Jüdische Wochenschau
- Journal
- Jüdische Wochenschau
- Volume
- 24 (1963)
- Issue
- 2012 (17.5.1963)
- Date
- 1963-05-17
- Page
- [Seite 8] (sequence 8)
- Language
- German, Spanish
- Belongs to
- journal issue
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©ÛÛ e S «. c « (5 « V k < <J FRANQUEO PAGADO ConcesiÓD 908 TARIFA REDUCIDA Concesión 1629 ANO XXIV ISRAELITA BUENOS AIRES, VIERNES 17 DE MAYO DE 1963 No. 2012 EL EJEMPLAR 10en toda la República PUEYRREDON 2190 1? iZQ. T. E. 83 2613 Buenos Aires I Einwanderung und Absorption Jerusalem. — Die Knesset nahm nach einer äusserst stürmischen Sitzung eine Resolution an, in der die Regierung aufgefordert wird, die Defensivkraft ihrer Truppen zu stärken und die Sicherheit der Grenzkolo, nien des Landes zu erhöhen. Die Resolution gelangte zur Annahme, nachdem Ben Guricu am Schluss der ausgedehnten Debatte über die Aussenpolitik der Regierung zusätzliche Aufklärungen erteilt hatte. Die Knesset hatte sich seit der vorigen Woche mit diesen Fragen beschäftig!;, um zu der Erklärung des USA-Präsidenten Kennedy über die Situation im Mittleren Osten Stellung zu beziehen. Ben Gurion führte ai’ts, er teile natürlich den Wunsch Kennedys, den Rüstungswettlauf im Mittelosten aufzuhalten, doch solange die Vereinigten Staaten und Sowjetrussland sich nicht über eine gemeinsame Aktion in diesem Raum eini gen könnten und solange die USA den Zufluss sowjetischer Waffen nach Aegypten und den anderen arabischen Ländern nicht hemmen könnten, würde eine Dämmung des Wettrüstens nur bedeuten, dass Israel Waffen verweigert werden. Er betonte, er vertraue darauf, dass die USA verstehen müssten, dass Israel unter den gegebenen Umständen keine andere Wahl bliebe, als das Verteidigungspotential seiner Streitkräfte auszubuuen. Der Schluss der Debatte mit der Rede des Minister Präsidenten konnte erst nach einer dreiviertelstündigen Unterbrechung der Sitzung stattfinden, weil ein Tumult ausbrach, als Ben Gurion sich scharf gegen die Cherut wandte. Er hatte erst zwei Minuten gesprochen und damit begonnen, auf die Kritiken zu antworten, die Chaime Landau von der Cherut geäussert hatte. Nach seinen Worten: „Ich gestehe, dass ich die Auffassungen des Herrn Landau und seiner Parteigenossen über Deutschland nicht teile“, erhob eich der Sturm. Ben Gurion bezog sich auf die Beschuldigung der Che rut, dass die Regierung nicht direkt gegen die Beschäftigung deutscher Wissenschaftler durch Aegypten für die Entwicklung von An- I griffswaffen auftreten wür- I de. j Menachem Begin, der Par. j teiführer der Cherut, antj wortete erregt und Kn esset-! Präsident Kadisch Lus ver- 1 suchte, die Ordnung herzu-1 stellen. Doch alle schrien! durcheinander. Während Zu I rufe zu hören waren, Ben | Gurion solle fortfahren, ver-1 hinderten die Abgeordneten der Cherut dies durch ihr fortgesetztes Geschrei. Der Tumult dauerte 8 Minuten, 1 bis Lus endlich die Sitzung unterbrach. Während der dreistündigen Pause wurden von allen Seiten Bemühungen unternommen, Ben Gurion dazu zu bewegen, seine Anschul digungen gegen die Cherut zurückzunehmen. Der Ministerpräeident weiger*? sich zuerst, dies zu tun, erklärte sich aber schliesslich damit einverstanden, und als die Debatte ihren Fortgang nahm, erhob er sich und sagte, er „ziehe seine Beschuldigungen zurück“. GARANTIEN GEFORDERT Vereinte Nationen. — Das dringendste Bedürfnis Israels in der jetzigen gjspann ten Situation im Mittelosten erfordert ausser der Sicherung seiner Grenzen durch eigene Kraft eine Garantie seiner Unabhängigkeit und territorialen Unverletzlichkeit. Diese Ansicht vertrat Michael Comay, der Chef der israelischen Delegation vor de. UN, dem zu Ehren der Verband der bei den UN akkreditierten Korrespondenten ein Bankett veranstaltete. Comay entgegegnete auf eine Frage nach dem vordringlichsten Bedürfnis Israels auf dem Gebiet der Sicherheit, zwar ohne die USA zu nennen, doch mit dem klaren Hinweis auf dieses Land, dass „das, was wir brauchen, eine Garantie un serer Unabhängigkeit und territorialen Unverletzlichkeit ist, die, wenn auch nicht von allen, so doch zumindest von einer Macht erteilt werdeu müsste.