Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 24 (1963)
- Issue
- 2015 (7.6.1963)
- Date
- 1963-06-07
- Page
- [Seite 12] (sequence 12)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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esa e 5 _ u S â t c a!r e ,® M c W (- 4, < o FRANQUKO PAGADO Concesión 908 TARIFA REDUCIDA Conces'ón 1629 SEMANA ISRAELITA AÑO XXIV BUENOS AIRES, VIERNES 7 DE JUNIO DE 1963 No. 2015 EL EJEMPLAR 10en teda la República PUEYRREDON 2190 1? tzq. T. E. 83 2613 Bnenos Aires Die Trauer um Papst Johannes XXIII. New York. — Schon früher haben verschiedene Päpste Interesse für die Juden gezeigt, doch keiner von ihnen hat dieses Interesse go wie Johannes XXIII. durch die Tat bewiesen. Während des zweiten Weltkrieges lebte Papst Johannes, damals noch Erzbischof Angelo Ron. calli, in seiner Eigenschaft als apostolischer Delegierter für Griechenland und die Türkei in Stambul. Zu dieser Zeit empfing er den damaligen Emissär der UNRA, Ira Hirschman, der ihm von den Leiden vieler Tausender Juden, darunter Kinder, erzählte, die nach Auschwitz deportiert werden sollten. Der Erzbischof händigte ihm sofort mehrere taugend Taufscheine aus, damit sie von den vom Tode bedrohten Juden benützt würden, ohne irgend welche Bedingungen zu stellen, und so konnten Tausende davor bewahrt werden, den Weg in die Gasöfen der Nazis anzutreten. Kurz nach seiner Wahl zum Papst ordnete Johannes XXIII. die Entfernung der Bezeichnung iKperfide Juden“ aus der Karfreitags-Liturgie an, weil sie für die Juden beleidigend sei und eeinH^ Auffassung nacn nicht ehe Frage der Doktrin sondern ein Ueber bleibsel aus der Polemik früherer Zeiten bildete. Der Papst betrachtete eg als Notwendigkeit, der Feindschaft zwischen den religiösen Bekenntnissen den Boden zu entziehen, ganz besonders jedoch mit Hinblick auf die Juden, denen er eine wichtige Rolle in der „Erlösungs-Geschichte“ zuerkannte. Diese Einstellung kam neueräch am letzten Karfreitag zum Ausdruck, als der die Messe zelebrierende Geistliche der anscheinend aus Gewohnheit oder weil er ein nicht geändertes Brevier benutzte, das Gebet für die „perfiden Juden“ sprach. Der Papst liess den Gottesdienst unterbrechen und das ganze Gebet in seiner heute gültigen Form wiederholen. Einen weiteren Beweis für seine versöhnliche Haltung lieferte der Papst, als er im Jahre 1959 den Kardinal Augustin Bea zum Präsidenten des Sekretariats für die Förderung der christlichen Einheit auf dem Oekumenischen Konzil ernannte. In der Kommission des Kardinals ist eine Reihe von Geistlicher, mit dem ausdrücklichen Auftrag tätig, die Beziehung so. zwischen Katholiken und Juden zu verbessern und die ererbten Doktrinen der Abneigung durch eine Aenderung im Religionsunterricht und in der Liturgie umzuwandeln. Es ist bekannt, dass der Papst sich laufend über die Arbeit dieser Kommission unterrichten liess und dem Kardinal seine feste Unterstützung lieh. In seiner siebenten Enzyklika vom 1. Juli 1962 forderte der Papst alle gläubigen Katholiken auf,, für den Erfolg des Oekumenischen Konzils zu beten, zu fasten und Bosse zu tun. Er begründete dies mit dem Hinweis, dass Gebete, Fasten und Busse nach der Ueberlieferung des Alten Testaments von Moses und den jüdischen Propheten gelehrt werden. Dies war ein typisches Beispiel dafür, wie der Papst häufig die Gelegenheit ergriff, um die gemeinsamen Wurzeln von Christenheit und Judenheit hervorzuheben und auf die Schuld zu verweisen, welche die Christen dem Judentum für die biblische und prophetische Lehre ihrer Religion abzutragen habern Anlässlich seiner Wahl zum höchsten Würdenträger der Kirche beglückwür.echte ihn der seinerzeitige Oberrabbiner von Israel, Dr. I. Herzog, und