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Jüdische Wochenschau · 1963-05-10 · 2011 (10.5.1963) · p. [Seite 1]

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Journal
Jüdische Wochenschau
Volume
24 (1963)
Issue
2011 (10.5.1963)
Date
1963-05-10
Page
[Seite 1] (sequence 1)
Language
German, Spanish
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PIÎEYRREDO.N 2190 — 1’ izq. JfoJènuiH&d&uCielila r E. K 3 - 2 6 1 3 AIN'O XXIV BUENOS AIRES, VIERNES 10 DE MAYO DE 1903 No. 2011 Ben Gurion fordert Garantien Jerusalem. — Ministerpräsident David Ben Gurion machte den Vorschlag, die Vereinigten Staaten und Sowjetrussland sollten gemeinsam die israelischen Grenzen garantieren, um die Ruhe im Mittelosten wirksam zu bewahren. In einem exklusiven Interview, das Ben Gurion dem Chef des Nachrichtendienstes der Columbia Broadcasting Corporation gewährte, erklärte er, es könne in diesem Raum keine Stabilität geben, solange Nasser unter Verletzung der UN-Charter den Kriegszustand mit Israel aufrecht erhält. Ben Gurion schlug vor, die USA und die Sow jetunion sollten den Frieden sichern, indem sie eine gemeinsame Warnung an Nasser ergehen lassen, dass sie ihm jede militärische und finanzielle Hilfe entziehen würden, wenn er nicht in Uebereinstimmung mit der Charter der Vereinten Nationen Is rael anerkenne und über den Frieden verhandle. Ben Gurion verwies auch auf die Möglichkeit, dass die USA die Garantie für die Unverletzlichkeit des israelischen Territoriums allein übernehmen und einen bilateralen Vertrag mit Israel schliessen könnten, in dem es heissen würde, dass der Angriff auf einen Partner ein Angriff auf den anderen darstellt. En Sprecher des Kabinetts bestätigte, dass die von Ben Gurion der C.B.C. mitgeteilten Vorschläge der Position des Kabinetts entsprächen. In seiner letzten Sitzung beriet das Kabinett über die Sicherheitsfragen und die politische Lage infolge der Ereignisse in Transjordanien. DIE POSITION DER USA Washington. — Myer Feldman. der Sonderberater des -Präsidenten Kennedy, äusserte in einer Konferenz des Amerikanisch - israelischen Comités für öffentliche Angelegenheiten, dass die USA die Integrität Israels schützen müssen und nicht beabsichtigen,,, im Falle irgendeiner Bedrohung abseits zu stehen“. Feldman verwies auf die Belieferung Israels mit amerikanischen Hawk-Geschoseen und fügte hinzu, die USA hätten klargestellt, dass sie sich einem jeden Rüstungswettlauf im Mittleren Osten widersetzen. Er sprach ferner von weitgehenden Entwicklungs-Anleihen an Israel und weiterer Hilfe zur Gewährleistung der Prosperität des jüdischen Staates. Er unterstrich, die Freund» Israels müssten unermüdlich für den Frieden wirken, er nannte Israel ein Mitglied der ..Familie der Freiheit“ und sagte voraus, dass eine Welt, die den Untregang Israels zulassen würde, nicht überleben könnte. Das Comité beschloss, an den Präsidenten vnd an den Kongress zu appellieren und neue Massnahmen zu verlangen, die die Sicherheit Israels garantieren und die USA verpflichten, einer Ag gression entgegenzutretm, Israel mit Waffen zu beliefern und zu verhüten, dass die im Rahmen der USA- Hilfe der VAR gewährten Kredite weiter zu Angriffszwecken verwandt w'erden. Israel Botschafter Abraham Harman stellte in seinen Ausführungen fest, dass sich die Araber ganz nach Belieben Zusammenschlüssen könnten, doch die Vernichtung Israels sei „ein wenig realistisches Ziel“. Er gab die Versicherung ab, dass Israel „kein neues Warschauer Ghetto“ sein werde. Die Verteidigungspolitik Israels bezwecke nicht, Kriege zu gewinnen, sondern bewaffnete Konflikte zu ver meiden und zu verhindern, dass seine Feinde sich verrechnen könnten. APPELL AN U THANT Lcndon. — Grossbritanniten und die USA haben den UN Generalsekretär U Thant ersucht, die „diplomatische Vertretung der UN in Transjordanien“ zu verstärken, um „die drohende Krisis i’m Mittleren Osten aufzuhalten“, wie aus einer vom „Sunday Observer“ veröffentlichten Nachricht ersichtlich ist. Das Blatt kündigte an dass