Mannheim
Compact Memory

Jüdische Wochenschau · 1963-06-14 · 2016 (14.6.1963) · p. [Seite 8]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
24 (1963)
Issue
2016 (14.6.1963)
Date
1963-06-14
Page
[Seite 8] (sequence 8)
Language
German, Spanish
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/9616703-9613667-9613925--2811-9613933
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

mHSrnt fifi O O _ fl o» *3 S t £ a 5 S ¡f o < FRANQUEO PAGADO Concesión 948 TARIFA REDUCIDA Concesión *629 AÑO XXIV MANA ISRAELITA BUENOS AIRES, VIERNES 14 DE JUNIO DE 1963 No. 2916 EL EJEMPLAR en toda la República 10.- PUEY RREDON 219« 1» i*q. T. E. 83 2613 Buenos Aires Die Ersieh untj in Israel 1 Das Grundproblem Israels liegt ebenso wie bei je. der anderen modernen Nation in der potentiellen Kapazität seiner Arbeit. Die Geographie hat sich uns gegenüber nicht grcesziigig gezeigt; unsere natürlichen Bodenschätze sind gering; aber die Vergangenheit hat uns gelehrt, dass ein Volk vom geographischen Standpunkt aus beschränkt, doch vom geschichtlichen Standpunkt reich sein kann, und ■unser Land schätzt sich allgemein reich an den menschlichen Eigenschaften, die entscheidend für die Definition der konstruktiven Möglichkeiten einer Gesellschaft sind. ' Wenn nun die Arbeit und geistige Kapazität unsere grössten Reichtümer sind, so ist es natürlich, daes wir unsere Hoffnungen auf Ue iberleben und Fortschritt in die Erziehung und Kultur setzen. Der Einfluss, den das jüdische Volk auf die universelle Kultur ausgeübt hat, steht in keiner Bezie hung mit den Dimensionen der jüdischen Nation; was Territorium und Bevölkerung angeht, so haben wir uns stets zu den kleinsten Völkern der Welt gezählt. Aber es war uns vergönnt, eine intensive geistige Le bondigkeit zu entwickeln, und die Propheten unserer modernen Wiedergeburt haben immer verstanden, dass der hauptsächliche hißtorische Anspruch des Staates Israel in seinen infellektuel len und geistigen Leistungen liegen würde. 1 Leider ist Israel durch seine Lage im Mittleren Osten gezwungen, die Sicherheit allen anderen Dingen voranzusetzen. Lsraei mit seinen zwei Millionen Einwohnern sieht sich 40 Millionen Arabern gegenüber und lebt ständig in zahlenmässiger Inferiorität. Und obwohl wir behaupten, dass unsere quantitative Unterlegenheit durch qualitative Ueberlegenheit ausgelichen wird, müssen wir uns doch be .wusßt sein, dass die Geschichte Vorteile dieser Art nicht gewährt. Wir können nicht sagen, dass unser Land sicher ist, wenn wir nicht erreichen, dass jeder Israeli grössere Kenntnisse und höhere moralische Verpflichtungen besitzt, wie dies der Fall sein würde, wenn von ABBA S. EBAN, Minister üfr Erziehung und Kultur wir unter normalen Bedingungen lebten. Die Erziehung ist für uns ein lebens notwendiger Aspekt der Sicherheit neben der unbestreitbaren Tatsache, dass eine kleine Bevölkerung sich nicht verteidigen kann, wenn sie nicht über die letz ten Errungenschaften der modernen Technologie voll verfügt. Der technische Gesichtspunkt ist nicht von geringerer Bedeutung als die Erziehung, denn um uns neben allem anderen auch die wirtschaftliche Subsistenz zu sichern, müssen wir das Fehlen von Rohßtof fen dadurch kompensieren, dass wir das Niveau der Ar beit heben und zur intensiven Anwendung der moder. nen Technologie streben. Wenn Israel als jüdischer Staat seine besondere Stellung in der Perspektive der jüdischen Geßcbichte bewahren will, so muss ein gewisses, intellektuelles, wissenschaftliches und kulturel les Niveau aufrecht erhalten werden. Kann es dieße Forderungen nicht erfüllen, dann wird es aufhören, ein Anziehungspunkt für die übrigen jüdischen Gemeinschaften in der Welt zu sein. Der Platz, den wir auf der internationalen Schaubühne einnehmen und im besonderen in unseren Beziehungen mit den Staaten behaupten, die ihre Unabhängigkeit