sprach seinen Dank für die Hilfe aus, die der Papst bei der Errettung von Juden geleistet hatte. Als ihm im Oktober 1960 eine 130köpfige Delegation der nordamerikanischen Einheitskampagne eine Thorarolle als Geschenk überbrachte, begrüsste er die Delegierten mit den Worten: „Ich bin Josef, Euer Bruder“. In seiner letzten Enzyklika „Frieden auf Erden“ verurteilte Johannes XXIII. energisch jede Form von rassischer und religiöser Diskrimination, weil diese ihrem Wesen nach schädlich sei und im übrigen im Gegensatz 2u seinen fortgesetzten Bemühungen um die Verwirkli chung seines Traumes von einer geeinten, in Frieden und Gerechtigkeit lebenden Menschenfamilie stehe. Die Frage, ob die Sonderkommission des Kardinals Bea, die für die Verbesserung der Beziehungen zwischen Katholiken und Juden arbeitet, den Tod des Papstes überleben wird, hängt davon ab, ob die mit der Prüfung des kanonischen Rechte betrauten Kardinäle zu der Entscheidung gelangen w'erden, dass das von Papst Johannes XXIII. einberufene Konzil mit seinem Tod für beendigt erklärt werden muss. BEILEIDS BEZEUGUNGEN Aus aller Welt sind auch von jüdischer Seite zahlreiche Beileidskundgebungen eingegangen, so u. a. vom Jüdischen Weltkongress. New York. — Der Amerikanische Jüdische Kongress hat Kardinal Amleto Cocognani durch seinen Präsidenten Rabbiner Dr. Joachim Prinz in einem Kabel sein Beileid übermittelt. Dort heisst es: „Unter den zahlreichen Diensten an der Menschheit wird des Papste« Johannes XXIII. stets dort gedacht 1 werden, wo sich Menschen guten Willens Zusammenfällen, die seiner unermüdlichen und erfolgreichen Bemü hungen gedenken werden, die er während des Krieges zur Rettung der Opfer der Naziverfolgungen, einschliesslich Tausende von jüdischen Männern, Frauen'und Kindern, unternommen hat, seiner grossen Enzykliken, in denen er den Weg gewiesen hat, auf dem die Menschen aller Religionen und aller Völker in Frieden und Würde leben und die Segnungen der Freiheit und Gerechtigkeit geniessen können, und ebenso seiner Menschlichkeit und Güte. Die katholische Kirche hat ihr Oberhaupt verloren, die Juden einen warmen und treuen Freund und die Welt eine« weisen und guten Menschen.“ AUCH ISRAEL TRAUERT Jerusalem. — Präsident Salman Shazar versicherte in einem Kabel an den Vatikan, dass er persönlich und das Volk von Israel eich der „tiefen Trauer“ der katholischen Welt um den Tod des Papstes Johannes XXIII. anschliessen. „Das Leben des Papstes war der Vertiefung de« gegenseitigen Verständnisses und der Errichtung des Weltfriedens geweiht. Seine positiven Massnah men zur Ausrottung des Hasses werden von seiner Haltung zu den Juden Zeugais ablegen. Er würd in der Erinnerung unseres Volkes fortleben“ heisst es. Obereabbiner Jizchak Nissim nannte den Tod des Papstes einen „schweren Schlag nicht nur für die Christenheit sondern auch für alle, die den Frieden lieben, und für die ganze Menschheit“. Zorach Wahrhaftig, Israels Kultusminister, würdigte in einer Beileidsbotschaft die Verdienste, die sich Johannes XXIII. um den Frieden und im besonderen um die Rettung der Juden während der Naziverfolgungen erworben hat, sowie seine tätigen Bemühungen um eine Versöhnung zwischen den Religionen. ANSCHLUSS DER DAIA Im Namen der jüdischen Gemeinschaft Argentiniens hat die DAIA anlässlich des Hinscheidens des Papstes Johannes XXIII. an den Apostolischen Nuntius, Monse¬ ñor Humberto Mozzoni, und den Erzbischof von Buenos Aires, Kardinal Dr. Antonio Caggir.no, Trauerbotschaften gerichtet. In dem Schreiben an Monseñor Mozzoni heisst es u. a.: „Die Welt wird sich nur langsam an die schmerzliche Tatsache des Hinscheidens eines erleuchteten Mannes gewöhnen, dessen Wirken die kurze Zeit seines Papsttums so bedeutungsvoll gestaltet hat. Sein Tod wird von unserer Gemeinschaft tief bedauert, aber wir vertrauen darauf, dase sein ruhmreiches Andenken, das sich auf ein Werk reinster Religiosität und Menschlichkeit gründet und den Wünschen und Hoffnungen aller Menschen und aller Völker Rechnung trug, fortleben und als eine Inspiration zur glücklichen Fortsetzung der begonnenen Aufgaben dienen wird.