“ Gleichzeitig verwieg Co may darauf, dass die von den USA, Grosstoritannien und Frankreich in der Dreierklärung vom Jahre 1950 gegebenen Versicherungen ohne Wert seien. Ebensowenig, so sagte er, messe er dem Vorschlag des Senators Hubert Humphrey, des Führer der Demokraten im Se nat, der für ein Waffenembargo im Mitteloeten eingetreten ist, irgendeinen Wert bei. Comay erinnerte daran, dass die von den drei Grossmächten vor 13 Jahren abgegebene Erklärung einen doppelten Zweck verfolgte, nämlich erstens die Waffenlieferung nach dem Mittelosten aufzuhalten und zweitens die arabisch - israeli sehen Grenzen zu garantieren. Die jetzige Bestätigung käme nur einer „hypothetischen Masenahme“ gleich, denn die hauptsächlichsten Waffenlieferanten nach den arabischen Staaten seien die Länder de* sowjetischen Blocks, der kein Partner bei dieser Erklärung gewesen ist. Im Jahre 1950 habe die Sowjetunion noch nicht Waf fen an die Araber geschickt. Was die in der besagten Erklärung enthaltene territoriale Garantie angehe, so sei diese „eine einseitige Sache“ vonseiten der drei Westmächte, die für nie mand-en scust bindend wäre. Er gab seinem Zweifel Ausdruck, dass die jetzige Bestätigung der damaligen i Erklärung irgendeine Aen- | derung bewirken könne. Auf die Frage, welchen Einfluss eine Garantie der israelischen Sicherheit und Grenzen durch die Vereinigten Staaten bieten könne, entgegn ete Comay: „Es würde mich sehr überraschen, wenn Washington überhaupt eine solche Garantie erwägen dürfte. Aber wenn Israels Sicherheit gewährleistet würde, so müsste sich niemand, der nicht die Absicht hat, Israel anzugreifen, Sorgen machen. Die Der Staat Israel unterscheidet sich seiner Struktur, seinem Wesen und seiner Zielsetzung von den meisten anderen Staaten, u:d daher sind auch die Einwanderer, die in das Land strömen, nicht Immigranten im allgemeinen Sinne dieses Wortes. Einmal dürfen wir nicht vergessen, dass im Laufe der modernen Geschichte fast stets nur die Lämer der Neuen Welt das Ziel von Immigranten waren. Bis vor rund vierzig Jahren war diese Einwanderung bis zu einem gewissen Grad uneingeschränkt und unterlag keiner Auslese. Seither haben diese Länder jedoch die verschiedensten, zum Teil radikalen Schranken errichtet, die durch ihre ökonomischen, ethnischen, politischen und kulturellen Bedürfnisse bestimmt wurden, und die den grossen Waoderungswellen ein Ende setzten. Anders ist die Lage in Israel. Als der Staat vor 15 Jahren gegründet wurde, öffnete Israel einem jeden Juden seine Tore. Es ist somit in Wirklichkeit das einzige Land in der alten Welt, das die Einwanderung gestattet. Diese bildet eine der fundamentalen Grundlagen des jungen Staates und eines der sichersten Elemente seiner Existenz. Bestimmend für das Ausmass der Einwanderung in Israel, ihren Umfang und ihren Rhythmus sind jedoch nicht die mit dem Eintritt ins Land verbundenen Schwierigkeiten. sondern hauptsächlich die Hindernisse, die die Ausreise aus gewissen Ländern erschweren, aus denen die grössten Emwanderungswellen stammen. In den Annalen der Völkerwanderung, ein historischer und sozialer Vorgang seit den Anfängen der Geschichte, ist die Einwande rung :'n Israel eine einzigartige Erscheinung, denn hier handelt es sich nicht um eine einfache Wanderung »bewegung sondern um die Re patriierung eines ganzen Volkes auf der Erde seiner Vorfahren, von dem nur ein geringer Teil vor der Gründung des Staates einen Weg in das Land gefunden hatte. Es ist kein Geheimnis, dass gewisse Länder die Auswanderung nach Israel verbieten, während andere sie zeitweise erlauben und dann wieder untersagen, wobei Umfang und Dauer die ser Massnahmen variieren. Hieraus erwachsen Schwierigkeiten für Israel, da es auf diese Weise unmöglich ist, die Aufnahme der Einwanderer sorgfältig zu planen und die verschiederen ökonomischen Prozesse in Einklang mit den Bedürfnis sen des Landes