Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 24 (1963)
- Issue
- 2014 (31.5.1963)
- Date
- 1963-05-31
- Page
- [Seite 8] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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■ t ' í V- FKANQUIlO pagado Concesión 908 TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 ANO XXIV ISRAELITA;V¡ BUENOS AIRES, VIERNES 31 DE MAYO DE 1963 No. 2014 EL EJEMPLAR Ifl en toda la República ■"* PÜEYRREDON 2190 1» laq. T. E. 83 2613 Buenos Aires Interview mit Salman Shazar STRAUSS IN ISRAEL Jerusalem. — In einem Interview, das Präsident Salman Shazar der Jüdi sehen Telegraphen-Agentur (ITA) gewährte, hob er hervor, dass er es als wichtigste Aufgabe des Staatspräsidenten betrachte, die Kraft« für die innere Einigkeit und Kcnsoiidierung zu sammeln. Dies bezeichnete er als einen „historischen Imperativ“. Er nahm den Anlass wahr, um seinen zahlreichen Freunden im Ausland seinen Dank für ihre Glückwünsche auszusprechen. Shazar wie* darauf hin, dass auch »sein Vorgänger Jizehak Ben Zwi für die innere Einigkeit in Israel gej wirkt habe. Er gab der Hoffnung Ausdruck, dass sein! Bestreben von Erfolg begiei j tet sein möge. Israels drit. I ter Präsident enthüllte, dass! er anfangs Zweifel hegte, ob I er die Berufung annehmen! solle, denn: „als Mitglied j der Exekutive der Zionisti- I sehen Weltorganisation habe i ich mich im vergangenen! Jahrzehnt kulturellen und; erzieherischen Aufgaben gei widmet, die meinem Herzen! naheliegen und die ich für höchst wichtig erachte. Die se Arbeit wollte ich nicht aufgeben.“ Doch nachdem er Sicherheiten erhalten habe, dass diese Tätigkeit nicht von seinen neuen Pflichten berührt werden würde, habe es auch noch „andere Gründe“ gegeben, . die ihr zum Zögern verai*- lassten. Da w die Position Israels im Internationalen politischen Leben kenne und ihm der besondere Charakter der israelischen Gemeinschaft und die Gegebenheiten der Beziehungen Israels mit der Weltjudenheit bekannt seien, so habe er sich gefragt, ob er dies« Aufgabe bewältigen könne. Mit der ihm eigenen Offenheit fügte er hinzu: „In dem Masse, in dem wir die Kluft zwischen den einzelnen Gemeinschaften Überbrücker) können und es uns möglich sein wird, den kulturellen Zusammenschluss in Israel zu verwirklichen i und die Differenzen zwi. j sehen den Parteien wie auch : zwißchen den religiösen und \ nicht religiösen E lernen ten zu verringern und eine Verj enigung der Herzen zu ver- | wirklichen, wird es uns gej lingen, den Staat zu stärken | und sein Gepräge zu bestim-! men“. Der Präsident unterstrich, : dass seiner Ansicht nach! nicht genug getan werde, | um die Fände zwischen Israel und den Juden in anderen Ländern zu befestigen und das Bewusstsein der Verbundenheit zu vertiefen. ■Zwar „erkenne man dieses Problem in der Theorie an, doch in der Praxis bliebe noch ein weites Feld offen.“ Die vielen Jahre, die er der zionistischen Arbeit vor und nach seinem Eintritt in die Exekutive gewidmet habe, im besonderen aber der Förderung dem Werk der jüdischen Erziehung und Kultur, seien dazu angetan, ßo fuhr er fort, ihm bei seinem Wirken als Präsident unschätzbare Dienste zu leisten. Er unterstrich, dass der Frieden innerhalb Israels und ausserhalb seiner Gi'enzen weiter das Ziel dar stelle, nach dem Israel mit! dem Aufwand seiner ganzen I Kraft und Entschiedenheit streben müsse. Er bezeichnete die Freundschaft, die Israel mit vielen Nationen geschlossen habe, als einen „wertvollen Fortschritt und ein Aktivum, und es müsse das Bestreben des Landes sein, weiterhin wie vordem derartige Freundschaften mit Aufrichtigkeit und dem Ziel der gegenseitigen Hilfe zu pflegen.