“ Auch in ihrem Schreiben an den Erzbischof würdigt die DAIA die überragende Persönlichkeit des verstorbenen Papßtes, die ihm die Liebe von Katholiken und Nichtkatholiken gesichert habe, und hebt im besonderen seinen geistigen Einfluss auf das von ihm einberufene Oekv.menische Kcnzil hervor, auf dessen Beratungen „alle Menschen guten Willens ihre Hoffnungen setzten“. In allen Synagogen des Landes werden Gebete für das Andenken des Papstes gesprochen werden. Die südamerikanische Exekutive des Jüdischen Weltkongresses sandte folgende« von ihrem Präsidenten Dr. Moisés Goldman und ihrem Generalsekretär Mark Turkow unterzeichnetes Telegramm an den Apostolischen Nuntius Humberto Mozzoni: „Im Namen der südamerikanischen Exekutive des J.W.K. «chliessen wir uns durch Ihre würdige Vermittlung der Trauer um den unersetzlichen'Verlust des Papstes Johannes XXIII. an, der während der Jahre seines hohen Amtes die ganze Menschheit mit seiner Weisheit und Güte, mit seiner Liebe zum Frieden und zur Brüderlichkeit zwischen allen Rassen, Glaubensbekenntnissen und Völkern erleuchtete.“ Polens Angleichung an Russland Die 35.000 Juden Polen« leben zwischen zwei eisernen Vorhängen, einem gegen den Westen und einem viel höheren gegen den Os<en. Zwischen den Juden Polens und Russlands beßtehen last gar keine Beziehungen, trotzdem beides kommunistische Länder sind. Der jüdische Kalender aus Warschau darf nicht nach Russland eingeführt werden, und die jiddische „Volksstimme“ aus Warschau darf in Russland nicht verbreitet werden. Wohl kann sie aber in US-A, England, Frankreich oder Israel gelesen werden. In Polen werden zahlreiche jiddische Bücher herausgegeben; trotzdem sie eine kommunistische Linie vei folgen, werden sie in Russland nicht zugelassen. Die1 jiddische Zeitung Warschaus ersch"int; viermal in der Woche; sie bringt hie und da auch jüdische Nachrichten nichtkommunistischen Inhalts. In den jüdischen Schulen Polens gibt es Fächer wie jüdische Geschichte jüdische Literatur, jiddische Sprache ujnd Aufklärung über jüdische Feste. Es gibt jüdische Klubs für Jugendliche und Erwachsene mit jüdischen Programmen. Oer jüdische Verlag gibt Werke von Scholem Alechem, Perez und Bergelson heraus. In Warschau und Lodz gibt es jüdische Bibliotheken. Das jüdische Theater ist ein kultureller Mittelpunkt, und die Defizite wurden bisher von der Regierung stark ge deckt. Das Jüdißch-his’orische Institut in Warschau besitzt ein eigenes Gebäude. Von all dieser jüdischen Tätigkeit weiss man in Kowno, Riga, Lemberg und Czerno witz nichts. Die polnische Regierung hat nun beschlossen, diese jüdische Tätigkeit zu!>eschränken. Die Subsidien an die jüdische Sozial- und Kulturunion werden um zwei Drittel gekürzt. Die Schulen, Klubs, das Jüdisch historische Institut, das Jüdißche Staatstheater usw. werden in ihrer Tätigkeit eingeschränkt. Hinter den Kulissen sp'elt sich ein nei®r Machtkampf ab. Die Autorität des Mini sterpräsidenten Gomulka ist noch unangefochten. Er war ein Freund der jüdischen Bestrebungen, kommt aber mit «einen Ansichten gegenüber den orthodoxen Marxisten auf jüdischer Seite nicht mehr durch. Die alten Kommunistischen auf j idischer Seite haben die Un terstützung des Innenministers und des Leiters des militärißcheu Informationsdienstes erhalten. Dieser