erlangen, gründet sich auf die Voraussetzung unseres steten Fortschritts auf intellektuellem und wissenschaftlichem Gebiet. Wir kommen mehr und mehr zu der Einsicht, dass das Problem heute nicht so sehr darauf basiert, dass Israel fortbestehen wird, sondern wie es überleben wird. Heutzutage, da die Jahre des Kampfes um das blosse militärische Ueberleben und die internationale Anerkennung hinter uns liegen, begreift unsere öffenttliche Meinung jedesmal mehr die Aufgabe, die wir auf dem Gebiet der Erziehung erfüllen müssen. Die Juden, welche die Fundamente des Staates Israel legten, bildeten eine Elite von erstaunlich hohem qualitativen Niveau. Doch Strauss aus Israel abgereist Tel Aviv. — Die Abreise des westdeutschen Exministers Franz Josef Strauss nach einem lltägigen Besuch in Israel wurde ebenso geheimgehalten wie seine Ankunft. Strauss versicherte, er verlasse das Land „tief beeindruckt von seinen Errungenschaften“ und lobte „die Initiative und den Opfergeißt, die er beim Aufbau des Staates und der Entwicklung des Bodens überall zu beobachten Gelegenheit hatte“. Strauss wiederholte sain Versprechen, alles in sei ner Macht Stehende zu tun, um vom westdeutschen Parlament die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Israel und der Deutschen Bundesrepublik zu erreichen. Er sprach dem israelischen Volk seinen Dank dafür aus, dass er „Korrekt und freundschaftlich“ empfangen worden sei. Die israelischen Funktionäre betonten, der Ausdruck „freundschaftlich“ ßei nicht gerade derjenige, der der Wahrheit am nächsten komme, denn wenige Israelis hätten sich so verhalten, obwohl die Mehrheit von ihnen sich über die Notwendigkeit derartiger Besuche Rechenschaft ablegte. Strauss wurde im Flughafen vom Vizeminister für Verteidigung Schimon Peree und hohen Ministerialbeamten verabschiedet. (ITA) die grosse Mehrzahl jener, die seit 1948 in das Land kamen, besitzen von Haus aus kein kulturelles' Erbe noch intellektuelle Tradition im allgemein gültigen Sinne die ser Begriffe. Wir können uns nicht den Luxus leisten, mehrere J ahrhunderte zu warten, bis sich alle Einwanderer kulturell assimiliert haben; ausser den Problemen der Sicherheit und ökonomischen Versorgung besteht der soziale Aspekt des Problems, der potentielle Gefahren birgt. Unser System. des Unterrichts, vom Kindergarten bis zur Universität, erfasst rund 600.000 junge Bürger, und das von den Kindern orientalischen Ursprungs erreichte Niveau kann sich mit dem irgendeines anderen Landes der Welt vergleichen. In den neuen Einwandererzentren allerdings können 30 Prozent der Absolventen von Gemeindeschulen weder lesen noch schreiben und haben keine Vorstellung von Israel noch von der sie umgebenden Wejt. Und da diese Tausende von Schülern, die nicht mit den anderen aüf gleicher Stufe stehen, alle der gleichen ethnischen Herkunft sind, d. h. aus orientalischen Gemeinschaften ßtammen, sehen wir uns vor einem Problem, das unsere soziale Harmonie bedroht. Wegen dieser Lücke in unserem Erziehungssystem, die sich Jahr für Jahr vertieft, ist das zentrale Problem unserer Erziehung so zial und nicht akademisch. Um die Situation zu ändern und eine fortßchreitende Besserung herbeizuführen, müssen wir unsere Be mühungen auf diesen rückständigsten Sektor unserer Bevölkerung konzentrieren und unsere Auffassungen von der Gleichheit innerhalb der Erziehung fallen lassen. Die Unterschiede zwischen den Absolventen der Primär, schulen sind derart gross, dass sie nur durch eine spezielle und unterschiedliche Behandlung überwunden werden können. Inzwischen vollziehen sich revolutionäre Aenderungen im höheren Unterricht, der nicht mehr nur ein Privileg einiger weniger ist sondern in Uebereinstimmung mit unserer sozialen Weltan schauung allen offen steht. In den letzten Jahrgängen der höheren Schulen hat sich die Zahl der Schüler fast verdoppelt, und 80 