John Spinelli, der Leiter des europäischen UN-Büros, noch in dieser Woche von seinem Sitz in Genf nach Amman fliegen wird, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Spineili wird der höchste UN-Funktionär sein, der offiziell diese „diplomatische Vertretung“ über nimmt. „Sunday Observer“ teilt im weiteren mit, dass die USA an Aegypten, Syrien und Irak die Warnung ergehen Hessen, sich einer Intervention in Transjordanien zu enthalten. Hierzu schreibt die Zeitung, die Lage in Transjordanien sei ernst, doch die VAR hätte gegenwärtig zu viele Probleme, um heute ein ausschlaggebender Faktor in diesem Lande zu sein. BEN BELLA HETZT London. — Achmed Ben Bella, der Premierminister Algeriens, forderte Syrien und Irak auf, sich Aegypten in der neuen arabischen Föderation cnzuschliessen, die Einigkeit zu bewahren und „sich vor Israel, unserem gemeinsamen Feind zu hüten“. Ben Bella gab diese Erklärung ab, als er den ägyptischen Staatspräsidenten Nasser bei seiner Ankunft in Algier begrüsste. STIMMEN AUS DEM STATE DEPARTMENT Washington. — Beamte des State Department äusserten, die Gefahr eines Sturzes der transjordanischen Regierung scheine sich verringert zu haben. Sie stellten in Abrede, dass die VAR vor einer Intervention „gewarnt“ worden sei, und erklärten, das State Departmeiit bemühe sich, die Auffassungen der öffentlichen Meinung in Israel ebenso wie die Absichten der VAR zu erkunden. Die Bereitschaft der VI. USA-Flotte und verschiedener britischer Einheiten im östlichen Mittelmeer sei nicht notwendigerweise gegen die VAR gerichtet, so erklärten sie, sondern Teil der Verteidigung Transjordaniens gegen eine Aggression von irgendeiner Seilet!). Offensichtlich unterliegt (Schluss auf Seite 12) WIE ICH ES SEHE Gibt es keinen Frieden? ---- -..von JEHUDA GÖTTHEMER Der Mittlere Osten ist ein permanenter Unruheherd, der nicht nur die Völker dieses Gebietes, sondern alle Nationen vor ständig neue Gefahren stellt. Die Vereinten Nationen haben seit rien Waffenstillständen zwischen den arabischen Ländern und Israel nur gelegentlich, meist durch ihren Sicherheitsrat, aktuelle Streitfragen in einer niemals gründlichen Form geschlichtet oder erledigt, ohne jemals ihrer eigentlichen Aufgabe gerecht zu werden, wenigstens den Versuch zu einem dauerhaften Frieden zu unternehmen. Die ständigen Rüstungen und Drohungen Nassers, die er gegen Lsrael richtet, veranlassten die israelische Regierung, vor einigen Jahren die Waffenlager und festen Stellungen, die Nasser in der Sinai Halbinsel angelegt hatte, aufzurollen und bis an den’ Suezkanal vorzustossen. Durch * die ungeschickte britische Intervention konnte die Aktien Israels nicht zuenfle geführt werden. Die Nordamerikaner schalteten sich direkt und durch den Sicherheitsrat ein und brachten Israel um die besten Früchte seiner Operation, die allein Verteidigungs - Zwecken ge dient hat. Immerhin reichte der Sinai-Feldzug aus, um bis heute die Ruhe an den bis dahin sehr unsicheren Grenzen aufrecht zu erhalten und den arabischen Ländern den erforderlichen Respekt ein- 1 zuflössen, so dass sie sich Eine Warnung aus England von BORIS SMOLAR Schafft das State Department vielleicht, ohne es zu wollen, einen neuen Castro, indem es Nasser Unterstützung leistet? Diese Frage stellt man sich in London, wo man Nassers Abenteuer und seinen Ehrgeiz, den ganzen Mittelosten zu beherrschen, nicht mit viel Sympathie verfolgt. Die englischen Sachverständigen für Mittelcsffra gen vertreten die Ansicht, Nasser könne sich in einen neuen Castro verwandeln, und sie stehen nicht daven ab, die Vereinigten Staaten vor dieser Gefahr zu warnen. Sie weisen darauf hin, dass Moskau glaubt, mit der Zeit die Macht im Nahen Osten an sich zu reissen4 und Nasser als Werkzeug betrachtet, wenn die ser auch heute noch nicht das Spiel des Kreml spielt Die Engländer teilennicht die Meinung Washing tons, dass Nasser ein starker Wall gegen den Kommunismus wäre. Vielmehr glauben sie, dass die Hai tung Washingtons für eine schwere Störung des