“ ERSTE REGIERUNGS¬ HANDLUNG SHAZARS Jerusalem. — Salman Shazar verfügte als eine seiner ersten Amtshandlungen als Präsident die Herabsetzung j der lebenslänglichen Freii heitsentziehung der beiden ■ Männer die für die Ermor. | düng von Dr. Rudolf Kästner verurteilt wurden, so- ( wie die Herabsetzung der I Strafe des jungen Entfühj rers von Jossele Schumacher. i Das gegen Zeew Eckstein | und Josef Menkes im Kastner-Prozess 1957 verhängte , Urteil wurde auf 10 Jahre \ herabgesetzt. Der im gleij chen Prozess zu einer begrenzten Gefängnisstrafe verurteilte Dan Shomer sollte am Vorabend von Schawuot in Freiheit gesetzt werden. Menkes und Ekstein können im Falle guter Füh rung im Monat November mit ihrer Freilassung rechnen. Der Onkel Jossele Schumachers, Schalom Schtarkes, der im Januar zh drei Jahren Gefängnis verurteilt wurde, erlangte ebenfalls am Vorabend des Sehäwuot- Festes seine Freiheit wieder. UTA) Noch ein Judenmoerder verhaftet Paris. — Jean Barbier einer der letzten noch in Freiheit lebenden Kriegsverbrecher, der nach der Befreiung Frankreichs zum Tode verurteilt war, wurde unter der Anklage. Juden ermordet zu haben, in Marseille dingfest gemacht. Barbier ist u. a. angeklagt, wenige Tage vor Abzug der deutschen Truppen, drei jüdische Kinder, die Geschwister Cohen, von einer Brücke in der Stadt Grenoble in den Fluss geworfen und ferner eigenhändig 12 Juden erschossen zu haben, die eich in der Umgebung dieser Stadt verborgen hielten. Obwohl er Franzose war, gehörte Barbier zur Gestapo und verschwand mit den im Rückzug befind liehen deutschen Truppen. Man wusste aber, dass er vor ca 10 Jahren nach Grenoble zurückgekehrt war und dort unter falschem Namen lebte. Die Befriedigung über seine Festnahme ist allgemein, denn in zwei Jahren wären seine Verbrechen verjährt gewesen. (ITA) sgistro de la Propiedad Intelectual No. 735 104 apreso en la Imprenta POLIGLOTA - Rivadavia 831 (Schluss von Seite 1) len, aber ich habe volles Verständnis für die Sicher heit Israels. Ich kam Ihnen nicht sagen, was ich für Israel getan habe.“ Strauss fügte hinzu, er sei ursprünglich von Israels Vizeminister für Verteidigung, Schimon *Peres, eingeladen worden, der „wie er glaube, in Vertretung des Premierministers Ben Gurion handelte“. Die Einladung wurde noch zu der Zeit ausgesprochen, als er deutscher Verteidigungsminister war. und er habe sie angenom- I men, doch die Reise verj schoben, weil er der Ansicht ■ gewesen sei. es sei politisch I nicht klug für einen amtie- 1 renden Verteidigungsmini- | ster, Israel zu besuchen. Als die Einladung nach seinem Rücktritt jedoch wiederholt wurde, habe er sich entschlossen, ihr zu folgen, „weil eine Ablehnung unhöflich gewesen wäre“. Auf die Bitte seines Interviewers, sich zu der Beschuldigung zu äussern, dass er Nazi gewesen sei, antwortete Strauss: „Ich habe niemals persönlich mit dem Dritten Reich zu tun gehabt.“ Er unterstrich, er sei ein entschiedener Gegner des Naziregimes sowohl aus kulturellen wie aus religiösen Gründen gewesen. Die Opposition gegen seine Reise r_ach Israel, so betonte er, „sei vom’ politis^fc»- Gesichtspunkt zwar verständlich. doch von einem objektiven und menschlichen Standpunkt aus ungerechtfertigt“. Strauss fügte hinzu, das die deutsche Verteidigung als Instrument der Demokratie aufgebaut worden sei. ANKUNFT OHNE ‘ ZWISCHENFALL Jerusaleiriv — Franz Josef Strauss Kam ohne Zwischenfall in Lud an. Das Flugzeug landete auf dem vom Hauptgebäude entferntesten Platz, um eventuellen Demonstrationen zu entgehen. Hunderte von Cherut - Anhängern umstanden den Flugplatz. Strauss verliess das Flugfeld durch einen Seitenausgang, nachdem er von einer Israeli sehen Militär-Delegation begrüsst worden war. Auch der Vizeminister für Verteidigung Schimon Peres und Ackei'bauminister General Mosche Dajan waren zu sei nem Empfang erschienen. Strauss, den seine Gattin begleitet, verbrachte die Nacht in einem nicht bekanntgegebenen Ort in der Nähe von Tel Aviv und sollte am kommenden Tag von Ben Gurion empfangen werden. Die Mitglieder der Cherut blieben