und denen der zahlreichen ankommenden Einwanderer vorauszubestimmen. Garantie könnte sich gleicherweise auf unsere Nachbarn erstrecken. Wenn unsere Nachbarn sich gegen einen Angriff vonseiten Israels gesichert sehen wollten, würde uns dies nur angenehm sein, denn wir hegen keine Angriffsabsichten. (ITA) von BARUCH DUVDEVANI Israel und die Zionistir eines Programms für die sehe Weltbewegung, die die Verantwortung für die Einwanderung in Israel trägt, dürfen stolz darauf sein, dass die Zahl der Einwanderer, die seit der Gründung des Staates bis zum 15. Jahr seines Bestehens, eine Million hunderttausend Seelen beträgt. Das 15. Jahr der Existenz des Staates ist gleichzeitig das zweite Jahr einer Masseneinwanderu.ig, und alle Anzeichen deuten darauf hin, dass auch das kommende Jahr eine zahlreiche Einwanderung bringen dürfte. Die Durchführung dieses Vorhabens sowie der Transport von zehntausenden Juden aus den Ländern der Unterdrückung erfordern immer von neuem Mut, Mü hen politischer und organisatorischer Natur und eine unermüdliche Arbeit der Personen, die sich diesem Werk mit Hingabe widmen und oft bei der Verwirklichung des grossen historischen Traumes ihr eigenes Leben aufs Spiel setzen. "Wie schon gesagt, ist die Unmöglichkeit einer Planung der Einwanderung der Grund zu unzähligen Schwierigkeiten, doch trotzdem nimmt die Einwanderung in grossem Masstab ihren Fortgang. Unter den zehntausenden Einwanderern dieses Jahres gab es nicht einen einzigen, der nicht mit seiner Familie zur Zeit eingetroffen wäre oder der nicht am ersten Tage seiner Ankunft in Israel ein Dach über dem Kopf gehabt hätte. Dies wurde dank der unerschrockenen Bemühungen des Staates Israel, sei» er Bürger, der zionistischen Bewegung und mit der Hilfe des jüdischen Volkes in der ganzen Welt möglich gemacht. Im 15. Jahr des Bestandes Israels eröffnete sich eine neue und wichtige Etappe der Einwanderung mit der erheblichen Steigerung der Zahl von Immigranten aus dem Westen und, in erster Linie, aus Lateinamerika. In diesem Jahr kamen jeden Monat hunderte Juden aus südamerikanischen Ländern, Angehörige ader Schichten der betreffenden Judenheiten, so aus der Mittelklasse, Fabrikanten und, was besonders hervorgehoben zu werden verdient, Akademiker, die in diesen Ländern geboren wurden. Gerade diese Menschen die keine Verfolgungen oder Unterschiede aus rassischen Gründen kennengelernt hatten, erlitten eine geistige Erschütterung, als sie Zeugen antisemitischer Ausschreitungen im letz'en Jahr auf diesem Kontinent wurden, und begannen, nach Israel auszuwandern, weil sie stolz darauf waren, Jaden zu sein. Natürlich bedeutet diese Einwanderung eine schwere Belastung für den Staat Israel und die Zionistische Organisation, was ihre Absorption, Unterbringung in Wohnungen und Arbeitsbeschaffung angeht. Seit einiger Zeit ist eine besondere, von der Regierung und der Jew ish Agency ernannte Kommission mit der Aufstellung wirtschaftliche Eingliederung dieser ständig zunehmenden Einwanderung beschäftigt. Die Kommission billigte einen Plan, mit dessen Durchführung schon begonnen worden ist, der den Bau von 2.500 Wohnungen vorsieht; ebenso wurden mehrere hundert Arbeitsplätze auf allen Wirtschaftsgebieten im ganzen Lande für diese Menschen bereitgestellt. Auch aus anderen Ländern der freien Welt wa; in diesem 15. Jahr eine Zunahme der Einwanderung zu verzeichnen. Ausser ganzen Familien treffen auch zahl reiche Jugendliche beiderlei Geschlechts einzeln oder in Gruppen ein, um in;ien verschiedenen Schulen des Landes, in Jeschiwot oder an den Universitäten ihre Studien fortzusetzen. Ferner hat die Einwanderung von religiösen Gruppen aus freien Ländern zugenommen, und in diesem Jahr wurden mehrere religiöse Siedlungen ausser den schon bestehenden gegründet. In jeren Ländern macht sich auch ein erhöhtes Interesse an der Einwanderung in verschiedenen Kreisen bemerkbar, die bisher nicht einmal daran dachten, in Israel einzuwandern. Diese Wandlungen in Proportion und Charakter der Einwanderung