Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 24 (1963)
- Issue
- 2014 (31.5.1963)
- Date
- 1963-05-31
- Page
- [Seite 1] (sequence 1)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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PUEYRREDON 2190 — 1’ fea- JûxJfe*nxÀKa2&\sCï£iUa I E. 832613 ANO XXIV BUENOS AIRES, VIERNES 31 DE MAYO DE 1983 No. 2914 Deutscher Exminister in Israel Jerusal-em. — Westdeutschland leistet einen wichtigen Beitrag zur Verteidigung Israels, erklärte Schimon Peres, der israelische Vize minister für Verteidigung, so dass seine Bedeutung für Israel von „lebenswichtigem Interesse“ und nicht kleiner als die Frankreichs ist. Er nannte die engen Ban de mit Bonn die grösste Errungenschaft auf dem Ge biet der Sicherheit Israels seit dem Sinaifeldzug im Jahre 1956. Diese Aeusserungen machte Peres auf einer Veranstaltung der Mapai. Die Enthüllungen des Vizeministers für Verteidigung bilden die bisher erschöpfenste Auskunft über die auf dem Gebiet der Verteidigung zwischen Israel und Deutschland hergestellten Beziehungen, obwohl auch schon in der Vergangenheit auf diesem Punkt angespielt worden ist. Die Rede des Ministers verfolgte den Zweck, die von seinem Ministerium an den ehemaligen westdeutschen Verteidigungsminister Franz Josef Strauss ergangene Einla. düng zum Besuch Israels zu rechtfertigen. Die Parteien der linken und rechten Opposition protestieren gegen jede Beziehung zu Deutschland und werfen Strauss vor, viele Offiziere der Naziarmee in das neue Bundesj heer aufgenommen zu ha- \ ben. Diese Parteien haben : Massendemonstrationen gegen den Besuch von Strauss angekündigt. Peres führte aus: „Strauss hat als Verteidigungsminister der Bundesrepublik Deutschland der Sicherheit Israel« den wertvollsten Dienst geleistet .. Obwohl viele Aspekte der Sicherheitslage heute nicht öffentlich behandelt werden können, so wird eines Tages die Wahrheit bekannt werden.“ Inzwischen nahmen die polizeilichen Massnahmen ihren Fortgang, um Strauss bei seiner Ankunft in Ludd den grösstmöglichen Schutz zu gewährleisten. Wie eine jerusalemer Zeitung schrieb, ist geplant, Strauss mit einem Hubschrauber vom Flughafen nach einem geheimen Ort zu bringen, wo er wohnen soll. Wie verlautete, wurden Lastwagen mit Wasser und Schläuchen auf dem Flugfeld aufgestellt, um im Falle von Unruhen eingesetzt zu werden. Die Regierung blieb den Protesten der Auslandskorrespon denten gegenüber taub, die sich beschwerten, dass Journalisten und Pressefotografen der Ankunft des Flugzeuges, in dem Strauss reist, nicht beiwohnen dürfen. Wie es hiess, befürchtete man, dass Aufnahmen vom Eintreffen des deutschen Besuchers, die später in den Wochenschauen der Kinos ge zeigt würden, zu Tumulten führen könnten. THERUT UND KOMMUNISTEN Tel Aviv. — Die Stunde der Ankunft des früheren Verteidigungsministers der deutschen Bundesrepublik Franz Josef Strauss wurde streng geheim gehalten. Auf der Strasse, die von Lud nach Tel Aviv führt, standen Mitglieder der Cherut Posten. um gegen den Besuch zu protestieren. Polizeiauf geböte waren bereit, um gegebenenfalls zu interve. I nieren. Lastwagen, auf de- I nen sich Anhänger dieser ■ Partei drängten, nahmen den Weg zum Flughafen. An ihrer Spitze fuhr ein Auto, in dem Menachem Begin und andere Abgeordnete der Cherut sassen. An den Lastwagen waren Schriftbänder angebracht, auf denen „Strauss — raus“ zu lesen stand. Allerdings haben die Führer der Cherut Versicherungen abgegeben, dass ihre Demonstrationen „friedlich“ sein werden. Am Vorabend hatte die Mapam ein Meeting veranstaltet, bei dem es zu einigen kleineren Zwischenfällen zwischen der Polizei und jugendlichen Parteimitgliedern kam. Die Polizisten zerstreuten einen Demonstrationszug, der sich nach Beendigung der Veranstaltung bildete. Einige junge Leute schrien den Polizisten „Gestapo! Nazis!