Gleichgewichts im Mittelosten sein könne, wenn die USA Politik, weiter ihrer bisherigen Linie folgt. Der befürchtete Umsturz wird nach den Voraussagungen aus Londcn nicht nur der Fall der heutigen Regime in Transjordanien und Saudi Arabien und die Verdrän gung der Briten aus Aden mit sich bringen, sondern die Regierungen Irans und Aethiopiens bedrohen, und sie stellen sich auf den Standpunkt, dass Israel dann zu einer Intervention gezwungen sein wird, um sich selbst zu verteidigen. von schweren Angriffshandlungen — von einigen Uebergriffen Syriens einmal abgesehen — ganz offensichtlich zurückhielten. Aber Nasser wurde von den Amerikanern und den Russen gestützt und konnte nach einiger Zeit seine anti-israelischen Pläne wieder aufnehmen. Der ägyptische Diktator hat seile Taktik geändert. Weder gibt es wohl ausgerüstete Banden, die in israelisches Gebiet eindringen, noch werden die Siedlungen am Streifen von Gaza angegriffen, wie es Jahre hindurch beinahe täglich und nächtlich der Fall gewesen ist. Was Nasser nicht durch militärische oder semimilitärische Massnahmen erreichen konnte, versuchte er durch politische Manöver durchzusetzen. Zunächst gelang es ihm. Aegypten und Syrien zu einem Staat zu verschmelzen, dem er den Namen der Vereinigten Arabischen Republik gab. Der Yemen wurde als Partner eines engen Bündnisses aufgenommen, dessen Spitze allerdings nicht allein gegen Israel gerichtet war. Die übrigen arabischen Länder, die sich Nasser nicht beugen wollten, sollten auf diesem Umweg gezwnigen werden, das Primat Aegyp tens und seines Führers anzunehmen oder wenigstens innerhalb der Arabischen Liga anzuerkennen. Mit dieser Entwicklung waren weder die Könige von Saudi Arabien und Transjordanien noch der damalige Herrscher des Irak einverstanden, der durch eine geschickt-.- Politik unter Führung eines der gerissensten arabischen Politiker, Nuri Pascha, zu einem ei« sten Rivalen Aegyptens geworden war. Die Arabische Liga sank zu einer Farce herab. An ihren Verhandlungen beteiligte sich der Ein Grass aus Schweden nr_ yi’.: — Jeder kennt schon allmählich jene fahlen Briefumschläge mit der klare« Druckhandschrit't aus Schweden, in denen antisemitische Flugblätter, Pamphte te und neuerdings auch graphische Darstellungen enthalten s'i'id. Als Herausgeber zeichnet der berüchtigte Hetzer Einar Abcrg verantwortlich, der heute zu den führenden .Köpfen' der antisemitischen Internationale gehört. Gedruckt werden diese Schmierschriften in einer Stockholmer Druckerei, auf den Briefumschlägen lächelt uns der Kopf des schwedisch « Königs entgegen. Vielleicht ist es ein trauriges Lächeln, dass gerade diese von Hass triefenden Karten und Briefe aus seinem Land in die Ferne geschickt werden. War doch Schweden eines der wenigen Länder in der Zeit der aufgepeitschte« Leidenschaften, in den Tagen, wo Hass und Verfolgung Europa in Blut tauchten, in jenen finsteren Stunden, wo Hitler und seine Schergen unschuldige Menschen, hilfslose Frauen und Kinder mordeten. Ausgerechnet in Sehwe den, dem Lande, in welchem viele Juden Asyl gefunden haben, erhebt sich die Stimme eines neuen hemmungslosen Antisemitismus, der mit der Tradition, der Toleranz und dem liberalen Denken der Skandinavier in Widerspruch steht. Es ist unwesentlich, welche Texte und Schmähschriften verschickt werden. Hauptsache bleibt die Grundme lodie: der Jude ist an allem schuldig, am Kommunismus, am Sozialismus, am Liberalismus, an der Demokratie, an den Freimaurerlogen und anderen .geheimen“ Gesellschaften, zu denen auch schon der Rotary-Club zählt, so wie am Grosskapital, den Trusts und den Kartellen. Ja, die Juden sind die dunklen, geheimen Kräfte, die alles dirigieren, vom Lumpenproletariat bis zur Plutokratie. Diesen und anderen Unsinn verschickt Herr Aberg in alle Welt in der Hoffnung, irgendwo vielleicht doch Dumme. Ahnungslose oder Unbelehrbare zu fnden, die ihm Beifall spenden. Zu diesem obskuren Handwerk leister ihm die schwedische Post Mithilfe, denn sie verschickt seine Wurfsendungen, obwohl