zogen natür lieh Aenderungen in den einzelnen Formen der Eingliederung in Israel nach sich. Bisher, solange die Menrzahl der Einwanderer aus Ländern hinter dem Eisernen Vorhang stammte, waren die Proportionen der Einwanderung bestimmend für die Gestaltung der Absorption. Heute aber kjmmen die Einwanderer aus westlichen Ländern und hiermit gestaltet sich Jas Resultat der Absorption ent scheidend für die Proportionen der Einwanderung. Kurz, die Einwanderung aus westlichen Ländern erfordert eine sorgfältige Ptanung der Absorption in Uebereinstimmung mit den verschiedenen Berufen, dem Alter und den finanziellen Mitteln, etc., während die Einwanderung aus den Ländern der Unterdrückung von Israel verlangt, ständig bereit zu sein, eine erhebliche Zahl von Juden ohne vorherige Ankündigung »hres Ein treffens aufzunehmen, ihnen Wohnungen zu geben, sie über das ganze Land angemessen zu verteilen, damit sie Arbeit, Erziehung, ärztliche Fürsorge und. leider in vielen Fällen, soziale Unterstützung erhalten. Um zu verstehen, welcher Anstrengungen es hierzu bedarf, mögen einige kurze Angaben folgen: Im vergangenen Jahr wurden den Neueinwanderern monatlich 2.000 Wohnungen übergeben. Trotzdem waren die Einwanderermengen in einigen Monaten so gross, dass diese Anzahl von W >hnungen nicht ausreichte, md doch wurden niemals Einwanderer in die Maabarot geschickt, sondern man stellte ihnen vorübergehend noch nicht fertiggestellte Wohnungen zur Verfügung, in denen z. B. noch die inneren Türen fehlten oder die Lichtleitungen noch nicht gelegt waren, die dann erst später installiert wurden. Auf diese Weise wurde vermieden, die Einwanderer in Maabarot oder Uebergangslagern unterzubringen. Es ist auch erwähnenswert, dass die gemeinsame Kommission der Regierung und Jewish Agency aufgrund der in früheren Jahren gewonnenen Erfahrungen beschlossen hat, ausser dem üblichen Bau von Wohnungen für Einwanderer, deren Zahl im vorhinein budgetmässig festgesetzt wird, ständig Terrains vorzubei eiten, um 50 Prozent nv-hr Wohnungen bauen zu können, wenn es die Lage erheischt. Zu diesem Zweck muss man den Boden nivellieren, zentrale Wasserleitungen und Röhren für Abwässer legen, Wege bauen, usw. damit wena die Zeit drängt d. h. wenn die Zahl der Ankömmlinge die der fertiggestellten Wohnungen übersteigt, sofort mit dem Bau beginnen und so ein Drittel der Zeit’ dank der vorher durchgeführten Arbeiten ersparen kann. Die Einwanderung erforderte eine Erweiterung des Netzes der Ulpanim, und in diesem 15. Jahr erlernten über 9.000 Einwanderer, in der Mehrzahl Familienvä-' ter, in diesen Schulen die hebräische Sprache. Die Einwanderung aus westlichen Ländern machte auch die Erweiterung der Familien-Ulpanim notwendig, die vor einigen Jahren gegründet wurden, als die 1 Einwanderer aus Südafrika eintrafen. Ein Familien Ulpan ist eine Anstalt, in der die Eltern hebräischen Unterricht erhalten und die Kinder in die Schule gehen. In diesem Jahr wurden auch Jugendliche ausserhalb des Rahmens der -Tugendalija eingegliedert, d. h. im Alter von über 16 Jahren.; Die jungen Menschen wurden in den Internaten der ' Jugendzentren, in den Kibbuzim und Ulpanim aufgenommen und schliesslich auch in besonderen Anstalten in den Kibbuzim, die für Jugendliche bestimmt sind. Nach Beendigung ihrer hebräischen Sprachstudien in den Ulpanim, erlernen die Jugendlichen einen ihren Neigungen und Fähigkeiten entsprechenden Beruf." Sechzig Prozent aller in diesem Jahr eingetroffenen Einwanderer wurden in Er.twicklungszonen oder landwirtschaftlichen Siedlungszentren ansässig gemacht. Dieses Werk erfordert unermüdliche Anstrengungen und riesige finanzielle Mittel. Den Bürgern Israels werden schwere Steuern und Zwangsanleihen für die Absorption der Einwanderer auferlegt, doch die Bevölkerung nimmt diese Belastung gutwillig auf sich und ist sich der Bedeutung dieses t historischen Prozesses voll- , auf bewusst. Registro de la Propiedad Intelectual No. 735 104 - — -—4_ Impreso en la Imprenta POLIGLOTA'— Rivadavia 831