“ zu. Zu der Mapam - Versammlung waren ca. 1.500 Einwohner von Kibbuzim erschienen. Vorher fand eine Demon stration der Kommunisten statt, die durch die Strassen Tel Avivs -um Strand zogen, wo mehrere kommuni stische Deputierte Ansprachen hielten. Sowohl aüf der Versammlung der Mapam wie auf der der Kommuni sten wurden Rufe gegen Strauss, sowie gegen Ben Gurion und Peres, ausgestossen. Wie zu erfahren war, werden keine Vertreter des Au. ssenministeriums dem Empfangscomite für Strauss angehören, da dieses Ministerium nicht über die an Strauss ergangene Einladung befragt worden ist. INTERVIEW MIT STRAUSS Hamburg. — Deutschlands früherer Verteidigungsmini ster Franz Josef Strauss deutete bei einem jetzt veröffentlichten Interview an, dass er seine Reise nach Israel im Zusammenhang mit der Sicherheit dieses Landes zu unternehmen beabsichtige. Von der „Welt am Sonntag“ über den Zweck dieser Reise befragt, ent gegnete er: ..Ich möchte keine Einzelheiten enthül- (Schluss auf Seite 8) WIE ICH ES SEHE Alle Menschen sind gleich i. Die Neger Alle Menschen sind gleich. Washington hat Amerika befreit, Lincoln die Neger und Roosevelt alle Völker in ei nem kritischen Augenblick der Weltgeschichte. Aber Freiheit und Gleichheit nach dem Gesetz genügen nicht, um auch im Leben frei und der Mehrheit gleichberechtigt zu sein. Das können wir sogar aus eigenem Erleben bestätigen. Rechte stehen mitunter nur auf dem Papier, und Verträge sind nur einen .Fetzen Papier* wert, wenn der oder die Machthaber es so wollen. Verspre chungen und Schwüre werden vergessen, und über das, was gestern feierlich als heilig betrachtet wurde, lacht morgen ein Diktator, und die Massen fallen grausig in den Chor ein. In New York lebte vor etwa 50 Jahren Vater Divine, er war der Prophet einer Friedens - Bewegung, ein Schwarzer, dessen Namen eigentlich George Baker war. Er verkündete eine neue Dreifaltigkeitslehre: Keine Rasse, kein Geld, kein Geschlecht. Massen strömten nach einem kleinen Ort in Long Island, wo er sich niedergelassen hatte, nicht nur Neger, auch viele Weisse. Die weissen Antisemitismus in Kanada Toronto. — Seit über drei Wochen schon ereignen sich in Kanada anti semitische Kundgebungen. Das jüdische Borochow-Heim und ein jüdisches Geschäft wurden angegriffen und mit Hakenkreuzen beschmiert. In dem jüdischen Gemeindehaus befinden sich eine hebräische Schule, ein Kindergarten und verschiedene zionistische Klubs. Der Polizeichef James .Mackey versicherte einer Delegation, die im Namen des Kanadischen Jüdischen Kongresses und der Bne Brit bei ihm vot sprach, dass die Polizei eine energische Fahndung nach den Attentätern eingeleitet hat. (ITA) Zeitungen nannten ihn einen Mystiker. Es gab Proteste, weil die weissen Nachbarn sieh über den Zuzug von Schwarzen beschwerten. Vater Divine hatte nichts getan, wurde aber wegen Erregung öffentlichen Aergernisses angeklagt und musste für ein Jahr ins Gefäng- , nis. Ueber seinen Richter! sagte er anlässlich seiner j Verurteilung: „Habt Mitleid! mit diesem Richter, er kann nicht mehr lange leben, j denn er hat Gott beleidigt“. Tatsächlich starb der Riehj tev innerhalb eines Monats an einem Herzleiden. i Wir wissen nicht, ob der schwarze Prophet