bekannt ist, dass deren Inhalt gegen die Auffassungen des schwedischen Volkes und schwedischen Lebens sowie gegen die Prinzipien der schwedischen Verfassung verstossen. Die Post beruft sich auf das Postgeheimnis, das niemand brechen darf. Die schwedischen Behörden meinen, sie müssten die demokratischen Rechte ihrer Bürger schützen, sogar das Postgeheimnis des Bürgers Aberg, der unter dem Schutze der Demokratie gegen sie kämpfen darf. Dass tausende Menschen oder gar Millionen durch die Schmähschriften des Aberg beleidigt und herabgewürdigt werde«, dagegen unternehmen die schwedischen Behörden — sehr im Gegensatz zur Tradition ihres Landes — überhaupt nichts. Vielleicht sollten einmal die Juden sich überlegen, wie sie sich gegen Aberg wehren könnten? Irak höchst selten, und wenn er dabei war, machte er Opposition, mit der Nasser nicht fertig wurde. Als dar.« der junge König von Irak und Nuri Pascha durch die Revolution Kassems ermordet wurden, trat die Gegnerschaft zu Aegypten nur noch deutlicher hervor. Kassem änderte den politischen Kurs dieses wichtigen Oel-Landes, verfolgte aber auf einem Gebiet die gleiche Linie, die von Nuri Pascha angezeigt worden war: die Gegnerschaft zu A'egypte« wurde eher ver-, schärft als gemildert. Kassem fühlte sich Nasser ebenbürtig. Während Nasser zwar Verbindungen mit dem Kreml suchte und auch fand, hat er niemals mit den Amerikanern gebrochen. Kassem war radikaler. Er verliess den westlichen Kurs der alten irakischen Politik, obwohl die Amerikaner erst kurz vor seinem Machtantritt sehr erhebliche Investi tionen vorgenommen hatten, die er sich zu Nutze zu machen verstand, und trat in ein offenes Bündnis mit den Sowjets, die hierdurch einen gewaltigen Einfluss im Mittleren Orient erhielten. Durch dieses Manöver waren die Türkei und Persien in Gefahr gekommen, nunmehr von zwei Seiten durch die Russen in die Zange ge nommen zu werden. Zweifellos stieg hierdurch Nassers Wert an der politischen Börse des Westens. Das Weisse Haus machte bei allen Nasserschen Bravourstücken beide Augen zu und liess ihn gewähren, weil man glaubte. Aegypten als Gegengewicht gegen einen von den Russen beeinflusste« Irak unbedingt halten zu müssen. Natürlich sah man es auch in Washington nicht gern, dass Nasser zu mächtig wurde. Deswegen kam die Nachricht nicht unwillkommen, dass die ägyptischsyrische Allianz durch revoltierende Offiziere in Damaskus wieder in die Brüche gegangen war. Nasser konnte schliesslich nur auf eine lange Reihe politischer Misserfolge zurückblicken. Seit einigen Wochen hat sich das politische Panorama im Mittleren Ost^n wieder vollkommen geändert. Zunächst wurde der Imam vom Yemen durch eine offene Intervention Aegyp+ens gestürzt, nachdem eine Flutwelle von Propaganda durch Radio Kairo gegen den Yemen und Saudi Arabien gestartet war. Als Saudi Arabien dem Imam zu Hilfe kommen wollte, war es bereits zu spat. Auffallenderweise beeilten sich die Ame rikaner, die serst bei der Anerkennung von Revolutionsregierungen äusserste Vorsicht walten lassen, in diesem Fall, die neuen Männer des Yemen anzuerkenr.en. Nasser hatte einen neu- (Schluss auf Seite 2> Bonn schreitet nicht ein Bor«. — Das Kabinett der Deutschen Bundesre publik hat beschlossen, keine besonderen Vollmachten zu fordern, um deutsche Wissenschaftler daran zu hindern, an der Entwicklung von Waffen für die VAR zu arbeiten. Man glaubt, dass Zweifgl an der Wirk samkeit e'nes solchen Gesetzes bestimmend dafür waren, von seinem Einschluss in die Legislatur abzuse hen. Der Vorschlag, über den das Kabinett debattierte, hatte einen Zusatz zu dem Gesetz gebildet, das westdeutschen Staatsbürgern verbietet, atomische bakteriologische und chemische Waffen oder Raketen für militärische Zwecke im Gebiet der Bundesrepublik herzosteilen. Der Zusatz würde das Verbot auf die Westdeutschen ausgedehnt habt«, welche im Ausland tätig sind, falls diese nicht die Erlaubnis von der Regieriiig erhalten. (ITA)

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