf einer Pressekonferenz kurz nach seiner Rück kehr aus Israel leugnete Strauss, etwas von der Ausbildung israelischer Soldaten in Deutschland zu wässern Dagegen gab er zu, dass er als Minister verschiedentlich den geheimen Besuch des israelischen Vizeminister,3 fiir Verteidigung Peres empfangen ha ge. (ITA) jetzig« Vizeminüster für Verteidigung Scnimon Peres der mögliche Kandidat zu sein scheint, so kann er nicht mit der Unterstützung aller Mapaiführer rechnen, von de nen einige dem AckerbaumViister Mosche Dajan den Vorzug geben. Allerdings hat di-“ Achdut Awoda angekündigt, dass sie dieses Amt für einen ihrer Leute beanspruchen wird, und um Komplikationen zu vermeiden, i,:-t es daher doch möglich. dass der neue Ministerpräsident wieder das Portefeuille der Verteidigung übernehmen wird. WAS DIE PARTEIEN SAGEN Zu dem Rücktritt Ben Guriens erklärte ein Sprecher der Achdut Awoda, es oliebe nichts anderes übrig, „als den Wunsch Ben Gurions zu respektieren“. Ein Sprecher ter Mapam äusuerte. seme Partei sei zwar von diesem Entschluss überrascht, bedaure ihn jedoch nicht. Ein Vertreter der Religiös-Nationalen gab der Hoffnung Ausdruck, dass die Krise bald beendet sein würde, und fügte hinzu «eine Partei würde eine Erweiterung der Koalition begrüssen. Der Führer der Liberalen. Elimelech Rimalt erklärte, „falls es der Mapai nicht gelingen sollte, in aller Kürze eine stabile Regierung zu bilden, habe sie das Recht verloren, das Land zu regieren.“ Er fügte (Fortsetzung auf Seite 8) auffallend, dass die reaktionären Kreise, die ihren Katholizismus immer unter streichen, dem päpstlichen Wort keinesfalls mit dieser Aufgeschlossenheit Folge leisteten, wie diejenigen, die ihre katholische Gesinnung nicht immer als ein politisches Argument zu benutzen pflegen. Franco hat den Ermahnungen und Bitten des Papstes nicht Folge gelei stet, als er unter einem provokatorischen Vorwand einen kommunistischen Führer hinrichten lic-ss. Nicht nur das Gebot der Liebe, sondern das päpstliche Wort wurden in den Wind geschlagen. Grosse Teile de,3 Klerus haben in ihrer alltäglichen Arbeit den Aufforderungen des Papstes die Stellung der Kirche zu den ..perfiden Juden“ zu ändern, kein Gehör geschenkt, sondern pflegen nach wie vor jede reaktionäre, antijüdische Bewe gung zu unterstützen. Diese Feststellungen über das segenreiche Wirken des verstorbenen Papstes Johanne.3 XXIII. zu treffen, ist umso angebrachter, als die Polemik über das Verhalten des Vorgängers des letzten Papstes, Pius XII., zu immer schärferen Diskussio nen führt, die durch das Trauerspiel eines evangelischen Dichters ausgelöst worden sind. Es ist eine Tatsache. dass der damalige Kardinal Angelo Guiseppe Roncdlli wichtig« politische Aufgaben im Auftrag Pius XII. in verschiedenen Bai kanläi dern durchgeführt hat, und dass Pius XII. gerade diesen Mann nach Konstantiropel während des schrecklichen Krieges entsandt hatte, wo «ich damals die Fäden der internationa len Politik kreuzten. Man kann darüber streiten, ob es richtig ist, dass von jüdischer Seite in die Diskivsion über den Papst Pius XII. eir.gegriffen wird, aber rchliesslich bildet das jüdische Schicksal während des Dritten Reiches den blutigen Hintergrund für diese neuesten Auseinandersetzungen. Für un« war eine Pu blikaiion in einer rechtsgerichteten Zeitschrift, die in Deutschland erscheint, der unmittelbare Anlass, einige Bemerkungen zu dieser Streitfrage hier folgen zu lassen, eine Publikation, die noch vor dem Ableben des Papstes Johannes XXIII. er folgte Im Rahmen eines Artikels, der sich mit der Lage in Oesterreich beschäft-gt, werden zwei Gruppen gegenübergestellt, deren Verhalten und Auffassungen zu einigen Kernfragen des politischen und internationalen Lebens in einer Tabelle Umrissen werden; so wird z. B. die eine a?>3 nazifeindlich, die andere als nazifreundlich geschildert und eingegliedert. Dann finden wir ein wenig überraschend: Die eine Gruppe für Kennedy und Krutschew. und mehr für Johannes XXIII., fiir Frieden und Entspannung. — Die andere Gruppe: gegen Kennedy und Krutschew. mehr für Pius XII., gegen Entspannung und Frieden, Militaristen. — Hier werden also ln einem ganz anderen 'Zusammenhang und unab hängig von der durch ein Drama hervor gerufenen Diskussion die beiden letzten Päpste gegenübergestellt: Pius XII. und sein Nachfolger Johannes XXIII. Es ist I--- überraschend, wenn man diese Tabelle liest, durch welcne die Situation in einem Lande erhellt werden soll, und dann dabei auf die Klassifizierung der Päpste «stösst, um dij liberale von der reaktionären Richturg, die kosmopolitische von der national - chauvinistischen Tendenz beispielhaft zu erläutern. Wir treten nicht in eine Debatte darüber ein, ob der Autor dieser Darstellung sich rierbei im Recht befindet. Es ist aber eigenartig und vielleicht auch bezeichnend. dass derartige Feststellungen zu einer Zeit getroffen wurden, aV, an die heftige Diskussion über die Haltung des Papstes Pius XII. in der Judenfrage noch nicht gedacht wurde. Ein weiteres Motiv für unsere Bemerkungen ist e;« Artikel, der von den Frankfurter Monatsheften, einer vorzüglichen ..Zeitschrift für Kultur und Politik“ in deren Mai-Nummer veröffentlicht worden ist. Diese Zeitschrift wird von einem Redaktion«i- Kollegium herausgegeben, an dessen Spitze der bekannte katholische Forscher und Politiker Dr. Eugen Kogon steht, der Verfasser des bekannten Buches „Der SS- (Schluss auf Seite 2) Rusk will Nasser helfen Washington. — Staatssekretär Dean Rusk äusserte sieh vor der Senatskommifcion für auswärtige Angelegenheiten sehr lobend über Aegypten. Er sagte, „Nasser sei bemüht, sich eines jeglichen Anschlusses zu enthalten und eine Politik zu verfolgen, die «ich de« Interessen der freien Welt anpass«“. Er forderte die Kommission auf, Aegypten weiter in grossem Masstab Wirtschaftshilfe zu gewähren. Im Rahmen der Debatte über den Gesetzesvor- «chiag zur wirtschaftlichen Hilf« an das Ausland, verteidigte Rusk die Aegypten geleistete Unterstützung energisch. Er argumentierte, dass Aegypten, als die Vereinigten Staaten die Zuwendungen zwischen ’954 und 1958 einstellten, sich vom Westen entfernt habe, während es seit 1959 mit der Wiederaufnahme der Wirtschaftshilfe „allmählich einen entgegengesetzten Weg einschlug". Er bezeichnet* die Aegypten geleistete Hilfe als lebenswichtig für die Politik und Sicher heit der Vereinigten Staaten. (iTA)