seine Vor- ' aussage wörtlich gemeint : i hatte. Sollte er damit zum | Ausdruck gebracht haben,I j dass Richter, die so urtei i len, weil der Rassenhass j j dies will, nicht mehr lange | ihre traurige Arbeit leisten | werden, hätte er geirrt. Jedenfalls wurde George Baker nach einem Jahr im Triumphzug von seinen Anhängern aus dem Gefängnis geholt. Er sprach den über all benachteiligten Negern Trost und Hoffnung zu. Seine Bewegung wuchs an. Als die wirtschaftlichen Bedingungen 1935 besser geworden waren, wurde sein Ein fluss wieder kleiner. Wer ständig in bekämpfter Lage lebt, dessen seelischer Zustand wird empfindlicher. Anhaltende Bedrohung schafft Depressionen. Wenn man eines Menschen oder einer Rasse Minderwertigkeit ständig behauptet, besteht die Gefrhr. die Ver folgten glauben selbst allmählich hieran. Das sind bekannte psychologische Phänomene. Aussenstehende Beobachter verstehen das nicht oder schwer. Es wird berichtet, dass die Masse der Neger in Nordamerika den grössten Trost in ihrer seelischen Depression und Hoffnungslosig keit durch einen sichtbaren Erfolg eines ihrer Rassenangehörigen empfing, als der Boxer Joe Louis 1935 den Weltmeister Primo Carnera besiegte. Hinzu kam ein weiteres Moment. Primo Carnera war Italiener, und Mussolini hatte damals gerade Aethiopien überfal len. Für die Neger wurde der Sieg Louis' ü'ber Carnei nen Unterdrückte ist es die | Hoffnung. Die Unversöhnj lichkeit, mit der Weisse ge J gen Neger kämpfen und ih- | nen die gleichen Rechte ver- ___ ____! sagen wollen, ist ein Sturmoen JEHUDA GOTTHEIMER »»chen, das man nicht übersehen oder überhören kann. Erwartungen und Illusionen1 Dr. W.: _ In den letzten Wochen wurde viel über das Schlussgesetz zum Bundesentschädigungsgeset-z gesprochen und noch mehr geschrieben. Allerdings fehlen offizielle Verlautbarungen hierüber. Wären sie publiziert worden, wären vielleicht diese Bemerkungen überflüssig. Das breite Publikum, das Ergänzungen, Verbesserungen, Erweiterungen und Erhöhungen durch das Schlussgeset* erwartet, ist unkritisch. Die meisten können nicht zwi*. sehen dem, was vorgeschlagen und programmiert ist, und dem, was noch völlig in der Luft schwebt, unterscheiden. Da jeder, der noch glaubt, Ansprüche zu haben, darauf wartet, dass diese Ansprüche auch erfüllt werden, werden d>e Ankündigungen über die erhofften Und erwarteten Verbesserungen bereits für bare Münz© genommen. Da mitunter aus propagandistischen od-er sonstigen Gründen bereits von einigen angeblichen Experten Versprechungen gemacht werden, kommt es zu der bedauerlichen Konfusion, die vielerorts herrscht. Man macht sich Illusionen. Desto grösser wird die Enttäuschung sein. Das einzige, was bisher feststeht, ist nur die Tatsa. che, dass nichts feststeht. Es sind sehr viele und sogar j ausgezeichnete Memoranden überreicht worden, di® (. , 'ohlwollend* überprüft werden, um einige Härten zu beseitigen, bisher ausgeschlossene Ansprüche zuzul-assen, I wie z. B. die derjenigen Verfolgten, die erst nach dem 1. Oktober 1953 aus Ländern hinter dem Eisernen Vorhang ausgewanöert sind. Vor dem Schlussgesetz zum Bundesentschädigungsgesetz soll ein ergänzendes Geset« zur Rückerstattung ergehen; aber nach dem augenblicklichen Stand sollen diese Ansprüche nur in einer begrenz, ten Höhe befriedigt werden. Der Kampf um das oder die Schlussgesetze ist keineswegs beendet. Die Verhandlungen werden nicht erleichtert, wenn Informationen lanziert werden, die nur Varwirrung schaffen. Aus diesem Grunde wäre es zweckmässig, keine Dispositionen zu