den ganzen Sonntag mit Menachem Begin an ih rer Spitze auf dem Flugplatz von Lud. den sie erst nach Mitternacht verliessen Eine Karawane von Autos versorgt* sie mit Lebensmitteln, während man ihren Führern gestattete, im Re- ’ staurant des Flughafens zu essen. ERKLAERUNG BEN GURIONS Einer Delegatior ron Füh rern des Verbandes ehemaliger KZ-Häftlinge, die bei Ben Gurion erschienen war, um gegen den Besuch von Strauss zu protestieren, erklärte der Ministerpräsident, dass er die an Strauss ergangene Einladung nicht zurückziehen werde. Ben Gurion begründete dies mit folgenden Worten: „Es gibt nicht einen einzigen Juden, der nicht Schmerz und Trauer um die Opfer des Nazismus empfindet. Aber hier haben Sie es nicht mit Hitler und seinen Schergen zu tun. Sie urteilen über ein Volk, nicht weil seine Bürger Nazis sind — und Strauss war niemals ein Nazi — sondern weil sie deutscher Nation sind. Das jüdische Volk hat und wird sich niemals Hitlers Rassengesetze zu eigen machen, die einen Men sehen nur deshalb verwer-' fen, weil er einer bestimmten Nation angehört.“ Mit dem Hinweis, dass „die höchste Instanz Israels, die Knesset, die Anträge gegen die Einladung von Strauss abgewiesen hat“, fügte Ben Gurion hinzu, dass zwar eine Minorität der Knesset anders gestimmt habe, „aber eine Minorität muss den Entschluss der Majorität akzeptieren. Eine Minorität kann sich zu der gefassten Meinung in Opposition stellen, aber sie kann ihre Position nicht dem Staat aufzwingen. Wenn Sie nicht mit einem Deutschen zusammentref fen wollen, so ist das Ihr Recht, aber Sie haben nicht das Recht, dem Staat zu diktieren, was er tun muss, denn darum besteht bei uns ein demokratisches Regime.“ FRAGEN UND ANTWORTEN Tel Aviv. — Zu der Frage der deutschen Raketen-Speziaiisten, die in ägyptischen Diensten stehen, äusserte Franz Joseph Strauss bei seiner Ankunft im Flughafen Lud, er habe „alles, was ihm nur möglich war, getan, um,dieser Tätigkeit einen Riegel vorzuschieben, doch die gesetzliche Handhabe hätte ihm hierzu gefehlt“. Er fügte hinzu: „Gegenwärtig bereitet die deutsche Regierung einer Gesetzentwurf vor, der es ihr gestatten wird, solche Arbeiten zu unterbinden.“ Der Exminister betonte, weder er persönlich noch der jetzige Verteidigungsminister der Bundesrepublik hätten jemals Beziehungen mit den betreffenden Wissenschaftlern unterhalten. Strauss gab seinem Bedauern Ausdruck, dass sein Besuch in Israel Anlass zu Meinungsverschiedenheiten gegeben habe. Er versicherte, er habe schon seit langem den Wunsch gehabt, dieses Land zu besuchen, und nur seine Funktionen hätten ihm dies bisher unmöglich gemacht. Auf Fragen der Journalisten entgegnete Strauss, er sei schon seit 1952 für die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen der Deutschen Bundesrepublik und Israel eingetreten, doch ander« deutsche Minister würden seine Auffas»sung nicht teilen. j OFFIZIELLE | EMPFAENGE j Jerusalem. — Aussenminii ster Golda Meir empfing den , früheren deutschen Verteidij gungsminister Franz Joseph Gebete für den Papst In allen Synagogen wurden insbesondere während der Schawuot-Feiertage Gebete für die Gesundheit des Papstes Johannes XXIII. gesprochen. Der Rabbinerrat in New York hatte aus diesem Anlass folgender. Aufruf erlassen: „Indiesen entscheidenden Tagen für die ganze Menschheit haben die Friedensliebe des Papstes, sein hoher Mut und seine innige Menschlichkeit den Weg gewiesen, um das Ziel eines besseren Verständnisses zwischen den Angehörigen aller Glaubensgemeinschaften zu verwirklichen. Durch sein Wort, sein Beispiel und sein persönliches Leben hat Papst Johannes XXIII. allen Menschen guten Willens Ansporn und Mut verliehen und die Hoffnung auf Frieden in der Welt neu belebt. Lasst uns zun* Allmächtigen beten, damit ihm dieser noch vigle Jahre schenke, in denen er als guter Hirte seiner Kirche wirken und mti der Grösse und dem Adel seines Geistes die ganze Menschheit bereichern und ihr zum Segen gereichen kann.