Prozent von ihnen geniessen je nach ihren Mitteln die Unterstützung durch die öffentliche Wohlfahrt. Meiner Meinung nach ist es nicht not wendig, dass alle Bewohner des Landes Abiturienten sind, aber jeder, der eine höhere Schule zu besuchen wünscht und die Fähigkeiten hierzu besitzt, soll dies tun, ohne dass Schwierigkeiten wirtschaftlicher Art ihm diesen Weg verwehren. Was die Hochschulbildung angeht, so bin ich der Ansicht, dass die Zahl derer, die an Universitäten promo vieren, vergrössert werden 1 sollte. Viele behaupten, schon zu viele würden studieren und zu wenige wür-„ den arbeiten, aber diese Erklärungen sind heutzutage unverständlich. Vor einem halben Jahrhundert war die Idee, die Zahl der Intellek tuellen im jüdischen Volk herabzusetzen, grosßartig, doch sie ist es nicht mehr im Jahre 1963. Heute, wo wir mit allen Mitteln die uns zur Verfügung stehenden natürlichen Reichtümer vermehren müssen, die Vorurteile, welche der Zionismus der Pionierzeit gegen die Intellektuellen hatte, auch jetzt noch anzuwenden, würde bedeuten, spezialisierte Arbeit zu vergeuden. Um den sozialen Wohlßtand zu erreichen, den unsere soziale Philosophie verficht, werden wir unsere technischen Fähigkeiten im höchsten Grade entwickeln müssen und in dem Masse, in^dem die Nachfrage nach qualifiziertem Personal auf diesem Gebiet sogar einschliesslich die Nachfrage der Landwirtschaft und Industrie übersteigt. Zu diesem Zweck ist schon e'ue Erweiterung der Universität vorgenommen worden. Meiner Meinung nach haben wir mehr Aussichten, die mit der Hochschulbildung sammenhängenden Probleme zu legen als die von mir früher erwähnten Probleme auf sozialem Gebiet. 1 Die nationale Priorität wird natürlich entscheiden, welche Proportion von den Mitteln, über die Israel insgesamt verfügt, in dieses Vorhaben investiert werden soll. Obwohl der für die Er Ziehung bestimmte Betrag um 12 Prozent erhöht wor den ist, reicht diese Summe nicht aus, um unsere sofortigen Bedürfnisse zu decken. Die Erziehung ist eine Form der Entwicklung, eine Anlage, die heute mit Hinblick auf die Zukunft vorgenommen wird, und die Geschichte lehrt uns, dass jede für den menschlichen Verstand aufgewandte Investition reichen Nutzen trägt. Ich möchte einige Worte über das jüdische Volk in der Diaspora hinzufügen. Die wissenschaftlichen und kulturellen Bildungsstätten in Israel sind nicht das Produkt der zwei Millionen Bewohner des Lande^ Unsere ersten HochschuletPwurden von Juden aus dem Ausland gegründet, und die akademische Entwicklung stand lange Zeit hindurch im Mittelpunkt der Ziele des Zionismus. Die Juden in der Diaspora wissen, dass sie, wenn sie wünschen, Israel möge sein intellektuelles Niveau beibehalten, nicht erwarten können, dass die Erziehungsanstalten und kulturellen Institutionen des Landes auf der Grundlage seines Nationalprodukts bestehen können. Wir dürfen nicht zulaesen, dass unsere Oekonomie den Grad der Erziehung bestimmt, sondern wir müssen vielmehr bestrebt sein, dass unsere Er Ziehung letzten Endes ausschlaggebend für unsere Oekonornie sein soll. Niemand kann garantieren, nicht einmal unter Anwendung seiner äussersten Kräfte, dass Israel in der Blick in die Welt von HAROLD SCHWARCZ In Anbetracht verschiedener Meldungen gab der nordamerikanische Staatssekretär Dean Rusk eine Erklärung ab, dass die westlichen Nationen sich in der Verteidi gung ihrer lebenswichtigen Positionen vollkommen einig wären. — Die finanzielle Krise der Vereinten Nationen konnte nicht überwunden werden, weü die Staaten des sowjetischen Blockes ihren Verpflichtungen nicht nachkommen, Castro meinte, es handele sich nur um freiwillige Beisteuerungen. — Der russische Premier Nikita Krutschew soll sich gründlich auf die bevorstehenden Auseinandersetzungen mit den Peking-Kommunißten vorbereiten, die für den nächsten Monat vorgesehen sind. — Die