treffen, die übereilt sind. Nach dem augenblicklichen Stand der Vorbereitungen kann es möglich sein, dass das Sehlussgesetz zur Rückerstattung schon in einigen Monaten erlassen und in Kraft gesetzt wird, während mit dem wichtigen Schlussgesetz für Entschädigung voraussichtlich nicht vor dem Anfang des kommenden Jahres (vielleicht im März) gerechnet werden kann. — t ra ein Symbol für die Zukunft. Die Reaktion mag primitiv sein. Als Max Baer den Weltmeister Max Schmeling besiegte, gab dieses einfache Schauspiel tausenden Juden im Hitler-Deutschland ein neues Gefühl der Sicherheit und des Stolzes zurück. Die Situationen der Verfolgten sind ähnlich, deshalb wird es nicht verwun dern, dass auch ihre Reaktionen mitunter auf der gleichen Ebene liegen. II. Ungelöste Probleme Die Lage der Neger im freien Amerika ist ungeklärt. Hier begegnen wir jedoch nicht dem einzigen ungelösten Rassen - Problem. Wer heute gegen Neger hetzt, kann morgen gegen andere das selbe traurige Spiel treiben. Die ständigen Neger Unruhen und Ausschreitungen gegen die Neger, vor allem im Süden der USA, müssen bedenklich stimmen. Die Zentralregierung versucht diese Hassausbrüche zu bezwingen, was aber niemals vollständig gelungen ist. Nordamerika ist heute der Führer der freien Welt. Für Millio, Ein Nordamerikaner mit schwarzer Hautfarbe wurde von der Regierung vor kurzem im Rahmen einer technischen Hilfe und als Mitglied der nordamerikanischen Delegation in eine südamerikanische Grosstadt geschickt. Er musste einen Zahnarzt aufsuchen, der ihn für den nächsten Tag nochmals in seine Sprechstunde bestellt. Der Neger, immerhin ein Mensch, der für würdig befunden wurde, um an einer wichtigen Mission seines Landes in einem anderen Staat mitzuwirken, fragte den Zahnarzt: Ich soll zu der Zeit kommen, wo auch die Weisseii bei Ihnen bestellt sind? — Die Tragödie der amerikanischen Neger kann nicht stärker als in dieser kleinen Episode des Alltags hervor treten. Alle Menschen sind gleich und im Ebenbilde Gottes geschaffen. Wie weit ist der Weg, um aus diesen Fordeartige Vorkommnisse verrungen eine Wirklichkeit des Lebens werden zu lassen! iir. Afrikanische Föderation In diesen Tagen, wo derzeichnet werden müssen. , wurde die Föderation der! afrikanischen Staaten gebil- : det. Sicherlich besitzt diei ser neue „Block“ heute nur; eine unbedeutende politische I Kraft. Aber die Föderation vertritt — wenn auch zu-! nächst nur theoretisch — 20® | Millionen Menschen. Ihre Gemeinsamkeiten beruhe« im wesentlichen auf zwei Faktoren: sie leben auf dem gleichen Kontinent, und sie fühlen sich durch ihre Ras-* se oder Hautfarbe verbuu. den. Weitergebende Gemein, samkeiten können noch kleinem gleichen oder ähnlt* liehen Schicksal als kolonia* le Völker betrachtet werden.. Aber die offiziellen Sprachen dieser Föderation sind Englisch und Französisch, j Vor fünfzig Jahren hättejeder Politiker geläehelt, wenn man ihm vorausgesagfe haben würde, dass die afrikanischen Völker anno 1963 eine afrikanische Föderation schaffen könnten. Vor we niger als 20 Jahren waren die meisten von ihnen euro^ päisch« Kolonien. Heute sind sie souveräne Staaten mit Sitz in den UN. Die Ent. wieklung schreitet schnell voran. Was morgen sein kann, wird niemand mit Sicherheit verkünden wolle«». Dass aber diese Föderation i in irgendeiner Form auf die* Behandlung von Negern in anderen Ländern Einfluss nehmen könnte, kt nicht ausgeschlossen, es ist sogar wahrscheinlich. Der Appell (Schluss auf Seite 2) Uniformierte Nazis auf den Strassen von Neto York