Gruppe gelang es, auch die Kandidatur Roman Zumbrowskys als stellvertretender Ministerpräsident zu hintertreiben. Die Gruppe erstrebt die Angleichung der jüdischen Lage Polen« an die in Russland. Die Herausgabe der jiddischen Zeitung soll auf zweimal in der Woche beschränkt werden. Die Subventionen an die jüdischen Institutionen stammten in der Hauptsache von den jüdischen Kooperativen. Nach einer neuen Verordnung der Regierung sind diese Beiträge nun dem Finanz - Ministerium abzuliefern. Zugleich wurden neue Strafbestimmungen e:r. geführt, welche unter anderem auch schärfere Strafen wegen wirtschaftlicher Vergehen vorschreiben. Die Argumente für diese Behandlung der jüdischen Minder heit weisen darauf hin, dass e.s die Juden in Polen nicht besser haben sollen als in Russland. Für Polen sei es besser, je rascher die Angleichung erfolge, erklären die extremen jiidiscaen Kommunisten. | Trauer um Ami Assaf Tel Aviv. — Ami Assaf, Beigeordneter Erziehungs- MinLster und Führer der Moschaw-Bewegung, starb an den Folgen eines Herzschlags. Am Vorabend hat te er noch auf einer Sitzung des Mapai-Ausschusses über die Erziehungsprobleme Israels gesprochen. Seine Rede, der Ben Gurion und Golda Meir zuhörten, war lebhaft und flüssig. Aber einige Stunden später wurde er in das Beilinson- Krankenhaus eingeliefert, wo er verschied. Er war 63 Jahre alt. An der Beisetzung Assafs nahmen alle Mitglieder der Regierung und bekannte Peicönlichkeiten des öffentlichen Lebens teil. (ITA) Araber protestieren Washington. — Der Geschäftsträger der irakischen Botschaft Nachdat Safwat legte formellen Protest dagen ein, dass die Gattin des USA - Vizepräsidenten Lyndon Johnson die Ehrenpräsidentschaft bei dem Ball angenommen hat. der am 9. Juni zur Feier des Unabhängigkeitstages Israel« stattfinden wird. Die irakische Botschaft hat Frau Johnsen schriftlich ersucht, ihre Teilnahme an diesem Ball, der von der Israel - Bonds-Aktion veranstaltet wird, wieder abzusagen. Mit dem Hinweis, daes „dieses Fest die Aggression und die gegen unser Volk verübten Grausamkeiten feiert“, behauptet Safwat in seinem Schreiben, dass Frau Johnsen die Einladung zu verschiedenen arabischen Veranstaltungen in Washington abgelehnt habe, und er warnt vor den Folgen, welche diese Haltung auf die „Gefühle von 100 Millionen Arabern” nach sich ziehen könnte. (ITA) Isratfs neue Kampfflugzeuge Tel Aviv. — Wie der Kommandant der Luftwaffe enthüllte, bilden die neuen Mirage 3-Flugzeuge, die erstmalig bei der Unabhängigkeits-Parade in Haifa gei zeigt wurden, eine ausserordentliche Verstärkung der israelischen Kampfgeschwader in der Luft. Diese Apparate e.’nd dazu geeignet, gegen die modernen russischen Mig 21-Flugzeuge der Aegypter eingesetzt zu werden. (ITA) Deutsche Techniker in Aegypten London. — Der westdeutsche Raketenspezialist Prof. Eugen Sänger erklärte dem „Daily Telegraph“, er und die ägyptischen Ingenieure hätten eine Rake te gebaut, welche eine Höhe von 480 Metern erreichen könne. Er behauptete, die Aegypter hätten ihn im Frühjahr 1960 nach Kairo kommen laesen, „um eine Rakete für meteorologische Zweck zu konstruieren“. Im Oktober 1961 habe die deutsche Regierung ihn und seine Kollegen, die alle früher in dem Institut für Kernforschung in Stuttgart gearbeitet hatten, zur Rückkehr nach Deutschland aufgefordert. Er sei dieser Aufforderung gefolgt, aber die Mehrzahl seiner Kollegen sei in Aegypten geblieben. Sänger gab an, dass seiner Schätzung nach noch drei hochqualifizierte deutßche Wissenschaftler und u :gefähr ein Dutzend weniger bedeutender Techniker in Aegypten arbeiten. (ITA) Registro de la Propiedad Intelectual No. 735 104 impreso en la Imprenta POLIGLOTA — Rivadavia 831