Kundgebungen zum Tode des Papstes Johannes XXIII. halten an. Der Volksmund hat ihm bereits den Beinamen „der Gute“ gegeben, was auf die grosse Popularität hindeutet, die dieser Papst in allen Bevölke. rungßkreisen besass. — Dass die Sowjet-Union eine Sitzung des Sicherheitsrates der UN verlangt hat, um über die Zustände im Yemen zu sprechen, hat allgemeine Aufmerksamkeit erregt. In allen früheren Fällen hat der Kreml Nasser bei seinen politischen Unternehmungen gestützt. — Der persißche Schah Mohamed Rheza Pahlevi machte die muselmanischen religiösen Führer des Landes für die schweren Unruhen verantwortlich, die zahlreiche Todesopfer zur Folge gehabt haben — Präsident Kennedy ergriff angesichts der wachsenden Spannungen zwischen Weiseen und Negern in den Südstaaten der USA energische Massnahmen und forderte den Gouverneur Wallace auf, die Gesetze des Landes zu respektieren. Im Irak stossen die durch die letzte Revolution zur Macht gekommenen Kreise auf starken Widerstand der Kurden, gegen die jetzt ein offizieller Krieg proklamiert worden ist. — Lage sein wird, sich in der; Datralaiim modernen Welt zur Höhe seines vergangenen Ruhmes zu erheben. Aber wir dürfen zumindest vercichem, dass wir die Möglichkeiten und Bedingungen geschaffen haben, um eine taeue schöpferische Aera einzuleiten: das Volk ist stolz auf seinen eigenen Boden, in ihm pulst die innere Kraft, welche für jedes Volk in der gestaltenden Periode seiner nationalen Eigenart charakteristisch ist, und es hat sich in einer alten und auserlesenen Tradition tief verwurzelt. All dies bietet noch nicht die Sicherheit für aussergewöhnliche Taten, aber es besteht wenigstens die Möglichkeit, dass Israel wieder einen Teil der Grösse erlangt, dank derer dieses Volk und dieses Land einen Tel Aviv. — Zum ersten Mal wurde unter Felsgestein in einer Tiefe von 550 Metern Petroleum gefunden, wie jetzt angekündigt wurde. Der Strahl schoss aus dem der Firma Lapidot gehörenden Bohrloch Kochaw 5.. Bisher wurde Petroleum nur in Sandgestein gefunden. Die Fachleute vertrauen darAf. dass der neue Fund die Produktion in Cheletz verdoppeln wird. Auch auf die Möglichkeit wird verwiesen, dass es auch in anderen felsigen Böden in Israel Petroleum gibt. (ITA) Platz in der Geschichte der Menschheit eingenommen haben. Israel und der Europamarkt Brüssel. — Funktionäre der EWG erklärten in der zweiten Sitzung den israelischen Delegierten, dass der Anschluss Israels an den Europäischen Gemeinschaf te- Markt nicht angenommen worden sei. Dr. Günther Selinger, Generaldirektor für auswärtige Fragen der EWG, eröfftiete der israelischen Delegation diesen Beschluss mit folgenden Worten; „Was ich Ihnen zu sagen habe, wird Ihnen keine Freude bereiten. Aber ich muss nach den Direktiven des Ministerrats handeln.“ Hierauf teilte er mit, dass „Israel in keiner Form angeschlossen werden könne, doch wäre eß möglich, weiter zu verhandeln, um zu normalen kommer ziehen Abkommen nach internationalem Standard zu gelangen“. In der zweistündigen Sitzung versuchten die israelischen Unterhändler gewisse Aufklärungen zu erhalten, aber alle Hoffnungen auf ein weitgefasstes Abkommen mit den sechß europäischen EWG-Ländern, die mehr als 60 Prozent der israelischen Exporte kaufen sind zunichte geworden. Selinger gab der israelischen Delegation die Versicherung „seiner freundschaftlichen Einstellung und wohlwollenden Haltung“ und verweilte eine geraume Zeit hei diesen Ausfiih rungen. Als sich die Unterhaltung jedoch den spezifische Fragen zuwandte, machte er vier Vorschläge, die sich nicht wesentlich von denen unterschieden, welche den Israelis am Vortage unterbreitet und von ihnen zurückgewiesen wurden. (ITA) Registro de la Propiedad Intelectual No. 735 104 Impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivada«Jè* 831 -i* —

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.