“ (ITA) Wo ist Mengfit? Darmstadt. — Immer wieder tauchen Gerüchte über den Aufenthaltsort von Dr. Joseph Mengele, einem der grausamsten Naziverbrecher, KZ-Arzt von Auschwitz, auf. Der Generalstaatsanwalt von Hessen, Dr. Fritz Bauer, erklärte vor kurzem, es unterliege keinem Zweifel, dass der ehemalige Arzt von Auschwitz lebe. Es vergehe keine Woche ohne entsprechende Hinweise. Unter Zuhilfenahme gefälschter Dokumente und unter mehrfachem Namens- Minister auf dem Kamel von BEN FRANKENSTEIN Vor einigen Wochen war der deutsche Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit, Herr Walter Scheel, zu Besuch in Aegyp ten. Er liess sich — auf einem Kamel reitend — an den Pyramiden fotografieren. Scheel wurde natürlich auch vdn Nassdr empfangen, Mit ihm erörterte er die Fragen der technischen Zusammenarbeit. Welche Fragen der technischen Zusammenarbeit wurde nicht weiter erwähnt. Bereits bei seiner Rückkehr teilte der Minister auf dem Flughafen den .neugierigen Reportern seine äusserste Zufriedenheit mit den Ergebnissen der Reisje mit. Man ¡Erfuhr lm übrigen manche Neuigkeiten. Die Bundesrepublik werde in Heluan ein Polytechnikum errichten. Die erforderlichen Bauten seien bereits fertiggestellt worden. Dort Strauss. Später War Strauss Gast des Finankministers; Levi Eshkol, dir ihn zum j Essen eingeladeu h|»tte. Die Ankunft des deutschen Ex | minislers in Jerusalem wur-! de geheim gehalten. Journa- | listen und Pressefotografen j erfuhren von seiner Ankunft erst nach seiner halbstündigen Unterredung mit Frau Meir. Strauss kam mit ei. nem Helikopter in Begleitung des Vizeministers für Verteidigung Shimon Peres i nach Jerusalem.;j Ministerpräsident Ben Gui rion empfing Strauss in seinem Büro in Tel Aviv. Am Vorabend hatten Strauss j und seine Gattin mit Vize i Verteidigungsminister Peres I zu Abend gegessen. 1 sollen etwa 3.000 Studenten unterrichtet werden... Dagegen sollen ägyptische Industrie-Studenten nicht in stärkerer Anzahl als bisher in der Bundesrepublik ausgebildet werden. Es sei besser, sie würden ihre Ausbildung in Aegypten erhalten. Aus welchen Gründen man plötzlich zu dieser Ueberzeugung gelangte, wurde ebenfalls nicht gesagt. Wahrscheinlich gibt es in der Bundesrepublik noch zu viele andere Personen, die sich dafür interessieren, welche Art von Ausbildung ägyptische Industrie Studenten in Deutschland erhalten. Die Tätigkeit der in Ae-' gypten lebenden deutschen Wissenschaftler und Rüstungstechniker sei dagegen nicht besprochen worden, wie Scheel auf Rückfrage mitteilte. Man fragt: Warum nicht? — Die Tatsache des Schweigens ist auffallend genug. Scheel ist doch wohl der hierfür „zuständige“ Minister. Er hat eine gute Gelegenheit verpas*st, um einen solchen Punkt zu erörtern. Tat er es nicht, so' doch nur deswegen, weil er — und seine Regierung — befürchten, die grossen Sympathien Nassers und gleichgesinnter Kreise zu verlieren. Scheel meinte übrigens auch, er habe sich von den Erfolgen der „technischen Entwicklungshilfe und Zusammenarbeit“ überzeugen können, ... nur von der Tätigkeit der deutschen Wissenschaftler und Rüstungstechniker hat er nichts gewusst. Wie lange will man dieses widersprunchsvolle rnd gefährliche Spiel in Bonn noch treiben? Wechsel ist es Mengele jedoch bis heute gelungen, den Verfolgungsbehörden zu entschlüpfen. Viele Anzeichen deuten darauf hin, idass Dr. Mengele in Südamer!ka lebt. Es wurde festgestellt, dass sich Mengel« eine Zeit hindurch in Ar. gentinien verborgen hielt, wobei er sich des Namens „Gregori“ bediente. Er soll die spanische Sprache vorzüglich beherrschen. Mengele ist heute 52 Jahre alt; bis zum heutigen Tage wird die Landmaschinen, fabrik in Günzburg in der Bundesrepublik von .seinen Söhnen unter der Firma Mengele weitergeführt.